Zeitabgleich der Chassis bei aktiven Mehrwegesystemen

planetti
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Beitrag von planetti »

Hallo Uli,

sehr schön - diese Neuerung hilft uns, den Zeitabgleich zu erleichtern.

Wenn wir schon bei den Wünschen sind, wäre die Angabe gleichzeitig in Samples, Millisekunden und Metern informativ. Natürlich wäre auch die automatische "Align/match Time Peaks" (wie oben Josh vorgeschlagen hat) supergenial, eine einfache zeitliche Feintuningmöglichkeit mit Übernahme/Vorschlag dieses Wertes in die Filtergenerierung und wenn man nun sogar noch dies alles in der Anzeige "Group Delay" und "Step" bekommt, dann wäre die Mehrwegesystem-Ziege plötzlich mit einem tollen Schwänzchen noch glücklicher :wink:

Allerdings habe ich mit der Wortschöpfung "Phaselag" meine Schwierigkeiten, weil ich das eher als einen "Time-Offset" empfinde, oder "Rotieren" für "Time adjustment". Vielleicht liegt es daran, dass in meiner Vorstellung die Zeit eher eine gerade Konstante als eine im Kreis rotierende Schwingung ist.

Noch eine Verständnisfrage:
In der Phasendarstellung zeigt die rote Kurve des Subwoofers knapp unterhalb der 70Hz einen Phasensprung von ca 360°. Ist das eine überlagernde Reflexion (dreht sich dadurch die Phase um eine ganze Wellenlänge?), oder ist es eine 48dB-IIR-Weiche?

Beste Grüße
(auch) Uli
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uli.brueggemann
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Beitrag von uli.brueggemann »

Hallo Uli,

die Ziege lässt das Schwänzchen kreisen und freut sich.
Den Vorschlag von Josh habe ich schon aufgenommen und realisiert, also in der nächsten Version.

Allerdings, Deine Wünsche passen da nicht so ganz. Wir reden hier ja von Phase. Und genau hier macht für mich nun die Angabe in Millisekunden oder Metern nicht wirklich Sinn.
Um sich das mal vorstellen zu können ein simples Beispiel. Man macht am Autoreifen eine Markierung. Wenn man eine Strecke fährt macht das Rad entsprechend Umdrehungen. Wenn man ein Diagramm Strecke über Zeit auszeichnet gibt das dann irgend eine ansteigende Linie. Nun habe das Diagramm aber angenommen nur die Möglichkeit, die y-Achse mit -180° bis +180° aufzuzeichnen. Dann ergibt sich also eine Linie, die dann jeweils bei Überschreiten der Grenzen springt. Was aber eben NICHT bedeutet dass das Auto durch die Gegend hüpft.
Also, Phasensprünge sind keine realen Sprünge. Man spricht halt lediglich von wrapped und unwrapped phase.
Bei den komplexen Zahlen, mit denen bei der Fouriertransformation gearbeitet wird, ergibt nun die polare Darstellung dieser Zahlen eben die wrapped phase als Ergebnis. Man kann damit leider nicht auf die korrekte abgewickelte Phase wetten. Beim Autobeispiel: wenn auf dem Weg Glatteis vorhanden ist, oder das Auto beim Fahren über eine Rampe einen Luftsprung macht, dreht sich das Rad weiter, der zurückgelegte Weg passt aber nicht mehr genau zur Anzahl der Radumdrehungen. Und das Problem gibt es hier bei gemessenen Pulsantworten bzw. Signalen reichlich.
Das führt sogar dazu, dass es Dissertationen gibt, die sich damit befassen, wie man trotzdem zur bestmöglich abgewickelten Phase kommt.

Insofern sollte man sich an die übliche Darstellung gewöhnen.
Nun gibt es aber zumindest fürs Verständnis eine kleine Anleitung. Dazu ein Versuch mit Acourate: Mit Generate - Testsignal einen Puls der Länge n mit Set to 1 @ sample 0 erstellen. Dann die Phase anzeigen, mit Edit- Phase Chart die xAchse (bottom axis) auf lineare Darstellung umschalten. Dann den Puls mehrfach um jeweils 1 Sample rotieren und beobachten was die Phase tut. Sie rotiert.
Und letztlich tut das PhaseLag das genauso, eben mit Angabe der jeweiligen Samples. Das Ziel ist es dann dabie, einen sinnvollen Zeitpunkt 0 bzw. eine sinnvolle Phasendrehung entsprechend diesem Zeitpunkt zu finden, ab der eben das Signal "beginnt" bzw. das Auto losfährt. Was dann beim Zeitableich der Chassis eben hilfreich ist.

