Gabriel (Sonus Faber Amati Futura)

audiophile Biografien unserer Mitglieder
Forumsregeln
Bei Vorstellungen steht die persönliche, subjektive Erfahrungswelt des Verfassers im Vordergrund. Insbesondere soll die Vorstellung als "Visitenkarte" des Mitglieds gewürdigt bzw. respektiert werden. Dialoge sollten hier vorrangig mit dem Verfasser und nicht mit Dritten geführt werden. Siehe auch die Forumsregeln.

Beitragvon StreamFidelity » 04.07.2018, 17:11

Hallo Christian,

tatsächlich. Laut Wikipedia gilt:

In einem nicht-dispersiven Medium ist die Schallgeschwindigkeit unabhängig von der Frequenz. Daher sind die Geschwindigkeiten des Energietransports und der Schallausbreitung dieselben. Wasser und trockene Luft sind im für Menschen hörbaren Frequenzbereich nicht-dispersive Medien.

Was ich in diesem Zusammenhang falsch verstanden habe ist der Grund, warum manche Hersteller die Schallwand leicht nach hinten neigen, z. B. Sonus Faber und Tidal oder den Hoch-/Mitteltöner auf einen Schlitten montieren, z. B. siehe Test Blumenhofer:

Zur hörplatzindividuellen Anpassung der akustischen Phase an den großen Spielgefährten im Untergeschoss wurde das Horn beweglich auf einem Schlitten montiert.

Es geht also um die Phase, die fairaudio wie folgt beschreibt:

Die Phase gibt den zeitlichen Verlauf einer Schwingung an und wird in Winkelgrad gemessen. 360° entsprechen einer ganzen Schwingung, 180° einer halben, u.s.w. Im Rahmen einer vollen 360° Schwingung wird also die komplette Wellenlänge einmal durchlaufen. Wird eine Frequenz von zwei Lautsprechern abgestrahlt, so entscheidet ihre Phasenlage zueinander, ob das Gesamtsignal verstärkt, gedämpft oder gar komplett ausgelöscht wird. Letzteres passiert bei einer Phasendifferenz von 180°, da dort ein Wellenberg mit einem Wellental zusammenfällt. Eine Ursache für Phasendifferenzen sind Mehrwegekonstruktionen, bei denen z.B. typischerweise der Hochtöner vorauseilt und Mittel- und Basschassis hinterherlaufen.

Wieder was gelernt. :D

Grüße Gabriel
Bild
StreamFidelity
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 211
Registriert: 24.09.2017, 14:50
Wohnort: Berlin

Beitragvon wgh52 » 04.07.2018, 20:50

Hallo Gabriel,

eine kleine Ergänzung (weil wir ja in einem Aktivlautsprecherforum sind): Neben mechanischen Verschiebemöglichkeiten gibt es auch elektronische. Analog (aufwendig!) und insbesondere digital lassen sich die Wege dann per z.B. Hochtonverzögerung auf gleichzeitige "Ankunft" von TT und HT einstellen. Acourate macht das übrigens auch, kann Deine Amati Futura ohne Ankippen auf den Hörplatz einmessen (und mehr) - alles digital halt.

Grüße,
Winfried

4561
Bild
wgh52
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 4573
Registriert: 25.01.2008, 16:17
Wohnort: Schweitenkirchen

Beitragvon Mister Cool » 05.07.2018, 00:14

Hi,

Bedenke, dass die Laufzeitkorrektur auf dem „mechanischen“ Wege (Verschiebung der Chassis z.B. mit Hilfe eines Schlittens) ist die richtigere Variante als Delays auf dem digitalen oder analogen Wege.
Durch die Verschiebung eines Chassis wird die korrekte Phase aller Frequenzen dieses Chassis erhalten, per Delay wird nur die Phase der Übergangsfrequenz angepasst.

Grüsse,
Alwin
Bild
Mister Cool
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 635
Registriert: 23.11.2017, 00:21

Beitragvon chriss0212 » 05.07.2018, 01:31

Hallo Alwin

Ich glaube, das ist so pauschal nicht richtig. Deine Aussage über die Phase stimmt so lange man nicht genau den richtigen Punkt des Delays gefunden hat, der eben auch der mechanisch korrekten Verzögerung entspricht. Das trifft aber auch für das mechanische Verschieben zu.

Wenn der exakte Punkt gefunden ist, passt die Phase auch über die Frequenz, da der Zeitpunkt der Entstehung hier wichtig ist.

Meiner Meinung nach, ist es also egal, ob man den absolut korrekten Zeitpunkt der Entstehung so oder so einstellt. Es ist allerdings richtig, dass bei unkorrekter absoluter Zeit die Phase immer irgendwo aber eben nicht überall stimmt. Und zwar, je höher die Frequenz, um so öfter kann die Phase bei einer Frequenz auch bei unkorrekter Position stimmen.

Grüße

Christian
Bild
chriss0212
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 2494
Registriert: 06.01.2015, 22:03
Wohnort: Wuppertal

Beitragvon wgh52 » 05.07.2018, 09:38

Hallo Leute,

so ganz habe ich Alwins Argument nicht verstanden...

Wenn ich bei einer digitalen Weiche eine Verzögerungszeit einstelle ist diese Zeit konstant über alle Frequenzen. Das sehe ich wenn ich die Sprungantwort der Chassis/Weichenkombi bei verschiedenen Delays ansehe: Sie sieht gleich aus, erscheint aber an ver schiedenen Zeitpunkten.

Wenn ich ein Chassis mechanisch verschiebe, ist die dadurch eingestellte Verzögerungszeit auch konstant über alle Frequenzen.

Wenn ich in einer analogen Aktivweiche eine Allpassverzögerung einbaue, kommt es auf die Gruppenlaufzeitgrenzfrequenz an bis wohin die Verzögerungszeit konstant ist, womit auch der Phasengang beeinflusst wird.

Dass wir hier von Optimierung für einen Hörplatz sprechen ist glaube ich klar und dass für diesen Platz gute Summation in Pegel und Phase eingestellt wird. Das Richtdiagramm kann speziell auch vertikal durchaus "verändern".

Grüße,
Winfried

4562
Bild
wgh52
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 4573
Registriert: 25.01.2008, 16:17
Wohnort: Schweitenkirchen

Beitragvon uli.brueggemann » 05.07.2018, 10:09

Bild
Das Bild zeigt prinzipiell Sprungantworten eines gedachten 2-Wege-Systems.
Die ideale Sprungantwort ist die rote Kurve. Das ist mit einer passiven Weiche bei Filtern höherer Ordnung eher selten (das gilt auch für aktive Weichen mit analogen Bauelementen bzw. mit IIR-Filtern)
Die übliche Sprungantwort als Summe der beiden Weichen ist die grüne Kurve.

Nun kann man den Hochtöner zeitlich nach hinten verschieben, per mechanischem Versatz oder per Delay. Sich ergebende Summenbeispiele sind bei den anderen Kurven dargestellt. Doch egal, wie man verschiebt, es kommt dabei nie die rote Kurve heraus.
Das Verschieben ändert auch den Frequenzgang. Das müsste also mit berücksichtigt werden, eine gemeint gute Verschiebung in der Sprungantwort bedeutet nicht unbedingt einen guten Frequenzgang. Im gegebenen Beispiel hat die Weiche ohne Verschiebung immer noch den besten Frequenzgang.

Grüsse
Uli
Bild
uli.brueggemann
Aktiver Hersteller
 
Beiträge: 3498
Registriert: 23.03.2009, 16:58
Wohnort: 33442

Beitragvon StreamFidelity » 05.07.2018, 12:02

Hallo zusammen,

vielen Dank für die rege Diskussion.

Hallo Uli,

wenn ich es richtig verstanden habe, korrigiert Acourate in Richtung "ideale" Sprungantwort. Im Bild unten erkenne ich Ähnlichkeiten mit der roten Kurve Deines Bildes.
Bild

Zum Vergleich die Sprungantwort ohne Korrektur.
Bild

Bei meinen bisherigen Vergleichshören (ohne Raumkorrekturen) habe ich noch keine gleichgute holographische Auflösung wie bei mir gehört. Neben der vorzüglichen Sprungantwort helfen natürlich auch die anderen Korrekturen von Acourate. :cheers:

Grüße Gabriel
Bild
StreamFidelity
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 211
Registriert: 24.09.2017, 14:50
Wohnort: Berlin

Beitragvon uli.brueggemann » 05.07.2018, 17:25

Gabriel,

das zweite Bild zeigt eine Pulsantwort.
Ansonsten weiter viel Hörvergnügen mit Acourate :wink:

Grüsse
Uli
Bild
uli.brueggemann
Aktiver Hersteller
 
Beiträge: 3498
Registriert: 23.03.2009, 16:58
Wohnort: 33442

Beitragvon StreamFidelity » 05.07.2018, 17:57

Hallo Uli,

da hast Du mich wieder erwischt. :mrgreen:

Zur Vervollständigung das richtige Bild:
Bild

Vielen Dank.

Grüße Gabriel
Bild
StreamFidelity
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 211
Registriert: 24.09.2017, 14:50
Wohnort: Berlin

Beitragvon StreamFidelity » 16.07.2018, 12:01

Hallo zusammen,

die Diskussionen um den IACC fand ich sehr hilfreich. Ja der IACC ist nicht alles, aber er ist für mich ein wertvolles Hilfsmittel, meine akustischen Gegebenheiten weiter zu optimieren. Wenn die Kohärenz zwischen links und rechts sehr gut ist, hat es das Hirn einfach leichter die Räumlichkeit zu "errechnen". So habe ich meine Hörposition in 10cm-Schritten weiter weg und näher dran durchgemessen. Der Sweet Spot liegt bei mir jetzt in einem gleichschenkligen Stereodreieck mit 2,4m Basisbreite und 2,25m Hörabstand (jeweils gemessen vom Hochtöner).

Nun habe ich einen IACC10 von 94% nur durch Wechseln der Hörposition. Preiswerter kann man den Klang nicht verbessern. Gekommen bin ich am Anfang meiner Messorgien von rund 82%.
Bild

Ohne Messung hätte ich nicht gedacht, so nah an den Amati Futuras sitzen zu können. So verschwinden die Lautsprecher beim Musik hören einfach. Das für mich (und vielleicht auch für andere) optimale Vorgehensmodell für die Optimierung der Raumakustik mithilfe von Acourate besteht mittlerweile aus folgenden Schritten:

1. Microfon Alignment für die mittige Positionierung des Mikrofons nutzen.
2. LogSweep Recorder ist das Messprogramm. Unbedingt die Kalibrierdatei des Mikrofons einbinden.
3. Reverberation Time für die Nachhallzeiten kontrollieren. Wenn der Nachhall zu groß ist mit dämpfenden Materialien experimentieren. Bei mir haben zum Beispiel Teppiche geholfen. Weitere akustische Optimierungen (z. B. Decken abhängen) sind nicht drin. Es ist und bleibt ein Wohnzimmer.
4. IACC Interaural Coherence kontrollieren (wird auch schon beim 2. Schritt angezeigt). Bei mir haben veränderte Aufstellungen der Boxen und des Hörsessels, sowie das Wegräumen von Hindernissen (Fußhocker, Springbrunnen, etc.) geholfen.
5. Room Makro 1: Amplitude Preparation für die Glättung des Frequenzganges verwenden. Ich nutze die Voreinstellung Psychoacoustic. Manche finden Sliding besser, da weniger geglättet wird.
6. Room Makro 2: Target Curve Design für die Zielkurve verwenden. Nach meinen bisherigen Erfahrungen steht und fällt damit der Erfolg der Raumkorrektur. Wer denkt einfach die Voreinstellung (linearer Frequenzgang) zu verwenden, hat eigentlich schon verloren. Ich habe das Sounding meiner Boxen nachgebildet.
7. Room Makro 3: Inversion für die Frequenzgangkorrektur verwenden.
8. Room Makro 4: Filter Generation für die Phasenkorrektur und die Erstellung von Filterdateien (WAV) laufen lassen. Subsonicfilter nicht vergessen, damit die Basstreiber in den Frequenzgängen entlastet werden, wo sowieso nur noch "heiße Luft" rauskommt. Ich erstelle immer Filter für unterschiedliche Samplerates und lade sie in Roon als gezippte Datei. Roon sucht sich dann immer das Passende aus.
9. Room Makro 5: Test Convolution für den Test nutzen. Wenn zum Beispiel Vorschwinger drin sind, den 8. Schritt mit anderen Einstellungen im Excessphase Window wiederholen. Der Test ist sehr nah an der Wirklichkeit dran, wie ich durch Nachmessen selbst feststellen konnte.

Ich gebe es zu. Meine Messorgien sind für andere vielleicht speziell. Gerade für diejenigen, die ohne elektronische Korrektur bereits sehr gut hören. Aber jeder entwickelt seine Leidenschaften und begibt sich auf die Spielwiese. Mir macht es jedenfalls sehr viel Spaß, da die physikalischen Daten eng mit meinen Hörgewohnheiten korrelieren. Und ich als Laie in der Raumakustik sehr gute Ergebnisse hinkriege.

Grüße Gabriel
Bild
StreamFidelity
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 211
Registriert: 24.09.2017, 14:50
Wohnort: Berlin

Beitragvon StreamFidelity » 07.08.2018, 17:41

Hallo zusammen,

ein kleines Update. Kabelsalat nervt mich endlos. Da wollte ich wenigstens ein wenig Ordnung im Rahmen des Möglichen schaffen. Und da ich gerade dabei war erinnerte ich mich an Accuphase, welche nicht verwendete Buchsen abdecken. Also mich erkundigt und das bestellt:

SinnOxx® Female-XLR Caps Abschlusskappe - Vergoldet - Tefloneinsatz
SinnOxx® Male-XLR Caps Abschlusskappe - Vergoldet - Tefloneinsatz
SinnOxx® RCA Caps Abschlusskappen - Vergoldet - Tefloneinsatz
SinnOxx® BNC Dust-Stopper Cap

Lt. Hersteller Abschlusskappen zur Abdichtung gegen Staub und störende HF-Einstreuungen. Auf Abschlusswiderstände habe ich verzichtet, da ich bisher keine Probleme ausmachen konnte.

Vorher
Bild

Jetzt
Bild

Die Abschlusskappen sind aus Metall und sitzen schön stramm. Es wäre auch preiswerter gegangen, aber es ist nunmal Hobby. :D

Grüße Gabriel
Bild
StreamFidelity
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 211
Registriert: 24.09.2017, 14:50
Wohnort: Berlin

Beitragvon uli.brueggemann » 07.08.2018, 22:45

Gabriel,

ich finde es bemerkenswert wie diese Abschlusskappen dafür sorgen, dass die Strippen aufgeräumt sind. Alle Achtung ;)

Grüsse
Uli
Bild
uli.brueggemann
Aktiver Hersteller
 
Beiträge: 3498
Registriert: 23.03.2009, 16:58
Wohnort: 33442

Beitragvon Hans-Martin » 08.08.2018, 01:13

Hallo Gabriel,
die XLR-Buchsen-Abschlusskappen haben idR einen Pin, der bei den Buchsen Pin 1 repräsentiert, diesen mit der Gehäusemasse verbindet. Das kann ein Eingriff in das Erdungsschema darstellen.
Mir ist ein Fall bekannt, wo diese Kappen gerade deshalb zu einer Klangverschlechterung führten.
Von pauschalem Einsatz würde ich abraten, lieber jeden einzelnen Schritt mit Hörvergleich begleiten.
Man kann aber auch mit einer Zange diesen Stift wegbrechen, den Massekontakt zur Buchse behält der Schutzkragen.
Nur bei isolierten Plastikbuchsen ohne Gehäusekontakt macht m.E. der Stift Sinn.
Grüße
Hans-Martin
Bild
Hans-Martin
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 5562
Registriert: 14.06.2009, 15:45

Beitragvon StreamFidelity » 08.08.2018, 10:09

Hallo Uli,

für blink blink mach ich alles. :mrgreen:

Hallo Hans-Martin,

vielen Dank für den Hinweis. Ja das ist korrekt mit dem Stift. Plastikabdeckungen wollte ich nicht nehmen, da der Amp sehr heiß wird. Klangverschlechterungen konnte ich bisher nicht feststellen, werde das aber beobachten.

Grüße Gabriel
Bild
StreamFidelity
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 211
Registriert: 24.09.2017, 14:50
Wohnort: Berlin

Vorherige

Zurück zu „wie ich zum aktiven Hören kam“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste