Linn Sneaky auf Gerts Seziertisch

Gerts Modifikationen

Beitragvon wgh52 » 31.08.2011, 20:55

play-mate hat geschrieben:...das muss du näher erklären. Wie soll allein ein Filter interpolieren können ?...

Leif, das ist doch ganz einfach. Stell Dir das bildhaft so vor: Das (Tiefpass-)Filter entfernt die Stufen aus dem Ausgangssignal. Aus endlichen vielen Abtastpunkten werden vergleichsweise "unendlich" viele (aus Treppen also wieder eine durchgehende Linie, die aber die früheren Abtastpunkte als Teil der "Lösungsmenge" enthält!), denn hinter dem Filter sind die Stufen ja "weg".

Mathematisch gesehen ist das eine Interpolation! :mrgreen:

Gruss,
Winfried

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Beitragvon play-mate » 31.08.2011, 21:42

Hey Winfried,

Es ist schon schwierig genug, gegen Autoritäten wie Gert, Uli etc. zu argumentieren. Glaub mir, es ist kein Eigennutz und auch nicht das Bedürfnis einfach dagegenzuhalten. Ich glaube die Problematik der Diskussion ist das Verständnis zwischen Daten und deren Verarbeitung. Oder wie Daten in den Wandler-Chip einkehren.

Um zu interpolieren muss der Datenstream neu geschrieben werden. Dies ist kein einfacher Transfer von Daten in einer anderen Samplingrate. Es werden Daten dazugeschrieben. Dazu braucht man einen Prozessor. Deshalb auch der FPGA Chip bei Linn. Dieser Prozessor schreibt einen neuen Datenfluss für den DAC mit höherer Samplingrate.

Nicht nur die Samplingrate wird erhöht, aber der ganze Datenstrom bekommt eine "Neuauflage". Dies sichert dass der Wandlerchip sich öfter (doppelt oder vierfach oft) mit der Taktungsclock abstimmen muss. Engere Toleranzen und genauere Taktung sind die Folge.

... aber das habe ich ja schon seit Monaten behauptet, aber es scheint nicht zu helfen. Ich bin halt nur ein cMP "Geraffler". :cry:

L.
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Beitragvon Fortepianus » 31.08.2011, 22:37

Hallo Freunde,

ich möchte ganz bestimmt nicht, dass Ihr von mir denkt, dass ich mich irgendwo auf die faule Haut lege und vor lauter Gänsehaut bzgl. des neuen Linn-Klangs nicht mehr in die Höhe komme. Also:

Die Büchse wieder in den Keller getragen und mir gedacht, also, am Digitalausgang könnte man doch das Einfachste, was denkbar ist, mal ausprobieren. Nämlich diesen Ausgangstrafo enfernen. Diese Trafos haben mir bis jetzt eigentlich immer Schwierigkeiten gemacht bzgl. Jitter. Wobei ein Trafo hauptsächlich den dateninduzierten Jitter begünstigt, der ja beim Linn nun gar nicht zu finden ist. Dennoch, wer weiß, vielleicht sammelt das Teilchen irgendwie Schmutz aus der Umgebung auf oder was weiß ich, jedenfalls will ich den Versuch nicht auslassen, ihn mal probehalber zu entfernen (hallo Kai, mit meiner kleinen Entlötsaugpumpe ging das trotz Multilayerplatine ganz locker :cheers: ):

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Bild

Der Trafo will ja nun irgendwie überbrückt werden, und einfach die Masse durchverbinden birgt die Gefahr von Masseschleifen - also kommt auf der Masseseite ein MKS4 mit 100nF zum Einsatz (warum gerade der? Er passt geometrisch gerade zwischen die zwei zu überbrückenden Punkte :P ). Auf der heißen Seite ist in der Originalschaltung schon ein Kondensator drin (muss drin sein, sonst kriegt der Trafo einen DC-Offset, der ihn in die Sättigung treibt), also tut's hier ein provisorisches Käbelchen:

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Was mir schon mit dem Trafo auffiel, war ein kleiner Überschwinger auf den Digitalimpulsen, über 5%, wenn man den Digitalausgang direkt an der Buchse mit 75 Ohm abschließt und dort einen Oszi anklemmt. Der Überschwinger war auch ohne Trafo noch da, also habe ich mal ein bisschen experimentiert mit ein paar pf hier und dort, und siehe da:

Bild

Hier ist die richtige Stelle für empirisch ermittelte 22pF, und dann sieht das Ausgangssignal so aus:

Bild

Feine Sache, sauber in 8ns rauf, sauber in 8ns wieder runter. Wobei der kleine Oszi, mit dem ich gemessen habe, eine ähnliche Anstiegszeit hat. Da muss man dann die Wurzel aus der Summe der Quadrate der beiden Anstiegszeiten ziehen, näherungsweise. Also geht der Ausgang jetzt in knackigen 4ns rauf und runter. Das höre ich mir morgen dann am Jittermonitor an - wieder ein Schuss in den Ofen?

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon martino » 01.09.2011, 00:12

Ralf Koschnicke hat geschrieben:(...) da gibt es nun wohl einen kleinen Widerspruch. Dass Du damals auch 176,4 kHz gemessen hattest, hatte ich nun nicht mehr präsent. Dann gibt es die Aussage unter Martins Link, dass am Digitalausgang bei 96kHz Schluss ist. Vermutlich ist das Verhalten in der Konfig festzulegen? Also wird meine wissenschaftliche Neugier bzgl. der Upsampler Qualität bei 4fs vielleicht doch gestillt :) Ändert aber nichts an der Grundaussage, dass wohl parallel zwei Pfade bedient werden. Vielleicht arbeitet der Upsampler aber auch mehrstufig, Verdopplung, Verdopplung, Verdopplung und dazwischen findet dann der Abgriff statt.

uli.brueggemann hat geschrieben:(...) die Messung hat Georg (Schorsch) mit seinem Sneaky gemacht, ich hab nur die Quelldatei geliefert und ausgewertet.
Inwieweit nun Martin recht hat oder nicht, oder inwieweit sich die Geräte unterscheiden, weiss ich leider nicht.

Fortepianus hat geschrieben:(...) bei mir lässt sich der Sneaky auf raw, 88,2k/96k oder 176,4k/192k einstellen. Er nimmt dann die Frequenz, die sich geradzahlig durch die Samplingrate teilen lässt, so dass er den Takt nicht asynchron hochsetzen muss.

Hallo zusammen,

also bei meinem Majik DS (noch Cara) findet sich in der Konfig Folgendes:

Bild

Also kann er offenbar zumindest zur Zeit nicht mehr als 24/96 am Digitalausgang. Das hatte ich in den Linn-Foren auch mal so gelesen. Allerdings hatte mich gerade die hier von Uli vorgestellte Messung am Digitalausgang von Georgs Sneaky schon stutzig gemacht. Und Gerts Sneaky kann jetzt auch nachweislich mehr. Vielleicht installiere ich doch mal Davaar, möglicherweise handelt es sich ja um ein erst kürzlich per Update ermöglichtes Feature. Denn eigentlich sollten sich die DS-Typen in diesen Dingen nicht unterscheiden...

Martin
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Beitragvon uli.brueggemann » 01.09.2011, 07:34

play-mate hat geschrieben:Hallo Gert,

Fortepianus hat geschrieben:Man muss überhaupt nicht irgendwie kunstvoll linear oder gar irgendwie antizipierend interpolieren, wie sich das manche vorstellen, das ist ein Trugschluss. Das Filter interpoliert! Und zwar jedes Tiefpassfilter, das ist seine mathematische Eigenschaft.

...das muss du näher erklären. Wie soll allein ein Filter interpolieren können ?

Der Knackpunkt einer Interpolierung (also die Daten mit mehr Stützpunkten zu bereichern), ist dass jeder Wandler kürzere Intervalle bekommt um sich an seinen Taktgeber zu synchronisieren. Dies ergibt weniger Zeitfehler am Wandler-Chip.

Wenn ich da wirklich falsch liege, bitte ich um Erklärung.

Hallo Leif,

ich hatte Dir schon einmal mit dem Beitrag viewtopic.php?p=34811#p34811 versucht aufzuzeigen, wie das geht.

Wenn Du also in Acourate einen 44.1 kHz-Puls (es könnte auch einfach ein kurzes wav-Signal sein) lädst, dann kannst Du ein 4-fach Upsampling einfachst simulieren. Mit TD-Functions - Zero stuffing fügst Du jeweils 3 Nullstellen zwischen die gegebenen Abtastwerte ein, es gibt also schon einmal mehr Stützpunkte. Die liegen natürlich noch falsch hinsichtlich der Amplitude, was sich auch am Frequenzgang klar zeigt.
Nun setze die Samplerate auf 176400 und generiere mit Generate - sinc-Filter ein linearphasiges Filter mit der Frequenz 22020 Hz. Falte dann beide Signale mit TD-Functions - Convolution. Dann kannst Du bereits im Zeitdiagramm reinzoomen und wirst erkennen, dass die Kurvenform deutlich runder aussieht als beim Originalpuls. Das Filtern hat damit die gewünschte Interpolation bewirkt.

Klar, das Ganze ist erfolgt mittels einer Faltung, die also einen Rechenvorgang bedingt. Das ist bei dem sinc-Filter nichts anderes als wie bei einem beliebig anderen simplen Tiefpassfilter. Wir sind hier ja in der digitalen Domäne. Wenn es das sinc-Filter auch analog gäbe, müsste das analoge Signal da einfach durchgeschickt werden, genauso wie bei einem anderen anlogen Tiefpassfilter, z.B. Frequenzweiche.

Das Ergebnis der Simulation könntest Du jetzt mit 176.4 kHz abspielen und alles ist gut.

play-mate hat geschrieben:Es ist schon schwierig genug, gegen Autoritäten wie Gert, Uli etc. zu Argumentieren.

Das ist genau das Problem. Es geht doch nicht darum, dagegen zu argumentieren. Es geht darum, sachliche Feststellungen so zu treffen, dass sie begründet und nachprüfbar sind. Quasi-wissenschaftliche halbseidene Feststellungen ohne Hintergrund bringen keinen weiter und verursachen eben Kontras.

Bei gefühlsmässigen Feststellungen, siehe z.B. Gerts ABC-Vergleich von gestern, wird es nie ein "dagegen" geben, wie könnte es auch.

:cheers:
So ist das im Forum, das Symbol zeigt es klar: man stösst miteinander gegeneinander an :D

Grüsse, Uli
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Beitragvon Ralf Koschnicke » 01.09.2011, 10:08

Hallo zusammen,

mein neuer Sneaky ist vorhin gekommen. Er ging erst mal ins Wohnzimmer. Da ist zwar nicht sie Superanlage, aber für einen ersten Eindruck reicht es. Das ganze Umfeld ist da auf jeden Fall vorhanden und die Inbetriebnahme ging erfreulich unkompliziert: Anschließen, auf dem Laptop schon vorher installierten Kinsky Desktop aufrufen und schon spielte die Musik. :cheers:

Wenn auch extrem leise. Somit ließ sich der sofortige Einstieg in das Konfig-Programm nicht vermeiden. Gleich mal die 12dB Dämpfung raus, ahh. :lol:

Erster Eindruck hinterlässt zunächst mal große Zufriedenheit. Nur: Gert, könntest Du bitte mal nach einem Baustein für die Lautstärkereglung suchen? Ich bin mir nicht sicher, ob die im FPGA gerechnet wird. Vielleicht ist da noch ein konventioneller Regelbaustein, der nur digital angesteuert wird. Unerwartet, aber umso glücklicher, lässt sich die Laustärkereglung abschalten und das bleibt sie.

