Messung und Beseitigung von S-Lauten

Ulis Mess- und Korrekturprogramm
ESM
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Beitrag von ESM »

Hallo Hans-Martin,
Hans-Martin hat geschrieben:Es ist lediglich ein einfacher Versuch, das zu erwartende Signal am Sitzplatz herzuleiten, auf der Basis des von die eingestellten Impulsdiagramms (s.u). Um deine Frage zu beantworten, habe ich es nocheinmal mit anderen Worten versucht zu beschreiben und fett hervorgehoben, wo ich auf dein Material aufgesattelt habe.
Dabei ist zunächst Weißes Rauschen angenommen, welches die Spektralanalyse von Audacity als linearen FG anzeigt. Auch habe ich (zunächst bewusst fälschlich) ein gleichmäßiges Rundstrahlverhalten einer idealisierten Punktquelle angenommen.
Jeder nennenswerte Strahl, der das Ohr erreicht, wird als 1 Peak dargestellt (s.u.), und für jeden Strahl wird eine Spur angelegt, in die das identische Rauschen kopiert wird. Bei identischem Ursprung/Deckungsgleichheit spricht man auch von korreliertem Rauschen, der Physiker nennt es kohärent.
Unkorreliertes Rauschen macht hier keinen Sinn, die finale Analyse würde versagen.
Da wegen der Umwege zeitliche Verzögerungen auftreten, kommen die Signale am Ohr unterschiedlich spät an. Wie spät und wie laut, zeigt dein Impulsdiagramm

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bis hier hin in der Theorie verstanden :cheers:
Hans-Martin hat geschrieben:und die Ausschnittvergößerung zur genaueren Feststellung des Abstands zwischen den Pulsen

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wobei die Frage nach der genauen Ablesung aufkommt, weil hier offenbar schon stark geglättet wurde.
das ist der gemessene Pulse ohne jegliche Bearbeitung. Der Bereich ist lediglich stark aufgezoomt, damit man die Samples besser zählen konnte, aber nicht geglättet worden. Der gemessene Pulse ist ja weiter oben verlinkt. die Grafiken wurden daraus erstellt.

Jetzt wird's kompliziert, da ich von Audacity bis auf die erfolgreiche Installation nur vom Namen her kenne: oops:
Hans-Martin hat geschrieben:Um die Verzögerung präzise einzustellen, wählte ich das Ende, die Skalierung von Audacity mit Ctrl1 hinreichend zu spreizen. Wer genau hinsieht, stellt fest, dass ich um Faktor 10 mehr gespreizt habe, um die Genauigkeit zu verbessern, die Spektralanalyse verschiebt sich auch um Faktor 10, deshalb habe ich dort die Skalierung weggeschnitten. Ich hätte natürlich auch statt die voreingestellten 44,1kHz auf 192 arbeiten können, aber da hätte ich den Pfad der Gewohnheit verlassen, und nachfolgende Diskussion verursacht.

Am Ende um den Betrag der Verzögerung gekürzt und auf das Ende synchronisiert erschien mir als einzige gangbare und überschaubare sichere Methode, schließlich alle Enden gegen den Cursor zu verschieben, womit sie zu dem aus den ablesbaren Werten interpolierten verzögertem Eintreffen gebracht werden, wie sie in der obigen Impulsdarstellung erscheinen.
Da unterschiedlich lange Wege auch Pegelverluste beinhalten, wurde die Amplitude der Pulse auf die entsprechenden Spuren angepasst. Sie erscheinen also am Endpunkt unterschiedlich intensiv.
Jetzt kann ich dir wieder theoretisch folgen:
Hans-Martin hat geschrieben: Jetzt kann man bei Audacity die Spektralanalyse anwenden, auf einzelne Spuren, um zu prüfen, ob der FG noch gerade verläuft, auf mehrere ausgewählte Spuren, aus denen die Analyse eine Summe bildet und darstellt. Je mehr Spuren gewählt sind, umso unüberschaubarer wird der resultierende FG.
Man könnte nun eine Liste abarbeiten, jede Spur gegen jede mixen. Das machte für mich aber keinen Sinn, diesen zeitraubenden Akt vorzunehmen.
Denn die Simulation vernachlässigt etwas wichtiges, das Richtverhalten der Box, welches ich nicht kenne.
Hans-Martin hat geschrieben:Aus der Zeitverzögerung kann man mit der Fadenmethode die Richtung des Umwegs bestimmen.
Ok, dass kann bzw. habe ich ich ja teilweise schon in Acourate abgelesen. Weiter oben hatte ja z.B. schon beschrieben und dargestellt, das ich durch Absorber hinter dem Hörplatz die beiden kurz aufeinander folgenden Peaks bei 0,13 so gut wie beseitigen konnte, dies aber das S-Problem nicht positiv tangierte.

Ebenso habe ich die erste große Refelexion mit der Schnurmethode ausfindig gemacht:
ESM hat geschrieben: - 0.129 (etwas davor): das sind 135cm vom Hauptpuls. Die Reflexion ist links und rechts absolut symetrisch. Mit der Schnurmethode konnte ich exakt die Decke ausmachen.
- 0.13 : es sind 2 kurz aufeinander folgende Reflexionen. Die erste bei 165 cm, die zweite bei 172cm. Ich denke die könnten in Verlängerung der Deckenreflexion von hinten kommen. Etwas kurz die Entfernung, da ich ca. 90cm von der Rückwand weg sitze.
wenn das was ich da vor einiger Zeit geschrieben hab stimmt ("...in Verlängerung der Deckenreflexion"), dann müssten mit einem Diffusor und/oder Absorber sogar beide Refelexionen beseitigt sein. :shock: :cheers: Leider habe ich mangels kreativer Ideen, Absorber Testweise an der Decke anzubringen, dies noch nicht ausprobiert. Wird aber noch angegangen (mit Tesa Powerstripps :-) ). ich hoffe, nacher hängt nicht meine Raufaser daran.
Hans-Martin hat geschrieben: Den FG der Box in dieser Richtung sollte man in der Simulation per Equalizer auf die Spur übertragen.
Das sagt mir wieder nichts. Jetzt doch Teile? meines Pulse nach Audacity rüber holen? Ich denke, dass Thema gehen wir an, wenn ich alles andere oben Verstanden und nachvollzogen habe. :oops:
Hans-Martin hat geschrieben: Die Lästigkeiten der Wiedergabe müssen in der Aufnahme spektral enthalten sein, hier die vermutlich unbehandelte Spektralanalyse eines Acapella Stücks mit einem deutlich erkennbaren Buckel um 6kHz.

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Ja, die Lästigkeiten wirken sich natürlich in Abhängigkeit der Aufnahme unterschiedlich stark aus. Was nicht da ist, kann man auch nicht hören.
Hans-Martin hat geschrieben: Ziel der Simulation ist nun, aufzuspüren, auf welchem Weg die größten FG-Welligkeiten entstehen, die in diesem kritischen Bereich Betonung bringen, hier sehr deutlich:

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was meiner ursprünglichen Annahme entspricht, die sich aber nicht durch Dämpfungsmaterial beheben ließ.
Die Frage bleibt, ob das Material wirklich geeignet war, wenn die erwartete Wirkung ausblieb, ob es falsch platziert war oder nicht großflächig bzw dick genug (Minimum 3cm Schaum, mehr als 1/4 Wellenlänge Dicke, wirksam im Bereich von Schallschnelle, die leider an der Wand direkt auf 0 geht), oder ob es nicht dieser Schallstrahl ist, der die Störung verursacht.
Die Materialfrage kann man tatsächlich noch mal stellen. Ich hatte ja oben angekündigt, das ich Basotect bestellt habe. Das ist mittlerweile angekommen. Weiter geht es damit aber (leider) erst wieder nach meinem Ski-Urlaub mitte März.
Hans-Martin hat geschrieben: Zu jeder Suche gehört, nicht zu früh aufzugeben, aber auch der Gedanke, dass man den Schlüssel dort suchen muss, wo er verloren wurde, und nicht unter der Laterne, wo das Licht die Suche erleichtert, aber nichts zu finden ist.
Natürlich ist der von mir beschrittene Weg der Simulation nichts anderes, als entlang von Laternen die Suche zu begünstigen, die Simulation ist gewissermaßen nichts anderes als gewisse Laternen einzuschalten. Ob sie an der richtigen Stelle stehen, ist damit leider nicht gesagt.
Das hast Du schön gesagt, da ist was dran. Wenn man z.B. Fehler in Software sucht, wünscht man sich eine ganze Flutlichtanlage einschalten zu können :D

Kopfzerbrechen bereitet mir weiterhin, ob die Kammfilter Ursache, oder evtl. gar nicht hörbare Erscheinungen eines anderen Effektes sind. Aborbiert hatte ich wie gesagt schon einige Refelxionen (u.a. die zwei bei 0.13). Über Kammfilter kann man ja sehr viel lesen. Je nach dem wo und was man liest, bekommt man leider die Antwort, die man sich unter Umständen nicht wünscht, oder umgekehrt.

Etwas blieb aus meinem letzten Beitrag unbeantwortet. Evlt. kann jemand die Frage beantworten:
ESM hat geschrieben:Ist mein Pulse so überdurchnittlich reflexionsbehaftet? Ich kann das mangels Vergleich gegenüber einer anderen, ganz normalen, durchschnittlichen Hörraumpulseantwort leider nicht einschätzen. Dass eine Pulseantwort im rein theoretischen Idealfall nur einen einzigen Peak und dann eine Linie haben sollte ist mir klar.
Gruß Erwin
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ESM
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Beitrag von ESM »

Hi Alex,

zu deinen ungleichen Vergleichsergebnissen hat Hans-Martin sicher ein Antwort. Ich muss weiterhin mit Unwissenheit glänzen.
Jahresprogramm hat geschrieben: Wir suchen die ganze Zeit etwas, von dem wir ausgehen, das es da ist. Vielleicht ist es besser nach etwas zu suchen, was nicht da ist. :mrgreen:
Auslöschungen durch schwingende Elemente in der Nähe der LS... Fensterscheiben, Schränke, usw.

Wie kommt man hier weiter?
Ich bin total aufgeschmissen, denn ich trinke gar kein Kaffee :(
wie man hier weiter kommt, wüsste ich auch gern. Ok, ich habe das Problem "irgendwie" duch Umpositionierungen verlagert, sodass es an einer bestimmten Stelle nicht mehr auftritt. Aber was die Ursache ist, wüsste ich trotzdem ganz gerne.

Zu gerne würde ich euch das mal bei Kaffee oder Tee live vorführen. :(

Gruß Erwin
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uli.brueggemann
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Beitrag von uli.brueggemann »

Erwin,

das, was Du evtl. doch noch rasch testen könntest, wäre, die LS and den Platz zu stellen,wo das Problem auftritt. Also dann auch das Stück nochmal hören und es sollte die S-Laute wieder hörbar sein.

Was passiert, wenn Du dann den rechten LS abschaltest?

@Hans-Martin,
die Audacity-Analyse ist soweit ok, lässt sich aber prinzipiell auch mit Alexs Pulssimulation gefaltet mit weissem Rauschen durchführen. Was mathematisch genau dasselbe ist. Allerdings zeigt sich dabei kein Höhenabfall, sondern im Prinzip derselbe Frequenzgang wie bei Alex, natürlich verrauscht.
Insofern muss da bei Audacity noch eine Ungenauigkeit passieren.
Du könntest mir evtl. mal Deine Audacity-Dateien zusenden.

