Simon (DIY Dipol)

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Bei Vorstellungen steht die persönliche, subjektive Erfahrungswelt des Verfassers im Vordergrund. Insbesondere soll die Vorstellung als "Visitenkarte" des Mitglieds gewürdigt bzw. respektiert werden. Dialoge sollten hier vorrangig mit dem Verfasser und nicht mit Dritten geführt werden. Siehe auch die Forumsregeln.

Beitragvon Daihedz » 11.05.2016, 21:02

Hallo Kawumm

Kawumm hat geschrieben:... der Bereich von 90-4400 Hz über 100 dB, da bietet sich schon zwingend ein HT Horn an ... Die Abdeckkappe abdrehen zulassen ist kein Hexenwerk. Eine wesentlich bessere Abstrahlung nach hinten des Diapragma als bei jedem Konustreiber ist sicher ....

Linkwitz hat ein Spreadsheet publizert, mit welchem sich die zu erwartenden SPL's bequem durchrechnen lassen: http://www.linkwitzlab.com/spl_max1.xls

Ich rechne meine Systeme eher konservativ mit einer Xmax von 2/3*Xmax_Herstellerangabe. Dabei komme ich für den T29-er (Xmax_Hersteller=1.4mm / Sd=8cm^2 / sens=92dB@1W / P_max=200W) auf mögliche 100dB für den T29 solo schon bei 1400Hz. Für den kleineren Bruder mit der DXT-Blende werden mögliche 100dB, gleich konservativ mit 2/3 gerechnet, ab 2400Hz möglich. Dazu kommen die 6dB vom HMT bei der Trennfrequenz noch dazu. Also dann 106dB samt eingerechneter Reserve bei besagten Frequenzen. Ich wüsste deshalb nicht, weshalb ab 4.4kHz zwingend ein HT-Horn zur Anwendung kommen müsste. Die meistenKalotten tuns auch. Die gemessenen Verzerrungswerte dieser beiden Kalotten werden ab ca. 2000Hz richtig gut. Ich plane wegen der Constant Directivity der DXT-Frontplatte in meinem neuen Projekt eine Trennfrequenz von 3000Hz zwischen HMT und HT.

Dann zur Hexerei der abgedrehten Abdeckplatte: Die Seas Excel-Hochtöner lassen sich sehr hübsch auseinandernehmen, sofern man weiss, wie mit Torx-Schraubendrehern umzugehen ist. Danach kann der Kalottenträger und das Magnetsyste einzel wieder zusammengefügt werden, versuchweise ohne Frontplatte und/oder ohne die rückseitige Kammer. Ein dergestalt nackichter T29 (oder auch T25) mit blosser Kalotte und Magnetsystem wird gemäss eigener Versuchsreihen völlig unbrauchbar. Sowohl von vorne, als auch von hinten.

Kommentierende Grüsse
Simon
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Beitragvon Kawumm » 12.05.2016, 14:40

ein 12" 99dB@1W QTS 0,98 -16 Ohm mit 2 Chassis sind es 1000 cm2 im TMT

und nun zum HT

ein Seas Excel hat eine tolle Kappe mit einem ebensolchem Magneten von 7,5 cm Durchmesser , entspricht ca. 4600 Hz .

bedeutet der nach hinten abstrahlende Schall > 4600 Hz verhält sich völlig anders , als der nach vorn abstrahlende Schall .

nun könnte man ja zwei Seas HT Kalotten installieren :roll:

kommentierende Grüsse
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Beitragvon Daihedz » 09.01.2017, 10:03

Grüsseuch Forenten

Nach einer Sendepause schalte ich mich wieder online, da es mich zwischendurch immer wieder einmal gezwickt hat, zu einzelnen Diskussionen etwas beizutragen.

Als Daizedz bin ich ein "Neuer Alter". Aus Sorge um die Anonymität, resp. um den Persönlichkeitsschutz haben mich die Admins auf meinen Wunsch hin netterweise und mit einer verdankenswerten Fleissarbeit in allen meinen Beiträgen x-mal umgetauft. Danke! Früher hiess ich hier im Forum Simon Rxxxxxx. Das Avataren-Säuli mit dem gespitzten und audiophilen Ohr ist hingegen dasselbe geblieben.

Hintergrund dieses Wunsches nach einem anonymen Avatarennamen war der Umstand, dass mich eines Tages ein Wildfremder aus Amerika anrief, um mit mir über meine Erfahrungen mit Horbach-Keele-Weichen zu sprechen. Er war hier im Forum auf meine Beiträge zu Horbach-Keele gestossen und hatte in der Folge über x Umwege meine Telefonnummer herausgefunden. Das hat mich gleichermassen verdutzt und sehr gefreut, aber andererseits auch zum Nachdenken über das Mass der Exposition angeregt, welche ich mit der Angabe meines wahren Namens eingegangen war.

Deshalb solls nun etwas anonymer weitergehen. Mein neuer Avatarenname daihedz ist das Akronym von "Die Axt im Haus erspart den Zimmermann". Dieser Ausspruch stammt aus Schillers "Wilhelm Tell" und wird von Wilhelm Tell gesprochen, nachdem er sich in der ersten Szene des dritten Aufzuges das Tor seines Hauses selbst gezimmert hat. Ich erhebe zwar keinen Anspruch auf Heldentum, mein Werkzeug ist nicht die Axt und ich baue auch keine Tore, bin aber auch ein DIY-er so wie der Tell und baue ebenso wie er flaches Konstrukt. Bei mir sind es flache Schallwände, welche als Dipole sowohl nach vorn, als nach hinten wirken, wenn man an sie Klopfen würde. Wie an Eingangstore auch. Das geht. Ich habs ausprobiert. Oder wenn man sie meinetwegen auch z.B. mit Wechselstrom zum Schwingen anregt. Auch das geht und funktioniert in etwa auf dieselbe Weise wie bei den Eingangstoren.

Und zwischenzeitlich hat sich diesbezüglich bei mir auch wieder etwas getan: Mein letzter Volldipol-Prototyp wird aktuell über LKR-LinPhase Weichen 8.Ordnung bei 165Hz, 610Hz und 2600Hz angesteuert. Aber nichts ist statisch und im Sinne des working progress werde ich als nächsten Schritt wohl damit eine neue Variante mit, resp. von NT-Weichen ausprobieren. Und dann noch die beiden 18-er TMT durch 22-er ersetzen. Der HT ist übrigens (m)eine ewige Excel-Magnesium-Kalotte, modifiziert mit einer vorgesetzten Corian/Epoxy-nachgebauten Waveguide vom SEAS 27-er DXT. Und der HMT ist der bewährte Excel 12CY001 mit händisch schwarz eingefärbter Phaseplug.

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Beitragvon wgh52 » 09.01.2017, 11:29

Hallo Simon,

schön, dass Du wieder da bist! Willkommen!

Obwohl ich (noch) kein Dipolfan bin (könnte sie auch nicht so frei aufstellen :roll: ), gefällt mir Deine Dipolschallwand ausnehmend gut und sieht auch von der Fertigung her extrem sauber aus. Mich interessiert WIE man sowas hinbekommt (meine handwerklichen Fähigkeiten sind aber ganz sicher nicht hinreichend :| ) und welche Materialien Du benutzt.

Weiter viel Spaß hier und auf gute Diskussionen!

Grüße,
Winfried

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Beitragvon h0e » 09.01.2017, 13:03

Hallo Simon,

die Schallwand erinnert mich stark an meine Dynaudio C2.
Ohne Korpus sieht es natürlich schön luftig aus.

