Kantendiffraktion

Lautsprecherbau und -tuning

Beitragvon Fujak » 17.12.2017, 14:32

Hallo zusammen,

es mag Hersteller geben, die diesem Thema bei ihrer Gehäuse-Entwicklung mehr Gewicht einräumen als andere. Es mag auch Lautsprecher geben die überzeugend klingen, obwohl dieses Thema eher untergeordnet behandelt wurde - auch wenn damit ein gewisses Potenzial verschenkt wurde.

Umgekehrt gibt es Lautsprecher, deren Gehäuse bis ins letzte Detail auf perfekte Diffraktionsparameter getrimmt wurden, und die entweder entsprechend überzeugend klingen oder - was auch durchaus möglich ist - überraschend wenig überzeugend klingen.

Kantendiffraktion ist ein (wichtiges) Konstruktionsmerkmal von mehreren anderen, die in einen gut klingenden LS einfließen, aber nicht das einzige. Es wäre genauso absurd zu behaupten, dass alleine eine Silberverkabelung oder eine DSP-Weiche oder eine rein analoge Signalführung/Regelung, Closed Box/Bassreflex, AMT/Kalotte ... einen guten Lautsprecher ausmache.

Kantendiffraktion und deren Optimierung hat mess- und hörbare Auswirkungen auf den Klang, wie hoch der Anteil am Gesamtergebnis bei einem speziellen Lautsprecher beträgt, ist dagegen zunächst reine Spekulation. Ein Hörvergleich ist dann m.E. unumgänglich. Insofern schlage ich vor, die Diskussion nicht auf ein spezielles LS-Modell abzustellen - es sei denn es liegen zwei Gehäusetypologien vor - wie z.B. bei dem Modellversuch von Winfried.

Grüße
Fujak
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Beitragvon modmix » 17.12.2017, 14:40

FoLLgoTT hat geschrieben:Soll man in einem öffentlichen Forum Sachverhalte totschweigen, nur weil das Produkt jemandem gefällt? Klingt für mich nach Zensur.
Hatte Deinen berechtigten Hinweis als Abwertung eines von uns beiden nicht verantworteten Produktes empfunden und wohl überreagiert :oops:

    Bleibt natürlich die Frage, welchen Sinn es macht, solche Fragen an einem Produkt aufgehangen zu diskutieren (xy hat einen Anfängerfehler gemacht) - das Produkt verantwortet der Hersteller.

    Beim Produkt Anstöße zu finden für's eigene tun/Verständnis/whatsoever und diese z.B. hier zu diskutieren - na klar!
FoLLgoTT hat geschrieben:Warum kann man nicht einfach mal technisch diskutieren ohne gleich auf Befindlichkeiten und Fanboygehabe zu stoßen? Ist es so schwer, Fakten und Gefühle zu trennen?

Nils, Du rennst bei mir offene Türen ein - den Grund, warum ich hier kaum noch mittue...

Bei der Gelegenheit: Danke für Deine sehr fundierten Beiträge!


Zwei Gedanken/Fragen:

  • würde bei Winfrieds (wgh52) Versuch nicht auch der Bafflestep verändert und damit die klangliche Abstimmung?
  • wieso schaffen es Boxen mit stark ungeleichmäßiger Abstrahlung klanglich zu überzeugen?
      Nebengedanke:
      In Zweibrücken habe ich besagte Kiste mit vermutlich deutlichen Kantenreflektionen in einem relativ großen Raum gehört; bei Franz spielt sie in einem akustisch sehr feinen Raum
      - sind das Bedingungen, in dem die Bedeutund des Abstrahlverhaltens weniger groß ist?

Beste Grüße
Ulli
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Beitragvon FoLLgoTT » 17.12.2017, 14:48

Hallo Jürgen,
h0e hat geschrieben:Ich bekomme oft das Gefühl, dass Dinge aus rein technischen Aspekten schlecht gemacht werden, ohne sich die entsprechenden Sachen auch mal angehört zu haben.


Naja, das ist immer Frage der Sichtweise. Und es kommt noch der Effekt hinzu, dass bei hochpreisigen Produkten besonders penibel draufgeschaut wird.

Im Übrigen muss man einen Lautsprecher nicht hören, um sein Abstrahlverhalten zu kritisieren. Ich habe auch mit keinem Wort den Klang erwähnt. Das ist etwas, das viele aber anscheinend sofort mit so einer Feststellung assoziieren.

Ich denke, darum ist manche sachliche Diskussion oft schwierig.
Denn so richtig der Aspekt sein mag, dass es evtl. besser ginge,
da wird sich - um beim Beispiel der Delphi zu bleiben - bei einem 10.000 Euro Lautsprecher noch ganz viel finden, das dem Rotstift oder der Priorisierung zum Opfer gefallen ist.


Das sehe ich anders. 10.000 € sind eine Menge Geld. Da erwarte ich einfach mehr. Neumann, Genelec usw. machen es vor. Da sind sogar die x00-€-Produkte abstrahloptimiert.

Im Übrigen ist es interessant zu beobachten, dass B&M ihre Produkte sehr wohl bezüglich Abstrahlverhalten in eine bestimmte Richtung optimiert. Das sieht man an den Konstruktionen sofort. Als Herr Müller noch dort war, war das Paradigma anscheinend anders.

Auch ist wohl kaum ein Produkt perfekt und in allen Bereichen zu Ende entwickelt,
denn sonst gäbe es keine "Tuner", die großen Zuspruch hätten, egal ob Swoboda, Hoerwege, Gert,...


Das ist richtig. Keine Firma kann bis zum Ende optimieren. Das rentiert sich nicht. Es ist eben die Frage, wann die Optimierung stoppt. Und wenn sie direkt am Anfang stoppt, ist das eben Anfängerniveau.

Darüber hinaus, was bringt es, zu sagen, dass bei der Delphi "Anfängerfehler" gemacht wurden.


"Fehler" war nicht meine Aussage, sondern "Niveau". Das ist ein Unterschied. Die Gründe kenne ich ja nicht und sie interessieren mich auch gar nicht. Ich sehe nur ein fertigen Produkt.

Herrn Müller geht das wahrscheinlich am A... vorbei, er kommt kaum nach,
die bestellten Boxen auszuliefern. Gibt es doch genügend Menschen, die bereits sind,
sofort den aufgerufenen Preis zu zahlen.


Das habe ich nie bezweifelt. ;)


Hallo Fujak,
Fujak hat geschrieben:Kantendiffraktion ist ein (wichtiges) Konstruktionsmerkmal von mehreren anderen, die in einen gut klingenden LS einfließen, aber nicht das einzige.


Das liest sich immer so, als ob das jemand behauptet hätte. Hat aber niemand.

Vielleicht zum besseren Verständnis: ich bin selbst Entwickler und bin Optimierungen und Fehlersuche gewöhnt. Das ist mein tägliches Brot. Ich lobe keine Dinge, die gut sind. Die sind für mich selbstverständlich.
Wahrscheinlich ist der innere Gehäuseaufbau der Delphi vorbildlich, genauso wie die Regelung. Das ist schön, aber wenn dann ein anderer Parameter so eklatant "nichtoptimiert" wurde, ist das für mich ein Makel, der genannt werden sollte. Ich sage damit weder, dass die Delphi schlecht klingt, noch dass sie insgesamt ein schlechter Lautsprecher ist. In meinen Augen ist es aber ein sehr einseitig optimiertes Produkt.


Hallo Ulli,
modmix hat geschrieben:Hatte Deinen berechtigten Hinweis als Abwertung eines von uns beiden nicht verantworteten Produktes empfunden und wohl überreagiert :oops:


Kein Thema. Ich schalte ab jetzt auch gerne einen Gang zurück. :cheers:

  • würde bei Winfrieds (wgh52) Versuch nicht auch der Bafflestep verändert und damit die klangliche Abstimmung?


Du meinst, weil die Front breiter wird? Ja, ein wenig.

  • wieso schaffen es Boxen mit stark ungeleichmäßiger Abstrahlung klanglich zu überzeugen?


  • Wir kennen es zum Großteil gar nicht anders. Und ich denke auch, dass man sich daran zum Großteil gewöhnen kann. Trotzdem zeigen ja auch die Untersuchungen von Toole usw. dass von der Mehrheit der Hörer ein möglichst neutrales Abstrahlverhalten bevorzugt wird. Über die Stärke der Bündelung trifft er jedoch keine Aussage.

      Nebengedanke:
      In Zweibrücken habe ich besagte Kiste mit vermutlich deutlichen Kantenreflektionen in einem relativ großen Raum gehört; bei Franz spielt sie in einem akustisch sehr feinen Raum
      - sind das Bedingungen, in dem die Bedeutund des Abstrahlverhaltens weniger groß ist?


    Nach meiner Erfahrung sind große Räume bzw. große Wandabstände und niedrige Abklingzeiten günstiger. Aber es ist sehr schwer hier Allgemeingültiges zu formulieren. Das Problem ist im Grunde 5-Dimensional (Richtung + Frequenz + Laufzeit der Reflexionen). Das ist wohl auch ein Grund, warum das Abstrahlverhalten häufig so stiefmütterlich behandelt wird. Es ist einfach sehr komplex.

    Gruß
    Nils
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    Beitragvon Hornguru » 17.12.2017, 15:06

    Hallo Nils

    Was man nicht vergessen darf, ein großer LS im Raum ist auch Teil des Mobiliars.
    Besonders wenn es im Wohnzimmer steht. Es soll halt auch dekorativ sein.
    Ein kantiges Gehäuse sieht oft besser aus. Trifft öfter den Zeitgeist dänischen Minimalismus.

    Ein Genelec oder MEG ist zwar technisch top, sieht aber gruselig aus.
    Die Müllers B&M Classics waren auch schöner als die aktuellen Monster.

    Ich befinde mich derzeit auch in der Zwickmühle beim Entwurf meines nächsten LS.
    Je mehr ich ihn technisch optimiere desto hässlicher wird es.
    Je schöner ich ihn entwerfe desto unsinniger...

    Gruß
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    Beitragvon Daihedz » 17.12.2017, 15:30

    Hornguru hat geschrieben: ... Ich befinde mich derzeit auch in der Zwickmühle beim Entwurf meines nächsten LS.
    Je mehr ich ihn technisch optimiere desto hässlicher wird es.
    Je schöner ich ihn entwerfe desto unsinniger...

    +1! Nur Mut zur Hässlichkeit, denn!

    Wie wäre es, wenn unter einem toleranten, neutralen Lead hier im Forum ein virtueller Lautsprecher er-diskutiert und entwickelt würde, ohne jegliche anderen Vorgaben als jene einer anzustrebenden, akustischen Perfektion? Das Ganze als Prozess einer iterativen, gemeinsamen, offenen und kritischen Diskussion, in welcher ungestraft über alle möglichen Vorschläge ungeschminkt diskutiert würde?

    Ein dergestalt entstehender Lautsprecher darf somit ruhig auch "hässlich" werden. Ob dann ein geschlossenes Konstrukt à la MegaErdnuss aus meinetwegen Wellpappe oder ein vertikales (?) Mobile à la Bimmelturm einzeln und offen aufgehängter Chassis resultieren würde, wäre im Endeffekt völlig sekundär. Dafür radikal: Form Follows Function - und optische Äesthetik soll nicht als Funktion durchgehen. Verkauft, resp. angeboten soll das ja nicht werden, und man könnte zur Not auch mit geschlossenen Augen Musik hören.

    Selbstbau, resp. Selbstdesign eröffnet eine wertvolle Freiheit, Dinge anders zu machen, als es andere machen. Dazu gehört aber auch der Mut zur potenziellen Abkehr von Gewohnheiten zugunsten von selektiver Optimierung.

    Freiheitsliebende und hässlichkeitstolerierende Grüsse
    Simon
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    Beitragvon h0e » 17.12.2017, 15:40

    Hallo Nils,

    in vielen Punkten sind wir wohl recht nah beisammen.
    Aber wenn ich Genelec als Vorbild vorgeführt bekomme, dann muss ich für mich feststellen,
    dass zwar evtl. das Abstrahlverhalten gut bearbeitet wurde, aber sonst?
    Fujak erwähnte es auch im Nebensatz, das das nicht hinreichend ist, evtl. sogar nicht mal notwendig,
    wenn alles andere stimmt.
    Für meine Ohren sind die Genelecs auf Anfängerniveau. Mit diesen Lautsprechern kann ich nicht Musik hören,
    ich bekomme da Kopfschmerzen, ganz abgesehen davon, dass mir auch die Klangsignatur nicht gefällt.
    Glücklicherweise geht es anderen anders. Insofern alles gut. :cheers:

    @Winfried
    Wie kling denn nun der "Kantenschutz" bei Deinen Omegas?

    Grüsse Jürgen
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    Beitragvon music is my escape » 17.12.2017, 16:04

    dietert hat geschrieben:
    Nochmal zur Delphi: Können die Experten hier sich vorstellen, welche Wirkung Hohlraumresonanzen einer geschlossenen Box haben, und dass es vielleicht interessant und wichtig ist, diese mit einer Membranregelung daran zu hindern, in den Hörraum zu gelangen? So betrachtet, kann man es auch als Anfängerfehler bezeichnen, eine Box ohne Membranregelung zu bauen. Nur mal so als Denkanstoß.



    Hallo Dieter, hallo an alle,

    Auch wenn ich explizit nicht angesprochen und Dein Denkanstoß von einem der adressierten Experten bereits recht eindeutig abgekanzelt wurde, möchte ich ihn noch einmal ganz laienhaft aufgreifen und als Beispiel, dass ggfs. doch etwas daran sein könnte, die 300/310er Reihe von KH/ Neumann als gemeinhin gut bekannte Vertreter in den Raum werfen: dieser geschlossene Referenzlautsprecher ist ganz sicher vorbildlich gedämmt, dennoch klingt sie, besonders untenrum, doch ziemlich nach Box - eine Eigenart, die sie sich auf unterschiedlichem Niveau mit vielen geschlossenen LSP teilt, ganz sicher aber nicht mit der den Auslöser für diesen Thread liefernden Delphi, die ebenfalls über geeignete Dämmmaßnahmen im Innenbereich verfügen dürfte. Bleibt als eklatantes technisches Unterscheidungsmerkmal die von Dir angesprochene Membranregelung als wahrscheinliche Ursache für den beschriebenen Klangunterschied, oder? Die mutmaßlich ausgefeiltere Gehäuseform der Neumann wirds ja nicht sein... :wink:

    Noch kurz zur Designdiskussion in den letzten Beiträgen:

    Etwas, das funktioniert, sieht meistens auch gut aus. Umkehrschlüsse sind möglich, aber nicht zwingend...

    :cheers:

    Grüße
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    Beitragvon Daihedz » 17.12.2017, 16:09

    music is my escape hat geschrieben: ... Etwas, das funktioniert, sieht meistens auch gut aus. ...

    ... so wie z.B. Herzlungenmaschinen oder die McDonnell-Douglas A10? :mrgreen:

    Simon
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    Beitragvon music is my escape » 17.12.2017, 16:16

    Für diejenigen, denen diese Teile gerade den Allerwertesten retten, sind das hundertprozentig die bestaussehendsten Dinge überhaupt! :cheers:
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    Beitragvon FoLLgoTT » 17.12.2017, 16:38

    Hallo,
    music is my escape hat geschrieben:... die 300/310er Reihe von KH/ Neumann als gemeinhin gut bekannte Vertreter in den Raum werfen: dieser geschlossene Referenzlautsprecher ist ganz sicher vorbildlich gedämmt, dennoch klingt sie, besonders untenrum, doch ziemlich nach Box ...


    Kann es sein, dass du nicht Resonanzen sondern den geringen Maximalpegel im Bass meinst? Gerade bei der geschlossenen KH 310 mit ihrem kleinen 8" entstehen da schnell hohe nichtlineare Verzerrungen. In dieser Hinsicht könnte die Delphi durch ihre Regelung merklich besser sein (da Messungen fehlen ist ja leider nichts nachvollziehbar).

    Gehäusemoden sind im Abklingen der KH 310 ist jedenfalls nicht sichtbar.

    Gruß
    Nils
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    Beitragvon wgh52 » 17.12.2017, 18:50

    Hallo liebe Freunde,

    Euer Interesse an meinem Versuch freut mich...
    dietert hat geschrieben:... hast du möglicherweise Messungen ...? Kann man den Unterschied hören? ...
    h0e hat geschrieben:...Wie kling denn nun der "Kantenschutz" bei Deinen Omegas? ...
    Fujak hat geschrieben:... Modellversuch von Winfried ...
    modmix hat geschrieben:... Winfrieds ... Versuch ... Bafflestep verändert und damit die klangliche Abstimmung? ...
    ... macht mich aber auch verlegen :oops: - denn momentan bin ich wegen eines Defekts einer Omega (wohl im Standby Netzteil :roll: ) sozusagen musiklos :cry: und darum habe ich weder Messungen noch Hörvergleiche zu bieten.

    Aber weil wir ja glücklicherweise einiges an Kompetenz zum Thema in diesem Thread versammelt haben, stelle ich mal meine (vielleicht überraschenden) Fragen:

    ► WIE messe ich Kantendiffraktion oder wie identifiziere ich diese in (welcher Art von) Messungen?
    ► WAS brauche ich dazu? z.B. REW oder Acourate oder ... ? ... und was muss ich dann tun, wie messen?
    ► Gehen solche Messungen überhaupt sinnvoll in der Wohnzimmerumgebung (z.B. durch geeignete Fensterung)?

    Ich bin bereit (und wirklich interessiert) zum Thema meine kantigen Omegas zu vermessen (und ggf. zu optimieren, was ich sowieso vorhatte).

    Grüße,
    Winfried

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    Beitragvon dietert » 17.12.2017, 19:10

    Hallo Nils,

    gut, einer bekämpft Hohlraumresonanzen mit einer Membranregelung und mit Wolle, der zweite nur mit Wolle. Der sagt, eine eckige Box ist Anfängerniveau und Dämmung mit Wolle ist gut genug. Der erste sagt, eine eckige Box ist gut genug und sieht besser aus. Dämmung nur mit Wolle ist Anfängerniveau...

    In den ersten Jahren hier im Forum wurden solche Fragen intensiv diskutiert, inzwischen erinnert mich sowas an Loriot. Meine persönliche Meinung.

    Hallo Winfried,

    messen würde man den Frequenzgang einer Box in kurzer Distanz z.B. 1 m und dann nochmal mit dem Hartschaumelement, alles ohne Box oder Mikrofon zu bewegen und mit denselben Generatoreinstellungen. Wenn die zweite Box auch geht, dasselbe nochmal, ein wenig Redundanz schadet nicht.

    Den Effekt des Hartschaumelements zu hören, wird wahrscheinlich nicht ganz einfach, und für einen richtigen Blindtest braucht man Helfer. Gleichzeitig kann man dann mal prüfen, ob der Unterschied zwischen den beiden Boxen nicht mit dem Effekt des Hartschaumelements vergleichbar ist.

    Ach so:
    Vor ein paar Tagen habe ich eine Fotoserie gesehen von jemand, der sich für seine eckigen Boxen so eine Art Heiligenschein gemacht hatte, also große Scheiben von z. B. 60 cm Durchmesser, mit einem rechteckigen Ausschnitt, so dass man es wie einen Hut auf die Box stellen konnte, als Erweiterung der Schallwand. Es waren Breitbänder und selbstverständlich saßen die dann nicht im Zentrum der Scheibe, sondern exzentrisch. Leider kann ich die Fotos gerade nicht finden.

    Grüße,
    Dieter T.
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    Beitragvon Tinitus » 17.12.2017, 19:11

    Hilfe,

    in diesem Thread geht es um Kantendiffraktion!!! Er wurde unter anderem deshalb eröffnet, da es einigen Leuten nicht passte im DelPhi Thread zu lesen, dass nicht alle Aspekte der DelPhi optimal sind. Jetzt wird hier schon wieder über alles mögliche diskutiert. Die Kantendiffraktion ist Physik.
    In diesem Thread geht es nicht darum:

    - ob professionelle Monitore hübsch oder häßlich sind
    - wie Studiomonitore klingen und welche Unvollkommenheiten manche Studiomonitore haben mögen
    - wie gut eine Silbersand DelPhi klingt
    - ob es hörtechnisch einen Unterschied gäbe zwischen dem Standard- und einem bezüglich Vermeidung von Kantendifraktion optimierten Gehäuse der DelPhi

    es geht nicht mal darum

    - wieviel Prozent ein Lautsprecher besser wird, wenn man sich des Problems der Kantendiffraktion annimmt

    Wer immer noch die Produkte irgendeiner Marke bzw. deren Entwickler heilig sprechen möchte oder andere Marken bzw. deren Entwickler verteufeln möchte dies doch in einem Produkt bezogenen Thread tun. Ansonsten wird das S/N Verhältnis in diesem Thread zu schlecht.
    Es ist auch erlaubt Threads, die einem nicht gefallen, weil sie z. B. zu technisch sind zu ignorieren. Wir hatten auch mal ein Mitglied Oliver Mertineit, der in seinen Beiträgen, viel technisches Hintergrundwissen aus seiner Sicht erläutert hat. Ob er immer Recht hatte, kann ich nicht beurteilen, sein Teils etwas abrasiver Diskussionsstil war nicht immer mein Fall, aber man (ich zumindest) konnte einiges Lernen. Verlassen hat er das Forum, weil er daran, verzweifelt ist, dass technische Diskussionen immer wieder zerredet wurden. Er hat sogar den Vorschlag gemacht zu einem Thema zwei Threads aufzumachen, einen für die "hard facts" Fraktion und einen für die "Kult" Fraktion.
    Nils hat nichts anderes gemacht als einen allgemeingültigen Aspekt des Lautsprecherbaus zu beleuchten, wer sich dadurch auf den Schlips getreten fühlt, möge den Thread meiden.

    Falls ich jetzt einigen Leuten auf den Schlips getreten bin, es gibt glaube ich die Möglichkeit, dass Forum so einzustellen, dass Beiträge bestimmter Mitglieder ignoriert werden können.

    Falls das nicht ausreicht, kann der Beitrag auch gerne in den Orkus, er ist ja auch off-topic

    Gruß

    Uwe

    PS Danke Winfried für deinen Beitrag, der dann wieder on topic ist
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    Beitragvon FoLLgoTT » 17.12.2017, 19:39

    Hallo Winfried,
    wgh52 hat geschrieben:► WIE messe ich Kantendiffraktion oder wie identifiziere ich diese in (welcher Art von) Messungen?


    Kantendiffraktionen tauchen sowohl im Amplitudengang als auch im Abstrahlverhalten auf. Im Amplitudengang sind sie als Kammfilter erkennbar. Schwer erkennbar sind sie allerdings, wenn die Treiber azentrisch sitzen, da sich dann mehrere Kammfilter überlagern. Außerdem überlagern sich alle anderen Nichtlinearitäten, was die Identifizierung nicht einfacher macht.

    ► WAS brauche ich dazu? z.B. REW oder Acourate oder ... ? ... und was muss ich dann tun, wie messen?
    ► Gehen solche Messungen überhaupt sinnvoll in der Wohnzimmerumgebung (z.B. durch geeignete Fensterung)?


    Das Messprogramm ist im Grunde egal. Die Messumgebung ist viel entscheidender. Am besten ist im Garten auf einem hohen Stativ in 2 m Abstand (bloß nicht zu nah wegen der Gewichtung der Kantenreflexionen). Dann kann das Fenster größer gewählt werden.

    Ich bin bereit (und wirklich interessiert) zum Thema meine kantigen Omegas zu vermessen (und ggf. zu optimieren, was ich sowieso vorhatte).


    Simuliert hatte ich die ja schon mal für dich. Da zeigt der Kammfilter Einbrüche bei 2,5 kHz, 5 kHz und 10 kHz, die sich als Aufweitungen im Abstrahlverhalten zeigen. Das passt recht zu der Schallwandbreite und der mittigen Platzierung der Treiber*. Dieser Kammfilter muss sich verändern, wenn du die Kanten irgendwie behandelst. Wenn sich da nichts tut, hattest du keinen Erfolg. ;)

    *eine Kante ist ein "offenes Ende" und invertiert somit das reflektierte Signal.

    Hallo Dieter,
    dietert hat geschrieben:In den ersten Jahren hier im Forum wurden solche Fragen intensiv diskutiert, inzwischen erinnert mich sowas an Loriot. Meine persönliche Meinung.


    Das ist völlig in Ordnung. Du kannst auch gerne ein eigenes Thema zu Resonanzen eröffnen. Es wird sich wahrscheinlich niemand finden, der die gegensätzlichen Aussagen systematisch beweisen oder widerlegen wird. Wie das in Foren eben meistens so ist (ehrlich bedauernd gemeint)...

    Gruß
    Nils
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    Beitragvon music is my escape » 17.12.2017, 20:36

    FoLLgoTT hat geschrieben:Hallo,
    music is my escape hat geschrieben:... die 300/310er Reihe von KH/ Neumann als gemeinhin gut bekannte Vertreter in den Raum werfen: dieser geschlossene Referenzlautsprecher ist ganz sicher vorbildlich gedämmt, dennoch klingt sie, besonders untenrum, doch ziemlich nach Box ...


    Kann es sein, dass du nicht Resonanzen sondern den geringen Maximalpegel im Bass meinst? Gerade bei der geschlossenen KH 310 mit ihrem kleinen 8" entstehen da schnell hohe nichtlineare Verzerrungen. In dieser Hinsicht könnte die Delphi durch ihre Regelung merklich besser sein (da Messungen fehlen ist ja leider nichts nachvollziehbar).

    Gehäusemoden sind im Abklingen der KH 310 ist jedenfalls nicht sichtbar.

    Gruß
    Nils


    Hola Nils,

    Ein nicht unberechtigter Einwurf. Die 310er konnte ich mehrfach auch unter Studiobedingungen für längere Zeit hören, besonders gering war der Pegel dabei sicherlich nicht. Die entspannt neutrale Gesamtausrichtung mit den wunderbaren Mitten ist dabei immer auffällig gewesen, genauso aber auch ein topfiger, beinahe ploppender Bass, der ein wenig an meine geliebten Bungalow-LSP Heco p 4302 sl aus den 70ern erinnerte. :D

    Wie auch immer; lieber weiter hier mit dem eigentlichen Thema... :mrgreen:

    Grüße,
    Thomas
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