Grüsse
Uli
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

ESM hat geschrieben:
Hans-Martin hat geschrieben: Den FG der Box in dieser Richtung sollte man in der Simulation per Equalizer auf die Spur übertragen.
sagt mir wieder nichts. Jetzt doch Teile? meines Pulse nach Audacity rüber holen? Ich denke, dass Thema gehen wir an, wenn ich alles andere oben Verstanden und nachvollzogen habe :oops:
Hallo Erwin

Dein Lautsprecher wird auf Achse vielleicht einen gut linearen Frequenzgang abgeben, aber was ist unter 30° seitlich , oder 30° nach oben oder unten? Genauer gefragt, unter dem Winkel, unter dem der Schallstrahl den LS verlässt, der schließlich nach Reflexion am Ohr ankommt?
Kopfzerbrechen bereitet mir weiterhin, ob die Kammfilter Ursache, oder evtl. gar nicht hörbare Erscheinungen eines anderen Effektes sind. Aborbiert hatte ich wie gesagt schon einige Refelxionen (u.a. die zwei bei 0.13). Über Kammfilter kann man ja sehr viel lesen. Je nach dem wo und was man liest, bekommt man leider die Antwort, die man sich unter Umständen nicht wünscht, oder umgekehrt.
Kammfilter sind ein häufig auftretendes Phänomen, welches völlig anders als Resonanz albläuft. Da ist ein geometrisches Prinzip, das auf der Umwegstrecke Frequenzen bestimmter Wellenlängen entweder konstruktive oder destruktive Mischung am Treffpunkt bedeutet. Konstruktiv heißt +3dB, destruktiv könnte theoretisch auf Auslöschung heruntergehen. Im Raum mit seinen diffusen Eigenschaften findet das praktisch nicht statt. Aber die Welligkeit im FG ist da, und wenn die Betonung die nervigen Zischlaute betrifft, Pech gehabt. Denn 3dB ist nicht wenig. Wenn die nervigen Frequenzen ausgelöscht würden, wäre doch schön. Aber da kann man sich mal den Kurvenverlauf ansehen
Etwas blieb aus meinem letzten Beitrag unbeantwortet. Evlt. kann jemand die Frage beantworten:
ESM hat geschrieben: Ist mein Pulse so überdurchnittlich reflexionsbehaftet? Ich kann das mangels Vergleich gegenüber einer anderen, ganz normalen, durchschnittlichen Hörraumpulseantwort leider nicht einschätzen. Dass eine Pulseantwort im rein theoretischen Idealfall nur einen einzigen Peak und dann eine Linie haben sollte ist mir klar.
Wenn ein Lautsprecher vornehmlich nach vorn abstrahlt, kann man von links, rechts, Decke, Boden und der Wand hinter dem Hörer jeweils eine Reflexion erwarten, schließlich zählt aber auch die Reflexion der Wand hinter dem Lautsprecher, wenigstens im Bass muss man sie Ernst nehmen. Es ist erstaunlich, welchen Einfluss auf den gemessenen Hochtonpegel der Wandabstand nimmt. In der Summe sind es zunächst 6 Reflexionen, eben von jeder Wand eine. Dann kommt der Schallstrahl natürlich noch nach weiteren Reflexionen irgendwann noch einmal am Mikrofon oder Hörort an, jedoch deutlich abgeschwächt.

Viele Dinge kann man sich durch Nachdenken erschließen, Milchmädchenrechnungen entgeht man durch praktische Überprüfung.

Grüße Hans-Martin
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Was am Ende vom Lautsprecher am Hörer ankommt, welche Komponenten sich hier überlagern, beschreibt Floyd E. Toole hier:

The Acoustics and Psychoacoustics of Loudspeakers and Rooms

Grüße Hans-Martin
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ESM
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Beitrag von ESM »

Hallo Hans-Matin,

danke, da hab ich gleich eine interessante Urlaubslektüre, die ich lesen werde, wenn ich nicht grad auf der Skipiste oder beim Aprés-Ski bin. :cheers:

Gruß Erwin
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

uli.brueggemann hat geschrieben: die Audacity-Analyse ist soweit ok, lässt sich aber prinzipiell auch mit Alexs Pulssimulation gefaltet mit weissem Rauschen durchführen. Was mathematisch genau dasselbe ist. Allerdings zeigt sich dabei kein Höhenabfall, sondern im Prinzip derselbe Frequenzgang wie bei Alex, natürlich verrauscht.
Insofern muss da bei Audacity noch eine Ungenauigkeit passieren.
Du könntest mir evtl. mal Deine Audacity-Dateien zusenden.
Hallo Uli

Die hatte ich nach Screenshot schon wieder gelöscht.

