Gert (AGM 3.3, 5.4, 7.4, 9.4, Backes & Müller BM 6, 20, Abacus C-Box 3, 4)

audiophile Biografien unserer Mitglieder
Forumsregeln
Bei Vorstellungen steht die persönliche, subjektive Erfahrungswelt des Verfassers im Vordergrund. Insbesondere soll die Vorstellung als "Visitenkarte" des Mitglieds gewürdigt bzw. respektiert werden. Dialoge sollten hier vorrangig mit dem Verfasser und nicht mit Dritten geführt werden. Siehe auch die Forumsregeln.
Antworten
Fortepianus · „wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“
Aktiver Hersteller
Beiträge: 3849
Registriert: 17.12.2008
Wohnort: Stuttgart
„wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“

Beitrag von Fortepianus »

Hallo Alex, Oliver und 2x Dirk,

gerne! Also zuerst mal im Kurzabriss, wie die Versorgung der frisierten Mark Levinson Nr. 32 momentan aussieht.

Nach ausschließlich guten Schmelzsicherungen (AHP) für Haupt- und Nebenverteiler samt ordentlich Querschnitt überall geht's an die Anlage:

36 G-ML32 230V.jpg

Furutech NCF-Doppeldose, dann NBS Black Label 1 - ein störrischer Prügel, nie mehr anfassen, wenn das Kabel einmal liegt.

Die Quellgeräte werden vom ersten der drei G-PPPs in der Anlage versorgt. Für die G-ML32 wäre das kontraproduktiv, denn die bringt ihre eigene Regenerationsschaltung mit:

37 ML32 Steuerteil Prinzip.JPG

Jetzt mal nur die Spannungen für die Analogschaltungen betrachtet - die 230V gehen an einen dicken Trafo, das wird gleichgerichtet und links und rechts werden kanalgetrennt 400Hz daraus gemacht. Die gehen in eigene Kammern, das Gehäuse ist bekanntlich aus dem Vollen gefräst:

39 ML32 Steuerteil Ansicht.JPG

Da sitzen jetzt kleinere Trafos, denn je höher die Frequenz, desto kleiner kann der Trafo sein. 400Hz ist die typische Frequenz aus dem Flugzeugbau. Warum nicht noch höher? Wenn man das auf die Spitze treibt und 100kHz oder so nimmt, ist das halt ein Schaltnetzteil. Nein, 400Hz ist perfekt. Das wird dann wieder gleichgerichtet, aber da gab es etwas Verbesserungsbedarf gegenüber der Originalschaltung - ich habe die originalen Dioden durch Aktivgleichrichter ersetzt:

38 AGR links.JPG

War nicht so einfach wie das zunächst klingt, dazu mussten mit dem Skalpell die Trafos aufgeschnitten werden, um die beiden intern verbundenen Wicklungen aufzutrennen. Die LT4320 (Steuer-IC für den Zweck) gibt's auch als Version 4320-1, und die können im Gegensatz zur Basisvariante auch 400Hz. Nach der Gleichrichtung wird die Spannung auf saubere 2x 17V geregelt.

Von da geht's an 10polige Lemo-Buchsen. Die Belegung der Stecker habe ich mal in Detektivarbeit rausgefunden:

40 Belegung Lemo.jpg

So und jetzt geht das wieder kanalgetrennt an den eigentlichen Vorverstärker:

41 G-ML DC-In.JPG

Von oben:

42 G-ML VV-Teil von oben.JPG

Hier sieht man links und rechts zwei schwarze kleine Kühlkörper, ganz unten auf den beiden VV-Platinen. Das sind die Ausgangstransistoren der Regler, die aus 2x17V supersaubere 2x15V machen. Und zwar auf ganz besondere Weise: Hier wird der komplett symmetrisch aufgebaute VV nicht mit massebezogenen 2x15V gespeist, sondern die Masse für die letzte Regelinstanz wird virtuell gebildet mit einem Symmetrierverstärker - so kann wird evtl. vorhandener Dreck auf der Masse, wo auch immer der sich bei dem Aufwand noch reinschummeln will, aus der Versorgung der exzellenten Vorverstärkerschaltung rausgehalten. Den Rest des VV kennt Ihr mit meinen Ausgangsstufen (hier nicht zu sehen, sind unter den Relais-Platinen) etc., ich hatte berichtet.

