Erfahrungen mit ADCs, Analog vs. ADDA und Digitalklang

Tontechnische Basisthemen

Beitragvon Hans-Martin » 07.01.2016, 16:03

Hallo Uli,

ist das vielleicht ein magnetisches Übersprechen zwischen den benachbarten Übertragern? Bei Röhrenverstärkern ordnet man sie traditionell aus solchem Grunde unter 90° zueinander an (einschließlich Netztrafo), ebenso die Spulen bei Frequenzweichen. Ich will nicht ausschließen, dass die räumliche Nähe und Anordnung "in Reih und Glied" hier kontraproduktiv wirken.

Grüße Hans-Martin
Bild
Hans-Martin
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 5558
Registriert: 14.06.2009, 15:45

Beitragvon uli.brueggemann » 08.01.2016, 09:14

Hans-Martin,

es kann ausgeschlossen werden, dass die räumliche Nähe und Anordnung "in Reih und Glied" die Ursache ist. Auch bei 90°-Anordnung und Abstand der Übertrager von 20 cm ergibt sich kein anderes Ergebnis.

Grüsse
Uli
Bild
uli.brueggemann
Aktiver Hersteller
 
Beiträge: 3498
Registriert: 23.03.2009, 16:58
Wohnort: 33442

Beitragvon Fujak » 08.01.2016, 12:46

Hallo Uli,

inwieweit der von Gert konstruierte Dekodierer in allen Parametern baugleich mit Deiner Versuchsanordnung ist, vermag ich mangels konkretem Einblick nicht zu beurteilen. Erstaunlich finde ich jedoch den klanglichen Vergleich zwischen Abacus/Audiovero-XLR-Cleaner und dem G-Kodierer/Dekodierer zugunsten letzterem, was aus meiner Sicht so gar nicht zu Deinen vergleichenden Messungen zu passen scheint.

Grüße
Fujak
Bild
Fujak
Administrator
 
Beiträge: 5883
Registriert: 05.05.2009, 21:00
Wohnort: Bayern

Beitragvon uli.brueggemann » 08.01.2016, 13:04

Man kann da nun viel spekulieren, was der Grund ist. Im Prinzip zeigt der frequenzabhängige Anstieg des Übersprechens zu hohen Frequenzen hin auch eine Ähnlichkeit zum Thema AcourateFlow. Die Messung zeigt wohl was passiert, aber nicht unbedingt, was wir beim Hören empfinden. Stereo ist nunmal ein Fake welches nicht dem natürlichen Schallereignis entspricht.

Grüsse
Uli

PS: zumindest sollte beim aktiven Cleaner klar geworden sein, dass er zumindest sauber konstruiert ist. Der Übertrager-Aufbau entspricht demjenigen von Gert.
Bild
uli.brueggemann
Aktiver Hersteller
 
Beiträge: 3498
Registriert: 23.03.2009, 16:58
Wohnort: 33442

Beitragvon Buschel » 08.01.2016, 14:14

Hallo zusammen,

nochmal als Anmerkung von meiner Seite: Ich habe das Übersprechen sowohl am Ausgang des G-Linn, als auch am Ausgang des XLR-Cleaners ohne aktivierte Cleaver-Funktion gemessen. Beide Messungen haben kein überhöhtes Übersprechen gezeigt, sondern bei etwa -90 dB zum Nutzsignal. Das Übersprechen entsteht also offenbar erst durch die Differenzbildung innerhalb der analogen M/S-Decodierung selbst. Wie Uli gezeigt hat, produziert der Cleaner bei guter Kanalgleichheit (Amplitude, und Phase) der Quelle auch im Cleaner-Betrieb kaum Übersprechen (etwa -75 dB). Das von mir beobachtete starke Übersprechen liegt offenbar darin begründet, dass die Quelle (G-Linn) keine optimale Kanalgleichheit aufweist. Messungen, die allerdings nur die Amplituden erfassen, dazu habe ich gezeigt.

Was bedeutet das aus meiner Sicht:
a) Der (sauber konstruierte) Cleaner offenbart Kanalungleichheiten den angeschlossenen Quelle.
b) Die Stärke der Nebeneffekte des Cleaners ist quellenabhängig, nicht vom User kontrollierbar, und daher ein Glücksspiel.
c) Je schlechter die Kanalgleichheit, desto stärker die Nebeneffekte des Cleaners.
d) Falls es zu Geräten mit eingebauter Cleaner-Funktion kommen sollte, wäre ein Nachweis über das durch die analoge M/S-Decodierung induzierte Übersprechen sinnvoll.

Viele Grüße,
Andree
Bild
Buschel
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 630
Registriert: 12.12.2013, 21:12
Wohnort: Raum Karlsruhe

Beitragvon Hans-Martin » 08.01.2016, 14:33

uli.brueggemann hat geschrieben: Im Prinzip zeigt der frequenzabhängige Anstieg des Übersprechens zu hohen Frequenzen hin auch eine Ähnlichkeit zum Thema AcourateFlow. Die Messung zeigt wohl was passiert, aber nicht unbedingt, was wir beim Hören empfinden.

Hallo Uli

Die mitgelieferten Übersprechdämpfungskurven bei Tonabnehmern täuschen schließlich auch über Wesentliches hinweg, wenn die Phasenlage des Signals nicht erkennbar ist. Denn gegenphasiges Signal macht mehr Breite.

Bei deiner Grafik der Übertrager zeigte sich eine Phasendrehung von etwa 90°. Wie soll man das wohl interpretieren? Es wird einen Grund gehabt haben. Aber welchen?

Stereo ist nunmal ein Fake welches nicht dem natürlichen Schallereignis entspricht.

sic!

Grüsse Hans-Martin
Bild
Hans-Martin
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 5558
Registriert: 14.06.2009, 15:45

Beitragvon uli.brueggemann » 08.01.2016, 15:22

Ich seh da keine Phasendrehung von 90°. Verzerrung ja, aber keine Phasendrehung

Grüsse
Uli
Bild
uli.brueggemann
Aktiver Hersteller
 
Beiträge: 3498
Registriert: 23.03.2009, 16:58
Wohnort: 33442

Beitragvon nihil.sine.causa » 08.01.2016, 15:47

Hallo Uli,

uli.brueggemann hat geschrieben:Nun hab ich mal doch eine Aufnahme eines XLR Cleaners mit Übertrager gemacht, denselben Übertragern, die auch Gert verwendet hat. Ansonsten gleicher Aufbau, also mit Lynx Hilo.

Was hast Du jetzt gemessen? Die Übertrager des hier beschriebenen M/S-Matrizierers?

Falls ja: dabei handelt es sich um eine Studie, ein Experiment. Deshalb ist diese Konstruktion auch umschaltbar zwischen M/S und 1:1, weil der Matrizierer eben nicht 100% klangneutral ist.

uli.brueggemann hat geschrieben:Man kann da nun viel spekulieren, was der Grund ist. Im Prinzip zeigt der frequenzabhängige Anstieg des Übersprechens zu hohen Frequenzen hin auch eine Ähnlichkeit zum Thema AcourateFlow. Die Messung zeigt wohl was passiert, aber nicht unbedingt, was wir beim Hören empfinden. Stereo ist nunmal ein Fake welches nicht dem natürlichen Schallereignis entspricht.

Du führst die Wirksamkeit nicht auf das Cleaner-Verfahren zurück? Das wundert mich jetzt schon. Übersprechen und Klirr - ich habe da ja selbst Messungen gemacht - unterscheiden sich nicht wesentlich zwischen der M/S- und der 1:1-Situation. Der Flow-Effekt müsste also auch wirken, wenn das Cleaner-Verfahren abgeschaltet ist. Meine Hörtests zeigen aber etwas anderes zugunsten des Cleaner-Effekts. Ist doch eigentlich gut, oder nicht?

Viele Grüße
Harald
Bild
nihil.sine.causa
Administrator
 
Beiträge: 2265
Registriert: 28.07.2011, 12:31
Wohnort: Bonn

Beitragvon Fortepianus » 08.01.2016, 18:42

Liebe Cleaner-Fans,

dass Pegelunterschiede zwischen links und rechts von 0,1dB für unterschiedliche Hörergebnisse des Cleanerverfahrens verantwortlich sind, halte ich für wenig wahrscheinlich. Man könnte dazu ja mal ausprobieren, vorher in der flac- oder wav-Datei den einen oder anderen Kanal um diese kleinen Beträge zu verändern und sich dann das Ergebnis anhören. Es würde mich wundern, wenn dabei nennenswerte Unterschiede rauskämen.

Die Linns haben im Original selten eine bessere Kanalgleichheit als 0,1dB, was in der Praxis aber völlig ausreicht. Beim G-DAC gibt es dafür aber Abgleichpunkte, sowohl für links und rechts wie auch für die Symmetriehälften. Schraubt man den Deckel eines G-ADS1/2 DAC auf, sieht das ungefähr so aus:

Bild

Auf der großen Platine links im Bild sind u. a. die Ausgangsstufen und die Abgleichpunkte. Jeder G-DAC verlässt meine Werkstatt mit exakt gleich eingestellten vier Symmetriehälften. Warum sich das bei Harald verstellt haben soll, ist mir ein Rätsel, denn an dem Abgleich altert nichts, aber wer Lust, etwas Geschick und ein gutes Multimeter hat, kann das ganz einfach selbst machen. Hier die Abgleichpunkte:

Bild

Die vier blauen 20-Gang-Spindel-Präzisionstrimmer oben im Bild sind dafür zuständig. Man braucht ein ordentliches Multimeter mit Messspitzen und einen sog. "True RMS" Messbereich, das haben die besseren alle. Damit lässt sich Wechselspannung messen, und meist zeigen diese Multimeter bis ca. 5kHz etwas Vernünftiges an. Es ist im Übrigen ziemlich egal, wie genau das Multimeter dabei ist, denn es geht hier lediglich um eine vergleichende Messung.

Zum Abgleich spielt man bei Lautstärkeeinstellung 82 einen vollausgesteuerten 1kHz-Sinus auf beiden Stereokanälen ab. Mit der einen Messspitze geht man nun an den im Bild links mit einem Pfeil markierten AGND-Messpunkt (analog Ground), mit der anderen nacheinander an die ebenfalls mit einem Pfeil gekennzeichneten Messpunkte L sym+, L sym -, R sym + und R sym -.

Dabei sollte sich an allen vier Punkten irgendwas in der Gegend von 2,5 bis 2,7V messen lassen, je nach Genauigkeit des Multimeters, aber das ist wie gesagt egal. Weicht eine der Symmteriehälften von den anderen ab, kann man das mit den oben bezeichneten Trimmern ausgleichen, immer nur wenig drehen und abwarten, bis das Multimeter sich eingepegelt hat (da das einen Mittelwert bildet, dauert das immer ein wenig). Aber Achtung: Die Symmetriehälften eines Kanals beeinflussen sich ein wenig gegenseitig, deshalb nach der Korrektur immer die andere Symmetriehälfte des Kanals prüfen und ggf. korrigieren.

Wie gesagt, eigentlich gibt es da normalerweise nichts einzustellen, aber wer gerne selbst Hand anlegt, kann das wie beschrieben gerne tun.

Viele Grüße
Gert
Bild
Fortepianus
Aktiver Hersteller
 
Beiträge: 3597
Registriert: 17.12.2008, 13:41
Wohnort: Stuttgart

Beitragvon uli.brueggemann » 08.01.2016, 21:03

nihil.sine.causa hat geschrieben:Hallo Uli,

uli.brueggemann hat geschrieben:Nun hab ich mal doch eine Aufnahme eines XLR Cleaners mit Übertrager gemacht, denselben Übertragern, die auch Gert verwendet hat. Ansonsten gleicher Aufbau, also mit Lynx Hilo.

Was hast Du jetzt gemessen? Die Übertrager des hier beschriebenen M/S-Matrizierers?

Falls ja: dabei handelt es sich um eine Studie, ein Experiment. Deshalb ist diese Konstruktion auch umschaltbar zwischen M/S und 1:1, weil der Matrizierer eben nicht 100% klangneutral ist.

uli.brueggemann hat geschrieben:Man kann da nun viel spekulieren, was der Grund ist. Im Prinzip zeigt der frequenzabhängige Anstieg des Übersprechens zu hohen Frequenzen hin auch eine Ähnlichkeit zum Thema AcourateFlow. Die Messung zeigt wohl was passiert, aber nicht unbedingt, was wir beim Hören empfinden. Stereo ist nunmal ein Fake welches nicht dem natürlichen Schallereignis entspricht.

Du führst die Wirksamkeit nicht auf das Cleaner-Verfahren zurück? Das wundert mich jetzt schon. Übersprechen und Klirr - ich habe da ja selbst Messungen gemacht - unterscheiden sich nicht wesentlich zwischen der M/S- und der 1:1-Situation. Der Flow-Effekt müsste also auch wirken, wenn das Cleaner-Verfahren abgeschaltet ist. Meine Hörtests zeigen aber etwas anderes zugunsten des Cleaner-Effekts. Ist doch eigentlich gut, oder nicht?

Ich habe genau diese Übertrager gemessen. Im MS-Modus.

Die Wirksamkeit des Cleaner-Verfahrens ist für mich nach wie vor gegeben. Ich habe nur beim Unterschied des Transformer-Cleaners zum aktiven Cleaner mit dem frequenzabhängigen Anstieg des Übersprechens auf den Flow-Effekt hingewiesen. Was ja nicht unbedingt negativ sein muss.

Ansonsten sollte es eben ein Antwort zur Frage in viewtopic.php?p=111978#p111978 sein.

Grüsse
Uli
Bild
uli.brueggemann
Aktiver Hersteller
 
Beiträge: 3498
Registriert: 23.03.2009, 16:58
Wohnort: 33442

Beitragvon Hans-Martin » 08.01.2016, 23:00

Fortepianus hat geschrieben:Die Linns haben im Original selten eine bessere Kanalgleichheit als 0,1dB, was in der Praxis aber völlig ausreicht.

Hallo

Wehe dem, der im Vorverstärker einen Lautstärkesteller im Bereich nahe "8 Uhr" betreibt! Der muss mit einem Vielfachen an Kanalungleichheit rechnen. Fast alle Hersteller sind beim Rechtsanschlag gut, aber im unteren Bereich werden die Unterschiede krass. Selbst das ordentliche blaue ALPS Poti ist da schon berüchtigt. Die üblichen logarithmischen Potis werden dann noch mit zunehmendem Gebrauch sich weiter verschlechtern, sobald der Schleifer Abnutzung zeigt und zunehmend flächigen Kontakt zur Widerstandsbahn bekommt.

Meine Experimente mit Potis gehen auf 0,25dB persönliche Wahrnehmungsschwelle bei mir (Abgleich auf beste räumliche Abbildung bei unveränderten zeitlichen Bezügen L/R, aber individuellen Pegeln L/R.

0,1dB Kanaldifferenz ist praktisch fast nichts gemessen an den Veränderungen durch FLOW. Und auch deutlich unter meiner Pegelunterschiedswahrnehmbarkeit.

Grüße Hans-Martin
Bild
Hans-Martin
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 5558
Registriert: 14.06.2009, 15:45

Beitragvon Hans-Martin » 08.01.2016, 23:05

uli.brueggemann hat geschrieben:Ich seh da keine Phasendrehung von 90°. Verzerrung ja, aber keine Phasendrehung

Hallo Uli

ich bezog mich auf dieses Bild:

Bild

Die Scheitelpunkte der unteren Kurve fallen auf den ersten Blick zeitlich fast in den Nulldurchgang der oberen Kurve - ich habe das mit Photoshop aber noch nachgeprüft und hier ist die Überlagerung auf dieselbe Nullinie - 90° Phasendrehung konnte ich nun auch nicht feststellen:

Bild

Die Signalformänderung müsste man rückwärts in eine Kennlinie zurückrechnen, dafür fehlen mir die Möglichkeiten. Es könnte sich dabei vielleicht um Hystereseprobleme handeln, jedoch fernab der Sättigung, übliches Klirrverhalten sieht doch etwas anders aus. Ich bin noch am rätseln.

Grüsse Hans-Martin
Bild
Hans-Martin
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 5558
Registriert: 14.06.2009, 15:45

Beitragvon Wodi » 02.04.2016, 18:08

Hi,
... sieht so aus, wie der Bass in meinem vorigen Auto klang: "ich will eh, aber ich kann nicht!"
"Bumm" klang da wie "Bu'"... ein Bass, dem der Strom ausgeht...
L.G!
Wodi :cheers:
Bild
Wodi
inaktiv
 
Beiträge: 155
Registriert: 26.09.2012, 20:31
Wohnort: Österreich

11. DAC-Vergleich vs. Analog M15A, Forumstreffen 2016

Beitragvon nihil.sine.causa » 14.10.2016, 12:44

Liebe Freunde und Skeptiker digitaler Elektroakustik,

im Forum verlieren sich manchmal die verschiedenen Teilfäden, so dass die Übersicht verloren geht. Ich möchte daher an dieser Stelle nochmals auf die bisher durchgeführten Tests aufmerksam machen, so wie das ergänzen, was in der Zwischenzeit geschehen ist.

Vor allem aber will ich das Setup genauer bechreiben, was wir auf dem Forumstreffen 2016 im Kinoraum verwendet haben, um DACs zu vergleichen. Ich will damit vor allem transparent machen, was wir das vorgeführt haben, damit man es bei weiteren Tests ggf. nachbauen bzw. berücksichtigen kann.

Aber natürlich möchte ich eine Diskussion über die Thematik anregen, um die Hintergründe gemeinsam besser zu verstehen. Daraus können wir immer wieder Rückschlüsse ziehen auf den für uns normaleren Anwendungsfall bei der Abhörsituation (Optimierung des digitalen Datentransports, Umgang mit Analogtechnik, Integration von DACs etc.).

Zunächst die Übersicht „was bisher geschah“:

1. Einführung: Der Mytek Digital Stereo192 ADC – ein state-of-the-art Analog-Digitalwandler
2. Der Schock - erster Digitalisierungstest einer Schallplatte
3. Tests mit dem Mytek G-ADC
4. Zweiter Digitalisierungstest einer Schallplatte - Ende der Fahnenstange?
5. Direktvergleich an Mikrofonkette Analog vs. A/D D/A
6. Direktvergleich an Mikrofonkette Analog vs. A/D D/A – Fortsetzung
7. Test des STAGETEC TrueMatch RMC und des Acousence arfi-ad
8. Vergleich zwischen Analog und ADDA auf dem Forumstreffen am 04. und 05. Juli 2015
9. Hilft M/S-Konversion vor der AD-Wandlung?
10. Wie gut spielt die M15A nach dem G-Tuning? (Analog-Direktübertragung, Analog-Hinterband und ADDA im Vergleich)

Nun aber zum Setup vom Forumstreffen 2016.


1. Zielsetzung

  1. Hauptziel war ein systematischer DAC-Vergleich, so dass die unterschiedlichsten DACs unter den immer gleichen Bedingungen spielen konnten.
  2. Der Vergleich sollte nicht primär zwischen den DACs erfolgen sondern gegen ein immer gleiches Referenzsignal. Hierzu wurde eine hinreichend gute, reproduzierbare Analogquelle verwendet und natürlich auch ein ADC in der Kette.
  3. Annäherung an die Frage wie weit die Digitalisierungstechnik an die Analogtechnik herankommt (ADDA vs. Analog) bei Verwendung des besten DACs aus dem Testfeld
  4. Vergleich unterschiedlicher Samplingraten (192, 96 und 48 kHz)
  5. Vergleich unterschiedlicher Digitaler Zuspieler (Digitalstreamer, Audio-PCs etc.)


2. Aufbau

Skizziert ist der Aufbau – wie er sich aus der Zielsetzung ergibt – schnell:

DAC-Testkette: Analogquelle (M15A) → ADC (artistic fidelity AD) → DAC (der jeweilige Testkandidat) → Vorverstärker (Oppo G-HA 1) → Lautsprecher (AGM 9.4)

Analoge Vergleichskette: Analogquelle (M15A) → Vorverstärker (Oppo G-HA 1) → Lautsprecher (AGM 9.4)

Um schneller zwischen diesen beiden Ketten umschalten zu können, wurde ein weiterer Vorverstärker (Oppo G-HA1) als Verteilverstärker eingebaut. Und um im weiteren Verlauf des Forumstreffens besser zwischen verschiedenen Digitalquellen umschalten zu können hatten wir einen Digitalverteiler (artistic fidelity IS) zwischen dem ADC und den DACs.

Bild

Damit die Unterschiede zwischen den DACs deutlich hörbar werden konnten, musste die Gesamtkette eine hinreichend gute Qualität besitzen (insbesondere Analogquelle, ADC und Lautsprecher). Auf diese „Konstanten“ in der Vergleichskette möchte ich nun im Folgenden genauer eingehen und auch jeweils skizzieren, wie sie integriert und justiert waren.


2.1 Magnettonwandler: Analogquelle Tonbandmaschine Telefunken M15A

Beim Forumstreffen 2015 hatten wir alle gehört, dass man ADDA-Ketten mit einem guten Plattenspieler vergleichen konnte. Um hier noch besser zu werden, wollte ich eine Tonbandmaschine einsetzen, wie sie bei der analogen Schallplattenproduktion verwendet wurde. Bei vielen Plattenfirmen, wie z.B. EMI Electrola und Teldec, wurden hierzu in den 70er Jahren Telefunken M15A verwendet. Dass es von einer einfach gefassten Idee bis zur befriedigenden Umsetzung ein weiter Weg sein kann, konnte ich in diesem Zusammenhang wieder einmal lernen. Hier findet sich eine Beschreibung zu meiner M15A („Amtliche Analogquelle“) und hier könnt Ihr nachlesen, was getan werden musste, damit sie wirklich gut klingt („M15A G-tuned“).

Bild

Die M15A in der Telefunken Truhe 700. Transportiert und aufgestellt; Tonkopfträger entmagnetisiert (Tonköpfe selbstverständlich gereinigt), Azimut nachjustiert, an Jürgens Stromversorgung angeschlossen wie alle Geräte), Bezugsbandcheck durchgeführt (ARD-Bezugspegel 514nWb/m 1kHz Sinus machen dann 6dBu auf den beiden Stereo Kanälen). Maschine läuft!

Das beim Forumstreffen gespielte Material waren Masterband-Kopien, Stereo, Bandgeschwindigkeit 38,1 cm/s = 15 in/s. Diese sind rein analog entstanden. Bei der Aufnahme wurde bereits auf Stereo abgemischt und mit eben einer M15A aufgezeichnet. Die Masterband-Kopien wurden (unter Verwendung meiner beiden gertifizierten M15A) direkt von diesem sog. Master-Original genommen. Es hat also vorher keine Bearbeitung und insbesondere kein Umkopieren stattgefunden. Bandschnitt wurde direkt mit dem Master-Original vorgenommen. A propos Bandschnitt: ein mühsames Geschäft (hier Tonmeister Peter, dem ich meine M15A verdanke, bei der Arbeit; Lehrvideo – bei den Master-Originalen wurde wesentlich genauer ohne Kopfschere gearbeitet). Ach ja, und auf Rauschunterdrückung wurde bei den verwendeten Aufnahmen verzichtet. Das Bandrauschen hat beim Forumstreffen keinen gestört und die sonst übliche Dolby-A-Elektronik (bei der ARD eher Telcom c4) verbessert den Klang der Maschine nicht.


2.2 Analog-Digital Wandler: artistic fidelity AD

Diesen Wandler habe ich hier ausführlich getestet und auch beim Forumstreffen 2015 verwendet. Der ADC lief bei den Haupttests immer in seiner besten Auflösung mit 24 Bit und 192 kHz Samplingrate.

Bild

Der ADC befindet sich ganz links im Bild. Im Vordergrund die nur für Dolby-A Aufnahmen benötigte Dolby 363 Einheit mit zwei Cat. No. 300 Karten und der silberne Kasten am oberen Bildrand ist der Oppo G-HA 1, der als Verteilverstärker eingesetzt wurde.

Der ARD-Bezugspegel (6dBu) von der M15A macht bei der Digitalisierung im artistic fidelity AD ziemlich genau -15 dBFS in der Digitalwelt. Ja, ich höre Euch einwenden: das verschenkst Du doch was! Aber auch hier müssen wir langsam vorgehen. Ein Headroom ist schon notwendig. Das in Frage kommende analoge Material habe ich im Vorfeld also digitalisiert und untersucht. Die lauteste Stelle macht -5 dBFS. Bezugspegel in der Analogwelt heißt ja nicht, dass man dort nicht übersteuern kann.

Natürlich hätte man jetzt mit einem Aufholverstärker um 5dB verstärken können. Aber noch ein Gerät in der Kette? Bitte nicht. Aber ich verbürge mich dafür: Clipping hat es nicht gegeben – auch kein Intersample-Clipping. 5dB gemütlicher Sicherheitsabstand.


2.3 Schallwandler: AGM 9.4

Um die Feinheiten zwischen den DACs und gegen das Analogsignal zu hören, brauchten wir sehr gute Lautsprecher. Schön, dass es gelungen ist, die AGM 9.4 zu organisieren. Die Entstehungsgeschichte der 9.4 ist in diesem Thread dokumentiert.

Bild

Der Lautsprecher arbeitet rein analog, besitzt analoge Subtraktionsweichen und wurde an die Hörraumbedingungen hinsichtlich Frequenzgang angepasst. Details zu den Vorbereitungen siehe hier.


