Nicht geschirmtes, symmetrisches XLR-Kabel (H-Kabel)

Tipps zum Selberflechten

Nicht geschirmtes, symmetrisches XLR-Kabel (H-Kabel)

Beitragvon nihil.sine.causa » 01.04.2018, 10:28

Liebe Kabelfreunde,

vielfach wurde der Wunsch geäußert, eine Übersicht zu bekommen, wie ich meine XLR Kabel herstelle. Die betreffenden Threads sind einfach recht unübersichtlich geworden. Daher bringe ich hier eine Übersichtsdarstellung.

Vorab jedoch einige grundsätzliche Bemerkungen aus meiner Sicht:

  • Ich habe meine Kabel für die Verbindung meiner Audiogeräte entwickelt, insbesondere für die Verbindung meiner Quellen (Tonbandmaschine Telefunken M15A, G-Linn ADS/1 DAC und arfi-dac2) zu meinem Vorverstärker (Oppo G-HA 1) sowie zwischen meinem Vorverstärker und meinen Lautsprechern (AGM 5.4). Wer andere Geräte einsetzt, wird ggf. Modifikationen benötigen.
  • Die Entwicklung war rein empirisch. Ich habe einfach immer wieder neue Konstruktionen getestet, ohne dass ich eine Theorie dafür gehabt hätte, warum etwas funktionieren könnte und warum nicht. Ich habe lediglich gehört und nicht gemessen (außer einer grundlegenden Funktionsprüfung). Das geht sicher viel besser, wenn man bessere Messgeräte zur Verfügung hat und sich dabei besser auskennt.
  • Noch aus einem anderen Grund geht es sicher besser. Ich habe gute und einfache Materialien benutzt für meine Kabel. Wer hier bei den Ausgangsmaterialien tiefer in die Tasche greift, wird ggf. bessere Ergebnisse erzielen können. Ich wollte und konnte mir das aber eben nicht leisten. Denn zum einen gibt es in einer Audiokette manchmal recht viele Verbindugen und das geht dann ins Geld. Zum anderen wollte ich wissen, wie weit ich mit meinen vergleichsweise "bescheidenen" Mitteln komme, ohne für ein Kabel einen vierstelligen Euro-Betrag ausgeben zu müssen.
  • Die Unterschiede zwischen meinen und anderen Kabeln waren bei mir hörbar. Das heißt nicht, dass man das verallgemeinern kann. Vor allem habe ich von Forumskollegen gehört, die bei sich keine signifikaten Unterschiede zwischen Kabeln wahrnehmen konnten. Ich kann das bei mir gut nachvollziehen an anderen Ketten, die ich selbst habe. Voraussetzung für größere Unterschiede zwischen Kabeln ist nun einmal eine entsprend hochwertige Abhörkette.



Schritt-für-Schritt Anleitung in meinem V-Thread

nihil.sine.causa hat geschrieben:Hallo zusammen,

weiter geht es im Text – diesmal mit den Signalkabeln. Das Herstellen eigener Kabel hat bei mir eine gewaltige Verbesserung gebracht, daher will ich es hier so beschreiben, dass jemand, der an der Sache auch interessiert ist, sich ein solches Kabel selbst bauen könnte. Sicher gibt es sehr viele sehr gute Kabel, die auch ganz unterschiedlich gebaut sind. Die folgende Darstellung beschreibt nur „meinen Weg“, ich behaupte nicht, dass die Verbesserungen, die ich bei mir wahrnehmen konnte, verallgemeinerbar sind.

2. Symmetrische Signalkabel und Masseverbindung

Als Signalkabel verwende ich dreiadrige, selbst hergestellte Kabel ohne äußeren Schirm. In diesem Thread habe ich das ausführlich beschrieben. Hier also nur eine Zusammenfassung zu der Konstruktion, die sich bislang besonders bewährt hat.

5er Big Black
  • Aderleiter: Alpha Wire 2856/1 20AWG
  • Leiterquerschnitt je Ader: 0,52 mm²
  • Leitermaterial: Kupfer, solid core, silberplattiniet
  • Isolator: PTFE (Teflon)
  • Anzahl der Leiter für Hot (+, Pin 2) und Return (-, Pin 3) jeweils: 2
  • Anzahl der Leiter für die Signalmasse (Pin 1): 1
Die zwei Aderleiter für Hot sind von der Quelle aus gesehen gegen den Uhrzeigersinn verdrillt, für Return im Urzeigersinn. Die drei Stränge Hot, Return und Masse werden zu einem vergleichsweise luftigen Zopf verflochten. Hot wird immer an Pin 2, Return immer an Pin 3 in den XLR-Steckern gelötet. Als Lötzinn wird WBT-0800 Silberlot verwendet.

Bild
Leiter für + (Pin 2) verdrillt

Bild
Leiter für – (Pin 3) im anderen Drehsinn als + verdrillt

Nun kommt eine Besonderheit, die wir im Prinzip im Thread zum Thema Schutzerde und Signalmasse diskutiert haben. Ziel ist es, die beiden zu verbindenden Geräte auf ein möglichst gleiches Potential zu bringen. Man kann das über die Stromkabel erreichen und die Verwendung derselben Steckdosenleiste. Man kann auch zusätzliche Verbindungen zwischen den Gehäusen vornehmen (Stichwort Funktionserde), wie es im Forum auch von verschiedenen Kollegen gemacht wird. Ich dagegen verwende dafür die XLR Steckergehäuse, weil damit das Potential an der Stelle gleich gezogen werden kann, an der – je nach Gerätetyp – auch die Signalmasse mit Erde verbunden ist oder verbunden werden kann.

Damit ich die Gehäuse möglichst niederohmig verbinden kann, verwende ich als XLR Stecker-Gehäuse die Gehäuse der Neutrik NC3 FXX-EMC bzw. MXX-EMC, da diese einen besseren Kontakt zum Gehäuse des jeweiligen Audio-Gerätes machen und einen deutlich geringeren Ohmschen Widerstand als die sonst üblichen FXX-B bzw. MXX-B besitzten. Als „Innereien“ für die XLR Stecker dagegen verwende ich Neutrik NC3 FXX-B bzw. MXX-B, da diese vergoldete Kontakte haben.

An die Lötfahne für das XLR-Steckergehäuse löte ich einen kurzen doppelt genommen Aderleiter an, führe diesen durch die Spannhülse aus dem Stecker heraus und löte daran 6mm² Kupferkabel (H07V-K feindrähtig). Das 6mm² Kupferkabel wird parallel zum eigentlichen Signalkabel geführt, mit Teflon-Klebeband von diesem auf ca. 5cm Distanz gehalten mit dem anderen XLR-Steckergehäuse in gleicher Weise verbunden.

Bild
Fertiges Signalkabel, hier für den linken Kanal in der Ausführung braunC → farblosC

Diese niederohmige Verbindung zwingt die beiden verbundenen Audio-Geräte auf ein gemeinsames Potential. In unterschiedlichsten Tests hat sich dieses Verfahren sehr bewährt: die Bühne ist breiter, das Klangbild ist kohärenter und Phantomschallquellen lassen sich präziser orten als ohne diese Maßnahme. Tests mit unterschiedlichen, durchaus auch sehr hochwertigen Stromkabeln haben in meiner Kette keine nennenswerten hörbaren Verbesserungen mehr gebracht, solange die XLR-Steckergehäuse auf diese Weise niederohmig verbunden sind.

Für die Verbindung der Signalmasse des Kabels an die XLR-Stecker gibt es verschiedene Varianten. Um hier eine gewisse Übersicht zu wahren, habe ich mir die Farbvarianten ausgedacht. Damit ich mir das merken kann, verwende ich XXR Codierringe für die jeweilige Variante. Den linken und rechten Kanal unterscheide ich durch farbige Spannhülsen, gelb für links und rot für rechts. Wenn ich das Kabel einmal umlöten muss, kann ich den Codierring gleich mit austauschen, ohne dass ich alles ab und wieder anlöten muss.

Bild
Farbvarianten zur Behandlung von Signalmasse und Gehäusemasse

Bei einem dreiadrigen nicht geschirmten Kabel gibt es für die Signalmasse folgende Varianten: Die Signalmasse kann nur mit Pin1 verbunden sein (blau), nur mit dem Steckergehäuse (braun) oder sowohl mit Pin1 als auch mit dem Gehäuse (violett). Ist die Signalmasse nicht mit Pin1 verbunden, so wäre das die orangene Variante oder die farblose. Bei letzterer ist Pin1 des Steckers über einen kurzen eigenen Aderleiter mit dem Steckergehäuse verbunden.

Ich mache ein Beispiel. Der arfi-dac2 besitzt erdfrei symmetrische XLR-Anschlüsse bei denen Pin1 gar nicht aufgelegt ist. Hier hat sich die braune Verbindungsvariante bewährt. D.h. ich lege den dritten Leiter im Kabel auf das Gehäuse des XLR Steckers auf. Auf der Zielseite, den AGM 5.4 Lautsprechern bleibt der dritte Leiter unverbunden. Hier verwende ich die Variante farblos und stelle im XLR-Stecker eine Verbindung zwischen Pin1 und dem Gehäuse her. Ich nenne das Ganze braunC → farblosC, also Quelle, braun, auf Ziel, farblos. „C“ steht für "Chassis" und deutet die 6mm² Kupferverbindung zwischen den XLR-Steckergehäusen an.

Und warum bietet braunC → farblosC Vorteile gegenüber anderen Varianten? Nun ich habe die unterschiedlichsten Verbindungsoptionen empirisch durchgetestet unter Verwendung eines Testkabels mit Turmsteckern. Beidseitiges Auflegen der Signalmasse hat sich bei ungeschirmten Kabeln nicht bewährt. Zwar habe ich eine gewisse Vorstellung entwickelt, warum das eine besser sein könnte als das andere, aber es ist doch recht spekulativ. Was ich aber genau sagen kann, ist, dass die Kabel mir eine großartige Klangverbesserung bringen. Das Klangbild ist ruhig und klar, genau in den Transienten, breit in der Bühnendarstellung und vor allem präzise bei der Lokalisierungsschärfe der Phantomschallquellen.

Viele Grüße
Harald

Quelle



Umgang mit der parallelen 6mm² Geräteverbindung

nihil.sine.causa hat geschrieben:Hallo Jürgen,

h0e hat geschrieben:ich habe mich gefragt, warum Du das 6mm² nicht in den Stecker führst?
Einfach nur, weil der Platz in der Spannzange dann nicht reicht?

Ja, da hat Matthias Recht, aus Platzgründen. Ich habe mittlerweile aber Hans-Martins Vorschlag umgesetzt. Hierzu isoliere ich das 6mm² Kabel über eine Länge von ca. 10 cm ab, dünne es etwas aus, löte es direkt an die Lötfahne für die Steckerverbindung und isoliere es mit Teflon-Klebeband. Damit vermeide ich das Zwischenstück.

h0e hat geschrieben:Mir ist auch nicht klar geworden, wo Du die Verlängerung des 6mm² angelötet hast.
Ein Bild vom Inneren des Steckers wäre erhellend. 8)

Hierzu gibt es, genau wie Matthias sagt, bei den von mir verwendeten Neutrik-Stecker jeweils eine eigene Lötfahne fürs Gehäuse. Auf dem Bild unten links ist das die zum Betrachter hingewandte Lötfahne.
Bild

h0e hat geschrieben:Habe ich richtig verstanden, dass Du zwischen Dac und AGM ein Kabel verwendest,
wo die Masse nur auf den Steckergehäusen aufgelegt ist und Pin 1 unbelegt bleibt?

„Pin 1 unbelegt“ ist etwas zu kurz gesprungen, denn es ist unklar, worauf sich "Pin 1" bezieht (Da gibt es mehrere Möglichkeiten für "Pin 1": Stecker an der Quelle, Stecker am Ziel und es wäre die Frage „womit unbelegt“? 0V Leiter an der Quelle, 0V Leiter am Ziel, Gehäusemasse an der Quelle, Gehäusemasse am Ziel).

Ich versuche es zu erläutern: Ich habe speziell für die Verbindung arfi-dac2 → AGM 5.4 ein Kabelpaar der Bauart braunC → farblosC. „C“ steht für die 6mm² Verbindung zwischen den Steckergehäusen.

„braun“ an der Quelle, dem arfi-dac2, bedeutet, dass der Pin 1 Anschluss des DACs (der in der XLR-Buchse „eh“ nicht aufgelegt ist) nicht kontaktiert wird, dass aber der 0V Leiter im Kabel auf das Steckergehäuse aufgelegt wird (auch über die oben erwähnte Lötfahne). Warum? Weil es sich als positiv erwiesen hat, den 0V Leiter bei meinen dreiadrigen Kabeln aufzulegen u.z. nur an einer Stelle, hier also an der Quelle. Damit wirkt der 0V Leiter wie ein locker eingeflochtener Schirm, denn an die eigentliche Signalmasse ist er damit nicht kontaktiert.

Auf der Zielseite „farblos“ bedeutet, dass ich das Steckergehäuse und Pin 1 des XLR Steckers miteinander verbinde, also ein „harte“ Erdung der Signalmasse an der Verbindungsstelle vornehme. Der 0V Leiter aus dem dreiadrigen Kabel wird dabei jedoch nicht kontaktiert.

Im Endeffekt ist die eigentliche Signalmasse auf der Quellseite uninteressant, weil der Ausgang symmetrisch erdfrei gebaut ist. Auf der Zielseite "holen" sich die AGMs die Signalmasse von der Gehäusemasse. Alle Gehäuse werden über die 6mm² Verbindung auf das möglichst gleiche Potentialniveau gebracht. Wenn man es so betrachtet, ist die Signalmasse der AGMs (XLR Eingang, Pin 1 Buches) sehr wohl kontaktiert, nämlich über die 6mm² Verbindung.

Ich hoffe, dass es klarer geworden ist.

Viele Grüße
Harald

Quelle



Materialliste für die Kabelerstellung (mit Wiederholungen zur Anleitung)

nihil.sine.causa hat geschrieben:Liebe Kabelfreunde,

mein Namensvetter Jupiter hat mich gebeten, die von mir verwendete Materialliste sowie die verwendeten Werkzeuge zusammenzustellen. Das will ich hier gerne tun. Das ist natürlich nur als Anregung gedacht. Es gibt da ja viele Möglichkeiten, es anders und sicher auch besser zu machen. Ich bringe dann auch nochmal eine Übersicht für die Herstellung. Dabei zitiere ich ohne weitere Kenntlichmachung auch aus meinem V-Thread. Dann haben wir hier eine geschlossene Darstellung und die Diskussion kann gerne in diesem Thread weitergehen.

5er Big Black
  • Aderleiter: Alpha Wire 2856/1 20AWG
  • Leiterquerschnitt je Ader: 0,52 mm²
  • Leitermaterial: Kupfer, solid core, silberplattiniet
  • Isolator: PTFE (Teflon)
  • Anzahl der Leiter für Hot (+, Pin 2) und Return (-, Pin 3) jeweils: 2
  • Anzahl der Leiter für die Signalmasse (Pin 1): 1

Materialliste
  • Aderleiter Alpha Wire 2856/1 20AWG. Mögliche Bezugsquelle Farnell. Materialbedarf: Durch Drillen und Flechten reduziert sich die Länge auf ca. 75%.
  • XLR Stecker männlich: Gehäuse Neutrik NC3 MXX-EMC XLR, Stecker Neutrik NC3 MXX-B
  • XLR Stecker weiblich: Gehäuse Neutrik NC3 FXX-EMC XLR, Stecker Neutrik NC3 FXX-B
  • Farbringe Neutrik XXR verschiedene Farben, Neutrik XXCR transparent
  • Farbige Spannhülsen (z.B. rot für den rechten Kanal) Neutrik BXX
  • Masseleiter 6mm² H07V-K Kupfer-Litze, PVC Isolator
  • Teflon Klebeband HOEREV Teflon, PTFE-Glasklebeband, Klebstoff Silikon, Dicke 0,13mm
  • WBT-0800 Silberlot (Silberlötzinn)

Werkzeug
  • Lötstation z.B. Modell ZD-931 (Reichelt)
  • Werkstatt Lupenleuchte
  • Platinenhalter z.B. Z10-10D (Reichelt) und/oder kleiner Schraubstock
  • Skalpell zum Abisolieren z.B. von Wedo, Artikel „Messer 7852199“, Reichelt
  • Radiozange z.B. Knipex KN 25 02 140
  • Kleiner Seitenschneider z.B. Knipex KN 78 31 125
  • Ohmmeter / Multimeter zur Durchgangsprüfung

Herstellung

Die zwei Aderleiter für Hot sind von der Quelle aus gesehen gegen den Uhrzeigersinn verdrillt, für Return im Urzeigersinn. Die drei Stränge Hot, Return und Masse werden zu einem vergleichsweise luftigen Zopf verflochten. Hot wird immer an Pin 2, Return immer an Pin 3 in den XLR-Steckern gelötet. Als Lötzinn wird WBT-0800 Silberlot verwendet.

Bild
Leiter für + (Pin 2) verdrillt

Bild
Leiter für – (Pin 3) im anderen Drehsinn als + verdrillt

Nun kommt eine Besonderheit, die wir im Prinzip im Thread zum Thema Schutzerde und Signalmasse diskutiert haben. Ziel ist es, die beiden zu verbindenden Geräte auf ein möglichst gleiches Potential zu bringen. Man kann das über die Stromkabel erreichen und die Verwendung derselben Steckdosenleiste. Man kann auch zusätzliche Verbindungen zwischen den Gehäusen vornehmen (Stichwort Funktionserde), wie es im Forum auch von verschiedenen Kollegen gemacht wird. Ich dagegen verwende dafür die XLR Steckergehäuse, weil damit das Potential an der Stelle gleich gezogen werden kann, an der – je nach Gerätetyp – auch die Signalmasse mit Erde verbunden ist oder verbunden werden kann.

Damit ich die Gehäuse möglichst niederohmig verbinden kann, verwende ich als XLR Stecker-Gehäuse die Gehäuse der Neutrik NC3 FXX-EMC bzw. MXX-EMC, da diese einen besseren Kontakt zum Gehäuse des jeweiligen Audio-Gerätes machen und einen deutlich geringeren Ohmschen Widerstand als die sonst üblichen FXX-B bzw. MXX-B besitzten. Als „Innereien“ für die XLR Stecker dagegen verwende ich Neutrik NC3 FXX-B bzw. MXX-B, da diese vergoldete Kontakte haben.

Für die Masseverbindung der XLR Stecker verwende ich 6mm² Kupferkabel (H07V-K feindrähtig). Ich isoliere ca. 10 cm davon ab und entferne etwa die Hälfte der Drähte, damit es nicht zu dick ist. Ich verdrille die Drähtchen, führe das blanke Kabel unter der Spannhülse hindurch, verlöte es mit dem Lötkontakt für das XLR Steckergehäuse und isoliere die 10 cm mit Teflon-Klebeband.

Für die Verbindung der Signalmasse des Kabels an die XLR-Stecker gibt es verschiedene Varianten. Um hier eine gewisse Übersicht zu wahren, habe ich mir die Farbvarianten ausgedacht. Damit ich mir das merken kann, verwende ich XXR Codierringe für die jeweilige Variante. Den linken und rechten Kanal unterscheide ich durch farbige Spannhülsen, gelb für links und rot für rechts. Wenn ich das Kabel einmal umlöten muss, kann ich den Codierring gleich mit austauschen, ohne dass ich alles ab und wieder anlöten muss.

Bild
Farbvarianten zur Behandlung von Signalmasse und Gehäusemasse

Bei einem dreiadrigen nicht geschirmten Kabel gibt es für die Signalmasse folgende Varianten: Die Signalmasse kann nur mit Pin1 verbunden sein (blau), nur mit dem Steckergehäuse (braun) oder sowohl mit Pin1 als auch mit dem Gehäuse (violett). Ist die Signalmasse nicht mit Pin1 verbunden, so wäre das die orangene Variante oder die farblose. Bei letzterer ist Pin1 des Steckers über einen kurzen eigenen Aderleiter mit dem Steckergehäuse verbunden.

Ich mache ein Beispiel. Der arfi-dac2 besitzt erdfrei symmetrische XLR-Anschlüsse bei denen Pin1 gar nicht aufgelegt ist. Hier hat sich die braune Verbindungsvariante bewährt (übrigens auch bei anderen Audigeräten mit "echten" symmetrischen Ausgängen). D.h. ich lege den dritten Leiter im Kabel auf das Gehäuse des XLR Steckers auf. Auf der Zielseite, den AGM 5.4 Lautsprechern bleibt der dritte Leiter unverbunden. Hier verwende ich die Variante farblos und stelle im XLR-Stecker eine Verbindung zwischen Pin1 und dem Gehäuse her. Ich nenne das Ganze braunC → farblosC, also Quelle, braun, auf Ziel, farblos. „C“ steht für "Chassis" und deutet die 6mm² Kupferverbindung zwischen den XLR-Steckergehäusen an.

Bilder vom fertigen Resultat findet Ihr hier.

Viele Grüße
Harald

Quelle



Drillen von Aderleitern mit maschineller Unterstützung von Harald (Jupiter)

Jupiter hat geschrieben:Hallo zusammen,

anbei eine kleine Bastelanleitung für die Laien wie mich, die Profis wie H. Strassner machen sicherlich anders oder lasen machen:
Erechnete Rohlänge doppeln, Markierung für Pin 2 anbringen, den Bogen des Rücklaufs (mitte) des Rohkabel am Handgriff der Tür oder Balkongeländer befestigen, lose Enden mehrmals in der Öse umwickeln, Schrauböse in Futter des Akkuschraubers befestigen, Akkuschrauberdrehung gegen den Uhrzeigersinn ( Pin 2 = hot) einstellen, Kabel leicht anspannen, Vollgas geben, unter leichter Spannung dem entstehenden Zug nachgeben.
Wer nicht nachgibt, hat den Akkuschrauber ohne Kabel in der Hand.

Ab und zu die Überschläge zählen ( vom Metermaß 10 cm anlegen, ca 28 Überschläge entspricht dann etwa den Überschlägen auf dem Bild) wenn es zuviel waren, kann man mit dem Akkuschrauber wieder locker aufdrehen.

Jetzt das ganze noch mal mit dem zweiten gedoppelten Kabel mit dem Uhrzeigersinn für Pin 3 drillen,
Markierung nicht vergessen.

Bild

Die jeweiligen Enden des Kabel am Tisch mit Schraubzwinge und Stoff oder Gummizwischenlage befestigen, ihr könnt sie aber auch miteinander verlöten, die ersten 10 cm werden später eh abgeknippst, Flechtung beginnen, Flechtung soll locker ausgeführt werden, selber auch locker bleiben, am besten ihr macht es selbst, das fluchen eurer Lebenspartnerin nervt mehr, wie der selbst erlittene süße Schmerz wehtut beim Selbstflechten.
Die Tour der Leiden beginnen, locker bleiiiben.

Nach Beendigung der Flechtung die ersten 10 cm mit der Zange abzwicken, durch die Drehung in der Öse reibt sich die Isolierung ab, ebenfalls kann sich durch das Festzwingen das Kabel durch die Isolierung drücken, entsprechenden Zuschlag geben, daher erst am Ende des Arbeitsgangs abzwicken.

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Bevor ihr mit dem Flechten beginnt, ist es ratsam den einzelnen Draht für die Signalmasse aufzurollen.
Die beiden gedrillten Kabel sind durch das drillen etwas starr geworden, diese legt ihr rechts und links von euch ( ihr sitzt auf einem Stuhl) vorbei.

Der Vorteil des aufgerollten Signalmassekabels liegt darin, dass man ihn jedesmal über die sich kreuzenden Pin 2 und 3 Kabel legen kann.

Wieso aufrollen, die 20 cm die ihr am Anfang des Flechtvorgangs vor euch auf dem Tisch liegen habt, laufen hinter euch eventuell noch 5 Meter weiter, je nachdem wie lang euer Kabel werden soll, daher darauf achten, dass hinter euch noch genügend Auslauf für das Kabel ist.
Dadurch das die gedrillten Kabel etwas starr sind muß man nur ab und zu etwas entwirren, bei zwei Kabelsträngen aber kein Problem.

Falls ihr das Signalmassekabel nicht aufrollt, viel Spass beim entwirren.

Es ist ratsam Katzen und Hunde sofern sie noch keine 4 Jahre alt sind des Zimmers zu verweisen, mit zunehmender Flechtdauer verlieren die ihr Lockerheit.

Weiterhin ist es ratsam eine Flasche von eurem Lieblingsroten zu geniesen, er unterstüzt eine lockeres Flechtwerk, ebenso macht er die spöttischen Bemerkungen eventueller Mitbewohner erträglicher, Rückenschmerzen werden später wahrgenommen, ein sich einstellendes Schlafbedürfnis am frühen Abend ist von Vorteil für die nächsten 5 Stereometer am nächsten Tag.

Leute geht bitte ernsthaft an die Sache heran, ihr werdet Jahre später noch über die Sache berichten.

Am Ende werdet ihr belohnt.

Gruß Harald (Jupiter)

Bild

Quelle



Erklärungsversuch für die Wirksamkeit des einseitig aufgelegten, eingeflochtenen 0V Leiters

nihil.sine.causa hat geschrieben:Liebe Kabelfreunde,

in diesem Thread soll es um „echte“ Mikrofonkabel gehen. Also ausnahmsweise nicht um Kabel zwischen Quellen und Vorverstärkern oder Vorverstärkern und Aktivlautsprechern. Mir ist klar, dass das Thema in unserem Forum ein Randthema ist und sicher auch bleiben wird. Dennoch will ich Euch von meinen Erfahrungen berichten, denn ich habe dabei auch viel über HiFi gelernt und zumindest mal in diesem Zusammenhang besser verstanden, warum die Tonleute mit Kopfschütteln reagieren, wenn wir aus HiFi-Sicht über (Mikrofon-)Kabel diskutieren.

Aber der Reihe nach. Zunächst einmal muss ich Euch von meiner Erwartungshaltung und einigen Überraschungen erzählen in der „Vorgeschichte“. Dann geht es um einen systematischen Testaufbau für Stereo-Aufnahmeketten, den ich so nirgendwo dokumentiert gesehen habe und mit dem man Feinheiten sehr gut hörbar machen kann. Schließlich geht es um Konsequenzen und was ich über symmetrische Kabel im Allgemeinen gelernt habe aus diesen Tests.

Vorgeschichte

Wie ich schon oft berichtet habe, halte ich Mikrofonsignale für die hochwertigsten Audio-Signale überhaupt. So ist es beeindruckend, das verstärkte Signal eines Stereo-Hauptmikrofons direkt über Lautsprecher abzuhören (Detailreichtum, Räumlichkeit und vor allem die Durchhörbareit sind substanziell besser, als wir das von Tonkonserven gewohnt sind). Wenn es um Schallaufzeichung geht (Stichwort ADDA oder Magnetbandaufzeichung), dann sind Mikrofonsignale meine Referenz.

Weil die Audioqualität des Mikrofonsignals so herausragend gut ist, war es für mich naheliegend anzunehmen, die „üblichen“ Mikrofonkabel mit ihren kleinen Drähtchen und ihren festen Schirmgeflechten würden viel Potential „verschenken“. Umso erstaunter war ich, dass ich bei einem direkten Vergleich (Testaufbau siehe unten) zwischen nicht-geschirmten symmetrischen Kabeln (Eigenkonstruktionen, Vovox direct link) und „normalen“ Mikrofonkabeln von der Stange (Cordial zweiadrig und geschirmt, in guter Profiqualität) nur einen vergleichsweise geringen Unterschied hören konnte. Wenn ich einen Hörvergleich mit guter Quelle und guten Aktivlautsprechern mache, dann höre ich deutlich größere Unterschiede zwischen verschiedenen Kabeln.

Das hat mir zu denken gegeben. Worin besteht der Unterschied zwischen der Übertragung von Mikrofonsignalen und der Übertragung von sonstigen symmetrischen NF Audiosignalen (wie wir sie z.B. zwischen Vorverstärker und Aktivlautsprechern haben)? Eigentlich nur im Pegel und in der Phantomspeisung P48, die bei einem Mikrofonkabel ebenfalls transportiert werden muss. Dass es am Pegel liegen soll, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. O.K. das nicht verstärkte Mikrofonsignal liegt bei mir ca. 35 dB niedriger als das durch den Mikrofonvorverstärker verstärkte. Das ist schon was. Aber daran kann es eigentlich nicht liegen, sonst müsste es zwischen Quelle und Aktivlautsprecher mit Standardkabeln bei leisen Passagen nahezu genauso gut klingen, wie bei den Selbstgedrillten. Und ein solcher Effekt wäre mir aufgefallen. Ich tippe also eher auf die Phantomspeisung, denn die ändert die Spannungsverhältnisse im Kabel grundlegend.

In diesem Beitrag von EBS ist die Phantomspeisung P48 schön beschrieben. Gehen wir von einem „normalen“ geschirmten Mikrofonkabel aus, das aus zwei Aderleitern und einem Schirm besteht. Zwischen dem 0V Leiter (Schirm, bei XLR-Steckern auf Pin 1 auf beiden Seiten aufgelegt) und den beiden Modulationsadern („Hot“ Pin2, „Return“ Pin 3) wird über zwei gleich große Widerstände à 6,8 kOhm eine Gleichspannung von 48 V zugeführt. Hierdurch entsteht eine Spannungsdifferenz nur zwischen den Modulationsadern und dem Schirm, nicht aber zwischen den Modulationsadern selbst, sofern die beiden Widerstände gleich groß und gut selektiert sind. Da geschirmte, „einfache“ Mikrofonkabel recht gut abschneiden, stellt sich also die Frage: Was bringt die 48 V Vorspannung zwischen Schirm und Modulationsleitern für einen Vorteil?

Der Testaufbau

Damit Ihr nachvollziehen könnt, was ich da eigentlich wie getestet habe, beschreibe ich den Testaufbau. Wie testet man Mikrofone, Mikrofonvorverstärker, Mikrofonkabel? Häufig liest man von umfangreichen Testergebnissen, ohne dass klar ist, wie sie zustande kamen. Manchmal findet man dann Aufbauten wie dieser hier, …

Bild
Negativbeispiel für den Aufbau bei Mikrofontests

… wo verschiedene Mikrofone gleichzeitig Aufzeichnungen des Original-Schallfelds machen sollen. Wer sich damit einmal beschäftigt hat – und das kennt Ihr sicher von Euren Messmikrofonen – so ändert sich das „abgenommene“ Audiosignal empfindlich mit der Positionierung des Mikrofons. Hinzu kommt, dass sich die Mikrofone gegenseitig stören in einem solchen „Wald“. Für mich kam das als Testverfahren also nicht in Frage.