Beim Group Delay bringt es nicht wirklich etwas, es macht letztlich nur eine parallele Verschiebung der Kurve rauf/runter. Und bei der Sprungantwort hilft es auch nichts.

Das Phaselag ist also ein Rotationsoffset. Beim Zeitabgleich hilft es, innerhalb von 360° Phasendrehung zu optimieren. Man kann die Zeit zwischen zwei Chassis auch um 1 Stunde auseinanderbringen und dann trotzdem innerhalb der gewrappten 360° die Phase justieren. Wäre logisch klar falsch. Insofern ist also ein vorheriger grober Zeitablgleich z.B. durch Zusammenbringen von Pulsspitzen der Pulsantworten doch empfehlenswert.

Grüsse
Uli

PS: der in der Verständnisfrage angedeutete Phasensprung ist in Realität eben ein Zerschnibbeln der kontinuierlichen Phasenkurve. Dass die Phase sich da plötzlich im Vergleich zum anderen Kanal wegdreht ist dem Einfluss einer Reflexion geschuldet-

PPS: eine Rotation um 1 Sample entspricht einer Zeit von 1/Abtastrate. Das kann man dann wiederum mit der Schallgeschwindigkeit multiplizieren um dann einen Schallweg zu bekommen. Das kann man sich im Zeitdiagramm ja rechts auch anschauen, einfach die Marker setzen oder unterm Diagramm im Editfeld Sampe difference einen Wert eingeben
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Hornguru
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Beitrag von Hornguru »

Hi Uli

Sehr schön.
Was mir noch zu dem Millisekunden und Meter Angaben einfällt: Dann hätte man das Problem der Umrechnung in Samples. Und manchmal hat man halbe Samples und Bruchstellen, die man runden muss. Dann brauchts Subsample-Shift. Und wenn ich mich nicht irre gäbe das schon Datenverlust bei mehrfacher Anwendung, oder ??

Gruß
Josh
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Olombo
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Beitrag von Olombo »

Hallo Uli

die neue Methode finde ich an sich gut. Spricht etwas dagegen, es phasenstarr mit Loopback durch zu führen statt mit Hochtöner-Referenz? Würde das Vorgehen aus meiner Sicht weiter vereinfachen und Acourate kann das doch seit einiger Zeit meine ich?

Grüße
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Hornguru
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Praxistest: funktioniert

Beitrag von Hornguru »

Hallo in die Runde

Endlich, zwei Jahre nach der Themeneröffnung hatte ich eine Gelegenheit dies auch einmal umzusetzen.

Es funktioniert tatsächlich in der Realität so geradlinig wie sich Ulis Beschreibung liest :cheers:

Das System war durchaus komplex. 3 Wege Horn mit Laufzeiten, und ein Multisub, also insg 4 Wege. Deshalb dauerte es auch einige Stunden bis Musik lief. Ein Stolperstein war der verpolte Hochtöner, obwohl scheinbar richtig angeschlossen (treiberinterne Verkabelung falsch). Dann zeigt sich die Phase erstmal unerwartet, der Nullpunkt stimmt nicht und nach der Linearisierung schwebt die Kurve auf +-180°. Also vorher Impulsantwort prüfen sonst gibt’s Verwirrung. Bei Tiefton Batterietest.

Das Ergebnis war blitzsauber. Schon vor der Über-Alles-Korrektur war die Sprungantwort sehr vorbildlich. Das Makro zog es dann auf Bilderbuch-Niveau. Klanglich schwer zu werten, da sehr viel anderes mit geändert wurde, aber es spielte umwerfend gut. Bis 2 Uhr morgens.

Screenshots schenke ich uns, es sah wirklich aus wie in Post 1.

Viele Grüße
Josh
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