Erfahrungen mit ADCs, Analog vs. ADDA und Digitalklang

Tontechnische Basisthemen

Erfahrungen mit ADCs, Analog vs. ADDA und Digitalklang

Beitragvon nihil.sine.causa » 23.02.2015, 20:07

Liebe Digitalisierungsfreunde und Analogfans,

in diesem Thread soll es um das Thema Digitalisierung hochwertiger analoger Signale gehen. Und dabei insbesondere um den Analog-Digitalwandler Mytek Stereo192 ADC. Ich will Euch in verschiedenen Episoden berichten, was für Erfahrungen ich gemacht habe. Und soviel sei verraten: das Thema war und ist wesentlich spannender als ich das hatte haben wollen.

1. Einführung: Der Mytek Digital Stereo192 ADC – ein state-of-the-art Analog-Digitalwandler

Einsatzgebiete sind Mikrofonaufnahmen in Stereo oder die Digitalisierung analoger Quellen wie Schallplatten oder Tonbänder. Klar, wer Mikrofonsignale mit einer Digitalkette wiedergeben will, muss digitalisieren. Der Analogfan dagegen fragt sich vielleicht, „Warum sollte ich eine Schallplatte digitalisieren wollen? Ich bin froh, dass ich komplett in der analogen Welt bin.“ Nun, die Platten werden mit der Zeit nicht besser, sofern man sie denn abspielt. Bei Tonbändern haben wir das Altern des Trägermaterials und der magnetisierten Schicht. Und – machen wir uns nichts vor – die überwiegende Anzahl der Aufnahmen heute wird auf digitaler Basis produziert. Während man bei der rein analogen Produktion und Publikation von Aufnahmen mit deutlich in die Jahre gekommenem Equipment auskommen muss. Selbst wenn die Master-Tonbandmaschine hervorragend in Schuss ist, so ist sie doch typischerweise mindestens 30 Jahre alt. Und neue Plattenschneidemaschinen produziert man meines Wissens auch schon lange nicht mehr. Also ist das Thema Digitalisierung auch für die allermeisten Analogfreunde ein interessantes Thema.

Ich habe dazu in den letzten Monaten einiges recherchiert und dann als Analog-Digitalwandler den Mytek Stereo192 ADC erworben.

Bild
Bildquelle

Dieser Wandler scheint in vielen guten Tonstudios eingesetzt zu werden und hat auch bei Tests (z.B. in der Audio Professional) sehr gut abgeschnitten. Schließlich hat er sich als etwas besser erwiesen als der Prism Sound Titan, der ebenfalls sehr gut beleumundet ist. Der Mytek ADC erschien mit ca. 1.000 € daher auch preiswert. Geräte der nächst höheren Leistungsklasse - vorgesehen vor allem Mastering-Zwecke - z.B. Prism Sound AD-2, Weiss ADC2, Lavry Gold AD 122-96 MX liegen bei ca. 7.200 bis 8.500 € für einen Stereo ADC und das erschien mir dann doch etwas zu teuer. Alle Geräte in der Preisklasse des Mytek konnte ich nicht testen und so habe ich mich für den Mytek entschieden, der den gehobenen Studio-Standard erfüllen dürfte.

Daniel (Koala887) hat mir freundlicherweise ein schönes Netzteil gemacht, das den Mytek mit präzisen 9V versorgt. Hierzu wurde der Regler TPS7A4700 eingesetzt, den Daniel auch für die Versorgung von Referenzclocks verwendet. Das Netzteil wird an den Batterieeingang des Mytek angeschlossen. Wir haben dabei sogar an einen Groundlift-Schalter an dem Netzteil gedacht, denn damit kann ich schnell und einfach wählen, ob der ADC Signalmasse-Erdungspunkt sein soll oder nicht.

Die Aufnahmekette sieht wie folgt aus:

Analogquelle
→ via XLR in Mytek Digtial Stereo192 ADC
→ via Toslink in RME FirefaceUC
→ via USB in Windows-Rechner
→ Digitale Aufzeichung mit RME DIGICheck Global Record
→ Nachbearbeitung mit Steinberg WaveLab 8.5 (Schneiden und Lauststärkeanpassung)

Warum Toslink? Das habe ich hier relativ ausführlich untersucht – Toslink hilft mir, eine saubere galvanische Trennung vorzunehmen zwischen den empfindlichen Analog-Quellen und dem aufzeichnenden Computer. Und Toslink hat bei der Aufnahme – anders als etwa bei Wiedergabeketten – keinen störenden Einfluss durch Verjitterung, denn ich habe für mich ausreichend nachgewiesen, dass das hier beschriebene Aufzeichnungsverfahren ab Toslink-Strecke Bit-identisch arbeitet.

Bei der Nachbearbeitung mit WaveLab wende ich keinerlei signalverändernde Methoden an außer dem Schneiden und der Lautstärkeanpassung. Das macht WaveLab, nach allem was ich gelesen und getestet habe, sehr sauber. Ich arbeite grundsätzlich mit 24Bit und brauche bei einem solchen Dynamikumfang m.E. kein Dithering, daher füge ich auch keinen Dither hinzu. Als Samplingrate verwende ich 192 kHz und nutze damit ein hinreichend unkritisches Antialiasing-Filter. Auch wenn ich oberhalb von 30kHz kein analoges Nutzsignal zu erwarten habe, das HD-Format kann helfen, Filterfehler zu vermeiden (vgl. hierzu auch diese Diskussion).

Die resultierenden Mikrofonaufnahmen waren besser als alle, die ich vorher gemacht hatte. Ich war zufrieden und wäre es vermutlich heute noch, wenn ich mich nicht aufgemacht hätte zu einem lieben Forumskollegen nach Düsseldorf, um dort Schallplatten testweise zu digitalisieren. Davon mehr in der nächsten Episode.

Beste Grüße
Harald
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Beitragvon nikander » 23.02.2015, 20:39

Hallo Harald,

ich habe ein selbes Interesse (mit meinem Lynx Hilo, der auch einen recht guten A/D-Wandler haben muss), wenngleich nicht zur Digitalisierung von Schallplatten.
Du schreibst am Ende etwas von Mikrofon-Aufnahmen.
Sicherlich bin ich zu unerfahren - falls Du Mikrofon-Aufnahmen gemacht hast - hat der Mytek denn eine eigene Phantomspeisung/einen Mikrophon-Pre oder wie bewerkstelligst Du das?
Und zweitens: mir ist nicht ganz klar, wozu Du noch das RME Fireface brauchst.
Schöne Grüße,

Christian
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Beitragvon Manger_Fan » 23.02.2015, 21:19

Hallo Harald,

das hört sich interessant an.
Das Fireface hat doch auch die Möglichkeit AD zu wandeln?

Ist der Mytek denn dem Fireface derart überlegen?

Ich bin auch schon seit 2 Jahren dabei meine LP´s zu digitalisieren.
Ich habe mir dazu extra das Babyface zugelegt.

Ein Vergleich wäre mal interessant wie die Unterschiede sind. Hast Du das mal getestet(Mytek-RME)?

Gruß
Holger
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Beitragvon Melomane » 23.02.2015, 21:54

Hallo,

wenn ich mich nicht irre, braucht Harald das RME-Gerät, um via USB am Rechner andocken zu können.

Frage meinerseits dann: Lässt das RME-Gerät das schon vom Mytek gewandelte Signal unangetastet passieren?

Gruß

Jochen
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Beitragvon vierzigo » 23.02.2015, 21:58

Hallo Harald,

da bin ich ja mal weiter gespannt auf den nächsten Teil.
Den Testfile hat mir der nette Forumskollegen auch gestern vorgespielt, der Unterschied ist sofort wahrnehmbar.
Übrigens, ich finde deine Frau spielt sehr gut.

Grüße

Oliver
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Beitragvon nihil.sine.causa » 23.02.2015, 22:05

Hallo Christian,

nikander hat geschrieben:ich habe ein selbes Interesse (mit meinem Lynx Hilo, der auch einen recht guten A/D-Wandler haben muss), wenngleich nicht zur Digitalisierung von Schallplatten.


Den Lynx Hilo habe ich nicht getestet vor allem deswegen, weil ich keinen D/A Wandler brauche.

nikander hat geschrieben:Du schreibst am Ende etwas von Mikrofon-Aufnahmen.
Sicherlich bin ich zu unerfahren - falls Du Mikrofon-Aufnahmen gemacht hast - hat der Mytek denn eine eigene Phantomspeisung/einen Mikrophon-Pre oder wie bewerkstelligst Du das?


