Thomas (Silbersand FM 303)

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Thomas (Silbersand FM 303)

Beitragvon Thorion » 19.04.2008, 18:12

Hallo zusammen,

noch einer aus dem Rheinland, der sich hier vorstellen möchte. ;-)

Auch ich bin Ende der 70er Jahre zu den aktiv geregelten Schallwandlern gekommen, zu der Zeit, als man in einigen Zeitschriften so viel und so Gutes darüber las, dass man es als audiophil Infizierter gar nicht aushalten konnte, sich kein eigenes Bild davon zu machen. Tja, und dann wurde es schwierig noch anders zu hören ;-)

Es wurde erst einmal eine BM 7 an einem Grundig MXV 100 - Vorverstärker aus der damaligen Mini-Serie von Grundig. Man musste nur noch einen Plattenspieler dranhängen und hatte eine kleine Anlage mit großen Fähigkeiten. Die BM 7 (Nextel) wurden noch mittels eines Tasters auf der Vorderseite eingeschaltet. Leider reagierte sie darauf bisweilen ungehalten. Es konnte vorkommen, dass sie wie ein Löwe losbrüllte, kaum dass man diesen Taster betätigte. So bekam die Einschaltprozedur etwas ungewollt Spannendes.

Zwei Jahre später konnte ich eine gebrauchte BM6 erwerben (Nussbaum aber noch mit der alten Elektronik), die mir 16 Jahre die Treue hielt. Die BM6 waren damals schon wesentlich betriebssicherer. Hier brannten beim Einschalten nur noch die Schmelzsicherungen gelegentlich durch. Ohne dass ich mit passiven Lautsprechern hätte hören wollen, nagte im Laufe all dieser Jahre mit der BM 6 doch eine gewisse Unzufriedenheit an mir, die sich auf die bekannten Mängel bei nicht optimaler Hörsoftware bezog.

Meine BM 6 ließen sich gut verkaufen. Ich stellte sodann bei Herrn Krings beim Hören des WinX-Trio Systems fest, dass ich mehr Grundtonwärme und weniger Schärfe in den Höhen bekommen konnte und behielt für ein Jahr dieses Kleinod. Es fehlte jetzt nämlich nicht nur an Schärfe sondern auch an Auflösung in den Höhen. Ein Jahr später (1998) gab ich, was Herr Krings prophezeit hatte, das WinX-System wieder zurück und erwarb die BM 4 samt Sub 1. Das Hören machte mir regelungsverwöhntem Hörer wieder mehr Spaß. Ich experimentierte viel mit dem Sub 1 und machte eine eigenartige Erfahrung: Über längere Zeit hinweg hörte ich einmal ohne Sub und dann mit ihm. Dann wurde wieder nach einiger Zeit gewechselt und so fort. Jedesmal wenn ich einen solchen Wechsel vollzog, hatte ich den Eindruck, dass es jetzt besser klingt, ganz gleich ob der Sub neu hinzugeschaltet oder aus der Kette hinausgenommen wurde. Ich nahm bei der Veränderung wohl immer nur die Vorzüge wahr. Mit Sub den konturierten Tiefbass und die großzügigere Raumdarstellung, vielleicht auch ein leicht entspannteres Klangbild, da die BM 4 nun etwas weniger arbeiten mussten, ohne Sub ein kompakteres aber insgesamt homogeneres, feineres Klangbild. Letztendlich lag es auch am Musikmaterial, welche Variante besser gefiel.

Nach einem Wohnungswechsel nahm meine Zufriedenheit wieder ab. Ich war damals aber noch nicht so weit, dies in erster Linie raumakustischen Mängeln zuzuschreiben. Es machte sich einfach eine wachsende Unzufriedenheit in mir breit, die ich mit einem Wechsel auf andere Schallwandler kurieren zu können hoffte, nachdem auch der Umstieg auf einen Röhrenvorverstärker letztendlich nur zu "Verbesserungen in homööpathischen Dosen" geführt hatte.
Vor nicht ganz 5 Jahren nutzte ich die Gelegenheit auf eine gebrauchte Silbersand FM 303 umzusteigen. Ein Traum ... so wie ich sie bei Johannes Krings gehört hatte. Aber warum war ich schon wieder nicht zufrieden, als ich sie dann bei mir spielen hörte?

Im vergangenen Jahr kam es dann zu zwei extrem richtigen Entscheidungen in meiner "audiophilen Karriere". Ich erwarb ein Audio-Interface und ein Messmikrofon und bekam den folgenden Frequenzgang meiner heiß geliebten Schallwandler präsentiert.

Auch wenn das Messequipment vielleicht nicht professionell zu nennen ist, zeigte sich, dass ich Opfer eines tonalen Desasters war. Andererseits war ich ungemein beruhigt, dass meine Empfindung mangelnder Grundtonwärme und fehlenden Basses bei gleichzeitig überzogenen Höhen wohl nicht auf purer Einbildung beruht. Den Höhenabfall konnte ich hier zwar nicht so nachvollziehen, mein Höreindruck beruhte wohl vor allem auf dem Missverhältnis zwischen der Intensität der Frequenzen unterhalb von 400 Hz und darüber.

Ich hatte (auch in diversen Foren) viel über das Raumkorrektursystem von Lyngdorf gelesen und konnte mich von seiner Wirkung bald an meinen FM 303 überzeugen. Herr Zingel stellte mir das Gerät für einen Test zur Verfügung und seitdem verließ es nicht mehr meine Wohnung. Der Unterschied ist geradezu unglaublich, obwohl der Lyngdorf DPA-1 - Vorverstärker nur einen Raumkorrekturfaktor von 10% angibt. Im Vergleich habe ich nun manchmal den Eindruck, dass die Musik bei abgeschaltetem Korrektursystem wie aus einem Telefon kommend klingt.

Mein Weg ähnelt so in seiner letzten Phase dem von Rudolf, zumal ich zur Spezialbehandlung älterer oder schlecht klingender Aufnahmen den Vitalizer von SPL verwende, allerdings nicht so häufig, denn eigentlich klingt es nun doch schon ziemlich gut. :-)


Gruß,

Thomas
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Beitragvon Rudolf » 19.04.2008, 19:16

Herzlich willkommen, audiophiler Zwillingsbruder!

Dein hifideler Lebenslauf deckt sich ab dem Zeitpunkt des Erwerbs der FM 303 in der Tat exakt mit meinem. Auch bei mir bedurfte es des "Streitschlichters" Lyngdorf, um Lautsprecher und Hörraum miteinander zu versöhnen.

Obwohl mir viele von einer elektronischen Raumkorrektur abgeraten haben (einschließlich Nisius, der in seinem Buch schreibt, dass impulstreue Lautsprecher elektronische Manipulationen gar nicht vertragen), kann ich aus meiner Praxis nur Positives berichten.

Ich habe im Lyngdorf-Forum übrigens einen interessanten Tipp gelesen, wie man den Lyngdorf trotz Einmessautomatik ein wenig in die eine oder andere tonale Richtung bewegen kann: führt man vergleichsweise viele der randomisierten Messungen wandnah bzw. im Bereich der Bassmoden durch, erfolgt die Korrektur eher in Richtung "mager", misst man dagegen weiter weg von den Wänden bzw. in den Tälern, dann wird der Klang "fetter". Ausprobiert habe ich es allerdings deshalb noch nicht, weil ich genauso wie du bereits mit der Standardeinmessung sehr zufrieden bin.

Kein Zweifel, ein guter Hörraum ist das Optimale. Aber wenn es aus diversen Gründen nun einmal nicht geht ... dafür haben wir ja schließlich Franz und Johannes Krings gleich um die Ecke!

Viele Grüße,
Rudolf
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Beitragvon Ralph » 20.04.2008, 11:59

Hallo Thomas,

ich möchte mich dem Willkommensgruß von Rudolf anschließen und wünsche Dir viel Spaß hier im Forum.
Danke für den interessanten Vorstellungsthread der erneut meine Neugierde auf den Lyngdorf lenkt.
Der gezeigte Frequenzgang hat sich doch sicherlich verbessert: besteht die Möglichkeit eines vorher/nachher Vergleiches?

Gruß,
Ralph
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Beitragvon Thorion » 20.04.2008, 19:39

Vielen Dank für die nette Begrüßung :-)

@ Ralph,
die Wirkung und der Nutzen des Lyngdorf hängen sicherlich vom der jeweiligen Raum-Lautsprecher-Wechselwirkung ab. Bei mir ist der Unterschied halt ziemlich heftig ausgefallen. Hier stelle ich einmal die ursprünglichen und den korrigierten Frequenzgang gegenüber. Es handelt sich um den rechten Lautsprecher, denn beim linken tritt der Einbruch zwischen 40 und 80 Hz nicht auf. Ich kann ihn auch bei der rechten FM 303 durch geringe Positionsveränderungen besser in den Griff bekommen. Aber ich denke, es sagt mehr aus, wenn ich hier die Frequenzgänge gegenüberstelle, die bei gleicher Aufstellung gemessen wurden.

@ Rudolf,
die Meinung von Nisius kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Meine alte BM 6 betrieb ich seinerzeit an einem Yamaha-Vorverstärker, der eine Direct-Taste besaß, mit der sich das recht üppige Klangregelnetzwerk aus dem Signalweg entfernen ließ. Selbst bei neutraler Einstellung der Klangregelung fiel der Klang der BM 6 in sich zusammen, verlor sie enorm an Impulsfestigkeit und Transparenz, sobald ich sie nicht in Direct-Einstellung betrieb. Die Ursache dafür, sind wohl Phasendrehungen, die durch das Klangregelnetzwerk erzeugt werden.

Ich vermute, dass diese negative Veränderung des Signals bei Klangbeeinflussung auf digitaler Ebene keine so große Rolle spielet und deshalb auch beim Lyngdorf nicht ins Gewicht fällt.

Das Buch von Nisius steht übrigens seit 1980 im meinem Bücherregal. Ich habe es damals in gewissem Sinn als ein Buch über die BM 6 aufgefasst, auch wenn der einzige explizite Hinweis ein Photo ist. Wenn man aber die Preise bei den Anlagenempfehlungen am Ende des Buches mit dem damaligen Preis eines Paares BM 6 vergleicht, merkt man schnell, wovon die Rede ist.

Entsprechende Experimente, wie du sie beschreibst, habe ich mit der Raumeinmessung schon gemacht. Man kann ja auch die Pegelsteller der FM 303 dazu "missbrauchen", indem man sie vor der Einmessung entsprechen manipuliert.

Der extreme Einbruch des Frequenzgangs auf dem Bild zwischen 40 und 80 Hz wird vom Lyngdorf z.B. nicht beseitigt nur abgeschwächt. In meinem Raum lässt sich durch geringfügige Positionsveränderung (ca. 20 cm nach vorne/hinten) diese Macke auch abschwächen bzw, verstärken. Sorge ich nun vor der Einmessung für eine Position, in der dieser Einbruch besonders stark ausfällt, und verschiebe nach erfolgter Raumkorrektur die Lautsprecher ein wenig, um der "halbherzigen" Korrektur des Lyngdorf nachzuhelfen, entstehen an anderer Stelle des Frequenzspektrums dafür neue Probleme, von der die Raumkorrektur zuvor noch nichts wusste. Nach einigen Versuchen habe ich das Tricksen dann doch sein gelassen. Worauf auch immer das Berechnungsverfahren bei der Raumkorrektur beruhen mag, Lyngdorf scheint einen wirklich guten Kompromiss gefunden zu haben, der klanglich befriedigend ausfällt, auch wenn es von der Messung her noch nicht ideal zu sein scheint. Damit will ich nicht sagen, dass es in einem akustisch optimierten Raum nicht besser geht, zumal Lyngdorfs Raumkorrektur ja ausschließlich den tonalen Aspekt berücksichtigt.

Viele Grüße
Thomas
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Beitragvon Ralph » 20.04.2008, 19:50

Hallo Thomas,

der Lyngdorf kann ja wirklich was! Der Vergleich der Frequenzgänge zeigt deutlich, das zwischen beiden Messungen Welten liegen...

Gruß,
Ralph
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Beitragvon Michael » 20.04.2008, 22:44

Hallo Thomas,

auch von mir ein Willkommensgruß und dir viel Spaß in diesem netten Forum.

Was deine Versuche mit der BM 4 samt Sub angeht, entsprechen sie weitgehend meinen Erfahrungen mit einem Sub. Insgesamt favorisiere ich jedoch die Nutzung mit Sub. Habe einen geregelten Velodyne DD15, der extrem vielseitig anpassbar ist.

Was die Homogenität angeht, ist diese jedoch erst durch eine tiefe Abkopplung des Subs bei 40Hz und flacher Steilheit von 6 dB möglich geworden. Der Sub verleiht der BM 4 den vermissten Schmelz und Wärme, ohne sich zu "outen". Ich habe nun bei Bedarf Bässe ohne Abfall bis unter 20 Hz ohne ein zu heftiges "Angeschubse" bei mittleren Bässen. Der Sub schleicht sich quasi auf Samtpfoten ins Geschehen unterhalb von so ca 130 Hz ein und übenimmt zunehmend druckvoller bei zunehmend tieferen Lagen das Kommando. So wirken die BM 4 wie ausgewachsene Standboxen, zumal der Sub in Downfire Postionierung unsichtbar im Schrank, wo der Rest des Geraffels steht, untergebracht ist.

Ansonsten sind jedoch die Silbersand-LS wie deine 303 oder Franzens 501, ebenso die Bircher-Müller Wandler, meine LS-Träume!

Viele Grüße

Michael (aus Bonn)
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Beitragvon Thorion » 21.04.2008, 19:45

Hallo Michael,

dein Velodyne scheint wirklich ein toller Subwoofer zu sein. Ich glaube, dass sich Deine Kombination gar nicht so sehr hinter einer FM 303 verstecken muss.

Ich war damals erstaunt, welche Wirkung der BM Sub 1 mit meiner BM4 in einem 35qm-Raum gemacht hat. Letztendlich verträgt sich ja nur ein extrem schneller Sub mit einer aktiven Geregelten. Der Velodyne dürfte da aber mühelos mitkommen (und dabei noch wesentlich mehr Luft bewegen), was ja auch deine Erfahrung zeigt. Und wenn ich die Ausstattungsliste lese, dann dürfte es kaum eine Situation geben, in die er nicht hineinpasst. 15'' Basstreiber und 1250 Watt - Endstufe sind schon eine Hausnummer. Die automatische Raumanpassung sollte auch in vielen Fällen eine Raumkorrektur á la Lyngdorf überflüssig machen. Bei mir allerdings nicht, da die Korrektur noch weit oberhalb von 100 Hz stark eingreift (eingreifen muss).

Dennoch wäre das der Subwoofer, den ich mir auch als Ergänzung zu meiner FM 303 noch vorstellen könnte. Interessant fände ich, ihn einmal mit dem Silbersand Sub zu vergleichen, der ja das Dreifache kostet, aber wohl nicht so flexibel anpassbar ist. Vielleicht hat ja jemand hier schon Erfahrungen damit gemacht?

Viele Grüße
Thomas
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Beitragvon Rudolf » 21.04.2008, 22:59

Hallo Thomas,

ich habe für dich folgenden Beitrag aus meiner "Mottenkiste" geholt:

Erfahrungen mit dem Silbersand SUB 1

Viele Grüße,
Rudolf
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