Die Technik hinter Linn DS Netzwerkstreamern

Player, Streamer, Wandler, Vorverstärker usw.

Die Technik hinter Linn DS Netzwerkstreamern

Beitragvon martino » 09.07.2010, 20:18

Linn DS Design: Clock, Upsampling, Digitale LS-Regelung, Dithering


Ich habe mal versucht zu recherchieren, was bei den Linn DS Netzwerk-Streamingplayern eigentlich passiert zwischen digitalem LAN-Netzwerkport (Ethernet) und den analogen Ausgängen. Soweit bin ich gekommen, würde das gerne diskutieren...

Mit den Linn-Besitzern genauso wie allen Anderen die zu den Unterthemen eine Meinung haben. Zu einigen Bereichen (Clock Design und digitale Lautstärkeregelung) würde mich besonders interessieren was Gert als Experte auf diesem Feld dazu sagt:


1) Signalweg in Linn DS (meine Theorie):

  • LAN Input
  • ---> Buffer (FPGA-controlled)
  • ---> Dekompression/Dekodierung/Umwandlung in PCM (FPGA-controlled)
  • ---> [evtl. s/pdif out entweder "raw" oder resampled auf 24/96]
  • ---> Upsampling auf 35bit/352.8kHz bzw. 384kHz incl. Linear Phase Filter (FPGA-controlled)
  • ---> [evtl. digitale Lautstärkeregelung (FPGA-controlled)]
  • ---> reConversion to 24 bit (+ dithering)
  • ---> Clock
  • ---> DAC
  • ---> analogue Out (RCA bei Sneaky/Sekrit/Majik, XLR symmetrisch bei Akurate/Klimax DS)

Das "Rechenzentrum" ist bei allen DS das Xilinx Virtex-4 FX20 FPGA ("der Chip", siehe hier).

Die DACs:

- Sneaky/Sekrit/Majik: 1* Wolfson WM8740
- Akurate/Klimax: 2* Wolfson WM8741, 1 pro Kanal (dementsprechend balanced XLR out)

So habe ich es jedenfalls verstanden, nach Lektüre u.a. der folgenden Dokumenten von der Linn Docs Seite:


2) Clock:

Es wäre natürlich spannend zu wissen, welche der von Gert genannten Clock-Architekturen (aus dem Big Ben Thread) hier realisiert ist? Vielleicht eine Frage im Linn-Forum wert, andererseits ist das möglicherweise streng geheim weil Betriebsgeheimnis... Alles was an offizieller Stelle steht ist dashier:

Linn DS has a similar clock architecture to Linn’s CD players. The audio clock is generated by an ultra low jitter oscillator located close to the DAC chips. This clock is used for the DACs and also provides the master timing reference to the entire digital path.

It is worth noting that this architecture where the data is ‘pulled’ from the network using the clock at the DAC is inherently better than systems where the data is transported by SPDIF or USB links, where the DAC has to ‘lock’ its clock to that at the sending end.


Letzteres sollte bei s/pdif DACs kein Problem sein bei Verwendung externer Reclocker wie BigBen (allerdings dann wieder Jitter-Entstehung auf dem hier längeren Kabelweg zwischen Clock und DAC?), bei USB DACs gibts noch den "Asynchronos Mode"... Das haben sie hier unterschlagen...? Andererseits ist es natürlich bestimmt nicht schlecht die Clock direkt vor dem DAC zu haben!


Zum allgemeinen Verständnis/Nachlesen zu empfehlen: der Grundlagenartikel Daten-induzierter Jitter


3) Upsampling:

  • Festes Upsampling auf 352.8 kHz (vielfaches von 44.1 kHz) oder 384 kHz (vielfaches von 48 kHz).
  • Upsampling Engine innerhalb eines eingangsseitigen FPGA (s.o.), benutzt "Linear-Phase" Upsampling Filter (daneben wurden noch "Minimum-Phase", "Apodizing" und andere Filtertypen getestet aber offenbar nicht für gut befunden).
  • Auslagerung der Upsampling-Aufgabe vor den DAC, könnte der auch selber aber "potential source of noise and distortion". Der intra-DAC-Resampler wird deshalb umgangen durch Anfahren mit maximaler Samplingfrequenz.
  • Externe FPGA hat deutlich mehr Rechenpower für die präzise Filterberechnung zur Verfügung.
  • "electrical noise" des Up-sampling Prozesses bleibt im digitalen Bereich, fern vom anfälligeren Analogbereich ab dem DAC.

[Siehe die Erklärung eines Linn Entwicklers.]


4) Digitale Lautstärkeregelung (deaktivierbar):

Als Aufhänger nehme ich Gert's Erklärung der Digitalen LS-Regelung bei Teac vs. Sonos.

Beim Linn läufts so: Noch vor dem Upsampling und der digitalen Lautstärkeregelung wird die Bittiefe von 24 bit auf 35 bit raufgesetzt, um beide Aufgaben genauer durchführen zu können. Also sozusagen eine Neueinordnung auf der nun feiner aufgelösten und insgesamt breiteren Pegel-Achse.

Es bleiben 11bit = ...dB headroom, aber dementsprechend auch nur 11 Schritte der digitalen LS-Abschwächung (attenuation) ohne Informationsverlust auf der eingangsseitig bis 24bit aufgelösten Pegel-Achse. Kann man das so übertragen, Gert?

Allerdings wird offenbar nur das Eingangssignal abgeschwächt, und nicht oder weniger der "DAC noise". Weshalb der LS-Bereich zwischen 70 und 80 bzgl. des Verhältnisses Signal-Pegel zu DAC-Noise-Pegel ideal wäre (siehe hier). 80 bedeutet keine Abschwächung (also der 0 dB Punkt). Darüber kommt ein Boost, mit aufnahmeabhängig Verzerrungen - entsprechend früh wenn die Aufnahme bei 24 bit voll ausgesteuert ist (siehe hier).

Das bedeutet es gibt bis runter zur Stille 80 Abstufungen der digitalen Pegelabschwächung. Und die vielen Zwischenschritte die da drin sind, sind hoffentlich gut interpoliert?


5) Dithering:

Der DAC kann "nur" 24 bit. Man hatte die Auflösung der Amplituden-Achse ja nur hochgesetzt (auf 35 bit), um Headroom bei der digitalen LS-Regelung zu haben. Ein paar bits sind jetzt vielleicht abgeschnitten, idealerweise bleiben die im Originalsignal maximal enthaltenen 24 bit erhalten. Jetzt muss wieder ins grobere Raster gepresst werden. Das (oder das Abschneiden?) erzeugt Quantisierungsrauschen. Deshalb wird Dither hinzugefügt. Das fügt zwar ein "gutartiges" Grundrauschen bei, eliminiert dafür aber das unharmonische Quantisierungsrauschen.


So, genug für heute!


Martin
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Beitragvon uli.brueggemann » 09.07.2010, 21:02

Martin,

1. zum Thema Clock: wie ich das hier verstehe, sitzt die clock am DA-Wandler und wird von dort zurückgeführt auf vorausgehende Komponenten. Das ist eine andere Struktur als bei einem normalen CDP, der mit seinem Takt am spdif ausgibt und sich die nächste Komponente irgendwie darauf einregelt.

M.E. sicher lesenswert hierzu sind die Ausführungen bei LessLoss, das sind ein paar Seiten und zwar hier

2. zum Thema Dithering
Ein LSB-Dithering bei 24 bit bedeutet ein Dithering mit einem Pegel von -138 dB. Wer das noch hört, der sollte es unbedingt anwenden :mrgreen:

Grüsse, Uli
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Beitragvon Ralf Koschnicke » 09.07.2010, 22:31

uli.brueggemann hat geschrieben:
2. zum Thema Dithering
Ein LSB-Dithering bei 24 bit bedeutet ein Dithering mit einem Pegel von -138 dB. Wer das noch hört, der sollte es unbedingt anwenden :mrgreen:

Grüsse, Uli

Hallo zusammen,
aus meiner (Hör-)Erfahrung heraus kann ich den Ansatz von LINN nur unterstützen: Auch wenn die Ausgangswortbreite 24Bit beträgt, ist bei vorangegangener Signalverarbeitung mit höherer Wortbreite unbedingt ein geeigneter Dither zu implementieren. Macht man das nicht, verschenkt man deutlich Signalqualität. Sogar die Art des Dithers - linear, dreiecksverteilt, mit oder ohne Noiseshaper - ist deutlich hörbar. Theoretisch kann ich das nicht zuverlässig erklären, aber die -138dB sind ganz sicher das falsche Argument. Der Trick beim Dithern ist ja vereinfacht gesagt, dass man den Rundungsfehlern eventuell vorhandene regelmäßige Muster nimmt, indem man ein möglichst ideal zufälliges Rauschen überlagert. Macht man das nicht, erzeugen die Quantisierungsfehler mit wiederkehrendem Muster Signalverfälschungen, die nicht zwingend nur mit einem Pegel von unter -138dB auftreten, so mein Ansatz zur Erklärung.
Das ideal zufällige Rauschen ist übrigens in der digitalen Welt eine echte Herausforderung. Für mich mit ein wichtiges Argument für mein Pyramix-Sytem vor vielen Jahren war die Möglichkeit, als eine von sehr wenigen Audio-DAWs, Dither auf die Ausgangsbusse zu schalten. Das hat für 24 Ausgangsbusse richtig viel DSP-Power gefressen. Da damals nur über zusätzliche DSP-Karten zu machen, kostete das einen deutlichen dreistelligen Betrag zusätzlich. Aber sobald digital irgendwas gedreht wurde, war der Effekt so deutlich, dass ohne Dither keine echte Alternative darstellte (trotz 24 Bit Ausgang und Wandlern).

Hier wie an ein paar anderen Stellen ist mir die Konzeption von LINN sehr sympathisch (vielen Dank Martin für den Beitrag!). Denn es wird anscheinend hingehört, nachgedacht und es werden die richtigen Entscheidungen getroffen (z.B. Clock am Wandler und alle anderen Vorstufen clocken darauf, super :cheers: ) und es werden nicht vorschnell Dinge aufgrund fragwürdiger Theorien schnell als unwichtig abgehakt. Gerade auf der High End habe ich mir von einem DA-Wandler-Hersteller genau das gleiche Argument anhören müssen, weshalb seine digitale Lautstärkeregelung kein Dither implementiert. Für mich ein absolutes Unding, unglaublich. Allmählich muss ich mir doch mal einen LINN DS-Player zulegen, die wissen einfach was Sie tun.

Grüße
Ralf
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Beitragvon Roli » 10.07.2010, 07:53

Ralf Koschnicke hat geschrieben:Allmählich muss ich mir doch mal einen LINN DS-Player zulegen, die wissen einfach was Sie tun.

DO IT!

Du wirst es nicht bereuen!

Danke Dir und natürlich auch an Martin für diese interessanten Informationen!

Herzliche Grüße :cheers:
Roland
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Beitragvon uli.brueggemann » 10.07.2010, 10:21

Ralf Koschnicke hat geschrieben:Auch wenn die Ausgangswortbreite 24Bit beträgt, ist bei vorangegangener Signalverarbeitung mit höherer Wortbreite unbedingt ein geeigneter Dither zu implementieren. Macht man das nicht, verschenkt man deutlich Signalqualität. Sogar die Art des Dithers - linear, dreiecksverteilt, mit oder ohne Noiseshaper - ist deutlich hörbar. Theoretisch kann ich das nicht zuverlässig erklären, aber die -138dB sind ganz sicher das falsche Argument.

Ich bekenne mich hiermit zu den Holzohren. :oops:

Alle diejenigen, die Brutefir verwenden können (wozu auch ich gehöre), können das Dithering einfach per Konfigurierung einschalten. Ich hab es per default auch eingeschaltet. Ebenso die Berechnungen mit 64-bit Gleitkomma anstelle 32-bit Gleitkomma. Sicher ist sicher.

Allerdings höre ich keinen Unterschied ob mit/ohne Dithering bei der 24 bit Soundkarten-Ausgabe. Vielleicht berichten die anderen Brutefir-Nutzer auch einmal über ihre Hörerfahrungen ?

Grüsse, Uli
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Beitragvon martino » 11.07.2010, 15:44

Zwei kurze Ergänzungen:

  • Wer bis hierhin mitgelesen hat, dabei aber (zu Recht) auf Verständnisprobleme mit der doch recht trockenen Materie stieß - im Manual zu den ECHO Firewire-Audiointerfaces (ganz am Ende, Seiten 56-62, APPENDIX C: "An Introduction to Digital Recording") gibt es einen sehr schönen Grundlagenartikel zu digitaler Aufnahme und Wiedergabe, Lautstärkeregelung etc...
    Wie ich finde sehr lesenswert - ich habe erst nach dieser Lektüre verstanden, daß 1 bit = 6dB = Verdoppelung/Halbierung beim Schalldruckpegel (ich hoffe ich schreib da jetzt keinen Blödsinn) bedeutet...
  • Im Linn-Forum haben sie die 4 Modelle aufgeschraubt und abgelichtet. Zwar kann man leider nicht allzuviel erkennen - aber immerhin! Die Bilder sind leider nur nach Anmeldung im Linn-Forum sichtbar. Zwar ein Nachteil, aber wer sie sehen will wird sich sowieso so stark interessieren, daß die Anmeldung Sinn macht!

