Umgang mit HDCD-kodierten Dateien

Tontechnische Basisthemen

Beitragvon Hans-Martin » 19.01.2017, 00:10

Fortepianus hat geschrieben:Auch Kari Bremnes "Svarta Bjørn" klingt dekodiert erheblich besser, und auch die ist invertiert.

Nun werde ich mich nach und nach durch die Klassiksammlung arbeiten - da kriegt der Rechner ordentlich was zu tun. Wobei ich so aus dem Stand keine einzige Klassik-CD nennen könnte, die HDCD-kodiert ist. Aber wer weiß - foobar wird da wahrscheinlich schon was finden bei so vielen CDs.

Hallo Gert,
meine Kari Bremnes CDs sind ausnahmlos (einschließlich Svarta Bjørn) positiv, nicht invertiert.
Bei Klassik ist es umgekehrt, extrem selten HDCD, aber überwiegend invertiert (mit wenigen Ausnahmen).
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Fortepianus » 19.01.2017, 09:56

Hallo Peter,

musikgeniesser hat geschrieben:Wie soll ich mir das vorstellen? Du hast bei Deiner CD-Ripperei auch hochauflösende CDs gehabt, das aber nicht bemerkt. Wohl aber hat es Dein Rechner bemerkt und vorsorglich schon mal im hochauflösenden Format kopiert. Gehört hast Du alles normal aufgelöst.

Aufgrund dieses Strangs nun hast Du Dir gedacht, Deine NAS einmal dahingehend durchzusehen, was denn tatsächlich kopiert worden ist und -- man glaubt es kaum -- es sind auch hochauflösende Dateien darunter. Mit großer Freude erschließt Du Dir -- aufgrund einer Anregung hier -- mit dem neuen Foobar-Plugin Deine hochaufgelöst kopierten Dateien.

Der Rechner bemerkt beim Rippen gar nichts davon. HDCDs haben ganz normale CD-Auflösung, also 16bit bei 44,1kHz Samplingrate. Im letzten, niedrigstwertigen Bit ist aber ein Code versteckt, der einen geeigneten Dekoder so steuern kann, dass die mögliche Dynamik um 6dB zunimmt (siehe Kompressionskurven weiter oben im Thread). Man kann das ganz normal abspielen, ohne Dekoder, und man mag denken, dass die Aufnahme eben ein wenig viel Dynamikkompression abgekriegt hat, falls man sich überhaupt etwas denkt dabei. Aber erst dekodiert spielt die HDCD ebenso wie der daraus gerippte File die aufgezeichnete Dynamik voll aus. Dass der gerippte File den HDCD-Dekoder dabei ebenso steuern kann wie die originale HDCD, ist ein Hinweis darauf, dass das Rippen bitgenau erfolgte.

Nun gibt es HDCDs, bei denen das auf der Hülle draufsteht. Da ist alles klar, man rippt das und weiß, dass man mit erst einem Dekoder die volle Dynamik kriegt. So bei mir z. B. mit der CD "Sailing to Philadelphia" von Mark Knopfler. Die kannte ich aus einem früheren HiFi-Leben, abgespielt mit dem Teac-Laufwerk, gewandelt mit dem Parasound-DAC, der HDCDs dekodieren konnte, und dann über einen VV in die BM20. Deshalb wusste ich, dass da eine ganz andere Dynamik drinsteckt als ohne diese Dekodierung.

Nun gibt es aber CDs, die diesen HDCD-Steuercode im letzten Bit haben, ohne dass es draufsteht. Und noch perfider, die HDCDs teilen sich dann auf in zwei Gruppen: Die einen haben zwar die Markierung, nutzen aber die mögliche Dynamiksteuerung gar nicht (da ist das also für die Katz'), und andere nutzen sie. Das wiederum kann man erst sehen, wenn man eine Software nutzt, die diesen Steuercode auslesen kann und den Parameter "Peak Extension" anzeigt. Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen, da steht dann entweder "disabled" (für die Katz') oder "enabled". Und genau das kann dieses hier diskutierte foobar-Plugin, und noch mehr, nämlich bei Bedarf auch diejenigen HDCD-Files, die "enabled" sind, in einen 24bit-flac-File wandeln, der dann die volle Dynamik enthält, ohne irgendwelchen Dekodierbedarf.

Und auf die Art und Weise habe ich in meiner Sammlung noch ein paar "enabled"-HDCDs entdeckt, von denen ich das nicht wusste.

Jetzt etwas klarer?

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon llucki » 19.01.2017, 12:55

Hallo zusammen,

wie man beim Rippen alle CDs mit HDCD-Markierung dekoriert, ohne sich Gedanken darüber zu machen, hatte ich im zweiten Beitrag dieses Threads vorne ja beschrieben:

llucki hat geschrieben:seit einiger Zeit rippe ich mit dem dbPowerAmp. Dort kann man unter 'DSP' den 'Effect' 'HD HDCD' dauerhaft hinzufügen. Bei normalen CDs macht das nichts, bei HD CDs werden diese 20 Bit-CDs HDCD dekodiert und als 24 Bit Files gespeichert.

Wie wir im Verlauf des Threads dann allerdings gelernt haben, führt diese Methode dazu, dass auch alle CDs dekodiert werden, die zwar die HDCD-Markierung haben, aber keine kodierte Version enthalten (Peak Extension disabled). Das Ergebnis sind 24 Bit-Files, die nicht anders klingen als deren 16 Bit-Ausgangsversionen.

Um sicher zu gehen und die Sache bewußt zu steuern, ist wohl die beste Methode, wie bereits beschrieben, erst mal alles normal rippen und anschließend diese foobar mit HDCD-PlugIn-Suche über alle Files laufen zu lassen, dann anhand der Trefferliste entscheiden, was zu dekodieren sich lohnt.

Dies nur der Vollständigkeit halber, weil der PC zumindest die Markierung durchaus bemerken und reagieren kann. Nur eine automatische Methode, die auch den Status von Peak Extension berücksichtigt, ist mir leider nicht bekannt.

Viele Grüße
Ludger
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Beitragvon uli.brueggemann » 19.01.2017, 13:36

Das dbPowerAmp verwendet im Prinzip die hdcd.exe (siehe auch Programmverzeichnis). Die exe kann man selbst auch "zu Fuß" aufrufen, -help zeigt die möglichen Parameter und ihre Bedeutung.
Auf jeden Fall bei dbPowerAmp nicht die +6 dB Verstärkung wählen, das ergibt evtl. ein Clipping !

Grüsse
Uli
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Beitragvon Buschel » 19.01.2017, 18:57

Hallo zusammen,

man kann den HDCD-Dekoder natürlich auch auf nicht-PE aktivierte Dateien loslassen. Das macht die Anwendung leichter, weil man einfach ganze Alben dekodieren lässt. Der im wav noch deutliche Zuwachs an Dateigröße (16 bps auf 24 bps) verschwindet nach Kodierung in flac sogar für HDCD-Dateien mit PE fast vollständig.

Ich überlege gerade die HDCD-Alben im Original separat zu archivieren, und die dekodierten Alben in meine aktive Musiksammlung zu überführen. So bleibt das Original erhalten, ich kann aber die "fehlerhafte Dynamik" für die alltägliche Wiedergabe korrigieren.

Viele Grüße,
Andree
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Beitragvon musikgeniesser » 20.01.2017, 14:47

Lieber Gert,
liebe Forenten,

Fortepianus hat geschrieben:Jetzt etwas klarer?


mehr als nur etwas, jau, tausend Dank!

Die Phonoindustrie, das sind schon echte Schurken -- die erlauben sich was, man, man, man! Jedenfalls weiß ich nun, worauf ich bei meinem bevorstehenden Heraustreten

Fortepianus hat geschrieben:aus einem früheren HiFi-Leben


so alles achten kann -- großartig.

Vielen Dank für Euer Interesse
und für Deine Mühewaltung

Peter
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