Beamforming - Alternative zur Nahfeld-Messung

alcedo · „wie alcedo zum aktiven Hören kam“
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„wie alcedo zum aktiven Hören kam“

Beitrag von alcedo »

Gast hat geschrieben: 16.01.2022, 18:40 Hat eigentlich hier schon jemand Beamforming ohne Zeitkorrektur probiert.
Ich habe das jetzt schon des Öfteren gemacht und dann einfach nur die minimalphasig Inverse für die Korrektur genutzt und bin ziemlich begeistert von dem Resultat.
Moin Christian,

ich würde das gerne mal nachstellen.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann hast für die beiden Wedelmesskurven MMleft.dbl und MMright.dbl jeweils via FD-Function "Magnitude Inversion - minphase" die Inversen gebildet und danach über Macro 4 die Filter generiert (jeweils nach Umbenennung der files)?

Viele Grüße
Jörg
cornoalto · „wie cornoalto zum aktiven Hören kam“
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„wie cornoalto zum aktiven Hören kam“

Beitrag von cornoalto »

Hallo zusammen,
Gast hat geschrieben: 16.01.2022, 18:40 Hat eigentlich hier schon jemand Beamforming ohne Zeitkorrektur probiert.
Ich habe das jetzt schon des Öfteren gemacht und dann einfach nur die minimalphasig Inverse für die Korrektur genutzt und bin ziemlich begeistert von dem Resultat.
auch wenn Christian leider nicht mehr aktiv ist:

Ja ich habe das jetzt ausprobiert, allerdings in verschiedenen Varianten.

-Zunächst die Version laut Anleitung mit hörplatzbezogener Phasenkorrektur. Klingt gut.
-Dann dasselbe ohne Phasenkorrektur (Makro4- minimalphase nicht anwählen). Klingt besser.
-Dann anstatt der empfohlenen Fensterung der erstellten gemittelten Pulsantworten dieselben mit TD- Funktion Psycoakustik-1/24 Oktave glätten. Makro4 minimalphasig: noch besser.
-Dann die durch Beamforming gewonnenen .mp dateien mit SplitNJoin bis ca 1000 Hz aus einer psychoakustik- geglätteten und ab 1000 Hz die 1/24 Oktave geglättete nehmen. Makro4 minimalphasig: noch besser.
-Dann dasselbe , aber ab 1000Hz die ursprünglichen gemittelten Pulsantworten ohne Fensterung und Glättung benutzen und ebenfalls ohne Phasenkorrektur: genial!
So wie bei Christian, ausser dass unter 1000 Hz die Psycho-Glättung verwendet wird. Das gib im Bass und Grundton mehr Klarheit.
Die hörbaren Effekte: Räumlichkeit wie gehabt, sehr feine Hochtonauflösung, supersaubere Transienten, enorm offener und luftiger Klang.


Da spielt man 10 Jahre lang mit Acourate herum und merkt dann erst, dass es die Phasenkorrektur garnicht braucht, was aber sicher nicht auf jedes Setup übertragbar ist. Die Phasenkorrektur wirkt bei mir wie eine Steigerung des Kontrastes bei der Fotobearbeitung: Erhöhung der "Sichtbarkeit" auf Kosten der feineren Abstufungen. Daher habe ich im Lauf der Zeit immer noch niedrigere Excessphasenwerte (1,4/ 2,3) gewählt. Und jetzt nur noch minimalphasige Korrektur hauptsächlich des Direktschalls.
Keep it simple! Bitte nachmachen und berichten!

Sommerliche Grüsse
Martin
StreamFidelity · „wie StreamFidelity zum aktiven Hören kam“
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Beitrag von StreamFidelity »

Moin Martin,
cornoalto hat geschrieben: 01.07.2025, 11:37-Dann dasselbe ohne Phasenkorrektur (Makro4- minimalphase nicht anwählen). Klingt besser.
Also da muss ich jetzt mal nachfragen. Du meinst den Schalter Minimumphase. Ist es da nicht gerade umgekehrt, also wenn der Schalter aktiviert ist, erfolgt keine Phasenkorrektur?

Bild

Grüße Gabriel
cornoalto · „wie cornoalto zum aktiven Hören kam“
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Beitrag von cornoalto »

Hallo Gabriel,
natürlich, das habe ich aus dem Gedächtnis heraus genau falschherum geschrieben. Sorry.
Also Schalter aktivieren ist richtig.
Falls du die Sache probieren willst- ich bin schon gespannt!
Zusätzlich Double length aktivieren ist auch nicht verkehrt. Und beim Messen den Logsweep- Recorder voll aussteuern und stattdessen die Soundkarte nach Bedarf herunterregeln.

Viele Grüsse
Martin
Fujak · „wie Fujak zum aktiven Hören kam“
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Beitrag von Fujak »

Hallo zusammen,

wenn in Acourate bei Makro 4 die Checkbox "Minimumphase" aktiviert ist, dann wird natürlich nur die kleinstmögliche Gruppenlaufzeit für den Frequenzverlauf angestrebt. Zwangsläufig ist damit verbunden, dass man auf eine Linearisierung des Phasengangs und damit der Gruppenlaufzeit verzichtet.
Das ist dann eine gute Option, wenn man Filter mit geringen Latenzen (z.B. bei lippensynchroner Wiedergabe eines Musikvideos) benötigt.

@Martin: Unter diesem Aspekt scheint es mir sinnvoll zu sein, Deine Ergebnisse neu zu bewerten. Dann würden sich Deine Ergebnisse mit meinen decken, wonach eine Phasenkorrektur (linearphasige Korrektur = Checkbox "Minimalphase" deaktiviert) zu einer Zunahme an besserer Raumabbildung führt. :cheers:

Viele Grüße
Fujak

P.S.: @Martin: da haben sich gerade unsere Beiträge überschnitten
cornoalto · „wie cornoalto zum aktiven Hören kam“
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Beitrag von cornoalto »

Hallo Fujak,
eine passende Phasenkorrektur ergibt in den allermeisten Fällen eine verbesserte Räumlichkeit ohne negative Effekte, denke ich. Aber wenn die akustischen Verhältnisse samt Abstrahlverhalten es zulassen und der Lautsprecher von Haus aus keine zusätzliche Phasenkorrektur benötigt, bilde ich mir ein, dass eine Phasenkorrektur kontraproduktiv wirkt. In dem Sinn wie oben beschrieben- zu scharfer Kontrast und irgendetwas schwer zu beschreibendes Artifizielles im Klang.

Viele Grüsse
Martin
Hornguru · „wie Hornguru zum aktiven Hören kam“
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Beitrag von Hornguru »

Nabend

Ich wäre vorsichtig mit diesen Annahmen dass Phasenkorrektur nur die Räumlichkeit beeinflusst. Nur weil der Volksmund das so sagt, und der Name das suggeriert.
Als ich diese Filter unter mehreren Setups einmal mit Minphase und einmal Korrigiert angehört und hin und her schaltete... Hm, große Ernüchterung. Die Bühne war 1:1. Mir wollte erst überhaupt garkein Unterschied auffallen.
Alles sonst unverändert lassen, sonst hinkt der Vergleich.
Alles 1:1, nur ein Set Filter mit, und ein Set ohne das Häkchen.
Dann im Convolver hin und her switchen, möglichst viel ABABABABAB Vergleich.

Erst später bemerkte ich, dass man bei Lautsprechern mit wirklich schlechtem Groupdelay (Analog XO, viele Wege, hohe Ordnung), und wenig komprimierter, impulsiver Musik mit Anschlägen, Percussion usw. durch Phasenkorrektur mehr Dynamik gewinnt. Schläge werden explosiver.
Klatschen wird von "Kschhhh" zu "Khhh", knallhart.
Drums vom "Blummmm" mehr zu "P - mmm" kürzer straffer.
Bei mehr eingeschwungener Musik wie Gesang und Klassik hörte ich gar keinen Unterschied.

Vergleicht das doch mal. Und teilt mit wie sich das anhört. Ist interessant.

Gruß
Josh
Fujak · „wie Fujak zum aktiven Hören kam“
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Beitrag von Fujak »

Hallo Josh,
Hornguru hat geschrieben: 01.07.2025, 23:49Ich wäre vorsichtig mit diesen Annahmen dass Phasenkorrektur nur die Räumlichkeit beeinflusst. Nur weil der Volksmund das so sagt, und der Name das suggeriert.
es hat ja niemand Annahmen oder Suggestionen des Volksmundes sondern eigene Hörerfahrungen gepostet, so wie Du jetzt Deine. Und an all diesen kann man wieder einmal feststellen: wie unterschiedlich Setups und die dazugehörenden Ohren reagieren (Deine vorgeschlagenen Vergleiche habe ich übrigens vor mehreren Jahren gemacht - mit den von mir geposteten Ergebnissen).

Aber vielleicht sollten wir wieder zum Thema zurückkehren, nämlich dass die Beamforming-Methode nach den Erfahrungen von Martin ohne Phasenkorrektur besser (im Sinne der von ihm genannten Kriterien) klingt als mit, was ich übrigens gerne mal ausprobieren werde.

Viele Grüße
Fujak
cornoalto · „wie cornoalto zum aktiven Hören kam“
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Beitrag von cornoalto »

Hallo zusammen,
anlässlich eines Hörbesuchs
viewtopic.php?p=246581#p246581
möchte ich noch einige Messungen einstellen, die evt. erklären, warum das Beamforming so gut klingt.
Dazu sei erwähnt, dass ich die minimalphasige Variante von SplitNJoin` klanglich bevorzuge.
Die Korrekturdateien wurden mit dem Originalpuls vom Hörplatz gefaltet und daraus die Sprungantwort generiert.
Die ersten 3 ms!

Braun- blau: Standartmethode, rot- grün: Beamforming.

Sprung BeamvsHörplatz.png

Hier die Unterschiede in der Amplitude die durch die Standard-, bzw. Beamformmethode erzielt wird (grün/rot):
Ein Graph wurden wegen besserer Erkennbarkeit mit Gain versehen. Oberhalb von 1000Hz tut sich zunehmend etwas.

DiffBeamrotvsHörplatzgrün.png

Wie gut die Methode im Hochton wirkt zeigt ein Vergleich einer Messung eines Lautsprechers im Garten vs. Beamform im Hörraum:

Beamforming vs Gartenmessung.png

Viele Grüsse
Martin
cornoalto · „wie cornoalto zum aktiven Hören kam“
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Beitrag von cornoalto »

Hallo zusammen.
Ein Nachtrag:
Die Ergebnisse der Standartmethode sind natürlich stark abhängig von den eingegebenen Werten. Bei stärkerer Korrektur als bei mir üblich, z.B. Excessphase 1,4/2,3 sehen die Graphen zwar besser und ähnlich wie beim Beamforming aus, aber der Klang leidet. Insbesondere im Hochton gibt es dann eine Tendenz zur "Glasigkeit". Anderswo mag es aber durchaus anders sein.
Grüsse
Martin
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