Bowers & Wilkins N805 Aktivierung

Lautsprecherbau und -tuning

Bowers & Wilkins N805 Aktivierung

Beitragvon NNEU » 20.04.2015, 15:40

-Vorwort-

Wie schon in der Vorstellung erwähnt; ich bin 17 und Schüler, und habe somit ein begrenztes Budget was ich für Hifi ausgeben kann und will.

Wer hier nach DEQX oder Linn Aktivweichen und Macintosh oder Accuphase Endstufen zur Aktivierung meiner N805 sucht, wird nicht fündig.

Mir ging es darum mit möglichst wenig materiellem und finanziellen Aufwand, das beste aus den N805ern zu holen.


Aber nun zum Thema:

———Bowers & Wilkins Nautilus 805 Aktivierung———

Als mein MiniDSP und UMIK eingetroffen sind, ging es erstmal ans experimentieren. Für die Versuche habe ich einen alten Yamaha AVR mit Main-INs als Endstufe verwendet. Hierbei hatte ich insgesamt 6 Kanäle zur freien Belegung.

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Meine ersten versuche sollten folgende Fragen beantworten:

Was bewirkt eine bassanhebung per DSP (im Single-Amping) des Passiven Lautsprechers?
Was bewirkt Bi-Amping mit auftrennung des Signals, jedoch mit der Passivweiche?

Antwort: Der DSP bringt ohne die “Aktivierung” nicht viel.
Bi-amping bringt keinen hörbaren Unterschied, die Bassanhebung mittels DSP bewirkt einen unangenehmen Loudness Effekt. Es bumpert ein bisschen mehr, von einer Verbesserung des Klanges ist aber nicht zu reden.

Nun kam die “Versuchsaktivierung”. Hierfür habe ich die Weiche des Tief-/Mitteltöners komplett entnommen und das Chassis direkt mit den Terminals und mit der Endstufe verbunden.

Wie vorhin schon angedeutet, dient (vorläufig) der MiniDSP als Aktivweiche. Der MiniDSP ist (besonders in Anbetracht des Preises) ein erstaunliches Gerät, hat aber kleine Schwächen denen es entgegenzuwirken gilt. Da wäre zum einen das Rauschen, zum anderen den Ein-/Ausschalt-klick. Beide fallen nur dann ins Gewicht wenn die Chassis einen Hohen Wirkungsgrad haben, was bei dem Hochtöner ohne Weiche der Fall ist. Aus genau diesem Grund bleibt die Hochton-weiche erstmal bestehen.

Jetzt nochmal der Versuch der Bassanhebung…
Kein Vergleich zu vorher. Der Bass ist schon allein durch die direkte Verbindung von Endstufe und Chassis viel knackiger geworden. Auch die Bassanhebung ist problemlos möglich, ohne dass ich dabei das Chassis an seine grenzen bringen konnte.

Nach fertigen Einstellungen am DSP entstand folgendes Frequenzverlaufsdiagramm:

Bild

Das Diagramm zeigt den Raumschall, das Mikro ist zur Decke hin ausgerichtet.


———> Erkenntnis aus dem Versuchsaufbau; Die N805 hat Massen an Potential.


Nach diesem Ergebnis galt es eine Praktischere, unsichtbare, Lösung zu finden als den als den alten Yamaha als Endstufe zu nutzten.

Hierfür habe ich kurzer Hand Main-Ins für die Front und Bi-amping/ Surround Back Kanäle bei meinem RX-V773 nachgerüstet. Hierzu wurde die Internetverbindung zwischen Vor- und Endstufe gekappt, und Main-In Buchsen Installiert.

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Bild


-Die Weiche-

Dank der Digitaltechnik des MiniDSPs ist es sehr unkompliziert zwischen verschiedenen Filtern, u.a Linkwitz und Butterworth, sowie unterschiedlichen Flankensteilheiten zu wählen. 24 und 48db/oct klingen zwar objektiv gesehen super, verändern die Tonalität der N805 aber enorm. Durch solch eine steile Trennung wird der Klang sehr steril und analytisch. Negativ aufgefallen ist mir auch, dass es nach längerem hören fast in den Ohren “sticht”.

**Nachtrag: ein Mitglied dieses Forums meinte dass man dies durch ein HT Delay verringern kann, ich würde mich über genauere Infos/Meinungen dazu freuen**

Letztendlich entschied ich mich für ein 12db/oct Trennung. Diese gefällt mir nach langem Probehören am besten, und vor allem bleibt die N805 dabei tonal "sie selber". :)


Ich freue mich sehr über eure Fragen, Meinungen und Verbesserungsvorschläge!


Falls den Experten im Forum irgendwas ungenaues oder falsches an meinem Beitrag auffällt, so bitte ich um eine PM mit Berichtigung, und gebe zugleich zu bedenken dass ich im Endeffekt nur eine Musik-liebhabender, technisch interessierter, Laie bin. :wink:
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Beitragvon Hans-Martin » 20.04.2015, 17:12

NNEU hat geschrieben:Gemessen wurde der Raumschall (Mikro Senkrecht) im Dual-Mono Modus am Hörplatz. Bei der Direktschall Messung ist der verlauf ab 3500Hz (die trennfrequenz) komplett linear, der bass etwas abgeschwächt.

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Hallo Noel
Das sieht doch sehr gut aus, hast du da im Bass nicht mit Equalizerfunktionen eingegriffen?
Ein Frequenzgang +/-3B unter 150Hz ist sehr ungewöhnlich, entweder hat die Sofware da sehr geglättet, oder du hast extrem viel Dämpfung im Raum, was ich mir nicht vorstellen kann.
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Die Ausläufer im Wasserfalldiagramm sprechen wohl auch dafür.
Ich verwende übrigens (fast) keinen EQ. Im Hochtonbereich wird an zwei stellen leicht (-2-4db) abgesenkt, im Tiefton habe ich eine saftige Basserweiterung eingestellt die die baugrössen bedingten Bassabfall kompensieren. Dies funktioniert (zu meiner Überraschung) sogar bis zu sehr hohen Pegeln ohne dass das Chassis extrem ausschwingt.

Klirr ist da nicht berücksichtigt, den wuürde ich aber auch nicht überwerten. denn so häufig werden tiefe Bässe auch nicht gespielt, und wo bei gesampelten Aufnahmen mit starker Kompression gearbeitet wurde, kommt es eh nicht drauf an, da ist der Klirr ja schon in der Musik.

NNEU hat geschrieben:Dank der Digital-technik des MiniDSPs ist es sehr unkompliziert zwischen verschiedenen Filtern, u.a Linkwitz und Butterworth, sowie unterschiedlichen Flankensteilheiten zu wählen.

24 und 48db/oct klingen zwar Objektiv gesehen super, verändern die Tonalität der N805 enorm. Durch solch eine steile Trennung wird der Klang sehr steril und analytisch. Negativ aufgefallen ist mir auch, dass es nach längerem hören fast in den Ohren “sticht”.

**Nachtrag: ein Mitglied dieses Forums meinte dass man dies durch ein HT Delay verringern kann, ich würde mich über genauere infos/meinungen dazu freuen**

Letztendlich entschied ich mich für ein 12db/oct Trennung. Diese gefällt mir nach langem Probehören am besten, und vor allem bleibt die N805 dabei tonal "sie selber" :)

Ich würde Wert auf gleiche Polung der Chassis legen, das bedeutet, man setzt Filter ungrader Ordnung ein:
Crossover frequency: 3kHz. Crossover slopes: third-order Butterworth
, hier also mit 18dB/Okt.
Abhängig von der Filterferequenz und Steilheit ergeben sich Gruppenlaufzeiten, die man kompensieren kann, sobals DSPs dort als Delay Spielraum lassen. Am einfachsten ist die Puls-Messung und Auswertung, ich nehme dazu Audacity und zoome das Ergebnis, die Zeit lässt sich dort bequem ablesen.

Aus dem Foto sehe ich, dass der Raum keinen Teppich hat (?? -meist am welligen Frequenzgang um 200Hz erkennbar) und der linke LS etwas hinter der Tür zurücksteht, seine seitliche Abstrahlung also von der Kante reflektiert wird. Das kann man durch Vorziehen oder Einwinkeln verhindern.
Beim Aktivieren fallen die Lautsprecherkabelverluste weg, die im Hochtonbereich dämpfend wirken, sobald der Bass stromdurchflossen ist. Bei Bi-Wire ist das ein Schritt, bei Bi-Amping (noch mit Passivweiche) wird er größer, der Pegelabgleich nach Gehör muss das ausgleichen. Auch wenn es weniger als 0,5dB ausmacht und in der Messtechnik beim Glätten untergeht, würde ich mich auf mein Gehör verlassen.

Die stromdurchflossenen Kondensatoren der Passivweiche sind groß, entsprechend der niedrigen Impedanz des Hochtöners, bei aktivweichen sind sie klein und haben weniger dielektrische Absorption, sind schon feiner und ich finde DSP oder vergleichbare Computerlösungen optimal. Allerdings würde ich zur Sicherheit immer eine Schmelzsicherung vor den Hochtöner legen, 0,7A mittelträge, falls man beim Hantieren mal einen Fehler macht.
Die Fehlkonstruktion RCA/Cinchstecker verbindet erst den Signalpin, bevor die Masse Kontakt bekommt, beim unbeabsichtigten Trennen kann das schon mal pfeifend das Ende der Schwingspule einleiten.

Was beim Aktivieren immer für den Aufwand entschädigt, ist die offenere, feinere, differenziertere Hochtonauflösung. Der Bass kommt trocken und geht gezwungenermaßen auch tiefer. Beim Mitteltonbereich bin ich mir nicht so eindeutig sicher, ob ich das generalisieren darf, mein Verstärker hat 0,4 Ohm Ausgangswiderstand und keine Gegenkopplung, da bin ich aus dem Schneider.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon wgh52 » 20.04.2015, 20:58

Hallo Noel,

vielen Dank für Deine ausführliche Dokumentation! Das sichtbare Ergebnis spricht für sich, meine ich und wenn Du klanglich vorläufig zufrieden bist, ist die Hauptarbeit erstmal getan! Also dafür meine Gratulation! :cheers:

Von der technisch-analytischen Seite her gesehen wäre es jetzt interessant zu sehen (wenn auch vielleicht übertrieben und schwer herstellbar :oops: )
● Messungsvergleich vor und nach Aktivierung
● Die Weichenparameter (Übergangsfrequenz usw.)
● Falls gemessen, die Chassisfrequenzgänge ohne Weiche, mit Weiche passiv und aktiv
● Gegen Raumreflektion gefensterter Frequenzgang, Sprungantwort, evtl. Zerfallspektrum aktiv / passiv

Als ich mit meiner Aktivierung damals bei einem besser anhörbareren Ergebnis angelangt war als die Passivversion bot, fing ich an mit Weichenkonzepten zu experimentieren und kam dann zu einer Aktivweiche, die für einen lineareren Phasengang des Gesamtsystems sorgte und das ergab noch mehr Räumlichkeit und Ortungsschärfe. Aber ich will Dich nicht zu sehr "anfixen"... :wink:

Falls ich richtig gesehen habe, benutzt Du miniDSP 2x4 boxed. Vor einigen Monaten habe ich ein Projekt damit realisiert und eigentlich kein Rauschproblem (mit der Cinch-Version) festgestellt. Falls es Dir zu sehr rauscht, solltest Du mal messen wie hoch die Weiche ausgesteuert wird. Es könnte sein, dass noch ein ziemlich großer Aussteuerungsbereich bis zum Maximum der Weichenaussteuerbarkeit ungenutzt bleibt. Bei meiner ersten Digitalweiche habe ich damals mit Pegeldämpfung vor den Endstufen dafür gesorgt, dass ich den Vorverstärker weiter "aufdrehen" konnte/musste: Für normales Hören / Zimmerlautstärke bei ca. Mittelstellung, für max. Laut dann kurz vor Anschlag. Das funktionierte sehr gut, Clipping habe ich nicht beobachtet, aber der Weichen AD Wandler war halt gut ausgesteuert, eventuelles Ausgangsrauschen wurde durch die Endstufenpegeldämpfer kräftig verringert.

Ansonsten bietet die 2x4 boxed sehr viele Möglichkeiten der Optimierung, so man Optimierungsdrang verspürt. Ich hab z.B. "damals" die BR-Öffnung fest zugestopft und dann den Bassfrequenzgang aktiv entzerrt. Bei Dir gäbe es die Möglichkeit mit den Bi-Quadratischen Filtern eine Linkwitz Bassentzerrung zu machen. Eine Linkwitzentzerrung könnte übrigens auch bei der MT/HT Weiche positiven Einfluss im Übergangsbereich haben, aber dazu müsste man die Chassis Frequenzgänge ohne Filter sehen...

Aaacchhh... Ideen über Ideen... Genieß lieber erstmal Musik, wenn Du willst. :cheers:

Gruß,
Winfried

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Beitragvon NNEU » 20.04.2015, 21:51

Hallo ihr beiden,

Danke erstmal für eure fachkundigen Antworten!

Zum Thema "anfixen"; Winfried, genau dafür bin ich hier. Ich bleibe seit knapp einem Jahr nicht mehr auf einem stand in Sachen Hifi. "Anfixungen" sind also durchaus willkommen. Ich scheue keinen Arbeitsaufwand, nur zu teuer sollte es nicht werden.

Was die ganzen Messungen anbetrifft; gerne! Ich bin auf dem Gebiet jedoch absoluter Neuling und kenne erst die basics. Ich bin jedoch immer bereit dazuzulernen. Wenn du mir also in einer "Idiotenanleitung" beschreibst wie ich vorgehe, werde ich das gerne tun. :D


Hans-Martin,

du hast recht, ich habe mit einem EQ den Bass angehoben. Bei diesem Gain hatte ich erst angst dass das Chassis leicht übersteuert, tut es aber nicht. Bei dem EQ handelt es sich jedoch um einen "Standard-Bassanhebung" die den Bassabfall korrigieren soll, nicht die Raumeinflüsse.

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Du hast ebenfalls richtig erkannt dass kein Teppich im Zimmer liegt. Der Boden ist (echtholz) Parkett und gefällt mir unbedeckt am besten. Was auf dem Foto oben nicht zu sehen ist; im Zimmer steht ein 160x200cm grosses Bett mit 40cm starker Matratze. Diese reduziert meiner Erfahrung nach deutlich den Nachhall.

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Zum Thema Sicherung für den Hochtöner; könntest du mir da vielleicht ein konkretes Modell vorschlagen? Ich will wirklich nicht das Leben der Hochtöner aufs Spiel setzten. Deren Beschädigung würde mich finanziell schon ziemlich belasten.

Mit Audacity probiere ich gleich mal ein bisschen herum. Vielleicht könntest du das ja nochmal ein bisschen genauer erklären wie das geht.

Danke :cheers:
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Beitragvon Hans-Martin » 20.04.2015, 22:37

NNEU hat geschrieben:du hast recht, ich habe mit einem EQ den Bass angehoben. Bei diesem Gain hatte ich erst angst dass das Chassis leicht übersteuert, tut es aber nicht.
Bei dem EQ handelt es sich jedoch um einen "Standard-Bassanhebung" die den Bassabfall korrigieren soll, nicht die Raumeinflüsse.

Hallo Leon,

die Messung sieht erstaunlich gut aus, fast zu gut, um glaubwürdig zu sein. Außerdem zeigst du nur eine Messung, nicht 2 von beiden Kanälen. Gutes Stereo hat eine große Kanalübereinstimmung. Und da verrät das Bild einen leicht unterschiedlichen Rückwandabstand (das mag durch die Kameraperspektive verzerrt worden sein), außerdem eine sehr große Nähe der rechten Box zur Seitenwand, ohne hinreichend davon abgewandt zu sein. Hier liegt mMn noch verschenktes Potenzial verborgen.

Du hast ebenfalls richtig erkannt dass kein Teppich im Zimmer liegt. Der Boden ist (echtholz) Parkett und gefällt mir unbedeckt am besten.
Was auf dem Foto oben nicht zu sehen ist; im Zimmer steht ein 160x200cm grosses Bett mit 40cm starker Matratze. Diese reduziert meiner Erfahrung nach deutlich den Nachhall.

Zum Hören sitzt du auf dem Bett? Das erklärt, weshalb der fehlende Teppch kein Manko ist. Im Gegensatz zum Direktschall erreicht der am Boden reflektierte Schall das Ohr nicht auf dem kurzen Weg. Die in deinem ersten Beitrag angekündigte Schräge muss wohl im Rücken liegen, das Bett darunter, was die Dämpfung gleich in 2 Raumachsen deutlich erhöht. Bei 17qm hat man nicht viele Möglichkeiten, 1,60x2m unterzubringen.

Zum Thema Sicherung für den Hochtöner; könntest du mir da vielleicht ein konkretes Modell vorschlagen?

Die Spezifikation hatte ich schon genannt, was Sicherungshalter betrifft, muss man nehmen, was man kriegt.

Mit audacity probiere ich gleich mal ein bisschen herum. Vielleicht könntest du das ja nochmal ein bisschen genauer erklären wie das geht.

Man kann einstellen, das gleichzeitig gesendet wie auch aufgezeichnet wird. Ein selbst generiertes 1Hz Rechtecksignal reicht für die Zeit-Messung aus. In der Aufzeichnung erkennt man die Peaks von Hochton und Tiefton. Als Zeitpunkt-Festlegung hat sich 10% des Signalpegels bewährt, denn die Chassis sind natürlich unterschiedlich schnell im Anstieg und Abfall.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon NNEU » 20.04.2015, 22:58

Ich glaub hier liegt ein kleines Missverständnis vor..

Das Frequenzverlaufsdiagramm entstand nicht in der Aufstellung die auf dem ersten Bild gezeigt war, sondern am Hörplatz (auf dem Bett). Wieso bei "Channel", "Left" dransteht, kann ich dir nicht sagen. Gemessen wurden beide Kanäle auf einmal.

Eine separate Messung ist natürlich auch möglich und wurde auch schon durchgeführt. Ein Kanal hat zwischen 50Hz und 200Hz eine Überhöhung, der andere ein Loch. Zusammen ergibt das dann diesen ziemlich linearen Frequenzgang.

Morgen lade ich mal neue Stereo Messungen hoch.


Gibt es auch so eine art "selbstzurückstellende" Sicherung?
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Beitragvon Hans-Martin » 20.04.2015, 23:04

NNEU hat geschrieben:eine separate Messung ist natürlich auch möglich und wurde auch schon durchgeführt. ein Kanal hat zwischen 50Hz und 200Hz eine Überhöhung, der andere ein loch. zusammen ergibt das dann diesen ziemlich linearen frequenzgang.

Hallo Noel

So kann man sich auch eins in die Tasche lügen. Das Ohr, äääh, die beiden Ohren, merken solche Unterschiede und die Abbildungsschärfe wird schlechter, aber die Bühne wird breit und diffuser. Wenn im Stimmbereich die Kanäle Unterschiede aufweisen, wird die Abbildung des in der Mitte stehenden Sängers "zerrissen". Wenn das Klangbild zerfällt, weicht es mehr von dem ab, was wir im natürlichen Hören mit kleiner Kopfbewegung schärfer orten können.

Frühe seitliche Reflexionen schaffen neue Phantomschallquellen, die die mögliche Qualität der Abbildung verschlechtern. Stereo ist - zumindest für mich- nicht maximale Breite, sondern bestmögliche Fokussierung und gute Trennung der Phantomschallquellen, die umgebende Bühne mag beeindrucken, aber alles, was seitlich außerhalb der Boxenbasis geschieht, ist geprägt von Zufälligkeiten und nur in wenigen Ausnahmefällen gut reproduzierbar, z.B., wenn in der Aufnahme bereits konstruiert.

Gibt es auch so eine art "selbstzurückstellende" Sicherung ?

Ja, mit Halbleitern, Puristen ist das nicht nebenwirkungsfrei genug.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon NNEU » 20.04.2015, 23:41

Hans-Martin hat geschrieben:So kann man sich auch eins in die Tasche lügen.

Das war natürlich nicht meine Intention.

Ich will so transparent sein wie möglich.

Hier ein paar Messungen an der Hörposition (nicht entzerrt).

-- Aufbau --

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-- Weicheneinstellung --

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-- Messergebnisse --

- Links -

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- Rechts -

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Gute Nacht ! :)
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Beitragvon meroVinger-audio » 21.04.2015, 09:25

Hallo,

ich habe nicht alles durchgelesen, nur die Bassanhebung per Low-Shelf ist mir ins Auge gestochen.
Die würde ich so nicht umsetzen. Hier geht sehr viel Blindleistung in die Box.
Das DSP zeigt in der Grafik eine Anhebung von 15dB bei 10Hz. Das bringt der Box überhaupt nichts.
Da würde ich eher einen Bell/Glockefilter mit breiterem Q (ich würde grob mit 2 anfangen) einsetzen und per Messung ausprobieren wann sich hinsichtlich Box und Raum nichts mehr im Bass tut.

Ab einer bestimmten Frequenz wird es sein wie bei einer Auslöschung durch eine Raummode. Die Box bekommt zwar eine Anhebung um 12-15 dB, setzt aber davon nur noch wenig in Schalldruck um.

Spätestens hier würde ich Schluss machen.

Eine andere Möglichkeit wäre ein Hochpass bei 30 oder 40 Hertz. Die Erfahrung zeigt, dass sich damit klanglich bei solchen Membranflächen nichts mehr verändert. Wohl aber die Auslenkung der Tieftöner bei entsprechender Musik deutlich zurückgeht.

Auch kann es durchaus die räumliche Darstellung verbessern, wenn die Boxen mit ein paar Filtern einigermaßen paargleich gemacht werden.
Den Bassbereich würde ich hier nicht allzusehr bearbeiten. Wohl aber die Differenz bei 5 kHz z.B.

Viele Grüße!

Peter
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Beitragvon wgh52 » 21.04.2015, 13:21

Hallo Peter,

ich stimme Dir zu, ein einfaches Low-Shelving Filter ist hier nicht optimal.

Meiner Erfahrung nach funktioniert genau das was Du empfiehlst: Ein parametrisches Equalizer Filter (Glockenform), so hatte ich das damals gemacht, allerdings bei gestopftem BR Rohr. Aber miniDSP kann Linkwitz Kompensation ja "direkt" :wink:

Hallo Noel,

Du hast im miniDSP 2x4 die Möglichkeit das doch eher begrenzte Low Shelving Filter zu vermeiden, nämlich mit der BiQuad Filteroption ("Advanced") im miniDSP eine Linkwitzentzerrung zu programmieren, die dann das (durch Nahfeldmessung bestimmte) Hochpassverhalten des Tieftöners in der Box einbezieht; weiterhin ist die neue/gewünschte untere Grenzfrequenz der Box in Frequenz und Güte definierbar; daraus ergibt sich dann der maximale "Bass boost" (wobei dieser die Region um 10 dB nicht übersteigen sollte, das sieht man im XLS aber). Mit einem zusätzlichen Hochpass ("Subsonic") kann man dann optional auch noch arbeiten, nach Peters Rat. Mit dieser miniDSP Option habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht! Das XLS zum Berechnen der BiQuad Parameter ist hier downloadbar. Fragen dazu entweder hier oder per PN.

Gruß,
Winfried

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Beitragvon meroVinger-audio » 21.04.2015, 13:42

Hallo,

mir ist noch was eingefallen. Ich habe die Daten von dem miniDSP nicht im Kopf.. aber u.U. könnte der Hochpass NUR auf dem Tieftonzweig dann die schöne Phase der L/R-Beweichung durcheinander hauen. Das wäre dann in dem Fall zu überlegen ob es das wert ist.

Aber in der grafischen Darstellung steht sind ja zwei Bandpass-Filter abgebildet... dann könntest Du den einfach auf 30-40 Hertz hochziehen. Dann ändert sich an der bisherigen Einstellung nichts und Du hast einen Subsonic gleich noch mit dabei.

viele Grüße

Peter
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Beitragvon Hans-Martin » 21.04.2015, 15:16

Winfrieds Argument, das BR-Rohr zu stopfen ist gewiss richtig, nicht nur wegen der Schallanteile bei 800-900Hz, auch, weil die Abstimmung der Box durcheinanderkommt, wenn die passive Weiche mit ihren Innenwiderständen übersprungen wird. Daraus resultiert für das Chassis ein anderer Qe-Wert und die ursprüngliche BR- Abstimmung ist hinfällig.

Ich sehe im Wasserfalldiagramm bei 38Hz eine Raumresonanz, geschätzte Güte bei etwa 4, während ich sonst Werte >8 gewohnt bin. Das heißt, -3dB bei ca 33Hz, und hier könnte man mit dem Highpassfilter ansetzen, um das Chassis zu entlasten. Andererseits sind in Symphonieorchestern nur Orgel, Flügel und Kontrafagott unter 37Hz genannt, und wann werden solche Töne schon mal gespielt? Die Aufnahme hat meist auch schon ein Hochpassfilter durchlaufen.

Wäre die Raumresonanz ausgeprägter, hätte ich das Highpassfilter f-3 darüber gewählt oder eine kompensierende Glockenkurve, wenn wirklich ein Tiefbass gewünscht wird, den der Raum akustisch nicht mehr unterstützt.

Für mich sieht es nicht so aus, als wären Hörplatz und Boxenaufstellung bereits optimiert, aber die erwähnte Dachschräge, deren Lage wir nicht kennen, wird diesen Raum der Berechenbarkeit entziehen.

Um die Messkurven zu interpretieren, würde ich zu jedem Peak und zu jedem Dip die entsprechende Ursache suchen, indem zur Wellenlänge der jeweiligen Frequenz die geometrische Ursache im Raum gesucht und hoffentlich gefunden wird. Betonung gibt es bei halber, Auslöschung bei 1/4 Wellenlänge Abstand zur Wand, das gilt nicht nur für den jeweiligen Lautsprecher, auch für den Mikrofonstandort (der war mit der Kapsel wirklich auf Ohrhöhe?). Anhand einer solchen Analyse lassen sich oft auch die LS besser platzieren.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon NNEU » 21.04.2015, 22:42

Hallo,

Ich bin heute nicht zu wirklich viel gekommen. Das mit dem biquad habe ich probiert aber da kommt die Fehlermeldung "biquad values missing". Ich weiss schon wie man das behebt, aber das mach ich dann morgen.

Ich habe heute noch Sicherungen und Sicherungshalter bestellt dass die HT Weiche auch bald weg kann.

Danke Hans Martin :D

ich habe schon richtig verstanden dass man die Sicherung dann in Serie mit dem HT schaltet ? Macht es einen unterschied ob vor oder nach dem HT (also plus oder minus pol )?
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Beitragvon Hans-Martin » 21.04.2015, 23:15

Hallo Noel

Ob in der Plus oder Minus-Leitung sollte egal sein, was den Schutz des Hochtöners beträgt.

Wenn ich aber daran denke, dass positive Pulse vom Gehör bevorzugt aufgenommen werden, und da Elektronen negative Ladung tragen, also sich von der Masse (schwarze Klemme) zur roten Klemme des Verstärkers bewegen, lautet die Entscheidung wohl: bei dicken Zuleitungen gehört die Sicherung in die Verbindung zwischen Verstärker-Masse Ausgang "schwarz" (alias minus) und das Kabel (schwarz, minus). Diese Antwort mag viele überraschen, aber eine detaillierte Begründung ist einen eigenen Thread wert, den ich noch in diesem Jahr starten werde (falls mir niemand zuvorkommt).

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon NNEU » 22.04.2015, 20:43

Hallo alle zusammen,

Ich habe heute mal ein Paar Messungen im Nahfeld gemacht (richtig hoffe ich :roll: ).

Zuerst jedes Chassis einzeln, dann zusammen.

Hier der Aufbau :

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Die EQs:

Tieftöner:
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Hochtöner:
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Die Messergebnisse :

Tieftöner:
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Hochtöner:
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Gesamt:
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