Grüsse Jürgen
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Beitragvon Tinitus » 09.01.2017, 21:52

Hallo Simon,

schön wieder von dir zu hören, Du warst ja auch in so manchem Thread vertreten, der mich interesiert hat. Schick sehen deine Dipole aus. Da hätte ich eine Frage, kennst Du die hier:

http://www.activaudio.ch/isostaticskyline.php?

Leider ist Maisprach nicht bei mir um die Ecke, aber die würde ich mir gerne mal anhören, hast Du die schon mal gehört?

Gruß

Uwe
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Beitragvon Daihedz » 11.01.2017, 23:48

Hallo Winfried, Jürgen und Uwe

Danke für das Wieder-Willkommen

wgh52 hat geschrieben:... WIE man sowas hinbekommt ... welche Materialien Du benutzt. ...

Die Idee, mittels USM-Bestandteilen (http://www.usm.com) etwas zu bauen, hatte ich schon lange. Der Hersteller ist ja bei uns "gerade ums Eck". Mir gefällt das durchdachte technische Design und auch das "Meccano"-System, welches es praktisch jedem erlaubt, sich etwas zusammenzuschrauben.

Vom Ripol-Ansatz für den Bass bin ich 1. wegen der Kompensation der mechanischen Gegenkräfte infolge der gegenläufigen Membranbewegungen überzeugt und 2. wegen der konstruktionsbedingten Reduktion der 2. Harmonischen. Mein Bass-Korpus ist deshalb ein Ripol und hat konkret einen inneren Kern und eine äussere Schale. Der Kern besteht aus 27mm starkem Birkenmultiplex und ist minimal gross: Für den Chassisträger bloss 330mm Kantenlänge bei einem Chassis-Aussendurchmesser von 309mm. Damit das Ganze in die 350mm-USM-Längeneinheit passt. Der Kern ist komposit und besteht aus 5 Einheiten: 2 Deckeln, 2 äusseren Einheiten, welche nach hinten hin öffnen (eine davon trägt ein Basschassis), und einem mittleren Teil, der nach vorn hin öffnet (dieses Mittelteil trägt das 2. Basschassis). Diese 5 Teile sind passgenau durch 4 V2A-M8-Gewindestangen zusammengepresst. Das Ganze ist dergestalt bemessen, dass u.a. der mittlere Teil seinerseits mit der 175mm-USM-Längeneinheit übereinstimmt. Auf diesem inneren Kern ruhen drei äussere MDF-Schalenteile, welche händisch grau bemalt sind. Diese Schalen sind mit Neodym-Magneten und Filzstreifen befestigt und ruhen auf Vlieseline (http://www.vlieseline.com)

Die Treiber der TMT-HMT-HT-Einheit sind alle auf demselben V2A-Hohlprofil montiert, welcher hinter den Magnetsystemen der Treiber verläuft, und in dessen Inneren auch ein Teil der Verkabelung verläuft. Zur Vermeidung von Schwingungen ist dieser Träger mit Quarzsand befüllt, so wie alle USM-Rohre übrigens auch. An den Rändern der beiden TMT-Körbe sind vertikal übereinander insgesamt 4 kleine Plexi-Distanzstücke montiert, welche als Träger für einen Neodym-Magneten dienen. Deren Gegenstück, ebenfalls 4 Neodym-Magnete, sind in die Rückseite der Plexiglas-Frontplatte eingelassen. Damit wird die Frontplatte von vorne her ganz einfach entfernbar. Zentriert wird die Frontplatte durch den passgenauen Ausschnitt für die Waveguide des Hochtöners. Für den engen und vibrationsarmen Sitz wird bei der Montage der Frontplatte gleich noch eine zirkuläre, dünne Filzschicht in den Spalt mit hineingepresst. Damit die Vibrationen der Frontplatte weiter gedämpft werden, sind auf den Chassisrändern von TMT und HMT Filzstreifen aufgebracht. Das Plexiglas ist von gegossener, und besser/leichter bearbeitbarer Qualität (GS-Plexi ist etwas weniger spröde ist als die Standardqualität). Die Plexi-Frontplatte habe ich mittels einer Oberfräse ausgeschnitten und mit einem Exzenter-Schleifer mit 120-er Korn beidseits mattiert.

