Wedelmessung um Hörposition

Ulis Mess- und Korrekturprogramm
chriss0212
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Beitrag von chriss0212 »

Hallo Jörn,

Ich habe mich gewundert ;)

Habe dann geschaut und dabei auch gefunden, dass man in REW die Peak Messung speichern kann :lol:

Erster Eindruck:
Mir gefällt es besser als die Hörplatzmessung. Die oberen Mitten sind etwas zurückhaltender.

Vielen Dank, für den Anstoß

Christian
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uli.brueggemann
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Wedelmessung Acourate V1.10

Beitrag von uli.brueggemann »

Moving Mic Recorder

Ich habe, angeregt durch den Beitrag von Jörn, die "Wedelmessung" in Acourate eingebaut.
Mit Acourate V1.10 steht die Funktion also zur Verfügung und zwar als Moving Mic Recorder (MMR) im Logsweep Menü.

Gegenüber REW gibt es hier nun auch die Möglichkeit, Korrekturfilter im multiway wav Format mit zu verwenden.
Damit lassen sich dann Mehrwegesysteme unter Einbindung von XO-Filtern per Wedeln bestimmen. Oder man kann auch fertige Korrekturfilter verwenden und dann nachprüfen, was sich dann im korrigierten Zustand beim Wedeln zeigt.
Natürlich lassen sich dann die Messergebnisse auch wiederum in Filter einbauen. Ein Beispiel:

Beim Wedeln ergibt sich ein gemittelter Frequenzgang. Das Ergebnis taugt für eine Frequenzgangkorrektur.
Will man trotzdem eine Phasenkorrektur durchführen dann macht man
1. eine übliche Messung am Hörplatz per Logsweep, das ergibt Pulse48L/R
2. die Wedelmessung. Nach evtl. Nachbearbeitung per FDW = Glättung als Pulse48L/Rmp speichern = Vortäuschen Ergebnis Macro1
3. Erstellung Target in Macro2 anhand der Pulse48L/Rmp
4. Berechnung Frequenzgangkorrektur mit Makro3 = Pulse48L/Rinv
5. Berechnung Phasenkorrektur mit Makro4 (hierbei werden Pulse48L/R und Pulse48L/Rinv verarbeitet)

Der MMR verwendet bei der Messung weisses Rauschen. Es macht Sinn die Messung mit vertikalem Mikro (+ entsprechender Kalibrierdatei) durchzuführen. Die Messzeit kann sehr lange sein, wer will kann auch eine halbe Stunde wedeln :wink:
Die Messung kann mit Strg-S gestartet und gestoppt werden. Unter Zuhilfenahme des Flirc USB lässt sich eine Fernbedienung so programmieren, dass ein Tastendruck eben die Messung startet/stoppt. Das hat vor allem dann Vorteile, wenn Tastatur und Bildschirm eben nicht am Hörplatz sind und man ja auch noch das Mikro in der Hand hält.

Etwas Hintergrund gibt es mit https://www.ohl.to/audio/downloads/MMM- ... rement.pdf und http://www.acousticconsultant.eu/ResearchProject.pdf

Grüsse
Uli
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chriss0212
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Beitrag von chriss0212 »

Hallo Uli

Na das hört sich doch mal prima an!

Eine Frage: Wie mittelst Du die Daten? Peak oder Durchschnitt? Bei Durchschnitt würde es im Zweifel ja eine andere Gewichtung geben, je nach dem wie lange man das Mikro wo schwenkt.

Grüße

Christian
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uli.brueggemann
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Beitrag von uli.brueggemann »

Christian,

es erfolgt eine Mittelung per Durchschnitt, also arithmetischer Mittelwert. Tatsächlich ist damit eine gewisse Ortsabhängigkeit gegeben, allerdings zeigt sich, dass sich Resultate mehrerer Messungen doch gut annähern. Die Berechnung per Peak hat ja auch eine Ortsabhängigkeit, je nachdem wo man dann zufällig einen Peak erwischt.

Grüsse
Uli
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iRobert
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Beitrag von iRobert »

Finde ich toll das, dass die Wedelmessung auch in Acourate eingebunden werden kann, noch ein Grund mehr für mich zu wechseln.
Im Carhifi bereich, in welchem die Leute mindestens genauso akribisch mit der ich nenne es mal Raumakustik (Ein Auto ist ja auch ein Raum, vorallem ein sehr kritischer) kämpfen, wird diese Methode mit zb. Brax oder Helix DSP´s sogar bevorzugt und schon lange angewandt.
Der Voreteil ist meiner Meinung nach die Gehörrichtigere Messung da unser Kopf nunmal zwei Ohren an den Seiten, welche in 3D-Hören und keine kleine Kapsel in der Mitte hat und somit unserem Hörempfinden näher kommt.
Am wichtigsten finde ich allerdings die Möglichkeit seinen Körper welcher einen super 80Kg Absorber bildet mit einzubeziehen, jenachdem woc man sitzt kann das den Unterscheid machen, dieser ist im Auto auf der Fahrerseite natürlich Riesig, aber warum soll man diesen bei Raumakustikmessungen zuhause nicht miteinbeziehen, vorallem wenn man an der Wand sitzt.

Wichtig ist natürlich wie von Uli bereits erwähnt das man das mikro Senkrecht hält un dmit der enstprechenden Kalibrierdatei arbeitet, sonst ist der Messpunkt ja auch 20-30cm zu weit vorn und der Schall auf der Linken Kopfseite wird nicht vom der rechten seite getrennt.

Bei Youtube habe mal jemanden in Amerika gesehen, der eine Mütze mit Motor auf einem Drahtgestell hatte, an einem Drahtarm war das Mikro geclippt, welcher sich dann immer 10 mal rechts und 10mal links um den Kopf gedreht hatte!
Vorteil Wiederholgenaue Messungen, sofern man seinen Kopf gerade halten kann und das auch hinterm Kopf gemessen wird.
Die Theorie dahinter ist das wenn man vor dem Kopf wedelt der Rückwärtige Diffusschall weniger mit in die Messung einfließt und somit nicht ganz gehörrichtig, ist natürlich immer noch besser als einen Einpunktmessung.

Ich sehe mich allerdings nicht mit so einem Apparat im Wohnzimmer oder Auto sitzen, daher hoffe ich das es bald auch Kopfhörermikrofone in Styroporköpfen oder mehrpunktmikrofone gibt welche Kompatibel zu Rew, Acourate etc sind gibt.

Aber mit der Wedeltechnik kommt man der Sache schon näher.

Ich habe auch mal gelesen das man mit der Wedeltechnik keine zu schnellen oder hastigen Bewegungen ausführen soll, weil duch die Fliehkraft die Membran nicht richtig aufzeichnen kann.
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alcedo
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Beitrag von alcedo »

Hallo,

nach einigem intensiven Email-Verkehr und Austausch hat Uli nun eine leicht korrigierte Acourateversion (bei mir heißt sie v1.10.1) fertiggestellt und so läuft die "Wedelmessung" (oder korrekter: der Moving Mic Recorder) auch auf der Steinberg UR12 Soundcard.

Wichtig ist natürlich, die richtige Kalibrierdatei zum Mikrofon zu benutzen, da bei dieser Messung das Mikro sinnvoller Weise senkrecht gehalten wird und daher die 90°-Kalibrierdateien vonnöten sind. Wer danach wieder den normalen LogSweep Recorder nutzt (also horizontal misst), muss dann wieder auf die 0°-Kalibrierdateien umstellen, da sich Acourate die zuletzt benutzten Mikrofondateien merkt und diese benutzt!

Ich finde diese Messung sehr praktisch, da sie als Ergänzung zur "normalen" Messung schnell erkennen lässt, wo man am ehesten Maßnahmen ergreifen sollte, da sich einige Reflexionen (möglicherweise) wegmitteln. Bei meiner derzeitigen Raum-Boxen-Konstellation hat sich im Acourategraphen allerdings nichts gravierendes verändert - was ich vom Höreindruck (Kopfschwenken, beugen usw.) auch schon vermutet hatte.

Schöne Ergänzung Uli - besten Dank!

Grüße
Jörg
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StreamFidelity
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Beitrag von StreamFidelity »

Hallo Jörg,

vielen Dank für die Info. Die neue Version habe ich mir jetzt auch besorgt. Ich verwende auch Steinberg UR12.

Grüße Gabriel
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