Sigi (Silbersand FM 701, 401, 303 Center)

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Sigi (Silbersand FM 701, 401, 303 Center)

Beitragvon Kienberg » 28.05.2008, 21:25

Ein Hallo an die Freunde der Aktiv-Lautsprecher,

als ich neulich per Zufall dieses interessante Forum entdeckte und mit grossem Interesse die Beiträge über "alte Bekannte" las, fiel mir wieder ein, dass es bei mir jetzt über 30 Jahre sind, in denen mich Endstufen "die Bohne" interessieren.

Wie kam es dazu?

  • Anfang der 70er Jahre kam ich aus beruflichen Gründen in die damalige Bundeshauptstadt Bonn. Das Konzertleben in Bonn war zwar ganz gut, aber nicht zu vergleichen mit dem in Wien, wo ich studierte. Also begann ich über kurz oder lang mich mit hochwertiger Musikwiedergabe zu beschäftiegn und stieg in die damalige Bonner Hifi-Szene (Linzbach) ein.

  • Meine erste, nennenswerte Anlage: Bose 901, McIntosh C-26 Vorstufe und Crown DC 300 Endstufe. Als bekennender Klassikhörer (neben etwa 20% Jazz) bereitete die 901 schon viel Spass, grosse Orchester kamen druckvoll und durchaus mit einem gewissen Flair von Konzertsaal bzw. Opernbühne. Aber so nach einiger Zeit kam doch Unzufriedenheit mit dem bestehendem, die ihr ja alle bestens kennt und erlebt habt.

  • Per (glücklichen) Zufall lernte ich damals auch H.J. Nisius kennen und besuchte regelmässig seine Seminare.

  • Über Nisius bekam ich dann Kontakt zu den jungen Herren Backes und Müller, besuchte sie mehrmals in Saarbrücken und war von Technik und Klangqualität der BM Monitor 5 begeistert. Die Tatsache, dass nun endlich auch ein LS geregelt wird, überzeugte und nach einigen Hörsitzungen bei Herrn Nisius in Trier kaufte ich die BM Monitor 5. Es waren die ersten BMs in Bonn, es kamen laufend Leute aus der Bonner Szene und waren begeistert. (Einer der Besucher war übrigens Herr Krings, damals noch Student). Allerdings, hatten sich einige aus der Szene, wohl aus kommerziellen Gründen, bald gegen die BMs ausgesprochen (klar man konnte keine tollen Endstufen mehr verkaufen und die kostbaren Elektrostaten bei Linzbach bekamen auch das fürchten). Sicher, die "alten Hasen" wissen es ja noch, der BM Monitor 5 hatte so seine Probleme, wenns mal sehr feucht war (in Bonn ja nicht allzu selten) knisterte die Box schon mal. Ich hatte aber rel. wenig Probleme und das Ergebnis war so überzeugend, dass ich seither nur noch Aktivlautsprecher (geregelt, aber auch ungeregelt) betreibe.

  • Es folgten also die BM 6, BM 12 und BM 20. Jeder Versuch, mal "fremd" zu gehen, scheiterte an der fehlenden "Verführungskunst" der Alternativen. Hatte zwar immer wieder mal mit Elektrostaten, besonders in US-Studuos, geflirtet, aber, zu Hause angekommen, gefielen mir meine BMs eben halt doch besser.

  • Dann kam die "Überbox" BM 40 auf den Markt, klang faszinierend gut beim Krings, war mir aber erstmal zu teuer (eine klare Folge der Betrachtung des "abnehmenden Grenznutzens"). Aber wie's manchmal so geht, es wurde mir eine gebrauchte vermittelt, der Besitzer musste vorübergehend nach USA und so lieh ich einen Transporter und holte das Objekt der Begierde in der Nähe von München ab, und installierte die Monster bei mir in Bonn (musste dazu 4 Helfer aus der Nachbarschaft aktivieren, gegen anschliessende Hörsitzungen natürlich, es wurde jeden Monat ein "Opernabend" gegeben).

  • Dann verkauften ja die Herren Backes und Müller die Firma BM und Müller startete mit Frau Luckscheiter die Firma Silbersand.

  • Nicht dass ich mit meiner BM40 unzufrieden gewesen wäre, aber als ich in Homburg die FM 401 hörte, war es klar das "Bessere ist des Guten Feind"... wieder die Grenznutzenbetrachtung, naja, und wie es das Schicksal so wollte, eines Tages kam ein Anruf vom früheren Besitzer der BM40, er war wieder zurück aus USA und wollte wissen, ob ich ihm die 40er wieder verkaufe ... klar habe ich gemacht, eine win-win-situation für beide, also ein gutes Geschäft.

  • seit 1991 höre ich daher die Silbersand FM 401, in der Zwischenzeit wurde Berlin Regierungssitz (und damit gingen die Verbände nach und nach mit nach Berlin), ich konnte wieder zurück nach Bayern und nahm die 401 mit, wo sie in neuer Umgebung frisch wie am ersten Tag spielt. Keine andere meiner HIFI-Komponenten hat über soviele Jahre immer wieder Begeisterung hervorgerufen und ohne jeden Fehler funktioniert. Solche Langzeitstabilität müssen andere LS-Hersteller erst mal erreichen!

  • Weiters habe ich noch 5 Genelec 1029A, 5 Genelec 1030A sowie einen Genelec Sub 7060B in Betrieb. 4 werden im Wohnzimmer für TV-Audio (Panasonic-Plasma-Industriepanel ohne LS) verwendet, 2 als PC-Monitore und der Rest ergänzt die FM 401 zur Heimkinosurroundanlage (7.1). Warum gerade Genelec ? Ein Freund von mir betreibt ein CD-Produktionsstudio (geistl. Musik) und setzt dort seit langer Zeit Genelec als Abhöhr-Monitore ein, und da fiel halt immer mal der eine oder andere "günstig" für mich ab.

  • Mittelfristig ist ein Upgrade zu Bircher und Müller, vor allem beim Center, geplant.

Andere Geräte:

Vorstufen: Mcintosh C-26, Burmester 877, Lexicon DC1 und MC1, Musical Fidelity HTP, demnächst wohl dann Denon AVP-A1HD
Vinyl: Thorens, Pioneer mit Tangentialarm, EMT-System, 1995 beendete ich das LP-Zeitalter (mit dem Erwerb des ersten Wadia)
CD: Hitachi (1982 aus Japan mitgebracht), dann Sony und seit 1995 div. Wadia-Modelle, dzt. Wadia 850
SACD: Denon 2900 und dann Denon 3930
BluRay: Panasonic BD30
Rack: Finite Elemente Pagode, eines meiner besten Käufe, bringt klanglich sehr, sehr viel
Kabel(alles in XLR): Burmester Lila, Van den Hul, Cordial
Projektor: Yamaha DPX 1200
Leinwand: Dalite High-Power, 16:9, 100"
Im Test: Der geregelte Subwoofer Velodyne DD 18

Warum Heimkino ?

1. Es gibt mittlerweile zahlreiche Opern-DVDs, die sehr gut die Arbeit von Könneren (im Unterschied zum heutigen "Regietheater") dokumentieren
2. Habe auch eine Sammlung von Konzert-DVDs, die im Grossbild besser kommen, wie am TV
3. Bin bekennender James Bond - Fan, und die Ultimate Edition aller 20 Filme ist sowohl vom Bild, als auch vom Ton, hervorragend aufgearbeitet worden.
4. HDTV kommt halt am Grossbild erst richtig zur Geltung


Gruss Sigi
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Beitragvon Ralph » 28.05.2008, 21:43

Hallo Sigi,

da ist uns ja ein prächtiger Fisch ins Netz gegangen! Vielen Dank für diese wunderbare Vorstellung, welche in die absoluten Gründerzeiten des aktiven Lautsprechergeschehens reicht.

Besonders spannend finde ich den nachhaltig zufriedenstellenden Austausch der BM40 gegen die FM401: das ist eine klare Ansage!

Ich wünsche Dir viel Vergnügen im Forum und uns viele informative Beiträge vom "alten Hasen" :mrgreen:.

Gruß,
Ralph

PS: gib' doch mal durch wie es mit dem Sub funktioniert und ob der DD18 bleiben darf...
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Beitragvon Rudolf » 28.05.2008, 22:25

Hallo Sigi,

ich begrüße dich als Anhänger/Besitzer geregelter Lautsprechersysteme seit der allerersten Stunde - Gelegenheit für mich, nachzufragen, wie denn die Hörsitzungen bei dem von mir verehrten Heinz-Josef Nisius so verliefen? Ebenso interessant und humorvoll wie in seinem Lehrbuch? :wink:

Viele Grüße,
Rudolf
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Beitragvon Michael » 28.05.2008, 22:42

Auch dir ein herzliches Hallo in dieser Runde,

und, ob du nun ein "prächtiger Fisch oder kapitaler Hirsch" bist,
jedenfalls hast du viele verschiedene Anlagen und Boxenprinzipien gehört...
und wirst wohl genau wissen, warum du dich für aktiv und geregelte LS entschieden hast, insbesondere für die ganz erlesenen Silbersands, von denen ich bislang nur träumen kann...

Dir viel Spaß in diesem Forum und viele Grüße
Michael (Bonn)
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Beitragvon realperfekt » 29.05.2008, 07:08

Hallo Sigi,

schön, dass Du dich outest. Wir beide hatten ja schon vor ein paar Tagen einen Überraschungsmoment, als Du (so einfach) vor meiner Tür standst.

Wenn Du über die BM5 berichtest, ruft das Heute noch ein Wechselbad der Gefühle in mir vor - zwischen Himmel hoch jauchzend (wenn sie lief) und zu Tode betrübt (wenn ich von BM wieder mal die Transportkisten anfordern musste)!

Erkennbar ist auch, der für unsere Altersklasse, typische Weg hin zum Aktiven. Keinen Deut zu spät und immer das Ohr auf der technischen Schiene. Ich persönlich freue mich, wieder einen "Klassiker" in unseren Reihen zu haben, der uns vielleicht mit so manchem Tipp versorgen kann.

Viel Spass im Forum wünscht Dir
Peter

ps. a Boidl war ned schlecht!
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Beitragvon Franz » 29.05.2008, 11:05

Hallo Sigi,

auch von meiner Seite aus ein herzliches willkommen hier. Einige deiner Erfahrungen habe ich auch machen können. Die Geschichten um die sagenumwobene BM 5 kenne ich aus leidvoller eigener Erfahrung. Im Winter lag stets ein Fön griffbereit. :mrgreen: Aber gerade diese Anfänge bei BM haben auch mich zu einem bis heute überzeugt gebliebenen Aktivhörer gemacht.

Kienberg hat geschrieben:Rack: Finite Elemente Pagode, eines meiner besten Käufe, bringt klanglich sehr, sehr viel

Das interessiert mich sehr! Ich spiele derzeit ernsthaft mit dem Gedanken, mir eine Wandbase von Finite für meinen Plattenspieler installieren zu lassen. Würde mich freuen, wenn du über dein Rack noch was ausführlicher schreiben könntest.

Gruß
Franz
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Beitragvon Kienberg » 30.05.2008, 20:43

Danke für die Begrüssung,
werde hier sicher viel Spass haben und jede Menge nützlicher Anregungen erhalten.

Ralph hat geschrieben:PS: gib' doch mal durch wie es mit dem Sub funktioniert und ob der DD18 bleiben darf...