Der Sneaky läuft auf Davaar 1 und hier gibt es für den Digitalausgang die Optionen 88,2/96 bzw. 176,4/192, also sicher eine Frage der Software.

Soweit für's Erste ...

Viele Grüße
Ralf
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Beitragvon Bernd Peter » 01.09.2011, 11:15

Hallo,

ich denke es ist nicht verkehrt, unserem Elektronikexperten zur Halbzeit schon mal ein großes Lob und viel Anerkennung auszusprechen.

Bravo Gert!

Aber eigentlich....

Nein, Gert, geh mal in die zweite Reihe.

Special thanks an: Annette, die ich - leider - zwar nicht persönlich kenne, deren Hörurteil aber außer Frage steht. Was für eine Frau, nicht nur, daß sie unseren Gert versorgt und pflegt, Verständnis für sein großes zeitaufwändiges Hobby aufbringt, nein, die Qualitätsprüfung und Endabnahme für die Produkte des Gatten erledigt sie auch noch.

Dem Ehepaar Volk aus Stuttgart daher ein gemeinsamer Dank für die bisherige Arbeit.

Gruß

Bernd Peter
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Beitragvon Roli » 01.09.2011, 12:34

Hi Bernd Peter,

absolute Zustimmung !! :cheers:

Diese Story erinnert mich an meine Denon-BR-Entstehungsgeschichte.

Einfach genial und spannend!

@ Gert und Annette
Weiter so und vielen Dank an Dich und natürlich auch an Annette, welche
eine unglaubliche Gemütsruhe haben muss. Bei Dir muss der Tag definitiv mehr
als 24 Stunden haben :mrgreen:

Herzliche Grüße :cheers:
Roland
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Beitragvon Fortepianus » 01.09.2011, 14:41

Hallo Roland, hallo Bernd Peter,

danke für die Blumen, die ich natürlich gerne an Annette weiter reichen werde.

Hallo Ralf,

Ralf Koschnicke hat geschrieben:mein neuer Sneaky ist vorhin gekommen.

Glückwunsch!

Ralf Koschnicke hat geschrieben:Erster Eindruck hinterlässt zunächst mal große Zufriedenheit. Nur: Gert, könntest Du bitte mal nach einem Baustein für die Lautstärkereglung suchen? Ich bin mir nicht sicher, ob die im FPGA gerechnet wird. Vielleicht ist da noch ein konventioneller Regelbaustein, der nur digital angesteuert wird. Unerwartet, aber umso glücklicher, lässt sich die Laustärkereglung abschalten und das bleibt sie.

Da gibt's ja drei FPGAs von Xilinx auf dem Board. Theoretisch kann der Wolfson-Wandler die Lautstärke regeln, aber das schließe ich aus, nachdem ich die Pins alle auf Spannung und Frequenz durchgemessen habe. Danach stellt sich die Lage so dar:

Der WM8740 wird im Hardware-Mode betrieben, und zwar im sog. 8fs-Mode (8faches Oversampling) nach 24bit I²S-Spezifikation für die Datenorganisation. Im 8fs-Mode gibt es zwei digitale Eingangspins, getrennt für links und rechts. Ich habe gemessen, während ein 44,1kHz Messsignal lief. Beim 8fs-Mode wird der interne Upsampler des DAC, aber auch seine interne Lautstärkeregelung umgangen. Die LR-Clock liegt mit 352,8kHz an, die Bit- und Systemclock mit 11,2896MHz.

Damit muss die Lautstärkeregelung extern gemacht werden, und zwar digital, weil auf Analogseite ganz sicher nichts Derartiges drin ist. Lediglich die Signalabschwächung (-12db etc.) ist analog ausgeführt. Direkt vor dem DAC sitzt ein Xilinx XC9536XL, und da bei den größeren Modellen hier eine VCXO dran hängt, schreibe ich die Takterzeugung und das je nach Eingangsfrequenz mehrfache Upsampling diesem Chip zu (vielleicht denke ich da auch falsch, aber das ist meine derzeitige Arbeitshypothese). Das Upsampling wird vermutlich nicht im dicken Eingangs-FPGA gemacht, denn es kann ja getrennt für Analog- und Digitalausgang in der Frequenz eingestellt werden. Da ist aber keinesfalls gesichert, sondern so reime ich mir das momentan zusammen.

Den Test ohne Ausgangsübertrager vor dem Digitalausgang am Jittermonitor habe ich übrigens gemacht, der Unterschied am Jittermonitor ist marginal. Auch ohne Übertrager ist ein höherer Jitter als beim G-Sonos auszumachen, aber es ist egal, ob mit oder ohne Trafo. Also wieder rein damit :D .

Oszibildchen mit und ohne Trafo, oben mit, unten ohne:

Bild

Bild

100ns/Div t-Achse, 100mV/Div y-Achse. Die unterschiedlichen Pulsbreiten kommen daher, dass der Sneaky oben eine 44,1k-Datei abspielte und unten im Leerlauf war, was aber für die Anstiegsflanken und die Pulsdächer egal ist. Man sieht mit Trafo, dass die Dächer ein ganz klein wenig schräg sind. Das ist aber so wenig, dass es offensichtlich keinen Einfluss auf den Jitter am Ausgang hat.

Ich denke, dass der Systemtakt des Sneaky eben nicht so besonders gut ist, und da unterscheidet er sich vermutlich von den größeren Brüdern. Ihm fehlt ja auch die VCXO am letzten FPGA, und ich vermute jetzt einfach mal, dass dieser FPGA einen integrierten Taktgeber besitzt, der benutzt wird. Ein besserer Takt würde natürlich auch und vor allem dem internen Wandler auf die Sprünge helfen. Um das zu ändern, muss ich aber noch ein ganzes Stück tiefer in die Kiste einsteigen. Das lässt sich nicht einfach machen, indem man die externen Clock-Bauteile, die man bei den größeren DS am gleichen FPGA sieht, drauf macht, denn der FPGA ist ja individuell für jedes Modell programmiert. Ich habe aber schon ein paar Ideen, wie das gehen könnte.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon modmix » 01.09.2011, 15:15

Hallo Gert,
Fortepianus hat geschrieben:Man sieht mit Trafo, dass die Dächer ein ganz klein wenig schräg sind.

Wenn ich eine Deiner früheren Bemerkungen richtig verstanden habe, heißt das, daß der Trafo genügend große Bandbreite (insbesondere nach unten) hat. Weiter heißt das doch, daß ein guter Trafo drinn bleiben darf und nur ein schlechter Daten-induzierten Jitter erzeugen kann - richtig?

Zusatzfrage: Kannst Du sagen, wie weit nach unten ein Trafo spielen sollte, um keine oder nur unwesentlich abfallenden Dächer zu produzieren?

Respekt - und Dank im Voraus!
Ulli
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Beitragvon Ralf Koschnicke » 01.09.2011, 16:54

Hallo Gert,

besten Dank für die Nachforschungen! Ich habe den Sneaky nun seit Stunden im Studio und mache diverse Versuche. Den Analogausgang zu tunen ist sicher eine gute Idee. Im Studio habe ich ohnehin Probleme, weil alles +4dB braucht. An meinem Abhörcontroller kann ich einen Eingang zwar auf –10dB schalten, war dann aber immer noch 2-3dB leiser als mein Master DAC. Daran konnte der Analogausgang nicht den guten Eindruck von der Wohnzimmeranlage fortsetzen. Vielleicht passt das genau zu LINN-Verstärkern, ansonsten scheint der Kleine etwas wählerisch zu sein. Probeweise habe ich mal statt der Anpassung im Monitorcontroller 12dB mit dem Mikrofonverstärker aufgeholt. Das klang dann über Analogausgang gar nicht übel, obwohl die Impedanzen eigentlich gar nicht passen (Der Mikroverstärker ist diesbezüglich aber sehr tolerant).