Martin
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Beitragvon Ralf Koschnicke » 11.07.2010, 16:44

Okay Uli, ertappt, ich sollte bei meinem Plädoyer für Dither vielleicht zugegeben noch hinterher schieben, dass es natürlich auch auf die konkrete Umsetzung ankommt – wie doch eigentlich immer. Nur weil irgendwo Dither draufsteht, ist das noch nicht zwingend auch gut realisiert. Im professionellen Sektor kenne ich sogar viele Softwarelösungen, die beim Zuschalten von Dither eindeutig schlechter klingen als bei einfacher Rundung ganz ohne Dither. Ganz schlecht kommen aus meiner Erfahrung alle Lösungen weg, die noch einen Noiseshaper mit implementieren.
So habe ich in meinem reichhaltigen Fundus an unterschiedlichen Softwarelösungen nur eine einzige, bei der man beim Dithern auf 16 Bit für CD (hier ist der Effekt natürlich viel deutlicher als bei 24 Bit) keinerlei Klangveränderung feststellt. So soll es in der Theorie ja sein: Ein Signal auf eine bestimmte Ausgangswortbreite richtig transformiert, wird klanglich nicht beeinträchtigt, es rauscht nur einfach mehr (was bei 16Bit dann aber immer noch unauffällige -90dB bedeutet).

Also was ich damit sagen will: Wenn es Lösungen mit dem zu erwartenden positiven Nutzen und auch Lösungen mit negativem Einfluss gibt, findet man bestimmt auch Lösungen ohne Effekt, d.h. gedithert und nur gerundet beides klanglich identisch.

Wenn also LINN sich bei einer so verhältnismäßig simplen Audiobearbeitung wie einer Pegeländerung der Wichtigkeit der Maßnahme bewusst ist, spricht das erst einmal für den fachlichen Background. Wie die Umsetzung aussieht, ist aber tatsächlich ein anderes Thema. Ich neige allerdings dazu zu unterstellen, dass wenn man schon entgegen vielen anderen sich der Wichtigkeit bewusst ist, dann wird man wohl auch hinhören.

Grüße
Ralf
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Beitragvon JoeBroesel » 11.07.2010, 17:04

Hi,
11 Bit ergänzt ergibt nicht 11 Lautstärkestufen sondern 2 hoch 11 Lautstärkestufen.

Grüße
J.
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Beitragvon Rudolf » 15.07.2010, 17:36

Nachdem wir an dieser Stelle und auch beim Sommerfest in Zweibrücken intensiv nach den Gründen der klanglichen Vorzüge des Linn-Digitalausgangs forschten, sprang mir folgender Satz von Werner ins Auge:

Westo hat geschrieben:Zunächst hatte ich, obwohl an der Lautstärke nichts geändert wurde, das Gefühl der Pegel war beim Linn etwas höher als beim Teac.

Quelle: viewtopic.php?p=18561#p18561

Daher meine Frage an die Experten: Ist es möglich, auf digitaler Ebene die Lautstärke über 100% hinaus zu schrauben (Stichwort "Replay Gain")? Falls ja, dann könnte natürlich auch das ein Grund dafür sein, weshalb der Linn an demselben Wandler als besser klingend beurteilt wird als seine Kollegen. Denn wir alle wissen: Lautstärke zählt!

Viele Grüße
Rudolf
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Beitragvon martino » 15.07.2010, 21:29

JoeBroesel hat geschrieben:11 Bit ergänzt ergibt nicht 11 Lautstärkestufen sondern 2 hoch 11 Lautstärkestufen.

Stimmt. Aber ich dachte es werden bits "abgeschnitten". Muss mich zu dem Thema erstmal belesen (wozu jetzt grade die Zeit fehlt) bevor ich was Sinnvolles dazu sagen kann. Oder Gert erklärts nochmal genauer?

Das Thema Digitale Lautstärkeregelung taucht hier ja mittlerweile in jedem zweiten Thread auf - und ist offenbar (zumindest von mir) noch nicht wirklich verstanden! Sicher ist, daß die Umsetzung von sehr unterschiedlicher Qualität sein kann. Beim Linn gilt sie als wirklich gut, beim Sonos ebenfalls. Beim Teac konnte sie soweit ich erinnere Gert und Sigi klanglich nicht überzeugen - was Gert in obigem Link auch erklärt hat.