Hallo Ralph,

habe den DD 18 erstmal auf den allerneuesten SW-Stand gehoben (dazu braucht man einen PC mit seriellem Interface) und sorgfältig auf meinen Abhörplatz eingemessen. Das geht ja mit dem beiliegenden Mikro und dem eigebetteten Programm sehr gut, alle einzustellenden Parameter und die sich daraus ergebende Frequenzgangkurve werden REALTIME angezeigt.

Man kann also die Veränderung jeder Massnahme (Sub verschieben, Mikro-Positionierung verändern, Möbel verrücken usw.) sofort am Diagramm am angeschlossenen TV (via S-Video) erkennen. Es braucht dazu keinen PC mit irgendwelchen ergänzenden Programmen.

Fazit: Eine vorbildliche Lösung seitens Velodyne!

Erste Hörtests (Es wurden folgende Systemumgebungen verglichen):

- Wadia 850 direkt an die 401, ohne jegliches Bassmanagement also.

- Denon 3930 an Lexicon MC1, dort die 401 auf "small" gestellt und bei 80 Hz 24db/Oktave abgesenkt . Der DD 18 wurde "voll an die Kandare" genommen (es sind ja 8 Einstellungen des Grads der Regelrückkopplung möglich)

- die dritte Variante, dass Bassmanagemnt im Sub durchzuführen habe ich verworfen, da er nur einen XLR Eingang und keine XLR Ausgänge hat, ich hätte also die 401 per Cinch anfahren müssen

Bisherige Ergebnisse:

- Klassik, Zarathustra,
die pp-Stellen von Kontrafagott, Kontrabässen und der Orgel kommen sehr schön definiert und mit wesentlich mehr Druck, die Pauken haben etwas mehr "Körper" und die pizzikati der Cellis (Takt 30/31) sowie die Hornsolis (Tkt 32/33/34) sind wunderbar strukturiert. Das kommt zwar auf der 401 allein auch ganz gut, aber es fehlt die "Schwärze" im Bass, die ja einen guten Konzertsaal auszeichnet. Wenn man die ganze Partitur durchhört, bleibt dieser Unterschied erhalten.
- Weiters habe ich noch die 5. Beethoven und die 2. Mahler sehr genau unter Zuhilfenahme der Partitur gehört und bin zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen.

Fazit: Gute Einspielungen grosser Orchesterwerke gewinnen mit Einsatz des Subs

Weiters habe ich einige excellente CDs der Canadian Brass gehört und auch da festgestellt, dass in allen Stücken z.B. das Horn (geht ja oft im Tutti unter) sich sehr gut und punktgenau orten lässt.
Hier spielt nicht nur die Tuba "schwärzer", mit mehr Körper, sondern die Staffelung im Raum gewinnt.
Die bekannte "Test-CD" Jazz at the Pawnshop lässt auch etwas mehr Raum erkennen, gefällt mir mit Sub auch besser.

Bei BigBand (Les Brown, Aurex-Konzert in Japan) ist der Unterschied bei der fulminanten Einspielung von Sing Sing Sing ebenfalls sehr deutlich pro Sub. Die herrlichen Solostellen von Buddy de Franco (Klarinette) und Georgie Auld (Tenorsax) vor dem Schlagzeug sind absolut überzeugend. Einfach eine Spur mehr Live.

Werde aber am WE noch weitere Tests durchführen und auch am Bassmanagement (Frequenzen, Filterkurven) spielen.

Für den LFE-Kanal bei DVDs/BluRays ist der Sub eigentlich unverzichtbar, solche "Kellerfrequenzen" sollte man einer Silbersand nicht zumuten, eher schon einem Buttkicker.:mrgreen: Da nehme ich auch die Regelung etwas zurück, damit sich kineastische Effekte noch besser (spürbarer) entwickeln.

Gruss Sigi
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Beitragvon Kienberg » 30.05.2008, 21:15

Rudolf hat geschrieben: Gelegenheit für mich, nachzufragen, wie denn die Hörsitzungen bei dem von mir verehrten Heinz-Josef Nisius so verliefen? Ebenso interessant und humorvoll wie in seinem Lehrbuch? :wink:

Hallo Rudolf,

als wir die ersten Tests mit dem Monitor 5 machten, war das Buch ja noch nicht geschrieben.

Mir machten alle Hörsitzungen und die vielen Diskussionen mit H.J. Nisius immer grossen Spass, es wurde nicht langweilig und die Tests nie "stur formal" durchgezogen. Als Testmaterial hatten wir meist Symphonien von Beethoven (z.B. die hervorragende Einspielung mit Klemperer bei EMI) und Mahler (der wurde ja damals neu entdeckt, z.B. die Einspielung von G. Solti bei DECCA war ja Referenz bei vielen Tests), div. Kammermusik, Klaviersonaten, Jazz, incl. Bigband und immer wieder auch eigene Aufnahmen von Band (Herr Backes spielt ja z.B. sehr gut Klavier).

Als Vorstufe benutzen wir damals einen Mark Levinson, der im Shootout bei den Seminaren gewann.

Wir kamen halt immer wieder zu dem Schluss, was auch immer angespielt wurde, es klang auf der BM5 einfach völlig ungewohnt , eben nicht mehr nach Lautsprecher. A/B Test waren in diesem Fall wirklich nicht nötig.:D

Und wie's ja so oft bei Testsitzungen nach 3, 4 Stunden geht, man fängt einfach an und hört Musik und erfreut sich daran, wobei natürlich auch da immer wieder von den Teilnehmern "zwischengequatscht" oder kommentiert wird.

Gruss Sigi
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Beitragvon Kienberg » 30.05.2008, 21:21

realperfekt hat geschrieben:ps. a Boidl war ned schlecht!

Hallo Peter,

moch I, wonn I nochan Sub-Test mein Saustoi wieder aufgrahmt hob.
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Beitragvon Kienberg » 30.05.2008, 21:54

Franz hat geschrieben:Das interessiert mich sehr! Ich spiele derzeit ernsthaft mit dem Gedanken, mir eine Wandbase von Finite für meinen Plattenspieler installieren zu lassen. Würde mich freuen, wenn du über dein Rack noch was ausführlicher schreiben könntest.

Hallo Franz,

ich hatte jahrelang meinen Plattendreher und das CD-LW jeweils auf einer Granitplatte, die ihrerseits auf ca. je 1cbm Quarzsand lagerte.

Als ich aus Platzgründen diese Lösung beendet habe, stellte ich fest, meine CDs (die Vinylmaschine habe ich verkauft) klingen gar nicht mehr gut. Der Wadia 850 (immerhin ein Schwergewicht mit ca 20 kg) stand auf einem Sideboard so ca. 4 m von den 401 entfernt. Das Klangbild war leicht verschwommen, die gewohnte gute Ortbarkeit war nicht mehr da, Geigen klangen scharf, Sängerinnen bekamen Metall in ihre Stimme (wie die Sutherland kurz vor ihrem Abschied :mrgreen: )

Auf der Suche nach einer Lösung sah ich bei einem Händler in Traunstein ein Rack der Firma Finite Elemente, namens Pagode. Als ich mich näher mit der Technologie dieses Racks befasste und dann auch einen Test in Stereo darüber las, musste ich es haben. Ich kaufte eine Pagode mit 4 Ebenen, installierte Player und Elektronik darin und war vom Ergebnis tief beeindruckt.

Das "wabbernde" Klangbild war verschwunden, die Ortbarkeit der Instrumente war besser als mit der Sandlösung, der angenehme, "analoge" Klang des Wadia kehrte zurück, Zischlaute verloren Ihre Schärfe und die Bässe wieder ihre gewohnte, ja nochmals verbesserte, Konturierung. Hier merkte ich wieder einmal, auch eine Silbersand kann man so vorführen, dass sie garnicht gut klingt.

Seit einiger Zeit gibt es ja die Wandkonsole mit Resonatortechnologie von Finite Elemente, ich bin sicher, Dein wunderschöner Plattendreher könnte damit nochmals zulegen.

Gruss Sigi
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Beitragvon Franz » 31.05.2008, 11:36

Sigi, danke für deine ausführlichen Beschreibungen. Damit kann ich was anfangen.

Gruß
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Beitragvon Kienberg » 19.06.2008, 11:50

Hier mal meine Büro/PC-Lösung mit den aktiven 1029A der Firma Genelec.

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Dieser kleine Aktive ist ein sehr guter Nahfeldmonitor, bildet den Raum und die Luft um die Instrumente schön ab und kann auch rel. hohe Pegel verkraften.
Verwende die Genelecs in erster Linie zum Testen beim Online-Einkauf von CD/SACD.
Die Firma jpc z.B. bietet mittlerweile von fast jedem Tonträger eine durchaus aussagekräftige Anspielmöglichkeit/track an.

Nachteil:
Er wird nicht mehr produziert (Nachfolger sieht m.M. etwas ulkig aus)

Vorteil:
Gebraucht gibts das Paar schon für ca. 500€.

Grüsse Sigi
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Beitragvon Kienberg » 24.02.2009, 23:04

Hallo Aktivhörer,

hier will ich Euch nun mit ein paar Worten und einigen Bildern eine neue Komponente in meiner Anlage, einen Centerlautsprecher aus dem Hause Sibersand, vorstellen.

Zunächst aber: Warum ein Center, warum ein neuer Center?

Vor ca. 4 Jahren habe ich mein Musikzimmer zum Heimkino ausgebaut,da ich immer mehr DVDs von alten Opernaufzeichnungen sammelte (solchen, wo Regisseure nicht REGIETHEATER spielen, sondern wo noch opulente Aussattungen gekonnt auf die Bühne gebracht wurden, mit dem Ziel, die Zuschauer zu unterhalten, also nicht versuchten, auf der Bühne Lehrstunden in Sozialpsychologie abzuhalten oder ihre Modernität in Form von "Schmierentheater" auszuleben :oops: . Ich finde nach wie vor, einer Aida kann man nicht einen Hinterhof als Bühnenbild zuordnen, eine Königin der Nacht in der Zauberflöte muss auch nicht "unterm Bett" in einer Studentenbude hervorkriechen, eine Traviata muss Ihre Feste nicht in einer Bahnhofshalle abhalten und das Grab Karl des V. kann man nicht durch einen kleinen Plastikblumentopf symbolisieren..so, jetzt hat der "Staubi" genug "gegrantelt").

Als Mains dienten die FM 401, als Center und Surrounds je eine Genelc 1030A, als SUB kommt ein sensorgeregelter Velodyne DD18 zum Einsatz. Im laufe der Zeit habe ich mehr und mehr hervorragende Einspielungen auf SACD und DVD-Audio erworben, ich höre heute schon bis zu 20% meiner Scheiben in 5.1 Surround-Sound.

Nun ist der 1030A zwar ein ganz guter aktiver Studiomonitor, aber er ist nicht sensorgeregelt und das Zusammenspiel mit den Mains, der Silbersand FM 401, ist nicht optimal. Ich habe mich übrigens schon von Anfang an, gegen eine "Phantomcenter-Lösung" entschieden, da diese den Zuhörer/Seher wieder in den SweetSpot "einsperrt", was für reine Musikwiedergabe noch angeht, aber für Filme oder Sportevents, wo mehrere Zuschauer vor dem Grossbild sitzen, ungeeignet ist.

Als ich mich dann im Sommer beim Sibersand-Workshop intensiv mit der Emotion 5 von Bircher-Müller beschäftigte, wurde mir schnell klar, ein Center aus dem Hause Silbersand sollte die 1030A ablösen. In einigen Diskussionen mit Markus Spatz (danke Markus) wurde aber ein Problem mit der Emotion 5 deutlich, diese sollte idealerweise senkrecht in der Mitte stehen, es ist nicht optimal, sie "liegend" zu betreiben. Alternativ kann man aber zwei nehmen, eine unter-, eine oberhalb der Leinwand. Diese Lösung war mir zu teuer und optisch auch nicht so mein Fall, also weitersuchen.

