Rossini Opern

Klangperlen und künstlerische Leckerbissen
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alcedo
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Rossini Opern

Beitrag von alcedo »

Hallo, Opernfreunde

Vor Monaten wurde ich in einem Radio-Essay auf die mir bis dato völlig unbekannte Oper „Il Viaggio a Reims“ von Rossini aufmerksam. Inzwischen habe ich sie mir mehrmals angehört und finde sie wunderbar. Wobei mir vollkommen unklar ist, wieso diese Opera buffa, Rossinis letzte italienischsprachige Oper anlässlich der Krönung des französischen Königs Karls X. und 1825 uraufgeführt, so unbekannt ist.

Die Geschichte ist an sich unwichtig und dient als Rahmenhandlung, um hochvirtuose Arien, Duette, Sextette usw. am laufenden Band „abzuspulen“. Unglaublich viele Einfälle werden hier verarbeitet: von einem Stück für 14 (!) Stimmen bis hin zu diversen (lustigen) Lobliedern auf das jeweilige Herkunftsland der Opernfiguren (inkl. „God save the king“ und „Gott erhalte Franz, den Kaiser“).

Wer sich dafür interessiert, dem sei die 1985 erschienene Live-Aufnahme unter Abbado vom Rossini Opera Festival Pesaro empfohlen. Eine hervorragende und hörbar gut aufgelegte Sängergilde hat hier ihren Spaß gehabt und ein Stück Musikgeschichte geschrieben!

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Abbado hat diesen Riesenerfolg 1993 noch einmal mit den Berliner Philharmonikern wiederholt. Plastischer und räumlicher ist dennoch die vorgenannte Aufnahme.

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Viele Grüße
Jörg
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Melomane
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Beitrag von Melomane »

alcedo hat geschrieben: 11.02.2024, 15:58 Wobei mir vollkommen unklar ist, wieso diese Opera buffa, Rossinis letzte italienischsprachige Oper anlässlich der Krönung des französischen Königs Karls X. und 1825 uraufgeführt, so unbekannt ist.
Hallo Jörg,

vielleicht hängt das auch mit den Zeitumständen zusammen. Die Wikipedia schreibt:

"Anschließend [= nach der Mitte des 19. Jh.] wurde das Werk lange Zeit für verloren gehalten. Teile des Manuskripts wurden von Rossinis Witwe Olympe Pélissier seinem Arzt Vio Bonato vererbt. Dann gelangten sie in das Conservatorio di Santa Cecilia in Rom, wurden dort aber nicht korrekt katalogisiert. Sie wurden erst Mitte der 1970er-Jahre identifiziert. Unter Zuhilfenahme der Musik der bereits erwähnten Bearbeitungen aus Paris und Wien konnte Philip Gossett die Oper rekonstruieren."

Und vielleicht ist das auch Schicksal eines Werks, das für einen bestimmten Anlass komponiert wurde. Anlass vorbei, Stück aus dem Sinn. Da hat die Aida mehr Glück gehabt. ;)

Viele Grüße

Jochen
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Hallo Opernexperten,
ein kürzlich verstorbener Freund hinterlässt mehr als 10 m (Meter!) LPs und LP-Boxen, Schwerpunkt Opern/Operetten, darunter besonders viel Bellini/Rossini/Donizetti. Auch ein ebensosehr gepflegtes, prall gefülltes Bücherregal zu Komponisten, Werken, LibrettiDirigenten und Interpreten. Da ich mich bisher mit dieser Musikgattung noch nicht weiter beschäftigt habe, außer mit Carl-Maria vonWebers "Der Freischütz" (Carlos Kleiber, DG um 1973, damals sofort mitgenommen, mein Großvater hatte mich einst zu einer Eutiner Freilichtbühne mitgenommen), werde ich aus dem Fundus vieler Interpreten identischer Werke die oben genannten vermutlich finden. Beim Renovieren der Wohnung habe ich alle Platten schon fünfmal in staubfreie Umgebung bewegt, zum Auflegen war aber keine Gelegenheit. Und Memory spielen können die Enkelkinder besser...
Also bisher war mein Umgang mit italienischen Opern eher schweißtreibend, weil schweres Material :D
Ich habe keine Ahnung, ob ich den Funken Begeisterung überspringen zulassen kann, dafür auf andere vakante Projekte verzichte.
Jochen, Jörg, habt ihr einen Tip für den Einstieg in diese für mich noch fremde Kultur?
Grüße
Hans-Martin
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Melomane
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Beitrag von Melomane »

