Hörtest Kabellaufrichtung

Tontechnische Basisthemen
alcedo
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Beitrag von alcedo »

Hallo Jochen,

hmmm - da hast du wohl Recht.
Ich habe hier nur an HDs gedacht, wo die Defragmentierung viel brachte. Die SSDs besitzen ja keinen Schreiblesekopf, und greifen so auf alle Speicherbereiche gleich schnell zu. Wie Win10, Linux & Co heutezutage ihre Dateien ablegen, verwalten, zugreifen, weiß ich auch nicht ...
Schade - dann legen wir das Thema eben ad acta :cheers:

Danke und Grüße,
Jörg
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uli.brueggemann
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Beitrag von uli.brueggemann »

Jungs,

bei einer SSD sind die Speicherzellen nicht wirklich beliebig oft beschreibbar. Daher sorgt die Firmware per "wear leveling" dafür, dass alle Speicherzellen möglichst gleichmässig verteilt beschrieben werden, https://de.wikipedia.org/wiki/Flash-Spe ... r-leveling
D.h. eigentlich, dass noch nicht einmal das Betriebssystem genau Bescheid weiss, wo die Daten liegen und wie sie gestückelt sind. Es werkelt also irgendeine Firmware unterhalb Windows APIs.
Ich kann mir dabei gut vorstellen, dass die Daten zwar schnell gelesen werden, was aber nicht bedeutet dass der Stream gleichmäßig getaktet rüberkommt.

Grüsse
Uli
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Melomane hat geschrieben:
17.07.2020, 13:48
ich weiß nicht, ob man überhaupt valide Tests machen kann. Denn Dateien werden ja in der Regel nicht am Stück auf der Festplatte abgelegt. Und wo nun die einzelnen Fitzelchen liegen - darüber sagt ja die Verzeichnisstruktur und die Länge der Namen nichts aus.

Und so dauert es eben länger, eine verstreute Datei zusammenzusuchen und an den Player zu verfüttern als wenn die Datei sofort an einem Stück verfügbar ist.
Hallo Jochen,
ich habe einem guten Freund, der auf Defragementierung als Allerheilmittel schwört, eine frisch formatierte Festplatte mit von mir postmastering bezüglich Polarität, FLOW und ggf. EQ bearbeiteten Files bespielt.
Er war verblüfft, dass seine Software keine defragmentierten Dateien anzeigen bzw. optimieren konnte, weil nicht fragmentiert.
Klanglich besser, als was er von denselben CDs gerippt hatte, aber das fernab des (De-)Fragmentierungsaspekts.
Grüße
Hans-Martin
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Janho
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Beitrag von Janho »

Ich wollte mal noch anmerken, dass auf dem Bild des Beitrags zu sehen ist, dass das angeschlossene USB Gerät mit 12v dc (runder Stecker) kein geerdetes Gehäuse hat.

Auch ist nicht bekannt, ob das angeschlossene MacBook (war doch eins oder?) am Strom war oder ob es mit Batterie lief.

USB Kabel sind geschirmte Kabel. Laufrichtungsgebundende Audio Kabel sind vor allem an einer Stelle zu beachten, an welcher die „professionelle“ Welt einen Fail-Safe hat. Das Interconnect Kabel. Mit XLR Steckern läuft es immer in die richtige Richtung und der Schirm kann dementsprechend montiert werden. Mit Chinch Steckern und pseudosymmetrischer Verkabelung und einseitig angeschlossenem (oder an der zweiten Seite mit Kondensatoren HF gekoppelten) gehört eine Laufrichtung aufgedruckt.

Nun zurück zum USB Kabel. Ich habe einen Beitrag gefunden welcher zeigt, wie wichtig die Schirmung ist:
http://www.yoctopuce.com/EN/article/usb ... rs-as-well
Beim USB Kabel verhält es sich entgegengesetzt zum analogen Kabel und es muss auf beiden Seiten gegen Masse angeschlossen werden.


Nun weiß man nicht, wie dieses Kabel intern aufgebaut ist, und in welcher Weise die Geräte den Schirm angeschlossen haben. Wer sich interessiert, ti hat hier noch ein Blatt bezüglich EMI http://www.ti.com/sc/docs/apps/msp/intr ... mitest.pdf

Bezüglich der Dateinamen und Ordner Sache; man kann sich die Speicheradresse von Dateien anzeigen lassen, vielleicht guckst du mal, wie diese aussehen. Ach wo wir schon dabei sind, es ist auch nicht bekannt wie lang die Namen waren auf dem genannten MacBook auf dem sie primär gespeichert wurden.
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Janho
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Beitrag von Janho »

Hallo in die Runde,

ich war noch nicht ganz mit den Forumsregeln vertraut, daher hier ein Nachtrag mit einem freundlichem Hallo in die Runde, sowie beste Grüße. Ich hoffe ich habe mit meinem Beitrag keinem auf den Schlips getreten, ich wollte eher qualitativ beitragen.



MfG,
Jan Peter
Student Elektrotechnik HS Mannheim
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music is my escape
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Beitrag von music is my escape »

Hallo an alle,

Interessanter Faden - insbesondere‎ der Beitrag von Jan fügt einige auch in meinen Augen relevante Betrachtungen hinzu, die eine ggfs. durch das Leitermaterial verursachte Laufrichtung zwar nicht überlagern, diese in ihren jeweiligen Auswirkungen aber gemeinhin weit übertreffen und es sich deshalb lohnt, das zuerst zu überprüfen, bevor man sich der reinen materialbedingten Laufrichtung widmet.

Diese existiert meiner Erfahrung nach sowohl bei analogen ICs als auch bei Verbindern, die digitale Daten übertragen; bei Stromkabeln kann ich (noch) nix beitragen. ‎Ein Vergleich lohnt sich imho in jedem Fall, gerade bei SPDIF-RCA ist das Kabel fix gedreht und auch bei einer unsymmetrischen Ansteuerung vom DAC zur Vorstufe kann sich ein Tausch der Laufrichtung positiv bemerkbar machen.

Ein wenig skeptisch werde ich dennoch bei solchen Aussagen wie der aus dem im Ursprungspost verlinkten Beitrag:‎

'‎Robert Hay von Audioquest und Martin Cobb von der Chord Company können zwar nicht mit Sicherheit sagen, ob die Laufrichtung bei USB-Kabeln wirklich eine Rolle spielt, gleichzeitig beteuerten sie aber, dass ihre Firmen wie bei allen Leitungen so auch bei der Fertigung von USB-Verbindungen sehr genau auf die Laufrichtung achteten.‎'

Unabhängig davon, dass dies zwar um Diplomatie bemüht, aber irgendwie auch wenig glaubhaft rüberkommt, würde es bedeuten, dass in einer üblichen Kette von sagen wir USB-Festplatte‎ zu Rechner/ Streamer etc... zu USB-DAC immer eines der beiden darin befindlichen USB A zu B - Kabel die Daten in die 'falsche' Richtung schickt.

Dazu passt dann irgendwie auch ein wenig die in einigen Foren zu diesem Thema kursierende Geschichte‎, nach der es einige Hersteller geben soll, die auf ihre Kabel hauptsächlich deshalb eine Laufrichtung draufdrucken, weil die Kundschaft es nachdrücklich verlangt hat... :mrgreen:



Viele Grüße,
Thomas‎

:cheers:
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Hallo Thomas,
für mich sind bei fast allen Kabeln Laufrichtungsunterschiede wahrnehmbar, sogar bei denen, die ich mit aus gegenläufigen gepaarten Adern, also mehreren Doppelleitern aufgebaut habe. Die Verarbeitungsrichtung erwies sich im Blindtest als erkennbar zum Empfänger hin besser orientiert.

Ich habe schon Kabel erlebt, bei denen der Schriftzug zur Quelle hin gelesen werden durfte, auch hatte ich schon ein Kabel, bei dem ein Pfeil nicht in Signal- sondern in Gegenrichtung wies.

Ein inzwischen verstorbener Opernsänger zeigte mir an einem Kabelstück (4-adrig, abgeschirmt), wie er es vor den Hochtöner hielt und das Kabel spürbar vibrierte, in Gegenrichtung bei gleichem Abstand weniger.
Es gibt also einen mechanischen Zusammenhalt des Kabels, welcher sich bei Beschallung unterschiedlich verhält, in Abhängigkeit von der Schallquelleneinfallsrichtung. Also ein Mikrofonieeffekt mit Orientierung.

Bei einem solchen Kabel habe ich den Schirm einseitig bei Cinchsteckern aufgelegt, ein zweites Paar mit Schirm am anderen Ende.
Quelle war ein DAC, Empfänger der schutzgeerdete Vorverstärker, beide Paare wurden verglichen. Der Schirm am Vorverstärker war jeweils besser als an der Quelle, aber es war noch ein Klangunterschied, entsprechend der Herstellerangabe.

Bei Netzwerkkabeln fand ich hörbare Laufrichtungsunterschiede, und der Verzicht auf Ummantelung und Schirmung brachte Verbesserung. Auch STEREO und ein angeschlossenes Digitalmagazin berichteten, das UTP besser klänge als STP.
EMV-Literatur empfiehlt, alle Geräte schutzgeerdet, Schirm auf beiden Seiten aufgelegt, soweit die Theorie. In der Praxis finden Audiophile manchmal doch noch Nahrung für berechtigte Zweifel.

LAN verlangt 2 Aderpaare, eines für den Datentransfer, zum Ziel, das andere Paar für die Kommunikation, Anforderung der Daten. Es ist leicht nachvollziehbar, welches für die Hörqualität mehr Relevanz besitzt, und welches nur formal den Ablauf steuert. Und da sie nicht gleichberechtigt sind, setzt sich die bessere Richtung der Musikdatenübertragungsleitung durch.
Da ich noch keine Meterware zu USB-Kabeln verarbeitet habe, fehlt mir hier die Grundlage eines Hörvergleichs
Grüße
Hans-Martin
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music is my escape
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Beitrag von music is my escape »

Hallo Hans-Martin,

Wie bei vielen hier diskutierten Grundsatzthemen bin ich auch bei diesem erstmals durch Beiträge von Dir überhaupt auf dieses Phänomen aufmerksam gemacht geworden und es ergab sich derzeit, dass dies die Ursache für eine bis dato ominöse Klangschwankung in meiner damaligen mobilen Kopfhörerkette war.

Das kleine, gerademal zehn Zentimeter lange Interconnect zwischen dem DAP und dem pKhv wirkte sich tatsächlich gut erkennbar auf den Klang aus, je nachdem, in welche Richtung es eingesteckt wurde - in der einen, von mir als richtig empfundenen Richtung machte das Ganze einfach ein ganzes Stück mehr Laune, klang dennoch ruhiger, selbstverständlicher und natürlicher. Ungefähr so, wie der Unterschied zwischen FLAC und WAV oder einer suboptimalen Entkopplung und einer auf das Gewicht des Gerätes angepassten. ‎Keine riesigen Welten, aber doch so, dass es störte, wenn es anders herum eingesteckt war und man das Korrekte nicht mehr missen möchte.

Beste Grüße,
Thomas‎
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