An der AVM Vorstufe im Wohnzimmer hatte er keine größeren Probleme. Da spielt er echt super. Zum Vergleich habe ich dort noch eine Squeezebox Touch, die ich als Einstieg für gerade mal 250,- EUR auch schon sehr ordentlich finde. Im Vergleich dazu, wird der Sneaky seinem fünfmal höheren Preis voll und ganz gerecht, würde ich sagen.

Absolut fantastisch schlägt sich der Sneaky per Digitalausgang an meinem Master DAC. So bekomme ich meine Aufnahme sonst nicht zu hören. Auch wenn seine Clock nicht ideal zu sein scheint, er macht aber wohl irgendetwas nochmal anders als ein Rechner – wundert mich jedoch nicht wirklich, wäre eher enttäuscht, wenn es nicht so wäre. Bzgl. Clock muss ich aber dazu sagen, dass mein Master DAC ein Duett aus Apogee Big Ben mit modifiziertem Mini DAC ist.

Alles in allem positioniert sich die Maschine genauso wie erwartet: Einmal als sehr ordentliche Lösung an der privaten Anlage ohne Notwendigkeit noch viel drumherum zu machen und trotzdem genüsslich Musik hören zu können. Auf der anderen Seite als ideale Quelle für einen externen DAC.

Nur eine kritische Anmerkung hätte ich, vielleicht können andere das mal nachprüfen: Im Auslieferungszustand verkauft sich der Player weit unter Wert. Ich finde folgende Dinge essentiell:

- Pegeldämpfung von –12dB komplett raus auf 0
- interne Lautstärkereglung auf jeden Fall: AUS
- Wenn analog gehört wird, den Digitalausgang auf „disabled“!

Wer den Player, aber vielleicht auch einen größeren LINN, mal ohne die Berücksichtigung dieser drei Dinge gehört hat, hat einen völlig falschen Eindruck bekommen.

Warum die Lautstärkeregelung nun nicht überzeugt, bleibt ein Rätsel. Übrigens sagt LINN im Konfig-Programm im zugehörigen Text frei übersetzt: Wenn ein externer (Vor-)verstärker gewünscht ist, bitte auf „Off“. LINN sieht das anscheinend auch eher kritisch und denkt die Option in erster Linie für den internen Verstärker, würde ich daraus ablesen.

CD-Qualität – war jetzt für mich jedoch nicht im Zentrum – macht einen sehr guten Eindruck, egal ob über den internen Analogweg oder per 176,4kHz an meinem DAC. Das Upsampling scheint also sehr gut zu sein. Eine Einordnung in die Vergleichsbeispiele von neulich steht jedoch noch aus.

Zum Schluss habe ich noch eine Kuriosität für unsere EDV-Spezialisten: Beim Vergleichshören mit meinem Master-PC fiel mir auf, dass der J.River Mediacenter mit den Daten vom NAS per Twonky gestreamt deutlich besser klingt als über Windowsnetzwerk auf Dateiebene. Das ist doch wieder völlig verrückt, oder? Gibt der Twonky als Stream vielleicht eine andere Datenstruktur aus als ein auf Windowsebene aufgerufenes FLAC-File und resultiert daraus anderer Jitter? Höchst interessant. Bitte auch mal bei anderen testen, ist so deutlich, dass ich ganz sicher bin. Kann aber eigentlich nicht sein ...

Viele Grüße
Ralf
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Beitragvon Fortepianus » 01.09.2011, 20:13

Hallo Ralf,

na, das klingt doch viel versprechend. In der Maschine steckt enormes Potenzial, finde auch ich.

Heute kamen die LME49740MA aus Singapur, das ging extrem zackig. Der OPA4134UA ist auch schon draußen und der LME49740MA drin:

Bild

Eine Kleinigkeit habe ich noch verändert: Der originale Tiefpass ganz am Ende ist so dimensioniert, dass der Ausgangswiderstand von 300 Ohm (was für meinem Geschmack zu viel ist) 750pF nach Masse findet. Das macht einen passiven Tiefpass mit einer Grenzfrequenz von rund 700kHz. Juckt nicht weiter, kann man sagen, aber wozu, außer für die Erfüllung der in diesem Punkt völlig unsinnigen EMV-Vorschriften, kann man sich ebenso fragen. Inzwischen ist der Ausgangswiderstand auf 50 Ohm erniedrigt. Mit den Bufs davor könnte man den auch gefahrlos noch erheblich niedriger machen, aber das bringt nach meiner Erfahrung nichts mehr, und dann wäre die Mutingschaltung völlig ausgehebelt, weil der BUF634 ungerührt Saft in die MOSFET-Schalter pressen würde, bis sie glühen. Dafür habe ich die 750pF auf 330pF erniedrigt, damit hat der Tiefpass am Ausgang jetzt rund 10MHz Grenzfrequenz und ist jetzt wirklich nur noch für HF wirksam.

Wieder in den Hörraum gestapft mit der Kiste und angeschlossen. Vergleich Sonos am DAC gegen Linn analog. Da stimmt doch der Pegel nicht mehr, dachte ich gleich, und erst mal nachgemessen. Doch, er stimmt, bei Stellung 82 spielt der Linn nach wie vor gleich laut wie der DAC. Aber interessanterweise muss ich jetzt den Linn 2dB (also auf 80) zurück nehmen, um den gleichen Lautheitseindruck zu bekommen! Das hat enorm an Druck und Struktur gewonnen, das ist offensichtlich und ich brauche diesmal Annette nicht zu bemühen :D . Das sind die LMEs, ganz klar. Die sind einfach gut, und LMEs mit BUF634 dahinter sind saugut. Für alle, die nicht an den unterschiedlichen Klang von OPs glauben, entweder, weil sie es noch nie im Vergleich gehört haben oder weil ihre Anlage das nicht rüber bringt: Vielleicht macht Euch ja nachdenkllich, dass Linn von Sneaky und Majik zu Akurate und Klimax von OPA4134 auf LM4562 (baugleich mit LME49720) wechselt.

Das Zwischenergebnis beflügelt mich jetzt doch enorm, muss ich sagen.

Die Takt-Geschichte im Sneaky wird aufwändig, enorm aufwändig sogar, wenn man es richtig machen will, da schrecke ich noch ein bisschen davor zurück, weil ich mich frage, ob man für die damit erreichbare Liga nicht besser doch gleich einen Akurate kauft, dann hat man auch gleich kanalgetrennte 32Bit-Wandler, und die LMEs sind auch schon drin. Da fehlen dann nur noch die Buffer am Ausgang. Aber vielleicht geht auch dort noch ein bisschen was an der Spannungsversorgung, mal sehen :mrgreen: .

Aber am Analogausgang des Sneaky ist enorm viel zu holen, das ist ganz klar. Als nächstes möchte ich mir die Spannungsversorgungen noch ein bisschen zur Brust nehmen. Die Regler auf dem Bord (LM2941S und 2991S) für die Analogspannung habe ich ja schon so verändert, dass sie nun +-13,5V anstelle +11,4V und -11,7V bringen. Da fühlen sich die LMEs ebenso wie die BUF634 wohler, wenn es nicht so knausrig zugeht beim Essen. Man könnte natürlich auch auf +-15V gehen (in den AGM versorge ich sie mit 15,5V), aber dann werden die Buffer recht heiß, weil ich sie im ClassA-Betrieb betreibe. Da sind die 13,5V ein guter Wert.

Welche Spannungen mir in erster Linie verbesserungswürdig erscheinen, sind die Analogspannungen des DAC. Es gibt drei Pins am Wolfson dafür. Sie sind im Sneaky alle zusammengelegt und werden aus einem LM317 versorgt, der seine Spannung wiederum aus den +11,4V (jetzt 13,5V) erhält. Die Spannung ist eine der entscheidenden am Wandler, sie ist die Referenz für die Wandlung ins Analoge, und wenn da was zappelt, zappelt 1:1 das Analogsignal mit. Hier etwas Aufmerksamkeit zu spendieren, lohnt sich durchaus, denke ich. Warum nicht dafür eine Sonos-Upgrade-Platine opfern und so bestücken, wie für die HiFace-Upgrades? Natürlich angepasst an den Strombedarf von 13mA des Wolfson-DACs. Ich glaube, das wird die nächste Stufe, die ich am Analgteil zünden kann.

Viele Grüße
Gert

P.S. Sorry, Ulli, Deine Frage hätte ich fast vergessen in meiner Euphorie. Nein, ich weiß aus dem Ärmel keine nötige untere Grenzfrequenz für den Trafo. Aber die Schaltung selbst muss eben auch gut überlegt sein, und die Linn-Jungs verstehen ihr Handwerk, das fällt mir jetzt schon wiederholt auf. Beim Sonos war es einfach, egal wohin man schaut, fällt einem sofort was ein, was besser ist. Beim Linn ist die Luft viel dünner.
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Beitragvon kingickongic » 01.09.2011, 20:32

Hi Gert,

du machst es wieder sehr spannend und gründlich.
Kannst mich schon mal auf die G-Linn Liste setzen. :D

Grüsse Romeo
:cheers:
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Beitragvon Fortepianus » 02.09.2011, 20:10

Hallo Freunde,

kingickongic hat geschrieben:du machst es wieder sehr spannend und gründlich.
Kannst mich schon mal auf die G-Linn Liste setzen. :D

gerne :cheers: , aber immer eins nach dem andern. Es ehrt mich natürlich sehr, dass schon eifrig Anfragen nach Umbauten einlaufen, bevor ich überhaupt fertig bin und sagen kann, dass das jetzt was taugt. Gerade mache ich ein wenig Lötpause, weil ich nun soweit verstanden habe, was wo im Analogteil zu holen ist. OPs, Ausgangsbuffer, Versorgungsspannungen, Ausgangswiderstand und Ausgangskapazität, die üblichen Verdächtigen. Nun bin ich eifrig dabei, Schaltpläne zu malen. Ich bin dabei, als nächstes ein prototypisches Board aufbauen, das schon grob die Abmessungen und die Bauteilanordung hat, die mir für eine evtl. G-Linn-Lösung vorschwebt, aber immer noch in Lochrasterbauweise ausgeführt ist. Dabei will ich testweise auch mal probieren, ob sich der Digitalausgang bzgl. Jitter nicht vielleicht doch noch etwas verbessern lässt, wenn man den S/PDIF-Datenstrom in einen Speicherbaustein schiebt und mit genau dem Takt an die Schnittstelle raus schiebt, der auch den DAC taktet. So schlecht kann der Systemtakt nämlich nicht sein, wenn ich mir die zuletzt erreichte Performance am Analogausgang anhöre.

Das dauert jetzt ein bisschen, Schaltpläne machen, Layout für den Prototypen entwerfen und Bauteile besorgen. Ich halte Euch auf dem Laufenden!

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon kingickongic » 02.09.2011, 20:31

Na gut, dann mache ich mich mal auf die Suche nach einem Linn. :D

Grüße Romeo
:cheers:
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