Hallo Hans-Martin,

Einstieg in die Oper? Meiner war Mozarts Don Giovanni mit Giulini, diese Einspielung hier, wenn auch in einer anderen Box.

https://www.discogs.com/de/master/36805 ... useppe-Tad

Viele Grüße

Jochen
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alcedo
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Beitrag von alcedo »

Hallo Hans-Martin

ich verstehe deine Frage so, dass du Tipps zu italienisch-sprachigen Opern suchst.

Dann ist es wohl am Einfachsten, wenn du bei der "LP-Masse", die du besitzt, nach Alben Ausschau hälst, die nur die "Highlights" einer Oper enthalten. Wenn dir diese dann gefällt, schnapp dir aus dem Internet das Libretto und höre dir die ganze Oper an.
Einen ersten schnellen Überblick über Handlung und Höhepunkte (z.B. des Pagliacci) findest du hier:
https://opera-inside.com/pagliacci-von- ... /?lang=de

Ansonsten ist es vielleicht am klügsten, mit den kürzeren Opern zu beginnen wie z.B.
Leoncavallo: Pagliacci
Mascagni: Cavalleria Rusticana

Danach mit den berühmten Klassikern (die melodisch eingängig, leicht verdaulich und vom Handlungsrahmen spannend und vielschichtig sind) wie
Puccini: Tosca, La Boheme und Madame Butterfly
Verdi: La Traviata, Aida, Nabucco, Rigoletto, Der Troubador, Otello - ach, eigentlich alle ;-)
Mozart: Don Giovanni, Le nozze di Figaro; Così fan tutte
Rossini: Der Barbier von Sevilla
Donizetti: Lucia Di Lammermoor
Bellini: Norma
Ponchielli: La Gioconda
Giordano: Andrea Chénier

Viel Spaß damit ...

Grüße
Jörg
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Danke, Jörg,
das sieht nach einer guten Anleitung aus.
Grüße
Hans-Martin
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musikgeniesser
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Beitrag von musikgeniesser »

Moin Hans-Martin,
moin Forenten,

wenn dein verstorbener Freund diese Masse an LPs und Büchern
Hans-Martin hat geschrieben: 11.02.2024, 21:23 ein kürzlich verstorbener Freund hinterlässt mehr als 10 m (Meter!) LPs und LP-Boxen, Schwerpunkt Opern/Operetten, darunter besonders viel Bellini/Rossini/Donizetti. Auch ein ebensosehr gepflegtes, prall gefülltes Bücherregal zu Komponisten, Werken, LibrettiDirigenten und Interpreten.
dir vermacht hat (oder seine Erben es dir überlassen wollen) und du in einem Altbau wohnst und nun den Gedanken ventilierst, dir das alles ins Haus zu holen, ist der Gedanke, einen Statiker zu Rate zu ziehen, der Erwägung wert. Man unterschätzt gerade das Gewicht von LPs schnell, wenn du auch schon nähere Bekanntschaft damit gemacht zu haben scheinst.
Hans-Martin hat geschrieben: 11.02.2024, 21:23 Also bisher war mein Umgang mit italienischen Opern eher schweißtreibend, weil schweres Material
Nicht aufgehende Wände in Obergeschossen gehen ohnehin nicht, auch nicht in Neubauten mit geschütteten Betondecken. Nur tragende Wände kommen als Ort für derartige Regale in Frage.

Obwohl 10 m nun auch nicht so viel ist -- 2000 bis 2500 LPs, schätze ich mal. Bei einem raumhohen Regal -- 7 LPs passen bei 2,50 m Raumhöhe übereinander*) -- nur ein etwa 1,50 m breites Regal ergibt. So viel ist das nun auch wieder nicht. 4 m schaffe ich auch, 2 m von mir und nochmal das gleiche von meinen Eltern. Ich ziehe CDs vor.

Habt ihr denn nicht über Opern gesprochen? Das würde ich bei Musik als Hobby naheliegend gefunden haben. Wie es scheint, waren eure Musikschwerpunkte aber wohl doch zu verschieden. Umso mehr Spaß beim entdecken der Opernwelt. Jörgs Anleitung erscheint mir nicht verkehrt. Die meistgespielte Oper, Carmen von Bizet, nicht zu vergessen.

Gruß

Peter

*)
  • 7 x 35 cm, bei 32 mm-Lochreihen 35,2 cm
  • 20 mm-Lochreihen taugen nichts, da 34 cm (Achsabstand, also stets einschließlich Fachboden, der normalerweise 19 mm stark ist) zu knapp und 36 cm zu viel, da in 2,50 m nicht unterzubringen ist
  • Ausweg bei 20 mmm ist natürlich zwischen 70 cm bei 35 cm extra Bohrungen vorzunehmen)
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Thomas86
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Beitrag von Thomas86 »

Man vergesse "Turandot" von Puccini nicht. Seine letzte Oper, die er nicht vollenden konnte.

Gehört zu meinen Top 5. Insbesondere das Ende des 1. Aktes mit : "non piangere Liu".

Kritisch anzumerken ist allerdings, dass es nach Luis Tod (die letzten komponierten Takte Puccinis), nicht in gleicher musikalischer Qualität weitergeht.

Grüße
Thomas
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alcedo
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Beitrag von alcedo »

Moin Thomas,
Moin Peter

Meine obige Auswahl ist natürlich nur der erste Schritt in die wunderbare Welt der italienischen Oper. Ergänzungen wird Hans-Martin sicher gerne begrüßen wie eben Turandot oder Die Macht des Schicksals oder oder ...

Carmen würde ich jetzt nicht so unbedingt zu den italienischen Opern zählen :wink:

Viele Grüße
Jörg
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musikgeniesser
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Tipps für erfahrene (sic!) Einsteiger in die Opernwelt

Beitrag von musikgeniesser »

Moin Jörg,
moin Hans-Martin,
moin Forenten,

das
alcedo hat geschrieben: 12.02.2024, 09:42 Carmen würde ich jetzt nicht so unbedingt zu den italienischen Opern zählen
ist mir danach auch aufgegangen, als ich meinen Beitrag längst geschrieben und das Forum wieder verlassen hatte: ging es nicht um italienische Opern? Ich war auch nicht mehr ganz wach, nach einer Nacht der langen Messer am Computer mit Formeleditor in Word und Excel, um alles gleich auszuprobieren.

Na ja, habe ich mir gesagt, ich lasse es mal stehen, bei 10 Metern hat sich vielleicht auch eine Carmen hineingemogelt oder Hans-Martin hat schon eine Aufnahme herumfliegen, die er nur noch nicht intensiver gehört hat, weil das halt nicht seine Musik ist. Oder ich rede mich auf Rom heraus: kommt Bizet vielleicht aus Südfrankreich, das ja mal zum Römischen Reich gehört hat? Nun denn...

Carmen taugt ganz generell als Einstieg in die Opernwelt ganz gut, finde ich. Egal, ob man sich rückwärts ins italienische oder vorwärts ins angelsächsische Fach vorarbeiten möchte: Carmen ist vollendeter Schönklang, der keine besonderen Anforderungen an den Ersthörer stellt, ohne dabei seicht zu sein. Ein Meisterwerk: sicher nicht ohne Grund die meistgespielte Oper.
George Bizet hat geschrieben: Auf in den Kampf,
die Schwiegermutter naht.
Siegesgewiss
klappert ihr Gebiss.
kann man auch gerne mitschmettern. Wer kennt es nicht. Ich meine damit, dass einem Carmen ein bisschen die Schwellenangst vor Opern nehmen helfen kann, denn nicht selten drei Stunden Spieldauer schrecken so manchen einfach ab, was ich nur zu verständlich finde. Auch ist die höchst artifizielle Art des Singens nicht jedermanns Sache, was ich mindestens ebenso verständlich finde.

Da hilft die Aussicht auf Arien, die man schon mal gehört oder, wie in diesem Falle sogar lauthals mitgrölen kann, schon. Warum denn nicht? Seiji Ozawas Tod, dem zu Ehren hier ein eigener Strang aufgemacht worden ist, ruft seine Aufnahme mit Jessye Norman in der Titelrolle in Erinnerung, mit der man nichts falsch macht. Um einmal ein Beispiel zu nennen. Es muss nicht immer Kavier, ich meine natürlich Karajan, sein.

Und dann auf in die Welt der italienischen Oper. Ältere Opern sind, anders als auch Carmen zum Beispiel, nicht vollständig durchkomponiert, sondern mehr eine Aneinanderreihung von Arien, die mit Rezitativ verbunden werden: dieser typische, vom Cembalo begleitete Sprechgesang. Das finde ich -- ganz ehrlich -- ausgesprochen störend, sollen die Akteure doch sprechen, wenn dem Komponisten nicht gescheites eingefallen ist, und das ist sicher sehr, sehr gewöhnungsbedürftig. Mit der Zeit verliert sich aber die Ungeduld mit diesen Passagen, jedenfalls ist es mir so gegangen. Vielleicht haben andere hier ähnliche Erfahrungen gemacht.

Weswegen ich das alles schreibe: nur anfangen würde ich mit solchen Opern nicht, und zwar auf gar keinen Fall, denn das schreckt nur ab. Wäre doch blöd, wenn du, Hans-Martin, auf diesem Wege auf dem falschen Fuß erwischt werden würdest und dir auf diese Art und Weise 10 Meter Schallplatten auf selbigen und den anderen fielen. Nicht nur Condome, auch Carmen schützt, wenn mir die Herbeizwingung dieser Alliteration einmal erlaubt sei.

Gruß

Peter
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alcedo
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Beitrag von alcedo »

Hallo zusammen,

diesen indirekten Tipp von Peter empfinde ich als eine interessante Alternative
musikgeniesser hat geschrieben: 12.02.2024, 15:42 kann man auch gerne mitschmettern. ....
Da hilft die Aussicht auf Arien, die man schon mal gehört oder, wie in diesem Falle sogar lauthals mitgrölen kann, schon. Warum denn nicht?
Bis in die späten 60er Jahre war es üblich, Opern in der jeweiligen Landessprache zu singen. Ich habe schon mal Verdi auf englisch gehört - na ja.
Andererseits bin ich mit Opernarien auf deutsch (Anneliese Rothenberger, Rudolf Schock, Herman Prey & Co) aufgewachsen. Und viele Arien schwirren mir davon noch immer auf deutsch im Kopf herum - auch wenn ich sie auf italienisch höre.

Also, Hans-Martin, wenn es beim Einstieg hilft, dann hör dir ruhig mal eine deutsch gesungene italienische Oper an. Davon werden sicherlich auch ein paar LPs in deinem Fundus zu finden sein.

Viele Grüße
Jörg
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Melomane
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Beitrag von Melomane »

Hallo,

ich bin doch arg erstaunt, was Rossinis Opern so alles auslösen können. Dass die heute noch soviel bewirken. :cheers:

Viele Grüße

Jochen
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