Empfehlung für Messmikrofon und Equipment?

Ulis Mess- und Korrekturprogramm

Beitragvon jackelsson » 09.02.2019, 22:14

Hallo zusammen,

ich beschäftige mich auch gerade erstmalig selber mit dem Thema Raummessung. Bisher hatte ich dazu immer freundliche Fachleute hier, aber nun plane ich gerade eigenhändig an QRD-Diffusoren herum und würde dies gerne mit Raummessungen unterstützen.

Von einem früheren, abgebrochenen Anlauf in Bezug auf Raummessung habe ich hier schon ein Superlux ECM999 liegen, gekauft wohl vor 2-3 Jahren.

Nun habe ich mir gerade den Thread hinter dem Link in Martins letztem Posting angeschaut, und was ich da lese, klingt für mich in meiner Unkenntnis etwas alarmierend. Muss ich davon ausgehen, dass ich das ECM999 auch mit einer Kalibrierung nicht vernünftig zur Raummessung verwenden kann? Oder habe ich da etwas in den falschen Hals bekommen?

Gruß,
Swen
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Beitragvon chriss0212 » 09.02.2019, 23:00

Hallo Swen

Auf was genau beziehst Du Dich da... wird ja ziemlich viel angesprochen ;)

Ich nutze auch ein billiges Behringer mit Kalibriefile (wie denke ich die meisten hier)... konnte mich bisher nich nicht durchringen ein teures zu kaufen, steht aber auf der Wunschliste, da ich mir schon vorstellen könnte, dass man damit noch mehr herausholen kann. Und wenn man mal Ehrlich ist: wir geben so viel Kohle für unser Hobby aus... da darf ein gutes Mikro ruhig auch mal her ;)

Aber ich würde schon sagen, dass Du auch mit einem preiswerten Mikrofon schon gute Erfolge erzielen kannst. Man selber ist da gerade in der ersten Zeit viel mehr der limitierende Faktor ;)

Viele Grüße

Christian
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Beitragvon Hans-Martin » 09.02.2019, 23:06

Hallo Swen,
ich verstehe unter einer Raummessung den zeitlichen Ablauf und die Intensität bei Frequenzen, die relevant sind. Den Bereich jenseits 10kHz kann man ohne großen Aufwand und Erfahrung nicht einschätzen, dem Mikrofon und seiner Kalibrierung vielleicht nicht trauen.
Die mir vorliegenden Erkenntnisse, dazu Hinweise von B&K für den Umgang von Mikrofonen, die für den Einsatz im Freifeld gemacht sind, tatsächlich aber im Diffusfeld eingesetzt werden, Wissen um die Methode der Kalibrierung, speziell unter welchem Winkel,etc.pp, führt zu einer Gesamtsituation, wo nur noch Hein Blöd zu wissen glaubt, dass das, was schließlich als Frequenzgang auf den Schirm zu sehen ist, auch dem entspricht, was eine sinnvolle Ausgangsbasis für eine perfekte Korrektur sein darf.

Am überzeugendsten erscheint mir noch die Methode, das Mikrofon mit 90° Kalibrierung senkrecht mit der Kapsel auf Ohrhöhe einzusetzen, am einfachsten erreicht man das senkrecht hängend. In den vergangenen 10 Jahren haben wir über Messmikrofone viel diskutiert, das Stichwort ECM 8000 sollte bei der Forumssuche die entscheidenden Threads aufzeigen.
Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon KSTR » 10.02.2019, 03:00

Ich sag mal, wenn das Mikro unbekannte +-5dB oder so off ist oberhalb 10k dann hört man das schnell. Aber man möcht's halt vorher wissen egal wie groß oder klein der Fehler tatsächlich ist, es führt kein Weg an zumindest einer Vergleichsmessung mit einem bekannt guten echten Messmikro vorbei, oder eben gleich einer quasi-Kalibrierung damit.

Da man in Acourate ja frequenzabhängig fenstert für den bewerteten "Ist-FG" auf dem dann entzerrt wird (also HF mit kleineren Fenstern), sind Freifeld-auf-Achse entzerrte Mics hier schon richtig weil die Reflexionen der nächsten schallharten Flächen idR ausgefenstert werden sollten (im hohen Frequenzbereich wo es relevant wäre), wenn die LS nicht total unglücklich stehen. Mit nur einer mittigen Messposition misst man dann den Primärschall unter 30° und muss schon mit leichtem Höhenabfall rechnen. Wohl dem, der eine kleine 1/4"-Kapsel hat, da ist das dann praktisch wurscht weil erst im Ultraschall. Oder das schon beim Kalibrieren mit einfließen lassen falls relevant (je nach Kapselgröße), quasi als Spezial-Mikro für die FG-Messung eines Stereo-Setups in einem Rutsch.
Bei der RT60-Messung bräuchte man dagegen ein diffusfeld-entzerrtes Mic, aber der Meßfehler wenn nicht ist nicht so besonders hoch und das ganze nimmt eh keinen direkten Einfluss auf die Korrektur. Die Diffusfeld-entzerrung ist eh Fake, weil das Mic misst nach wie vor verschieden unter Winkeln, bloß halt wird der ansgesetzte Durchnitt auf flat entzerrt, also einfach global drüber-EQ'd, per Kapselabstimmung.
Für Hörplatzmessungen mit Acourate zum Zwecke der Entzerrung sind also normale Freifeld-Empfänger geeigneter.
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Beitragvon uli.brueggemann » 10.02.2019, 12:25

Das Superlux ECM999 kann man guten Gewissens verwenden, es sollte allerdings kalibriert sein. Ich sehe da keine Unterschiede im Vergleich zu einem ECM8000.

Eine Kalibrierung ist natürlich stark abhängig vom Vergleichsmikrofon und wie gut das dann wiederum kalibriert ist. Da bleibt dem Normalsterblichen nichts anderes übrig als sich auf die Angaben des Herstellers zu verlassen.

Bei einem horizontal ausgerichtetem Mikro und einem Öffnungswinkel 60° der LS beginnt der Mikropegel ab ca. 1 kHz abzufallen und zwar um ca. 1 dB bis 20 kHz. Das gleicht man mit der Zielkurve bei einer Raumkorrektur locker aus. Der bei preiswerten Mikros übliche Hochtonbuckel entspricht weiterhin der 0°-Korrektur, ändert sich durch die 60° Aufstellung bzw. 30°-Messung nicht wesentlich. In den meisten Räumen stehen die LS aber auch enger als 60°.

Die senkrechte Anordnung des Mikros mit Diffusfeldentzerrung empfehle ich eher nicht, da sie mir dann die Reflektionen stärker bewertet als den Direktschall. Zumindest wenn das Mikro nach oben zeigt (Deckenreflektion). Ein Fußboden mit teppich dämpft ja etwas mehr.
Für Surroundmessungen ist die 90°-Messung dann aber doch die bessere Lösung, alle LS werden dann gleichwertig gemessen.

Grüsse
Uli
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Beitragvon jackelsson » 14.02.2019, 10:27

Hallo zusammen,

erst einmal danke für die vielen Antworten. Ich nehme daraus mit, dass mein vorhandenes Mikro für die Aufgabe durchaus tauglich ist, eine Kalibrierung aber kein Fehler wäre. :D

Aber auch, wenn ich die Themen 'digitale Raumkorrektur' und 'Double Bass Array' sehr spannend finde (und für dieses Jahr als Projekte auf der Liste habe), möchte ich zunächst mit dem Mikro - neben grundsätzlichen ersten Gehversuchen mit REW - ein bisschen Raumakustikgebastel messtechnisch begleiten.

Ich habe aktuell in den Erstreflektionspunkten an Decke und Seitenwänden Breitbandabsorber installiert. Der Raum ist mir allerdings eine Spur zu trocken, deshalb möchte ich einmal ausprobieren, was passiert, wenn ich in den seitlichen Spiegelpunkten die Absorber durch 1D-QRD-Diffusoren ersetze.

Die Konzeption der Diffusoren an sich ist mit Hilfe von Floyd E. Tooles Literatur und ein bisschen Unterstützung von QRDude kein ganz großes Thema, weil die räumlichen Gegebenheiten eh enge Parametergrenzen vorgeben. Aber was da dann passiert, würde ich gerne versuchen, mit Messungen zu verifizieren. Ob das funktioniert? Keine Ahnung. Klingt aber spannend. :) Insofern ist im Moment aber auch erst einmal nur der Frequenzbereich von ca. 600-6.000 Hz so wirklich interessant.

Gruß,
Swen
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Beitragvon Hans-Martin » 29.05.2019, 13:50

Hallo,
es gibt einenneuen HATS von B&K,
der auch bei [urlhttps://bksv.com/en/about/waves/WavesArticles/2019/Three-HATS-one-church-and-experimental-music?]Aufnahmen eingesetzt[/url] werden kann.
Da musste B&K allerdings Erfahrungen machen, wie sie Neumann veranlasst hat, beim Kunstkopf den Ohrkanal wegzulassen, B&K setzt Equalizer ein... Schließlich mussbeim Abhören dasy Signal nochmal durch einen Ohrkanal - beim Hörer. Ein Denkfehler bei B&K, der hätte vermieden werden können ??
Grüße
Hans-Martin
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