Höreindrücke, Messwerte und deren Interpretation

Tontechnische Basisthemen

Höreindrücke, Messwerte und deren Interpretation

Beitragvon pschelbert » 14.04.2016, 12:54

Hallo zusammen,

moderativer Hinweis: die folgende Diskussion ist im Rahmen des Threads DA-Wandler ohne Glättungsfilter entstanden. Ich habe versucht, die zum Thema "Höreindrücke, Messwerte und deren Interpretation" gehörenden Beiträge hier zusammenzutragen. Das ist nicht immer ganz trennscharf gelungen. Ich bitte um Verständnis.

Viele Grüße
Harald




phase_accurate hat geschrieben:
This is opposed to the cost constrained “audio DAC chips” marketed to the “audio” sector(Read DS).Multibit DACs are capable of converting a literal copy of the input data. DS ones cannot.


In einem Punkt stimmt diese Ausage: Grob betrachtet stimmt die Ausgangsspannung eines Multibit DACs mit dem binären Wert überein, den man am Eingang anlegt, währenddem am Ausgang des SD DACs ein pulsdichtemoduliertes Signal anliegt, das erstmal keine direkten Rückschlüsse auf die Bits zulässt, welche am Eingang anliegen. Diese Betrachtungsweise ist aber zu kurz gefasst, da der Multibit DAC Fehler in der Linearität kennt, welcher beim SD DAC Prinzipbedingt nicht auftreten können. Das Ganze Statement hat für mich etwas von Marketinggeschwurbel. Letztlich kommt es auf die Genauigkeit des eigentlichen Audiosignal drauf an und nicht auf das ungefilterte DAC Ausgangssignal.

Uebrigens ist die Unterscheidung zwischen DS DACs und Multibit DACs etwas ungenau. Die Meisten Leute meinen 1 bit DS DAC wen sie von DS DAC sprechen. Es gibt aber auch multibit DS DACs (und natürlich auch entsprechende ADCs) wie z.B. den PCM1710.

Gruss

Charles


Hallo

also der Schiit z.B. YGGDRASIL ist nicht so sehr genau (gibt es bessere Schiit DAC? Ist ja auch billig nur 2300$...):
THD+N: 0.00006 -84.43697499dB
Das kann die Konkurrenz besser z.B. RME oder Weiss (noch besser) oder Lynx: -100dB, um die -110dB

Also Konkurrenz ist doch um 6-8 Bit genauer!

Ja, ja, ein deutsches Wertprodukt wie das RME ist halt ein Arbeitspferd, so wie ein VW-Käfer, nicht so schön aber gut (aber ohne Schadstoffaustoss.. smile :)

Gruss

Peter
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pschelbert
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Beitragvon RS.schanksaudio » 14.04.2016, 13:20

pschelbert hat geschrieben:also der Schiit z.B. YGGDRASIL ist nicht so sehr genau (gibt es bessere Schiit DAC? Ist ja auch billig nur 2300$...): THD+N: 0.00006 -84.43697499dB
Das kann die Konkurrenz besser z.B. RME oder Weiss (noch besser) oder Lynx: -100dB, um die -110dB


Um das mach in den Kontext zu setzten was mit den Delta-Sigma Top-DAC heutzutage (theoretisch = in Abhängigkeit vom Boarddesign) möglich ist:

AKM 4497EQ: S/N 128/131 dB ; THD+N: -116 dB
ESS Sabe 9018S: S/N 133/135 dB ; THD+N: -120 dB
TI PCM1794: S/N 127 dB ; THD+N: -106 dB

Bei ESS kommt ein 9038PRO mit 140 dB SNR und 122db THD+N
etc...

