Aktiv geregelter LS: Sonus Natura Audire

Diskussion über aktive Schallwandler

Beitragvon tom539 » 22.05.2016, 14:09

tom539 hat geschrieben:Hallo Cay-Uwe,

da hast Du ein schönes Projekt am Laufen - sieht gut aus und ich bin sehr interessiert.
Stelle mich als möglicher Testkandidat zur Verfügung, wenn es Recht ist... :wink:

Vielleicht wird ja die Audire mein Einstieg in den aktiven LS-Betrieb :cheers:

Hallo zusammen,

gestern war ich zu Besuch bei Cay-Uwe und habe mir die Audire angesehen bzw. gehört. Ich hatte meine Super10 von Kudos im Gepäck, um einen direkten Vergleich der beiden Lautsprecher mit identischer Elektronik und im selben Hörraum zu haben.

Nach der Begrüßung und einem kleinem Smalltalk (Kollege Maldix war auch zur Hörprobe mitgekommen) haben wir zunächst mit der Super10 gestartet, damit ich mir ein Bild vom Klang meiner Lautsprecher im Hörraum machen konnte. Die Sitzposition wurde etwas weiter oben ja bereits beschrieben – zu Hause sitze ich dann doch noch weiter weg (2,30m zu 3,30m).

Cay-Uwe hat die Lautsprecher kurz anhand seiner Teststücke gecheckt und entsprechend ausgerichtet, so dass ich nun auf dem Sweetspot platznehmen konnte. Doch was ich dann hören musste, hat mir gar nicht gefallen. War das wirklich meine Box, die mir zu Hause so viel Spaß bereitet?

Hier klang das sehr steril, kalt und ziemlich leblos. Der Hochton, der zugegebener Weise bei der Kudos sehr „ausgeprägt“ ist, spielte omnipräsent und ziemlich schrill – von einer emotionalen Wiedergabe und entsprechendem Musikgenuss war das ziemlich weit entfernt.

Nach einigen Stücken war die Super10 warmgespielt und der Klang wurde etwas differenzierter und homogener, aber der LS spielte hier wirklich deutlich schlechter als bei mir zu Hause.
Zusammengefasst kann man sagen, dass ich so eigentlich keine Musik hören möchte.

Aber nun genug der Worte über die Super10 – schließlich geht es hier um die Audire!


Nach erfolgtem Umbau wieder kurz der Check bzgl. Positionierung von Cay-Uwe, wobei die Position auf dem Boden entsprechend markiert und das daher schnell erledigt war. Erneut durfte ich auf dem Sweetspot platznehmen. Wir haben dann zunächst seine Standard-Teststücke gehört, die u.a. Keith don´t go von Nils Lofgren sowie die 2009er-Version von Yello´s Oh yeah beinhaltet. Vielleicht kann Cay-Uwe die Playlist ja hier noch ergänzen.


Was für ein Unterschied!
Ein extrem harmonisches Klangbild mit nicht ortbaren Lautsprechern, gepaart mit enormer Spielfreude. Der Übergang zwischen den Treiber quasi nicht zu hören.
Hier machte es direkt von Beginn an Spaß, der Musik zu lauschen.

Anhand eines Stückes mit japanischen Trommeln und Oh yeah konnten wir dann die Bass-Qualitäten und beim ersten Stück – was ich allerdings nicht kannte – die räumliche Abbildung der Audire erleben. Es ist war für mich sehr erstaunlich, wie extrem präzise, druckvoll und „trocken“ der Bass wiedergegeben wurde. Hohe Pegel sind absolut kein Problem, instinktiv denkt man: „da geht noch was – lauter…“.

Im direkten Vergleich bei mir zu Hause macht sich die andere Abstimmung des LS sehr gut bemerkbar. Während bei mir der untere Bassbereich (vielleicht auch bedingt durch die 2. Längsmode bei 44hz) stärker betont wird und die Wiedergabe somit etwas „fülliger“, aber eben auch unpräziser macht, ist bei der Audire eher der Ober- bzw. Kickbass etwas mehr „im Fokus“ – dadurch wird die Wiedergabe deutlich „knackiger“, druckvoller und präziser. Hat mit jedenfalls sehr gut gefallen!


Die Audire jetzt nur auf die enorme Pegelfestigkeit und Bass-Qualität zu beschränken, wäre aber nicht fair und würde ein falsches Bild auf den LS werfen. Es macht auch oder gerade bei moderater Lautstärke (bin ja nicht so der Lauthörer) unheimlich Spaß, „seiner“ Musik zuzuhören.

Manche Setup´s „verschlucken“ bei eher gemäßigtem Pegel so manche Details – nicht so die Audire. Eines meiner Lieblings-(Test)stücke ist Senses von der Band Cultured Pearls. Hier spielen die Glöckchen für mich eine entscheidende Rolle: wie fein differenziert und ortbar werden diese wiedergegeben?

Die Audire hat diese „Aufgabe“ wirklich sehr gut gelöst und sie auch differenzierter als bei mir zu Hause dargestellt.
Mit verschiedenen Tempowechseln innerhalb eines Stückes – getestet mit Just to Feel Alive von Nadia Reid – hat die Audire ebenfalls kein Problem.
Die Schlagzeugparts werden absolut realistisch (wobei ich das Original natürlich nicht kenne) wiedergegeben und machen den Song (jedenfalls für mich) so extrem faszinierend. Kommt ein Setup hier nicht direkt „auf den Punkt“, wirkt der Song einfach nur „langweilig“…

Gleiches gilt für Unputdownable von Roisin Murphy – die Atemgeräusche zu Beginn des Tracks extrem realistisch und sehr gut zu hören, wenn dann bei 1:15min die Bass-Töne einsetzen und der Song komplexer wird, kam sofort Gänsehaut-Feeling auf.

Fink´s Live-Aufnahme von Trouble's What You're In und Sort of Revolution sind wohl die beiden Songs, die ich im in den letzten sechs Monaten mit Abstand am häufigsten gehört habe – so natürlich auch gestern auf bzw. mit der Audire. Direkt füllte ich mich mit etwas höherem Pegel wieder in das fantastische Konzert in den Hamburger-Docks zurückversetzt…


Hier noch weitere Stücke der Playlist:
  • Witmer Trio - St. Louis Blues - Album: En Azul
  • Big Daddy Wilson - Intercity Train - Album: Live in Europe - from Bremen to Paris
  • Eric Bibb - Connected - Album: Live à Fip
  • Nadia Reid - Just to Feel Alive - Album: Listen To Formation - Look For The Signs
  • Booka Shade - Duke - Album: The Sun & the Neon Light
  • FKA Twigs - Figure 8 - Album: M3LL155X
  • Roisin Murphy - Unputdownable - Album: Hairless Toys
  • Fink - Trouble's What You're In - Album: Wheels Turn Beneath My Feet
  • Cultured Pearls - Senses - Album: Space Age Honeymoon


Vielleicht noch ein paar Worte zur Optik und Verarbeitung der Audire.
Sie wird auch Stark-Furnier hergestellt. Dies ermöglicht eine minimale Fase an den Kanten, wodurch der LS nicht wie ein „Vierkant“ aussieht, sondern leicht „abgerundet“ wirkt.

Das Serienmodell wird noch ein paar Zentimeter breiter (und zur Wahrung der Proportionen im gleichen Umfang tiefer), damit der Tieftöner bündig in das Gehäuse passt und auch wie der Hochtöner (auf Wunsch) plan mit der Front abschließen kann. Auch sind verschiedene Furniere möglich, bei mir würde dass dann helle Eiche oder vielleicht Ahorn werden, wobei ich die innere Front wie beim Prototypen in dunklen Anthrazit belassen würde.


Als ich dann gestern Abend wieder zu Hause war, „musste“ ich natürlich die Teststücke (diesmal ohne Subwoofer) noch einmal anhören.
Klanglich liegen die beiden Setup´s jedenfalls nicht sehr weit auseinander – wie mit den bereits oben beschriebenen Unterschieden. Die Raumbreite von Cay-Uwe beträgt genau wie bei mir 3,20m und die Positionierung der LS bis auf ein paar Zentimeter auch nahezu identisch, der Hörabstand ist bei mir etwas größer. Die Audire würde also ziemlich „perfekt“ in meinen Hörraum passen…


Wie geht es nun weiter?

Cay-Uwe möchte nun noch neuere Bauteile für die Elektronik der Endstufen testen sowie die Sensorregelung der Tieftöner einbauen. Wenn dies erfolgt ist, wird es wohl ein Hörtermin bei mir und mit der vorhandenen Elektronik geben. Da bin ich wirklich sehr gespannt, wie die Audire in meinem Hörraum klingt – ich könnte mir sehr gut vorstellen, bei einem entsprechenden Ergebnis auf den Lautsprecher von Cay-Uwe zu wechseln.

Bilder haben wir auch gemacht – auch wenn diese sich nicht viel von den bereits geposteten unterscheiden…

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Und noch ein paar mit meiner Kudos:

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Ich hoffe, ich konnte mit meinem kleinen Bericht ein paar Eindrücke über die Audire vermitteln und dem ein oder anderen „Lust“ auf das aktuelle Konzept von Cay-Uwe machen... :cheers:


Gruß, Tom
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Beitragvon whn » 22.05.2016, 17:52

Hallo cay-uwe,

cay-uwe hat geschrieben: In Zahlen dargestellt sprechen wir über folgende Eckdaten:

Konzept: 3-Wege analog aktiv, Sensor geregelter Tieftöner
Trennfrequenzen: ca. 400 Hz, 4 kHz
Weichentoplogie: Linkwitz Riley 2.Ordung (LR2)
Chassis: 8" Tieftöner, 3" Coax-Mitteltöner mit 1" Kalotte

Nachdem ich den gesamten thread noch einmal durchgelesen habe ist mir die Konfiguration der eingebauten Elektronik noch nicht ganz klar (möglicherweise habe ich es auch einfach überlesen):

Das analoge Eingangssignal geht in die Elektronische 3-Wege Frequenzweiche gefolgt von 3 separaten Endstufen unterschiedlicher Leistung, also vom Konzept her vergleichbar mit den analogen Neumann Monitoren? Ist das so korrekt?

Gruß, Wilfried
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Beitragvon cay-uwe » 22.05.2016, 18:14

@ Tom,

ich war überrascht Dein Bericht schon heute hier zu sehen, weil Du mir sagtest, dass Du im Moment viel um die Ohren hast. Daher danke ich Dir besonders, dass Du Deine Eindrücke so schnell zusammengefasst hast und natürlich auch für den gestrigen spontanen Besuch.

Es freut mich, dass Dir insgesamt jetzt schon die tonale Balance, und darum ging es bei dem Feedback um das ich gerade bitte, so gut gefallen hat. Ich denke auch der Vergleich zu Deinen aktuellen Lautsprechern zeigt einmal mehr wie wichtig das Zusammenspiel Lautsprecher - Raum ist. Da nicht jeder Interessent optimale Bedingungen schaffen kann, versuche ich typische Eigenschaften von üblichen Hörräumen mit in meine Konzepte zu integrieren. Dazu gehört im Wesentlichen eine gleichmäßige, etwas gerichtete Abstrahlcharakteristik. Diese Voraussetzung ist mit dem gewählten Coax bestens bei der AUDIRE adressiert.

Wie Du schriebst, werden meine nächste Schritte die Integration der Endstufen in die AUDIRE sein, die im Moment wie auf den Bildern zu sehen ist extern gelagert sind. Dazu werde ich die Aktivweiche konzipieren, die praktisch schon fertig ist, weil ich auch vorherige Modelle von mir zurück greifen kann ( siehe Sonus Natura 331, bzw. 331 SE ). Parallel dazu werde ich die Regelung in einer getrennten Box testen und entwickeln. Wie ich bereits sagte, kann ich so die AUDIRE schon mal vorführen damit sich Interessenten ein Bild über die allgemeine Klangcharakteristik der AUDIRE machen können und gleichzeitig kann ich an der Regelung arbeiten. Ich bin auch sehr sicher, dass mir die Restaurierungen einiger Philips MFB Boxen da zu Gute kommen wird.

@ Wilfried,

wie beschrieben, wird es eine 3-Wege Aktivweiche geben und dazu jeweils ein Verstärker pro Weg. Diese Teile sind auf den weg zu mir. Im Momnet habe ich alles wie auf den Bildern von Tom zu sehen ist, extern gelagert und betreibe die Boxen über meine TRIVIUM ( DSP DAC Vorverstärker ). Mit den eingebauten drei Endstufen in den Boxen, könnte ich auch die TRIVIUM mit ins Konzept einbinden :wink:
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Beitragvon whn » 22.05.2016, 18:48

Hallo cay-uwe,

cay-uwe hat geschrieben:
@ Wilfried,

wie beschrieben, wird es eine 3-Wege Aktivweiche geben und dazu jeweils ein Verstärker pro Weg. Diese Teile sind auf den weg zu mir. Im Momnet habe ich alles wie auf den Bildern von Tom zu sehen ist, extern gelagert und betreibe die Boxen über meine TRIVIUM ( DSP DAC Vorverstärker ). Mit den eingebauten drei Endstufen in den Boxen, könnte ich auch die TRIVIUM mit ins Konzept einbinden :wink:

Vielen Dank für die Informationen. Mir geht es um den (Wieder-) Aufbau meiner Multichannel Anlage, die ich bis zum Abbau/Umzug mit 5 Kef Q1 (Coax Chassis)betrieben habe. Dein Audire Konzept gefällt mir gut wegen des klassischen aktiven Aufbaus (passiv kommt für mich nicht mehr in Frage) und nicht zuletzt auch wegen des Coax Chassis. Da ich als mehrkanalige Quelle ausschließlich DSD Material in Form von SACD oder DSD-Files zuspiele kommt mir eine DSP-freie Lösung gerade recht.

Ich werde jedenfalls den Fortgang Deiner Entwicklung mit höchstem Interesse weiterverfolgen.

Gruß, Wilfried
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Beitragvon tom539 » 22.05.2016, 19:56

cay-uwe hat geschrieben:@ Tom,

ich war überrascht Dein Bericht schon heute hier zu sehen, weil Du mir sagtest, dass Du im Moment viel um die Ohren hast. Daher danke ich Dir besonders, dass Du Deine Eindrücke so schnell zusammengefasst hast und natürlich auch für den gestrigen spontanen Besuch.

Es freut mich, dass Dir insgesamt jetzt schon die tonale Balance, und darum ging es bei dem Feedback um das ich gerade bitte, so gut gefallen hat. Ich denke auch der Vergleich zu Deinen aktuellen Lautsprechern zeigt einmal mehr wie wichtig das Zusammenspiel Lautsprecher - Raum ist. Da nicht jeder Interessent optimale Bedingungen schaffen kann, versuche ich typische Eigenschaften von üblichen Hörräumen mit in meine Konzepte zu integrieren. Dazu gehört im Wesentlichen eine gleichmäßige, etwas gerichtete Abstrahlcharakteristik. Diese Voraussetzung ist mit dem gewählten Coax bestens bei der AUDIRE adressiert.

Hallo Cay-Uwe,

gern geschehen :cheers:

Du schreibst, dass das Zusammenspiel LS - Raum sehr wichtig ist. Das stimmt - ich gehe aber noch einen Schritt weiter und sage, das komplette Setup muss zusammenpassen. Also neben Raum und LS, die sicher zu einen großen Teil den Klang ausmachen, eben auch die Elektronik selbst, Verkabelung, Rack und sonstige "Helferlein"...

Das soll jetzt das gestern gehörte und von mir beschriebene nicht abwerten - das Gesamtpaket muss halt "passen". Und das hat es gestern mit der Audire jedenfalls getan, mit meiner Kudos hingegen nicht.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es mit der Audire weitergeht und wie sie bei einem Hörtermin bei mir klingen wird...


So - genug geschrieben für heute. Jetzt wird Vinyl gehört 8)

Gruß, Tom
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Beitragvon cay-uwe » 23.05.2016, 05:46

Tom,

da hast Du natürlich auch recht, die Kette muss auch passen. Das Thema hatten wir ja am Ende der Hörsession auch etwas besprochen. Deswegen werde ich ja noch Test machen mit anderen Endstufen, die neuen HYPEX. Die Vorstufe bzw. der Zuspieler ist auch wichtig und wie ich Dir sagte, gefällt es mir persönlich vom Klang her mit der TRIVIUM sehr gut. Sie besitzt eine Klang den ich als "neutral" oder "Allrounder" bezeichnen würde ( wichtig wenn man entwickelt ) und ist weniger "spritzig" als der in meinen cocktail Audio X40.
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Beitragvon Raal » 23.05.2016, 19:15

Hallo Cay-Uwe,

ich lese da Hypex und du sagst mir nix. :mrgreen:

Viele Grüße
Andreas
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Beitragvon cay-uwe » 24.05.2016, 09:16

Andreas,

manchmal treffe ich Entscheidungen alleine :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Aber in Ernst, ich hatte in meinen Vorstellungsthread geschrieben, dass ich auf der diesjährigen "Pro Light & Sound" in Frankfurt ein paar neue interessante Amps von Hypex, ICEpower, usw. kennengelernt habe und ich mir dafür Testmuster geordert habe.

Hypex wird wohl als erstes ausliefern und die probiere ich dann sofort aus sobald ich sie habe.

Dieser Tage bekam ich weiteres Feedback zur Vorserien AUDIRE von einen guten Bekannten, der mir schon seit Jahren immer wertvolles, aber vor allen Dingen ehrliches, Feedback zu meinen Entwicklungen gibt. Er hat mir erlaubt seine Eindrücke über die AUDIRE in Foren, etc. zu stellen. Hier seine Zusammenfassung:

Es ist fast schon eine Tradition, daß ich die Gelegenheit habe, neue Lautsprecher am Ende ihrer Entwicklungsphase auf Einladung von Cay-Uwe, Probe zu hören.

So war es auch diesmal, das neue Modell „Audire“ ist in einem Vorserienstadium und ich konnte es mir einmal ausgiebig anhören.

Koax - es ist wieder ein Koax, wo ich doch Koaxe nicht mag, völlig irrational habe ich immer den Eindruck: „da fehlt ein Chassis“!

Es fehlt natürlich kein Chassis, die Box ist eine aktive 3-Wege Konstruktion in einem sehr kompakten Gehäuse, ein Mittel-Hochton Koax wird von einem Basschassis unterstützt.
In Bewegung gesetzt werden sie von Schaltendstufen, die ihre Signale aus einer analogen Weiche beziehen. FIR Digital wird es auch noch geben, ebenso wie eine Regelung des Basses, hier wurde aber das Basismodell gehört.

Ich habe ja schon mehrere Hörberichte zu Sonus Natura Lautsprechern verfasst und falls die jemand gelesen haben sollte, wird er feststellen, das es immer ein paar „Auffälligkeiten“, besondere akustische Eigenschaften und für unterschiedliche Käuferprofile, unterschiedliche Klangschwerpunkte anzumerken galt.

Ich habe mit dem Schreiben des Berichtes ein paar Tage warten müssen, denn mir blieb einfach keine „isolierte“ Eigenschaft in Erinnerung, man könnte sagen, ein eigenschaftsloser Lautsprecher, kann aber falsch verstanden werden, er ist im besten Sinne transparent und hält sich einfach aus der Wiedergabe raus.

Die "Audire" klingt, wie ich einen Lautsprecher mag, klar, transparent, kein musikalisches Detail wird unterschlagen, der Lautsprecher präsentiert alles luftig, knackig und mit einem Bass, den man den kleinen Boxen nicht zutraut. Er ist dabei kontrolliert, mit einer guten Balance aus Knorrigkeit und Volumen und klingt für mich dadurch sehr realitätsnah.

Es ist auch das erste Mal, das in Cay-Uwes Hörraum eine gute Räumlichkeit auch in die Tiefe zu hören war, so hatte ich es zuvor dort noch nicht gehört. Dabei bleibt die Ortbarkeit und der natürlich Raumeindruck auch erhalten, wenn man nicht im Sweet Spot angenagelt ist, sondern sie gibt einem einen gewissen „Freiraum“. Sehr gut!

Die "Audire" hat auch keine „Lieblingsmusik“, ihr ist es schlicht egal, welches Material sie wiedergibt, dabei ist sie durchaus pegelfest, was Cay-Uwe nachdrücklich mit Metallica vorgeführt hat. Erstaunlich für mich ist, das sie einem auch mit dieser Musik und bei diesen Pegeln nicht das (mein!) Trommelfell durchsägt…

Aber natürlich gibt es da auch Limits für einen so einen kompakten Lautsprecher, aber da zieht einfach die Physik die Grenzen, in „normal“ großen Räumen, dürfte der Maximalpegel mehr als ausreichend sein. Dabei gibt es auch noch ein sinnvolles Feature, man kann den Frequenzgang über einen weiten Bereich zu den Höhen hin um 1dB abfallen lassen, oder in einer anderen Schalterstellung linear belassen.

Dies ist angenehm, da man auf die Raumakustik etwas reagieren kann, bei Cay-Uwes Raum hat mir der leicht fallende Charakter besser gefallen, der dortige Hörraum klingt ein bisschen „heller“, weniger gedämpft, als meiner und so kann man in Nuancen anpassen. Wir werden das Ganze nochmal in meinem Hörraum ausprobieren.

Chassisregelung? Ja, die ist in Entwicklung, schon eine feine Sache - wenn sie denn Sinn macht!

Der Bass klingt auch schon so sehr sauber, das Chassis macht wohl kaum Fehler und verhält sich auch meßtechnisch einwandfrei. Wozu dann über die Regelung Fehler korrigieren, die gar nicht da sind?

Etwas mehr Maximalpegel? Könnte ein Argument sein, aber das müssen Kaufinteressenten mit sich ausmachen.

In Summe: ein kompakter, aktiver Lautsprecher, der klar, detailliert und transparent mit einem profunden Bass spielt und dabei diese Durchhörbarkeit nicht durch Nervigkeit erkauft.

Cay-Uwe, alles richtig gemacht und nochmal Danke für die Einladung und den interessanten Hörabend!
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Beitragvon cay-uwe » 30.05.2016, 06:02

Am Wochenende wurde lange an der Entwicklung der Aktivweichenplatine gearbeitet und erste Platinenlayouts wurden per Software schon mal entworfen und optimiert.

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So in etwa wird die Platine aussehen, wobei noch die letzten Details dieser Tage noch finalisiert werden, da die endgültigen AMPs weitere Änderungen bedeuten können.
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Beitragvon cay-uwe » 29.06.2016, 10:10

Leider verzögert sich das Weiterkommen mit der AUDIRE etwas, da ich die Endstufen noch nicht bekommen habe, aber mittlerweile sind die ersten Prototypen-Platinen bei mir eingetroffen und sie werden in den nächsten Tagen bestückt.

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Die Schaltung sieht einen symmetrischen Eingang vor, bei den ich nicht wie sonst üblich einen Operationsverstärker als Differenzverstärker nutze. Ich habe mich dagegen entschieden, da diese Art der Beschaltung dafür sorgt, dass der invertierende Eingang einen anderen Eingangswiderstand als der nicht invertierende besitzt. Da mittlerweile die invertierende Eingänge recht niederohmig ausfallen, sehe ich hier für manche Vorstufen, z.B. Röhren, Probleme. Ich habe mich für eine Schaltung entschieden, bei der beide Signale den gleichen Eingangwiderstand sehen und dieser wird im wesentlichen von Widerständen bestimmt die eingesetzt werden. Solche Schaltungen brauchen mehrere OP-AMPs ( je nach Beschaltung ), weshalb sie nicht so oft zu finden sind ( Kosten ? ). In meiner Beschaltung wird der Eingangswiderstand für beide Signale ca. 10kOhm betragen. Das sehe ich als einen sehr praktischen Wert an und sollte für die unterschiedlichsten Ausgangsstufen kein Problem darstellen.

Ansonsten beinhaltet die Schaltung die üblichen Features, wie Weiche ( LR2 Charakteristik ), Bafflestep-Korrektur und Regelschleife für die Sensorik des Tieftöners, usw.

So wie es im Moment ausschaut wird es Ende Juli bis ich wieder über den Fortgang berichten kann :wink:
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Beitragvon phase_accurate » 30.06.2016, 08:41

Hallo Cay Uwe

Ein interessantes Teil für symmetrische Eingänge ist das hier:

http://www.ti.com/lit/ds/symlink/ina134.pdf

Falls die Gleichheit der Eingangswiderstände wichtig ist, kann dies mit einem Parallelwiderstand am nichtinvertierenden Eingang ganz einfach bewerkstelligt werden.

Gruss

Charles
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Beitragvon KSTR » 30.06.2016, 10:25

Meiner Erfahrung nach gibt es nur eine wirklich gute Eingangschaltung für symmetrische Verbindungen, und das ist die von Bill Whitlock (Jensen), zu kaufen als THAT120x Line Receiver von ThatCorp (ist auch patentiert).

Etwas schlechter ist ein Diff-Amp mit Buffern vornedran, so wie du es wohl jetzt gemacht hast, dem fehlt die extrem hohe Gleichtaktimpedanz bei Audiofrequenzen.

Der normale Diff-Amp ist klar am schlechtesten und nicht kontrollierten Umständen.
Fußnote : Den Fehler die normalen Subtrahierer im Stromfluss ggü Masse ausgleichen zu wollen mit diesem "3:1-Trick", machen fast alle mal. Ich bin da mittlerweilen nach etlichen Versuchen voll bei Douglas Self : DON'T!
Die gemessene CMRR ist eh schon mäßig (abhängig vom Matching der Widerstände) und bei Impedanzunsymmetrie geht sie voll in den Keller und schlimmer noch, die Impedanzunsymmetrie stellt sich nun schon bei gematcher Quellimpedanz ein, d.h. wenn/weil die Impedanzen um den OpAmp nicht gleich sind, wird alles nur noch schlimmer, auch und besondern bei HF (deswegen gehören auch niemals Kondensatoren über die beiden Endwiderstände (den nach Masse und den zum Output), die zerhageln das Matching bei HF erst recht.

Ich benutze nur noch die THAT Bausteine, die brauchen aber etwas Aufmerksamkeit an den Inputs damit es HF nicht demoduliert...
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Beitragvon uli.brueggemann » 30.06.2016, 10:26

Siehe auch That1240, kompatibel zum INA134
Aussage hierbei: Extremely precise internal resistor matching: typ 0.005%. Was denn mit einer externen diskreten Schaltung eher schwierig zu realisieren ist.

Grüsse
Uli

PS: Klaus war schneller :)
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Beitragvon cay-uwe » 30.06.2016, 11:07

Charles,

das wäre auch eine Möglichkeit gewesen :wink:

Nun bin ich eine anderen Weg gegangen, der mir weitere Möglichkeiten der Anpassung anbietet, falls es mit dem was ich geplant habe es nicht so hinhaut wie gewünscht, wovon ich nicht ausgehe :D

P.S. Sehe gerade, dass Klaus und Uli auch Kommetare abgegeben haben. Danke dafür :cheers:

Ich habe mich auch etwas kundig gemacht gehabt und bin auf folgende Webseite gestoßen, die einige Möglichkeiten aufzeigt. Ich habe mich für die Variante in Fig. 13 entschieden. Das hatte ich zuvor noch nicht gesehen und bietet mir was die Eingangsimpedanz anbetrifft einiges an Möglichkeiten, aber auch in Hinblick auf die Rückkopplung bekomme ich je nach Dimensionierung eine Verstärkung von > 6 - 12dB, was sich sich bei einer anschließenden Rückkopplung ( ich gehe von ca. 20dB aus ) bezahlt machen kann.

http://www.douglas-self.com/ampins/bala ... lanced.htm

Es ist ja eine Prototypplatine und die Ergebnisse werden zeigen, was das letztendlich alles bringt oder an "Problemen" macht.
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Beitragvon Rainair » 30.06.2016, 16:21

Hallo cay-uwe,

...schade, dass ich deine Platinen-Layouts erst jetzt gesehen habe, denn als Profi-Layouter hätte ich dir vorher die folgenden Tips zum Layout gegeben:

1. Sehr gut, dass die Platine 2-seitig ist, aber noch besser wäre gewesen, alle Signalleitungen auf der Unterseite zu verlegen und die Oberseite nur mit Massefläche auszufüllen. Zur Not dürfen die Power-Bahnen auch auf die Oberseite.
2. Minimale Leiterbreite für Signale min. 1,0 mm; (klingt besser !) für Powerbahnen min. 1,4 - 2,0 mm. Wenn sie noch dicker sind: Umso besser.
3. Bauteile so um die OP´s anordnen, dass die Eingänge (und zwar alle) möglichst kurz sind; die OP-Ausgänge dürfen ruhig etwas länger sein, da niederohmig.
4. Ein- und Ausgangs-Leiterbahnen niemals parallel führen, auch nicht auf kurzen Strecken.
5. Nicht zwischen den IC-Beinchen mit irgendwelchen Leiterbahnen durchfahren, es geht auch so.
6. Bei allen Leiterbahnen möglichst grossen Abstand zu anderen Bahnen und Pins.

Jetzt hast du die Platinen ja schon fertigen lassen, ok, vielleicht helfen meine Tips ja beim nächsten Mal.

LG, Rainer
...der seit über 40 Jahren nichts anderes als Leiterplatten-Layouts macht.
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Rainair
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