Diese obere Einheit (TMT-HMT-HT) ist schwingend an einer Kevlar-Wagschnur (Drachenbau-Zubehör) an den obersten USM-Gewindekugeln des USM-Bügels aufgehängt. Die Schnur ist an abgelängten USM-Innenschrauben befestigt, welchen ihrerseits eine kleine Rohrhülse aus V2A übergepresst ist, in welchen wiederum Neodym-Magnete eingebracht sind. Diese Magnete ziehen zwei Gegenmagnete in der Frontplatte an, welche oben links und rechts an deren Hinterseite eingelassen sind. Das Ganze bleibt damit prinipiell wohl schwingend, aber dennoch ortsstabil.

Dann hat es noch zwei, drei kleinere andere getüftelte Details, welche in der Folge der Evolution über diverse Prototypen entstanden sind. Der Anschluss zur stromenden Aussenwelt hin erfolgt mit einem 8-Pol-Neutrik-Stecker.

h0e hat geschrieben: ... die Schallwand erinnert mich stark an meine Dynaudio C2. ...

Ja, klar. Mich auch. Das hat wohl mit den Gesetzen der Physik, resp. der Akustik zu tun.

Dipol-Schallwände mit kreisrunden Treibern (=Konuslautsprecher) sollten entweder möglichst schmal, oder dann möglichst breit sein. Damit ergeben sich u.a. taillierte Schallwandformen, wenn das Konzept "möglichst schmal" gefahren wird und 2 Chassis in dieser Konfiguration wie meiner zur Anwendung kommen. Ich verwende aktuell zwei TMT, da die Leistungsabstrahlung von Dipolen in der Nähe von Wänden (Fussboden!) in Abhängigkeit von Distanz und Wellenlänge sehr stark schwankt. Die Verwendung von 2 Chassis im Abstand ca. von 2 zu 3 senkrecht übereinander mindert in der Summe diesen Effekt im Frequenzbereich von ca. 150 ... 400Hz.

Überhaupt erfolgt bei mir in Sachen Schallwand die Entwicklung noch nicht simulierend-softwaremässig, sonder konventionell iterativ staubig-hardwaremässig by trial-and-error und by educated guessing. Und da kann wild tailliert werden, aber auch Wimpertier-haft gekurvt:

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Tinitus hat geschrieben:... Maisprach nicht bei mir um die Ecke, aber die würde ich mir gerne mal anhören, hast Du die schon mal gehört ...

Nein. Aber wenn ich dort hingehen würde, dann im Sinne eines "double feature" sicherlich Ende April - Anfangs Mai. Denn da blühen rund um Maisprach herum im Baselbiet auf spektakuläre Weise die Kirschbäume.

Beste Grüsse
Simon
Daihedz
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Beitragvon wgh52 » 12.01.2017, 12:23

Hallo Simon,

einfach sehr beeindruckend, was du so zustande bringst und welche konstruktiven Details da verborgen sind! Hervorrangendes DIY mit attraktivem "form follows function" Design! :cheers:

Grüße,
Winfried

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Beitragvon frankl » 16.01.2017, 01:42

Hallo Simon,

das ist ja schön, dass Du Deine Forumsteilnahme wieder "aktiviert" hast. Ich freue mich schon auf Deine unterhaltsamen Anmerkungen zu verschiedenen Diskussionen. Da hat die Forumsleitung für die Hilfe bei der Anonymisierung der alten Beiträge ein Lob verdient!

Die aktuelle Version Deiner Lautsprecherkreation sieht wirklich schick aus.

Ich denke ich darf verraten, dass ich die Vor-Vor-(?)Version mit eigenen Ohren hören durfte. Da gab es unter der oberen Schallwand noch eine untere mit zwei nach hinten und vorne strahlenden Tieftönern. Das präzise und räumliche Klangbild hat mir gut gefallen. Meine milde Kritik am Mitteltonbereich hat sich in den neueren Iterationen mit dem Ripol und geänderten Frequenzweichen vermutlich erledigt.

Viele Grüße,
Frank
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Beitragvon Daihedz » 21.06.2017, 20:14

Ein Grüsseuchalle in die Runde, vor allem an die Waveguide- und Constant Directivity - Spezialisten gerichtet

Ich tüftle daran, meinen Dipolen CD-Manieren beizubringen. Ausgehend von verschiedenen Varianten, habe ich nun den HMT mit einem hinteren Ring von 23mm Tiefe ausgestattet, der eine zuvor wüste Auslöschung des HMT bei ca. 2200Hz @ 60° gezähmt hat:

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Rot ist die "unverbaute" Variante, blau ist die Kurve des HMT mit einem damals noch 25 mm breiten, resp. tiefen Ring.

Das aktuelle Konstrukt sieht nun so aus:

Bild

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Und die Directivity, welche sich bei einer Trennfrequenz zwischen TMT und HMT bei 1000Hz und zwischen HMT und HT bei 2200Hz ergibt, sieht folgendermassen aus:

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Der in der Graphik dargestellte Frequenzbereich reicht von 600 ... 20k, ein Farbwechsel erfolgt pro 3dB Pegeldifferenz, die Polare wurde alle 15° von 0° ... 75° gemessen.

Referenz für mich ist die Genelec 8351:

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Auch hier dieselben Einstellungen (600 ... 20k / 3dB pro Farbwechsel / 0° ... 75°)

Im Vergleich beider Graphiken zeigt sich, dass die Resultate weitgehend in etwa ähnlich sind, die Genelec im Bereich von 10kHz ... 20kHz jedoch deutlich besser abschneidet als mein Konstrukt. Ich habe einen Seas-Excel T29MF001 mit einer nachgebauten Waveguide analog wie die DXT-Waveguide des Seas 27TBCD/GB-DXT ausgestattet.

Nun eine Frage in die Runde: Habt ihr einen Vorschlag, wie die Waveguide zu modifizieren wäre, um in der obersten Frequenzetage meines Projekts ein noch etwas besseres Verhalten zu erwirken?

Nota Bene: Ich habe bis anhin bloss die Werte der horizontalen Polaren gemessen. In der Vertikalen ist die Genelec aufgrund des CoAxialen Aufbaus der Treiber sicherlich um Klassen besser als mein Gebastel. Mein Konstrukt wird rechnerisch bei +-30° eine Auslöschung von 1dB aufweisen, und bei +-60° eine totale Auslöschung.

Immerfortoptimierende Grüsse
Simon

PS:
Ich finde es immer wieder super, mit Acourate und ARTA eine Softwareausstattung zur Verfügung zu haben, welche zum Experimentieren, und, im wahrsten und besten Sinne des Wortes, auch zum Spielen einlädt.
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Beitragvon Matty » 21.06.2017, 21:30

Hallo Simon,

eine Antwort auf Deine Frage habe ich leider nicht, dafür aber ein paar Rückfragen 8)

Habe ich es richtig gelesen, dass Du nur einen Hochtöner verwendest also keinen zusätzlichen rückwärtigen Hochtöner?
Der Hochtöner, den Du verwendest, dürfte doch nach hinten geschlossen sein und somit hättest Du im Hochton keinen Dipol mehr, oder?

Schlussfolgerung wäre für mich dann, dass die Directivity wie in dem Diagramm angegeben, irreführend wäre, weil sie den rückwärtigen Schall ja nicht zeigt, der bei einem Dipol aber mit entscheidend für ein homogenes Abstrahlverhalten ist.

Ich habe mir gerade die letzten Tage zufälligerweise die Seiten von Linkwitz und John K... zu Gemüte geführt, die Du sicher auch intensiv studiert hast.
Zumindest erkenne ich bei Deiner Schallwandsammlung die LX521 wieder :D

Die Konzepte der NaO-Speaker, sowie der Orion und LX521 haben alle einen zweiten nach hinten gerichteten Hochtöner und ein primäres Ziel bei den genannten Lautsprechern war ja ebenfalls die Erreichung eines homogenen Abstrahlverhaltens über das gesamte Frequenzspektrum.

Insofern wäre die Einbindung eines rückseitigen Hochtöners in Dein Konzept für mich der logisch erste Schritt zur Erreichung eines homogenen Abstrahlverhaltens und damit der CD-Eigenschaft.

Hab ich was übersehen?

Viele Grüße
Matthias

P.S.: Ich liebe Deine Schallwandsammlung :mrgreen: :cheers:
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Beitragvon phase_accurate » 22.06.2017, 08:34

Hallo Simon

So viel schlechter als das Genelec Sonogramm sieht dasjenige Deiner Konstruktion auch nicht aus. Vielleicht hast Du auch mit dem besten Waveguide keine Chance an die Abstrahlung der Genelec heranzukommen. Deren Hochtöner hat nämlich den kleineren Membrandurchmesser als Deiner. Abhängig von der Wellenlänge dominieren irgendwann die Abstrahleigenschaften des Treibers und er "sieht" das Waveguide gar nicht mehr.

Gruss

Charles
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Beitragvon RS.schanksaudio » 22.06.2017, 11:27

Daihedz hat geschrieben:Habt ihr einen Vorschlag, wie die Waveguide zu modifizieren wäre, um in der obersten Frequenzetage meines Projekts ein noch etwas besseres Verhalten zu erwirken?


Dazu muss man mit der Kontur des Waveguides etwas spielen, also händisch anpassen und simulieren (ABEC, COMSOL, etc), danach aufbauen und messtechnisch verifizieren. Ein Patentrezept gibt es nicht (oder man kopiert 1:1 von anderen). Ist schon etwas Arbeit, wenn man es perfekt haben will und Genelec ist sicherlich die momentan härteste Referenz in Sachen CD.

Ich denke, das Ergebnis ist aber schon ganz gut, über 10 kHz ist das Verhalten nicht mehr so relevant, aber wenn man es schon macht, kann man den Weg auch zu Ende gehen.

Viele Grüße
Roland

PS: Möglicherweise liegt es auch an dem fehlenden Diffusor den der DXT normalerweise hat.
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Beitragvon Daihedz » 22.06.2017, 15:17

Hallo in die Runde der Antwortenden

@ Matthias
Du hast völlig recht. Das, was ich hier zur Diskussion stelle, ist für den HT-Bereich tatsächlich (noch) kein Dipol. Es geht mir vielmehr darum, vorerst eine möglichst gute CD nach vorn zu ertüfteln. Wenn ich dann mit dem Resultat zufrieden bin, dann erst werde ich mich um die Rückseite kümmern wollen. Nicht nur für den HT-Bereich, sondern wahrscheinlich auch noch für den HMT-Bereich. Möglicherweise kommt dann ein Konstrukt heraus, welches ganz sicher einen rückwärtigen HT, aber vielleicht sogar auch einen rückwärtigen HMT miteinschliesst. Dieser rückwärtige HMT hätte eine Filler-Funktion und würde lediglich die rückwärtigen Frequenzgangunregelmässigkeiten des in Hauptrichtung nach vorne strahlenden HMT ausbügeln - ohne hoffentlich seinerseits seine eigenen, rückwärtigen Schweinereien allzu dominant nach vorne zu schleudern... In diesem Zusammenhang sei die ketzerische Frage erlaubt, weshalb wohl Dipolhersteller ausschliesslich den Frequenzgang ihrer Elaborate nach vorn publizieren (und vorzugsweise sowieso bloss in der Horizontalen)? Zu den Schallwänden: Ich habe mir tatsächlich sowohl eine Orion- als auch LX-Dummy-Schallwand nachgesägt, vorwiegend, resp. ausschliesslich um die vertikale Polare bei unterschiedlichen Trennfrequenzen real. nachzumessen. Das wäre, nachträglich betrachtet, unnötig gewesen, da man das worst-case-Verhalten mit für mich genügender Präzision auch ausrechnen kann, was mir aber damals nicht in den Sinn gekommen war.

phase_accurate hat geschrieben: ... Vielleicht hast Du auch mit dem besten Waveguide keine Chance an die Abstrahlung der Genelec heranzukommen. Deren Hochtöner hat nämlich den kleineren Membrandurchmesser als Deiner. Abhängig von der Wellenlänge dominieren irgendwann die Abstrahleigenschaften des Treibers und er "sieht" das Waveguide gar nicht mehr.

RS.schanksaudio hat geschrieben: ... PS: Möglicherweise liegt es auch an dem fehlenden Diffusor den der DXT normalerweise hat.

Anbei das Datenblatt des Originaltreibers mit der DXT-Waveguide...
http://www.seas.no/images/stories/prest ... asheet.pdf
... und die Propagandaschrift zur DXT-Idee:
http://www.seas.no/images/stories/prest ... t_seas.pdf

Charles, ja klar! Ich habe vor lauter Waveguide-Optik gar nicht an diesen mir nun völlig evident erscheinenden Einfluss gedacht. Die effektiv strahlende Fläche meines HT wird mit 8cm^2 angegeben, was einem effektiv strahlenden Durchmesser von 32mm entspricht. 32mm Wellenlänge entspricht 10750Hz. Und da bündelt es schon mal ganz ordentlich. Im Datenblatt des 27-DXT ist schön sichtbar, dass die Waveguide zwischen 5kHz ... 10kHz in Praxi ganz ordentlich funktioniert, ab 10kHz jedoch zunehmend ineffektiv wird. Im Bereich 5kHz ... 10kHz liegen die 0°-60°-Werte um ca. 7 dB auseinander, und fallen dann bis 20kHz um weitere 5 dB auf 12dB Differenz auseinander. Die mit "DXT-Tweeter" gelabelte Grafik im Prospekt erscheint in Anbetracht der publizierten Messwerte aus dem Datenblatt geschönt.

Der von Roland erwähnte Diffusor des 27-er DXT ist als eine Art geflochtenem Kaffeesieb aus feinem Stahldraht gefertigt, ohne Dichteunterschiede von der Mitte zum Rand hin. Kann denn eine solch homogene Struktur als Diffusor wirken? Intuitiv habe ich es nicht angenommen und habe deshalb das Kaffeesieb in meinem Konstrukt bis anhin weggelassen. Ich werde jedoch sicherlich und sobald wie mögllich eine Messreihe "mit" machen.

DXT, resp. THX an Euch für den für mich wertvollen Input!

X-fache Grüsse
Simon
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Beitragvon RS.schanksaudio » 22.06.2017, 16:02

Daihedz hat geschrieben:Der von Roland erwähnte Diffusor des 27-er DXT ist als eine Art geflochtenem Kaffeesieb aus feinem Stahldraht gefertigt, ohne Dichteunterschiede von der Mitte zum Rand hin.


Es gibt ein Plättchen aus transparentem Kunststoff in der Mitte des Gitters, geformt wie eine Kontaktlinse. Das Gitter selbst hat keine akustische Funktion. Das Plättchen erweitert die Abstrahlung in der obersten Oktave. Das sollte jeder Hartmembran-Hochtöner haben, ansonsten wird die Bündelung zu hohen Frequenzen aufgrund des späteren Aufbrechens zu hoch.

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(roten Pfeil nicht beachten)

Viele Grüße
Roland
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