Aber ich habe dassselbe weiße Rauschen benutzt (korreliertes Rauschen). Bei unkorreliertem Rauschen sollte die Summe der verzögerten Signale diesen Höhenabfall nicht haben. Eine praktische Konsequenz aus Kammfiltern zeigt http://www.sengpielaudio.com/Die3zu1Regel.pdf

Die Welligkeit im FG und der Höhenabfall sind typische Merkmale in der Praxis. Die Ursache für die "Ungenauigkeit " ist ein interessanter Aspekt und sollte genauer betrachtet werden.

Grüsse Hans-Martin
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ebs
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Beitrag von ebs »

Jahresprogramm hat geschrieben: Alex meint: Jetzt drängt sich mir eine weitere Frage auf. Laut Sengpielaudio gibt es mehrere Versionen der Jecklin-Scheiben. Bei der neuen Version mit 35 cm (OSS-Technik) Durchmesser werden die Mikrofone mit 36 cm Abstand aufgestellt. Sollten wir, da ja für uns die Aufnahme dessen was am Ohr ankommt interessant ist, bei 16-17 cm Abstand bleiben? Der Durchmesser der Scheibe mit 30 zu 35 cm macht den Kohl wahrscheinlich eh nicht fett.
Die weit überwiegende Zahl der Tonverantwortlichen macht Tonaufnahmen für Lautsprecherstereofonie.
Es sollte sich doch wohl herumgesprochen haben, dass Trennkörper- und Ohrabstands-Gebilde, wie etwa die alte Jecklinscheibe nicht zur Lautsprecherstereofonie gehören, sondern zur arg schwächelnden Randerscheinung der Kopfhörerstereofonie.

Das hat auch der rührige Erfinder Jürg Jecklin aus eigener jahrelanger Erkenntnis herausgefunden und seine Mikrofonbasis auf "Doppelkopf"-Maße vergrößert. Die Signale der alten Scheibe kommen über Lautsprecher als sich zwei überlagernde Schallfelder nicht an unseren Ohren so an, wie sie an den 16,5 cm-Mikrofonen ankommen. Ich hoffe, dass hier in diesem Forum kein Kopfhörer-Denken mit interauralen Signalen vorliegt. Lautsprecher brauchen keine Ohrsignale; wir brauchen dort "Interchannel-Signale" ohne Laufzeit vom Ohrabstand; siehe: "Mikrofonabstand = Ohrabstand = beste Resultate?":
http://www.sengpielaudio.com/Mikrofonab ... bstand.pdf

Viele Grüße ebs

Forum für Mikrofonaufnahmetechnik und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com
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Jahresprogramm
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Beitrag von Jahresprogramm »

Hallo Eberhard,

vielen Dank für die Hinweise.

Meine (durchaus naive) Frage bezüglich dieses Aufnahmeverfahrens hatte als Hintergrund die in Aussicht gestellte Möglichkeit das zu Messen, was Erwin als störende S-Laute einerseits oder fehlende S-Laute andererseits wahrnimmt. Uns liegen ja bereits Mikrofone mir Kugelcharakteristik vor und es ist ein Einfaches so eine Scheibe zu bauen. So war das Verfahren für mich nahe-liegend. Evtl. kommt ja noch jemand auf die Idee wie man diesen S-Lauten per Messung auf die Schliche kommt.

Uli hat ja schon angesprochen, dass man einfach mal mit einem Lautsprecher hören sollte und somit klären könnte ob dieses Phänomen durch gegenseitige Beeinflussung der LS hervorgerufen wird oder tatsächlich "nur" eine Interaktion von LS und Raum ist.

Grüße
Alex
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Ich meinte gelesen zu haben, dass Erwin berichtete, dass die Störung auch bei abgeschaltetem rechtem LS vorhanden war, will mich aber nicht nochmal rückwärts durch den ganzen Thread wühlen, um mein Gedächtnis bestätigt zu finden. Ich hätte mich sonst konsequenterweise einer anderen Methodik bedient.

Grüße Hans-Martin
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ESM
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Beitrag von ESM »

Hallo!

nach einem wunderschönen SKI Urlaub und einer arbeitsreichen Woche hab ich meine Basotect Lieferung testen können. 3 Probleme gab es:
  • Ich hatte wenig Zeit.
  • Meine Frau kam während der Präparierung der Testumgebung rein :shock: . mit offenem Mund aber ohne Worte verließ sie das Wohnzimmer. :mrgreen:
  • Eine provisorische Präparierung (speziell die Deckenpräparierung) war nicht so einfach, denn ich durfte und wollte keine Spuren hinterlassen, aber ich hab mir was einfallen lassen. :mrgreen: :wink:
  • Ich konnte leider nicht messen. Entweder hat das Mikro einen Schuß, oder, was ich eher vermute, Kabelbruch.
Wichtiger war und ist aber das praktische Testergebnis. Papier und Theorie sind bekanntlich geduldig, schwer zu deuten (für mich!) und noch schwieriger in die Praxis umzusetzten.

Die Ursache für die sLaute von links sind Reflexionen hinter dem Hörplatz, die auch in Verlängerung der Deckenreflexion wirken. Primär habe ich die linke Ecke hinter/neben dem Hörplatz in Verdacht. Sie scheint diagonal eine Reflexion des rechten LS direkt und indirekt in Verlängerung der Decke zum linken Ohr zu begünstigen, bzw. eine Auslöschung am rechten Ohr zu verursachen. Links und rechts vom Hörplatz befindet sich jeweils ein schmaler, turmähnlicher Schrank. Links sitze aber näher dran als rechts. Links ist zudem eine kleine Raumecke, rechts ist der Raum neben dem Schrank offen.

Änlich asymmetrisch ist es an der Lautsprecherwand. Rechts ist eine kleine Raumecke und der Kaminofen, links steht der LS freier. Der Erker ist nach rechts gut 2 m entfernt.

Bilder sagen mehr als Worte!

Skizze Wohnzimmer

Hier sind die Lautsprecher 2x eingezeichnet. Hellgrau sind die LS auf der alten Position. So habe ich sie auch wieder zurückgestellt, als ich die Tests mit dem Basotect gemacht habe (siehe Fotos). Die Skizze und die 3D Ansicht samt Möblierung sind nahezu maßstabsgerecht. Die Teppiche unter den beiden Tischen habe ich vergessen einzuzeichnen. Sieht man aber auf den Bildern.

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Ganz klar ist mir aber noch nicht, warum sich sich durch simples Lautsprecherschieben (25cm weiter in den Raum und ca. 20cm breiter aufgestellt) der gleiche, positive Effekt erziehlen lässt. Vermutlich gehen die Refelexionen durch veränderte Geometrie am Ohr vorbei.

Grunsätzlich kann ich solch starke Absorber unmittelbar hinter dem Hörplatz nicht empfehlen. Es klingt irgendwie tot, besser gesagt leblos.

Fazit 1

Mein Hörraum, besser gesagt unser Wohnzimmer ist nicht die ideale Bedingung für einen kompromisslosen Hörraum. Das war mir aber schon immer klar.

Asymmetrische Raumverhältnisse führen zu einem asymmetrischen Klangbild. Bereits durch kleine, recht unauffällige Maßnahmen kann man die Situation positiv beeinflussen, ohne zu verschandeln. Es bleibt dennoch ein Kompromiss. Die Physik kann man nicht vollständig überlisten.

Fazit 2

Unabhängig vom Problem, für das ich ja schon eine (Kompromiss)-Lösung gefunden habe (LS-Schieben), denke ich nun doch ersthafter über einen kompromissloseren Hörraum nach. Dazu aber zu gegebener Zeit mehr...

Danke an alle, die mich bis hier mit ihrem Wissen unterstützt haben!

Gruß Erwin
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

uli.brueggemann hat geschrieben:Erwin,
Was passiert, wenn Du dann den rechten LS abschaltest?
Hallo Erwin

Auf diese Frage von Uli hattest du nicht geantwortet. Ich habe nocheinmal den Thread nach dem Stichwort "recht" durchgesucht und fand:
ESM hat geschrieben: Auf dem linken Lautsprecher höre ich nun einige weinge Silben, bzw. sLaute, die eigentlich wie alles andere auch, aus der Phantommitte kommen müssten. Der rechte LS ist dagegen wie abgeschaltet. Nicht der geringste Laut scheint aus diesem LS zu kommen. Wie es sein soll.
... was mein Gedächtnis korrigierte - ich hatte angenommen, der rechte Lautsprecher wäre probeweise abgeschaltet worden, um das Thema einzukreisen.

Aus den Bildern entnehme ich, dass ein schallharter Tisch im Strahlweg des rechten Lautsprechers steht, anteilig mehr als im linken. Mit einer horizontalen Drehung um 45° kann man seinen reflektierenden Einfluss auf den Sitzplatz minimieren. Ein größerer Teppich, der bis an die Boxen reicht, reduziert mehr frühe Reflexionen.

Die Wirkung von Basotect ist nicht an die Wand gebunden, im Gegenteil, mehr Abstand fördert die Absorptionsfrequenzbandbreite, denn an der Wand ist die Schallschnelle auf Minimum, mehr Abstand = mehr Wirkung. Näher am Sitzplatz kann man nach dem Strahlensatz also die Menge eingesetzten Basotects reduzeren, wenn es darum geht, den schädlichen Schallstrahl unterbrechen, zu bedämpfen.

Da der abgestrahlte Schall in der Nähe des Lautsprechers am intensivsten ist, würde ich dort auf größtmögliche Symmetrie achten, einschließlich des Schranks im Hintergrund. Die bemaßte Skizze vermittelt eine leichte Unsymmetrie, sowohl für den Schrank wie auch für die LS. Für die räumliche Abbildung würde ich die nicht völlig ignorieren.

Zum Hören vermute ich die gezeichnete Vorderkante des Sofas als besten Hörplatz.

Der Nachhall des gefliesten Raums fällt unsymmetrisch aus, hat mit dem Threadthema vermutlich wenig zu tun.

Grüße Hans-Martin,
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ESM
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Beitrag von ESM »

Hallo Hans-Martin,

Den Test von Uli, die LS einzeln zu hören, habe ich gemacht, aber im letzten Beitrag vergessen zu erwähnen. :oops: Es ist so, das der linke LS mono eher unauffällig klingt. Beim rechten LS habe ich den Eindruck, dass er minimal zur Mitte klingt. Das interpretiere ich so, dass hier Reflexionen am linken Ohr treffen. Somit wäre das Problem auf der rechten Seite zu suchen.

Deine Tipps zur Verbesserung der Gesamtsituation sind zweifelsohne richtig, sinnvoll und gut gemeint. In der Praxis "Wohnraum" leider nicht 1:1 umzusetzen.

Den asymmetrisch aufgestellten Tisch hatte ich gleich zu Anfang schon mal in Verdacht. Ich hatte ihn mal abgedeckt und auch schon mal ganz beiseite gestellt. Ohne Auswirkung auf die Ausgangsproblemtik. Für die Gesamtsituation ist er aber sicherlich nicht optimal. Mit 45 Grad drehen meinst Du, ihn diagonal aufzustellen?

Den Teppich hätte ich gerne auch noch etwas näher an die LS geschoben. Allerdings liegt er bereits jetzt schon recht nah am Kaminofen. Brandgefahr! Evtl. kann ich ihn noch etwas nach links und dann etwas nach vorne verschieben. Danke für den Tip.

Den Hörplatz würde ich liebend gerne noch weiter nach vorne verlagern. Richtig! Das habe ich in den vergangen Monaten alle paar Tage zentimeterweise schon getan. Bis es dann unweigerlich auch einer Regierung aufgefallen ist :-) Evtl. Sind noch mal ein paar cm drinn ;-)

Wie schon dargestellt, ist ein Wohnzimmer als Hörzimmer ein Kompromiss. Den gehe ich momentan nicht ungerne ein, wenngleich ich mittlerweile mit einem separaten Hörraum liebäugle. Das WZ ist Dreh- und Angelpunkt. Hier macht man es sich gemütlich, schaltet Fernseher oder Musik ein, trifft sich mit Freunden, hört mal gemeinsam intensiv hin, oder lauscht nur den Hintergrundklängen. Der soziale Aspekt spielt im Gesamtkontext keine untergeordnete Rolle. All die Aspekte tragen subjektiv zum Wohlbefinden und damit zum Hörgenuss bei.

In einem isoliertem Hörraum fehlen solche Aspekte. Ich frage mich daher ernsthaft, ob mir es mir das wert ist?! Die Möglichkeit hätte ich. Dazu öffne ich in Kürze einen neuen Beitrag. Zunächst um herauszufinden, ob mich dieser Raum akustisch überhaupt nach vorne bringen kann.

Gruß Erwin
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

ESM hat geschrieben:Den Test von Uli, die LS einzeln zu hören, habe ich gemacht, aber im letzten Beitrag vergessen zu erwähnen. :oops: Es ist so, das der linke LS eher unauffällig mono klingt. Beim rechten LS habe ich den Eindruck, dass er minimal zur Mitte klingt. Das interpretiere ich so, dass hier Reflexionen am linken Ohr treffen. Somit wäre das Problem auf der rechten Seite zu suchen.
Hallo Erwin,

interessante Wende, dann war jegliche Suche in der linken Impulsantwort vergeblich...
Den asymmetrisch aufgestellten Tisch hatte ich gleich zu Anfang schon mal in Verdacht...
..Mit 45 Grad drehen meinst Du, ihn diagonal aufzustellen?
Je härter die Tischoberfläche umso : Ja!
Wie schon dargestellt, ist ein Wohnzimmer als Hörzimmer ein Kompromiss ...
... Die Möglichkeit hätte ich. Dazu öffne ich in Kürze einen neuen Beitrag. Zunächst um herauszufinden, ob mich dieser Raum akustisch überhaupt nach vorne bringen kann.
Diese Probleme haben wir fast alle.

Ein Raum, dessen einzige parallele Wände zum Hören benutzt werden, diese 4,44m auseinander, ermöglicht 38,6Hz untere Resonanzfrequenz, das rechtfertigt normalerweise keine fetten Standlautsprecher mit Doppelbass, die tiefer abgestimmt sind. Den Dröhneffekten kann man kaum entgehen, aber hier kommt ja hilfreich Acourate zum Einsatz, und dann geht das mit diesen Boxen doch.

Wenn der Schall am Schrank hinten links und an der Wand als Flatterecho zurückkommt, kann Acourate aber auch nichts machen. Da hilft dann hoffentlich Basotect, das kann man auch in farbigem Stoff , oder mit einem Bild, gedruckt auf Leinwand, tarnen.

Grüße
Hans-Martin
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Beitrag von uli.brueggemann »

ESM hat geschrieben: Den Test von Uli, die LS einzeln zu hören, habe ich gemacht, aber im letzten Beitrag vergessen zu erwähnen. :oops: Es ist so, das der linke LS eher unauffällig mono klingt. Beim rechten LS habe ich den Eindruck, dass er minimal zur Mitte klingt. Das interpretiere ich so, dass hier Reflexionen am linken Ohr treffen. Somit wäre das Problem auf der rechten Seite zu suchen.
Was dann prima aufzeigt, dass wir mit Messung und Auswertung einer einzelnen Pulsantwort eben nicht alles erfassen, was wir bei Stereowiedergabe hören.

Grüsse
Uli
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