Nun die Idee:

Bevor die 2x17V in die letzte Regelinstanz gelangen, soll eine dicke Supercap-Batterie dazwischen. Und zwar ebenfalls servosymmetriert zur Masse ohne echten Massebezug. Das klingt einfach, aber es stellen sich ein paar Fragen.

1. Wenn man die 17V einfach auftrennt, die Supercaps laden und dann irgendwann freischalten will, wird das nichts - das Steuerteil meldet sofort, dass die Kabel nicht angeschlossen seien und schaltet die 17V ab, weil sich auf den Datenleitungen keiner meldet. Das muss man irgendwie überlisten.

2. Wieviel Strom kann man aus den 2x bzw. insgesamt 4x 17V ziehen, ohne dass das Steuerteil schon wieder beleidigt ist? Wenn das wenig ist, kann das dauern, bis die SCaps voll sind.

3. Hat man 1. und 2. irgendwie gelöst, kommt die Mutingfrage auf. Wegen 1. muss die Steuerelektronik irgendwie versorgt werden beim Laden der Caps, und die wird dann beherzt nach kurzer Zeit die Ausgänge freischalten. Kommt dann wirklich Spannung von den SCaps an die VV-Schaltung, knallt das vermutlich übel. Muss man auch irgendwie überlisten, ebenso beim Ausschalten.

4. Schön wäre, wenn linke und rechte SCap-Schaltung irgendwie miteinander kommunizieren würde, damit sie bei 3. die Ausgänge links und rechts gleichzeitig freischalten und auch wieder abschalten beim Ausmachen.

5. Ebenfalls wünschenswert wäre, die LED vorne drin so anzusteuern, dass sie mitteilt, wann Ladevorgang und wann freigeschaltet, sonst weiß man nicht, ob das Ding überhaupt funktioniert - je nachdem, wie 2. ausfällt, kann das ja etwas dauern.

Aber als erstes muss ich schauen, wo ich denn die 17V-Versorgungen überhaupt vernünftig auftrennen kann. Und ob die ganze Idee überhaupt sinnvoll umsetzbar ist oder da noch weitere Fallstricke als die bereits angedachten lauern. Also Vorstufe aus der Anlage reißen und aufmachen - ahnt Ihr, wie viele Kabel da reingehen?

Viele Grüße
Gert
Fortepianus · „wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“
Aktiver Hersteller
Beiträge: 3849
Registriert: 17.12.2008
Wohnort: Stuttgart
„wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“

Beitrag von Fortepianus »

Hallo liebe AVV,

man kann sich natürlich schon fragen, ob sich der ganze jetzt anstehende Aufwand überhaupt lohnt. Schließlich ist die Spannungsversorgung dieser Ausnahme-Vorstufe schon von Haus aus hervorragend und es ist gut möglich, dass es gar nichts bringen wird, da noch Supercaps reinzumachen. Aber so ein bisschen Hoffnung keimt da eben, dass dadurch aus dem Ausnahme-Vorverstärker der absolute Überflieger werden könnte. Und wenn nicht, Mund abwischen und weitermachen.

Also die beiden massiven Kisten aus der Anlage gerupft, aber vorher penibel an jedes Steckerchen einen kleinen Aufkleber gemacht, wo es denn hin soll. Lohnt sich, sonst zahlt man da nachher mit viel Zeitaufwand drauf, wenn alles wieder zusammengestöpselt werden soll. Dann die beiden Schwergewichte in die Werkstatt befördert.

Unzählige Schrauben später halte ich die Platine für den linken Eingang mit der Eingangswahl und dem DC-Eingang in der Hand:

43 G-ML32 left in.JPG

Ich schaue mir das genau an und begreife, dass es nahezu unmöglich ist, die Versorgung für die Relaisumschaltungen und die reine Verstärkerschaltung zu trennen. Mit drei Käbelchen kontaktiere ich den +17V-Eingang, ebenso die Masse und -17V.

