Einstellung von Lautsprechern IN der Wand

Tontechnische Basisthemen

Einstellung von Lautsprechern IN der Wand

Beitragvon Hironimus_23 » 24.06.2018, 19:16

Hallo zusammen,

folgendes Thema treibt mich zur Zeit umher, hierzu würden mich eure Meinungen und natürlich auch Tipps zur Optimierung interessieren.

Aufstellungsbedingt habe ich, anders als in meinem Hörraum, im Wohnzimmer die Lautsprecher in eine Wand gebaut, um optischen Ansprüchen von Mitbewohnern zu genügen. Die hier thematisierten Frontlautsprecher sind links und rechts vom ebenfalls in die Wand integrierten TV platziert (s.h. Bild der rechten Box) und haben einen Abstand von 1,90m zueinander (Mitte Hochtöner zu Mitte Hochtöner). Dass das nicht optimal ist, ist mir bewusst, trotzdem bin (war) ich grundsätzlich damit zufrieden. Hinten den Lautsprechern ist 14 cm Platz bis zur hinteren Wand, die (Vorbau-)Wand hatte ich mich speziellem ISOVER-Dämmfilz ausgefüllt.

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Da die Lautsprecher Einstellmöglichkeiten, wie den Basspegel (<250Hz) und auch ein Hochpassfilter (12db/Okt) zum Abtrennen der Box zwischen 16Hz und 80Hz bietet, konnte ich die Integration frei von Dröhen in die Wand vollziehen. Das vermeintlich letzte Quäntchen Potenzial holte ich durch Acourate heraus, in dem ich mit verschiedenen Zielkurven experimentierte.

Und dann überkam mich ein Experiment (das ich ggf. hätte nicht machen sollen), indem ich die Lautsprecher aus ihren Nischen hervor zog und sie auf vernünftige Ständer stellte. Was ich damit zu hören bekam, war noch deutlich besser, als die Position in der Wand. Die Position in der Wand klang deutlich „flacher“, auf den Ständern klang es viel räumlicher.

Also treibt mich jetzt die Frage, wie komme ich an den Klang der auf die Ständer gestellten Lautsprecher heran und sie trotzdem in der Wand zu belassen. Jetzt könnte natürlich eine Aussage kommen, dass Lautsprecher immer Platz nach hinten und zu den Seiten benötigen, um optimal spielen zu können. Wenn ich mir habe so Bilder aus Tonstudios anschaue, haben die oft auch in die Wände integrierte Lautsprecher. Wie gelingt es, diese optimal einzustellen ?

Wie seht ihr das, gibt es da noch „Stellschrauben“, die ich bislang noch nicht betrachtet hatte ?

Viele Grüße,
Hironimus
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Hironimus_23
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Beitragvon Daihedz » 25.06.2018, 22:07

Hallo Hironimus

Hironimus_23 hat geschrieben:... wie komme ich an den Klang der auf die Ständer gestellten Lautsprecher heran und sie trotzdem in der Wand zu belassen. ...

Geht wohl nicht. Immerhin scheinst Du nicht der Einzige zu sein, der sich derzeit mit genau dieser Frage herumquält:
http://www.diyaudio.com/forums/multi-wa ... -wall.html

Transforumsgrüsse
Simon
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Beitragvon Hornguru » 25.06.2018, 22:18

Nabend

Der Wandeinbau ist bei Tontechnikern beliebt weil er Reflektionen verhindert.
Es wird also technisch gesehen idr besser (solange eine ordentliche Positionierung möglich ist).

Wenn du die freie Räumlichkeit genießt findest du wohl gefallen an mehr Reflektionen.
Tiefe, Distanz, Luftigkeit wären typische Symptome.

Bei einer Hörposition in genau Raummitte oder Rückwand scheint nach jüngsten Erkenntnissen sogar ein perfektes virtuelles DBA via Acourate möglich.

Also für mich klingt so ein Wandeinbau sehr erstrebenswert :?

Gruß
Josh
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Beitragvon Hironimus_23 » 27.06.2018, 18:58

Danke Simon, ich werde mich dort mal diyaudio einlesen, auch wenn dort wohl nur die Feststellungen, aber keine Lösungen auf mich warten.