2.4 Analoge Signalführung

Es wurden zwei Oppo G-HA1 eingesetzt. Einer als Verteilverstärker und einer als Vorverstärker. Der Verteilverstärker war im Bypass-Modus, d.h. seine analoge Lautstärkeregelung war deaktiviert.

Als Verbindungen zwischen den analogen Geräten habe ich nicht geschirmte symmetrische Kabel eigener Machart verwendet (5er Big Black Solid Core, hier am Ende des Beitrags). Ausnahme waren die Lautsprecher. Die 9.4 an den Vorverstärker über XLR Sommer-Kabel, die Jürgen für solche Vorführungszwecke verlegt hat.

Die M15A, die beiden G-HAs wie auch der ADC verbinden jeweils die Signalmasse mit der Gehäusemasse.


M15A → Verteilverstärker (Kabellänge 1,5 m)

Auf der Quellseite braucht es Großtuchel-Männchen. Die Tuchelstecker gefallen mir übrigens sehr gut. Schön symmetrisch liegt dort die Signalmasse auf Pin 3 auf der Spiegelachse zwischen den Signalverbindungen + (Pin 1) und – (Pin 2).

Auf der Zielseite am Verteilverstärker (ab jetzt wieder mit normalen XLR Steckern) habe ich Signalmasse und Gehäusemasse im XLR Stecker verbunden (Verbindung zwischen Pin 1 und der kleinen Lötfahne für die Gehäusemasse im XLR Stecker). Solche eine Masseführung habe ich öfter verwendet, nenne sie „XLR-Stecker mit Erdung“. Das ist beim G-HA1 eigentlich nicht notwendig, aber ich konnte auch nicht feststellen, dass es schadet.


Verteilverstärker → ADC (Kabellänge 1,5 m)

Da der G-HA nur einen symmetrischen Ausgang besitzt, wurde dieser für die ADDA-Strecke verwendet. An diesem Ausgang wurde wieder ein XLR-Stecker mit Erdung verwendet. Auch hier ohne besonderen Grund, aber schaden scheint es nicht.

Für die Zielseite am ADC habe ich im Vorfeld Tests gemacht. Hier hat es sich sehr bewährt einen XLR-Stecker mit Erdung zu verwenden, das digitalisierte Resultat war dann räumlicher und kohärenter. Vermutlich hat das damit zu tun, dass durch die Erdung Störströme außerhalb des ADC Gehäuses auf die Gehäusemasse abgeleitet werden, anstatt sie erst ins Gehäuse zu führen und über den Erdungspunkt dort fließen zu lassen. Hier zeigt sich, dass man beim Aufbau einer Digitalisierungskette sehr sorgfältig vorgehen muss, um möglichst hochwertige Ergebnisse zu bekommen. Auf den externen Erdungspunkt muss man ja auch erst einmal kommen. Hier hat mir Ralf Koschnicke Tipps gegeben.


Verteilverstärker → Vorverstärker (asymmetrisch, Kabellänge 3m)

Für den analogen Zweig der Vergleichskette wurde der asymmetrische Ausgang des G-HA Verteilverstärkers verwendet. Hierfür haben wir ein sehr gutes asymmetrisches Kabel von Jürgen verwendet.


DAC → Vorverstärker (Kabellänge 2,8 m)

Am anderen Ende der ADDA-Strecke, also zur symmetrischen Verbindung zwischen dem jeweiligen DAC und dem Vorverstärker, habe ich XLR Stecker verwendet ohne Verbindung zwischen Signalmasse und Gehäusemasse. Das war immer dasselbe Kabel für alle DACs. Ich halte es aber durchaus für möglich, dass es dem einen oder anderen DAC gut tun könnte, wenn Stecker mit Erdung verwendet würde. Hier zeigt sich eine Schwäche des Testaufbaus. Während die konstanten Elemente wie Analgoquelle, ADC und Lautsprecher ziemlich gut aufeinander eingestellt waren, wurde die DAC-Testkandidaten immer auf die gleiche Weise angeschlossen, die aber nicht auf den jeweiligen DAC optimiert war. Hier wurde mit Sicherheit Potential verschenkt. Aber das kennt Ihr ja von Euren Anlagen. Zwischen einmal einstöpseln und optimierter Einbindung einer Komponente können Welten liegen (klanglich aber auch vom Aufwand her).


Vorverstärker → Schallwandler (Kabellänge schätzungsweise 5 bis 8 m)

Die 9.4 wurden symmetrisch mit Hilfe von Jürgens Sommer-Kabel an den Vorverstärker angeschlossen.


2.5 Digitale Signalführung

Am ADC wurde ein RJ45 Ausgang verwendet und mit einem der AFIS RJ45 Eingängen verbunden. Das Kabel stammte von Ralf, Länge ca. 5m.

Den AFIS haben wir in die Kette eingebaut, damit wir auch andere digitale Zuspieler als den ADC anbinden konnten, insbesondere solche mit USB Ausgang. Über den AFIS könnt Ihr Euch hier informieren. Das bedeutet für das digitale ADC Signal, dass es im AFIS reclockt wurde. Für den reinen ADDA-Aufbau wäre das nicht nötig gewesen. Nach meinen Erfahrungen führt dieses Konstrukt bei diesem super guten ADC nicht zu einer klanglichen Verbesserung. Es schadet aber auch nicht wirklich. Daher haben wir uns auch für diesen Aufbau entschieden.

Vom AFIS ging es per RJ45 Ausgang über ein ca. 3m langes Kabel in einen SPDIF-Adapter (RJ45 Ethercon-Buchse nach BNC out). Mit einem BNC – BNC oder einem BNC – Coax Adapter haben wir dann die jeweiligen DACs angeschlossen. Bei Interesse könnt Ihr hier einen Überblick bekommen über die verschiedenen Anschlussoptionen an den AFIS.