Hierzu verwende ich einen eigenen Mikrofon-Vorverstärker, den Millennia HV-3C. Zur Evaluation habe ich hier etwas geschrieben.

nikander hat geschrieben:Und zweitens: mir ist nicht ganz klar, wozu Du noch das RME Fireface brauchst.


Der Mytek ADC hat kein USB Interface verbaut. Daher benötige ich ein solches, um die digitalisierten Daten irgendwie auf eine Festplatte zu schreiben. Da ich das Fireface UC "sowieso" habe, verwende ich es eben auch hierzu. Dass es für mich dabei nicht ganz einfach war, die digitalen Daten verlustfrei auf Platte zu bekommen, kannst Du hier nachlesen.




Hallo Holger,

Manger_Fan hat geschrieben:Ein Vergleich wäre mal interessant wie die Unterschiede sind. Hast Du das mal getestet(Mytek-RME)?


Ja das habe ich verglichen. Es braucht schon eine sehr gute Analogquelle, um hier Unterschiede deutlich zu machen. Bei mir sind das Brauner-Mikrofone mit dem Mikrofon-VV. Damit wurden die Unterschiede Mytek ADC vs. Fireface UC (Flügelaufnahmen nach Abspielen an meiner D/A-Kette) deutlich: Der Mytek liefert ein ruhigeres, dichteres, räumlich präziseres Klangbild und genauere, weniger metallischeren Anschläge, vor allem aber mehr Genauigkeit und leichtere Ortbarkeit.




Hallo Jochen,

Melomane hat geschrieben:Frage meinerseits dann: Lässt das RME-Gerät das schon vom Mytek gewandelte Signal unangetastet passieren?


Ja das habe ich gemessen. Hierzu habe ich z.B. mit meinem G-Oppo Dateien abgespielt und das Fireface an den Digitalausgang des G-Oppos angeschlossen. Ein 1:1 Vergleich zwischen den Original-Dateien und den so aufgezeichneten, ergab Übereinstimmung in allen Fällen. Dabei habe ich auch Toslink vs. SPDIF Cinch verglichen und ebenfalls keine Unterschiede festgestellt.

Voraussetzung dabei war die Aufzeichnung mit RME DIGICheck. Eine Verwendung von WaveLab als Recorder (unter Verwendung des RME Asio-Treibers) hat mir immer wieder Abbrüche beschert.

Beste Grüße
Harald
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Beitragvon nihil.sine.causa » 24.02.2015, 22:21

2. Der Schock - erster Digitalisierungstest einer Schallplatte

Stolz auf meine schöne A/D-Kette habe ich Reiner (easy) in Düsseldorf besucht. Nun verstehe ich von Plattenspielern herzlich wenig, aber Reiner hat mir versichert, seiner sei „schon ganz ordentlich“. Und da ich Reiner als sehr freundlichen und taktvollen Menschen aber in der Sache niemals ruhenden Perfektionisten kenne, konnte das nur ein Euphemismus sein. Einen Digitalisierungstest bei einer solch guten Analogquelle, konnte ich mir nicht entgehen lassen. Also habe ich mein Geraffel eingepackt bin zu Reiner gefahren.

Mit folgendem Equipment spielt Reiner seine Platten ab:
  • Plattendreher VPI Classic
  • Tonarm VPI mit Valhalla Silberverkabelung
  • VPI SDS Motorsteuerung an Audience Adept Response Stromverteiler
  • Platten-Beschwerungsring ca. 1,5 kg
  • Tonabnehmer Koetsu Rosewood Signature
  • Refine Audio Ultima Musica Cinch-Kabel
  • Vorverstärker mit MC-Vorstufe: MFE Tube One SE

Unter Verwendung des Jena Labs Symphony XLR Kabels, das Reiner auch schon mal in einer Lidl-Tüte zu einem anderen sehr netten Forumskollegen transportiert hat, haben wir meine A/D-Kette angeschlossen. Reiner hat die folgende Platte aufgelegt...

Bild

… und dann haben sie der A/D-Kette zu fressen gegeben. Nach Schnitt und Lauststärkekorrektur mit WaveLab konnten wir sie abspielen und mit dem Orginalklang aus dem Analogdreher vergleichen.

Als Digital-Analog-Kette verwendet Reiner folgendes Equipment:

Linn G-ADS/1 DAC, Digitalausgang
→ Mutec Reclocker MC-3+, unterstützt von einer M10 Referenzclock
→ Meitner DAC
→ Vorverstärker: MFE Tube One SE

Zum Abhören schließlich folgende Kette (unabhängig ob von Analog- oder Digitalquelle):

Vorverstärker: MFE Tube One SE
→ via Refine Audio Emotion XLR in Endstufe Hovland Radia i
→ via Refine Lautsprecherkabel in Lautsprecher Avalon Ascendant

In dem Bewusstsein, alles richtig gemacht zu haben, mit meiner „state-of-the-art“ Digitalisierung erwartete ich keinen großen Unterschied zwischen Original und dem digitalisierten Resultat. Entspannt lehnte ich mich zurück in Reiners bequemen Sessel und hörte mir den Vergleich an.

Na das war dann schon ein mittlerer Schock. Das Original vom Plattendreher klang ganz deutlich besser. Dynamisch präziser, luftiger, räumlicher und vor allem sehr viel angenehmer durchhörbar. So leicht ist also gute Analogtechnik nicht zu erreichen, geschweige denn zu schlagen.

Wo lag der Fehler? Vielleicht ist der ADC doch nicht so gut, wie ich gehofft hatte. Ich war mit meinem Latein am Ende und habe … na dreimal dürft Ihr raten … den Mytek ADC zu Gert nach Stuttgart geschickt.

Beste Grüße
Harald
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Beitragvon Melomane » 24.02.2015, 22:25

Hallo Harald,

ich wage die Prognose, dass sich der Gert ganz schön ins Zeug wird legen müssen, damit dein ADC dem "schon ganz ordentlichen" Analogsetup Paroli bieten kann.

Gruß

Jochen
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Beitragvon Fortepianus » 25.02.2015, 12:12

nihil.sine.causa hat geschrieben:Wo lag der Fehler? Vielleicht ist der ADC doch nicht so gut, wie ich gehofft hatte. Ich war mit meinem Latein am Ende und habe … na dreimal dürft Ihr raten … den Mytek ADC zu Gert nach Stuttgart geschickt.

Das Kästchen kam mit einem sehr schön verarbeiteten Netzteil von Daniel (Koala887) zu mir und ich habe damit als Versuchsaufbau zwei Pfade an meiner Anlage verkabelt:

1. Linn G-ADS1 DAC Digitalausgang BNC -> Lutzifer Digitalkabel BNC auf Cinch -> Oppo G-HA Koaxeingang auf Analogausgang XLR-> AGM 7.4

2. Linn G-ADS1 DAC Analogausgang XLR -> G-Kabel XLR auf XLR -> Mytek ADC Analogeingang XLR auf AES/EBU Digitalausgang -> Apogee Wyde Eye XLR-Digitalkabel -> Oppo G-HA AES/EBU Digitaleingang auf Analogausgang XLR -> AGM 7.4

Zunächst spiele ich bei einem solchen Vergleich immer einen Sinus mit 1kHz über den Linn-Streamer in Endlosschleife ab und schalte an der Umschaltanlage auf Lautsprecherausgang 2 - da sind dann keine Lautsprecher angeschlossen, sondern ein Multimeter im True-RMS-Wechselspannungsbereich. Zwischen den beiden Pfaden 1 und 2 kann man nun einfach mit der G-HA-Fernbedienung umschalten, indem man zwischen Koax- und AES-Eingang umschaltet. Nun kann man am analogen Lautstärkeregler des G-HA die Ausgangsspannung auf's Millivolt gleich einstellen bei beiden Pfaden. Man muss sich aber vorher für sich auf eine Lautstärkeeinstellung einigen, denn beim Linn wird nur der Analogausgang in der Lautstärke geregelt, nicht aber der Digitalausgang. Bei den üblichen Testfiles für Hörvergleiche kenne ich die richtige Lautstärke am Linn aber genau. Aber nur so ist sicher gestellt, dass man bei genau gleichem Pegel vergleicht. Meist ist das nämlich nicht der Fall - die klassische Fehlerquelle bei Hörvergleichen, man stellt eben so ein, wie man meint, dass es passt. Einen analogen Lautstärkesteller darf man aber nur einmal kurz antippen, und schon sind 0,1db mehr gestellt. Das hört sich nicht wirklich lauter an, aber nachher kommt oft "mehr Druck" als Hörergebnis raus.

Bei dem genannten Versuchaufbau kann man nun direkt im Betrieb zwischen beiden Pfaden umschalten - wobei ich Unterschiede besser höre, wenn ich zweimal die gleiche Passage abspiele als wenn ich bei laufender Musik hin und her schalte.

Nach dieser Beschreibung des Test-Setups nun das nüchterne Ergebnis des Hörvergleichs: Die penible Pegeljustage oben war nun wirklich unnötig, Pfad 2 klang recht traurig im Vergleich zu Pfad 1. Unpräzise, müde, glanzlos. Stimmen ohne Druck, Klavieranschläge verschliffen, Orchester eingedickt. Klarer Fall: Der Deckel muss runter :cheers: . Auch klar: An Daniels amtlichem Netzteil liegt's nicht, das bleibt zu.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon easy » 25.02.2015, 15:42

Mein lieber Harald,

wie ich sehe legt Meister Gert bereits Hand an .Da bin ich ja mal sehr gespannt auf den nächsten Vergleich.

Hoffe nur ,daß deine Besuche hier bei mir Dich nicht in die Finanzkrise stürzen........ :mrgreen:


Ja und du Gert,sehe mal zu das der arme Kerl nicht in die nächste Schockstarre fällt........ :?


Liebe Grüße

Reiner
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Beitragvon Fortepianus » 27.02.2015, 08:54

Liebe ADC-Wandler- und Aufnahmefans,

auf den ersten und auch zweiten Blick sieht das Gerätchen sehr gut gemacht aus. Schön auch, dass man eine externe Stromversorgung andocken kann bei Bedarf, was Harald ja mit dem D-Netzteil auch gemacht hat. Ich zerlege das Gerät, baue die Platine raus und verfolge den analogen Eingangspfad. Er endet am AK5394AVS von AKM, das ist der AD-Wandlerchip. Vorher durchläuft das Signal das Bandbegrenzungsfilter (damit kein Aliasing entsteht, also keine digitalen Artefakte durch Verletzung des Abtasttheorems). Der ADC hat aber wie üblich einen Analogeingang, der nicht von z. B. minus 5 bis +5V ausgesteuert werden kann, sondern möchte das Signal mit einem positiven Offset. Also so: Digital Null kommt raus, wenn die Eingangsspannung +2,5V beträgt, positive Vollaussteuerung ist bei +3,75V und negative Vollaussteuerung bei +1,25V.

Vor dem Filter kommt eine abschaltbare variable Anpassung für die Eingangsempfindlichkeit, entweder über ein Poti oder kleine Cermet-Trimmer. Mit kleinen Relais wird das, wenn nicht benötigt, überbrückt. Dann kommen Koppel-Kondensatoren - ziemlich unvermeidlich, wenn man das Signal mit einem Offset versehen muss.

Der Signalpfad ist komplett symmetrisch gehalten, also braucht man für die zwei Kanäle vier Koppel-Cs. Zunächst entdecke ich vier ziemlich große Wima MKS4 mit 3,3µF. 3,3µF ist bei der vorhandenen Eingangsimpedanz des nachfolgenden Filters aber für den Bass zu wenig. Bei genauerem Hinschauen entdecke ich jeweils einen Elko parallel dazu mit 120µF/16V. Aber nicht wenigstens Panasonic FC oder FR oder ein hübscher Polymerelko, sondern so ein Billigteil für wenige Cent. Und noch einen dritten Kondensator haben sie parallel geschaltet: Einen kleinen Wima Folien-C, der speziell im Hochtonbereich wirkt. Na da gibt's doch Potenzial für Verbesserungen, ich mache Folgendes:

Bild

Wie man sieht, dürfen die vier dicken Wimas bleiben, die Elkos fliegen raus und werden durch Polymerelkos mit 330µF ersetzt, und für die kleinen Folien gibt's auch erheblich besseren Ersatz in Form von Glimmer-Kondensatoren. Das sind die kleinen blauen zwischen den Elkos und den Wimas. Links von den Elkos sieht man die kleinen Omron-Relais, mit denen man den Eingang direkt ohne Pegelanpassungskram an diese Kondensatoren schalten kann.

Nach den Cs kommt die OP-Schaltung mit dem Filter und der Offsetgenerierung. Zum Schutz vor neugierigen chinesischen Augen (oder auch vor meinen, wer weiß) ist die Typenbezeichnung abgeschliffen. Es ist ein Doppel-Op, und er ist Rail-to-Rail aussteuerbar (also bis an die Versorgungsspannungsgrenze). So kommt man mit den gleichen 5V Versorgungsspannung aus, die auch den ADC-Chip im Analogteil versorgen. Einem Reflex folgend löte ich die OPs trotzdem mal aus und ersetze sie durch LME49720. Erwartungsgemäß kriege ich jetzt den ADC aber nicht mehr an die Vollausteuerungsgrenze. Außerdem war das eh eine Schnapsidee, denn der LME läuft zwar mit +-2,5V bereits, kommt da aber gerade erst aus dem Bett. Ok, wieder zurück, ich löte die vorhandenen OPs wieder rein. Schon möglich, dass die etwas taugen, es gibt sehr gute speziell für 5V Versorgung optimierte OPs z. B. von Burr Brown für den Videobereich. Vorsichtshalber hatte ich mit einem Filzstift Pin 1 markiert beim Auslöten. Die OPs sind ganz rechts im Bild:

Bild

Diese 5V Versorgung sind ein erwähnenswertes Thema. Mytek nimmt hier die gleichen 5V wie für den ADC. Ich buttere den beiden Doppel-OPs und dem ADC jeweils einen Polymerelko an die Versorgungsanschüsse, wie im Bild zu sehen. Das hilft massiv, diese Punkte ruhig zu stellen.

Ich messe nun das Filter mal durch. Dieses Eingangsfilter ist nämlich von ziemlich klangentscheidender Bedeutung bei den ADCs. Siehe da: Es hat nur eine moderate Flankensteilheit, ist aber konstant für 192kHz ausgelegt. Das bedeutet: Der ADC wandelt immer mit höchst möglicher Abtastrate, und nachher wird digital runtergerechnet, wenn jemand eine niedrigere Abtastfrequenz möchte. Das ist gut und möglicherweise ist die Kombi aus dem guten Eingangsfilter mit der hohen Abtastrate ja einer der Gründe, warum der kleine ADC in Tests immer recht gut abgeschnitten hat.

Der Analogpfad ist ja recht kurz und das Nötige bereits gemacht, also schaue ich mal noch danach, was im Digitalbereich auffällt. nach was schaut man immer zuerst? Na klar, nach der Clock. Da finde ich eine recht bescheidene Standardclock. Brüstet sich Mytek nicht in der Bedienungsanleitung damit, dass der Takt in ihrem ADC192 so hervorragend sei, dass man sich eine externe Taktung getrost sparen könne? Wie soll das mit dieser mittelmäßigen Clock gehen? Es gibt zwei davon, eine für die 48k-Familie mit 24,576MHz und eine für die 44,1k mit 22,579Mhz. Eine Tent XO mit 24,576MHz habe ich da, und Harald nimmt ja eh immer mit 192kHz auf, also reicht es, die 24,576er zu ersetzen:

Bild

Die Tent ist nicht pinkompatibel, also mache ich wie oben zu sehen einen kleinen Adapter, so dass das passt.

Was zählt ist: Klingt der ADC jetzt besser? Ich schleife ihn wieder in den Signalweg wie bereits beschrieben. Aus dem klar erkennbaren Unterschied, der vorher zwischen den Signalpfaden 1 und 2 bestand, wird nun ein Patt. Das ist doch schon mal was! Am deutlichsten konnte ich den Unterschied bei Klavier ausmachen, wenn Lortie mit seinem Fazioli F278 bei Liszts "Orage" das Gewitter sich entladen lässt. Die einzelnen Treffer der Hämmerchen zeigen, was impulstreu ist und was nicht, und das dichte Geflecht des an- und abschwellenden Donnergrollens in der Linken zeigt die Durchzeichnungsqualitäten im Bass.

Ich vereinbarte also mit Harald einen Hörtermin. Vielleicht kann er ja einen Unterschied mit oder ohne erneute AD-DA-Wandlung ausmachen?

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon nihil.sine.causa » 28.02.2015, 15:43

3. Tests mit dem Mytek G-ADC

Nachdem Gert, den Mytek ADC so verändert hatte, war ich natürlich sehr gespannt, welche Qualität er nun produziert. Wir haben die zwei Pfade direkt verglichen, von denen Gert weiter oben schon berichtet hatte:

Fortepianus hat geschrieben:1. Linn G-ADS1 DAC Digitalausgang BNC -> Lutzifer Digitalkabel BNC auf Cinch -> Oppo G-HA Koaxeingang auf Analogausgang XLR-> AGM 7.4

2. Linn G-ADS1 DAC Analogausgang XLR -> G-Kabel XLR auf XLR -> Mytek ADC Analogeingang XLR auf AES/EBU Digitalausgang -> Apogee Wyde Eye XLR-Digitalkabel -> Oppo G-HA AES/EBU Digitaleingang auf Analogausgang XLR -> AGM 7.4


Also 1. ohne ADC und 2. mit G-ADC in der Kette. Umschaltbar am G-HA. Das Umschalten hat Gert für mich blind erledigt und mich hören lassen. Er sprach nur von A und B und schaltet immer wieder hin und her, wenn ich das wollte. Und ich erwartete zumindest einen kleinen Unterschied mit und ohne dem G-ADC in der Kette.

Aber das war nun echt die Nummer für Masochisten, die es lieben, sich zu quälen und ihre Ohren zu „brechen“. Hier, war hier was? Der Besen bei Diana Kralls Temptation einen Tick anders? Nochmal zurückschalten bitte – nein, doch nicht. Wir hörten die üblichen Teststücke durch also auch Barb Jungr Sara, Lortie Liszt Pelerinage und Jazz at the Pawnshop „Lady be good“. Jetzt hab' ich's das Saxophon ist einen Tick räumlicher. Oder doch nicht? Am Ende habe ich geraten: „Wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, wäre ich für A“. „Schön“, sagte Gert, „und das ist mit dem G-ADS in der Kette“. Also einigten wir uns darauf – kein signifikanter Unterschied zwischen 1. und 2.

Wieder zu Hause angekommen, habe ich eine Flügelaufnahme gemacht mit meiner A/D-Kette. Also folgende Analogquelle vor dem G-ADC:

2 Brauner Phantom-Classic Mikrofone
→ via Vovox Sonorus Direct XLR Kabel in den Millennia HV-3C Mikrofon-Vorverstärker
→ via Vovox Sonorus Direct XLR Kabel in den G-ADC

Und dann weiter wie oben beschrieben:

nihil.sine.causa hat geschrieben:Analogquelle
→ via XLR in Mytek Digtial Stereo192 G-ADC
→ via Toslink in RME FirefaceUC
→ via USB in Windows-Rechner
→ Digitale Aufzeichung mit RME DIGICheck Global Record
→ Nachbearbeitung mit Steinberg WaveLab 8.5 (Schneiden und Lauststärkeanpassung)


Das habe ich dann verglichen mit einer Aufnahme von demselben Stück und derselben Kette eben vor der Gertifizierung des ADC. Natürlich standen die Mikrofone ein paar cm unterschiedlich positioniert bei diesen beiden Aufnahmen. Aber alles andere war gleich.

Schnell mal reingehört in die beiden Aufnahmen. Wow – das ist ein himmelweiter Unterschied! Die Aufnahme mit dem ADC kenne ja gut - und schlecht ist die nicht, aber sie klingt metallischer, dünner, räumlich flacher und nerviger im Vergleich zu derjenigen mit dem G-ADC. Es ist so ein richtig großer Unterschied, wie wenn man in eine andere Geräteklasse geht. So einen Qualitätssprung hatte ich nicht erwartet. Da hat Gert eine ganz tolle Arbeit geleistet.

Also wenn das jetzt so gut geworden war, musste ich doch noch mal zu Reiner fahren und einen weiteren Digitalisierungsversuch machen. Fortsetzung folgt...
 
Beste Grüße
Harald
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Beitragvon nihil.sine.causa » 07.03.2015, 12:10

4. Zweiter Digitalisierungstest einer Schallplatte - Ende der Fahnenstange?

Liebe Digitalisierungsfreunde,

da der A/D-Wandler sich nach der Gertifizierung so stark verbessert zeigte, waren Reiner und ich sehr interessiert, wie er sich bei einer neuerlichen Schallplattendigitalisierung schlägt. Reiner hat diese Aufnahme aus dem Jahr 1983 gewählt.

Bild

Sie besitzt einen besonders hohen Dynamikumfang und ist eine sehr schöne Aufnahme von Wiener Walzern und Polkas, luftig, beschwingend und sehr atmosphärisch.

Aufnahmekette und -verfahren waren wie oben beschrieben, ebenso die Wiedergabekette. Jetzt wurde es wieder spannend. Der Unterschied im Vergleich analog gegen digitalisiert war jetzt sehr viel geringer als vor der Gertifizierung des ADC aber immer noch hörbar. Die Schallplatte klang leicht räumlicher, etwas weniger angestrengt und einen Tick "direkter".

Nun ist es für mich schwierig zu sagen, woran das liegt. Ich habe eine Reihe von Vermutungen:
  • Der Vorverstärker wurde bei unterschiedlichen Pegeln betrieben. Bei der Aufnahme mit dem G-ADC in etwa auf Stellung 1 Uhr bis 2 Uhr. Bei der Wiedergabe von der Schallplatte sowie von der Digitalquelle etwa auf Stellung 9 Uhr.
  • Der Line-Eingang des VV ist qualitativ etwas schlechter als der Phono-Eingang.
  • Wir konnten nur nach Gehör auspegeln beim vergleich analog vs. digitalisiert.
  • Es wurden in der Aufnahmesituation andere Kabel zwischen VV und ADC verwendet als in der Wiedergabesituation zwischen VV und Endstufe. Es waren jedoch immer sehr hochwertige Kabel.
  • Der ADC ist noch nicht gut genug.
  • Die Qualitätseinbußen stammen nicht vom ADC sondern rühren von der D/A-Kette her.

Nun wäre ich natürlich an Eurer Meinung interessiert. Woran kann es liegen? Ist die 30 Jahre alte Technik der aktuellen Digitaltechnik überlegen was Direktheit und Durchhörbarkeit des Klanggeschehens angeht? Was müsste man tun um bei einer Digitalisierung mindestens gleichauf zu ziehen?

Beste Grüße
Harald
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Beitragvon Melomane » 07.03.2015, 20:04

Hallo Harald,

ab und zu neige ich zu Ketzereien: Wenn die Unterschiede nicht mehr signifikant ausfallen, dann ist mein Rat, an einem anderen Tag noch einmal zu vergleichen und zwar ohne das fest ins Visier genommene Ziel, exakt Unterschiede oder Identität festzustellen. Und dann schaltest du die Quellen mit der Fernbedienung solange hin und her, bis dir schwindelig ist und du garantiert nicht mehr weißt, was du gerade aktiv laufen hast.

Wenn du dann eindeutig digital als digital und analog als analog benennen kannst, dann sind die Unterschiede doch signifikant und dann wäre als erster der Wandler meiner bescheidenen Meinung nach der Verdächtige Nr.1 und versuchsweise zu ersetzen.

Gruß

Jochen
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Beitragvon nihil.sine.causa » 07.03.2015, 23:45

Hallo Jochen,

Melomane hat geschrieben:Wenn du dann eindeutig digital als digital und analog als analog benennen kannst, dann sind die Unterschiede doch signifikant und dann wäre als erster der Wandler meiner bescheidenen Meinung nach der Verdächtige Nr.1 und versuchsweise zu ersetzen.


danke für Deine ehrliche Rückmeldung. Klar, können wir den ADC (diesen Wandler meinst Du doch) als Verdächtigen nochmals unter die Lupe nehmen. Aber was würde das heißen für unser Hobby insgesamt? Der - nicht gertifizierte - Mytek ADC ist weit verbreitet in den Studios dieser Welt. Betrachten wir die ADCs eine Stufe besser landen wir bei 7000+ € für zwei Kanäle(z.B. Prism Sound AD-2, Weiss ADC2, Lavry Gold AD 122-96 MX). Ein solcher Wandler mag bei Mastering-Studios seinen Einsatz finden. Aber was heißt das für die Mehrkanalaufnahmen selbst? - Die sind mit den Myteks, Apogees, ja RMEs dieser Welt gemacht!

Beste Grüße
Harald
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