Provisorisch wieder rein ins Gehäuse und an das Steuerteil angeschlossen:

44 G-ML Test.JPG

Zunächst, was soll das nun Folgende überhaupt? Weil der erste Schritt bei einer Schaltungsentwicklung immer ist, die Schnittstellen nach außen sauber zu definieren. Rechts sieht man das rote und blaue Kabel nach oben an eine elektronische Last gehen, mit der ich zusätzlichen Strom aus der Platine ziehen und dann sehen kann, ob noch was übrig ist, um damit Supercaps zu laden. Es ergeben sich folgende Erkenntnisse:

1. Direkt nach dem Starten muss zwingend die Versorgung 2x17V anliegen, denn daraus werden auch 5V für die Logik gemacht.

2. Die Spannung beträgt insgesamt 34,3V.

3. Man kann direkt unten auf der Platine die +-17V auftrennen, muss sie aber während des Ladevorgangs an den Rest durchschleifen per Mosfet, sonst wird beleidigt gleich wieder abgeschaltet. Heikel wird dann die Umschaltung zwischen direkter Versorgung und Supercaps.

4. Der maximal mögliche Ladestrom darf 300mA zwischen +17V und -17V betragen, bei 400mA und mehr wird die Spannung vom Steuerteil abgeschaltet.

5. Bei 300mA sinkt die Spannung schon etwas ab auf 34,0V, da sollte man drunter bleiben.

Das heißt also, wenn ich etwas Sicherheitsabstand lasse und mit 250mA pro Kanal lade, brauchen meine 10F-Caps ungefähr zwei Minuten, bis sie voll sind. Ich muss 13 davon in Reihe schalten, um die nötige Spannungsfestigkeit zu erreichen - dann hat jeder SCap ca. 2,6V, wenn man die Kapazität handselektiert. 3V verträgt einer maximal. Auch während dieser zwei Minuten funktioniert zwar schon alles, nach außen aber soll eine etwas schneller blinkende LED anzeigen, dass die SCaps noch nicht dranhängen und geladen werden. Langsames Blinken zeigt bei der ML32 ansonsten den Standby-Betrieb an. Mal am LED-Stecker gemessen:

6. Die LED wird von der rechten Relaisplatine versorgt.

7. Von Rückwand auf LED-Stecker geschaut zwischen rechts (-) und links (+) 4,84V, links direkt mit +5V verbunden.

8. Belastet mit 100kOhm bricht die Spannung bereits auf 4,55V zusammen - Innenwiderstand je nach Helligkeitseinstellung gerechnet ergibt einige Kiloohm Innenwiderstand - man kann die LED vermutlich sogar einfach extern komplett per Transistor kurzschließen, um sie auszumachen bzw. das getaktet machen, um sie blinken zu lassen.

9. Oszi zeigt, dass keine PWM vorliegt, was die Sache verkomplizieren würde.

10. Brücke über LED mit 150R lässt die Spannung auf 1,47V sinken, die LED erlischt dann auch bei hellster Einstellung.

Damit ist klar, wie ich die LED zum Blinken kriegen kann.

Jetzt beide Leitungen von der Lemo-Buchse aufgetrennt (+-17V):

45 17V aufgetrennt.JPG

11. Zieht man nur 250mA zwischen +17V und -17V und lässt die Verbindung offen, wird abgeschaltet mit Meldung, dass Kabel nicht verbunden - wie zu vermuten. Es wird dafür also nicht der Strom detektiert, sondern registriert, dass keiner auf der Datenleitung antwortet.

12. Jetzt zwei Amperemeter eimgeschleift. Im Standby: +17V zieht +225mA, -17V -199mA, mit und ohne zusätzliche 250mA zwischen Plus und Minus per elektronischer Last.

13. Im Betrieb: +240mA, -204mA

14. Nach der Messung wieder Brücken gesetzt über die Auftrennstelle.

Das heißt also, dass die Elektronik im Steuerteil gut das Doppelte dessen als Strom toleriert, was normalerweise fließt, bevor die Schutzschaltung dort eingreift.