Hallo Josh, mag sein, dass ich auf Reflexionen stehe, wenn mir die Position vor der Wand besser gefällt. Aber der Unteschied zwischen in und vor der Wand kann sich doch nur auf die rückseitigen Reflexionen beziehen. Sind es somit ausschließlich die rückseitigen Refelxionen, die zu diesem Effekt führen ? Ein vDBA fällt bei mir raus, da eben Wohnzimmer und nicht Hörraum.

Schade, hätte gedacht, dass da noch etwas von mir optimiert werden kann. Ich werde nochmals die restlichen Lücken versuchen testweise zu verschließen, dort wi die Bücher links und rechts bei den Boxen stehen. Mal hören, ob sich dadurch etwas verändert.

Gruß
Hironimus
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Beitragvon KSTR » 27.06.2018, 23:52

Hironimus_23 hat geschrieben:Also treibt mich jetzt die Frage, wie komme ich an den Klang der auf die Ständer gestellten Lautsprecher heran und sie trotzdem *in* der Wand zu belassen
Mit Acourate der Wiedergabe *in* der Wand (W) den Frequenzgang von Amplitude und Phase verpassen, den sie *vor* der Wand hat (V). Also Korrektur K = V/W. Am Hörplatz, natürlich. In guter erster Näherung müsste das so klingen wie vor der Wand, aber ob sich der entscheidende Unterschied in der vernommenen Tiefenstaffelung auch präsentiert wäre interessant herauszufinden.
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Beitragvon Hans-Martin » 28.06.2018, 07:47

Moin,
wieviel echte Tiefenstaffelung bringen die zur Teferemz erkoremem Aufnahmen tatsächlich mit?
Jagen wir einem Phantom hinterher?
Ein Hörvergleich mit Aufstellung im Garten auf dem Rasen (fast Freifeldbedingung) könnte es zeigen.
Für die Tiefenstaffelung ist die Erkennbarkeit der Anfangszeitlücke (ITDG) entscheidend, mehr Diffusität ist ein Zeichen von Entferntheit, schafft man es, den Solisten deutlich vorn zu orten? Das würde ich als Zeichen einer guten Wiedergabe priorisieren.
Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon Hans-Martin » 28.06.2018, 11:16

Hans-Martin hat geschrieben:wieviel echte Tiefenstaffelung bringen die zur Teferemz erkoremem Aufnahmen tatsächlich mit?

Oops, das sollte natürlich heißen: wieviel echte Tiefenstaffelung bringen die zur Referenz erkorenen Aufnahmen tatsächlich mit? So geht es, wenn man vor dem Frühstück ohne Brille schreibt...
Die Lautsprecherwiedergabe im Garten fand ich gänzlich unbefriedigend und enttäuschend. Unlebendig, wie zu erwarten natürlich viel zu schwach im Bass, und mit einem größeren Loch in der Mitte als im Wohnraum.

Wenn im Studio die LS wandschlüssig in einem Raum (gebaut nach Reflection-Free-Zone (RFZ) Regeln) angeordnet sind, zielt das auf Kantendiffraktionsproblemfreiheit und soll Kammfiltereffekte durch den Wandabstand vermeiden. Die Kunst des Tonmeisters besteht nun u.a. darin, zu wissen - oder vorauszuahnen, wie ein durchschnittlicher Raum bei unbekannter LS-Aufstellung als Variable den Klang verändert.
Diese Variable diskutieren wir gerade, im Studio ist sie weitgehend neutralisiert.

Deshalb benutze ich Eckwoofer bis knapp über 300Hz und Haupt-LS für den Rest, die leicht austauschbar sind, Dipol, Kardioid, Breitbänder, Koaxial, Horn (die Eckwoofer haben auch eine gewisse Hornschallführung). Wie diese in den Raum gegenüber Wänden integriert sind, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks (und von meinen Bose901-Nachbauten der 1970er Jahre bin ich schon lange weg)
Rundstrahler wie Walsh und Derivate, MBL, Duevel u.ä. können nur frei aufgestellt werden, klingen für meine Ohren in größeren Räumen auch nicht schlecht. Deren Richtwirkung ist omnidirektional, Raumhall hat im MT/HT eine ähnliche Klangfarbe, was bei bündelnden LS kaum gelingt.

Deshalb würde ich eine wandschlüssige Montage nicht per se als optimal ansehen, zumal man zunächst beim Boxenhersteller anfragen sollte, inwieweit die Gehäuseform und Abmessungen in die Chassisauswahl und das Frequenzweichenkonzept die bekannten Aspekte Bafflestep, Kantenbeugung etc. miteinbezogen wurden. Bei wandschlüssiger Montage (flush-mount) könnten diese hinfällig sein (Acourate wirds schon richten...)
Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon cddumat » 01.07.2018, 11:19

Hironimus_23 hat geschrieben:Also treibt mich jetzt die Frage, wie komme ich an den Klang der auf die Ständer gestellten Lautsprecher heran und sie trotzdem in der Wand zu belassen. Jetzt könnte natürlich eine Aussage kommen, dass Lautsprecher immer Platz nach hinten und zu den Seiten benötigen, um optimal spielen zu können. Wenn ich mir habe so Bilder aus Tonstudios anschaue, haben die oft auch in die Wände integrierte Lautsprecher. Wie gelingt es, diese optimal einzustellen ?


Grundsätzlich ist es ja so, dass die Schallwandbreite einen Baffle-step erzeugt. Eine in die Wand eingebaute Box hat nun den Extremfall einer unendlich breiten Schallwand, hier existiert also kein Baffle step mehr. Des weiteren entfallen die Kantendiffraktionen bei einem bündigen Wandeinbau. Diese Effekte liegen in Summe locker bei 6 dB und mehr (min zu max).

In Deiner Situation hast Du ja zuerst den in die Wand gesetzten Lautsprecher mittels der in der Box eingebauten Kompensationsmöglichkeiten und accourate entzerrt. Danach ziehst Du die Box aus der Wand und erhälst eine andere Abstimmung, die Dir deutlich besser gefällt. Dass diese beiden Situation gänzlich unterschiedlich sind, ist nicht nur zu erwarten, sondern muss so sein (ich blende jetzt mal Sonderfälle aus).

Mach doch mal eine Messung der Abstimmung die Dir jetzt gut gefällt (Entzerrung auf die Situation in der Wand, Box allerdings ausserhalb), betrachte dies als Zielkurve, und versuche mit accourate diese auch mit einer in die Wand eingebauten Box zu erreichen.

Dies zumindest wäre meine Herangehensweise. Ganz gleich werden die Situationen nicht werden (da ja auch wie hier im thread schon erwähnt die Situation der rückwärtigen Reflexionen unterschiedlich ist), aber eigentlich solltest Du so sehr nahe an die freistehende Variante herankommen, die die jetzt gerade gut gefällt.

Schönen Sonntag noch, Clemens
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Beitragvon musikgeniesser » 28.09.2018, 19:40

Lieber Hironimus,
liebe Forenten,

könnte die Vorbauwand eine Quelle des Verdrusses sein?
Hironimus_23 hat geschrieben:(...) die (Vorbau-)Wand hatte ich mich speziellem ISOVER-Dämmfilz ausgefüllt.


Die Wand ist vermutlich aus Holz. Meine Vorstellung wäre, dass sie nicht zu dämmen, sondern zu beschweren wäre, um akustisch möglichst tot zu sein. Also die Hohlräume mit Sand statt mit Filz füllen oder, etwas praxisgerechter, beispielsweise mit Hawaphon bekleben und dann den Filz zusätzlich drinnen lassen.

https://www.korff.ch/de/hawaphon/

Andererseits könnte ich es gut verstehen, wenn Dir die Lust inzwischen vergangen sein sollte, in die Vorbauwand noch Arbeit oder gar Geld zu investieren. Ich hoffe, dass Du eine Dich zufriedenstellende Lösung finden wirst oder bereits gefunden hast.

Danke für Euer Interesse

Peter
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Beitragvon Hironimus_23 » 28.09.2018, 19:51

Hallo Peter,

du hast es richtig erfasst, die selbstgebaute Vorbauwand werde ich nicht mehr öffnen, das wäre ein riesiger Aufwand mit dann auch noch ungewissem Ergebnis.

Wir meinem Vorstellungsfaden zu entnehmen ist, findet bei mir derzeit ein gravierender Wechsel der Gerätschaften statt. Wenn dieser abgeschlossen ist und der Streamer mit seiner Raumkorrektur wieder im Einsatz ist, werde ich nochmals mit den Acourate-Einstellungen und Zielkurven experimentieren. Möglichwerweise wird sich dann auch ein verbessertes Hörerlebnis einstellen.

Gruß,
Hironimus
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