Abacus 60-120D Endstufe als DIY Baukasten

Lautsprecherbau und -tuning

Abacus 60-120D Endstufe als DIY Baukasten

Beitragvon LordHelmchen » 30.08.2014, 13:46

Hallo zusammen,

zum Test mit meiner Manger 103/3 hat Hr. Sonder von ABACUS electronics mir zwei von seinen neuen Prototypen 60-120D zur Verfügung gestellt, die ab Herbst diesen Jahres für 990,00 EUR pro Stück angeboten werden.

Hier ein Link zur vorläufigen Produktseite: http://www.abacus-electronics.de/142-0- ... lifet.html

An Stelle der sonst eingesetzten bipolaren Leistungstransistoren werden jetzt MOSFETs eingesetzt, die für einen noch druckvolleren Bass und transparentere Höhen sorgen sollen.

Von vorne wird er ähnlich aussehen wie ein 60-120C

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Der Blick auf die Rückseite ist da schon interessanter:

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Der erste ABACUS Verstärker neben dem Ampollo mit Ein- Ausschaltautomatik und XLR Eingängen.

Das Gehäuse der Seriengeräte wird nicht nur wegen des neuen Kühlkörper mit angefasten Ecken aufgewertet, bleibt aber ABACUS electronics typisch.

Die letzten Tage habe ich also damit verbracht, die Manger 103/3 „ganz normal“ mit einem Opera Consonance Linear a100, mit den altbekannten ABACUS Endstufen 60-120C in der Powered Edition und mit dem neuen Prototypen 60-120D anzutreiben. Das war wirklich spannend und hat einfach einen Riesenspaß gemacht. ;-)

Kurz zum Testaufbau
Gigawatt PC2 als Stromversorgung
Goldnote CD-7 MK II als CD Player
SP/DIF an den Goldnote DAC 7
und von da an die jeweiligen Endstufen:
1*Opera Consonance Linear a100 für 1.698 EUR
2*ABACUS electronics 60-120C PE zu je 790 EUR
2*ABACUS electronics 60-120D zu je 990 EUR

Opera Consonance Linear a100
für den Anfang nicht schlecht aber eine Traumkombination ist das nicht. