Optimale Tonabnehmerjustage: Spurfehlwinkel

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Optimale Tonabnehmerjustage: Spurfehlwinkel

Beitragvon Hans-Martin » 15.02.2018, 01:27

Hallo,
nachdem hier (in alphabetischer Reihenfolge:) Auflagekraft, Antiskating, Azimuth und VTA/SRA dikutiert wurden, platzte der Rigid Float Tonarm dazwischen, der allen tradierten Standards zum Trotze auf eine Minimierung des horizontalen Spurfehlwinkels verzichtet.

Ich habe das mal mit einer speziellen Vorrichtung simuliert, und dabei den Fehlwinkel auf 0° bei 60mm Radius gesetzt, nach außen geschwenkt und bei 146mm Radius krasse Fehlwinkel im zweistelligen Bereich bis über 20° hinaus bei 7", 9" und 12" Armlänge ohne Kröpfung festgestellt.

Im Text zur
Schön-Schablone hat geschrieben:Ein Tonarm üblicher Länge um 230 mm ohne Kröpfung mit gleichem Spurfehlwinkel in der Außen- und Innenrille erzeugte in der Innenrille heutiger Langspielplatten einen Spurfehlwinkel von knapp 11°, was bei 57,5 mm Radius (nach DIN IEC 98) einen relativen Spurfehlwinkel von ca. 1,9°/cm und einen Klirrgrad k 2 von ca. 7,6 % ergibt.


Ein DJ-Plattenspieler mit geradem Arm, bei dem die Kröpfung im Headshell umgesetzt werde sollte, hatte stattdessen auf Achse ein Ortofon Nightclub installiert. Bei korrektem Auflagedruck ergab sich ein unüberhörbarer Klirr, aber das war dem DJ egal, je klirriger, desto Peng!

Uwe Kirbach hat in Image-HiFi 4/5 2012 offenbar ganz andere Eindrücke, schreibt sogar, dass er sich 3/2011 mit dem Gedankengut der Schön-Schablone auseinandergesetzt hat.
Uwe Kirbach hat geschrieben:...auch wenn der gewisse entstehende Spurfehlwinkel beim ViV Rigid Float sich nicht negativ bemerkbar macht
.
Dem Klassikhörer sind die voll bespielten Klassikplatten ein Gräuel, wenn im Finale Tutti zugleich die Unsauberkeiten /Verzerrungen den Hörspaß verleiden, woraufhin dann Stephenson der Vorzug gegeben wird, vor Löfgren oder Baerwald (Gegenüberstellung der Geometrien).
Sollten Skatingkräfte tatsächlich derart dominante Nebeneffekte mit sich bringen, dass der gerade Arme so entscheidende Vorteile mitbringt, die den groben Winkelfehler vergessen lassen?
Mit der RIAA Kennlinie wird der k2 noch mit -4dB auf 63% reduziert.
Spurfehlwinkel - ein zentrales Thema - hinfällig?
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Martin » 15.02.2018, 09:33

Hallo Hans-Martin,
Wenn ich von einer effektiven Tonarmlänge von 230 mm und einem Unterhang von 17 mm ausgehe, komme ich auf einen Spurfehlwinkel von +8° bei der Innenrille, bzw. auf -11° bei der Außenrille. Beim Plattenradius 90 mm wäre der Spurfehlwinkel 0°. Laut Datenblatt kann man den Unterhang von 5 bis 20 mm einstellen. Der Spurfehlwinkel ist zwar immer noch groß, aber nicht ganz so krass wie in deinem Beispiel.

Viele Grüße
Martin
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Beitragvon Martin » 15.02.2018, 11:17

Hallo Hans-Martin,
ich muss mich korrigieren, auf der Außenrille sind es nicht 11° sondern heftige 14°in meinem Beispiel oben.

Viele Grüße
Martin
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Beitragvon Hans-Martin » 15.02.2018, 13:27

Hallo Martin,
die Packungsdichte bei den inneren Rillen beträgt etwa das 2,5-fache von der äußeren Rille. Das führt zur Bewertung des Spurwinkelfehlers über den Radius, Dual hat da früher 0,18°/cm angegeben (gekröpfter Arm), der ungekröpfte hat da 10-fache Werte.
Ich hatte zunächst den Optimalwert bei der letzten Rille angenommen, einen nach außen zunehmenden Fehler akzeptiert.
Klirrwerte über 1% sind für mich innen inakzeptabel, unter 0,5% waren anzustreben. Bei -8° Fehlwinkel innen errechnet sich ein k2 von 5%, da sehe ich noch Handlungsbedarf, wenn außen dann +14° entstehen, bleiben 4%. Das geht besser

Andere Überlegung: Ob man den Radius und die darauf senkrechte Tangente am Abtastpunkt als Ausgangsbasis nimmt, und deren geringste Abweichung vom Tonarmdrehzentrum - oder die Senkrechte zur Tonarmachse und deren Abweichung vom Zentrum der Schallplatte, ist geometrisch betrachtet gehupft wie gesprungen.
Das führt zu der Überlegung, dass der Drehwinkel eines langen ungeköpften Arms über den nutzbaren Rillenbereich die Spannweite des Winkelfehlers in der Rille beschreibt, bei mir waren es etwa 5°-Unterschiede beim 175mm Arm, zum 230 mm Arm, zum 300 mm Arm mit Pappschablone.

In der AUDIO lag einst eine Justagehilfe (Messschablone) zum Messen des Winkels über des Radius bei.
Ich habe damals meine Schallplattensammlung auf den letzte Musikrillenradius hin ausgemessen und je nach Wertigkeit der Musik in meiner Statistik berücksichtigt.
Jahrzehnte später stellte ich fest, dass die AUDIO-Schablone im Winkel nicht maßhaltig war - geschenkt, die 0°Linie war das Ziel.

Bei den gekröpften und nicht gekröpften Schwenktonarmen ist der Radius der letzten Musikrillen der Schlüssel zur Optimierung der Justage, ich hatte immer 0,5° als Maximalwert angestrebt, den Nulldurchgang beim größeren Radius, also eine Verschiebung der k2 Kurven und einem resultierenden geringeren Wert über weite Bereiche der Platte.
Deshalb habe ich bei meiner Betrachtung 60mm als inneren Radius beim ungekröpften Arm als 0° Fehlwinkel Ausgangsbasis gewählt, und nicht etwa 80mm, weil der Fehlwinkel bei 60mm dann schon zu hohe Werte annahm.

Der Rigid Float wirft viele Fragen auf, Uwe Kirbachs Begeisterung lädt zur Auseinandersetzung mit dem Thema ein.
Ein Tangentialarm hat derlei Probleme nicht, Fehlwinkel gering, kein (Anti)Skating, weil der Zug an der Nadel immer geradeaus durch die Lagerung geht. Meine Vergleiche fallen aber nicht nur positiv aus, so klang ein Elac 795 mit van den Hul Nadel am Thorens TD115 deutlich sauberer als am Revox Direktantrieb mit Tangentialarm. Ich führte das auf die starken SRA-Schwankungen wegen des kurzen zudem extrem massearmen Arms zurück, außerdem auf das erhöhte Lagerspiel. Horizontale und vertikale Bewegung sind nötig, der Schlitten hat zusätzliches Spiel, der Drehtonarm verzichtet auf diesen letzten Aspekt, einige schwören auf 1-Punkter, andere auf luftgelagerte Tangentialarme. Mit letzgenanntem fehlt mir persönliche Erfahrung.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Kawumm » 17.02.2018, 11:13

Hans Martin

mein Air Tangentialarm , war sowohl in seiner effektiven Länge & Masse variabel und egal welche „Einstellung „ benutzt wurde , drängte sich für mich ein Aspekt förmlich auf .

Ein kurzer Nadelträger & niedere Combliance .Auf diesen technischen Aspekt reduziert , gefilel mir ein Decca London C-91SG mit dem Cartridge Isolator , zienmlich gut .

Was die Rigid Float Einstell Geometrie betrifft und mit einem freistehenden Uni Point Arm nach zustellen , nicht das schwierigste ist , bestätigte das was ich schon länger aus meiner Erfahrung heraus vermutete , es führen viele Wege nach Rom :D

Selbst ausgewiesenene technisch versierte Hörer , hörten einen viel zu grossen Überhang nicht heraus .
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Kawumm
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