Subwoofer an Hauptlautsprecher anbinden

Lautsprecherbau und -tuning

Subwoofer an Hauptlautsprecher anbinden

Beitragvon Nachhall » 21.11.2014, 13:42

Hallo zusammen,

Hans-Martin hat geschrieben:Subwoofer lösen keine Probleme, sie schaffen welche.

Man kann sie schwer mit den Hauptlautsprechern nahtlos klanglich integrieren, weil sie viel träger sind.

das Problem der höheren Gruppenlaufzeit (wenn es denn eines ist) ist aber doch keines, was auf eine separate Aufstellung der Subwoofer zurückzuführen ist, sondern bleibt genauso bestehen, wenn die Bassquelle in die Hauptlautsprecher integriert ist (von einer Laufzeitkorrektur des zusätzlichen Wegunterschiedes abgesehen). Die separate Aufstellung erlaubt es aber, wie von Fujak schon erwähnt, die Bassquelle für eine optimale Raumanregung zu platzieren. Dies erfordert eben eine Aufstellung, die von den Hauptlautsprechern separiert ist.

Für mich führt, wenn man hohe Qualität auch im Bass einsetzen möchte, kein Weg daran vorbei, ein an den Raum angepasstes Subwoofer-System (wie auch immer es aufgebaut ist: Mono-Sub, Multi-Sub, SBA, DBA, ...) einzusetzen. Aus meiner Sicht sind Subwoofer daher tatsächlich die Lösung, wenn richtig eingesetzt.

Bei der Anbindung kann es m. E. von Vorteil sein, zumindest die Hauptlautsprecher eben nicht steilflankig zu filtern, sondern einen breiten Übergangsbereich zu den Subwoofern zu schaffen. Geht man diesen Weg, kann man z.B. die Hauptlautsprecher mit dem vollen Signal speisen und benötigt zur Anbindung der Subwoofer im einfachsten Fall eine DCX2496. Die Qualität sollte für den Bereich <100 Hz locker ausreichend sein.

Viele Grüße
Jörn
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Beitragvon Fujak » 21.11.2014, 13:59

Hallo Jörn,

Deine Vorgehensweise, den DCX 2496 nur für die Abtrennung des Subwoofers zu nutzen und die Hauptlautsprecher "auf natürliche Weise" auslaufen zu lassen, hat den Vorteil, dass die Hauptlautsprecher nicht durch dieses Nadelöhr müssen. Allerdings bleiben zwei Nachteile bestehen:

1. die Hauptlautsprecher können nicht in ihrer Gruppenlaufzeit exkat an den Subwoofer angepasst (=zeitlich verzögert) werden können. Da bleibt nur der Glücksfall, dass die bestmögliche Anregung des Raumes zufällig auch mit dem erforderlichen näheren Abstand des Subwoofers zum Hörplatz zusammentrifft. Meist aber muss man hier dann einen Kompromiss eingehen - den man auch hört.

2. Nach meinen Messungen ist genau dieser breite Übergangsbereich voller Interferenzen zwischen Haupt-LS und Sub und trägt nicht unbedingt zu einer korrekten Wiedergabe bei. Erst bei einer Über-alles-Korrektur mit Acourate beispielsweise verhält sich auch ein breiter Übergangsbereich absolut korrekt. Das ist hörbar.

Grunsätzlich aber stimmen wir darin überein, dass der Einsatz von Subwoofern anstelle Fullrange-Lautsprechern für die präzise Basswiedergabe eher Vorteile hat. Denn die Schwierigkeiten, für die wir hier gerade Lösungen diskutieren, sind bei Fullrange-LS quasi fest eingebaut und lassen sich daher dort nur sehr begrenzt (z.B. durch Ortsfilter) beeinflussen.

Grüße
Fujak
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Beitragvon Nachhall » 21.11.2014, 15:02

Hallo Fujak,

bei Punkt 1 stimme ich dir zu: Eine Laufzeitkorrektur wäre nur möglich, wenn der/die Subwoofer näher am Hörplatz steht/stehen als die Hauptlautsprecher.

Zu Punkt 2: Der Ansatz bietet die Möglichkeit, eine gleichmäßigere Raumanregung durch verteilte Quellen zu schaffen. Zudem lässt sich das Anregungssignal der Subwoofer über den DCX2496 noch vorfiltern und der Frequenzgang so glätten.

Der Ansatz bei meiner Anlage geht noch etwas weiter: Ich binde an meine Elektrostaten 3 Subwoofer an, die als Multisub-System im Raum verteilt sind. Dies alleine führt schon zu einer gleichmäßigeren Raumanregung. Ich speise jeden dieser 5 Kanäle via Fireface UCX und berechne auf Basis von Hörplatzmessungen für jeden Subwoofer ein individuelles Vorfilter mit dem Ziel eines glatten Frequenzgangs bis 100 Hz. Das Vorfilter beinhaltet Hochpass und Tiefpass, sowie bis zu 5 EQs. Die Laufzeit der einzelnen Filters im Übergangsbereich wird dabei korrigiert. Die Subwoofer werden dazu zwischen 60 und 100 Hz (der genauer Wert ist, wie auch alle anderen Parameter, das Ergebnis eines Optimierungslaufes) rel. steilflankig TP-gefiltert, die Elektrostaten laufen unterhalb 80 Hz mit 12 dB/Oktave aus.

Damit erziele ich für <100 Hz einen Frequenzgang mit einer Schwankungsbreite von ca. 4 dB und eine gute Anbindung der Subwoofer an die ESLs. Eine anschließend folgende Über-Alles-Korrektur mit Acourate folgt, bringt im Bassbereich aber nicht mehr allzu viel.

Dieser Ansatz ist ziemlich robust und liefert, wenn die Subwoofer verteilt aufgestellt werden können, ohne spezielle Beachtung der Positionen schon gute Ergebnisse mit einem rel. großen Hörbereich im Bass. Bei Beschränkung auf einen einzelnen Hörplatz ist die Positionierung eines einzelnen Subwoofer am für Raum und Hörplatz "optimalen" Anregungsort sicher auch ein guter Ansatz.

Viele Grüße
Jörn
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Beitragvon Nachhall » 21.11.2014, 15:38

Nachhall hat geschrieben:Zu Punkt 2: Der Ansatz bietet die Möglichkeit, eine gleichmäßigere Raumanregung durch verteilte Quellen zu schaffen. Zudem lässt sich das Anregungssignal der Subwoofer über den DCX2496 noch vorfiltern und der Frequenzgang so glätten.

Eine Ergänzung zu meinem Beitrag: Die Möglichkeit einer gleichmäßigeren Raumanregung durch verteilte Quellen ergibt sich daraus, dass auch die Hauptlautsprecher bei einem breiten Übergangsbereich als Quellen fungieren.
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Beitragvon Hans-Martin » 21.11.2014, 16:38

Hallo Jörn

Sieht die Sprungantwort noch gut aus? Bei 3 Subs und der Überlappung mit den Haupt-LS teile ich da Fujaks Bedenken. Ich würde bevorzugt dort sitzen wollen, wo die Fokussierung der Instrumente (Phantomschallquellen) am mühelosesten gelingt. Das ist für mich stressfreies Hören, selbst wenn im Bass noch Unregelmäßigkeiten auftreten.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Nachhall » 21.11.2014, 16:52

Hallo Hans-Martin,

die Sprungantwort sieht m.E. gut aus, zumal ich nicht nur die Laufzeiten aufgrund der Aufstellung, sondern auch der Vorfilter berücksichtige. Ich werde mal schauen, ob ich später ein Bild einstellen kann.

Die Lokalisation von Phantomschallquellen ist einwandfrei, aber aus meiner Sicht ohnehin nicht von der Subwoofer-Aufstellung geprägt. Die Subwoofer spielen in einem Frequenzbereich, in dem der Raum sich noch voll modal verhält. Sie sind daher auch nicht lokalisierbar.

Grüße
Jörn
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Beitragvon Hans-Martin » 21.11.2014, 19:38

Jörn, arbeiten die 3 in Mono (nehme ich mal an) oder hast du das Stereosignal aufgeteilt, um mehr Raumeindruck zu bekommen, wie es David Griesinger vorschlägt?

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Nachhall » 21.11.2014, 19:54

Ja, die Subwoofer arbeiten als Mono.

Hier ein Bild von Frequenzgang bis ca. 150 Hz und Sprungantwort bei Anregung aller 3 Subwoofer und beider ESLs (Messung ist ungeglättet):

Bild

Der Frequenzgang wird durch die abschließende Über-Alles-Korrektur im Bass tatsächlich wieder etwas schlechter, da ich die Subwooferfilter auf den Fall "alle 5 Quellen" optimiere, mit Acourate dann aber links (ESL links + alle Subs) und rechts (ESL rechts + alle Subs) trenne, da das in Acourate der normale Workflow ist. Vermutlich wäre es besser, in Acourate für den Bass ein Monofilter und darüber Stereofilter zu erzeugen und dann für links und rechts zusammenzubasteln. Evtl. gehe ich das mal an.

Grüße
Jörn
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