Erfahrungen mit ADCs, Analog vs. ADDA und Digitalklang

Tontechnische Basisthemen

Beitragvon nihil.sine.causa » 15.10.2016, 13:19

Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure netten Worte. In der Tat hat es einige Zeit gebraucht; Vorbereitung, Durchführung, Dokumentation. Mein Ziel ist dabei Nachvollziehbarkeit und Lesbarkeit, deshalb ist es länglich geworden.

Ralf Koschnicke hat geschrieben:Wenn es richtig drauf ankommen soll, ob ADDA gleich Analog sein kann, dann muss der Aufbau etwas anders sein bzw. die Geräte sind dafür suboptimal ausgelegt.

Ja darüber haben wir ausführlich diskutiert. Das wird ein punktuell verändertes, vor allem aber sehr viel schlankeres Setup. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir nochmals einen Schritt nach vorne machen können. Ob es wirklich an der analogen Signalführung und Verstärkung liegt? Lassen wir uns überraschen!


Melomane hat geschrieben:
Fujak hat geschrieben:analogen Wiedergabe im Sinne eines Originals (was im Idealfall direkt live vom Mikrofon, Mic-Preamp in die Aktiv-LS eingespeist wird).

Ob das wirklich so ideal wäre?

Na das hängt eben von der Zielsetzung ab. Wenn man untersuchen möchte, welche Veränderungen am Ursprungssignal durch die verschiedenen Aufzeichnungstechniken hörbar stattfinden, braucht man schon ein solches Experiment. Ich habe das übrigens hier auch schon einmal beschrieben (Analoge Direktübertragung, Analog-Hinterband und ADDA im Vergleich). Das war schon ein beeindruckendes Hörerlebnis. Man sollte doch meinen, diese elektrischen Ströme, die in den Kabeln fließen, welche von den Mikrofonen kommen, ließen sich mit moderner Technik leicht verlustfrei reproduzierbar aufzeichnen. Dass dem nicht so ist und was bei den verschiedenen Techniken verloren geht (Details bei der Magnetaufzeichnung, Körperhaftigkeit bei der Digitalaufzeichnung) fand ich spannend zu hören.

Etwas völlig anderes ist es, wenn wir darüber sprechen, was uns an einer Musikproduktion berührt. Darüber geht es in diesem Thread immer nur am Rande. Gute Tonmeister (wenn sie denn auch Zeit und Ressourcen dafür haben) arbeiten mit den Gegebenheiten der jeweiligen Technik und besitzen extrem viele Stellschrauben, den von ihnen beabsichtigten Klang zu formen. Analog vs. Digital ist nur eines dieser Hilfsmittel.

Von daher …

Melomane hat geschrieben:Falls Interesse besteht, könnten wir ja einen thread aufmachen zur Frage, welche Bedeutung die Bearbeitung einer Aufnahme für den Musikgenuss hat. Vielleicht mag sich dann ja auch Ralf als "aktiver Aufnehmer" äußern.

… würde ich eine solche Diskussion sehr begrüßen! Vielleicht sogar etwas weiter gefasst, denn Mikrofonierung und Mischung ist für die Klangformung schon verdammt wichtig. Wer macht den Aufschlag?

Aber nochmals zurück zum Hauptthema und zum Genuss. Nehmen wir mal den einfachen Anwendungsfall, dass uns eine alte Analogschallplatte in analoger Wiedergabe sehr gefällt und wir sie digital konservieren wollen. Kann man denn jetzt ein solches analoges Signal verlustfrei aufzeichnen/wiedergeben oder müssen wir beim Musikgenuss der Digitalkopie nachhaltig Abstriche machen?

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon Melomane » 15.10.2016, 15:09

nihil.sine.causa hat geschrieben:Aber nochmals zurück zum Hauptthema und zum Genuss. Nehmen wir mal den einfachen Anwendungsfall, dass uns eine alte Analogschallplatte in analoger Wiedergabe sehr gefällt und wir sie digital konservieren wollen. Kann man denn jetzt ein solches analoges Signal verlustfrei aufzeichnen/wiedergeben oder müssen wir beim Musikgenuss der Digitalkopie nachhaltig Abstriche machen?


Hallo Harald,

meiner Meinung nach bekommt man kein 1:1 Abbild. Aber das schließt meiner Erfahrung nach nicht aus, dass man das Digitalisat mit großem Vergnügen hören kann, ohne ständig darüber nachdenken zu müssen, was denn alles verloren gegangen ist. Letztlich ist das aber wieder individuell und abhängig von Anlage, Hörvermögen und Ansprüchen. Meine Voraussetzungen sind in da keiner Weise auf höchstem Niveau, wenn es um den technischen Stand geht. Aber ich bin mit dem, was ich beim Digitalisieren von LPs erreiche, zufrieden. Zumal etwaige Verluste durch den Gewinn in Gestalt der Beseitigung von Knacksen und Knistern mehr als wettgemacht werden. Das ist dem Hörvergnügen durchaus zuträglich.

Aber auch dem Thema Viny-Digitalisierung wäre vielleicht ein eigener thread angemessen. Hm, hatten wir so einen nicht schon?

Gruß

Jochen
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Beitragvon chriss0212 » 15.10.2016, 15:10

Hallo Harald,

auch von mir noch mal ein riesen Dankeschön für die riesen Mühe, die Du Dir hier gegeben hast! Das ist sehr schön und nachvollziehbar beschrieben!

Leider konnte ich ja beim letzten Forentreffen nicht dabei sein und deswegen würde ich doch noch eine Frage in den Raum stellen:

Bisher gehen ja alle davon aus (zumindest verstehe ich das so) dass es sich um Verluste im Digitalteil der Geräte handelt. Die Unterschiede waren aber ja so wie ich es lese teilweise gar nicht mehr so eklatant. Könnte da der Grund nicht auch einfach im Analogen teil der Geräte liegen? Also was ich meine: könnte ein ähnliches anders klingendes Ergebnis nicht auch durch ein Analoges Gerät verursacht werden? Denn auch beim Vergleich sehr hochwertiger Analoger Geräte gibt es ja Unterschiede.

Viele Grüße

Christian
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Beitragvon shakti » 15.10.2016, 17:07

@Christian
deinen Gedanken kann ich gut nachvollziehen, viele DAC Entwickler geben dem eigentlichen DAC Chipsatz nur 10bis20% Einfluss auf das Gesamtergebnis.
So sehe ich beim Oppo G HE1 Vorverstaerker durchaus Verbesserungspotential, doch wurden ja sowohl das rein analoge, als das digital/analog gewandelte Signal durch diesen "Flaschenhals" gefuehrt.

Fuer mich eine darueber hinaus gehende Frage ist:

Hilft mir dieser Test bei der privaten Auswahl meines DACs?

ich hoere im Normalfall CD Qualitaet , diese Aufnahmen sind mitunter auch noch stark komprimiert.
Viele Profigeraete koennen mir die schlechte Qualitaet meiner Aufnahmen so klar darstellen, dass ich kaum noch Lust habe diese CD's zu hoeren.

Andere digitale Wiedergabestrecken lassen mich diese CDs aber durchaus auf hohem level geniessen.

Da es mir primaer um das hoeren von Musik auf handelsueblichen Tontraegern geht, ist es mir wichtig, von diesen moeglichst viele hoeren zu koennen.

Ich empfand deshalb den Ansatz auf dem Treffen sehr gut, ob man der persoenlichen Erwartungshaltung an das "Original" durch zB eine Formatwandlung auf SACD naeher kommt.

Deshalb hoeren immer gerne NOS DACs ohne oversampling, die mich mit sehr vielen CDs versoehnlich Musik hoeren laesst.

Auch wenn ich mir darueber klar bin, dass ein 30 Jahre alter Chipsatz , der nur 16 bit/44,1khz kann, das digitalisierte Signal des Tonbandes nicht so gut wiedergibt, wie ein aktueller 24bit/192khz faehiger chipsatz,
kann dieser NOS Ansatz fuer viele meiner CDs die Rettung sein, die diese hoerbar macht.

Und damit meine ich nicht, dass lecker suesse Sauce ueber das signal geschuettet wird, das koenne man mit Klangreglern oder acourate viel einfacher.

Insofern mag ich, dass es auf dem Forumstreffen beide Ansaetze zu hoeren gab,
den High End Studio Ansatz mit der Aufnahme und Wiedergabe einer analogen Quelle, zu toppen vielleicht nur noch durch eine echte Mikrofonaufnahme.

Sowie das vergleichende Hoeren mit Musik von handelsueblichen Konserven im Rec Book Standard.

Spannende und sich hinsichtlich der idealerweise verwendeten Geraete mitunter sich widersprechende Ansätze, die beide zu fasznierenden Musikerlebnissen fuehren koennen.

Gruss
Juergen
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shakti
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