Gert (AGM 3.3, 5.4, 7.4, 9.4, B&M BM 3, 6, 20)

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Beitragvon lessingapo » 15.11.2018, 20:37

...dem schmalen Kopf nach zu urteilen ist das
Buddha Gert auf seinem Thron...

Grüsse
Wolfgang
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Beitragvon easy » 16.11.2018, 12:13

Hallo Gert,

wie von dir gewohnt ein super detaillierter Bericht.
Schmunzeln muss ich aber über den von dir wahrgenommen Kabelklang...ja,ja ,man lernt dazu . :wink:

Lieben Gruß
Reiner
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easy
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Beitragvon Fortepianus » 16.11.2018, 13:11

Hallo Simon,

Daihedz hat geschrieben:Da war doch noch was ... diese Buddah-Statue in Deinem Auditorium? Die macht mich in diesem Kontext doch wieder etwas perplex. Könntest Du was dazu sagen?

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gerne:

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Hallo Wolfgang,

lessingapo hat geschrieben:...dem schmalen Kopf nach zu urteilen ist das Buddha Gert auf seinem Thron...

fast:

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Sagen wir Klavierstuhl dazu, dann passt's:

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Hallo Reiner,

easy hat geschrieben:Schmunzeln muss ich aber über den von dir wahrgenommen Kabelklang...ja,ja ,man lernt dazu .

sicherlich, jeden Tag. Die Lektion mit den Kabeln hatte ich aber schon vorher gelernt, sonst wäre ich ja nicht auf die vorgespannten H-Kabel umgestiegen :cheers: .

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon Fortepianus » 10.12.2018, 20:47

Liebe Musikliebhaber und HiFi-Verrückte,

uns mit unserem Hobby beschäftigen, sowohl, was die musikalische Seite als auch was die technische betrifft, macht uns Freude und eint uns hier im Forum. Manch einer von uns kocht sein Süppchen aber eher im Stillen. Das Salz in diesem Süppchen sind immer wieder gegenseitige Besuche. Mit Horst-Dieter, dessen Forumsname Horse Tea ich selten gelungen finde und der vom Versuch stammt, einem Amerikaner seinen Namen beizubiegen, war ich schon ein Weilchen im Emailaustausch, nachdem ich seinen Linn auf der Digitalseite modifiziert hatte, und zwar als Quelle für seinen Meitner DAC. Es ist ein MA-1 V2, er hat das Upgrade zum Zweier kürzlich bei Meitner machen lassen. Diesem Gerät, mit dem auch Reiner (easy) in der gleichen Kombi hört (G-Linn als Digital-Lieferant), eilt ein ziemlich guter Ruf voraus, so dass ich Horst-Dieter fragte, ob er denn nicht einmal damit vorbeikommen wolle. Der vereinbarte Termin war heute. Wir hatten das Treffen aber natürlich ordentlich vorbereitet, wie sich das für unser Forum gehört. Zunächst haben wir Hörtestfiles ausgetauscht, per Mail über die verschiedenen Stücke und ihre Eignung für den Vergleich diskutiert und uns schließlich auf eine gemeinsame Liste von 10 Files geeinigt, 6 von ihm und vier von mir. Tatsächlich gehört haben wir dann aber mit drei von ihm und drei von mir - ich kenn das schon, man muss sich auf ein paar wenige Files konzentrieren, damit man zum Ziel kommt.

Und wie schon beim Esoteric D03, der kürzlich zum Test und anschließend zum Umbau hier war, besteht die besondere Herausforderung darin, dass der Meitner keine Lautstärkeregelung hat und ich die deshalb offline im Digitalbereich machen muss.

Horst-Dieter kam und brachte zusätzlich zum Meitner noch seinen Linn mit (wär nicht nötig gewesen, davon habe ich drei). Und verschiedene Digitalkabel, teilweise noch in der Tüte versteckt:

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Das Test-Setup war so:

Der G-ADS2 DAC, der schwarze im unteren Fach, geht einmal analog per XLR direkt an die Umschalter vor den AGM 9.4. Von denen habe ich ja kürzlich samt XLR-Verkabelung berichtet. Zweitens geht er über ein Digitalkabel zum Meitner (Oyaide FTVS-510, passend konfektioniert für BNC am Linn und Cinch am Meitner). Dessen Analogausgang wiederum geht über ein zweites identisches XLR-Kabelpaar an den anderen Eingang des Umschalters.

