G-Mischer

Gerts Modifikationen
Fortepianus · „wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“
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„wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“

Beitrag von Fortepianus »

Liebe Freunde der gepflegten Analogaufnahme,

lange nichts von mir gehört hier, satte 12 Tage. Sollte ich etwa stillschweigend Haralds Analogmischer zum Wertstoffhof getragen haben in der Hoffnung, dass die Geschichte in Vergessenheit gerät? Mitnichten.

Ich wollte doch
nihil.sine.causa hat geschrieben: 28.02.2025, 11:09
Fortepianus hat geschrieben: 27.02.2025, 20:56 Harald will ja Akkuversorgungen machen, und ich habe mich aus dem Fenster gelehnt, dass ich dafür noch Supercap-Schaltungen reinkriege auf dem verbleibenden Plätzchen links vom Schaltnetzteil. Das wird dann die Kür. Akkus profitieren nochmal enorm von Supercaps dahinter, haben Harald und ich in der Vergangenheit schon wiederholt festgestellt.
Klasse! Die Akku-Versorgung mit den SuperCaps unter Vermeidung einer Verbindung zur Schutzerde vor Ort liefert eine feine Räumlichkeit und Finesse in den Details.
Supercaps für den Akkubetrieb reinmachen. Da drin hat's nun aber nicht mehr viel Platz, das ist ein 19" Einschub mit einer Höheneinheit, da hat's 40mm Höhe. Abzüglich Befestigungsbolzen mit 7mm und Platinendicke von 1,5mm. Die Supercaps haben 31mm Höhe, bleibt noch ein komfortabler halber Millimeter übrig :-). Ach ja, Kühlkörper für die Stromquellen-Mosfets. Ich finde welche, die passen. Und dann die nanokristallinen Superdrosseln von Würth - mal schnell nachgemessen, ok, auch noch ein halber Millimeter.

Höhe ist aber nur eine der drei Dimensionen. Ich begreife, dass das verdammt knapp wird auf dem kleinen übrigen Plätzchen neben dem Schaltnetzteil. Ich fange da gar nicht erst an, irgendwas auf Lochraster zu basteln, sondern entwerfe eine saubere Platine.

Bevor man damit anfängt, sollte man aber die Schaltung fertig haben. Die 2x 12-15V, die die Akkus liefern, sind klar, das geht so ähnlich wie beim Linn-Linearnetzteil mit den SCaps. Die 48V sind schon eher ein Problem. Mit Supercaps wird man bei 48V nicht fertig, wenn man die in Reihe schaltet, und mit jedem weiteren C erhöht sich der Innenwiderstand. Ich werfe mein Simulationstool an und überlege, wie ich so eine Mischung aus Gyrator, Cap-Multiplier und Spannungsbegrenzer hinkriege - denn die Akkus können voll geladen über 55V liefern (15x3,7V), kurz vor Entladeschluss dann 48V (15x3,2V). Auch wenn so manches Mikro da vielleicht nicht meckern würde, will ich aber die Spannung zwischen 47 und 49V halten, das vertragen sie alle.

Manch ein Tag ging dahin, bis das Layout zur Fertigung durfte.

So und heute zum Frühstück brachte UPS die Platine, flugs bestückt, getestet und abgeglichen auf die richtigen Ladeströme:

F_P1090363.JPG

Man sieht die 12 blauen Supercaps mit jeweils 10F Kapazität, links unten davor einen Komparator, der erst nach Erreichen von 13V das schwarze Relais ganz links frei- und unter 11,5V wieder abschaltet, mittig zwei Kühlkörper mit den Stromquellen und rechts die dicken Drosseln mit ihren Filter-Cs für die drei Spannungen. Der restliche Kleinkram kümmert sich noch um die Filterung der Phantomspannung. Eingebaut ins verbliebene Plätzchen:

F_P1090373.JPG

nihil.sine.causa hat geschrieben: 28.02.2025, 11:09 WOW das sind super gute Nachrichten. Ich habe daraufhin gleich beschlossen, das Material für die zusätzlichen acht Kanäle zu bestellen. Das sind vor allem weitere Mikrofone, Mikrofonkabel (die mache ich immer in 8m, 12m und 16m Länge), Kabeltrommeln sowie eine Transportkiste für eine M15A, damit ich im Hochdachkombi alles stapeln kann. Wenn ich nicht zweimal fahren will zum Aufnahmeort und sowohl die 16 Digitalkanäle als auch parallel die neuen 8 Analogkanäle ausnutzen möchte, brauche ich noch einen Anhänger. Aber egal, wenn ich daran denke, dass ich damit nicht nur sehr gute Digitalaufnahmen sondern auch noch Analogaufnahmen auf super hohem technischen Niveau machen kann, soll es daran nicht scheitern, oder?
Hoffentlich lohnt sich die Investition :P . Der nun folgende Hörtest wird's zeigen. Ach so ja, Akkus habe ich keine. Ich habe aber einen Adapter gelötet und versorge die Supercaps mit meinem Linn G-LNT, das ja passend zweimal saubere 13,8V liefert und genau für den Zweck der SCap-Versorgung ausgelegt ist. Die dritte Spannung sind zwar nicht die gewünschten 48V, sondern nur 6,5V, aber das ist egal, denn die Phantomspannung braucht man nur für Mikrofone und die nutze ich beim Test eh nicht.

Viele Grüße
Gert
Fortepianus · „wie Fortepianus zum aktiven Hören kam“
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Beitrag von Fortepianus »

Hallo zusammen,

gestern also der Hörtest. Zunächst habe ich eine Aufnahme von Harald gewählt, bei der es um die gleiche Einspielung ging, einmal direkt zwei Mikrofone in AB in den Acousence 8-Kanal-AD, einmal über der APB-Mischer zwei AB-Mikrofone. Da ist keine andere Abmischung möglich, einfach direkt zwei Kanäle, einmal mit dem MicIn des Acousence, einmal mit dem MicIn des APB in den LineIn des Acousence. Alle vier Kanäle gleichzeitig aufgenommen. Damit habe ich einen guten Vergleich vorher-nachher:

A Direkte Digitalaufnahme vom Acousence direkt bei mir über den VV abgespielt
B Digitalaufnahme über APB vor dem Acousence direkt bei mir abgespielt
C Direkte Digitalaufnahme bei mir über den APB in der Tapeschleife abgespielt

Einmal also hängt der APB vorher im Signalzweig (B), einmal nachher (C) und einmal gar nicht (A).

Bisher ging bei mir der Vergleich A-B eindeutig zugunsten von A aus, bei Harald übrigens ebenso. Der Unterschied ist deutlich, B ist verwaschener, hat unsauberere Transienten und keine so gute Ortbarkeit. Das sind NICHT die beiden Files, die Harald damals hochgeladen hatte - bei denen hatten wir ja dann festgestellt, dass bei der Abmischung von den fünf Mikrofonen digital und analog Unterschiede vorliegen:
nihil.sine.causa hat geschrieben: 24.02.2025, 18:00 Offenbar ist nicht klar geworden, was ich wie gemischt habe. Ich stelle es nochmals kurz summarisch dar:

2 x 3 Mikrofone für MS und 2 x 2 Mikrofone für AB = 2 x 5 Mikrofone = 10 Mikrofone sind es in Summe.

„Digital“: Die 5 Mikrofone wurden mit 5 Kanälen des MicVV-ADC verbunden. Die Mischung erfolgte anschließend auf digitalem Weg mit Harrison Mixbus 10.

„Analog-Mischer“: Die (anderen) 5 Mikrofone wurden mit 5 Kanälen des Analog-Mischers verbunden, wobei gleich auch seine die MicVV-Funktionalität verwendet und damit mitgetestet wurde. Die Mischung erfolgte entsprechend direkt am Analog-Mischer. Der Stereo-Downmix am Mischer-Ausgang wurde dann mit dem MicVV-ADC (Line-Eingang) digitalisiert.
Diesmal also geht es nur um die 2x2 Mikrofone für AB, ohne dass unterschiedliche Mischungen vorliegen können - es wird nämlich gar nichts gemischt.

Geht es mit rechten Dingen zu, müsste vor dem Umbau des Mischers A vs. B genauso ausgehen wie A vs. C. Das habe ich damals geprüft:
Fortepianus hat geschrieben: 25.02.2025, 14:40 Fazit: Es ist egal, ob der Mischer bei Harald vor der Aufnahme oder bei mir bei der Wiedergabe eingeschleift wird, der Unterschied ist der gleiche.
Ok, jetzt also erneut A vs. C mit umgebautem Analogmischer und Supercap-Versorgung. Ich mache das mehrmals, denn ich bin zunächst unsicher, ob ich überhaupt die Tapeschleife gehört habe bei C. C klingt so ziemlich gleich wie A. Das ist nur ganz minimal schlechter bei C. Ich will's wissen und stecke bei C den ABP raus aus der Tapeschleife, stecke also die jeweils zwei XLR-Kabel pro Kanal direkt zusammen, anstelle über den APB zu gehen. Das ist genau dieser minimale Unterschied, den ich auch mit dem ABP in der Schleife gehört habe. Der G-Mischer ist also so ziemlich transparent - das ist das bestmögliche Ergebnis.
Schorsch hat geschrieben: 26.02.2025, 23:23 Ich bin mir sicher, nach Deinem Tuning behält das Piano auch nach dem Passieren des Mischers die Attacke in den Anschlägen und klingt nicht mehr so tendenziell gemütlich und leicht verwaschen wie aktuell. 8)
Mit der Gemütlichkeit und Waschküche ist es jetzt vorbei :cheers: .

Übrigens ist es allerdings eine ziemliche Herausforderung, den APB auf exakt gleichen Pegel einzustellen wie den direkten Pfad. Steht der Lautstärkeregler am VV auf 63 (meine bevorzugte Stellung) und schicke ich einen vollausgesteuerten 1kHz-Sinus digital in den DAC, habe ich am VV-Ausgang 677mV auf beiden Kanälen. Das mit den kleinen Analogpotis am APB einzustellen, ist echt eine Geduldsprobe:

F_P1090376.JPG

Wie man sieht, geht das aber schon, das eine mV links ist geschenkt. Der VV ist dabei auf Eingang "Test", was die Testschleife ist. Der APB zeigt jetzt an den Ausgängen rote Pegel an - das habe ich aber zuvor genau auf dem Labortisch vermessen. Geht die Anzeige-LED an den Eingängen von grün auf rot, kommt tatsächlich bald danach das Clipping. Anders bei den Ausgängen, da ist die Pegelanzeige eben auf Studionormpegel eingerichtet, kann aber viel mehr verzerrungsfrei hinten rausliefern. Die rote Pegelanzeige ist hier also bedeutungslos - allerdings wird bei Musik der rote Bereich auch nur sehr selten erreicht, denn hier im Pegelabgleich verwende ich ja tatsächlich einen digital vollausgesteuerten Sinus.

Ich habe dann heute den Test mehrfach wiederholt, und zwar nicht mit dem Teststück von Harald, das eben schön den Vergleich zum originalen Mischer zeigt, sondern einfach mit meinen üblichen Teststücken:

F_Testliste.jpg

Hier höre ich Unterschiede zwischen verschiedenen Setups noch viel deutlicher. Und es zeigt sich: Der Mischer ist klanglich quasi transparent.

Viele Grüße
Gert
Schorsch · „wie Schorsch zum aktiven Hören kam“
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Beitrag von Schorsch »

Lieber Gert,
Fortepianus hat geschrieben: 12.03.2025, 14:46 Hier höre ich Unterschiede zwischen verschiedenen Setups noch viel deutlicher. Und es zeigt sich: Der Mischer ist klanglich quasi transparent.
Das ist klasse, mehr als "quasi transparent" geht nicht. :cheers:
So kann Harald damit analoge Aufnahmen ausgezeichnet abmischen, vielleicht wird sogar die Stromversogrung mittels Akku obsolet.

Viele Grüße

Georg
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Beitrag von nihil.sine.causa »

Liebe Analogfans,

nun ist der G-Mischer seit einigen Tagen bei mir und ich konnte ihn heute „einweihen“. Ich habe ihm den Namen „Theia“ gegeben. Theia ist als Tochter von Gaia und Uranos eine Titanin und für den strahlend blauen Himmel zuständig. Bei einer solch transparenten Darstellung, die Gert ja bei seinem letzten Test beschrieben hat, fand ich diesen Namen passend.

Bei meiner Einweihung von Theia wollte ich zunächst einmal nur hören, wo wir qualitativ in etwa landen. Das geht am besten mit einer analogen Direktübertragung. Nach meiner Erfahrung sind analoge Mikrofonsignale die besten Audiosignale überhaupt. Analoge Direktübertragung heißt: Mikrofone im Aufführungsraum aufstellen, mit Mikrofonkabeln die Signale übertragen, mit dem Mischer zusammenmischen, mit dem Vorverstärker aufbereiten und dann direkt über die analogen Lautsprecher ausgeben. Keine Digitalisierung dazwischen aber auch keine Bandaufzeichnung. Analog pur also.

IMG_1126.jpg

Die Mikrofonaufstellung vor dem Flügel im Wohnzimmer könnt ihr auf diesem Bild sehen. Vorne in der Flügelbucht steht als Hauptsystem ein MS-Mikrofon. Diesmal mit einem Josephson C617 als M und einem Neumann KM120 als Acht. Als Zumischsystem ca. 1 Meter dahinter steht ein AB61 System mit zwei Josephson C617. Das Zumischsystem sollte gegenüber dem Hauptmikrofonsystem im Pegel deutlich niedriger (ca. -10dB) hinzugemischt werden.

Für die Übertragung vom Wohnzimmer in den Hörraum habe in den letzten Tagen 4 Stück 33 1/3 m lange Mikrofonkabel gelötet. Damit habe ich Theia heute verbunden und die Signale zusammengemischt. Nun fragt ihr euch vielleicht, wie macht man das bei einem Mischer, der von Haus aus keine MS Dekodierung verbaut hat. Hierzu gibt es ein einfaches Verfahren, indem man die zwei MS-Kanäle auf drei Kanäle aufteilt:

Bild
Quelle

Und genauso habe ich das mit Theia gemacht. Um das S-Signal auf zwei Kanäle zu verteilen habe ich mir noch ein Y-Kabel gemacht. Folgende Einstellungen habe ich bei Theia vorgenommen:

IMG_1128.jpg

Kanal 1: M, Panning auf die Mitte
Kanal 2: S+, Panning nach links
Kanal 3: S-, Panning nach rechts (via Y-Adapter, keine 48V Vorspannung, denn die kommt ja schon über Kanal 2, dafür mit Inversion)
Kanal 4: A, Panning nach links
Kanal 5: B, Panning nach rechts

Soweit das Setup. Nachdem alles vorbereitet war, habe ich mich in den Hörraum gesetzt und mir so das Klavierspiel meiner Frau im Wohnzimmer angehört. Die Qualität ist atemberaubend! Die einzelnen Anschläge kommen mit einer Klarheit und Lokalisationsschärfe, wie ich sie nur aus einer Live-Situation kenne. Nichts läuft irgendwo zu. Nichts wird unübersichtlich. Selbst die größten dynamischen Attacken werden transparent übertragen. Auch alle Feinheiten sind da. Das feine Ausschwingen der Saiten oder das Rascheln des Papiers beim Umblättern sind so realistisch, wie ich es im Hörraum noch nie gehört habe.

Überhaupt: etwas in dieser Qualität ist noch nie aus meinen Lautsprechern gekommen. Analog pur in noch nie gehörter Spitzenqualität! Chapeau, lieber Gert, schade, dass du das heute Nachmittag so nicht hören konntest.