Dann braucht's noch eine 2polige Verbindung zwischen den beiden Supercap-Platinen links und rechts, damit sie die Info kriegen, ob die andere Seite fertig ist mit Laden und sie gemeinsam die Supercaps freigeben dürfen an die Schaltung. Da die beiden Kanäle mechanisch komplett gekapselt sind, ist die Frage, wie man das Kabel von der einen zur anderen Seite kriegt. Es gibt aber bereits eine solche 2polige Verbindung, über die sich die beiden originalen Platinen darüber einigen, wann das Muting geschaltet bzw. aufgehoben wird. Die Frontplatte kann man dazu abmontieren mit 6 Inbusschrauben - natürlich Ami-Größe. Dafür hatte ich mir extra mal einen Schlüsselsatz gekauft:

46 Ami-Inbus.JPG

3/32 Zoll passt. Für die vorhandene Leitung ist extra ein kleiner Kabelkanal eingefräst vorne, und da packe ich gleich noch zwei dünne 0,2mm²-Äderchen in Teflon dazu, die da gerade noch reinpassen. Die Enden erstmal offen gelassen:

47 Zusatzleitung.JPG

Jetzt kommt der ganze lästige Mechanikkram, wieviel Platz haben die Platinen, wohin mit den Steckverbindern, welche Höhe habe ich zur Verfügung und wie soll ich die Platine befestigen. Natürlich sind die Schrauben plus Gegengewinde alle auch im Ami-Format, in dem Fall 6-32 UNC, das hat 3,505mm Durchmesser bei 32 Gewindegängen pro Zoll. Das hat leider nichts mit einem metrischen Gewinde zu tun, also suche ich mir erstmal einen Wolf beim Mouser, bis ich was Passendes finde, zumindest zwei in unterschiedlicher Höhe, die ich aufeinander schrauben kann. Alles notiert und jetzt kann die Kiste wieder zu und in die Anlage. So geht ein Tag dahin - als nächstes kommt die eigentliche Schaltungsentwicklung.

Viele Grüße
Gert
Fortepianus · „wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“
Aktiver Hersteller
Beiträge: 3849
Registriert: 17.12.2008
Wohnort: Stuttgart
„wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“

Beitrag von Fortepianus »

Hallo Jürgen,
h0e hat geschrieben: 02.06.2026, 17:07 auweh, ich glaube ich kann erahnen, was Du Dir da an Arbeit ans Bein gebunden hast.
ach das ist eigentlich bei allen Projekten so ein Aufwand. Wenn man da locker drüber im Forum plaudert, sieht man eh nur die Spitze eines Eisbergs. Diesmal bin ich ein bisschen unter die Wasseroberfläche am Eisberg gegangen.
h0e hat geschrieben: 02.06.2026, 17:07 Ob des doch schon ordentlichen Netzteils der ML bleibt es spannend, ob Dir das Resultat auch gefallen wird.
Ja ich natürlich auch. Der Ausgang ist bei sowas immer offen - wenn der ganze Aufwand nichts bringt, Haken dran und als weitere Erfahrung verbuchen. So ein bisschen ist bei solchen Sachen ja auch der Weg das Ziel, das macht einfach Spaß.
h0e hat geschrieben: 02.06.2026, 17:07 Ich drücke die Daumen und freue mich auf weitere Berichte.
Ja gerne! Nachdem die Schnittstellen und sonstigen Rahmenbedingungen der Schaltung klar sind (in der Industrie nennt man das Lasten- bzw. Pflichtenheft, je nachdem, aus welcher Perspektive man das betrachtet), kommt nun die eigentliche Schaltungsentwicklung. Ich will gerne ein bisschen andeuten, wie man dabei vorgeht. Wichtig: Projekt in überschaubare Teilbereiche zerlegen. Und bevor man das erste Mal einen Lötkolben in die Hand nimmt, alles am Rechner simulieren, das ist viel schneller und zielführender als 14 verschiedene Versuchsaufbauten mit 82 Varianten.

Erstes Teilprojekt: Die Ladeschaltung für die Supercaps. Ich zeichne mal ein Prinzipschaltbild aus dem Simulationsprogramm hin:

48 Ladeschaltung Prinzip 1.jpg

Zunächst vereinfacht man, soweit es geht. Die feinen HF-Drosseln mit Filter-C sind für die grobe Funktion der Ladeschaltung irrelevant bis auf ihren Ohmschen Widerstand, der ebenso wie Leitungswiderstände oder die Innenwiderstände der Quellen durch R1 und R2 repräsentiert wird. Der ganze Aufwand von Mark Levinson bis zur DC-Buchse wird lediglich durch die zwei idealen Spannungsquellen V1 und V2 ersetzt mit den gemessenen Werten +17,15V und -17,15V. Die Werte der restlichen Bauteile lasse ich mal ebenso weg wie die genaue Schaltung der danach folgenden Stromquellen. Man möge mir das nachsehen.

T1 und T2 sind die beiden Power-Mosfets am Ausgang der Stromquellenschaltungen. I1 und I2 weiter rechts stellen Amperemeter dar, mit denen man den Ladestrom verfolgen kann, und die 13 in Reihe geschalteten Supercaps ersetzt man durch eine einzige Kapazität, deren Wert man passend berechnet. Hat man beispielsweise Supercaps mit 10F Kapazität, ist das einfach 10/13F, wenn man sie in Reihe schaltet. Dann haben die noch einen ESR (Ersatz-Serien-Widerstand), den man ausrechnet, indem man 13mal den im Datenblatt angegebenen Wert nimmt. Wenn man nun an den Trimmpotis rumspielt, die es in den Stromquellen sowohl in der Simulation wie auch nachher real in der Schaltung gibt, kann man beobachten, wie sich die Ladeströme und die Spannungen gegen Masse über der Zeit verändern - die Spannungen sieht an den beiden Spannungswerten U1 und U2. Hier in der Simulation fließen knapp die angepeilten 250mA in beiden Symmetriehälften und nach den im letzten Beitrag ermittelten rund 120s sieht man dann, wie die Spannung sich der Eingangsspannung von 17,15V annähert und der Ladestrom gegen Null sinkt. Die Werte in den Anzeigen sind allerdings im Bild wahrscheinlich nicht richtig zu sehen.

Man kann auch zwei zusätzliche Widerstände R3 und R4 reinmachen, deren Sinn sich gleich noch erschließen wird. Man muss dann die Stromquellen ein bisschen anders abgleichen:

49 Ladeschaltung Prinzip 2.jpg

Wenn die Mosfets und die Ladeschaltungen ideal gleich aufgebaut sind mit gleichen Werten, liegt die Spannung zwischen R3 und R4 genau auf Null Volt gegenüber Masse, die in der Mitte zwischen V1 und V2 angeschlossen ist. Ideal ist aber nichts in der realen Welt, und p-Kanal-Mosfets (T1) haben meist einen etwas höheren Innenwiderstand als ihre n-Kanal-Brüder (T2), dann hat's vielleicht nicht überall die gleiche Temperatur, die Widerstände haben Toleranzen etc., also kann man da etwas nachhelfen:

50 Ladeschaltung Prinzip 3.jpg

Das ist jetzt der erste Trick hier an der Schaltung. Ein mit OP1 gebildetes DC-Servo. Der Pluseingang hängt genau in der Mitte der Spannung an den Supercaps - das sollte idealerweise 0V sein, also virtuelle Masse. R5 und R6 sollten möglichst eng toleriert sein, dann ist das ziemlich genau die Mitte. Sind die Spannungen auch während des Ladevorgangs auf der Plus- und Minushälfte genau gleich groß, ist die Spannung zwischen R5 und R6 also 0V. So ist es aber natürlich in der Realität nicht, wie oben erzählt.

Der Minuseingang des OP hängt nun wirklich auf Masse, sehr hochohmig über R7. C1 macht aus der Schaltung einen Integrierer. Ist beispielsweise die Spannung zwischen R5 und R6 ein bisschen oberhalb von 0V, läuft mit der Zeitkonstante C1 mal R7 der Ausgang von OP1 langsam hoch. Dadurch wird das Gate von T1 positiver und das von T2 negativer, was in der unteren Hälfte mehr Strom fließen lässt als in der oberen. Dadurch wird die Spannung unten etwas höher als oben, die Mitte zwischen R5 und R6 wandert ebenfalls nach unten und man hat einen Regelkreis, der immer dafür sorgt, dass die Mitte der beiden symmetrischen Spannungen immer 0V ist.

So hat man also eine symmetrische Spannung, die ohne tatsächliche Masseverbindung auskommt und eventueller Dreck auf der Masse hat keine Chance, sich da reinzumogeln.

Rechts sieht man noch zwei Schalter S1 und S2, die in der Simulation gleichzeitig betätigt werden, wenn man die Leertaste drückt. Damit symbolisiert man die später noch zu entwickelnde Freischaltung der Supercaps an die Elektronik. Die wird schlicht durch einen Lastwiderstand dargestellt, den man so wählt, dass dort ungefähr die gemessenen 200-240mA fließen.

Schließt man die Schalter in der Simualtion, wird man feststellen, dass betrüblicherweise die Spannung an den Supercaps langsam absinkt, denn die Stromquellen sind nicht ideal und die Innenwiderstände der Mosfets hauen uns in die Pfanne. Trick Nr. 2:

51 Ladeschaltung Prinzip 4.jpg

Die zwei Transistoren T3 und T4 schaltet man über die Vorwiderstände R7 und R8 durch, wenn die Schalter geschlossen werden. Sie legen die Widerstände R5 und R6 parallel zu R3 bzw. R4 und erhöhen die Stromlieferfähigkeit von T1 bzw. T2 enorm. Dadurch bleiben die Supercaps dann immer voll geladen, und weiterhin sorgt das DC-Servo dafür, dass auch bei unsymmetrischer Belastung der beiden Spannungshälften die Spannungen immer genau symmetrisch blieben.

Soweit aus dem Nähkästchen zur symmetrischen Ladeschaltung ohne Massebezug.

Viele Grüße
Gert
Cabrio_User · „wie Cabrio_User zum aktiven Hören kam“
Aktiver Hörer
Beiträge: 177
Registriert: 05.11.2020
Wohnort: Weinheim nähe Heidelberg
„wie Cabrio_User zum aktiven Hören kam“

Beitrag von Cabrio_User »

Hallo Gert,

ich möchte dir an dieser Stelle einen "Gästebucheintrag" hinterlassen und mich bei dir bedanken. Ich bin sehr beeindruckend von der Tiefe und dem Umfang deiner Massnahmen, die du an deiner Anlage vollzogen hast. Mit deinen Kompetenzen hast du meines Erachtens eine phantastisch klingende Anlage geschaffen. Vielen Dank auch, dass du die Inhalte deiner Optimierungen hier geteilt hast, so hatte ich jetzt die Möglichkeit dies nachzulesen.

Beste Grüße
Christian
SolidCore · „wie SolidCore zum aktiven Hören kam“
Aktiver Hersteller
Beiträge: 2266
Registriert: 12.12.2014
Wohnort: NRW / Moers
„wie SolidCore zum aktiven Hören kam“

Beitrag von SolidCore »

Hallo Gert

Wie immer Top. Bin auf das Ergebnis gespannt.

Hier nur ein Tip am Rande:
Mittlerweile gibt es aktive Gleichrichter für Center-Tapped Trafos, also 3 polig Symmetrisch, in GAN Technik, ab 4V sym bis 10khz. Dann braucht man nicht rumschnipseln, bzw für Lösungen, wo man nicht an die Wicklung kommt, wie vergossene Ringkerne.

https://evotronix.eu/product/saligny-universal-gan/

Auf der Startseite gibts auch noch andere Varianten.

Gruß
Stephan
Fortepianus · „wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“
Aktiver Hersteller
Beiträge: 3849
Registriert: 17.12.2008
Wohnort: Stuttgart
„wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“

Beitrag von Fortepianus »

Hallo Christian,
Cabrio_User hat geschrieben: 11.06.2026, 18:58 ich möchte dir an dieser Stelle einen "Gästebucheintrag" hinterlassen und mich bei dir bedanken. Ich bin sehr beeindruckend von der Tiefe und dem Umfang deiner Massnahmen, die du an deiner Anlage vollzogen hast. Mit deinen Kompetenzen hast du meines Erachtens eine phantastisch klingende Anlage geschaffen. Vielen Dank auch, dass du die Inhalte deiner Optimierungen hier geteilt hast, so hatte ich jetzt die Möglichkeit dies nachzulesen.
es hat mich sehr gefreut, Dich persönlich kennenzulernen - Du bist im Forum wie im persönlichen Umgang sehr sympathisch, aber auch bescheiden und stellst Dich als Anfänger dar, aber das bist Du überhaupt nicht. Du bist zusätzlich zum inzwischen recht umfangreichen selbst erarbeiteten Wissen außerdem mit einem exzellenten Gehör gesegnet, hinzu kommt ein beruflicher Hintergrund, der hilfreich ist. Deine präzisen Holzfräsarbeiten bewundere ich wie Deine konsequente Vorgehensweise und verfolge Deine Schritte im Forum mit Freude.

Hallo Stephan,
SolidCore hat geschrieben: 11.06.2026, 21:05 Hier nur ein Tip am Rande:
Mittlerweile gibt es aktive Gleichrichter für Center-Tapped Trafos, also 3 polig Symmetrisch, in GAN Technik, ab 4V sym bis 10khz. Dann braucht man nicht rumschnipseln, bzw für Lösungen, wo man nicht an die Wicklung kommt, wie vergossene Ringkerne.

https://evotronix.eu/product/saligny-universal-gan/

Auf der Startseite gibts auch noch andere Varianten.
ja, danke für den Tipp. Ich habe die Saligny-Aktivgleichrichter getestet und die benehmen sich leider nicht nennenswert besser als normale Halbleitergleichrichter. Es fällt bei denen ebenfalls eine nicht unerhebliche Spannung ab im Betrieb (je nach Last). Ich habe es jedenfalls wieder verworfen, sie zu verwenden. Die sauberste Art ist auf jeden Fall, zwei getrennte Wicklungen mit zwei getrennten Aktivgleichrichtern zu verwenden, wenn man eine symmetrische Spannung braucht.

Hier ein Test an einem Trafo mit 15V. Dahinter ein normaler Diodengleichrichter und ein 47µF Siebkondensator (Laststrom weiß ich gerade nicht mehr):

Test mit Diodengleichrichter 47uF.jpg

Man sieht, wenn man genau auf die Messwerte schaut, dass die Spitzenspannung des durch die Last und die Ladeströme etwas verbeulten Sinus in rot (CH1) bei +-22V liegt. Die gleichgerichtete Spannung nach den Dioden liegt im Ladevorgang stets unter der roten Spannung, es fällt also Spannung ab an den Dioden. Man sieht, dass Vmax (rot) bei 22V liegt, bei der gelben Kurve nach den Dioden bei 21,4V, also 0,6V weniger, soweit einleuchtend. Bei einem guten Aktivgleichrichter dagegen folgt die gelbe Kurve im Ladevorgang exakt der roten, weil der Innenwiderstand der Mosfets mit wenigen Milliohm fast Null ist und kein nennenswerter Spannungsabfall auftritt.

Jetzt dito mit Saligny-Gleichrichter:

Test mit Saligny Gleichrichter 47uF.jpg

Das ist nicht Null, da ist Vmax jetzt 21,6V. Bisschen besser, 0,4V Abfall anstelle 0,6V bei den Dioden, aber nicht nahezu 0V wie erwartet.

Jetzt machen wir praxisnäher nicht nur 47µF, sondern 1500µF Siebkapazität dahinter und schalten den gelben Oszikanal nach dem Gleichrichter auf AC, das heißt, er zeigt nur den übrigen Wechselspannungsanteil. Dafür wird die Empfindlichkeit des Kanals erheblich erhöht, von vorher 5V/cm auf 100mV/cm. Jetzt sieht man den Restripple auf der gleichgerichteten Spannung. Diodengleichrichter:

Test mit Diodengleichrichter 1500uF.jpg

Und jetzt der Saligny:

Test mit Saligny Gleichrichter 1500uF.jpg

Beim Diodengleichrichter liegt die Spannung des Ripples von Spitze unten zu Spitze oben bei 464mV, beim Saligny bei 508mV, bei ansonsten identischen Bedingungen. Daraus schließe ich: Der Diodengleichrichter ist hier besser als der Saligny. Der Saligny kostet 79€ und ein vergleichbarer Brückengleichrichter unter 1€. Also ich habe mich entschieden, den Saligny nicht zu verwenden und statt dessen mit dem Skalpell die Trafos aufzuschneiden, wenn nötig.
SolidCore hat geschrieben: 11.06.2026, 21:05 Wie immer Top. Bin auf das Ergebnis gespannt.
Ich auch. Ich habe nun zu der Supercap-Geschichte in der Mark Levinson einige Tage mit Simulationen am Rechner verbracht und wie immer liegt die Tücke im Detail. Das Blatt, auf das die Schaltung im Sim-Programm passt, musste ich nach und nach inzwischen auf die Größe DIN A1 vergrößern, damit alles draufpasst. Und die letzten zwei Tage habe ich damit verbracht, alles in ein Layout zu gießen. Bevor ich aber die Platinen fertigen lassen, prüfe ich nochmal gewissenhaft auf Fehler - da beißt man sich sonst in den Allerwertesten, wenn man was übersehen hat. Was dann trotzdem meist passiert :-).

Viele Grüße und Euch allen viel Spaß beim Forumstreffen
Gert
SolidCore · „wie SolidCore zum aktiven Hören kam“
Aktiver Hersteller
Beiträge: 2266
Registriert: 12.12.2014
Wohnort: NRW / Moers
„wie SolidCore zum aktiven Hören kam“

Beitrag von SolidCore »

Hallo Gert

Vielen Dank für die Aufklärung. Demnach sind die Angaben auf der Homepage falsch.

Zitat: While a normal diode have at least 600mV drop at 1A, a low Rdson MOSFET will have as little as 3mV, or less, at same 1A. This is 200 times better than a PN diode and at least 100 times better than a Schottky diode.

Interessant wäre vielleicht noch, ob dieses Verhalten bei den anderen Saligny übertragbar ist. Bei den älteren Versionen steht auch bei: Minimum 1000uF. Das ärgert mich jetzt ein wenig, wollte ich diese doch in meine Threshold T-100 Endstufe verbauen, wäre ein Abwasch, die Becher-Elkos lassen nach, da kommen nun Mundorf HC rein. Ist auch ein Center-Tap Ringkern verbaut. Weiß gar nicht, ob ich an beide Wicklungen komme.
Nehme ich nun also klassische CREE SiC, oder IXYS HiPerDYN ? Ne Idee ? Da sind noch die Ur-alten Grauguss-Viereck-Klötze drin.

Aber will nicht vom Faden ablenken.

Gruß
Stephan
Fortepianus · „wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“
Aktiver Hersteller
Beiträge: 3849
Registriert: 17.12.2008
Wohnort: Stuttgart
„wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“

Beitrag von Fortepianus »

Hallo Stephan,
SolidCore hat geschrieben: 11.06.2026, 23:45 Vielen Dank für die Aufklärung. Demnach sind die Angaben auf der Homepage falsch.

Zitat: While a normal diode have at least 600mV drop at 1A, a low Rdson MOSFET will have as little as 3mV, or less, at same 1A. This is 200 times better than a PN diode and at least 100 times better than a Schottky diode.
die Angaben sind nicht falsch, wenn man genau liest. Sie haben recht, ein guter Mosfet hat 3 Milliohm oder noch weniger - die ich gerne verwende, haben sogar nur 1,8. Das ist alles richtig, was sie schreiben, nur benimmt sich das Saligny-Modul eben nach meinen Messungen nicht so, als wäre das, was sie so blumig anpreisen, auch verbaut. Die Aussagen sind ja allgemein gehalten und es steht da nicht, dass wirklich solche Mosfets drin sind oder wenn doch, ob sie so angesteuert werden, dass sie auch tatsächlich in den 3mOhm-Bereich durchgesteuert werden.
SolidCore hat geschrieben: 11.06.2026, 23:45 Interessant wäre vielleicht noch, ob dieses Verhalten bei den anderen Saligny übertragbar ist. Bei den älteren Versionen steht auch bei: Minimum 1000uF. Das ärgert mich jetzt ein wenig, wollte ich diese doch in meine Threshold T-100 Endstufe verbauen, wäre ein Abwasch, die Becher-Elkos lassen nach, da kommen nun Mundorf HC rein. Ist auch ein Center-Tap Ringkern verbaut. Weiß gar nicht, ob ich an beide Wicklungen komme.
Auf den ersten Blick kommt man da eigentlich nie dran, falls nicht explizit die beiden Wicklungen getrennt rausgeführt werden und außen erst der Center-Tap gebildet wird. Schaut man aber, wo das Center-Kabel in den Trafo reinläuft und schneidet dann vorsichtig mit dem Skalpell am Kabel entlang die Kunststoff-Abdeckung des Ringkerntrafos auf, kann man meist die Stelle freilegen, an der die beiden Wicklungen verbunden sind, und kann sie trennen. So gelang das beispielsweise bei meiner Mark Levinson ML32.

Viele Grüße
Gert
Antworten