Aktiv geregelter LS: Sonus Natura Audire

Diskussion über aktive Schallwandler

Aktiv geregelter LS: Sonus Natura Audire

Beitragvon cay-uwe » 27.03.2016, 17:35

Seit den gemachten Erfahrungen mit den Vintage Philips MFB 586 Boxen, beschäftigt mich die Entwicklung eines aktiv geregelten Lautsprechern stärker als zuvor und durch den glücklichen Umstand, dass ich letztes Jahr die ehemaligen Entwickler dieser Lautsprecher kennen lernen durfte, fasste ich den Beschluss selbst so eine Art Schallwandler auf die Beine zu stellen.

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Wie immer werden am Anfang einige Entwicklungsziele gesetzt, die man im Laufe der Zeit durch unterschiedliche Umstände etwas ändern und anpassen muss. So überraschte mich die MFB 586 mit einer für die Größe der Box doch gute Pegelfestigkeit, die nur hier und da für mich den Wunsch an etwas mehr Pegelfestigkeit aufkommen ließ. Dazu muss man wissen, dass der Tieftöner der MFB 586 laut Informationen, die ich bekommen habe, höchstens ein Xmax von ca. 3 mm besitzt. Das beschränkt den Maximalpegel bei 50 Hz auf ca. 90 dB. Das mag zwar für einige Interessenten ausreichend sein, aber Tatsache ist, dass im Bass recht schnell hohe Auslenkungen erreicht werden. Deswegen habe ich mich für einen Tieftöner entschieden, der ein Xmax von 7mm besitzt, wodurch unter gleichen Bedingungen ein Maximalpegel bei 50 Hz von 97 dB erreicht wird. Erfahrungsgemäß erlaubt eine Regelung eine weitere Aussteuerung und es ist nicht unüblich nochmals 3dB an Maximalpegel zu bekommen, ohne wesentliche Erhöhung des Klirrs. Somit sprechen wir davon, dass Maximalpegel im Bereich von ca. 100 dB bei 50 Hz liegen würden, was in etwa dessen entspricht, was der Tieftöner in der Sonus Natura Stella (Xmax 11 mm) zustande bringt.

Lange beschäftigt hat mich das Thema ob es ein 2-Wege oder 3-Wege Lautsprecher werden sollte. Auch hier hat mich die MFB 586 sehr beeinflusst, denn mich hat überrascht wie Pegelfest eine 25mm Kalotte sein kann. Deswegen war mein ursprünglicher Gedanke eine 38 mm Kalotte zu nehmen, die problemlos eine niedrige Trennfrequenz unterhalb von 1 kHz erlaubt hätte. Eine unter hängende Schwingspule hätte außerdem für niedrigen Klirr gesorgt, wie auch das harte Membranmaterial. Allerdings, als ich loslegen wollte stellte sich heraus, dass die Kalotte nicht mehr produziert wird und es einen Nachfolger geben sollte. Die mir zur Verfügung gestellten Daten vom Hersteller sahen sehr vielversprechend aus, doch selbst aus heutiger Sicht (März 2016), ist der Hochtöner noch nicht verfügbar.

Aus diesen Grund musste ich mich nach Alternativen umschauen und habe durch ein Projekt, das ich für einen Bekannten vor ca. 3 Jahren machte, mich an einen Coax erinnert, der zum einen optisch sehr gut zum Tieftöner passt, aber auf der anderen Seite ein weiteres wichtige Merkmal für mich adressiert, nämlich die Abstrahlcharakteristik. Diese sieht sogar noch besser aus als mit dem ursprünglichen Plan eine 38 mm Kalotte einzusetzen, da ich rein theoretisch den Coax schon ab ca. 200 Hz einsetzen kann. Dadurch ergibt sich eine sehr gleichmäßige Schallverteilung sowohl in der horizontalen, wie auch der vertikalen Ebene. Desweiteren kommt noch hinzu, dass die Membran des Mitteltöners sehr gut als Waveguide für den Hochtöner fungiert und im Gegensatz zu vielen Coax-Lautsprecher verläuft der Frequenzgang des Hochtöners selbst auf Achse praktisch makellos.

Nach langen Überlegungen, vielen theroretischen Betrachtungen und Simulation ist am Ende eine kleine Box entstanden, die problemlos jedem WAF standhält.

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In Zahlen dargestellt sprechen wir über folgende Eckdaten:

Maße: ca. 42 x 23 x 30 cm (H x B x T)
Gewicht: ca. 20 kg
Konzept: 3-Wege analog aktiv, Sensor geregelter Tieftöner
Trennfrequenzen: ca. 400 Hz, 4 kHz
Weichentoplogie: Linkwitz Riley 2.Ordung (LR2)
Chassis: 8" Tieftöner, 3" Coax-Mitteltöner mit 1" Kalotte
Sonderausstattung: FIR Controller mit Raumanpassung (Sonus Natura Trivium)

Zusammengefasst standen folgende Entwicklungsziele:

1. Geregelter Tieftonbereich zur Minimierung nicht linearer Verzerrungen
2. Chassis mit harten Membranen um quasi idealen kolbenartigen Hub zu erreichen
3. Gleichmäßige Abstrahlcharakteristik sowohl horizontal wie auch vertikal
4. Für die Größe hohe Pegelfestigkeit
5. Bedingt durch die Größe und Innenkonstruktion, sehr stabiles Gehäuse

Die Regelung im Tiefton wird ähnlich wie in der Philips MFB mit einen Beschleunigungssensor realisiert. Meine gemachten Erfahrungen zeigen, dass diese Art Regelung Vorteile im einfachen Aufbau besitzt, sowie ein problemloses Abtasten des kompletten Hubs des Antriebs erlaubt, die in diese Fall bei bis zu 22 mm liegen.

Um Partialschwingungen oder andere Einflüsse im Einsatzbereich zu vermeiden, die von der Regelung nicht aufgenommen werden können, besitzt der Tieftöner eine harte ALU-Membran, die ihre ersten Resonanzen erst bei ca. 1,2 kHz aufweist, soll heißen, bis zu der Frequenz arbeitet der Tieftöner ideal als Kolben, womit die hauptsächlichen Verzerrungen aus den Nichtlinearitäten des Antriebs her rühren, die stark durch die Regelung ausgeglichen werden.

Ähnlich verhält es sich bei den Mitteltöner, der zwar nicht geregelt ist (würde als Coax auch mechanisch nur schwer zu realisieren sein), der praktisch im ganzen Übertragungsbereich resonanzfrei arbeitet. Das gleiche gilt auch für den Hochtöner und erste Freifeldmessungen haben bereits die Ausnahmequalität dieses Chassis belegt.

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Die Messungen sind nicht geglättet und weisen keine Resonanzen im Einsatzbereich auf, und wie gesagt, finde ich den Frequenzgang auf Achse des Hochtöners bemerkenswert. So einen ruhigen Verlauf kenne ich bei Coaxchassis auf Achse üblicherweise nicht.

Ein letztes Wort noch zur Abstrahlcharakteristik, ein Thema dem ich mich schon seit vielen Jahren widme und auf das ich besonderen Augenmerk lege. Dazu habe ich zwar im Moment nur Simulationen parat, die es gilt messtechnisch zur gegebenen Zeit zu überprüfen, aber die Berechnungen sehen vielversprechend aus. Eine Simulation des Bündelungsgrads gibt ein Bild darüber in welche Richtung es bei der Sonus Natura Audire geht.

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Zur Erläuterung, man strebt einen gleichmäßigen Verlauf insbesondere von ca. 500 Hz – 10 kHz an, was im ersten Ansatz auch gut gelungen ist.

Das soll es vorläufig zu berichten geben und ich werde über den weiteren Fortschritt berichten, auch mit Bildern, und sonstigen Messungen.
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Beitragvon meroVinger-audio » 28.03.2016, 08:00

Regelung und Koax und Cay-Uwe.

Das kann eigentlich nur gut werden :-)

Ich wünsche gutes Gelingen und bin sehr gespannt.

:cheers:

Vg

Peter
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Beitragvon Diskus_GL » 31.03.2016, 11:09

Hallo cay-uwe,

tolles Konzept - ich werde es gespannt verfolgen.

Die Phillips MFB-Boxen fand ich seinerzeit schon sehr interessant. Hab leider nie welche besessen, aber die waren ihrer Zeit voraus und ich fand es schade, daß Phillips da nicht weiter entwickelt hat (vermutlich fehlte das High-End-Image um sie auch zu vermarkten :wink: ). Umso erfreulicher, daß es Dich inspiriert hat ... und wie es aussieht wird das auch was sehr Gutes ...

Grüsse Joachim

PS.: MT von 400Hz bis 4khz mit LR2 - also den (wichtigsten) Mitteltonbereich von nur einem Chassis ... Super!!!
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Beitragvon cay-uwe » 01.04.2016, 11:12

Peter, Joachim,

es freut mich zu lesen, dass Euch mein Konzept gefällt. Heute werden die Serie 0 Gehäuse vom Schreiner abgeholt und ich hoffe ab Ende April weiter berichten zu können :wink:
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Beitragvon cay-uwe » 29.04.2016, 13:22

Ich möchte dieser Ankündigung auch Taten folgen lassen und einen ersten kurzen Zwischenstand über das Projekt abgeben.

Ich habe die Prototypengehäuse von meinen Schreiner vor einigen Wochen bereits bekommen, aber ich war durch die Fertigstellung einiger Bestellungen noch nicht dazu gekommen mich an die AUDIRE zu machen. Da es bei einer der Bestellungen leider Verzögerungen durch Lieferungen von Teilen gibt habe ich dieser Tage kurzer Hand entschieden mal los zu legen.

Doch bevor einmal mehr "kritisiert" wird, dass meine Prototypen immer nur MDF roh sind habe ich mir dem Feedback angenommen und diesmal die Gehäuse in schwarzen MDF fertigen lassen und als erstes habe ich sie mit Wachsöl behandlet, was nicht so schlecht ausschaut :wink:

Nichst desto trotz, muss ich immer wieder staunen, wie viel Zeit vergeht bis man einige Teile eingebaut hat. So z.B. hat das wachsen und das Anbringen von den Gewindemuttern schon mal fast eine Stunde gedauert ...

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Auch wenn es nur ein Prototyp ist, versuche ich dem Endprodukt so nahe wie möglich zu kommen, um Fehler aus nicht konsequenter Umsetzung entgegen zu kommen. Ein sehr wichtiger Aspekt ist die gute Befestigung von den Chassis, aber auch das Gehäuse selber sollte dem Endprodukt weitestgehend entsprechen. Daher wurde es, obwohl es sehr stabil wegen der kleinen Maße ausfällt, die Innenwände mit Dämmmatten versehen, um die üblichen MDF Resonanzen zu bedämpfen. Anschließend werden alle Kabel verlegt und das das Gehäuse absolut dicht sein muss, müssen die Durchbrüche für Kabel auch abgedichtet werden, wie auch natürlich das kleine Gehäuse für den Mittel- Hochtöner. Alleine das hat wieder ca. 2,5 Stunden Arbeit gekostet.

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Danach kann man eine Pause einlegen, denn die Kleber müssen erst mal trocknen und hart werden. Die Zeit habe ich genutzt um eine Kleinigkeit zu essen.

Wer nun glaubt dass die letzten Schritte schnell getan sind, der irrt, auch wenn nur noch zwei Chassis pro Box einzubauen und zu verlöten sind. Die Kabelenden müssen ab isoliert und vor gelötet werden. Diese müssen anschließend vorsichtig an die Chassis angebracht werden und dann müssen die Chassis ordentlich verschraubt werden. Ein kurzer Check ob das Gehäuse des Mittel- Hochtöners auch dicht ist und nichts vom Tieftöner abbekommt und schon ist eine Box fertig. Dasselbe noch für die zweite und man staunt nicht schlecht, dass bereits über 6 Stunden verstrichen sind.

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Da war es bereits weit nach Mitternacht und daher habe ich entschieden am nächsten Tag weiter zu machen. Da steht natürlich alles unter einen anderen Licht.

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Danach vergehen noch unzählige Stunden bis man ( vielleicht liegt es an meinen Ansprüchen ) eine Frequenzweiche hat, die messtechnisch, die gesteckten Ziele beinhaltet. So zum Beispiel hat es mich einige Anläufe gekostet, bis die Abstrahlcharakteristik im Mittel- Hochton so ausgeglichen ausfiel wie ich es mir vorgestellt habe. Dabei stellte sich heraus, dass mein ursprünglicher Plan mit einer LR2 Weiche zu trennen, kontraproduktiv verlief. Einmal mehr hat mir meine bevorzugte 6dB, bzw. flache Trennung zum vorläufigen Stand verholfen. Ich sage, vorläufig, weil sich die Weiche in dem Bereich auch bei Hörproben noch bewähren muss. Auf jeden Fall aber, bin ich froh auf diesen Mittel- Hochtöner Koax zurück gegriffen zu haben, den die versprochene Waveguide-Funktion des Mitteltöners schlägt sich beachtlich gut. Auch verhält sich der Frequenzgang wie eingangs gesagt sehr gutmütig. Alles in Allen sieht es auf Achse im Moment beim Frequenzgang wie folgt aus.