Nun wird es in den nächsten Tagen und Wochen weitergehen. Es spielt hervorragend aber noch ist nichts optimiert. Ich bin dabei, eine Akkuversorgung für Theia aufzubauen und ich habe mir ein Konzept zurechtgelegt, wie ich alles vor Ort auf einer Bühne oder in einer Kirche aufbauen kann, so dass ich parallel beide Welten bedienen kann: Digitale Aufnahmen wie bisher und analoge Aufnahmen mit Theia und einer M15A Tonbandmaschine. Darauf freue ich mich schon sehr.

Viele Grüße
Harald
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Beitrag von Fortepianus »

Hallo lieber Harald,
nihil.sine.causa hat geschrieben: 30.03.2025, 18:05 Die Qualität ist atemberaubend! ...
das hat sich bei Deinem Besuch kürzlich bei mir ja schon abgezeichnet. Wir haben da die reine AB-Aufnahme verglichen. War der Mischer im Originalzustand bei Dir eingeschleift, klang das vergleichsweise müde und lahm, das haben wir nochmal nachvollzogen mit den von Dir damals gemachten Aufnahmen. War nur die Tapeschleife meines VV aktiv, konnten wir beide den Unterschied gerade so wahrnehmen, der durch die Tapeschleife verursacht wird. Ungefähr um den gleichen, gerade so wahrnehmbaren Unterschied ging es dann, wenn der Mischer drin war. Das war aber alles mit Supercap-Versorgung und G-LNT davor. Als wir dann den Mischer mit seinem eingebauten Netzteil versorgt haben, so wie jetzt bei Dir, war das schon deutlich schlechter. Deutlich mehr als gerade so an der Wahrnehmbarkeitsschwelle. Und das beschert jetzt bereits die von Dir beschriebene Klangqualität!
nihil.sine.causa hat geschrieben: 30.03.2025, 18:05 Ich bin dabei, eine Akkuversorgung für Theia aufzubauen und ich habe mir ein Konzept zurechtgelegt, wie ich alles vor Ort auf einer Bühne oder in einer Kirche aufbauen kann, so dass ich parallel beide Welten bedienen kann: Digitale Aufnahmen wie bisher und analoge Aufnahmen mit Theia und einer M15A Tonbandmaschine. Darauf freue ich mich schon sehr.
Da geht also noch was, wenn dann in bewährter Weise die Akkus mit nachgeschalteten Supercaps im Spiel sind, vergleichbar mit dem G-LNT bei mir. Da kommen wir dann wohl der Grenze des Machbaren recht nahe.

Viele Grüße
Gert
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Beitrag von Fortepianus »

Hallo liebe Verfolger meiner Bastelarbeiten an Haralds Analogmischer,

da steht doch nun dieses tolle Event an mit dem Malionquartett, das Harald aufnehmen wird.

Durch unzählige Vergleichstests, die Harald vor den letzten Orgelaufnahmen in Düsseldorf mit der Midi-Funktion der Orgel machen konnte, hatte sich Folgendes als Quintessenz rausgestellt:

1. Die Digitalaufnahme klingt erheblich besser, wenn nicht acht Mikros direkt achtkanalig digitalisiert und danach im Digitalbereich gemischt werden, sondern der Analogmischer die acht Mikros analog auf Stereo mischt und man nur noch zweikanalig digitalisiert. ADD besser DDD.

2. Alle Versuche mit einem Y-Adapter in unzähligen Varianten ergaben, dass das Y-Kabel kontraproduktiv ist. Sonst hätte man die Bandmaschine und den Zweikanal-AD-Wandler parallel anschließen können.

Also möchte Harald beim Streichquartett die Mikrofonkanäle gerne alle analog zusammenmischen und danach sowohl an die Bandmaschine wie an den AD-Wandler gehen, und zwar unabhängig voneinander. Komm sag' ich, da mach' ich Dir eine zweite Ausgangsstufe in den Mischer rein. Nun, da drin ist's eng und es hat keinen Platz für noch zwei XLR-Buchsen da hinten drin. Am vorletzten Wochenende trafen wir uns bei René und wir haben den kleinen G-Mischer zusammen aufgemacht. Ohje sag' ich, ein bisschen Platz brauche ich schon für die Ausgangsstufe, die muss ich da vorne draufsetzen, aber jetzt müssen wir irgendwie mit den Kabeln da durch. René sagt, kein Problem, da mach ich euch was Passendes und schick das zu Gert. Das ist einfach eine spitzenmäßige Schwarmleistung in einem solchen Forum, am Samstag das Treffen, ich am Sonntag die Ausgangsstufe gelötet und René Bilder geschickt, wie das aussieht, und er am Montag eine Kabelpeitsche in gewohnter Refine-GH-Qualität hergestellt. Die kam dann am Freitag an, direkt bevor ich zum zweiten Hamburger Horntreffen losging. Seit gestern Abend wieder daheim und heute die Refine-Kabelpeitsche reingelötet:

50 G-Mischer zweiter Ausgang.JPG

Auf Lochraster die zweite Ausgangsstufe, die originale erste sitzt rechts bei den roten Folienkondensatoren, die ich nachträglich anstelle der dort verwendeten Elkos reingelötet hatte bei der Frisur damals. Man sieht, wie die sechs Silberleiter in ihren Teflonröhrchen sich in dem kleinen, nur 8mm hohen Schlitz unter den Platinen den Weg nach hinten zum Ausgang suchen.

51 G-Mischer Refine-Kabel.JPG

An der Rückwand teilt sich die Kabelpeitsche dann den Platz mit der Zuleitung von der Akkuversorgung, die zu den Supercaps im Innern geht. Dort hat René aus Platzgründen alle sechs Leiter in eine Hülle gepackt und danach in zwei getrennte Refine-Kabel aufgeteilt, die an die üblichen XLR-Stecker Oyaide Focus-1 gehen.

Funktioniert übrigens alles bestens - Harald, Du kannst die Kiste wieder abholen. Falls sich jemand fragen sollte, warum ich ihm das nicht einfach per Post schicke: Es gibt Unikate, die nicht zu ersetzen sind, das kannst du versichern wie du willst. Das ist bei Harald im Auto besser aufgehoben.

Viele Grüße
Gert
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Beitrag von nihil.sine.causa »

Hallo lieber Gert, hallo liebe Analogfans,

ich melde mich leider erst jetzt, denn in den letzten Tagen war ich wieder einmal sehr beschäftigt mit den Vorbereitungen der Aufnahmearbeiten des Malion Musikfestivals, das Anfang März stattfinden wird.

Bei den letzten Aufnahmen habe ich mit dem G-Analogmischer (Codename Theia) Hauptmikrofon- und Stützmikrofonsignale zusammengemischt auf ein Stereosignal und dieses mit der Bandmaschine aufgezeichnet. Die resultierende AAA-Aufzeichnung hatte im Vergleich zu allen anderen Varianten mit Abstand die beste Qualität. Ich gehe weiterhin davon aus, dass AAA die beste Qualität liefern wird. Die Vorteile sind Lokalisationsschärfe, Bühnentiefe, Räumlichkeit und Live-Eindruck. Um AAA aber abzuspielen, braucht man wiederum eine Bandmaschine. Nur sehr wenige Hörer können also die AAA Vorteile nutzen.

Nun war auch die Digitalisierung der so entstandenen AAA-Aufzeichnung, also AAD, sehr gut und nach Ansicht vieler Hörer anderen Digitalversionen überlegen. Nun kann die Bandmaschine zwar eine gewisse Klangsignatur hinzufügen, die man mögen kann. Aber die eigentliche Stärke der AAA-Aufzeichnung (wie etwa die räumliche Darstellung, s.o.) kommt von dem analogen Stereosignal am Ausgang des G-Mischers, welches ich bei der Justage der Mikrofonpositionen und beim Einstellen der Mischung gerne rein analog abhöre.

Die spannende Frage ist daher: welche Qualität lässt sich erreichen, wenn man dieses Stereo-Signal am Ausgang des G-Mischers direkt digitalisiert. Ich nenne solche Aufzeichnungen ADD. Ich erwarte einen gewissen Tonband-Sound bei AAD im Vergleich zu ADD. Aber wirklich besser kann AAD doch nicht sein als ADD, vorausgesetzt ich komme schaltungstechnisch auf das gleiche Niveau. Oder etwa doch?

Für einen echten Systemvergleich Analog vs. Digital braucht es also einen Vergleich zwischen AAA, AAD und ADD. Wenn alles klappt, können wir uns das beim Forumstreffen gemeinsam anhören. Aber es braucht dazu eben den zweiten Stereo-Ausgang am G-Mischer, um AAA und ADD parallel beim Live-Konzert aufzeichnen zu können.
Fortepianus hat geschrieben: 02.02.2026, 14:00 Das ist einfach eine spitzenmäßige Schwarmleistung in einem solchen Forum, am Samstag das Treffen, ich am Sonntag die Ausgangsstufe gelötet und René Bilder geschickt, wie das aussieht, und er am Montag eine Kabelpeitsche in gewohnter Refine-GH-Qualität hergestellt. Die kam dann am Freitag an, direkt bevor ich zum zweiten Hamburger Horntreffen losging. Seit gestern Abend wieder daheim und heute die Refine-Kabelpeitsche reingelötet:
Das ist eine tolle Zusammenarbeit und der neue Ausgang sieht rein optisch schon wunderbar aus.

Wenn ich den G-Mischer Mitte Februar bei dir, lieber Gert, in Stuttgart abgeholt habe, mache ich im Vorfeld zu den Streichquartett-Aufnahmen einige Tests mit heimischer Musik vom Flügel. Dann kann ich die Anschlussmimik entsprechend optimieren. Ich bin sehr gespannt wie es klingen wird!

Viele Grüße
Harald
Gragoil · „wie Gragoil zum aktiven Hören kam“
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Beitrag von Gragoil »

Hallo Uli,

sagt mir man sollte sich wieder mehr mit AAA CDs aus der Vergangeheit beschäftigen, da AAA, AAD CDs aus früheren Tagen, vorausgesetzt ebenso gut analog aufgenommen wie von dir ggü. DDD aufgenommenen CD`s "musikalischer" (Räumlichkeit, Tiefenstaffelung, Dynamik, Färbungen) aber vielleicht nicht sauberer (Knaxer, Rauschen, ...) daherkommen. Bei dem Merkmal Dynamikumfang ist das bekannt (Stichwort loundess war: extremes Bsp: Metallica: Death Magnetic (2008)).

Aber zu deiner Frage zurück, wenn der Bandmaschinencharacter gefällt ist AAD vorzuziehen, wenn nicht eben ADD. Sicherlich der Bandmaschinencharakter und die analoge Aufnahme ergeben eine Kreuztabelle von Merkmalen aus analoger Aufnahme und B.M.Character, die man gegeneinander halten kann.

Gruß Dirk
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Beitrag von Hans-Martin »

Gragoil hat geschrieben: 14.02.2026, 11:49sagt mir man sollte sich wieder mehr mit AAA CDs aus der Vergangeheit beschäftigen, da AAA, AAD CDs aus früheren Tagen, vorausgesetzt ebenso gut analog aufgenommen wie von dir ggü. DDD aufgenommenen CD`s "musikalischer" (Räumlichkeit, Tiefenstaffelung, Dynamik, Färbungen) aber vielleicht nicht sauberer (Knaxer, Rauschen, ...) daherkommen.