(alles Herstellerangaben aus den Datenblättern der ICs)


Viele Grüße
Roland
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Beitragvon lessingapo » 14.04.2016, 15:12

Hallo Roland und Peter,
gemessen worden ist THD sogar noch schlechter...
Bloss:ist das relevant? Ihr gehört der Technische-Werte-Fraktion an-
ich eher nicht.Der RME-Adi war hier mal sehr beliebt,in der letzten Zeit
wird nicht mehr soviel darüber berichtet.
Schiit war lange-ganz bewusst-und ist auch immer noch im 100-400$-Bereich
unterwegs,sehr erfolgreich übrigens. Jetzt haben sie in weniger als einem
Jahr ca 1250 Y's für 2300$ verkauft,gebraucht tauchen nur silberne auf,wenn mal
wieder eine Kleinserie in schwarz aufgelegt wird.Das sind Werte,die mich
und andere überzeugen.Wie ich an andere Stelle schrieb,der Klang ist der
natürlichste,den ich bisher aus einem Dac gehört habe(war wohl auch
Entwicklungsziel),an welchem Messwert mag es liegen?
Grüsse
Wolfgang
lessingapo
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Beitragvon Truesound » 14.04.2016, 17:54

pschelbert hat geschrieben:
phase_accurate hat geschrieben:
This is opposed to the cost constrained “audio DAC chips” marketed to the “audio” sector(Read DS).Multibit DACs are capable of converting a literal copy of the input data. DS ones cannot.


In einem Punkt stimmt diese Ausage: Grob betrachtet stimmt die Ausgangsspannung eines Multibit DACs mit dem binären Wert überein, den man am Eingang anlegt, währenddem am Ausgang des SD DACs ein pulsdichtemoduliertes Signal anliegt, das erstmal keine direkten Rückschlüsse auf die Bits zulässt, welche am Eingang anliegen. Diese Betrachtungsweise ist aber zu kurz gefasst, da der Multibit DAC Fehler in der Linearität kennt, welcher beim SD DAC Prinzipbedingt nicht auftreten können. Das Ganze Statement hat für mich etwas von Marketinggeschwurbel. Letztlich kommt es auf die Genauigkeit des eigentlichen Audiosignal drauf an und nicht auf das ungefilterte DAC Ausgangssignal.

Uebrigens ist die Unterscheidung zwischen DS DACs und Multibit DACs etwas ungenau. Die Meisten Leute meinen 1 bit DS DAC wen sie von DS DAC sprechen. Es gibt aber auch multibit DS DACs (und natürlich auch entsprechende ADCs) wie z.B. den PCM1710.

Gruss

Charles


Hallo

also der Schiit z.B. YGGDRASIL ist nicht so sehr genau (gibt es bessere Schiit DAC? Ist ja auch billig nur 2300$...):
THD+N: 0.00006 -84.43697499dB
Das kann die Konkurrenz besser z.B. RME oder Weiss (noch besser) oder Lynx: -100dB, um die -110dB

Also Konkurrenz ist doch um 6-8 Bit genauer!

Ja, ja, ein deutsches Wertprodukt wie das RME ist halt ein Arbeitspferd, so wie ein VW-Käfer, nicht so schön aber gut (aber ohne Schadstoffaustoss.. smile :)

Gruss

Peter


Hallo Peter,

bei den THD Angaben ist etwas falsch THD+N von 0.00006 Prozent wären -124.43dB. Ein Wert von -84.44 dB THD+N wären dagen 0.0060048% THD+N.
Wenn Schiit so etwas angibt ist das nicht besonders fachkundig
Der DAC des RME ADI 2 hat 0.0006 Prozent THD was einem Wert vom -104.436974992 dB THD entspricht.

Die Werksangeben des besagten 2300 US Dollar Schiit Gerätes sind dagegen:
Output Impedance: 75 ohms

Frequency Response, Analog Stage: 20Hz-20Khz, +/-0.1dB, 0.5Hz-200KHz, -1dB
Maximum Output: 4.0V RMS (balanced), 2.0V RMS (single-ended)

THD: Less than 0.006%, 20Hz-20KHz, at full output
IMD: <0.007%, CCIF, at full output
SNR: > 117dB, referenced to 2V RMS

In dem Fall hätte der bald 12 Jahre alte RME ADI-2 (580 Euro) um Faktor 10 bessere THD Werte!!

Die technischen Messwerte eines RME ADI-2 sind auch heute 12 Jahre nach erscheinen bestimmt kein VW Käfer. Ein VW Käfer ist dagegen seine Zuverlässsigkeit. Seine Messwerte was THD angeht sind eher im Bereich Referenzklasse angesiedelt.
Der neue RME ADI-2 Pro (1399 Euro) sein Nachfolger wird bei THD bei DA-Wandlung bei ca. 0.0003 Prozent oder etwas darunter noch was -110,46 dB entspricht liegen.
Da muss man sehr lange suchen um Wandler zu finden die diese Werte tatsächlich auch erreichen beispielsweise Lynix....

Hier mal ein paar Messwerte von bereits betagtem Equipment welches bei genauem Lautsärkeangleich auditiv extreme Probleme bereitet zu unterschieden bis unmöglich ist....
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und hier mal die Messwerte eines SMSL M 8 USB DAC der derzeit via Massdrop für 150 US Dollar verkauft wird:
Bild
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..und zum Schluss die Messwerte eine RME ADI-2 in Eigenmessung.
Die Limitierung ist der gemessene DA Wandler und nicht dessen AD Wandler der ungefähr doppelt so gut was THD angeht gegenüber dessen DA ist:
Bild

Last but not least schauen wir uns den Frequenzgang des RME an....der ist gerade wie im Bilderbuch...andere Frequenzgänge besagter Geräte sind auch gerade oder schon längst auditiv ausreichend gerade aber was wir hier beim RME ADI-2 sehen ist wirklich extrem akkurat für die Leute die nicht nur hören sondern sich auch bezüglich technischer Umsetzungsgüte des Gerätes erfreuen wollen...ganz klar da wurde nicht nur Pi mal Auge irgendetwas geplant und gebaut. Der FG ist wie aus dem Bilderbuch:
Bild

Grüße Truesound
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Beitragvon Truesound » 14.04.2016, 18:25

....In Wahrheit gehört der RME ADI-2 und besonders sein Nachfolger der RME ADI 2 Pro schon in die Gruppe der Referenzklassewandler neben den Geräten von Lynix was die technischen Messwerte angeht....
Da muss man nicht nur im Pro Lager schon richtig Tief in die Tasche greifen um das nochmal etwas zu toppen.... Stagatec Truematch ADDA Systeme, Prism etc etc. etc. und da erreicht man auch tatsächlich bessere THD Werte auch nur wenn man das mehr was diese Geräte an technischer Dynamik aufweisen so nutzt das man diese Wandler bei der Messung eben nicht bis auf -1 dBFS aussteuert...was man locker kann weil das Gerät noch mehr an messtechnischer bzw nutzbarer Dynamik aufweissen....bei Aussteuerung bis auf -1 dBFS sind sie was THD angeht nicht wirklich deutlich besser.....
In wie weit das in der Praxis überhaupt noch eine Bedeutung hat der werfe einen Blick auf die Messwerte der betagten Geräte und ihrer bestechend guten auditiven Eigenschaften was die Signalakkuratesse in der Praxis angeht....
Wenn man sich bemüht immer besser zu werden denn hat das was damit zutun das in der professioenllen Praxis es vorkommen kann das ein Signal mehrfach eine ADDA Wandlung erfahren kann wobei Abweichungen sich dann summieren können....und um eben zu erreichen das trotz mehrfacher ADDA Wandlung auditiv nichts bemerkt werden kann....

Bei der Betrachtung obiger THD Messwerte gilt zu beachten das bei einem CD Player der eine Limitierung via CD eben auf 16 Bit hat dessen untere erreichbare Grenze was THD angeht bei 0.0013 Prozent liegt. Mehr gibt die Limitierung eines 16 Bit Systems selber nicht her.
Will ich unter diese 16 Bit THD Grenze kommen geht das nur entsprechend mit mehr Bit!