2.6 Variable: Digital-Analog-Wandler

Jeder DAC hat einen anderen Ausgangspegel. Damit wir sie in etwa gleichlaut abhören konnten, mussten wir die einzelnen DACs auspegeln. Hierzu haben wir den ARD-Bezugspegel bei 1kHz verwendet 6dBu am Ausgang der Bandmaschine was bei meinem ADC ziemlich genau -15 dBFS in der Digitalwelt entspricht. Die typische Abhörlautstärke haben wir darauf eingepegelt. Gert hat das bereits sehr schön beschrieben:

Fortepianus hat geschrieben:Deshalb haben wir vorher alle Pegel der DACs ausgemessen. Zunächst fanden wir die richtige Lautstärkeeinstellung für die Streichquartettaufnahmen, mit denen Harald die Analog-Digitalvergleiche machen wollte, für den Analogpfad (Stellung -16,0dB am Vorverstärker G-HA). Dann legte Harald ein vorbereitetes Band mit einem Sinus ein (1kHz bei -15dB unter Vollaussteuerung). Diesen Bezugston hatte er zuhause auch schon digitalisiert mit genau dem AD-Wandler, der zum Einsatz kam. Der G-HA hat zwei komplett parallel laufende Ausgänge, Cinch und XLR. Dreht man am Lautstärkeregler z. B. 6db hoch, hat der Cinchausgang genauso 6dB mehr wie der XLR-Ausgang, weil die Ausgänge nur getrennte Buffer haben, aber ansonsten an der gleichen Vorverstärkerschaltung hängen. Die AGM hing per XLR am Vorverstärker, so hatten wir den Cinchausgang frei. Dafür hatte ich zwei Messkabel vorbereitet und zwei true-RMS-AC-Voltmeter dabei, die dauerhaft an den beiden Cinchausgängen hingen. Wir notierten uns links und rechts die Spannung beim Analogpfad. Tipp für Nachahmer: Lautsprecher ausmachen während der Messung. So ein reiner 1kHz-Sinus ist musikalisch nicht sehr spannend.

Nun spielten wir den zuvor digitalisierten Sinus über den G-ADS2 DAC ab und gingen von dessen Digitalausgang in die verschiedenen DA-Wandler. Wir justierten dann die Lautstärke so, dass der gleiche Pegel wie beim Analogpfad an den Messgeräten ankam und notierten die Stellung. Der G-HA hat dafür eine Anzeige in dB. Jeder DAC kriegte nun einen grünen Aufkleber mit z. B. +5,5dB, was bedeutet, anstelle LS-Stellung -16,0dB bei analog wird bei diesem DAC mit Stellung -10,5dB abgespielt. Somit ist zumindest innerhalb von 0,5dB eine gleiche Abspiellautstärke gegeben. Beim ersten DAC machten wir noch den Plausibilisierungs-Check, ob die Anzeige übereinstimmt, wenn wir vom Band über den AD in den DAC gehen oder von der Festplatte über den G-Linn. Man weiß nie, ob nicht vielleicht noch irgendwo ein Fehler im Verborgenen steckt - aber es hat genau gepasst, und so mussten wir nicht jedesmal beim Kalibrieren das Tonband abspielen und wieder zurückspulen, sondern konnten einfach den Messton auf dem G-Linn in Endlosschleife laufen lassen.

Quelle


3. Hörberichte

Der Vergleich wurde immer auf die gleiche Weise durchgeführt. Erst wurde in Stück analog vom Tonband gehört. Tonband zurückgespult und auf ADDA umgeschaltet. Dann das gleiche Stück per ADDA abgehört. Bei Bedarf wieder auf analog zurück. Band ab – Band läuft! Immer wieder.

Als Vorführer habe ich Euch im Plenum gefragt, ob Unterschiede gehört wurden und falls ja, welche das waren. Hierüber haben wir immer sofort diskutiert. Bemerkenswert war, dass wir uns vom Grundsatz her recht schnell einig waren. Das heißt, die Unterschiede zwischen Analog und ADDA waren deutlich hörbar. Viele von Euch haben die gehörten Unterschiede sehr griffig charakterisiert. Und damit ließen sich die Unterschiede zwischen den DACs entsprechend ausmachen.

Stellvertretend für das Diskutierte möchte ich aus Gerts Hörbericht zitieren. Natürlich beschreibt Gert dabei seine Eindrücke aus seiner Sicht. Ich hätte das eine oder andere in meinen Worten anders ausgedrückt, aber in der Einschätzung des Gehörten stimme ich mit Gert überein.

Fortepianus hat geschrieben:
Die DA-Wandler bzw. Variationen davon, die ich nun mehrfach hören konnte am Wochenende, weil ich fast die ganze Zeit im Kinoraum war:

1. Hilo DAC
2. T&A DAC8
3. TotalDAC 6
4. Soekris-DAC
5. Lampizator DER7
6. DAC-Prototyp artistic fidelity
7. G-ADS2 DAC (etwas außer Konkurrenz, weil als Streamer von Festplatte gefüttert)

Hier meine Klangeindrücke dazu, die ich mitgenommen habe:

1. Der Hilo DAC

Am Samstag lief der DAC offensichtlich zu niedrig eingepegelt, wie Uli am Sonntagmorgen feststellte. Wir mussten analog 18,5dB aufholen. Im direkten Vergleich mit dem analogen Original fiel das Klangbild regelrecht in sich zusammen, die große Bühne, auf der das Streichquartett beim Analogen vor uns saß, wich der Größe eines 40" TV. Am Sonntag stellte Uli das Gerät dann richtig ein, so dass der DAC richtig ausgesteuert war. Harald und ich pegelten das Gerät extra nochmal genau mit dem schon beschriebenen Kalibrierverfahren ein. Der Klangeindruck am Sonntag blieb aber ganz ähnlich wie am Vortag. Irgendwas hat da gar nicht harmoniert, denn ich habe dann später im großen Hörraum den baugleichen DAC von Uli bei dessen Acourate-Vorführung gehört, und das Klangbild dort war alles andere als klein. Also, der Hilo hat sich im Kinoraum aus welchem Grund auch immer nicht richtig in Szene setzen können.

2. Der T&A DAC8

Das Klangbild war beim ADDA-Vergleich etwas größer als beim Hilo, aber auch von digitaler Härte geprägt. Die Geigen verloren fast vollständig ihren Holzkörper, fast wie Saiten auf einer Spanplatte.

Bei digitalen Zuspielern war mein Eindruck ähnlich, aber das Gerät legte deutlich zu, wenn er vom SGM mit DSD gefüttert wurde. Die Erfahrung habe ich beim Oppo schon gemacht: Es gibt DAC-Konzepte, die eindeutig mit DSD besser klingen als mit PCM. Daraus jedoch die Überlegenheit des DSD-Formats ableiten zu wollen, halte ich für einen Trugschluss. Um DSD wird ein großer Hype gemacht, aber eigentlich ist man vom 1bit-Verfahren (und das ist DSD) längst wieder weggekommen bei den richtig guten DAC-Konzepten. Bei der immer notwendigen Wandlung PCM-DSD im Studio (DSD kann man nicht bearbeiten) wird das Problem der Digitalfilter, die beim Upsampling in den PCM-DACs verwendet werden (oder auch nicht, was andere Probleme bringt), in die DSD-Wandlung verlagert. Der SGM macht das offensichtlich sehr gut. Der T&A profitiert eindeutig von DSD, aber für meine Ohren kam er damit nicht an die in diesem Setup besten DACs ran.

