TDA7293 Anstiegszeit

Lautsprecherbau und -tuning

TDA7293 Anstiegszeit

Beitragvon dietert » 12.08.2015, 10:47

Hallo,

beim Experimentieren mit TDA7293 Endstufen bin ich auf folgende Frage gestoßen: Habe von vier gleichen Endstufen zwei aufgebaut, die zweite funktioniert normal, die erste auch, hat aber bei näherem Hinsehen einen Fehler. Die Anstiegszeit ist nämlich etwa 1 V/usec statt 10 V/usec, d.h. bei 20 KHz ist keine Vollaussteuerung möglich, sondern nur noch etwa 25 Vss.

Grund wird wohl ein Schaden am IC sein, denn mit der ersten Platine habe ich einige Experimente mit den Mute- und Standby-Eingängen gemacht. Z.B. hatte ich diese Eingänge zeitweise mit Zenerdioden 5.1 V beschaltet, weil im Datenblatt mehr oder weniger TTL-Pegel angegeben werden. Ging aber gar nicht. Der Verstärkerausgang lag plötzlich auf 25 bis 30 V DC.

Ruhestrom und DC-Balance, Verstärkung - alles normal, nur eben die Anstiegszeit falsch. Musik klingt über einen Breitbänder normal. Also ein ausgesprochen blöder, weil unauffälliger Fehler.

Grüße,
Dieter T.
Bild
dietert
inaktiv
 
Beiträge: 527
Registriert: 24.11.2013, 11:31
Wohnort: 76571 Gaggenau

Beitragvon RPWG » 12.08.2015, 11:58

Hallo Dieter,

Die endlose Liste der TDA7293-Schäden geht also weiter :wink: .

Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass das IC augenscheinlich sehr kritisch ist, was die Symmetrie der Versorgungs-Rails angeht. Ich hatte mal eine ganze Serie "sterbender" TDAs in der Prototypenphase, was sich mit relativ hoher Sicherheit auf ein Spannungs-Delta in den Rails zurückführen ließ. Das kann beim Ausschalten auch passieren, wenn man aus der V+ noch kleine Zusatznetzwerke speist und sie damit stärker belastet :? . Vermutlich war es aber vornehmlich das Steckern der Verbindung zum Netzteil (wenn die Spannung in den Siebelkos noch um die 10V beträgt). Das war zwar ein mehrpoliger Stecker mit allen Spannungen, aber die Trennung geschah natürlich nie exakt zeitgleich. Besonders doof dabei: Das IC scheint sehr leidensfähig zu sein und verabschiedet sich ja nach Vorschädigung erst geraume Zeit später mit einem intermittierenden Bratzeln oder Knacken, um dann mehr oder weniger spektakulär das Zeiliche zu segnen. Oder eventuell auch gar nicht, wie in deinem Fall, weist aber trotzdem einen Schaden auf, der erst mal nicht direkt auffällt.

Was er (aus einmaliger Erfahrung heraus) auch nicht mag, ist, wenn zwei ICs "hard wired" mit den Mute und Standby-Eingängen zusammen hängen, an diesen Pegel (TTL reicht) anliegt und nur ein IC aus den Rails versorgt wird. Da es kein detailliertes, internes Ersatzschaltbild gibt (?) kann man aber auch finde ich schwer sagen, was erlaubt ist und was nicht. Jedenfalls hat die Steuerung der "Logik" bei mir immer mit 5V-Signalen funktioniert.

Das sind aber alles eher Situationen, die im Prototyping auftreten - nichts, was im fertigen Gerät passieren sollte. Da hat mich der TDA auch noch nicht im Stich gelassen, toi toi toi :D .

ESD-Vorschädigung kann ich bei meinen o.g. Fehlern denke ich weitesgehend ausschließen, da die Bauteile bei mir in der ESD-Stange ankommen, und in ESD-gerechter Umgebung (Matte, Fußboden, Tisch, Kittel, Schuhe, Armbändchen) eingebaut werden. Ich hatte zwar schon einen Fall, wo eine 1000er-Rolle Halbleiter schon geschädigt mit 1/10 Ausschuss im Gurt lag, aber das ist wohl auch eher selten...

Viele Grüße,
Roman
Bild
RPWG
Aktiver Hersteller
 
Beiträge: 244
Registriert: 18.12.2012, 14:49

Beitragvon dietert » 12.08.2015, 15:46

Hallo Roman,

danke für den Hinweis auf die ESD-Problematik, es ist ja DMOS. Vielleicht war ich etwas zu sorglos. Klar werde ich den defekten Chip tauschen.

Habe gerade eine Seite über TDA7293 bei Rod Elliott gefunden, er schreibt: "There are no apparent downsides to the TDA7293, although it was found that one batch required a much higher voltage on the Standby and Mute pins than specified, or the amps would not work." Eigentlich habe ich meine Chips vom Distributor und hoffe, sie sind original.
Bei diyaudio.com gab es das Thema schon zweimal, z.B. "TDA7294 Mute/Stdby". Dort ist auch von Zenerdioden die Rede, am Ende wurde ein Widerstand 2 KOhm parallel zum Mute empfohlen, als Spannungsteiler.

Grüße,
Dieter T.
Bild
dietert
inaktiv
 
Beiträge: 527
Registriert: 24.11.2013, 11:31
Wohnort: 76571 Gaggenau

Beitragvon dietert » 12.08.2015, 21:41

Der Vollständigkeit halber:

Habe inzwischen gesehen, wie schön bei meinen ChipAmps die Mute- und Standby-Eingänge funktionieren. Man kann die Beschaltung der IC-Pins wie im Datenblatt TDA7293, Figure 5 lassen. Diese Beschaltung dient auch als ESD-Schutz.

Nur sollte man die beiden Signale nicht direkt von +Vs nehmen, sondern mit einem Spannungsteiler, so dass man etwa 5 V bekommt. Dann passen erst die Zeitkonstanten und man hört, wie schön die Mute-Funktion bei diesem IC wirkt, fast wie ein Lautstärkeregler. Auch der Standby-Eingang schaltet praktisch lautlos, sehr gut. Strom fließt in die beiden Steuereingänge des ICs praktisch keiner (deutlich unter 1 nA).

Wegen ESD: Mir ist eingefallen, dass ich bei der ersten Platine, die den versteckten Fehler hatte, den TDA7293 als erstes vor den passiven Bauelementen bestückt hatte. Bei der zweiten Platine, die gleich normal funktionierte, hatte ich als erstes die passiven Bauteile bestückt.
Bild
dietert
inaktiv
 
Beiträge: 527
Registriert: 24.11.2013, 11:31
Wohnort: 76571 Gaggenau


Zurück zu Aktives Bauhaus

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste