Musik-Produktionen: zuviel Bass?

Tontechnische Basisthemen
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atmos
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Musik-Produktionen: zuviel Bass?

Beitrag von atmos »

Hi,
mir ist in den letzten 2 Jahren aufgefallen, dass immer mehr Musikproduktionen mit einem Tiefbass ausgestattet werden, der die Raummoden so richtig ins Swingen bringt.
Paul McCartney's Egypt Station ist so eine Scheibe, die meinen Raum derart anregte, so dass ich mich genötigt sah, weitere akustische Maßnahmen anzuleiern.
Aber dann kam Schiller's Morgenstund. Auf der Pure-Audio/Blu-ray kommt der LFE-Kanal! zum Einsatz. Die Scheibe machte augenscheinlich, wie problematisch Subwoofer sein können. Seither stehen die SW auf einem Hocker.
Ich muss aber noch anmerken, dass die Bässe bei Dolby Atmos noch mächtiger und druckvoller kommen. Da drückt der Bass schon mal auf breiter Front in den Raum.

Die letzte Scheibe mit sehr viel Bass sind AC/DC mit Power Up. Die kann ich locker aufdrehen. Die App zeigt an, dass es bei 28 Hz losgeht.

Dass ist auch die Scheibe, die mich veranlasste, die Trifon auf 24 Hz einzustellen, weil bei 32 Hz die Bässe nicht voll da waren.

Gruß
Günther
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Horse Tea
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Beitrag von Horse Tea »

Hallo Günther,

ich kann für mich persönlich, die Frage mit "Nein" beantworten. Ich höre allerdings sehr viel Klassik, überwiegend kleine Ensembles, bei Jazz ausschließlich. Ich habe die automatische Raumkorrektur des Trinnov in Verwendung, keine raumakustischen Maßnahmen ergriffen und meine Zielkurve liegt zwischen 30 und 80 Hz in Glockenform bei bis zu +6dB. Und dennoch "Nein". Unter 30 Hz filtere ich stark.

Viele Grüße
Horst-Dieter
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Matty
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Beitrag von Matty »

Hallo zusammen,

ich habe für mich festgestellt, dass es da teilweise extreme Unterschiede gibt.

Bei gleicher Zielkurve (ich benutze Brüel & Kjær) gibt es Musik, die ziemlich dünn klingt und andere Aufnahmen, die extrem aufgedickt klingen, obwohl ich Dipol-Bässe verwende, die ja allgemein als eher schlank beschrieben werden.

Tendenziell würde ich das aber nicht an einer Entwicklung in den letzten zwei Jahren festmachen.
Ich meine für mich festgestellt zu haben, dass es vor allem bei Musik aus dem sogenannten Mainstream, also z.B. typische 'Charts-Musik' im Bass eher dick klingt.
Erklärungsversuch wäre für mich dass es wohl daran liegen könnte, dass man versucht, bei dieser Musik den Bass besonders für billige, bassschwache Systeme, welche ja beim Durchschnittskonsumenten dieser Musik vorliegen, auszulegen um ihm dadurch mehr Präsenz zu verleihen.
Auf besseren, ausgewogeneren Systemen klingt das dann schnell überhöht.

Viele Grüße
Matthias
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Hallo
mit der seit den 1990er Jahren etablierten zunehmenden Dynamikkompression werden auch ursprünglich leisere Begleitinstrumente in den Vordergrund geschoben, also auch der Bass angehoben, ähnlich wie Zischlaute an Lästigkeit zunehmen. Das kann man beim Vergleich von "Remastered" Re-Issues gegenüber der Erstausgabe (Pop/Jazz) feststellen.
Wenn der Tontechniker Yamaha NS 10 (exemplarisch für Blechbüchsensound) zur Kontrolle einsetzt, hat der Audiophile keine Chance mehr auf eine in unseren Ohren gelungene klanglich wohl-ausbalancierte Aufnahme.
Ausnahme: Klassik
Grüße
Hans-Martin
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Luxman4Ever
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Beitrag von Luxman4Ever »

Moinsen,
Kann ich bei mir nicht feststellen.

Die Frage waere fuer mich zunaechst was ist Tiefbass?

<50Hz / <40Hz / <30Hz?

Beste Gruesse Bernd
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Luxman4Ever
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Beitrag von Luxman4Ever »

Moin Guenther,
Ich hab mir das Cartney Album gerade kurz angehoert.
Lied Nr. 2 I don't know jedenfalls ist bei mir absolut problemlos.
Kann da nichts feststellen was mir zu viel waere oder was Resonanz ausloest.

Beste Gruesse Bernd
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Horse Tea
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Beitrag von Horse Tea »

Hallo Bernd,

ich beantworte mir die Frage als Klassikhörer so: Das tiefste Orchesterinstrument ist der Kontrabass, dessen tiefster Ton das Kontra E ist. Dieser Ton liegt bei 41.2 Hz. Da ich weder viel Orgel höre, noch Rauminformation vermisse, ist das meine Untergrenze. Wo der Oberbass beginnt, ist sicher Bauchgefühl. Um Deine Frage aber exakt zu beantworten, entscheide ich mich für 100 Hz. Damit liegt der Tiefbass für mich >40 Hz und < 100 Hz. Bist Du überrascht?

Viele Grüße
Horst-Dieter
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treble trouble
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Beitrag von treble trouble »

Hallo,

dass viele, auch moderne Aufnahmen basslastiger werden (siehe nur so Sachen wie Billie Eilish, deren letztes Album mir aber gerade deswegen besonders gut gefällt; oder Marian Hill), denke ich auch. Auch bei Remastern wird der Bass gerne angehoben, wobei das häufig seine Berechtigung hat, finde ich, weil ältere Aufnahmen aus den 80ern gerne sehr dünn klingen. Warum haben die früher nicht so dünn geklungen? Haben die Anlagen früher mehr Bass wiedergegeben? Oder war man es lediglich nur nicht gewohnt mit viel Bass? Nervig finde ich bei Kompression auch eher nicht den Bass, sondern den ständigen Druck, den die Musik ausübt, wenn es zu viel Kompression ist. Und die Höhen nerven mich so auch schnell.

Seit ich ein DBA im Einsatz habe, kann ich tiefen und viel Bass aber sehr gut hören, weil da normalerweise nichts dröhnt. So fand ich das Paul McCartney Album (auch nur in 2 Lieder reingehört) vollkommen unproblematisch. Es war aber auch nicht zu viel Bass drin. Ganz normal in meinen Ohren. Allerdings höre ich auch nicht extrem laut, sondern max. gehobene Zimmerlautstärke. Darüber habe ich Angst, auf Dauer mein Gehör zu verschleißen, weswegen ich laute Musik nicht mehr wirklich genießen kann.

Gruß
Gert
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Luxman4Ever
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Beitrag von Luxman4Ever »

Hallo Horst-Dieter,
Ja bin ich, aber kein Problem ich bin ja kein Musiker oder Tontechniker.
Fuer mich war bisher immer alles unter 50Hz Tiefbass.
Auch darum weil es erst in diesem Bereich fuer mein Gefühl wirklich in die Magengrube schlägt und körperlich unangenehm werden kann.
Die klassischen Pop Bässe sind doch meistens im Bereich 80 bis 100Hz und wären dann Tiefbass.

Wie man das labeled ist aber letztlich egal und kein Problem fuer mich.
Im Gegenteil dann hätten meine Boxen richtig viel Tiefbass 😁

Ich kann auf der reklamierten Platte jedenfalls nichts übertriebenes an Bass hören.
Würde mich über weitere Höreindruecke dazu freuen - das Forum heisst ja aktives Hören. 😉

Beste Gruesse Bernd
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Luxman4Ever
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Beitrag von Luxman4Ever »

treble trouble hat geschrieben:
11.02.2021, 19:08
Hallo,

dass viele, auch moderne Aufnahmen basslastiger werden (siehe nur so Sachen wie Billie Eilish.....

Gruß
Gert
Hallo Gert,
Bad Guy von Billie Eilish ist fuer mich ein geniales Stück und es ist eine Herausforderung fuer die Kette betreffs Bass - meine ich jedenfalls.
Vor drei Monaten hat's da noch gewummert und gedröhnt bei mir, der Bass schmierte die Performance zu.

Gestern kam bei mir noch eine neue Rhodium Steckdose zum Einsatz in der Peripherie und....

Bei Bad Guy pumpt der Bass jetzt fest und ohne Dröhnen mit einem Wahnsinnsdruck, schoen separiert von der Stimme, alles sauber und wunderbar durchhoerbar.

Meine Frau sass auf dem Sofa und die Lehne die 3m entfernt von der Box hat vibriert und sie bekam eine Massage.

Ich hoere - wenn - dann laut mindestens 85db aber wenns Spass macht wie bei Bad Guy dann auch mal ein oder zwei Lieder bei 95dB - am Hoerplatz.

Dann ist der Amp aber auch bereits bei -10dB in der Spitze und das sind dann schon 10 bis 15 Watt bei einer Box die 90dB/Watt macht.

Beste Gruesse Bernd
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Hybrid-OLI
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Beitrag von Hybrid-OLI »

Servus

Daß in den letzten Jahren der Bassanteil massiv zugenommen hat kann ich absolut bestätigen.
Egal ob bei Jazz, Soul, Funk, oder E(D)M. Und bei Pop (was auch immer man unter diesem unscharfen
Begriff auch verstehen mag) wohl auch. Auch wenn mir die Charts schon lange am Popöchen vorbei
gehen. Der Tieftonbereich wird allgemein sehr dominant abgemischt um auch auf bassschwachen Anlagen
(die NS-10M wurde hier von Hans-Martin bereits zu recht als "Referenz" genannt. Eher eine Referenz des Schreckens !)
Tieftonvolumen zu liefern. Gerade der oftmals dominante Oberbass bei um die 100Hz ist hier ein Problem, da er
den "echten Bass" regelrecht zukleistert und ein im Tieffrequenzbereich unpräzises Klangbild hinterläßt.
Psychoakustische Maskierungserscheinungen spielen hier eine Rolle. Teilweise sieht man schon im RTA daß es nicht
wirklich gut klingen wird ! ;-)
Für mich ist das ein Grund, bei vielen Produktionen Hand anzulegen und den Tieftonbereich zu entschlacken.
Das Ergebnis ist meist eine wesentlich präzisere, subjektiv angenehmere Tieftonreproduktion.


audiophile Grüße

OLI
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Luxman4Ever hat geschrieben:
11.02.2021, 17:39
Die Frage waere fuer mich zunaechst was ist Tiefbass?
<50Hz / <40Hz / <30Hz?
Hallo
https://www.fairaudio.de/lexikon/freque ... -grundton/sagt: unter 40Hz
Grüße
Hans-Martin
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alcedo
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Beitrag von alcedo »

Hallo

ich habe ab und zu das Glück gehabt, bei Musikproduktionen dabei sein können. Und in Gesprächen habe ich dort immer wieder erzählt bekommen, dass der Bereich 20-40Hz herausgefiltert werden würde ,-)
Wenn ich mich recht entsinne, wird in der Musikproduktion der Bereich 40-80 Hz als Tief-Bass, Sub Bass oder empfundener Bass bezeichnet.

Im meinem Hörraum habe ich eine dicke Raummode bei 27Hz - und die hat mich auch bei lautem Musikhören noch nie gestört. Allerdings halte ich es da ähnlich wie Horst-Dieter - obwohl meine Boxen bis 18Hz können (meßtechnisch habe ich das auch bestätigt gefunden), regelte ich früher per Subsonicfilter bei 30 Hz ab.

Beste Grüße
Jörg
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Hybrid-OLI
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Beitrag von Hybrid-OLI »

In der Tat habe ich diverse Aufnahmen bei denen unterhalb von 40Hz weggefiltert wurde.

Das kann durchaus von Vorteil sein.


Grüße

OLI
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gambale
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zuviel Bass

Beitrag von gambale »

aus meiner Sicht ist das allgemein eher ein Problem der Lautsprecher und der Raumakustik, die zusammen nicht funktioniert, weil nicht genügend bez. Moden korrigiert wurde. Ich höre bei völlig unterschiedlichen Genres selten ein Übermaß an Bass. Die meisten Tonleute verstehen ihr Handwerk. Die eine oder andere gehaltene Note, speziell auf Kontrabässen, kann sich mal aufschaukeln, aber das wars auch schon...

Das der eine oder andere Bassist, Drummer oder auch "Elektroniker" bei Soloprojekten sein(e) Instrument(e)in den Vordergrund abmischt, ist verständlich. Solange die Bässe tief und trocken rüberkommen, ist aber ja alles o.k.
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