Eine Alternative ist, dass man den Künstler bittet, zweimal genau das gleiche zu spielen und nimmt es mit zwei verschiedenen Mikrofonen / Aufnahmeketten räumlich an der gleichen Stelle, zeitlich aber hintereinander auf. Na ja, zweimal das gleiche genau gleich tun, ist für einen Menschen immer schwierig. Das können sehr gute Künstler vielleicht besser als nicht ganz so gute. Aber wirklich genau zweimal das gleiche hintereinander spielen kann nur eine Maschine. Welte-Mignon wäre vielleicht eine Alternative, wenn man diese Technik so justieren könnte, dass sie gut reproduzierbar arbeitet - aber die hatte ich halt gerade nicht zur Hand ;)

Ich will kurz zusammenfassen, welche Erfahrungen ich mit Flügelaufnahmen gemacht habe:
  • Mehrfach hintereinander das gleiche (menschliche) Spiel am Flügel aufzuzeichnen eignet sich ganz gut, so lange es um substanzielle Unterschiede geht. Geht es darum, Feinheiten hörbar zu machen, versagt dieses Verfahren.
  • Mono-Signale eignen sich ebenfalls nicht für Feinheiten. Gerade um Beurteilungskriterien wie Räumlichkeit, Ausprägung der Bühne, Lokalisierbarkeit aber auch die Charakteristik von Transienten nutzbar machen zu können, benötigt man ein Stereo-Signal (Hauptmikrofon).
Aus diesen Gründen kam ich auf die Idee, Mikrofone möglichst nah beieinander zu montieren, wie es von dem Tonmeister Volker Straus praktiziert wurde. Diese Konstruktion, das sog. Straus-Paket, diente dazu, aus einem Mikrofon mit Kugelcharakteristik und einem mit Nierencharakteristik in 1:1 Kombination gemischt, die Richtungscharakteristik einer breiten Niere zu erzeugen. Dabei werden Kleinmembranmikrofone verwendet, bei denen der Achsabstand hinreichend klein ist (bei meinen Neumännern KM ca. 22mm), so dass sich ein solches Paket in guter Näherung wie „ein“ Mikrofon verhält.

Ich habe solche „quasi-Straus“ Mikrofonpakete aus jeweils zwei möglichst gleichen Mikrofonen aufgebaut. Und aus zwei solcher Straus-Pakete habe ich einen Hauptmikrofon-Aufbau zusammengestellt. Auf den Bildern seht Ihr zwei solcher Pakte aus jeweils zwei Neumann KM 184 („Nieren“) in Äquivalenzanordnung (hier z.B. Abstand von 17,5 cm bei einem Achsenwinkel von ± 30°):

Bild
Die beiden "Quasi-Strauss"-Mikrofonpakete aus KM 184 von vorne

Bild
Der gleiche 4er Pack von hinten, gleiche Mikrofonkabel von Cordial

Was soll das mit dem 4er Pack? Betrachtet bitte mal diese Prinzipskizze:

Bild

Die Idee ist, die Mikrofone über Kreuz zu verwenden. Also aus dem Mikrofon L-a unten links in Kombination mit dem Mikrofon R-a oben rechts entsteht das Paar a. Und aus L-b in Kombination mit R-b das andere Paar b. Alle vier Kanäle werden gleichzeitig aufgezeichnet. Anschließend werden zwei Stereo-Dateien verglichen Datei a (Signal aus L-a und R-a) sowie Datei b (Signal aus L-b und R-b). Das ist zweimal die gleiche Aufnahme. Probe: Vergleicht man unter sonst gleichen Bedingungen zwei gleiche Mikrofonkabel wie auf den Bildern oben, so ergibt sich für meine Ohren kein signifikanter Unterschied, wenn ich Datei a und Datei b abspiele und vergleiche.

Das schöne ist: Das Resultat lässt sich immer wieder anhören und vergleichen. Wenn es – wie hier – um Kabeltests geht, dann geschieht das mit derselben Kette dahinter (Mikrofon-VV, ADC, etc.). Ich habe dieses Setup aber auch verwendet, um Mikrofon-Vorverstärker oder ADCs zu vergleichen. Das Verfahren ist also ziemlich universell, wenn es um Aufnahmeketten geht.

Vergleich von Mikrofonkabeln

Um die Phantomspeisung zwischen Mikrofonvorverstärker und Mikrofon übertragen zu können, muss Pin 1 auf beiden Seiten aufgelegt werden (Pin 2 und 3 natürlich sowieso). Für die nicht geschirmten Kabel ist das bei mir die Farbcodierung blau-blau. Ich habe auch andere Anschlussmöglichkeiten getestet, komme aber zu keinem besseren Ergebnis als bei blau-blau. Bei den geschirmten Kabeln habe ich die Farbcodierung schwarz-schwarz verwendet. Das entspricht dem üblichen Anschluss von konfektionierten, geschirmten Kabeln (auch das bedeutet, dass Pin1 beidseitig aufgelegt ist nur diesmal auf den Schirm).

1. Test: Vergleich Tricolore 5 vs. Cordial CMK 250

Verglichen habe ich eines meiner selbst gedrillten Kabel, das Tricolore 5 (siehe hier, etwas nach unten scrollen) mit einem einfachen Cordial CMK 250. Das Tricolore macht einen Tick mehr Finesse (Räumlichkeit, Transientendarstellung, Durchhörbarkeit). Aber ich muss schon zweimal hinhören. Kein Vergleich zu symmetrischen Verbindungen zwischen Vorverstärker und Aktivlautsprechern, wie ich sie sonst getestet habe.

Die Frage ist, wie kann das sein? Gehen wir nochmals zurück zur „normalen“ symmetrischen Verbindung etwa zwischen Vorverstärker und Aktivlautsprechern. Wir hatten doch gelernt, dass bei geschirmten Kabeln die Wechselfelder durch das Dielektrikum wabern und am Schirm „aufgehalten“ werden. Das Audio-Signal regt das Dielektrikum zwischen den Aderleitern und dem Schirm zu Schwingungen an und dies scheint sich negativ auf die Audio-Qualität auszuwirken. Das war eine der vielen Vermutungen zur Erklärung des Nachteils geschirmter symmetrischer Signalkabel.

Dem gegenüber wirkt bei den nicht geschirmten Kabeln überwiegend Luft als Dielektrikum und die Wechselfelder können sich im Vergleich zu einem geschirmten Kabel weiter von den Aderleitern entfernen, ohne von einem Schirm „aufgehalten“ zu werden.

Wir hatten aber auch gelernt, dass bei den nicht geschirmten Kabeln der eingeflochtene 0V Leiter schon eine schirmende Wirkung hat und gleichzeitig wie eine HF Antenne wirkt. Dieser Effekt scheint der resultierenden Audio-Qualität gut zu tun. Gert hat ihn als „HF-Vorelektrisierung“ bezeichnet und dabei auch erklärt, was die Phantomspeisung bei Mikrofonkabeln bewirkt:

Fortepianus hat geschrieben:Bekannt ist ja, dass Kabel besser klingen, wenn sie vorgespannt werden mit einer Gleichspannung, so wie bei Mikrofonkabeln üblich. Man macht das, um den Impedanzwandler im Mikro mit Spannung versorgen zu können. Als Nebeneffekt liegt der klangliche Vorteil bei dieser Art von DC-Vorspannung darin, dass das Dielektrikum zwischen den Leitern und dem Schirm nicht umgeladen werden muss, solange die DC-Vorspannung höher ist als der Hub des Nutzsignals. Das Umladen des Dielektrikums also ist ein Kabelproblem, halten wir das mal fest. Da sind eben kleine Hysterese-Effekte in den Dielektrika im Spiel.

Wie geht es nun weiter? Ich will mit Multicore-Kabeln experimentieren, wobei ich die verschiedenen Signale für hot + und return - auf verschiedene Cores verteilen will, so jedes für sich geschirmt ist. Die Idee dabei ist, dass bei Standard-Mikrofonkabeln Spannungsdifferenzen zwischen den verdrillten Aderleitern im Inneren des Kabels eben doch wieder durch das Audio-Signal hervorgerufen werden und die DC-Vorspannung zwischen den Aderleitern nicht hilft. Schirmt man dagegen jedes Signal für sich, könnte sich das positiv auswirken, weil es dann keine Wechselfelder zwischen den verdrillten Aderleitern gibt und die volle DC-Vorspannung durch P48 für alle Teilsignale zum Tragen kommt.

Mit diesen Experimenten will ich versuchen, insgesamt herauszufinden, wie weit ich mit „Standard“-Kabelmaterial komme und ob sich das Herstellen eigener Kabel lohnt. Gerade wenn es in Richtung Mehrkanal bei der Aufnahme geht und weil ich bei Mikrofonkabeln für Aufnahmezwecke auch ziemliche Längen brauche, muss ich mir schon genau überlegen, ob sich das Drillen und Flechten lohnt. Zumal eben solch ein Standard-Kabel sehr viel unempfindlicher ist und sich sehr viel eleganter verlegen, fixieren und zum Schluss wieder aufwickeln lässt als meine Eigenkreationen.

Viele Grüße
Harald

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Last but not least: Empirische Versuchreihe

Die hier gebrachte Zusammenstellung beschäftigt sich lediglich mit dem immer gleichen 5er Big Black XLR Kabel mit paralleler 6mm² Chassis-Verbindung. Das ist ein bestimmter Entwicklungsstand und es steht nichts im Wege, das Kabel weiter zu verändern und zu verbessern. Wer das tun möchte, kann von meinen Erfahrungen insofern profitieren, als ich jeden Zwischenschritt, der mich zu diesem 5er Big Black geführt hat, dokumentiert habe. In diesem Thread werden - vor allem auf den ersten sieben Seiten - die Zwischenschritte erläutert und bewertet.

Wer nun selbst Erfahrungen mit solchen XLR Kabeln macht, sollte dann am besten auch in dem letztgenannten Thread berichten. Das Bessere ist immer der Feind des Guten. :wink:

Viele Grüße
Harald
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