Und dann wurde ich in Berlin zufällig fündig: Silbersand hat mal, vor ca. 3 Jahren, eine Spezialanfertig eines Centers gebaut, der Besitzer wollte aber seine Gesamtinstallation verkaufen, ich brauchte aber nur den Center... die Verhandlungen zogen sich hin... am 30.12.2008 war der Deal dann perfekt, seit 5 Wochen spielt er bei mir... und wie !

Beschreibung

Bei dem Center handelt es sich um eine Sonderanfertigung des Modells FM 303. Bei dieser Ausführung kamen die Endstufen des nächst grösseren Modells, der FM 501, mit 150 Watt zum Einsatz. Die Mittel- und Hochtöner sitzen in einer speziell angefertigten Aluminium Platte (20 mm stark). Das Gehäuse besteht aus 30 mm MDF in Echtholz Ahorn furniert und wurde zusätzlich komplett mit Bitumenmatten ausgekleidet.

Abmessungen:
- Länge: 77 cm
- Höhe: 28 cm
- Tiefe (mit KK): 37 cm
- Gewicht: ca. 35 kg

Hier nun einige Bilder dieses Centers
(bitte auf die jeweiligen Abbildungen klicken, dann öffnen sie sich in voller Grösse)

Gesamtansicht 1, die für einen Center wichtige Anordnung von HT und MHT übereinander ist gut sichtbar.
Meine anfängliche Befürchtung, das edle, aber helle, Ahornfurnier würde bei Kinobetrieb stören, hat sich nicht bestätigt. Natürlich könnte man den Center auf Grund seiner Bestückung auch etwas kürzer gestalten, aber, das Gehäusevolumen ist bei einem LS durch nichts zu ersetzen (verhält sich eben ähnlich wie der Hubraum beim Motor :wink: ):

Bild

Gesamtansicht 2, der Center von oben:

Bild

Hier ist die Anordnung der Chassis auf der "dicken" Aluplatte und die Sensorbestückung des HT nochmals genauer zu sehen. Auf diese vertikale Anordnung des HT/MHT, quer zur Längsrichtung, führe ich die hervorragende Abstrahlcharakteristik zurück. Das Silbersand-Typenschild hat der Vorbesitzer nicht montiert, es lag der Lieferung, in Seidenpapier gewickelt, bei:

Bild

Hier der Center mit dem Velodyne DD18 und der linken FM 401 zu sehen:

Bild

...und hier mit der rechten FM 401:

Bild

DIe Basisbreite beträgt ca. 2,7 m, der Hörabstand ca. 3,5 m, von dort zur Rückwand sind es ca. 2,1 m.

Zusammenfassung der bisherigen Hörergebnisse

1. Musikaufnahmen in 5.1
Bei symphonischer Musik werden jetzt Instrumente in der Raummitte wesentlich authentischer widergegeben.
Sie werden besser mit den Mains verschmolzen, die Tiefe der Bühne wird so tiefer dargestellt, man wird richtig in das Musikgeschehen hineingezogen, wie es bei reinem Stereo nicht möglich ist.
Ein völlig neues Erlebnis ist die (reine) Musik-Blu-ray "Divertimenti", die erste Klassikaufnahme mit DTS-HD Master Audio, hier wird man als Zuhörer, ganz bewusst, völlig ins Klanggeschehen hineingesetzt, so könnte dieses z.B. der Bratscher in der 2. Reihe während der Aufnahme gehört haben. Aber was hier besonders auffällt: In diesem HD-Audioformat klingen Violinen, auch wenn sie in ff oder gar fff gespielt werden, keineswegs aggressiv (und da sage noch jemand, die HDMI-Verbindung wäre stark Jitteranfällig ).
Auf der DVD-Audio "RatPack" wird die coole und lässige Atmosphäre des Venice in Chigago mit Dean Martin, Frank Sinatra und Sammy Davis jr. schon recht gut dargestellt, mit dem neuen Center bekommt man schon die Illusion, als wären die Drei wirklich live im Raum, gerade in diesem Moment.
Also...einen Whiskey oder Martini in die Hand, Licht dimmen und ab geht eine fantastische Zeitreise zurück in die Sechziger.
Gesang wird ja auf guten 5.1 Aufnahmen über den Center-Kanal transportiert, da macht sich der Qualitätsgewinn zum Genelec besonders bemerkbar.
Cecilia Bartoli's Stimme z.B. ist ein wahrer Ohrenschmaus auf der Blu-ray "Cecilia & Bryn" (Liveaufnahme aus dem Glyndebourne Opera House), hier kommt noch das HD-Bild dazu, auf dem sehr gut zu sehen ist, welches Talent die Bartoli auch als Schauspielerin hat.

2. Filme (DVD und Blu-ray)
Hier fällt sofort der Gewinn in den Dialogen auf, man kann sie leiser hören, die texte sind besser zu verstehen, die unterschiedliche Artikulatio und das Vibrato der Sprache wird deutlich besser reproduziert. Aber auch kineastische Effekte auf höchsten Level, wie sie ja James Bond-Filme meisterhaft umsetzen, werden zum Erlebnis, ob es sich jetzt um von hinten links anfliegende Hubschrauber, die dann vorne rechts landen, um Abfangjäger die über die Szenerie fliegen, Cruise Missiles, die sich durch Gebirgstäler von rechts heranpirschen, oder Rennboote die mal über eine Brücke flitzen etc. mitgenommen.
Ich habe ja die Bond-serie schon rauf-und runtergesehn, ich muss zugeben, mit diesem Center gehts nochmals eine spur packender zu. Jetzt erst hört man, was Sony da in der Ultimate Edition der James Bond Filme noch am Soundtrack verbessert hat. Es ist schon überraschend, was selbst der 5.1 Ton auf der dts-spur da rüberbringt, allerdings es geht noch besser, viel besser:
Das HD-Bild (1920 x 1080) und der Ton in 5.1 PCM (also unkromprimiert, aber noch nicht DTS-HD Master Audio ) auf "Casino Royale", gewinnt mit diesem Center nochmals an Punch, an "Durchschlagskraft" der Effekte. Explosionen z.B. kommen nochmals präziser, noch mehr "auf den Punkt", man muss das selbst hören, es lässt sich nur sehr pauschal in Worte fassen.

Die Installation dieses Centers führte dazu, dass ich jetzt sehr viel mehr Surroundmusik höre, die folgenden Bilder zeigen einige meiner derzeitigen Favoriten:

SACD und DVD-Audio: Bild sehr gute alte DVDs: Bild
und natürlich Blu-rays: Bild

Gruss Sigi

ps.: Und ja, es geht sicher noch besser, z.B. Mains: FM 701, Surround A: FM 401,
dann bleiben für Surround B bzw. Surround-Back immer noch die Genelecs. :cheers:
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Beitragvon Franz » 24.02.2009, 23:32

Super gemacht, Sigi. Da läuft mir schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammen. Ich muß dich dringend mal überfallen und mir das anhören, muß grandios sein. Glückwunsch zu dieser Umsetzung.

:cheers:
Gruß
Franz
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Beitragvon wgh52 » 24.02.2009, 23:42

Hallo Sigi,

Glückwunsch zur erfolgreichen Einbindung des neuen Centers. Das hört sich alles sehr beeindruckend an! Wie "Eintauchen in die Musik"!

Ich stimme Dir zu: Es geht IMMER besser... z.B.
Bleibt der Center auf der "Bücherkiste" stehen? :P
Bleibt das Finish des Centers so wie es ist? :wink:
Meine Frau würde mir eins "überbraten", wenn's so wäre... :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Viel Spass beim "Musiktauchen" !

Gruss,
Winfried
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