Aber zu deiner Frage zurück, wenn der Bandmaschinencharacter gefällt ist AAD vorzuziehen, wenn nicht eben ADD. Sicherlich der Bandmaschinencharakter und die analoge Aufnahme ergeben eine Kreuztabelle von Merkmalen aus analoger Aufnahme und B.M.Character, die man gegeneinander halten kann.
Hallo Dirk,
der SPARS_Code lässt eine Bezeichnung AAA im Zusammenhang mit CD nicht zu, da das Mastering dafür zwangsläufig digital erfolgen muss.
Bei Aufnahmen klassischer Musik habe ich einst die AAD und ADD von der CD vor den DDDs bevorzugt, weil sie eine bessere Kohärenz boten, mehr Glaubwürdigkeit, gelegentlich war da ein Grundrauschen, aber Knackser, wie man sie von misshandelten Schallplatten kennt, gibt es beim Tonband nur, wenn 2 Aufnahmen von vierschiedenen Geräten zusammengeklebt wurden, bei denen die Köpfe unterschiedlich magnetisiert waren. Sowas dürfte in der Praxis so gut wie nie vorgekommen sein.
Ich habe die stereoplay Highlights CD4 in DDD, wo eine Aufnahme mit Rauschen beginnt, welches man durchaus auf das Grundrauschen des Raums zurückführen kann, in dem die Musiker gespielt haben. Dieses "Einrauschen" vermittelt schon einen ersten Eindruck von der Größe des Raums und trägt zur Authentizität bei.
Das Bandrauschen wird geringer, wenn die Bandgeschwindigkeit verdoppelt wird. Dummerweise steigt dann aber die Kopfspiegelresonanz und somit die untere Grenzfrequenz an, wie die Datenblätter der Hersteller es auch ausweisen. Die physikalischen Gesetze der magnetischen Induktion lassen grüßen... bei 76cm/s fällt irgendwo unterhalb 60Hz der FG merklich ab, 38cm/s kommt besser weg.
Wikipedia hat geschrieben:Digitale Aufnahme bedeutet dabei, dass schon die Schallquelle digital ist (z. B. digitale Synthesizer) oder dass analoge Signale (z. B. von Mikrofonen) irgendwann in der Prozesskette der Aufnahme, jedoch spätestens bei der Aufzeichnung, digitalisiert wurden. Durch die digitale Aufzeichnung entfallen alle Störgeräusche, die bei einer analogen Aufzeichnung bei der Wiederabtastung des Mediums anfallen würden (z. B. Bandrauschen). Andererseits wird durch die Digitalisierung die Qualität der Aufnahme entscheidend festgelegt. Daher wählt man für diesen Schritt meistens höhere Samplingraten und/oder eine höhere Wortbreite pro Sample, als später für die Vervielfältigung, z. B. auf CD, eigentlich nötig wäre.
Es gilt:
DDD: digitale Aufnahme, digitale Abmischung, digitales Mastering
ADD: analoge Aufnahme, digitale Abmischung, digitales Mastering
AAD: analoge Aufnahme, analoge Abmischung, digitales Mastering
DAD: digitale Aufnahme, analoge Abmischung, digitales Mastering

Der letzte Buchstabe ist bei der Produktion von CDs stets ein D, da diese als digitales Medium ein digitales Master erfordert.
Wenn nach den Mikrofonen der analoge Mischer das analoge Signal analog zum Magnetbandgerät geht und parallel dazu durch den ADC in die digitale Aufzeichnung wird gemäß Definition hier AAA verglichen mit DAD, wobei ich mir bei Letzterem nicht sicher bin, denn die Abmischung im G-Mischer ist analoge Abmischung in beiden Fällen, sie erfolgt noch vor der (digitalen) Aufnahme, eine digitale Abmischung findet hier nach der Aufzeichnung nicht mehr statt.

Der Rauschabstand der Mikrofoneingänge und die Qualität des Mixers sollte deutlich besser sein als das unvermeidbare Bandrauschen. Was als besonderes Merkmal bleibt, ist die Beschränkung* im FG der Bandaufzeichnung, die man auch als Hochpass beschreiben könnte, womit ein gewisser grunge wegfällt, der digital noch aufgezeichnet würde.
*Die untere Grenzfrequenz des Mixers dürfte dagegen bedeutungslos erscheinen.
Grüße
Hans-Martin
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