Zusammenführen von Mono und Stereo Pulsmessungen

Ulis Mess- und Korrekturprogramm

Zusammenführen von Mono und Stereo Pulsmessungen

Beitragvon Mister Cool » 07.09.2019, 17:41

Hallo,

ich bin gerade dabei das Buch von Floyd Toole „Sound Reproduction“ zu lesen, wo ich viele interessante Erfahrungen, Ideen und Anregungen gefunden habe. Die meisten Themen sind natürlich bekannt, aber z.T. in einem anderen, zumindest mir nicht bekannten Licht dargestellt. Hier nur ein Paar Beispiele:
- Bedeutung der Linearität des Frequenzgangs auf Achse/im Nahfeld und am Hörplatz
- sinnvoller Umfang der Korrekturen mittels DSP
- Zusammenspiel Direktschal/Frühreflektionen in kleinen Räumen und deren Auswirkung auf Akustikmassnahmen in den einzelnen Frequenzbereichen
- Sinnhaftigkeit von Diffusoren
- Target Curve und akzeptable „Korridoren“ / Abweichungen
- Soundfield Management (sowohl im Sinne von Bass Management, als auch im Sinne von Nutzung von mehreren Lautsprechern zur Steigerung/Optimierung der Raumabbildung)
- Messmethoden

Das inspiriert mich dazu, einiges mittels Acourate und der vorhandener Audio-Hardware anders als bisher zu lösen, auszuprobieren und mit den bisherigen Ergebnissen zu vergleichen. Nach dem Moto „erlaub ist, was gefällt“ komme ich auf ganz „krumme“ Ideen, die ich mit Eurer Hilfe Stück-für-Stück umsetzen möchte.

Ich kann/will nicht an allen „Stellschrauben“ gleichzeitig drehen, daher fange ich mit zwei Themen an, die mich schon immer am meisten beschäftigt haben: Target Curve und Soundfield Management im Bass-Bereich, sprich Einsatz von mehreren Subwoofern

1. Target Curve und „Koridor“ für akzeptable Abweichungen.

Ich habe unzählige Target Curven ausprobiert und inzwischen eine Kurve gefunden, die mich (ich nenne es so) zu 90% zufriedenstellt☺ Diese möchte ich gegen die Kurve vergleichen, die in dem Buch auf Grund vieler Test und Vergleiche als bevorzugte Kurve dargestellt wurde. Also nichts neues aufregendes. Aber bei dieser Gelegenheit möchte ich herausfinden, welcher „Korridor“, also welche +/- Abweichungen von der Kurve, akzeptabel sind und diese mittels Acourate für die Filtererstellung umzusetzen. Mein Ziel/Idee ist es nur die Amplitudenabweichungen zu korrigieren, die den vorgegebenen „Korridor“ verlasen. Dadurch erhoffe ich mir, den Umfang der Signalmanipulation auf das nötige, sprich auf die Extrem-Peaks zu reduzieren/zu minimieren. Ich glaube, Christian hat sich schon mal mit dem Thema beschäftigt, als „Zuckerbrot und Peitsche Methode beschrieben und dazu ein schönes Videotutorial bereitgestellt.

https://www.dropbox.com/s/027vd7f5rahal ... e.mp4?dl=0

Ich nehme an der Weg geht über die von Christin/Uli beschriebene Funktion Max Envelope und eine dazu pasende Positionierung/Anhebung der Target Curve



2. Soundfield Management im Bassbereich

Es geht mir um die Nutzung von mehreren aktiv gesteuerten Subwoofern zur Optimierung der Basswidergabe. Sehr komplexes Thema ☺ Ein Sonderfall, der noch relativ einfach ist, wäre ein DBA. Relativ "einfach", weil es von einem rechteckigen Raum mit gleichen Subwoofern, die wandnah/bündig aufgestellt sind ausgeht. Das trifft in meinem Fall leider nicht zu. Mein Raum ist zwar rechteckig aber:
- die vorderen und hinteren Subwoofer sind nicht gleich
- die vorderen Subwoofer stehen über 1m entfernt von der Wand

Bild

Also es könnte sein, dass der typische DBA Ansatz, den ich bis jetzt verfolgt habe, sprich einfach die hinteren Subwoofer verzögert und in der Polarität gedreht einzusetzen, nicht der richtige ist. Es hat zwar eine deutliche Besserung gebracht, aber ich glaube „es geht noch mehr“. Das erste was ich unbedingt ändern möchte, ist die bisherige kanalgetrennte (Links/Rechts) Messung in dem Bassbereich. Bis jetzt habe ich, die Pulsantworten, wie gewohnt, als getrennte Stereo-Logsweeps gemessen und diese zuerst für die Bestimmung der optimalen Lautsprecher- und Sitzaufstellung ausgewertet und dann für die Macros 1-4 genutzt.

Aber...

Das, was ich im Bassbereich am Hörplatz höre, ist ein komplexes „Gemisch“ aus allen Moden (axial, tangential, oblique) und zwar von BEIDEN Subwoofer/Kanälen: Links und Rechts. Also die Summe beider Kanäle könnte einen ganz anderen FG und Moden-Muster ergeben, als man anhand der getrennten L/R Messungen erwarten würde.

