Binaurale Messung unter Acourate

Ulis Mess- und Korrekturprogramm

Beitragvon planetti » 26.12.2017, 21:42

Hallo Alwin,

um bei Deinem Projekt "Auto-Acourate-Binaureale Messung" ein wenig beizutragen, hätte ich durch die Erfahrung mit Versuchen bei Kopfhörern folgende Überlegungen:

- Auto
Der Hörraum ist sehr klein, so dass Du mit Hall kein Problem hast, alle Reflexionen sind sehr kurz und tragen zum "Direktschall" bei. Durch viele schallharte Oberflächen hast Du zahlreiche Kammfiltereffekte, so dass eine einzelne Frequenzmessung an einem einzelnen Punkt nicht repräsentativ für eine Korrektur ist.
Bezüglich der Lokalisation sind die Positionen der Lautsprecher und die starken Reflexionen enorm ungünstig und untrennbar vorgegeben. Diese Ungleichheit zwischen linker und rechter Sitzposition hast Du für eine Sitzposition durch die Laufzeit-/Phasenkorrektur bereits kompensiert. Die aber für das linke und rechte Ohr unterschiedliche Einstrahlverhalten durch die seitliche Ausrichtung der Lautsprecher und die unsymmetrischen Raumbedingungen mit Reflexionen bleibt. Ich befürchte, dass die exakte und authentische räumliche Abbildung damit nicht (einfach) darstellbar ist, der Haas-Effekt wird überwiegen.

- Acourate
Um die Kammfiltereffekte zu relativieren, könntest Du viele Messungen an mehreren Hörpunkten durchführen und den Durchschnitt bilden (wie bereits oben angesprochen, Vorgehensweise wie "Beamforming" und wie Du es bei Dirac bereits gemacht hast). Um die extreme Position und Ausrichtung der Lautsprecher zu kompensieren, die 90° Kalibrierung mit senkrecht nach oben oder unten gerichteten Mikrofon verwenden. Die Zielkurve sollte auch am Fahrgeräusch des Fahrzeugs angepasst sein (Anhebung im Bassbereich).

- Binaureales Messen
Die unterschiedlichen Signale Deiner In-Ear-Messaufnehmer könnten Dir hilfreich sein, um durch den Unterschied zu bestimmen, bei welchen Frequenzbereichen die Zielkurve etwas abgesenkt werden sollte. Das Ergebnis beinhaltet die Frequenzantwort für den Raum mit Reflexionen, die Positionen der Lautsprecher und Deine Ohrmuschel. (Für das Phasenverhalten ist das Monomikrofon sinnvoller.)
Mathematisch wäre das für den z.B. linken Kanal:
- li/re Ohr-Messungen mit mehreren Kopf-Positionen
- In-Ear-Mics li/re in das jeweils andere Ohr, Messungen an den Positionen wiederholen
- Durchschnitt aller Messungen li Ohr (A) bilden, ebenso re Ohr (B)
- Messungen li minus re rechnen (A/B)
Am Ergebnis könntest Du erkennen, in welchen Frequenzen Deine Zielkurve des linken Kanals wegen einer Überhöhung (durch Überlagerung links und rechts) etwas zurückgenommen werden könnte. Gefühlsmäßig würde ich die unsteten Stellen im Verlauf nur zwischen ca. 300 und 5000Hz betrachten, und dann Deine Zielkurve mit den Quick'n'Dip-Parametern etwas anpassen, um Dich Deiner erwünschten tonalen Balance näher zu bringen.

Für eine quantitative, genaue Messung für die exakte Korrektur mit Acourate dürften Deine zwei "dirty" In-Ear-Mics nicht ausreichen, wenn sie nicht mit Deinen Ohren kalibriert sind. Auch die Zielkurve bei In-Ear-Messungen unterscheidet sich sehr stark von der Acourate-(oderDirac)-Wohnzimmersetup-Zielkurve.

Viel Erfolg und Gruß
Uli
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Beitragvon Mister Cool » 28.12.2017, 01:14

Was mich dabei eigentlich noch wundert: wenn es denn im Auto so problematisch ist, wieso findet man nicht Kopfstützen mit eingebauten LS á la Voice of Germany?


Genau das habe ich vor 35 Jahren in meinem ersten Polski Fiat 126 gebaut :-)
Zwei kleine Breitbänder hinten an der Kopfstütze unterstützt durch zwei 16-er Tieftöner, die zeitgemäß auf der Heckablage montiert waren (allerdings in einem geschlossenen Gehäuse). Das war gar nicht so schlecht. Das ganze noch mit einem Gelhard Verstärker-Equalizer, echtes High-End ;-)
Damals gab es keine Probleme mit TÜV

BTW. Inzwischen gibt es sowas ab Werk z.B. in einem Mazda 5. Man spricht da von UltraNearfield Lautsprechern

http://www.mazda.de/news/modelle/mx-5/o ... azda-mx-5/


Ich würde unter Alwins Schalensitz-Bedingungen für L am linken Ohr, für R am rechten Ohr FG glätten, L/R Laufzeitunterschiede kompensieren, das spätere Eintreffen des jeweils anderen Kanals unberücksichtigt lassen.


Ich glaube das werde ich mal ausprobieren


Grüße
Alwin
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