Nach der Begrüßung kam erst einmal Arbeit auf uns zu: Ich hatte mir bereits von allen 10 Hörtestfiles notiert, was eine gute Abhörlautstärke am Linn dafür ist - man kann ihn digital in 1dB-Schritten einstellen und jeder Schritt ist auch exakt 1dB. Manche Files also z. B. mit Stellung 76, manche mit 78 oder manche mit 80. Nun haben wir mit einem voll ausgesteuerten 1kHz-Sinus die Ausgangsspannungen beider Geräte gemessen und dann die Umrechnungsfaktoren bestimmt - ich hatte dafür bereits eine kleine Exceltabele vorbereitet, damit das zügig geht. Das Procedere ist hier genauer beschrieben. Nach der Rechenarbeit kontrolliert man einmal über alles, indem man den ebenfalls mitgefalteten 1kHz-Sinus wieder über beide abspielt und dann hoffentlich die gleiche Spannung an beiden sieht. Irgendwo war noch ein kleiner Fehler drin, der Meitner deshalb 0,07dB zu leise, also nochmal die ganze Prozedur, nur zur Übung, nicht zur Strafe, und am Ende waren die Ausgangspannungen aufs Millivolt gleich.

Kann losgehen!

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Sonata Sopra La Monica From Sacra Partitura For Bassoon, Violin And Basso Continuo. Dieses Stück von Horst-Dieter kennt er sehr gut, vor allem das Fagott und dessen richtige Klangfarbe. Interessant, die beiden Kandidaten spielen ziemlich unterschiedlich. Der Linn sehr direkt, der Meitner dagegen kommt wie auf Samtpfoten daher. Hätten wir nicht aufs mV genau gemessen, ich hätte gewettet, dass er ein klein wenig leiser ist. Sehr entspannt, die Meitner-Darbietung. Im Bass ganz unterschiedlich: Der Linn ungeheuer straff und tief, der Meitner mit einem kleinen Bauchansatz bei 100Hz, darunter eindeutig weniger als beim Linn. Nächstes Stück, Klavier. Da bin ich drauf geeicht. Wie ein Steinway klingt, vor allem, wenn man selbst dran sitzt, weiß ich. Wir nehmen den langsamen Satz aus Beethovens op. 101 A-Dur. Es spielt Igor Levit:

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Diese Runde geht klar an den G-Linn. Er zeichnet insbesondere den Bass-Bereich eindeutig klarer durch und grenzt die einzelnen Anschläge besser voneinander ab. Wir sind uns beide einig, dass der Meitner da ein bisschen Soße drüber gießt, ein bisschen erinnert das an Röhren-K2.

Das Tord-Gustavsen-Trio gehört zu meinen Lieblings-Jazz-Trios, und es hat mich gefreut, dass Horst-Dieter auch ein Stück von denen vorgeschlagen hat ("Being There" vom Album "The Ground"):

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Zum Klavier gilt das oben gesagte, aber man merkt jetzt beim Schlagzeug auch, dass der Linn einen anderen Punch, eine Unmittelbarkeit hat, die das Schlagzeug für mich echter macht. Man ahnt aber bereits hier, dass der Meitner eine Qualität hat, in der er dem G-Linn überlegen ist: Er füllt den Raum mehr mit Musik aus, Bühne breiter und tiefer. Wir gehen gleich zu den beiden anderen Stücken von Tord Gustavsen, die ich beigetragen hatte, "Sani" und "Karmosin" vom Album "Being There":

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Bei "Sani" geht's um Hochtonauflösung, wie das Becken strahlt und glänzt und wie lange der Ton im Raum steht. Also Hochtonauflösung können die beiden Kandidaten beide, das ist erste Sahne, egal, wer spielt. Bei "Karmosin" dagegen geht's um den Punch im Bass, und das kann der Linn besser.

Wir wollen jetzt Klangfarben hören und einen Chor. Nachdem wir allerlei Files, die auch nicht in der vorbereiteten Liste waren, kurz angespielt hatten, wie z. B. das hier

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landeten wir wie so oft bei einem Forumsklassiker:

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Das ist einfach eine schöne Aufnahme, die eine gute Stimme zu bieten hat (Mercedes Sosa), einen schönen Chor mit toller Staffelung in einem großen Raum, und dann die kleinen Schmankerl wie die Gitarre und die Panflöte, die genau an der richtigen Stelle hingepinnt sein müssen. Und natürlich diese riesige Trommel, deren Töne im Bereich zwischen 20 und 30Hz nur zu hören sind, wenn die Anlage das auch kann.

Der Linn stellt das in gewohnter Klarheit, guter Raumstaffelung und Fokussierung dar. Und jetzt der Meitner: Das klingt ganz grundsätzlich anders! Die Staffelung ist tiefer, die Gitarre weiter vorn, die Panflöte weiter hinten als beim Linn, aber vor allem die Sosa steht zwei Meter weiter vorne! Ok, die Basstrommel weicht der Meitner auf, das zieht sich durch. Aber dieser große Raum ist beeindruckend.

Nach dem Mittagessen testen wir Digitalkabel, Horst-Dieter hat drei mitgebracht. Bisher hatten wir alles mit meinem Standardkabel, dem Oyaide FTVS-510 gehört. Zunächst stöpseln wir ein Wireworld mit Aufdruck Starlight Silver und irgendwas mit Helix und OCC ein, Horst-Dieter erwähnte einen Preis von ca. 100€. Wir testen jetzt alles mit der Misa Criolla. Meine Güte, das Klangbild fällt geradezu in sich zusammen. Die tolle Raumabbildung, die mir so gefallen hatte beim Meitner, war auf ein Fenster geschrumpft, durch das man in den Raum hört, kleiner als mein 80"-Fernseher vorne an der Wand.

Nächstes Kabel, HMS Il Primo. Kostet immerhin 600€. Und kann nichts besser als das Wireworld. Das ist sein Geld nun ganz gewiss nicht wert. Nächster Kandidat, auch der teuerste: Inacoustic Referenz Air 2404. Und der beste. Das Kabel ist noch besser als das Oyaide. Jetzt geht der Raum über die Boxen raus. Kleiner Kritikpunkt von mir, den Horst-Dieter aber nicht mitging: Die Fokussierung ist anders beim Oyaide, für mein Gefühl etwas besser. Beim Inacoustic ist nicht nur der Raum größer, sondern auch der Kopf von Frau Sosa wächst für mein Gefühl auf die doppelte Größe an, und die Gitarre ist etwas zu groß geraten. Aber wenn's gefällt - ich bin jedenfalls mit dem Oyaide zufrieden, das macht für seine Preis (waren es 300€?) alles richtig. Zum Schluss noch schließen wir ein Standard-HF-Kabel mit 75 Ohm Wellenwiderstand aus meinem Fundus an. Das ist jetzt die schlechteste Darbietung des Tages, es ist nicht nur das kleine Fenster, durch das die Musik kommt, auch so manche Klangfarbe stimmt nicht. Die Panflöte klingt einfach nur dünn. Damit war klar: Damit der Meitner gut spielt, braucht er nicht nur einen guten Datenlieferanten, sondern auch ein gutes Digitalkabel.

Fazit bei den DACs: Der Linn ist knackiger und direkter, kann mehr Bass und stellt ihn sauberer dar, der Meitner dagegen punktet mit Entspanntheit und Raumgefühl. Klavier und Schlagzeug geht an den G-Linn, Chor und Kirche an den Meitner.

Nun, und so hören wir weiter zufrieden mit unseren Geräten, Horst-Dieter mit dem Meitner, ich mit dem Linn.

Danke für Deinen Besuch und den weiten Weg, den Du auf Dich genommen hast, Horst-Dieter. Hat Spaß gemacht!

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon Bernd Peter » 11.12.2018, 09:46

Hallo,

der Gert geht unter die Kabeltester, wo wird das noch enden?

Gruß

Bernd Peter


PS: ein fiktives Gespräch unter Eheleuten:

Du Liebling!

Ja, was?

Ich müsste noch mal die Wände aufbrechen und vom Dach runter bis in den Keller eine kleine Änderung bei der Verkabelung machen.

Was?!!

Na, ich dachte halt, an Weihnachten ist ja sowieso nichts los.

Was ist los? Was hast du vor?

Ich habe nichts vor, aber die Handwerker hätten gerade etwas Zeit! Und wenn dich das bißchen Lärm und der Dreck zu sehr stört, fliegen wir halt über die Feiertage in den Süden, wie wärs?

......???

Ja sag doch was.

......???

112: Bitte schicken Sie einen Notarzt vorbei, meine Frau atmet so schwer.
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Beitragvon Jupiter » 11.12.2018, 10:29

Moin Gert,

Kennst du schon das elfte Gebot

„Du sollst nicht mit schlechten Kabeln hören“

Meine Erfahrungen dazu, das Treffen mit Kollegen aus dem Forum kann teuer werden.

@Bernd Peter,
Sie atmet nur so schwer, weil sie so schnell nicht weiß wohin die Reise gehen könnte.
Bei so einem Angebot einer Reise in warme Gefilde über Weihnachten geht die Phantasie durch.

Jaja, gute Kabel sind uns schon was wert.

Gruß Harald
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Beitragvon SolidCore » 11.12.2018, 15:39

Hallo zusammen

Mit großem Interesse las ich den Hörvergleich, da ich ebenfalls überzeugter Meitner-Hörer bin. Somit fand ich auch wieder, was mir ebenso aufgefallen ist. Was aber auch fast alle DACs betrifft: Je besser ein Gerät, umso mehr will es auch entsprechend "gefüttert" werden. Somit bestimmen sowohl die Quelle als auch das Digitalkabel beim Meitner dessen Güte. Ich denke, hättet ihr noch weitere 3 Digitalkabel hinzu genommen, wären nochmals 3 neue Ergebnisse hinzugekommen. Reiner "easy" hat da zuhause schon eine bemerkenswert gute Wahl getroffen, das wäre auch in eurem Hörvergleich interessant gewesen.

Eins wollte ich jedoch noch hinzufügen, falls jemand den Meitner in die engere Wahl zieht. Er profitiert oder bevorzugt seinen analogen XLR Ausgang. Über Cinch Analog betrieben, fällt er leicht zurück. Dies fiel mir beim großem DAC-Vergleich auf, den ich zur Kaufentscheidung heranzog. Dabei testeten wir dann jedes Gerät auch mal an jedem Anschluss, also XLR UND Cinch Output, mal die digitalen Eingänge AES gegen SPDIF gegen USB usw.

Da bei eurem Vergleich die Geräte beide ganz klar hochwertig waren, erklärt wohl auch das Ergebnis. Ich fand nur keinen Hinweis auf die verwendeten Stromkabel, und welchen Platz sie möglicherweise in einer Reihensteckdose hatten. Ist diese nicht im Stern verdrahtet, wäre es denkbar, das nur ein 1:1 Tausch der beiden DAC Stromkabel untereinander den Hörvergleich schon wieder verschiebt. Alles sehr feinfühlig, und in akribischen Bereichen beurteilt.

Jedenfalls vielen Dank für den Bericht.

Gruss
Stephan
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Beitragvon Hans-Martin » 11.12.2018, 16:56

Hallo,

Stephan stimme ich bezüglich der Netzkabel zu, allerdings kann man einen Teil der Probleme manchmal auch mit einem querschnittsstarken Masseband zwischen den Gehäusen reduzieren, dessen Wirkung kann ähnlich einer Sternverkabelung mehr Ruhe und Raum bringen. Soweit ich mich erinnern kann, hat Gert ähnliche Vorrichtungen in seiner Kette.

Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon Daihedz » 11.12.2018, 17:44

Hallo Gert

Fortepianus hat geschrieben: ... Damit der Meitner gut spielt, braucht er nicht nur einen guten Datenlieferanten, sondern auch ein gutes Digitalkabel. ..."

Wodurch ist ein "gutes" Digitalkabel, ausser der empirisch-akustischen (deren Eurer Resultate ich nicht anzweifle) Beurteilung, von der Theorie her definiert? Oder andersrum: Wenn ich mir z.B. ein gutes Digitalkabel selbst bauen möchte - welches wären, auf hohem Niveau des Designs nota bene - lassen wir da Impedanzmismatch und Co. aussen vor - die physikalisch-technischen Kriterien, welche zu beachten wären? Ausgehend von einer Theorie natürlich, was die digitale Audioübertragung negativ zu beeinflussen vermag? Frankl z.B. hat ja schon einiges zur Qualität von digitalen Signalen auf seiner Website (im Rahmen seiner linux-Programme) geschrieben. Aber wie ist das auf Kabel übertragbar, und bei Kabeln vielleicht auch messtechnisch erhebbar, was "gut" und "weniger gut" sein dürfte, resp. beim Bau eines solchen, werden dürfte?

Neutrophile Grüsse
Simon
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Beitragvon Horse Tea » 11.12.2018, 22:51

Hallo Gert, werte Liebhaber des guten Klangs,

zuallerserst möchte ich mich bei Gert für die schönen Stunden und die exzellente Bewirtung bedanken. Und nun meine Sicht auf den Hörvergleich:

Fortepianus hat geschrieben: Sonata Sopra La Monica From Sacra Partitura For Bassoon, Violin And Basso Continuo. Dieses Stück von Horst-Dieter kennt er sehr gut, vor allem das Fagott und dessen richtige Klangfarbe. Interessant, die beiden Kandidaten spielen ziemlich unterschiedlich. Der Linn sehr direkt, der Meitner dagegen kommt wie auf Samtpfoten daher. Hätten wir nicht aufs mV genau gemessen, ich hätte gewettet, dass er ein klein wenig leiser ist. Sehr entspannt, die Meitner-Darbietung. Im Bass ganz unterschiedlich: Der Linn ungeheuer straff und tief, der Meitner mit einem kleinen Bauchansatz bei 100Hz, darunter eindeutig weniger als beim Linn.

Ich kenne das Stück sehr gut, weil es ein Standardstück für (Profi-)Fagottisten ist. Auch wenn es weit jenseits meiner Fähigkeiten liegt, dies zu spielen, habe ich a) den Klang des Instrumentes durch eigenes Hineinblasen (in selbiges) täglich im Ohr. Außerdem kenne ich die Komposition von Philipp Friedrich Böddecker aus mehreren Livekonzerten. Und daher würde ich das Urteil von Gert über den Meitner für dieses Instrument etwas abwandeln. Da das Fagott nur bis zum Kontra B spielt, das heißt bis etwa 60 Hz fehlt dem Instrument eine Oktave nach unten. (Dafür gibt es das Kontrafagott, dass bis etwa 30 Hz reicht). Ich hatte nun den Eindruck, dass es dem Originalklang des Fagottes eher gerecht wurde, wie der Meitner es wiedergab. Beim Linn war, genau wie Gert schreibt, ein tieferer Bass zu hören, den, nach meinem Empfinden, das Fagott gar nicht hat.

Nächstes Stück, Klavier. Da bin ich drauf geeicht. Wie ein Steinway klingt, vor allem, wenn man selbst dran sitzt, weiß ich. Wir nehmen den langsamen Satz aus Beethovens op. 101 A-Dur. ... Diese Runde geht klar an den G-Linn. Er zeichnet insbesondere den Bass-Bereich eindeutig klarer durch und grenzt die einzelnen Anschläge besser voneinander ab. Wir sind uns beide einig, dass der Meitner da ein bisschen Soße drüber gießt, ein bisschen erinnert das an Röhren-K2.

Das ist Gerts Metier, da akzeptiere ich sein Urteil ohne Einschränkung. D.h. der Bassbereich beim Klavier ist bei dieser exzellenten Aufnahme des extrem schwer aufzunehmenden Flügels auch für mich beim Meitner nicht so konturiert und und präzise, wie beim G-ADS2 DAC. Darüber habe ich dann in der Zwischenzeit seit gestern etwas nachgedacht und auch noch einmal das Stück auf der eigenen Anlage gehört.

Meine erste Reaktion auf das Hören des Bassbereiches bei Gert, der mit exzellenten Lautsprechern und einer Menge Gehirnschmalz im Design (Stichwort: stehende Welle im Bass) war natürlich, dass ich das auch so hören können möchte. Nach dem Hören der eigenen Anlage, bin ich mir nicht mehr so sicher. Ich werde aber, das ist eine tolle Anregung durch unser Treffen für mich, noch ein wenig mit der Zielkurve im Bassbereich bei mir experimentieren. Die habe ich nämlich bei unter 35 Hz scharf gekappt. Vielleicht brauche ich das gar nicht bei zwei geregelten Subwoofern, die auch unter 35 Hz können. Ich muss nur auf meine Raummoden Rücksicht nehmen. Allerdings dröhnt bei mir nichts. Doch generell bin ich eher ein Freund des schlanken Basses bei Orgel, Kontrabass und eben (Kontra)Fagott.

Die frappierende Raumauflösung des Meitner insbesondere bei der "Misa Criolla" war auch für mich der stärkste Trumpf für diesen DAC. Da ging es gefühlt nicht nur um Zentimeter, sondern um das Füllen des ganzen Raumes vor dem Hörer. Hier spielten aber auch die Digitalkabel eine wesentliche Rolle (s.u.). Auch die dezente Art des Meitner gegenüber der emotionaleren Variante des G-DAC war absoluter Konsenz. Eigentlich bin ich eher für eine emotionalere Klangsignatur. Hier spielt aber auch meine lange Hörgewohnheit mit dem Meitner (bereits 5 Jahre?) eine große (subjektive) Rolle. Und der Eindruck von Gert, ob die größere Räumlichkeit des Meitner nicht auch eine Vergrößerung der einzelnen Klangereignisse auf der (Stereo)Bühne zur Folge hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Da möchte ich meinen ersten Eindruck auch noch einmal in Frage stellen. Aber das ist bestimmt Geschmacksache.

Mein Hörraum zu Hause ist allerdings überhaupt nicht akustisch behandelt, hat aber dennoch überraschenderweise bereits eine recht gute Akustik. Ich spiele mein Instrument, meine Frau Cello und Klavier (kein Steinwayflügel, sondern ein an sich recht gutes Grotian-Steinweg) darin und habe auch darin Unterricht, so dass ich auch zwei Fagotte gleichzeitig hören kann. Viele Räume in der HfM in Würzburg klingen nicht so gut! Aber mit Gerts Raum kann keine elektronische Raumeinmessung gerade im Bereich der Raummoden mithalten. Das ist klar.

Der Aspekt von Stefan ist auch sehr bedenkenswert:

SolidCore hat geschrieben:Ich fand nur keinen Hinweis auf die verwendeten Stromkabel, und welchen Platz sie möglicherweise in einer Reihensteckdose hatten. Ist diese nicht im Stern verdrahtet, wäre es denkbar, das nur ein 1:1 Tausch der beiden DAC Stromkabel untereinander den Hörvergleich schon wieder verschiebt. Alles sehr feinfühlig, und in akribischen Bereichen beurteilt.

Wir haben nämlich zwei unterschiedliche Netzkabel verwendet. Wir hatten ein Silent Wire 6.2 (EUR 120, solide, da ich noch keinen Einfluss eines Netzkabels in meinem Set-up zu Hause mit Isotek Sigmas feststellen konnte) am Meitner im Einsatz, während der Linn mit einem wesentlich teureren Kabel (EUR 1.000?) von Harald (saabcoupe) spielte. Wir sprachen sogar darüber, aber auf die Idee, die Kabel mal im Test über Kreuz zu tauschen, kamen wir nicht. Das ist für mich ein klares Manko unseres Hörtests. Aber vielleicht ist der Meintner DAC in Zukunft ja noch mal bei Gert. :wink:

Zu den Digitalkabeln kann ich dem Beitrag von Gert nur sehr wenig hinzufügen. Außer dem Standardkabel waren alle Kabel RCA Cinch auf RCA Cinch und mussten am Linn mit einem Adapter versehen werden. Zuerst möchte ich den Gedanken äußern, ob beim Thema Kabelklang eventuell Unterschiede erst dann wirklich deutlich werden, wenn ein Standardkabel mit einem sehr aufwändigen (und damit teuren) Kabel verglichen wird. Ist es wesentlich schwieriger, die Klangsignaturen etwa gleich teurer Kabel, zu beurteilen? Gilt das auch für Stromkabel? Dies würde die zwei Lager, der Kabelklanghörer und das der Nichthörer gut erklären. Ich habe auch erst mit dem inakustik Referenz Air Referenz 2404 (und dem noch teureren Refine Ultra Musica, dazu später mehr in meinem eigenen Faden) solch deutliche Unterschiede gehört. Und noch ein zweiter Punkt: (nicht nur) bei Digitalkabeln ist unbedingt die Laufrichtung zu beachten.

Dem Fazit von Gert schließe ich mich gerne an. Er hat einen tollen DAC konstruiert, der klanglich eine Alternative zum Meitner ist, der der Linn extrem deutlich aufwertet, eine schlanke Lösung einer digitalen Quelle bietet und auch noch gut aussieht. Suum cuique. :cheers:

Viele Grüße
Horst-Dieter
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Beitragvon Horse Tea » 11.12.2018, 23:00

Daihedz hat geschrieben:Hallo Gert

Fortepianus hat geschrieben: ... Damit der Meitner gut spielt, braucht er nicht nur einen guten Datenlieferanten, sondern auch ein gutes Digitalkabel. ..."

Wodurch ist ein "gutes" Digitalkabel, ausser der empirisch-akustischen (deren Eurer Resultate ich nicht anzweifle) Beurteilung, von der Theorie her definiert? Oder andersrum: Wenn ich mir z.B. ein gutes Digitalkabel selbst bauen möchte - welches wären, auf hohem Niveau des Designs nota bene - lassen wir da Impedanzmismatch und Co. aussen vor - die physikalisch-technischen Kriterien, welche zu beachten wären?

Hallo Simon,

so ganz werden die Kabelfritzen damit nicht herausrücken. Hier einfach der Link zu dem inakustik-Kabel:

https://www.in-akustik.de/de/kabel-zube ... selection/

Du als Psychologe wirst den Werbetext sicher entschlacken können. Das Kabel heißt nicht grundlos "Air". Das Konzept sieht also ein gutes Rohmaterial vor, eine wirksame Isolierung gegen Störeinflüsse und eine Fertigung des recht komplizierten Kabelaufbaus per Hand vor.

Viele Grüße
Horst-Dieter
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Beitragvon Hans-Martin » 11.12.2018, 23:28

Hallo Simon,

Gert hat einst einen Jitteranalysator für Digitalkabel gebaut, außerdem gibt es einen Thread genau zu deiner Frage: viewtopic.php?f=23&t=1864&start=45, wobei mir gerade auffällt, dass dort

Aktivboxer hat geschrieben:um noch mal das Thema an zufassen: Die Stecker-Kapazität hat (vor allem in unserem Beispiel) nicht wirklich eine Bedeutung. Es geht schlicht und einfach um die Vermeidung von Stoßstellen und der dadurch verursachten Änderung des Wellenwiderstandes.

Diese mMn eher irreführende Aussage (BNC-Steckverbinder 50 bzw 75 Ohm sind in den Kontakten identisch, lediglich das Isoliermaterial um den Signalpin unterscheidet sich durch den Luftanteil, also ausschließlich durch die Kapazität, die Induktivität bleibt gleich) lenkt vom eigentlichen Problem ab.

Der Grad der Fehlabstimmung in der Steckverbindung drückt sich in der Signalreflektion aus, der man ausweichend durch größere Kabellänge begegnen kann, sodass die Signalflanken dadurch nicht beschädigt werden, stattdessen die Signalverformung in den unkritischeren Bereich des Rechtecksignals verschoben werden.

Gert bevorzugt/unterstützt besonders steile Flanken beim Digitalausgang, was bedeutet, dass die Flankem vollständig übertragen ist, bevor die Störung eintrifft, was praktisch kürzere Kabel zulässt.

Die gängigen Cinchstecker sind m.E. nicht so wichtig wie die kapazitätbestimmenden Buchsen (sie umschließen den Mittelpin des Steckers, geben weitgehend das Isoliermaterial mit seinen Dielektrizitätseigenschaften vor, definieren mit ihrem Kragen als Gegenpol im wesentlichen die Gesamtkapazität der Steckverbindung, sind aber nicht Bestandteil des Kabels).

Bei Cinch kommt für mich nur WBT Nextgen in Frage (bei den Steckern gibt es noch Alternativen).
In jedem Fall empfehle ich ein Umdenken vom alleinigen Betrachten des Kabelmaterials hin zur Berücksichtigung der meist weniger highendigen Eingangsbuchse, der eigentlichen Ursache des Reflexionsübels, vorgegeben durch den industriellen Hersteller. Welcher DAC hat denn 75 Ohm BNC oder WBT Nextgen-RCA-Buchsen? Umrüsten ist da ratsam, oder besser noch: Kabel ohne Steckverbinder direkt auf die Leiterplatte löten, wo der Übertrager/Eingangskondensator/Entstördrosseln oder der Abschlusswiderstand gefunden wird.

Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon SolidCore » 12.12.2018, 01:24

Hallo zusammen

Weiterhin sehr interessant, hier mitzulesen. Danke auch, das mein Stromkabel-Einwand nicht als Spinnerei abgetan wurde. Grade bei den beiden verwendeten sehe ich da echte Unterschiede. Gert braucht ja nur mal das teure Stromkabel gegen eins im 100€-Bereich austauschen, und die Differenz wahrnehmen. Diese wäre dann übertragbar auf den DAC-Vergleich. Und wie gesagt, auch der Steckplatz der Netzleiste spielt da mit, wenn sie in Reihe verdrahtet ist. Somit wäre in der Tat ein erneuter Vergleich mit dieser Betrachtung noch feinfühliger. Ich hätte sogar auch die Digital- oder Analogkabel mal über Kreuz getauscht, nur um zu belegen, dass ich mich nicht selbst veralbert, sondern fair verglichen hab.

Zu der Frage, wie man denn ein "gutes" Digitalkabel aufbaut, kann ich nur raten, es als "Laie" lieber vorzuziehen, ein renommiertes oder oft gelobtes gebraucht zu kaufen. Ein Oyaide 910 wäre schon ein guter Einstieg. Ein Staehler 3 schon sehr lange zufriedenstellend, ein Refine oder Habst3 natürlich ebenfalls. Mal eben eins zusammenfummeln wird ziemlich sicher in der oben Mittelklasse enden, oder weit darunter.

Die kleinen Manufakturen oder ich selbst auch, werden da kein Konzept verraten. Nur soviel: Es sind viele Parameter dafür zuständig. Ich selbst bevorzuge für höchstwertige Digitalkabel reinstes Silber, Kupfer wirkt da oft flacher und bedeckter im Klang. Und billiges Silber macht nur Unsinn wie Zischeln und Kreischen.


Gruss
Stephan
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Beitragvon uli.brueggemann » 12.12.2018, 09:54

SolidCore hat geschrieben:Und billiges Silber macht nur Unsinn wie Zischeln und Kreischen.

Beim Digitalkabel? Das müsste doch klar messbar sein bzw. zu Datenunterschieden (Aufnahme per Soundkarte) führen.

Grüsse
Uli
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Beitragvon SolidCore » 12.12.2018, 10:22

Hallo Uli

Das kann ich dir nicht beantworten. Wir reden ja nun über kleinste Unterschiede, die im direktem Vergleich besser hörbar sind.

Ich selbst habe schon etwas länger davor kapituliert, Gehörtes messen zu können. Meist fischt man einfach im Dunkeln. So wie zuletzt, als bitidentische Files dennoch unterschiedlich klangen.

Gruss
Stephan
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