Hier ein paar Annahmen/Randbedingungen für mein weiteres Vorgehen/Plan:
- das Signal in dem Bass-Bereich, der mich interessiert (<80Hz) ist kanalgleich/mono
- die Delays der vorderen Subwoofer sind fixiert und auf die vorderen TMT abgestimmt
- die Frequenzgänge der vorderen und hinteren Subwoofer sind unterschiedlich -> die möchte ich mittels Acourate abgleichen (Schnapsidee: FG der vorderen Subwoofer als Target Curve für die hinteren Subwoofer vorgeben?)
- die Delays für die hinteren Subwoofer sind noch nicht festgelegt und sollen im laufe des Experiment bestimmt werden

Und jetzt zu meinem Plan

Ich möchte die Pulsmessung und die Basis für Macro1-4 für den Bereich <80Hz auf Mono umstellen.

Zur Info -> 80Hz ist die Trennfrequenz meiner Subwoofer
- XO1 (<80Hz) Subwoofer vorne
- XO2 (80-1.300Hz) TMT
- XO3 (>1.300Hz) HT
- XO4 (<80Hz) Subwoofer hinten -> gleich XO1 (Subwoofer vorne)
- XO5 (>5.000Hz) rückwertiger SHT (noch in Vorbereitung)

Was das ganze etwas verkompliziert ist eine „Unbekante“ -> welche Delays soll man für die hinteren Subwoofer annehmen?

Deshalb das ganze in zwei „Etappen“

Etappe 1 -> Betrieb/Messung ohne die hinteren Subwoofer

Vereinfacht dargestellt: ich möchte zwei getrennte Pulsmessungen machen und diese irgendwie „verheiraten“:
- erste Pulsmessung -> Logsweepmessung Mono -> beide Kanäle L/R laufen zusammen als Basis für Cor1L=Cor1R (FG-Bereich XO1)
- zweite Pulsmessung -> Logsweepmessung Stereo/beide Kanäle getrennt als Basis für Cor2L/Cor2R und Cor3L/Cor3R (FG-Bereich XO2/XO3)

Wenn ich die Methode zum Zusammenführen dieser zwei Pulsmessungen herausgefunden/verstanden und das Ergebnis mit dem Ergebnis einer einzelnen Pulsmessung verglichen habe, kann ich mich auf den zweiten Teil des Experiments stürzen

Etappe 2 -> Betrieb/Messung mit den hinteren Subwoofer.
Die Herausforderung dabei:
- wie bestimme ich die notwendigen Delays für die hinteren Subwoofer, wenn ich alle Subwoofer (vorne und hinten) in Mono betreibe/messe.
- wie kann ich die Frequenzgänge der unterschiedlichen Subwoofer vorne/hinten anpassen
- wie kann ich dafür sorgen, dass die Korrekturfilter für die vorderen und hinteren Subwoofer getrennt erstellt werden

Also Jungens, think big start small -> wie kann ich die Korrekturfilter Cor1-Cor3 aus den zwei getrennten Pulsmesungen: eine Mono für den FG-Bereich <80Hz (XO1) + eine Stereo für den FG-Bereich >80Hz (XO2/XO3) ableiten?

Grüsse,
Alwin
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Beitragvon uli.brueggemann » 07.09.2019, 18:34

Alwin,

eine einfache Möglichkeit ist die Messung über den AcourateConvolver. Dort können dann die Subs passend mono zusammengeschaltet werden.
RME-Soundkarten erlauben das auch per Totalmix.
Dann einfach Stereo messen wie gewohnt.

Grüsse
Uli
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Beitragvon Mister Cool » 07.09.2019, 20:21

Gute Idee, danke!

Ich glaube ich kann in meinem Focusrite in dem Kanalmixer die beiden Kanäle "zusammenführen"

Grüsse,
Alwin
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Beitragvon freezebox » 08.09.2019, 01:48


Hallo Alwin,

ich habe ein ganz ähnliches setup wie Du. Die DBA funktioniert am besten im mono- Betrieb. Die solltest Du denke ich zuerst einstellen. Bisher hab ich das über ein nanoDigi gemacht, möchte es aber auch mit acourate versuchen. REW ist super, um das Delay und den Pegel der DBA einzustellen. Du kannst Dir die Messung direkt als Wasserfall anzeigen lassen und Dich an das Optimum rantasten. Erst wenn die DBA eingestellt ist, würde ich die Makros anwenden - mit allen 4 subs in Betrieb. Beachte dabei, dass Du dabei den Pegel um 6dB abschwächst, Falls Du zum Hören die subs wieder auf Stereo umstellen willst.
Da auch meine subs unterschiedlich sind, plane ich eine Nahfeldentzerrung als Vorentzerrung zu machen.

Sehr spannend. Halte uns auf dem Laufenden!

Grüße,

Jörn
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freezebox
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