3. Der TotalDAC 6

Beim ADDA-Vergleich kam jetzt Auflösung ins Spiel. Er liefert jede Menge Details, aber leider überspitzt er die auch. So klingt das im Vergleich zum Analogen harsch und digital scharf. Aber immerhin, er liefert die Details, und ein Lautsprecher, der etwas gnädiger mit dieser Schärfe umgeht, könnte da eventuell ein Deckmäntelchen drüber hängen. Ein schonungsloser Schallwandler wie die AGM 9.4 dagegen kann einen mit der passenden Quelle zwar in den audiophilen Himmel bringen, mit einer solchen Quelle bleibt es aber eher unbefriedigend.

4. Der Soekris-DAC, Eigenbau von Daniel (Koala887)

Am Samstag machte der Soekris keinen Stich und Daniel dachte den ganzen Abend darüber nach, was da los war. Der DAC klang harsch und digital scharf, klein im Klangbild und angestrengt. Die Lösung: Er hatte ihn als einzigen DAC über AES/EBU verbunden und als letzte Maßnahme vor der Anreise zuhause noch schnell einen Schmitt-Trigger an diesem Eingang reingelötet, in der Hoffnung, dass das noch besser wäre. Das ging dann ungetestet wie es war (wie eigentlich immer bei sowas) gründlich in die Hose.

Am Sonntag spielte er wieder am Koaxeingang, und sieh da, das Klangbild war wie ausgewechselt. Ruhe und Souveränität waren nun im Klangbild, das klang sehr gut! Ok, zum analogen Original blieb aber schon noch ein deutliches Gap.

5. Der Lampizator DER7

Am Freitagabend hatten wir schon so manchen Vergleich im kleinen Kreis gemacht. Der Lampi war der einzige DAC im Vergleich, der keinen symmetrischen Ausgang hatte und deshalb einen Adapter brauchte. An kurzen Kabeln mit Cinch auf der einen und XLR auf der anderen Seite hat Jürgen ein ganzes Arsenal. Immer wieder eilte er in den Hörraum und kam mit einem neuen Adapter zurück, bis sich das nach Meinung Aller das beste Klangbild einstellte.

Interessant war dann für mich der Vergleich an den Folgetagen - sorry an Diejenigen, die in der ersten Session am Samstag waren und ihn nicht hören konnten - irgendwas war verstellt und wir kriegten ihn nicht zum Spielen.

Der Lampi klingt beim ersten Reinhören mit ähnlicher analoger Wärme wie das Original. Dann aber merkt man schnell im Vergleich mit diesem, dass dafür jede Menge Details fehlen. Es war ungeheuer lehrreich für mich zu hören, wie ein analoges Original wirklich klingt. Es hat nichts mit dieser Gemütlichkeit, die Mancher auch mit musikalischem Fluss verwechselt, zu tun, die oft Analog angedichtet wird, und nichts mit der Wärme, die aus verschliffenen Details plus Bauchansatz im Mitteltieftonbereich stammt. Analog hat auf der einen Seite eine Wärme, die aus der Darstellung der Instrumentenkörper stammt, aber auf der anderen Seite so saubere Transienten, wonach sich die meisten DACs nur sehnen können. Jedenfalls suggeriert der Lampi für mich ein Klangbild, das Viele für analog halten, das es im direkten Vergleich aber nicht ist. Die Details sind für mich ein wenig wie mit Vanillesoße zugegossen. Die Lampis haben viele Anhänger, und sicher auch zurecht - mein Klangideal trifft er aber nicht.

6. Der artistic fidelity DAC-Prototyp

Ralf hatte seinen DAC-Prototyp mitgebracht, und der gefiel mir mit Abstand am besten. Ok, man hört immer noch einen kleinen Unterschied zum Original, aber die Instrumentenkörper stimmen, die Klangfarben, die Größe des Klangbilds und die Transienten. Ganz große Klasse, Ralf!

7. Der G-ADS2 DAC

Mit diesem Streamer, der ja einen recht potenten DAC an Bord hat, kann man diesen Direktvergleich nicht machen, da er keinen Digitaleingang hat. Harald gab mir deshalb einen File mit dem Ausschnitt vom Ravel-Quartett, mit dem wir den Test am Samstagvormittag und am Sonntag machten. Digitalisiert wurde vor Ort am Freitagabend mit genau dem Test-Setup. Anstelle den Datenstrom aber in die Test-DACs zu füttern, speicherte er das auf Festplatte ab und ich übernahm das auf meine NAS.

In der ersten Session am Samstag wollte jemand aus der Zuhörerschaft das dann auch hören. Am Sonntag haben wir das ebenfalls nochmal gemacht. Für mich war das auf ähnlichem Niveau wie bei Ralfs DAC, aber hier bin ich natürlich nicht ohne Entwicklerstolz und habe deshalb möglicherweise einen Filter auf den Ohren. Aus den Gesprächen in der Pause hörte ich, dass so mancher den DAC von Ralf leicht vorne sah, mancher sie auf gleichem Niveau fand. Der G-DAC spielte dabei wie alle anderen DACs über den G-HA als Vorverstärker, obwohl er genau die Vorverstärkerschaltung des G-HA ja selbst schon drin hat. Ohne Vorverstärker geht also noch ein bisschen mehr, und so habe ich die AGM immer zu Beginn einer Session auch vorgeführt.