Rudolf hat geschrieben:Daher meine Frage an die Experten: Ist es möglich, auf digitaler Ebene die Lautstärke über 100% hinaus zu schrauben (Stichwort "Replay Gain")? Falls ja, dann könnte natürlich auch das ein Grund dafür sein, weshalb der Linn an demselben Wandler für besser klingend beurteilt wird als seine Kollegen. Denn wir alle wissen: Lautstärke zählt!

Ich muss leider etwas ausholen:

Meine Control-Point Software (foobar) ermöglicht die Steuerung der digitalen Lautstärkeregelung des Linn per virtuellem Fader. Dieser Fader ist nur aktiv und benutzbar, wenn in der Konfigurationssoftware (Linn Konfig) "Enable Internal Volume Control" auf "Yes" gesetzt ist. Wenn ja, kann man das "Startup Volume" (default = 50) und das "Volume Limit" (default = 100) definieren. So nutze ich es zuhause von meinem Notebook aus, und brauche die IR-Remote kaum. Wenn ich den Linn Majik DS aber z.B. in seine Kiste packe, zum Bahnhof schleppe und nach einer Zugfahrt an die Anlage meines Vaters anschließe, stelle ich in der Konfig die "Internal Volume Control" aus. Ich will ja Line Level ausgeben, Lautstärkeregelung analog über den VV. Also im Konfig umstellen, Majik DS rebooten (wie immer nach Änderung der Konfiguration), und schon sieht das Display am Gerät anders aus - keine LS-Anzeige mehr. In der Foobar-Software ist der virtuelle Volume-Fader jetzt grau hinterlegt, inaktiv, nicht mehr bedienbar.

Als ich am Samstag mit dem gleichen Notebook Musik an Sigis Linn Sneaky DS gestreamed habe, war der Fader aktiv. Allerdings passierte nichts mit der Lautstärke aus den FM 701 - egal wie ich daran rumstellte.

Also...

  • Die digitale Lautstärkeregelung an Sigi's Sneaky DS war am WE offenbar aktiv. Vielleicht kannst Du das nochmal in der Konfig nachsehen, Sigi? Wie ich das verstanden habe, gibt es bei seiner JRiver ControlPoint Software keinen Volume-Fader - weshalb die Einstellung wie sie ist auch nicht auffällt.

  • Die digitale Lautstärkeregelung in Linn DS Netzwerkplayern wirkt nicht auf den digitalen s/pdif-Ausgang. Es handelt sich also um einen Digitalausgang, der das Quellsignal bitgenau ausgibt (kein Beschneiden der Bits durch "digital volume control", bei Anwählen der "Raw" Option in der Konfig kein Resampling). Die digitale Lautstärkeregelung kommt erst danach und interessiert nur diejenigen, die auch den internen DAC nutzen und analog rausgehen.

Wenn man die gleiche Datei auf zwei verschiedenen Clients abspielt, die beide über s/pdif an die gleiche Kette "Reclocker + DAC + Lautsprecher" rausgehen (bei unserem Test wurde einfach umgestöpselt), dann müsste die Lautstärke exakt gleich sein. Die Amplitude ist in den bits doch genau festgelegt. Ein Gerät, das nur Dateien aus dem LAN (bzw. bei Sigi's Teac von der internen Festplatte) annimmt, zwischenspeichert, dekodiert/dekomprimiert und als PCM auf s/pdif ausgibt, sollte an dieser digitalen Amplitudenachse nichts ändern.

Der Linn hat das auch nicht. Den Teac kenne ich nicht, ist da die digitale LS-Regelung deaktiviert? Oder auf den Neutralwert gestellt? Kann ja auch sein, dass der Teac verstellt und deshalb leiser war...

Rudolf, zu Deiner Frage: ja, der Linn kann auch Boosten. 80 ist neutral, alles darüber (digitaler) Boost, darunter (digitale) Abschwächung. Wie gesagt wirkt das aber nur auf den analogen Ausgang - bei unserem Test also nicht!


Ich würde mich trotzdem freuen, wenn einer der Linn-Besitzer das nochmal nachprüft. Hab leider keinen externen Wandler da.


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Beitragvon Rudolf » 15.07.2010, 21:50

Hallo Martin,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Gert hat hier parallel etwas Allgemeines zur digitalen Lautstärkeregelung im Zusammenhang mit Upsampling geschrieben.

Viele Grüße
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Beitragvon Kienberg » 15.07.2010, 23:23

Hallo Rudolf,

Rudolf hat geschrieben:Falls ja, dann könnte natürlich auch das ein Grund dafür sein, weshalb der Linn an demselben Wandler als besser klingend beurteilt wird als seine Kollegen. Denn wir alle wissen: Lautstärke zählt!

so schön es wäre, diese Möglichkeit kann ich auschliessen, denn:

1. war die Lautstärke bei beiden Kandidaten gleich

Habe ich die Lautstärke bei den VV's ( Denon bei mir und den Funk in Zweibrücken) so eingestellt, dass die Pegel, gemessen mit dem Phonic in 3m Entfernung von den FM 701, sowohl beim Teac wie beim Linn exakt auf 80 dB (+-0,5 dB) waren.
Quelle war der folgende File:

Bild

Der Teac war dabei, wie immer auf voller Lautstärke (32), die Lautstärke des Linn kann am Digitalausgang nicht verändert werden, wie Martin oben völlig richtig bereits schrieb:

martino hat geschrieben:Wenn man die gleiche Datei auf zwei verschiedenen Clients abspielt, die beide über s/pdif an die gleiche Kette "Reclocker + DAC + Lautsprecher" rausgehen (bei unserem Test wurde einfach umgestöpselt), dann müsste die Lautstärke exakt gleich sein. Die Amplitude ist in den bits doch genau festgelegt. Ein Gerät, das nur Dateien aus dem LAN (bzw. bei Sigi's Teac von der internen Festplatte) annimmt, zwischenspeichert, dekodiert/dekomprimiert und als PCM auf s/pdif ausgibt, sollte an dieser digitalen Amplitudenachse nichts ändern.

Der Linn hat das auch nicht. Den Teac kenne ich nicht, ist da die digitale LS-Regelung deaktiviert? Oder auf den Neutralwert gestellt? Kann ja auch sein, dass der Teac verstellt und deshalb leiser war...

Rudolf, zu Deiner Frage: ja, der Linn kann auch Boosten. 80 ist neutral, alles darüber (digitaler) Boost, darunter (digitale) Abschwächung. Wie gesagt wirkt das aber nur auf den analogen Ausgang - bei unserem Test also nicht!

2. zählt Lautstärke keineswegs immer ... eigentlich nur, wenn zwei Geräte sich eh kaum in der Qualität unterscheiden

Habe gerade Beethovens Tripelkonzert in der absoluten Starbesetzung einmal mit dem Teac und dann mit dem Linn, aber 5dB leiser gehört. Alle positiven Eigenschaften des Linn waren sehr deutlich hörbar, der viel lautere Teac hatte keine Chance in der gesamten KQ an den Linn heranzukommen, sei es der Schmelz der Streicher, die Tonalität der Blechbläser, der kristallklare Anschlag des Steinways, Ortung, Differenzierung chorischer Register.

Natürlich lieferte, wie auch in Zweibrücken, der PS Audio PPP den Strom für alle am Spiel beteiligten Geräte. :D


Gruss
Sigi
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Beitragvon JoeBroesel » 16.07.2010, 08:56

Hi,

der Klimax hat keinen regelbaren Analogausgang, nur einen mit festem Pegel, deshalb kann ich in ordentlichen Programmen vom Typ Control-Point die Lautstärke dieses Ausgangs auch nicht verändern.

In manchen (unordentlichen?) Programmen, wie z.B. dem Plug Player, da kann ich die Lautstärke verändern, das bleibt jedoch ohne Wirkung auf den Ausgangpegel.

Grüße
J.
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Beitragvon martino » 16.07.2010, 10:13

Hallo Rainer,

ich dachte seit dem CARA 6 Update hätten auch Akurate und Klimax DS die digitale Lautstärkeregelung integriert.

Linn: Cara 6 Released hat geschrieben:Optional digital volume control across full range of DS products

Komisch... Ich komme nur drauf weil ich z.B. eine Diskussion der Vor-/Nachteile im Linn Forum gelesen hatte...

Grüße, Martin
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Beitragvon JoeBroesel » 16.07.2010, 10:57

Hallo Martin,
egal ob das gehen würde oder nicht, bei mir ist es auf jeden Fall ausgeschaltet oder nicht vorhanden,
(und wird auch nicht eingeschaltet ! )
und trotzdem zeigt Plug Player den Volumeregler an und ich kann ihn bewegen.
Beim KinksyDesktop kann ich ihn nur bewegen bei Geräten, die das auch können.

Es folgt: Nicht alle Programme reagieren korrekt auf dieses Feature.

Grüße
J.
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