Alter ehemaliger High-End-Vorverstärker vs. aktueller moderatpreisiger Verstärker?

uoiea
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Beitrag von uoiea »

Hallo Jörg,

danke für Deine Überlegungen.
Nein, nein, ich habe schon die richtige Mailadresse von Hanno Sonder, wir hatten schon diverse Mails getauscht, der Weg ist ganz gut befahren ;-)
Er hat einfach viel zu tun.
Will mich auch gar nicht beschweren, nehme das mit Humor und Verständnis.
Außerdem ist mein Thema wirklich nicht besonders "ersprießlich", wenn man es altmodisch ausdrücken will.
Macht alles nix, Hans-Martin hat mindestens genauso gut geantwortet ;-)

Aber wie gesagt, ich hab durchaus Lust, mich zu verändern.
Restek Minipre.
Aber auch ein gebrauchter Camtech Vorverstärker wäre nicht zu verachten, die haben schon einen guten Ruf.
Vielleicht sogar die pro-ject Pre Box DS2 Analogue, den kann man mit einem Akkunetzteil, das gar nicht mal überteuert ist, auch noch gehörig aufwerten...

Viele Grüße
Emanuel
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

uoiea hat geschrieben: 30.03.2024, 12:07 Hatte vor einigen Jahren auch mal wegen passiven VV recherchiert.
Bin aber dann darüber gestolpert, dass die je nach Potistellung einen extrem hohen Ausgangswiderstand haben, ich glaub bis zu fünfstellig, wenn ich mich recht erinnere, was sich klanglich bemerkbar machen dürfte.
Ich glaub, je niedriger die Lautstärke, desto höher der Ausgangswiderstand.
Von daher bin ich von passiven Lösungen wieder abgekommen.
Behalte mir aber vor, dass meine Schlussfolgerungen auch nicht zutreffend sein können....
Hallo Emanuel,
Ich musste einst für ein Projekt eine besonders rauscharme Lösung zur Ansteuerung von LS finden.
Da konnte ich eindeutig feststellen, dass ein vorgeschalteter Vorverstärker zu dem unausweichlichen Eigenrauschen der konventionellen Endstufe eine erheblich höhere Rauschkomponente hinzufügte, die sofort weg war, wenn die Stromversorgung des VV abgeschaltet wurde (natürlich ohne Mute-Relais im Ausgang!). Merke: Vorverstärker haben zuviel Verstärkungsreserve , die man tatsächlich nicht braucht, aber wenn man am Poti von 7 bis 8 dreht, muss die Anlage gleich losbrüllen, um Eindruck zu machen. Dummerweise betreibt man dann praktisch immer das Poti in seinem schlechtesten Arbeitsbereich: größte Kanalabweichungen bei logarithmischen Potis, schlechteste Dosierbarkeit pro Drehwinkel, und ein langer Signalweg über fragwürdiges Material, welches nicht auf Verlustarmut ausgesucht ist, im Gegenteil, es soll ja abschwächen.

Das hat auch Camtech beim Vollverstärker V100 gemerkt, dann beim 101 Potis selektiert und schließlich bei Der Verstärker eine Technologie eingesetzt wie beim späteren Vorverstärker, wo man die Verstärkung an einem separaten Knopf vorwählen konnte, neben dem üblichen Lautstärkepoti.

Beim Cyrus I und II in der 2. Generation hatte man ein zusätzliches gespreiztes Balancepoti mit nur -6dB beim Anschlag, da konnte man nach Gehör die beste Kanalbalance einstellen (noch hörbare 0,25dB auch gut aufgelöst), wie bei der ersten Generation waren diese Geräte eigentlich Endstufen mit vorgeschalteter Eingangswahl und Lautstärkepoti, dann Signal gleich ab in die Endstufen...

Heute haben alle digitalen Quellen mit D/A-Wandler wie auch früher schon CD-Player typisch bis über 2V eff. Ausgangsspannung und das mit recht niedrigen Ausgangswiderständen, meist unter 150Ohm (Teac hatte da ausnahmsweise 1k beim VRDS25 etc).
Bedenkt man, dass eine THX-Endstufe bei 1 V Eingang schon 100Watt an 8 Ohm liefert, entsprächen 2 V schon 400W an 8, 800W an 4 Ohm Last. Ein Magnettonabnehmersystem im Plattensspieler liefert eine Spannung, die direkt in die Endstufe geliefert für Zimmerlautstärke reicht, die 50k Eingangswiderstand der Endstufe liegt da schon nahe am Optimum, nur die Schneidkennlinienentzerrung (RIAA) fehlt.

Zum Thema zurück:
Ich kenne 2 passive Grundkonzepte, bei denen es wiederum Untergruppen gibt.
California AudioLab hatten einen (ich habe den noch, meine erste Begegnung mit passiv), bei dem man die aktive Schaltung überspringen konnte, dann war nur noch die Eingangswahl und der Abschwächer im Signalweg. Klanglich eindeutig besser. Nicht fernbedienbar.
Von Creek gab es ein fernbedienbares Kästchen, mit Eingangswahl und vermutlich ALPS Motorpoti, passive Schaltung aber fernbedienbar.
Da solche Konzepte den von dir beschriebenen Ausgangswiderstand haben, sollte man kapazitätsarme Leitungen zur Endstufe einsetzen. Nicht so gut für längere Leitungen an Aktiv-LS.

Wechsel zum 2. Grundkonzept: Eingangswahlschalter, Ausgangsübertrager mit Wicklungsabgriffen zum Stufenschalter für die Lautstärke. Da ist bei kleiner Ausgangsspannung durch die Transformation der Ausgangswiderstand am kleinsten! Nebeneffekt: galvanische Trennung von Quelle und Endstufe. Gut geeignet für längere Leitungen zu Aktiv-LS

The Passion von Audio Synthesis ist eine (nicht fernbedienbare) Passiv-Lösung mit einigen Besonderheiten: Der Eingangswahlschalter trennt die Quellen nicht nur signalmäßig, sondern auch die Signalmasse wird geschaltet. Es wird also jede nicht betriebene Quelle komplett getrennt, was dem ganzen Dreck auf der gemeinsamen Signalmasse der Anlage eine große Entlastung bringt. Nach der Eingangswahl geht es zum Direktausgang, von dort zur besonderen Ausgangsbuche mit der einstellbaren Lautstärke über einen festverlöteten magnetfeldfreien Festwiderstand (in der Urversion 3kOhm, Vishay) als Vorwiderstand. Parallel zum Ausgangssignal wurde dann per vielstufigem Schalter der Senke-Widerstand geschaltet, klassische individuelle Potentiometer-Widerstandsschaltung.
Ein Leiter-Typ ist das insofern nicht, als das hier nicht eine Reihe von Widerständen in Serie liegen, das Signal bei schwächster Position also durch alle Widerstände durchläuft. Und die üblichen Widerstände haben einen Keramikkörper mit Widerstandsbahn, oft Laser-getrimmt, und dann: beidseitig eine Stahlkappe für dauerhaften Kontakt mit dem Draht zur Leiterplatte. Es ist ernüchtern, wenn man mit einem Magneten über eine Widerstandsschachtel geht. Widerstände können fliegen!
Die Verwendung von ferromagnetischen Bestandteilen bis hin zu Stahl mit seiner Remanenz macht etwas mit dem Klang, weshalb im HighEnd-Bereich es Entmagnetisier-Geräte gibt, z.B. The Exorcist von Gryphon, Densen DeMagic CD, beide liefern Signale, die abklingend Magnetisierung abbauen. Und dann gabe es auch eine CD für sagenhafte 700DM von Purist Audio Design oder die Gratis CD, die bei Audiooder Stereoplay einst beilag.

Leiser heißt hier (bei The Passion) niedrigerer Ausgangswiderstand! Schalterkontakte im Signalweg: nur die Eingangswahl. Der Signalstrom geht nicht über fragwürdige Widerstandsschicht im Standard-Lautstärke-Potentiometer, wo ja noch der Schleifer sich mit der Zeit von runder Kuppe im Neuzustand sich allmählich planschleift, was dass bei Verschmutzung Aussetzer bewirkt und die Kanalabweichungen zunehmen, weil es keinen kleinen definierten Abgreifpunkt mehr gibt.

Die Standardlösungen sind bestenfalls meine zweite Wahl.
Ein konventioneller Vorverstärker sollte zumindest ermöglichen, die im Wohnraum gewünschte Maximallautstärke bei allen vorhandenen Signalquellen zu erreichen. Dann nach meiner Vorstellung am Rechtsanschlag des Lautstärkestellers. So hätte man die geringsten Kanalabweichungen, die (relativ in der Vergleichsgruppe) geringste Zunahme an Grundrauschen, und die vorhersagbare Diskussion, weil man "dann ja so laut drehen muss", um auf moderate Endlautstärke zu kommen.
Ein rein psychologisches Problem mit Vorbehalten aus der bisherigen Praxis, die hier nicht mehr Anwendung findet.
Soweit meine Gedanken zum Thema Vorverstärker, mit denen ich mich in den letzten 30 Jahren beschäftigt habe. Allerdings habe ich seit über 20 Jahren rein digitale Geräte bis vor die Lautsprecher, bei denen die intelligente Lautstärkewahl über die Betriebsspannung der Leistungsstufe gemacht wird. Da rauscht nix.

Grüße
Hans-Martin
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uoiea
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Beitrag von uoiea »

Hallo Hans-Martin,

wow, was für ein Artikel - herzlichen Dank!
Ich werde ihn nochmal in langsamem Tempo durchgehen, gut, dass wir verlängertes WE haben...

Ja, u.a. deswegen finde ich den Camtech "Vorverstärker" auch so interessant - weil man den "Gain" voreinstellen kann, damit man den eigentlichen Volumeregler in einem günstigeren Bereich bewegen kann. ich bewege mich auch gern lieber in der zweiten Hälfte als in der ersten.

Meinst Du, man könnte ihn trotz des Alters (vermutlich an die 20 Jahre?) noch kaufen?
Mein Bedenken wäre, dass die Bauteile mit der Zeit altern und dadurch den Klang negativ beeinflussen könnten.
Beispiel: Höhenverlust durch alte Elkos.
Aber vielleicht hat der Camtech ja auch keine Elkos im Signalweg...

Wenn der Camtech so gut gebaut ist, dass er ohne Klangschwund altern kann ;-) dann wäre das ein wirklich interessantes Gerät.

Allerdings mit momentan 550,- (wegen Osterrabatt bei springair, normalerweise 699) finde ich ihn schon recht teuer.
Vor einigen Jahren hatte mal Horst Insten (on-off-hifi) einen Camtech "Vorverstärker SE", die letzte Version davon, also die jüngste, für 498,- im Portfolio. Hätte ich fast gekauft damals.
Daher finde ich 550,- für einen Nicht-SE etwas hoch.

Vielen Dank und schöne Grüße
Emanuel
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fr.jazbec
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Beitrag von fr.jazbec »

Hallo Emanuel
Bei einem Vorverstärker wäre mir wichtig, daß eben kein Poti verbaut wurde, sondern die Lautstärkeregelung mit einem Widerstandsnetzwerk realisiert wurde. Das ist langzeittauglicher und frei von Kanalungleichheiten. Ansonsten würde ich mir wegen der Elkos keine allzu großen Gedanken machen, 30 Jahre halten die locker.
Bevor du bei Springair kaufst lies dir mal diesen Thread durch. Springair wird hier durch Frühlingsluft ersetzt. Es geht zwar primär um den Ankauf von Geräten, läßt aber schon einen Einblick in das Geschäftsgebaren zu.
https://www.analog-forum.de/wbboard/ind ... /&pageNo=1
Gruß Rüdiger
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uoiea
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Beitrag von uoiea »

Hallo Rüdiger,

klar, das mit dem Widerstandsnetzwerk ist toll.
Das haben nur die wenigsten.
Den letzten, den ich damit hatte, war eine pro-ject Pre Box DS.
Die war insgesamt klanglich in Ordnung.
Kein Überflieger, aber solide.
Ob die LS Regelung da was gerissen hat, weiß ich nicht, aber ich hab das leichte Klacksen immer gemocht bei der LS Regelung.
So ganz genau weiß ich gar nicht, warum ich sie dann doch verkauft habe.

Und danke für den Frühlings-Hinweis.
Ich neige immer dazu, jemand eine Chance zu geben, möchte mir lieber selber ein Bild machen, selbst wenn es ein paar schlechte Erfahrungen anderer gibt. Aber ich werde entsprechend vorsichtig sein und auch nicht blauäugig. Widerrufsrecht hat man ja hoffentlich ganz normal, sollte es wirklich nichts sein...

Gebrauchtes kaufe ich am liebsten bei Horst Insten, aber er hat halt auch nur ein endliches Portfolio.

Viele Grüße
Emanuel
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Hallo Emanuel,
einst hatte Herr Böde (STEREO) einen begeisterten Bericht über das Frühlingserwachte geschrieben, mit einer 1/3 Seite Werbung dieser Firma in unmittelbarer Nachbarschaft. Da wurden 3 Hersteller beworben, ohne den Hinweis, dass diese Hersteller gerade Produktion und Vertrieb eingestellt hatten. Ob ich nun per EMail oder Telefonat mit Böde das Thema erörterte, habe ich vergessen, es dämpfte jedenfalls erkennbar (zurückgemeldet) seine Begeisterung.
Mir sind auch mehrere (!) Vorfälle bekannt, wo vorher geprüfte, also einwandfrei funktionierende Ware von besagter Firma als mängelbehaftet zurückgemeldet wurde, um im Nachherein den vorab zugesagten attraktiven Preis massiv zu reduzieren. Nachdem das nach wie vor einwandfreie Produkt zu einem maximal erzielbaren Preis im Markt landete, war jede Chance vergeben, es zurückzubekommen.
Eigentlich müsste man einen Notar finden, der für kleines Geld die einwandfreie Funktion bestätigt und ebenso die sichere Versandverpackung.
Auch kenne ich zumindest einen Fall, wor die angeblich geprüfte Ware einen technischen Mangel im Betrieb aufzeigte, die Ware wurde zurückgenommen, einmal Versandkosten ans Bein gebunden. Zu zuverlässig ist also die technische Überprüfung dieser Gesellschaft einzuschätzen...

Vor mehr als 1 Jahr sah ich einen TV-Bericht über eine Ankaufplatform für Bücher (und CDs?), wo das TV-Team u.a. Neuware mit einem Bleistiftpunkt auf einer speziellen Seite markierte, einsandte und das Produkt als unverkäuflich deklariert wurde, ein Minimalpreis angeboten wurde, eine kostspieligere Rücksendung möglich gemacht wurde. Offenbar mit dem Ziel, das der Besitzer sein Eigentum aufgibt.
Dasselbe Buch tauchte dann zu einem hohen Preis im Markt auf, wurde vom Team auf gut Glück gekauft und konnte denselben Markierungspunkt auf der bekannten Seite wiederfinden. Damit war klar, das "unverkäufliche" Ware doch wieder zu realisierbaren Preisen dem Konzerngewinn beitrug.
Zwischen beitrug und Betrug war der Schritt nicht groß.
Ich nenne sowas Geschäftsmodelle mit einer gewissen kriminellen Energie im Hintergrund, während die Fassade/Werbung dem naiven Verbraucher Seriosizität vorgaukelt.
Andere Bücher, die von Buchhändlern als einwandfrei bescheinigt wurden, wurden bei dem Portal als beschädigt deklariert, um den Ankaufspreis zu drücken. Dasselbe Thema in Variation...

Es gibt dann noch das Thema Mehrwertsteuer und Gewährleistung.
Ein Gewerbetreibender muss die Differenz zwischen Einkauf und Verkauf mit MWSt belegen, die der Verbraucher / Abnehmer bezahlen muss. Also, nachdem beim erstkauf der Verbraucher die Mehrwertsteuer im Kaufpreis entrichtet hat, gibt er das Produkt zu einem der Abnutzung gemäßen niedrigeren Preis ab. Der Ankäufer zahlt den Preis und verkauft mit Aufschlag. Der Staat kassiert auf diesen Aufschlag erneut MWSt. (in diesem Fall MWSt = Minderwertsteuer :mrgreen: )

Ein Händler gilt als sachkundig. Er ist verpflichtet, dem Käufer eine Gewährleistung für das Produkt zu geben, nennen wir es Käuferschutz. Beim Ankauf kann es aber versteckte Mängel gegeben haben, die übersehen wurden. Für das Risiko zwischen Ankauf und Folgekosten nach dem Verkauf muss der Händler eine Risikopauschale neben dem Kostendeckungsbeitrag des Betriebs (Lagerhaltung, Personal- und weitere Kosten wie Steuerberater und Geschäftsfahrzeug) zum Risiko aufschlagen, das Produkt nicht mit Gewiss verkaufen zu können.

Beim Privatverkauf kommt es deshalb zur Win-Win-Situation, speziell, wenn das Vermittlungsportal ein Bewertungsschema hat, bei dem man unseriöse Partner erkennen kann.
Bei etablierten Firmen scheint das schwieriger.