Es gibt noch weitere Ergebnisse, die mir wichtig erscheinen. Am AFAD kann man die Samplingrate während des Betriebs leicht umschalten. Das Resultat war wieder einmal verblüffend:

Fortepianus hat geschrieben: Mit diesem DAC [bezieht sich auf den artistic fidelity DAC] machten wir am Samstag Nachmittag und Sonntag einen für mich fast schockierenden Test. Vor allem beim Schubert C-Dur-Quintett am Samstag, aber auch beim Ravel Quartett am Sonntag war ganz deutlich der Unterschied zu hören, mit welcher Samplingrate der ADC spielte. Der DAC stellt sich dann immer direkt drauf ein. Ich kenne es, wenn man eine 192/24-Datei hat und die mit guter Software runterrechnet - die Unterschiede sind je nach Lautsprecher gerade so hörbar. Ganz anders hier: Beim Übergang von 192k auf 96k wurde das Klangbild merklich dünner, aber bei 48k schüttelte jeder verwundert den Kopf. Das ging gar nicht! Harsch und hart, wie grob verpixelt, um bildlich zu sprechen. Und dabei waren das immer noch 24bit - was anderes kann der ADC gar nicht. Und der wird in Studiokreisen hoch gelobt, weil er nach Meinung der Profis bereits mit 44,1k so toll klingt! Jungs, falls Ihr mitlest, probiert's einfach mal mit 192k.


Und schließlich haben wir Analog und ADDA verglichen. Und damit kommen wir wieder zum Kern dieses Threads. Gleich welcher DAC, es gab immer einen deutlich hörbaren Unterschied. Irgendwie ist das bitter, finde ich. Denn eine Tonbandmaschine macht natürlich bei der Aufnahme gegenüber dem Original-Signal, das von den Mikrofonen oder vom Analogpult kommt, auch deutlich hörbare Verluste. Aber dass diese gut 40 Jahre alte, analoge Technik in bestimmten, für die Musikreproduktion sehr wichtigen Aspekten der heutigen digitalen Spitzentechnik überlegen ist, zeigt, dass es noch viel zu lernen und zu entwickeln gibt. Ich möchte hierzu einfach aus ein paar Beiträgen von Euch zitieren, wobei ich die eine oder andere Hervorhebung vorgenommen habe, wenn es um das Thema Analog vs. ADDA geht.


Maldix hat geschrieben:In diversen Vergleichen von DACx, HILO, Lynx, Lamizator der7,einem DAC den Ralf einer der Teilnehmer gebaut hat, den G-DAC gab es dann für mich sehr viel neue Erkenntnisse. In diesem Zusammenhang waren mehr oder weniger deutliche Unterschiede zwischen den jeweiligen DACs zu hören. So veränderten sich die Abbildung der Bühne, die Tonalitä und Tiefenstaffelung, für einige Teilnehmer sogar signifikant. Wenn man jedoch den Vergleich zur analogen Referenz zieht, verlieren in meinen Augen alle DACs die wir gehört hatten und zwar unabhängig der Preisklasse. Als Hersteller eines DACs, stellt ein solcher Test eine echte Herausfoderung. Wobei sich die Entwicklung von Ralf hier bestens geschlagen hat.
Quelle

Fujak hat geschrieben:Bei der Tonband-Vorführung am Sonntag Mittag (2. Satz Schubert Streichquartett) wurde glaube ich allen Beteiligten klar, wieviel Seele eine solche Analogaufnahme in sich trägt. Auch wenn der Abstand zwischen analogem Original und digitaler Kopie in den vergangenen Jahren geringer geworden ist, bleibt es aus meiner Sicht die wichtigste Herausforderung der A/D- bzw. D/A-Wandler-Technologie, die Seele der Musik möglichst verlustarm (von "verlustfrei" möchte ich nicht reden) hinüberzuretten.
Quelle

Bernd Peter hat geschrieben:um den gehörten und eigentlich noch mehr gefühlten Unterschied zwischen analog vom Masterband und der digitalen Wiedergabe (die reichte beim Test von Ziel verfehlt bis sehr gute Annäherung) beim 2.Satz des Streichquartetts von Ravel in griffige Worte zu fassen: die Seele des Werkes trat zu Tage.
Quelle

5. Fazit

Das beschriebene Setup hat sehr gut funktioniert, um Unterschiede zwischen Analog und ADDA einerseits und zwischen den verschiedenen DACs andererseits hörbar zu machen. Voraussetzungen aus meiner Sicht hierfür:
  • Exzellente Analogquelle, vor allem auch sehr gutes Aufnahmematerial
  • ADC so gut wie möglich und in HighRes Betrieb
  • Ausgezeichnete Lautsprecher
  • Guter Lautstärkeabgleich im Vorfeld

Die analoge Referenz fest in der Kette integriert bietet den Vorteil, bei Klangunterschieden zwischen den DACs, diese besser einzuordnen, weil man sie auf die analoge Referenz beziehen kann.

Der Unterschied zwischen Analog und ADDA ist bei einem Setup dieser Qualität sehr gut hörbar. Im direkten Vergleich fehlt es ADDA an Räumlichkeit und Körperhaftigkeit der Darstellung.

Aber um es nochmals zu betonen: Alle DACs haben unter denselben Bedingungen gespielt aber keiner der DACs unter optimalen Bedingungen. Nehmt die Hörergebnisse, was die einzelnen DACs betrifft, also bitte nicht als absolute Aussagen. Um hier Sicherheit zu bekommen, hätte man einen mehrtägigen Workshop durchführen müssen.


Danke!

Am Ende diese Berichts möchte ich mich bei allen bedanken, die dieses Setup ermöglicht haben: Gert, Ralf Koschnicke, Matthias Flöter, Jürgen, Daniel, Christoph (taggart) und Chritoph (tsaett) haben Equipment zur Verfügung gestellt. Und Gert hat mir bei der Vorführung die ganze Zeit geholfen. Danke aber auch an alle, die nach Köln gekommen sind und die sich bei den Vorführungen beteiligt haben. Besonders genossen habe ich die Diskussionen und auch das positive Feed-back, das Ihr mir gegeben habt. Auch Kritikpunkte sind genannt worden und zeigen, dass man es noch besser machen kann. Also herzlichen Dank dafür!

Viele Grüße
Harald
Bild
nihil.sine.causa
Administrator
 
Beiträge: 2265
Registriert: 28.07.2011, 12:31
Wohnort: Bonn

Beitragvon Fujak » 14.10.2016, 13:36

Hallo Harald,

Kompliment; das ist eine echte Fleißarbeit, die Erfahrungen vom Forumstreffen zum Thema DAC-/Streamer-Vergleich vs. analoge Wiedergabe so übersichtlich zusammenzutragen.
Ich muss sagen, dass mich die Erfahrung immer noch sehr beschäftigt, wie weit selbst die besten DACs von der Qualität einer guten analogen Wiedergabe entfernt sind.

Grüße
Fujak
Bild
Fujak
Administrator
 
Beiträge: 5883
Registriert: 05.05.2009, 21:00
Wohnort: Bayern

VorherigeNächste

Zurück zu Grundlagen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast