Tangential-Plattenspieler

Plattendreher und Bandmaschinen

Beitragvon Hans-Martin » 25.11.2018, 22:18

KM4 hat geschrieben:Bei mir ist ein SL-7 eingezogen und dank Rudolf' s Hilfe spielt er jetzt erst mal mit neuer "Standard Ersatznadel". Mit dem Klang bin ich noch nicht zufrieden und verfolge gespannt alle Beiträge, die mir hoffentlich weiterhelfen.

Hallo Klaus,

kannst du die Defizite beschreiben?

Nachbaunadeln sind kein Garant für Originalklang, für die Aufstellung kommt die Stereomitte oder (klanglich gänzlich anders) die Seitenwandmitte infrage, Horizontalbetrieb hat in Stereomitte Vorteile gegenüber Vertikalbetrieb. Der Tonarm hat schon gegenüber dem Schlitten 2 Freiheitsgrade, also ein kardanisches Lager mit 2x Spiel, hinzu kommt der nachgeführte Schlitten im Deckel (noch eine Spielpassung), der im Scharnier gegenüber dem Tellerlager noch ein weiteres Spiel haben muss. Sämtliche Lagerspiele addieren sich und entfernen sich somit weit vom 1-Punkt gelagerten Tonarm, dessen Lagerspiel prinzipbedingt am anderen Ende der Skala rangiert (gegen Null geht). Man könnte also am Arm mit Fingerspitzengefühl(!) zerren oder drehen, um das Spiel zu erfahren, zu ertasten.

Die TA-System-Verkabelung könnte im Drehgelenk des Arms (oder nahe) einen Bruch haben, eine altersbedingte Ermüdungserscheinung, aber ebenfalls wäre denkbar dass die Nachführung nicht glatt läuft, weil der zuständige Riemen ausgeleiert ist, Schlupf hat oder eiförmig ausgehärtet ist. Vielleicht hat auch die Regelung der Tonarmnachführung ein Problem mit dem Brumm / Ripple in der Stromversorgung, schließlich sind die Plattendreher schon gut doppelt so alt wie die Zeitspanne, die man Elkos als zuverlässige Brauchbarkeitsdauer zuordnet (16 Jahre werden mit überraschender Übereinstimmung auf meine Nachfrage genannt, das entspricht auch meiner Beobachtung).

Wenn die Gummifüße beim alten Plattenspieler sich zersetzen oder Filzfüße sich bei der Dauerbelastung verdichtet haben, ist die Entkopplung vom Untergrund bezüglich Körperschall nicht mehr überzeugend.

Natürlich ist beim Plattenspieler das Tellerlager wichtig, sollte nicht rumpeln, aber für Vertikalbetrieb unerlässlich ist der gefederte Anpressdruck aus der Haube, ein weiteres Lager, welches keine zusätzlichen Vibrationen einbringen sollte.

Da weiß man nicht, wo man mit der Fehleranalyse anfangen soll ...

Zum Vergleich: Der Rega Tonarm RB300 hatte früher eine Aufladekrafteinstellung per Feder, der preiswertere RB250 erledigte das per Verschiebung des Gegengewichts - ohne Feder. Ohne Feder wurde bevorzugt, weil das keine Resonanzen einträgt.

Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon Newton » 30.11.2018, 15:46

KM4 hat geschrieben:Frage an Andreas: Muss man das Gehäuse abbauen um das Phono Kabel zu tauschen?

Sorry Klaus!

Hab deine Frage eben erst gelesen. Ja, du musst den Boden abbauen. Vier Schrauben. Außerdem muss man die Platine lösen, ca. 10 Schrauben. Ein wenig Löterfahrung sollte man haben. Zugentlastung hab ich aus einer Dreilochscheibe (Kabelaufhänger wie sie für Deckenlampen üblich ist) und ein paar Millimeter Schrumpfschlauch gefrickelt.

Wenn Du das Technics-System mit der No-Name-Nadel nicht so magst, probiere doch ruhig mal das AudioTechnica AT 311 EP. Für das Geld ist es sehr gut, wie ich finde – auch wenn sich meine Beschreibung weiter oben vielleicht nicht so liest. Und man bekommt es schon für etwa 40 Euro. Ist ja kein "High End", sondern nur ein guter Plattenspieler. :wink:

Nette Grüße
Andreas
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Audio Technica SS445 E/U

Beitragvon Thomas K. » 03.12.2018, 13:40

Hallo,

nachdem ich nach meiner anfänglichen Begeisterung für den SL-7 mit AT 311EP doch ein paar Haare in der Suppe gefunden habe, habe ich beschlossen mir gleich ein neues System zuzulegen.

Es ist ein New Old Stock System von Audio Technica das SS445 E/U und wird den Qualitäten des Sl-7 eher gerecht als das AT 311EP.

Es spielt mal gerade 3 Stunden, ist also noch nicht eingespielt, dabei wesentlich störgeräusch - und verzerrungsärmerärmer als das 311EP.

Über Klangunterschiede möchte ich mich noch nicht auslassen, da das System erst einmal noch ein paar Stunden laufen sollte, um sich einzuspielen.

Viele Grüße
Thomas
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Beitragvon Thomas K. » 03.12.2018, 23:36

Hier mal Information über das AT SS445 E/U P PMount, letzte Spalte

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Beitragvon Thomas K. » 03.12.2018, 23:57

der Diamant ist ein richtiger Brocken

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Beitragvon Thomas K. » 04.12.2018, 12:25

Hallo,

nachdem der SL-7 mit dem neuen System, auch dank der Repeat Funktion, einen 24 stündigen Dauerlauf hinter sich hat, läßt sich kurz und knapp sagen, so ein NOS System ist, obwohl damals gerade einmal doppelt so teuer wie das günstige AT EP 311, eine ganz andere Hausnummer. Ich will mich jetzt nicht in langatmigen Beschreibungen ergehen.

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Diese Platte habe ich gerade gehört, die Auflösung ist deutlich besser als mit dem AT EP 311, die Darstellung ist präzise, mit schöner Räumlichkeit. Die Streicher haben das richtige Maß von Biss und Schmelz, das EP 311 war da zu hell. Man kann sich entspannt zurücklehnen und genießen.

Viele Grüße
Thomas

PS: für das SS445E/U gibt es auch noch Nadeln mit Shibata-Schliff ...
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Beitragvon jackelsson » 13.01.2019, 23:29

Rudolf hat geschrieben:
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Oben links übrigens mein neuester Tangentialdreher Technics SL-3, (...)

viewtopic.php?p=165385#p165385

Hallo Rudolf,

Dein neuer Dreher sieht von vorne aus wie ein Grundig PS 30. Ich frage mich gerade, ob da eine verwandschaftliche Beziehung besteht? Grundig hat ja eigentlich immer OEM-produzierte Plattenspieler verkauft, und da waren auch diverse von Technics produzierte Geräte dabei.

Gruß,
Swen
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Beitragvon Rudolf » 13.01.2019, 23:49

Hallo Swen,

ja, die beiden Dreher sind baugleich! Ich gehe mal schwer davon aus, dass Grundig bei Technics eingekauft hat, denn der Tangentialtonarm entspricht dem üblichen Technics-Design. Der SL-3 ist übrigens riemengetrieben und spielt mit einer guten T4P-Nadel auch ziemlich weit oben.

Viele Grüße
Rudolf
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Beitragvon jackelsson » 13.01.2019, 23:55

Ah, im Nachbarforum fand sich eine Info bezüglich Technics und Grundig...

Grundig hat nie eigene Plattenspieler gebaut, sondern die immer zugekauft.
Und das nur hauptsächlich bei 3 Firmen: Dual, Philips und Technics.

Folgende Grundigs stammen von Technics:
PS 20, PS 30, PS 1700, PS 2500, PS 2600, PS 3500, PS 3600, PS 4300, PS 4500, PS 6000, PS 7500, PS Etude, PS Prisma (...)

https://www.analog-forum.de/wbboard/ind ... post489145

Gruß,
Swen

EDIT: ich sehe gerade, dass Du schon geantwortet hast... :)
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Technics SL-3

Beitragvon Rudolf » 14.01.2019, 00:35

Liebe Technics-Freunde,

hier reiche ich noch ein paar Bilder zum SL-3 nach:

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Der SL-3 ist im Gegensatz zu seinen direktangetriebenen, großen Brüdern SL-5, SL-7, SL-10 und SL-15 mit einem Riemenantrieb ausgestattet. Das ist aber nicht zwangsläufig schlechter, wie ein Klangvergleich z.B. mit dem SL-5 zeigt.

Viele Grüße
Rudolf
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Technics SL-5

Beitragvon Rudolf » 14.01.2019, 00:44

Hallo zusammen,

der Vollständigkeit halber hier noch die Bilder vom Technics SL-5:

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Sowohl der SL-5 als auch der SL-3 sind standardmäßig mit dem T4P-Abnehmer "P24" ausgestattet, was dann auch die Ähnlichkeit des Klangbildes erklärt.

Viele Grüße
Rudolf
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Micro Seiki mit Thales-Tonarm

Beitragvon realperfekt » 15.01.2019, 20:57

Ja Rudolf,

zu diesem Thema hab ich auch noch was beizutragen! Lang ist's her das wir uns mal in Bayern gesehen haben, viel Wasser ist die Isar/Ruhr runtergelaufen!

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Vielleicht erinnerst du dich noch an den Micro Seiki. Der tut's noch immer und hat so im Laufe der Zeit noch einige Optimierungen und Ergänzungen erhalten:
- Acryl-Tellerauflage mit 300Hz-Marken am stumpfen Rand für 33 und 45 Upm
- Steuerelektronik mit LED für 300Hz-Stroboskop (funktioniert während des laufenden Betriebs)
- Pulley für 1/2" Tape-String
- Spindel-Support für das horizontale Verschieben der Motoreinheit zum optimalen Einstellen das "Bandzugs" des Antriebs-Tapes
- Thales Tonarm mit Benz Micro LPS
- Jelco 10,5"-TA mit AT33 mono
- Betriebsstundenzähler für jedes System (max.4)
- die gesamte Anordnung steht auf einer Steinplatte, die wiederum ist mittels 4 Luftfedern entkoppelt

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Die Plattensammlung ist inzwischen auch bei etwa 2000 angelangt, nahezu alles aus der analogen Zeit!
Es macht immer noch Spaß
Peter
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Beitragvon Rudolf » 15.01.2019, 22:09

Hallo Peter,

na klar erinnere ich mich! Das war in den "Urzeiten" unseres Forums und wir kamen uns vor, als ob wir die audiophile Welt von unten aufrollen würden/müssten/könnten. Ich journalistisch :wink: und du technisch 8).

Schreib doch bitte etwas mehr zu dem wie der Fabelwelt des Steam-Punk entsprungenen Thales-Tonarm.

Viele Grüße
Rudolf
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Nadelträger für Technics T4P-Systeme

Beitragvon Rudolf » 15.01.2019, 22:34

Liebe Technics-Tangentialtonarm-Conaisseure,

vor mir liegen 3 Nadelträger für das üblicherweise auf dem SL-7 verbaute Tonabnehmer-System EPS 202 ED, von links nach rechts:

- Nadelträger mit elliptischer 08/15-Nadel für ca. 20 €
- Original-Nadelträger von Technics (nicht mehr erhältlich)
- Nadelträger von Jico mit SAS-Nadel für ca. 210 €

Bild

und noch einmal im Einzelvergleich (jeweils links der Original-Nadelträger):

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Wie man auf den Bildern erkennen kann, kommt die 08/15-Nadel deutlich robuster her als die beiden anderen. Und das spiegelt sich auch klanglich wieder: Die Bässe werden vergleichsweise mulmig und die Höhen vergleichsweise schrill wiedergegeben. Trotzdem, für sich gesehen und vor allem bezogen auf den Preis spielt das Billig-System wahrhaftig nicht schlecht. Ein Tipp vor allem auch für die Tonabnehmer-Systeme der preiswerten Technics-Player, denn: sämtliche Nadelträger passen auch auf viele andere Technics-Tonabnehmer. Man kann also wunderbar spielen und aufgrund des genialen T4P-Systems bedürfen die Tonarme nach dem in Sekundenschnelle erfolgten Wechsel der Nadelträger keiner Justage!

Dass es besser geht, zeigt der Original-Nadelträger des EPS 202. Hier werden die Bässe viel tiefer ausgeleuchtet und die Höhen kommen kristallklar. Und schließlich der Gipfel in Form der Jico-Nadel: Hier hat man hat den Eindruck, zusammen mit der Nadel in die Schallplattenrille einzutauchen, so detailreich wird die Wiedergabe. Für mich ist klar: die einfache Nadel wandert auf den Technics SL-3 (denn dort spielt sie deutlich besser als dessen Original-Nadel), die Jico-Nadel wandert auf den SL-10, und die Originalnadel verbleibt als hochwertiges Backup in der Schatulle.

Da die Jico-Nadel nicht ganz billig ist und Staub die größte Verschleißverursache darstellt, heißt es jetzt stets die Rillen vor dem Abspielen zu säubern! :D

(Die Möglichkeiten zur Reinigung werden hier diskutiert.)

Viele Grüße
Rudolf
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