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Bevor einige von Euch über den "Peak" bei ca. 18kHz oder den leichten Einbruch bei ca. 10kHz "monieren", bitte ich zu bedenken, dass es sich hierbei um einen Koax handelt, die sich üblicherweise außerhalb der Achse ( in diesen Fall reichen ein paar wenig Grad ) wesentlich ausgeglichener messen.

Die Anpassung vom Tieftöner an den Mitteltöner hat problemlos wie vorgesehen ( LR2 bei 400Hz ) geklappt und kann kann bereits intensiv Probe hören.

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Das tue ich um heraus zu finden, ob mir das Ganze in meiner gewohnten Umgebung auch gefällt. Dabei ist zu beachten, dass ich den Tieftöner im Moment noch nicht geregelt ansteuere. Ich habe ihn mit einer Linkwitz-Transformation bis ca. 40Hz im Bassbereich linearisiert. Bereits so ist schon zu hören, dass mein Wunsch nach Pegelfestigkeit im Bass gut erfüllt wird und ich davon ausgehe, dass durch die Regelung sich das nochmals steigert.

Im Moment muss ich aus den Gehörten sagen, dass mir der Koax besonders gut gefällt und meine Ansprüche bei weiten übertroffen hat. Eine Sache fällt mir aber besonders auf und das ist die räumliche Abbildung, die ich gerade erlebe. Sie ist typisch für dem was man Koaxe als "Punktschallquelle" nachsagt, gute Ortung und Tiefenstaffelung.

Trotz dieser ersten Ergebnisse bin ich noch lange nicht am Ziel, denn eines der wichtigsten Entwicklungsziele ist noch nicht realisiert, die Regelung im Tieftönerbereich. Das wird noch etwas auf sich warten lassen, denn hier und da stelle ich bereits fest, dass in der Gesamtabstimmung noch etwas Feintuning von Nöten ist. Das ist der Teil, der bei mir am meisten Zeit bei der Entwicklung in Anspruch nimmt, und kann ich bereits jetzt sagen, dass noch einige Monate ins Land verstreichen werden, bis ich zufrieden bin.

Ich halte Euch weiter auf den Laufenden :wink:
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Beitragvon cinematic » 29.04.2016, 13:43

Hallo Cay-Uwe,

die sehen ja mal sehr stimmig aus auf den Bildern, gefällt mir.
Ein so dezenter Coax und dann noch mit Bassregelung, das finde ich als Kombination äußerst vielversprechend.

Viel Erfolg beim Bauen und Abstimmen! :cheers:

Gruß
tom
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Beitragvon tom539 » 29.04.2016, 13:54

Hallo Cay-Uwe,

da hast Du ein schönes Projekt am Laufen - sieht gut aus und ich bin sehr interessiert.
Stelle mich als möglicher Testkandidat zur Verfügung, wenn es Recht ist... :wink:

Vielleicht wird ja die Audire mein Einstieg in den aktiven LS-Betrieb :cheers:
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Beitragvon cay-uwe » 29.04.2016, 14:45

Tom,

so etwas lese ich natürlich mit großer Freude und sobald ich etwas weiter bin mit dem Projekt, erlaube ich mir Dich an Dein "Testkandidat" Angebot zurück zu kommen :wink:

@ "cinematic" Tom,

es freut mich auch von Dir zu lesen, dass mein Projekt auch bei Dir gut ankommt. Danke für die Komplimente :cheers:
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Beitragvon phase_accurate » 29.04.2016, 15:45

Hallo Cay-Uwe

Das Konzept gefällt mir.
Ich wollte so etwas auch schon länger mit meinen Beymas ausprobieren, bin aber bis jetzt nicht dazu gekommen. Man hat hier die Chance etwas ähnliches wie mit einem Manger System zu erreichen mit weniger Kosten und etwas weniger "Zickereien".

Viel spass und viel Erfolg

Charles
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Beitragvon cay-uwe » 08.05.2016, 17:37

Motiviert durch das rege Interesse an der AUDIRE habe ich in der letzten Zeit sehr hart und lange gearbeitet, um mit der Entwicklung voran zu schreiten.

Primär ging es mir darum eine Abstimmung für den Coax zu finden und wie gesagt, den Tieftöner betreibe ich im Moment noch ohne Regelung. Die Entwicklung dafür wird sowieso den größten Anteil an Zeit in Anspruch nehmen.

Wie ich bereits schrieb habe ich unter anderen diesen Coax gewählt, da sich die Membran des Mitteltöners auch als eine Art Waveguide fungiert und somit kommt es einen meiner Entwicklungsziele, der Abstrahlcharakteristik, sehr entgegen. Desweiteren versprachen gemachten Simulationen nicht nur für eine ausgewogene Schallausbreitung in der horizontalen Hörebene, sondern auch in der vertikalen Richtung.

Nach mehreren Ansätzen ( die Simulationen sind halt nicht immer 100% ) hatte ich eine Abstimmung gefunden, die die gewünschte Abstrahlcharakteristik sehr gut erfüllt hat und wie bereits beschrieben konnte ich das mit einen Filter flacher Ordnung erreichen, was mich insofern freute, da das weniger Phasenverschiebungen bedeutet. Darauf lege ich auch sehr viel Wert und so ergab sich vorläufiges Ergebnis des Frequenzgangs leicht außerhalb der Hörachse:

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Aus der Phase ( rote Kurve ) ist sehr gut die LR2 Charakteristik der Trennfrequenz im Tiefton bei 400Hz zu erkennen, da die Phase -90Grad beträgt. Auch insgesamt verläuft sie gutmütig, da sie wenig Phasendrehungen ausweist. Das spiegelt sich auch in der Sprungantwort wieder.

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Wie schon an der Phase im Hochton ( > 3 Khz ) zu sehen ist, bilden der Hoch- und Mitteltöner eine sehr zeitkohärente Einheit, die sich auch in der Sprungantwort wieder findet. Der erste Zacken nach unten zeigt das zeitliche Verhalten davon und ein unerfahrener Betrachter würde eher eine Zwei-Wege Box, mit invertierten Hochtöner darin sehen. Erst bei genauerer Analyse wird man feststellen, dass hier der Hochtöner leicht "voreilt" und zeitlich etwas versetzt der Mitteltöner ins Geschehen eintritt. Der Sprung vom Hochtöner ist nämlich die erste Spitze die nach unten ragt und kurz danach gibt es eine zweite, die vom Mitteltöner herrührt. Der große Buckel der anschließend nach oben geht ist die Sprungantwort vom Tieftöner. Alles in Allen ein Ergebnis, das besser ist als ich es erwartet habe und möglich wurde, da ich flache Filter im Hoch- Mittelton einsetzen konnte.

Das gesetzte Ziel einer gleichmäßigen Abstrahlcharakteristik hat sich auch ergeben wie nachstehende Messungen in der horizontalen Ebene aufwiesen.

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Die leichten Welligkeiten ab ca. 5kHz sind typisch für Hochtöner in Coax und werden außerhalb der Hörachse unkritischer, wobei das insgesamt gesehen ein sehr gutes Ergebnis ist. Ab ca. 3kHz erkennt man gut die Waveguidefunktion der Mitteltönermembran, da die 30° und 60° Frequenzgangverläufe gleichmäßig im Pegel fallen.

Auch die Abstrahlcharakteristik in der vertikalen Richtung ( da sieht man oft so gut wie gar keine Messungen ) verläuft ganz nach meiner Vorstellung und den gesetzten Zielen. Repräsentativ zeige ich mal den Verlauf nach unten, also zum Boden hin.

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Es ergibt ein ähnliches Bild wie in der horizontalen Richtung und durch das Abnehmen des Pegels bei 30° und 60° werden Bodenreflexionen stark minimiert. Besonders gefreut hat mich, dass es bei der Trennfrequenz von ca. 400Hz vom Tieftöner zum Mitteltöner keine Einbrüche zu sehen sind.

Sehr erfreulich fiel auch der Klirr aus, den ich bei mir im Hörraum wie folgt gemessen habe.

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Insgesamt liegt der Klirr sehr niedrig, auch im für das menschliche Ohr kritischen Bereich vom 1kHz. Hier liegen die Werte unter 0,3% und der Bassbereich zeigt sich Klirr arm trotz dessen, dass es keine Regelung gibt. Erfreulich dabei ist, dass die kritischen nicht harmonischen Verzerrungen K3 und K5 im Bass bei 99dBa nicht überhand nehmen und unter den harmonischen Verzerrung K2 bleiben, was darauf deutet, dass das Chassis bei den Pegeln nicht an seine Grenzen stößt.

Alles in Allen kann man messtechnisch gesehen nicht "mosern" und um es mit den Worten von einigen Usern zu sagen, das ist alles schön und gut, aber wichtig ist das Gehörte.

Vorab gemachte Hörproben fielen für mich sehr erfreulich aus. Diese sind natürlich auf meinen Hörraum bezogen und eine reine subjektive Sache. Der Bass ist, obwohl noch keine Regelung vorhanden, sehr präzise und druckvoll. Auch die Pegelfestigkeit kann sich sehen, bzw. hören lassen. Der Coax verrichtet seine Arbeit auch zu meiner vollen Zufriedenheit und selbst bei einem Lied wie "Devil's Dance" von Metallicas CD "Reloaded" kann man Gas geben.

Da man als Entwickler natürlich von seinen Produkten immer überzeugt ist, habe ich den Rat eines meiner schärfsten Kritiker eingeholt, meine Frau. Ich sage es nur, weil sie total unbedarft an die Sache geht. Mit so einer Einstellung bekommt man oft die wichtigsten Rückmeldungen, die auch hilfreich sein können.

Ihr Feedback ist kurz zusammengefasst: "Klingt füllig, klar, aber hin und wieder etwas rau"

In anderen Worten, Bass ist gut, Stimmen klingen sehr echt, aber das "rau" hat mich dann doch nicht losgelassen. Nochmals hinterfragen was "rau" bedeutet, eben "rau" ...

So etwas lässt mir natürlich keine Ruhe und alle Messungen, auch Hörrproben, wurden genauer unter die Lupe genommen. Messtechnisch gab es aus meiner Sicht nur eine Sache die das erklärt, nämlich der etwas ausgeprägte Hang in der Abstrahlcharakteristik, den Bereich bei ca. 2 - 3 kHz stärker zu betonen, was aus den "Ausbeulen" dieses Bereiches unter 30° und 60° zu sehen ist. Ein messtechnischer Check am Hörplatz bestätigt meine Vermutung. Der Frequenzgang verlief bis ca. 3 kHz wie bei vielen anderen Boxen, die ich bei mir im Hörraum gemessen habe, aber darüber fiel der Pegel abrupt um ca. 6dB ab, um dann recht gleichmäßig, wie gewohnt zu verlaufen. Dieser Umstand war auch an verschieden anderen Positionen nahe am Hörplatz zu erkennen.

Also, wieder an Simulationen arbeiten und Ursachen Behebung eruieren. Ergebnis sind zwei weitere Frequenzweichen die den Bereich außerhalb der Hörachse weniger betonen sollten. Eine davon war schnell verworfen, denn sie brachte andere Probleme mit sich, aber nach mehreren Messungen habe ich den "Übeltäter" gefunden, der Hochtöner, oder besser gesagt, die Waveguide Funktion der Mitteltönermembran. Es verhält sich nämlich so, dass unterhalb von ca. 3kHz der Hochtöner ein "Auskeulen" zeigt. Hier wirkt das Waveguide nicht und man muss mit der Frequenzweiche nachhelfen. In diesen Fall eine einfache Sache, die zum Glück für mich nur kleine Anpassungen bedeutet hat, denn ich wollte doch bei meinen beliebten flachen Filtern bleiben :wink:

Kleine Ursache, große Wirkung muss ich sagen, denn das Ganze führte zu einer weiteren Verbesserung die ich ehrlicherweise so nicht vermutet hätte. Der komplette Frequenzgang im Hochton ab ca. 3kHz wurde wesentlich ausgeglichener, oder man könnten sagen ruhiger, wie folgende Messung leicht außerhalb der Hörachse auf Höhe des Coax zeigt.

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Die Änderung der Weiche ist wirklich eine minimale Sache gewesen und der Frequenzgang verläuft nun im Bereich von 0° bis ca. 30° sehr ruhig um dann peau a peau oberhalb von 2 kHz langsam ab zufallen. Mit dieser Weiche kommt der Waveguide nun voll zu Geltung, was anschließend auch durch Hörrproben und Messungen am Hörplatz bestätigt wurde. Prinzipiell bleibt es aber bei der gewünschten Abstrahlcharakteristik und sogar der Klirr fällt in dem Bereich etwas niedriger aus.

Jetzt gefällt mir das Ganze auch wesentlich besser und nachdem ich mehrere Stücke gehört habe, erinnerte ich mich an die Studienarbeit die gerade einer meiner Söhne an der Uni macht, bei der es um Analysen von Produkteinführungen geht und er mir erklärte, dass man sich ein Bild über die Präferenzen der angepeilten Kundschaft machen sollte ...

… und das möchte ich machen und daher lade ich Euch gerne zu mir ein, um ehrliches Feedback zu bekommen, um zu eruieren ob ich auf "den richtigen" Weg bin ;-)
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Beitragvon Pittiplatsch » 08.05.2016, 18:07

Hallo Cay-Uwe,

ich finde es Klasse wie konsequent und nachvollziehbar du hier entwickelst! Sehr lobenswert fuer mich sind die vielen Messungen und der staendige Abgleich mit der Realitaet. Ich finde es ist durchaus ein Qualitaetsmerkmal wenn ein Produkt mit seinen Messwerten nicht hinter den Berg halten muss.

Nach meiner bisherigen Erfahrung hat sich bisher alles gut angehoert was sich auch gut misst und Enttaeuschungen sind da fuer mich bisher ausgeblieben. Auch das Design finde ich als Freund gerader Linien sehr gelungen.

Welchen Abhoerabstand wurdest du denn fuer die Audire ansetzen?

Auf alle Faelle viel Erfolg fuer die weitere Entwicklung. Ich wuerde jederzeit gerne probehoeren, scheide wohl aber als Kunde aufgrund massiver Lautsprecherueberversorgung leider aus (bereits 2 aktive Ketten und 2 passive ....) ...

Viele Gruesse,
Tobias
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Beitragvon cay-uwe » 08.05.2016, 18:16

Tobias,

erst mal danke für Deine ermunternden Worte und es freut mich, dass Dir die Art meiner Berichterstattung gefällt.

Ich höre bei mir in einen Abstand von ca. 2,3 Metern, habe aber festgestellt, dass wenn ich mich in meinen Hörraum auf bis über 4 Metern von der Box entferne die Klangcharakteristik gut erhalten bleibt. Es machen sich natürlich Raummoden bemerkbar, aber gerade der Stimmenbereich bleibt sehr stabil in seiner Wiedergabe.

Ansonsten, mein Aufruf nach Probanden hat sich nicht ausschließlich auf Kaufinteressenten gerichtet, sondern ist ganz allgemein zu verstehen. Ich möchte Feedback und somit ist jeder willkommen der mir ernsthaft Rückmeldungen geben möchte.
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Beitragvon cay-uwe » 16.05.2016, 06:13

Ich habe einen kleinen Zwischenspurt eingelegt und die Prototypen so fertiggestellt, dass sie vom Aussehen der Serie entsprechen, damit sich Interessenten ein besseres Bild über das endgültige Design machen können.

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Ansonsten höre ich schon seit längeren mit der vorab dimensionierten Weiche ohne das ein Wunsch auf Änderungen aufkommt. Ein gutes Zeichen ...
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Beitragvon Fujak » 16.05.2016, 07:45

Hallo Cay-Uwe,

wenn ich mir einen Kommentar erlauben darf: beim Betrachten der Frontseite des Prototypen für die künftigen Serienmodelle würde mir als möglicher Kunde das über die Einfassung hinaus ragende MT/TT-Chassis unangenehm auffallen. Das sieht für meinen persönlichen Geschmack ein bißchen nach DIY aus. Ein paar Millimeter mehr Gehäusebreite, in denen das Chassis bequem Platz hätte, fände ich gefälliger.

Grüße
Fujak
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Beitragvon cay-uwe » 16.05.2016, 13:21

Hallo Fujak,

danke für Deine offenen Worte und Kritik, die übrigens schon von meinen Schreiner geäußert wurde. Das Gehäuse wird ca. 1cm breiter, so dass der Tieftöner Platz rund herum hat :wink:
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