Zu CAMTECH: Eigentlich Audiolab in Huntingdon, der Produktname durfte in D nur nicht benutzt werden, weil Audiolabor ein eingetragenes Warenzeichen hatte. Also hat Helmut Püllmanns in Köln als Importeur die Produkte auf der Front und Rückseite mit CAMTECH labeln lassen und übersetzte Bedienungsanleitungen in umfangreichen Heften mit Spiralbindung dazugeliefert.
In Huntingdon waren an einer Straße Mission /Cyrus auf der einen Seite, gegenüber Meridian und Audiolab. Man kannte sich gut, traf sich vermutlich in denselben Kneipen nach Feierabend. Stan Curtis (Gründer und damaliger Inhaber von Cambridge Audio) entwickelte anfang der 1980er für Mission einen Vorverstärker mit Batteriebetrieb und eine Endstufe, dann auch den Vorgänger des Cyrus I/II im "Schuhkartondesign", Stan Curtis´ Entwicker Stuart McGregor wurde nach dem Niedergang von Cambridge Audio Entwicklungsleiter bei Mission-Cyrus. Mission-Mitarbeiter beobachteten, dass bei Audiolab im Sommer keine Lieferfahrzeuge das Werksgelände verließen, TAG-McLaren übernahm die Marke, zugleich das Ende des CAMTECH-Produktnamens des Püllmann-Vertriebs. Dass Dr. Udo Zucker nach vollmundigen Versprechen das Produkt aufgab und IAG (die chinesische International Audio Group) das Produkt und den alten Namen Audiolab übernahm, folgte. Auch Mission wurde von IAG übernommen.
Zu H. Püllmanns gehört eine Vertriebsgeschichte für die Produktnamen Spendor (auch Sonderversionen aktiver LS für Studios), Schoeps (Mikrofone), Ferrograph (Magnetbandgeräte) und Camtech (ursprünglich Audiolab), schließlich noch eine Kooperation mit Spencer Hughes, unter dem Namen Cicable konnte man in D überarbeitete (Passiv-)Frequenzweichen zu alten Spendor-LS kaufen, die allerdings den ursprünglichen Preis der jeweiligen LS deutlich überstiegen.
Ob man bei Püllmans für Camtech Produkte noch Support oder Service bekonnt, vermag ich nicht zu sagen. Ich habe allerdings vor 20 Jahren bei einer Spendor 3-Wege Aktivelektronik die Elkos getauscht, zu einem Bruchteil des Preises, was es in Köln gekostet hätte. Köln hat offenbar seinen Preis.
Aus den Nachlass eines Freundes habe ich nicht nur tausende LPs, sondern auch einen Camtech Phonovorverstärker bekommen. Vor einer Woche habe ich bei Audiolab über deren Webportal nach einer Bedienungsanleitung gefragt, da ich dachte, dass man mehr Auswahl als MM/MC und RIAA / IEC hätte. Die XLR-Ausgänge waren offenbar vorbereitet für nachrüstbare Studioübertrager, sonst kam da nichts.
Es kam bisher auch nichts von Audiolab. Noch nicht einmal eine Antwort, dass man meine Anfrage zur Kenntnis genommen hat, aber eine Antwort wegen der vergangenen 30 Jahre schuldig bliebe.
Glücklicherweise hatte sich die deutsche Bedienungsanleitung doch noch angefunden.

Emanuel, da du selbst erklärtermaßen nicht löten wirst, solltest du jemand finden, der eine einwandfreie Löststelle hinbekommt, Plus und Minus beim Elko auseinanderhalten kann, einen Elko nicht durch ein Exemplar mit geringerer Nennspannung ersetzen würde. Dann kannst du fast bedenkenlos den Camtech Vorverstärker von Privat kaufen.
Die Camtech-Geräte hatten einen zur Klarkeit tendierenden Klang, räumlich offen, präzise. In England gebaut mit erstklassigen Bauteilen. Auch nach 30 Jahren funktionieren sie noch gut. Wegen RoHS lassen sich viele Bauteile nicht mehr als Original kaufen, falls sie ersetzt werden sollen. Wenn erforderlich, dann würde ich zuerst die Elkos in der Nachbarschaft der Spannungsregler erneuern, speziell die Werte nahe 10uF haben eine kürzere Lebensdauer (als die 100-10000uF) und sie sollen verhindern, dass die Regler oszillieren, sie gehören somit zu den kritischeren Bauteilen, kosten aber fast nichts.

Um zu hören, wieweit du dich mit einem anderen Vorverstärker verbesserst oder verschlechterst, hilft nur der AB-Vergleich bei manuell eingestellter identischer Lautstärke.
Grüße
Hans-Martin
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uoiea
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Beitrag von uoiea »

Hallo Hans-Martin,

es ist immer wieder erstaunlich, Du bist ein wahres Lexikon, unfassbar !
Recht vielen Dank!
Hochinteressante und nützliche Hintergrundinformationen und Tipps.

Und - ja, ich werde von eigenen Frühlingserfahrungen absehen.
Obwohl es so gut zur Jahreszeit passen würde ;-)

Mit Geduld wird sich von privat schon was finden.
Oder ich versuch es mit den Widerständen im Prepino.

Danke nochmal + Viele Grüße
Emanuel
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uoiea
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Beitrag von uoiea »

uoiea hat geschrieben: 29.03.2024, 22:41 besorg dir 2 Widerstände 100 Ohm (1/4 Watt reicht) und eine 2-polige Lüsterklemme
Hallo Hans-Martin,

ich würde mir jetzt einen von den 50 Ohm Widerständen
https://www.reichelt.de/widerstand-meta ... ol_0&nbc=1
https://www.reichelt.de/widerstand-meta ... ol_0&nbc=1

und einen mit 100 Ohm bestellen, z.b.
https://www.reichelt.de/widerstand-meta ... ol_0&nbc=1
https://www.reichelt.de/widerstand-meta ... ol_1&nbc=1

Kosten ja nix, dann kann ich probieren, welcher sich am besten eignet.
Vielleicht auch noch einen Zwischenwert, falls mit 100 Ohm zu wenig Strom ankommt, um das Ding zu bewegen...

Passt das so? Metallfilmwiderstand? Oder brauch ich eine andere Art von Widerstand?

Vielen Dank und schöne Grüße
Emanuel
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Hallo Emanuel,
wenn du nichts anderes zu bestellen hast, gibt es für 2 Widerstände preiswertere Wege als über Reichelt, bei denen eine Versandpauschale (iirc bei 5,60€) erhoben wird.
Schick mir eine PN mit deiner Adresse.
Ich schicke dir dann 3 Widerstände je 100, die miteinander in einem Punkt verlötet sind. 100 Stück haben mal 1,75 gekostet... Das Briefporto habe ich dann auch noch über.
Daraus kannst du dann 33, 50, 100, 150, 200 Ohm abgreifen.
Wie oben geschrieben, reichen 1/4 Watt Widerstände völlig aus.
Grüße
Hans-Martin
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uoiea
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Beitrag von uoiea »

Hallo Hans-Martin,

vielen Dank!
Allerdings bestell ich gerade sowieso bei reichelt, deswegen kam ich auf die Idee...
Nur wegen den Widerständen wäre es nicht so schlau gewesen, das stimmt ;-)
Es gibt nur so viele verschiedene Typen von Widerständen (Metallfilm, Kohleschicht, Dünnfilm...) dass ich nicht genau wusste, ob ein Metallfilmwiderstand in dem Fall passend ist.
Aber offenbar passt es.
Dann werde ich mal eine Handvoll dieser Cent-Artikel ordern.

Vielen Dank und schöne Grüße
Emanuel
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uoiea
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Beitrag von uoiea »

.. es stimmt übrigens, dass der Abacus Prepino mit diesem Effekt (zu grobe Regelungsschritte in der Lautstärke-FB) nicht allein ist.
Mein Arbeitskollege hat eine der Alternativen, die ich schon ausgesucht hatte, nämlich die pro-ject Pre Box DS2 Analogue.
Auch hier läuft die Regelung per FB in Sprüngen, fließend bzw. fein geht nur mit der Hand am Poti.
Einzig hübscher wäre die DS2 als mein Prepino ;-)
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uoiea
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Beitrag von uoiea »

Hallo zusammen,

ein Update - falls von Interesse:

Ich habe inzwischen einige Antworten von pro-ject, Restek und Abacus, mit Infos, die den meisten sicherlich bekannt sind, mir als reinem Anwender allerdings neu waren:

Hatte ein wie immer ebenso freundliches wie informatives Telefonat mit Hanno Sonder. (Merke: Telefon ist manchmal besser als Mail...)
Unterm Strich rät er von dem Einbringen eines Widerstandes in den Stromzubringer zum Poti ab. Bezogen auf einzelne "Tips" könnte es durchaus zu fein abgestufteren Verstellstufen führen. Hält man die Lauter/Leiser-Tasten allerdings länger gedrückt, könnte es aber zu unerwünschten Effekten führen, z.B. zu einem ruckelnden oder sich gar nicht mehr oder nicht mehr flüssig drehenden Poti. Ich habe erfahren, dass es ziemlich aufwändig war, ab Preamp 14 und später Prepino 20, eine Programmierung zu finden, die auch subtile Änderungen per FB möglich macht. Ferner war interessant, dass die Lautstärkeregelung im Prepino (mittels RK27) letztlich über eine variable Gegenkopplung des Operationsverstärkers funktioniert - was ich so interpretiere, dass das Poti nicht direkt im Signalweg liegt, was ich gut finde - aber ich habe wenig Fachwissen und kann das auch falsch verstehen.

Von pro-ject habe ich erfahren, dass im DS2 Analogue auch ein hochwertiges gekapseltes Alps Poti verbaut ist. Vermutlich ebenfalls das RK27. Der Vorgänger (DS) hatte zwar die interessante LS Regelung über Widerstandsnetzwerk, aber das dadurch notwendige Display, um die Werte anzuzeigen, hat für Einstreuungen gesorgt, die sich nicht eben positiv auf das Signal ausgewirkt haben, daher ist man wohl wieder auf rein analoge LS Steuerung umgestiegen.

Von Restek (die echt einen super Service haben und sehr transparente Auskünfte erteilen, toll) habe ich erfahren, dass der Minipre digitale Lautstärkeregelung mittels einem Chip der PGA23xx Serie von Burr Brown hat. Also lediglich digitale Steuerung, die Signalverarbeitung erfolgt analog. Hat sich dort gegen die Alps oder Nobles Potis durchgesetzt und wurde als in allen Belangen den Potis überlegen eingestuft. Ihr Display ist eine Eigenentwicklung, bei der darauf geachtet wird, dass es keine Interferenzen gibt, was bei zugekauften Standard-Displays wegen Multiplexing durchaus auftreten kann (siehe pro ject Pre Box DS).

Unterm Strich muss ich sagen, dass ich letztlich zum Restek tendiere, das scheint mir eine in allen wesentlichen Belangen ziemlich gut zu Ende gedachte Lösung zu sein. Auch die Anpassbarkeit der Inputs vom Pegel her finde ich toll.

Beim pro-ject DS2 finde ich wiederum die optionale Akku Box S2 interessant, mit der man den DS2 Analogue gehörig aufwerten könnte. Siehe Vergleich Restek Minipre vs MPRE+, bei der der Unterschied vor allem in einem besseren Netzteil besteht. Und er hat zusätzlich zum Var Out einen Fix Out, so dass ich zum KHV weiterleiten kann - das geht beim Restek leider nicht, der nur einen Ausgang hat. Gebraucht für 200-250 und mal ein bisschen länger ausprobieren tut nicht weh. Wenn er gut ist und durch die Akkubox vielleicht richtig gut wird, kann er vielleicht auch bleiben.

Ob ich den Abacus vorher noch operiere, weiß ich noch nicht. Reizen würde es mich. Aber wenn das Ergebnis nicht zufriedenstellend wird, lässt er sich nach dieser Modifikation sicher schlechter verkaufen als im Originalzustand. ;-)

Soweit die News - ich fand sie teilweise für mich ziemlich interessant, vielleicht ist ja auch für Euch ein bisschen was dabei.

Viele Grüße
Emanuel
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Beitrag von Hans-Martin »

uoiea hat geschrieben: 03.04.2024, 23:04Hatte ein wie immer ebenso freundliches wie informatives Telefonat mit Hanno Sonder. (Merke: Telefon ist manchmal besser als Mail...)
Unterm Strich rät er von dem Einbringen eines Widerstandes in den Stromzubringer zum Poti ab. Bezogen auf einzelne "Tips" könnte es durchaus zu fein abgestufteren Verstellstufen führen.
uoiea hat geschrieben: 29.03.2024, 18:56 Allerdings nervt die turbomäßig reagierende Lautstärke-FB mittlerweile so sehr, dass ich allein deswegen den Verstärker tauschen möchte.
Veränderungen in kleinen, subtilen Schritten, sind schlichtweg unmöglich.
Ich versuche, nur maximal kurz zu berühren, wie wenn ich auf eine heisse Herdplatte langen würde, es sieht sehr lustig, fast panisch aus ;-) aber es nützt nichts, die Verstellung ist immer zu stark.
Hallo Emanuel,
Der eine sagt, wir haben bei der Entwicklung und Produktion alles richtig gemacht.
Der andere hat eine gegenteilige praktische Erfahrung hinter sich.
Vom Hersteller warme Worte statt konkreter Vorschläge (wurde das Problem nicht als solches angesehen bzw. verstanden?).
uoiea hat geschrieben: 03.04.2024, 23:04Hält man die Lauter/Leiser-Tasten allerdings länger gedrückt, könnte es aber zu unerwünschten Effekten führen, z.B. zu einem ruckelnden oder sich gar nicht mehr oder nicht mehr flüssig drehenden Poti. Ich habe erfahren, dass es ziemlich aufwändig war, ab Preamp 14 und später Prepino 20, eine Programmierung zu finden, die auch subtile Änderungen per FB möglich macht. Ferner war interessant, dass die Lautstärkeregelung im Prepino (mittels RK27) letztlich über eine variable Gegenkopplung des Operationsverstärkers funktioniert - was ich so interpretiere, dass das Poti nicht direkt im Signalweg liegt, was ich gut finde - aber ich habe wenig Fachwissen und kann das auch falsch verstehen.
Es könnte auch eine Schaltung sein, wobei Rf im Bild durch das Potentiometer variabel ist. Diese Schaltung hat einige Vorteile und wurde z.B. vor 40 Jahren auch im erfolgreichen Musical Fidelity A1 eingesetzt. Da habe ich aber schon einmal ein ALPS-Poti tauschen müssen, weil ein Kanal ausgefallen war.
Was die Dauerhaftigkeit betrifft, ist diese Variante wohl weder besser noch schlechter.

ALPS nennt maximal 100mA Stromaufnahme des Motors, empfiehlt 3V (Arbeitsbereich von 2-6V) aus stabilisierter Betriebsspannung ohne Ripple.
ALPS Datenblatt hat geschrieben:Motor terminal should not be connected with fixed resistors in series.
Bei mir hat ein Widerstand mit 47 Ohm in der Zuleitung immer einwandfrei funktioniert, wenn die feine Dosierbarkeit per Fernbedienung zu wünschen ließ. Möglicherweise meint ALPS, dass die kleinen Lötlaschen nicht für Widerstände geeignet sind, weil bei Hitze der haltende Kunststoff schmilzt, und die kleinen Laschen sind mit den Federkontakten zum Kollektor verbunden. Schmilzt der Kunststoff, geht der Federdruck (=Kontakt) verloren. ALPS konkretisiert auch eine Lötzeit von max 2 sec bei max 350°Löttemperatur.
Grüße
Hans-Martin
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Beitrag von uoiea »

Hallo zusammen,

nur der Vollständigkeit halber:
Habe mir eine gebrauchte pro-ject Pre Box DS2 Analogue zugelegt.
Und bin sehr zufrieden.
Lautstärke FB funktioniert feinfühlig, genau, wie ich wollte.
Klanglich merke ich auch keine Verschlechterung, obwohl ich nicht wirklich konzentriert verglichen habe.
Aber es klingt so, wie ich es gewohnt bin ;-)
Irgendwie hätte es mich schon gereizt, das mit den Widerständen beim Prepino auszuprobieren, aber unverbastelt lässt er sich jetzt besser verkaufen.
Und ich hätte gar nicht gedacht, wie hübsch der pro-ject ist. Gerade in silber. Ein echtes Schmuckstück, sieht einfach toll aus.

Viele Grüße
Emanuel
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uoiea
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Beitrag von uoiea »

... kleiner Nachtrag.
Wie immer sollte man nicht den allerersten Eindruck überbewerten.
Wenn ein Gerät neu da ist, einem gefällt, dann will man auch, dass es klanglich gut ist und hört wohl irgendwie besonders positiv/wohlwollend zu.
Zumindest mir geht es so, bin nicht frei von psychoakustischen Effekten.
Mit einigem Abstand und nach einigen Hörsessions gefällt der Abacus mittlerweile sowohl meiner Frau als auch mir eindeutig besser als die Pre Box...
Größer, packender, authentischer, der pro-ject klingt oberflächlicher, tut nicht weh, aber geht irgendwie nicht so tief und hat nicht das Potenzial, dass die Musik damit so dermaßen berührt wie es mit dem Abacus ist....
Na, wieder eine Erfahrung. Der Prepino ist schon echt gut.
Falls nicht zufällig demnächst ein Prepino 20 irgendwo auftaucht, werde ich wohl doch noch Kabel schnipseln...
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