Vinyl- und Nadelreinigung

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Vinyl- und Nadelreinigung

Beitragvon Hans-Martin » 16.01.2019, 00:06

Rudolf hat geschrieben:Da die Jico-Nadel nicht ganz billig ist und Staub die größte Verschleißverursache darstellt, heißt es jetzt stets die Rillen vor dem Abspielen zu säubern! :D

Hallo Rudolf,

sichtlich hat die Jico-Nadel den geringsten Durchmesser beim Nadelträger und vermutlich auch die geringste bewegte Masse. Dasraus resultiert die geringste Massenträgheit, was auch bei den großen Beschleunigungen aus den Rillenauslenkungsschnellen die geringesten Beschleunigungskräfte und somit geringere Reibwerte zum Vinyl bewirkt. Nach meinem Wissen (angelesen) soll die Reibungshitze dem Diamant am meisten zusetzen.

Staub, der sich zwischen Vinyl und Diamantnadel setzt, wird oft von dieser mitgenommen, es sei denn, er ist bereits in das Vinyl eingeschmolzen und schließlich gibt es den losen Staub, der sich zwischen beiden (dem weichen Vinyl und der harten Nadel) abrollend mitbewegt. Der Staub, der an der Nadel haftet, schont sogar als Schutzschild die Nadel, sorgt aber für Verzerrungen, den Verschleiß reduziert er an der Nadel, jedoch nicht am wertvollen Vinyl. Gegen den eingeschmolzenen Staub mag Salzsäure helfen (habe ich selbst nicht ausprobiert, soll aber funktionieren). Und ein bewegliches Staubkorn ist so, weil wenn man über einen Stein fährt - na und?

Ich habe unter dem Mikroskop Nadeln gesehen, die immer in LencoClean gelaufen sind, der Verschleiß war nach mehr als 10 Jahren nicht erkennbar. Ich kenne genügend Schallplatten, die nach gründlicher Reinigung als verschlissen eingestuft werden mussten, nur das erneute Nassabspielen konnte ein erträgliches Obertonspektrum ohne Kreischen ermöglichen. Die Abkühlung durch die Flüssigkeit fördert die Nadellebensdauer, die Dämpfung durch die Flüssigkeit stellt sich schneller Nadelbewegung entgegen, erhöht den Verschleiß am weichen Vinyl bei hohen Frequenzen.

Trocken abgespielt nach jeder Plattenseite die Nadel reinigen ...
... für weniger Klirr und Erhaltung der teuren Vinylsammlung.
Deine nächste Anschaffung könnte eine Schallplatten-Reinigungsmaschine sein.

Grüße
Hans-Martin
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Nadel-Reinigungsbürste

Beitragvon Rudolf » 16.01.2019, 00:20

Hallo Hans-Martin,

vielen Dank für den Hinweis. Den Aspekt der Hitzeentwicklung (bis hin zur Schmelze!) hatte ich bislang überhaupt nicht auf dem Radar. Umso besser, dass das notwendige Werkzeug bereits zur Verfügung steht:

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Jetzt heißt es also Platte und Nadel bürsten. Mal sehen wie lange ich das durchhalte. :wink:

Viele Grüße
Rudolf
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Beitragvon Hans-Martin » 16.01.2019, 00:52

Hallo Rudolf,

speziell diese Bürste ist mMn zweifellos ein sehr guter Ansatz (sowas lag früher den AKG Tonabnehmern bei), wenn es um die Nadelreinigung geht - auch wenn es Hardliner gibt, die sich über das zu verwendende Schmirgelpapier (2000er aufwärts) oder über aufgekaute angefeuchtete Streichhölzer streiten, mit denen man anhaftenden Staub abstreift. Die Mechanik der Bürste (Zahl der feinsten Borsten und deren Nachgiebigkeit) steht dem Aspekt der Ablösung anhaftenden Staubs (welches Lösungsmittel?) gegenüber.

Die Trocken"reinigung" der Rille mit einer Bürste kann allerdings wegen einer Umverteilung des Staubs in der Rille gegenüber einer Teilentfernung des Staubs sehr zwiespältig betrachtet werden. Die Flüssigreinigung mit Entfernung der Flüssigkeit (samt Schmutz) aus der Rille hat schon Generationen diskutieren lassen. Ob Vakuumabsaugung oder Ultraschall, mit oder ohne Bürsteneinsatz, welches Reinigungsmittel, wie groß der Antistatikmittelanteil usw. hat schon erhitzte Diskussion in anderen Foren bewirkt - zeigt neben der Vielfalt auch die letztlich individuelle geschmacklich-subjektive Einschätzung.

Meine Oma hatte einen Vorwerk-Staubsauger ("Kobold"), wo der Motor mit dem Gebläserotor den Staub aus der Bodendüse ansaugte und nach oben in den Staubsammelbeutel drückte. Ich habe einen Bodensauger, der dem leichten Rohr mit Bodendüse über den flexiblen Schlauch hinterherrollt, der Staub wird durch den Staubbeutel gesaugt, bleibt dort zurück, der Gebläserotor bleibt vom Staub verschont, der Feinstaub wird von elektrostatischen Filtern zurückgehalten.

Wer mit Flüssigkeit den Staub anlöst und auf den Rillenboden sinken lässt, hat keine langfristige Perspektive (sehr häufig mit LencoClean gespielte Platten zeigen dann auch deutliche Nebengeräusche), die Effizienz der Absaugung erscheint mir nach unten gesaugt überzeugender als nach oben hochgezogen. Ich baue mir gerade ein großes Ultraschallgerät um, wo ich erwarte, das der Staub aus der Rille nach unten in das Flüssigkeitsbehältnis mit Bodenabalauf sinkt und ich nach geeigneter Filtrierung die Flüssigkeit wiederverwenden kann, oder gar während des Betriebs wieder oben einfließen lasse.

Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon tovow » 16.01.2019, 02:21

Hallo,

manche schwören ja zusätzlich auf einen Schmutzradierer (Zauberschwamm).

wie hier:
https://www.analog-forum.de/wbboard/ind ... /&pageNo=1

und hier:
https://www.dual-board.de/index.php?thr ... /&pageNo=2

Gibt es mittlerweile sogar bei Netto.
Und mit Styloclean sehr effizient.

Beste Grüße
Theo
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Beitragvon Thomas K. » 16.01.2019, 13:22

tovow hat geschrieben:Hallo,

manche schwören ja zusätzlich auf einen Schmutzradierer (Zauberschwamm).

Hallo Theo,

da erwarte ich völlige Rauschfreiheit, durch Entfernung der Nadel mitsamt Träger. :wink:

Viele Grüße
Thomas
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Beitragvon realperfekt » 16.01.2019, 15:03

... das ist meine Methode zur Er-Findung der Sauberkeit:

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Die "Nadel" der LPS-Zelle hat letztmalig annähernd 2000h gehalten!

Und Pflege braucht dann doch Konsequenz, Ausdauer, Zeit, Zeit ...

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Peter
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Beitragvon Melomane » 16.01.2019, 18:21

Hans-Martin,

hilf bitte meinem Verständnis ein wenig auf die Sprünge:

Hans-Martin hat geschrieben:Ich kenne genügend Schallplatten, die nach gründlicher Reinigung als verschlissen eingestuft werden mussten, nur das erneute Nassabspielen konnte ein erträgliches Obertonspektrum ohne Kreischen ermöglichen.

Die Reinigung hatte den Verschleiß hervorgerufen oder sichtbar gemacht?

Hans-Martin hat geschrieben:Die Abkühlung durch die Flüssigkeit fördert die Nadellebensdauer,

Das verstehe ich.

Hans-Martin hat geschrieben:die Dämpfung durch die Flüssigkeit stellt sich schneller Nadelbewegung entgegen, erhöht den Verschleiß am weichen Vinyl bei hohen Frequenzen.

Und da brauche ich noch ein wenig Nachhilfe, falls "die Dämpfung" im zweiten Satz auch noch Subjekt ist.

Viele Grüße

Jochen
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Beitragvon Melomane » 16.01.2019, 18:24

Thomas K. hat geschrieben:
tovow hat geschrieben:Hallo,

manche schwören ja zusätzlich auf einen Schmutzradierer (Zauberschwamm).

da erwarte ich völlige Rauschfreiheit, durch Entfernung der Nadel mitsamt Träger. :wink:

Das kann passieren, aber bei richtiger Handhabung (mit dem weißen, kleinporigen Teil des Schwamms vorsichtig wie die Igel und nie in Richtung Systemkörper "putzen") kann die Wirkung erstaunlich sein. Und zwar mit keinerlei negativen Nebenwirkungen. ;)

Viele Grüße

Jochen
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Beitragvon tovow » 16.01.2019, 19:18

Hallo,

Thomas K. hat geschrieben:Hallo Theo,

da erwarte ich völlige Rauschfreiheit, durch Entfernung der Nadel mitsamt Träger.

Deswegen hatte ich die Links eingefügt zum Lesen der Erfahrungen anderer. :wink:
Und Grobmotoriker sollte man nicht sein.
Und wie Jochen sagt, sind die Ergebnisse erstaunlich.

Beste Grüße
Theo
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Beitragvon tom539 » 16.01.2019, 19:34

Hallo zusammen,

zur Reinigung des TA empfehle ich den Flux - einen ausführlichen Testbericht findet Ihr hier:

https://www.westdrift.de/test/zubeh%C3%B6r/flux-hifi-sonic/

Viel Spaß bei der Lektüre... :cheers:


Musikalische Grüße
Tom
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Beitragvon cornoalto » 16.01.2019, 19:46

Hallo zusammen,

die wohl ultimativ-gründlichste Methode ist die Behandlung im Ultraschallbecken mit anschliessender Punktabsaugung.