Grüße Truesound
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Beitragvon pschelbert » 14.04.2016, 21:41

Truesound hat geschrieben:Hallo Peter,

bei den THD Angaben ist etwas falsch THD+N von 0.00006 Prozent wären -124.43dB. Ein Wert von -84.44 dB THD+N wären dagen 0.0060048% THD+N.
Wenn Schiit so etwas angibt ist das nicht besonders fachkundig
Der DAC des RME ADI 2 hat 0.0006 Prozent THD was einem Wert vom -104.436974992 dB THD entspricht.

Die Werksangeben des besagten 2300 US Dollar Schiit Gerätes sind dagegen:
Output Impedance: 75 ohms

Frequency Response, Analog Stage: 20Hz-20Khz, +/-0.1dB, 0.5Hz-200KHz, -1dB
Maximum Output: 4.0V RMS (balanced), 2.0V RMS (single-ended)

THD: Less than 0.006%, 20Hz-20KHz, at full output
IMD: <0.007%, CCIF, at full output
SNR: > 117dB, referenced to 2V RMS

In dem Fall hätte der bald 12 Jahre alte RME ADI-2 (580 Euro) um Faktor 10 bessere THD Werte!!



Hallo

ist alles okay, die Werte von Schiit, meine und Deine sind identisch.
ich habe den Absolutwert geschrieben: 0.00006=0.006%=-84dB

Ja genau die RME sind so um Faktor 10 besser als der Schiit.
Der Schiit hat einen 20bit Wandler, der theoretisch (Datenblatt) -97 bis-100dB sein soll. Als Produkt ist es dann nur noch -84dB. Nicht berauschend. Der Wandler ist schon nichts besonderes, das Produkt drumrum verschlechtert nochmal, typisches Desingproblem, dürfte nicht soviel schlechter werden.

Mit VW-Käfer Vergleich habe ich das Design gemeint, ist nicht hip der RME Produkte, sind halt Werkzeuge und keine Desingobjekte.
Ich bin jedenfalls immer noch sehr zufrieden mit meinem Fireface UFX.
Die RMEs bringen die Qualität der Wandler voll zur Geltung, und ja sind nach wie vor Top.

Gruss

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Beitragvon Truesound » 14.04.2016, 21:54

Die Geschichte mit der Bandbreite eines Systems wird von seinen auditiven Auswirkungen stark überschätzt genauso wie das Thema Jitter.....

Grüße Truesound
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Beitragvon pschelbert » 14.04.2016, 23:10

Truesound hat geschrieben:Die Geschichte mit der Bandbreite eines Systems wird von seinen auditiven Auswirkungen stark überschätzt genauso wie das Thema Jitter.....

Grüße Truesound


Hallo

ja da bin auch derselben Meinung, wie hier im Forum auch schon erwähnt, ist CD-Technik 44.1kHz und 16Bit mit der auf ca. 20kHz begrenzten Bandbreite gehörmässig so hoch, dass offenbar doch bis heute niemand beweisen konnte dass es mehr braucht.
Dies gilt natürlich nur für Enduser (nicht für Studios die bearbeiten).
Voraussetzung ist dass die CD-Technik voll ausgenützt wird. Also Gigasamples müssen nicht sein...

Peter
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Beitragvon Truesound » 15.04.2016, 00:31

Im Aufnahmebereich ist man auch noch meistens mit 44.1 oder 48 kHz unterwegs und auch mal mit 96 kHz...mehr geht ja auch wie man bei 2 L Audio mit 352,8 kHz sehen kann...
Ist aber mehr ein Marketing als ein Qualitätsbeweiß....sieht halt toll aus wenn man sagen kann wir nehmen High End mit 352,8 kHz auf......
Klar im Aufnahmebereich in einer volldigitalen Verarbeitungskette ist 24 Bit schon von Vorteil an denen mit 32 oder 64 Bit dranne herumgerechnet wird....

Grüße Truesound
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Beitragvon chriss0212 » 15.04.2016, 08:22

Hallo,

ja...gute Frage ;)

Leider bin ich bis Ende nächster Woche noch recht stark eingebunden.

Aber dann werde ich mal versuchen einen NOS Filter (sofern man NOS einen Filter nennen darf) in den SOEKRIS zu laden und sowohl den Ausgang am DAC als auch am LS mit Mikrofon messen. Bin sehr gespannt! Momentan läuft mein SOEKRIS mit default Einstellungen was sicherlich mit irgend einem Oversampling Filter ist... mal sehen.

Viele Grüße

Christian
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Beitragvon Diskus_GL » 15.04.2016, 13:41

Hallo,

Truesound hat geschrieben:Die Geschichte mit der Bandbreite eines Systems wird von seinen auditiven Auswirkungen stark überschätzt genauso wie das Thema Jitter.....
Grüße Truesound


es ist die Frage wie man die Bandbreite interpretiert und vor Allem wie sie ermittelt wird.
Ich hab oft den Eindruck, daß das, was man als Frequenzgang (aus dem sich die Bandbreite ergibt) darstellt nur sehr begrenzt eine Aussage über die Wiedergabequalität oder gar die Signalreproduktionstreue zulässt - also dem worüber wir hier ja offenbar diskutieren, die möglichst orginalgetreue Reproduktion eines gegebenen zeitlichen Signalverlaufs, bzw. die sehr deutlichen Signalveränderungen durch Rekursionsfilter.

Der Frequenzgang ist ja ohnehin nur eine Darstellungsform nach einer mathematischen Transformation. Wenn die also das tatsächliche zeitliche Signalreproduktionsverhalten eines Systeme abbildet, dann müsste sich ja das sehr deutliche Pre- und Postringing auch im Frequenzgang bemerkbar machen. Die FFT eines perfekten Rechtecks ergibt ja einen linealglatten Frequenzgang, demnach müsste ein DAC mit linearem Frequenzgang auch ein Rechteck ohne Pre- und Posrringing reproduzieren (das Ringing müsste sich in Form von Welligkeiten im oberen Frequenzbereich darstellen).
Wenn ich mir dann z. B. die Rechteckantworten von DACs mit FIR ansehe und deren Frequenzgangdarstellung, erkenne ich das Pre- und Postringing nicht oder wenn dann bei Weitem nicht so deutlich wie man es im Signalzeitverlauf sieht (>0,02ms zeitliche Änderung, >10% Pegeländerungen, zusätzliche Pegelsprünge etc... - also keine "vernachlässigbare Grössenordnung!)...
Da die mathematische Beziehung stimmt, muss dieser "Fehler" woanders liegen..."falsches" Messignal, "falsche" Achsenauflösung etc....
M. M. n. liegt hier das Problem... denn wie bereits gesagt, der DAC muss das zeitliche Signal reproduzieren- das was an unsere Ohren kommt. Der Frequenzgang nütz mir nur, wenn er die Fehler im Signalreproduktionsverhalten auch entsprechend ihrer Grössenordnung darstellt... was ja meist offensichtlich nicht der Fall ist...

Grüsse Joachim
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Beitragvon cay-uwe » 15.04.2016, 14:55

Einmal mehr finde ich interessant wie sich so ein Thread entwickelt, aber ich bin froh, dass Uli um Feedback gefragt hat, denn das zwingt auch mich mich mehr mit der Materie zu beschäftigen.

Persönlich habe ich mich schon oft gefragt, woran der Klangunterschied aktueller Delta Sigma DACs und R2R DACs liegen kann. Auch ich bin der Meinung, dass ein Up- und Oversampling von Vorteil sein kann, insbesondere wenn es um die Gestaltung des Rekonstruktionsfilters geht, der letztendlich die Samplefrequenz, dessen Oberwellen, aber auch Alias-frequenzen zu unterdrücken soll. Um so höher die Samplefrequenz um so vorteilhafter gestaltet sich das Rekonstruktionsfilter da es weit außerhalb des Hörspektrums dimentioniert werden kann.

Wie unterschiedlich sich DACs im Frequenz- und Zeitbereich zeigen, wird an folgenden Messungen dargestellt.

R2R vs Delta Sigma DAC Messungen

Man erkennt, dass Delta Sigma DACs im Vorteil im Frequenzbereich sind, aber jedoch je nach Implementierung Nachteile im Zeitverhalten haben ( siehe Überschwinger, etc. )

Die R2r DACs ( wie z.B. der famose PCM1704, oder neuerdings der Soekris ) zeigen ein wesentlich besseres Zeitverhalten ( man scheu sich die Impuls und Rechteckwiedergabe an ), dafür aber weniger gut im Frequenzbereich agieren.

Allerdings, eine Aussage auf der Webseite hat mich nachdenklich gemacht und deckt sich mit meinen Erfahrungen, speziell bei stark ausgepegelten Aufnahmen, wie sie heute oft vorkommen. In diesen Fall wurden Signale genommen, die 0dB Pegel besaßen. Oft besitzen Rock- oder Pop-CDs Maximalpegel von bis zu -0.01dB oder höher ...

Some delta-sigma DACs distort signal at this level that I made test with a lower level. PCM1794A required level -2dBm without distortion and PCM5102 -4dBm.


Kann das ein Grund sein, der zu zum Teil zu so merklichen Klangunterschieden führt ? Wie gesagt, mir fällt das immer wieder bei Rock-Aufnahmen auf ...

Im Allgemeinen muss ich aber sagen, dass ich folgende Webseite und ihre Erklärungen sehr gut finde, denn unterschiedliche Messungen geben eventuelle auch Aufschluss:

Archimago FIR Messungen
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Beitragvon uli.brueggemann » 15.04.2016, 15:05

Bei einer FFT gehen im resultierenden Frequenzgang ALLE Zeitinformationen verloren. Der Frequenzgang gibt die steady-state-Amplituden an, also die Amplituden im EINGESCHWUNGENEN Zustand. Musik ist aber meistens ein nicht eingeschwungener Zustand, zumeist liegt eher ein transientes Verhalten vor. Das wird durch die FFT nicht abgebildet.

Um es einmal an einem für alle nachvollziehbaren Beispiel klarzumachen:
Der Frequenzgang ermittelt über ein beliebiges Musikstück (genaugenommen dann über eine beliebige aber für die FFT brauchbare Anzahl von Samples) bleibt unverändert selbst wenn man das Musikstück zeitlich umkehrt.
Ein rückwärts gespieltes Musikstück hört sich klar anders an. Aus dem Frequenzgang geht das aber definitiv nicht hervor, er ist für zeitliche Bewertungen nicht gebrauchbar.

Diskus_GL hat geschrieben:Die FFT eines perfekten Rechtecks ergibt ja einen linealglatten Frequenzgang

Die FFT eines Dirac-Pulses ergibt einen linealglatten Frequenzgang !
Ein Rechtecksignal ergibt für den Frequenzgang eine Bild der Harmonischen, in die das Signal zerlegt werden kann (plus spectral leaking).

Grüsse
Uli
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Beitragvon Diskus_GL » 15.04.2016, 16:42

cay-uwe hat geschrieben:Allerdings, eine Aussage auf der Webseite hat mich nachdenklich gemacht und deckt sich mit meinen Erfahrungen, speziell bei stark ausgepegelten Aufnahmen, wie sie heute oft vorkommen. In diesen Fall wurden Signale genommen, die 0dB Pegel besaßen. Oft besitzen Rock- oder Pop-CDs Maximalpegel von bis zu -0.01dB oder höher ...

Some delta-sigma DACs distort signal at this level that I made test with a lower level. PCM1794A required level -2dBm without distortion and PCM5102 -4dBm.


Kann das ein Grund sein, der zu zum Teil zu so merklichen Klangunterschieden führt ? Wie gesagt, mir fällt das immer wieder bei Rock-Aufnahmen auf ...


Hallo,

wo sind den die Unterschiede in den Höreindrücken?
Bei mir ist es eine verbesserte Lokalisation, bessere Tiefenstaffelung, mehr Details (gerade auch leise, wie Nebengeräusche) - also eigentlich nichts was mit Vollpegel zu tun hat (auch nichts, was man gemeinhin bei geringerem THD oder linearerem F-Gang erwarten würde).

Mein vorheriger FIR-DAC (Antelope Zodiac) hatte in allem z. T. deutlich bessere Werte (THD, F-Gang etc) als der jetzige NOS DAC (Metrum Musette) nur in der Signalreproduktion (also dem Zeitverhalten) war der FIR-DAC schlechter. Da die Unterschiede in den Höreindrücken sich mit diesem Unterschied in der Signalreproduktion auch gut erklären lassen, sehe ich die anderen Messwerte als nicht so relvant für die Hörwahrnehmung an (bzw. stelle die Aussagekraft dieser Messverfahren für die Hörwahrnehmung in Frage).

Wenn ich mir - z. B. in den Archiven der Stereophile - die Berichte und Messungen von DACs ansehe, gibt es eigentlich keine verlässliche Korrelation zwischen z. B. geringerem THD oder linearerem F-Gang und den geschilderten Höreindrücken zu diesem DAC... Wenn dann im Umkehrschluss der NOS-DAC "bessere" Höreindrücke liefert, ist das doch ein Anlass die Relevanz mancher Messwert zu hinterfragen (oder nach Ursachen zu suchen, warum diese trotz "Verbesserung" nicht zu den "erwarteten" Höreindrücken führen...).

Grüsse Joachim
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Beitragvon KSTR » 16.04.2016, 11:39

uli.brueggemann hat geschrieben:Bei einer FFT gehen im resultierenden Frequenzgang ALLE Zeitinformationen verloren. Der Frequenzgang gibt die steady-state-Amplituden an, also die Amplituden im EINGESCHWUNGENEN Zustand. Musik ist aber meistens ein nicht eingeschwungener Zustand, zumeist liegt eher ein transientes Verhalten vor. Das wird durch die FFT nicht abgebildet.
Das ist jetzt aber ein sehr verwirrendes Posting für die meisten User.

Die "FFT" ist erstmal lediglich ein Rechenverfahren (Spezialfall der DFT) zu Abbildung eines *beliebigen* Signals vom diskreten Zeitbereich (nämlich N Samples, N ist die Blocklänge der FFT) in den dieskreten Frequenzbereich (also Amplitude und Phase pro Frequenz), die aber KEINE Informationen vernichtet, und deshalb mit der inversen Transformation (iFFT) wieder in Zeitbereich zurücktransformiert werden kann, ohne Informationsverlust. Darauf basiert ja die ganze Technik der Convolver (um Rechenleistung zu sparen ggü der Faltung direkt im Zeitbereich).

Was du vermutlich meintest (???) : Wenn der User die Phaseninformation aus der FFT wegschmeißt, dann fehlen ihm die "Zeitinformationen", das originale Stück Signal kann nicht wieder hergestellt haben, sondern nur eines von undlich vielen, welche die selben Werte lediglich des Amplitudenteils der Information der FFT hat.

Oder nochmals als anschauliche Erklärung : Die Daten einer FFT sind die Werte von Amplitude und Phase von N (zigtausend) einzelnen Frequenzen. Die kann man als Vorschrift für eben N (zigtausend) kleine Oszillatoren sehen, welche Frequenz, welche Amplitude und welche Startphase man dort einstellen muss, um das orignale Signal wieder zu erhalten durch Addition all dieser Oszillatoren.... und zwar immer repetitiv in Blöcken der Länge N. Scheidet man einen einen Block davon an der richtigen Stelle aus, ist dieser 1:1 das orginale Zeitsignal.
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KSTR
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