Hier meine DIY-Lösung für etwa 400 € mit einer Spindel für bis zu 10 LPs, welche ca. 15 min im Ultraschallbecken gereinigt werden. Ein Motörchen mit einer gummierten Welle dreht die Platten einmal pro Minute um sich selbst.

Anschliessend erfolgt die Punktabsaugung mittels umgebauten PE-Reibrad-Plattenspieler, einer Teflon-Düse mit unterlegter 0.25mm-Angelschnur, Isoprop+ Antistatik-Mittel und Vakuum-Pumpe. Das funktioniert relativ flott (30 Minuten für 10 Platten) und ist ultimativ gründlich.
Wobei Peters Hannl natürlich viel eleganter daherkommt.

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Viele Grüße

Martin
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Beitragvon Siriuslux » 16.01.2019, 21:59

Hallo Peter,

kann es sein, dass ich das Foto vom Plattenregal schon mal vor ein paar Jahren im Analog-Forum gesehen habe? Das kommt mir irgendwie bekannt vor.

Davon abgesehen, habe ich heute morgen Deinen Micro Seiki an andere Stelle in diesem Forum bewundert.

Gruss, Jörg
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Beitragvon shakti » 17.01.2019, 10:57

meine Plattenspieler von Micro Seiki und techDAS haben eine Vakuum Ansaugen der Platte, was das Abspielen sauberer Platten voraussetzt. Insofern kann ich die Clearaudio Double Matrix Plattenwaschmaschine empfehlen, da diese im Bereich von 60 bis 70 Sekunden beide! Seiten der Platte reinigt.
Fuer staerker verschmutzte Platten gibt es natuerlich noch intensivere Programme.

(mittlerweile gibt es auch noch andere PWM, die beide Seiten gleichzeitig reinigen)

Aber die ca 1min nehme ich mir vor jedem abspielen, sodass meine Tonabnehmer immer eine saubere Platte sehen, was diesen sicherlich gut tut.

Dazu kommt der klangliche Effekt, dass ein saubere Platten besser klingen, vor allem neue Platten haben doch noch einiges an Pressrückständen in den Rillen.


Gruss
Juergen
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Beitragvon realperfekt » 17.01.2019, 12:57

Siriuslux hat geschrieben:Hallo Peter,
kann es sein, dass ich das Foto vom Plattenregal schon mal vor ein paar Jahren im Analog-Forum gesehen habe?

Jörg, das Plattenregal gibt’s bei mir seit etwa 2 Jahren und ich hatte es im AAA-Forum vorgestellt Das System kommt von Stokubo (Berlin), ist erschwinglich und gut aufzubauen.

Zum RX5000 hab ich noch eine kleine Anekdote.
Gekauft habe ich ihn 1979. Ich bestückte ihn mit einem DV505, aber wir 3 wurden keine Freunde!
Darauf besorgte ich mir einen BL91L, der bekam einem SME3012 und einem EMT-System (XSD15) und wir wurden über 25 Jahre beste Freunde. Der Große verbrachte währenddessen sein Dasein behütet, orginal verpackt und bestens aufgeräumt.

Erst als ich von Micha Hubers Thales hörte, das war 2006, und mit ihm Kontakt aufnahm, kam der Abgestellte wieder auf den Tisch. Micha besuchte mich seinerzeit und wir diskutierten über den Thales-Arm und Support für die mech. Integration am 5000er .. und er nahm den Dreher samt Auftrag mit nach Schaffhausen. Etwa 8 Wochen später stand dann das Ensemble, dann auch bestückt mit einer LP-Zelle, bei mir auf dem Podest und das funktionierte dann wirklich sehr gut. Dass das System noch weitere Optimierungen/Herausforderungen barg, brachte die Zeit, Erkenntnisse, und techn. Möglichkeiten mit sich.

Peter
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Beitragvon Thomas K. » 17.01.2019, 18:21

tovow hat geschrieben:Hallo,

Thomas K. hat geschrieben:Hallo Theo,

da erwarte ich völlige Rauschfreiheit, durch Entfernung der Nadel mitsamt Träger.

Deswegen hatte ich die Links eingefügt zum Lesen der Erfahrungen anderer. :wink:
Und Grobmotoriker sollte man nicht sein.
Und wie Jochen sagt, sind die Ergebnisse erstaunlich.

Hallo Theo,

die Anmerkung mit dem Grobmotoriker trifft zwar auf mich nicht unbedingt zu, aber die Feinmotorik ist in meinem Alter nicht mehr das was sie mal war. Ich bleibe lieber beim Carbonbürstchen wie Rudolf eines vorgestellt hat.

Viele Grüße
Thomas
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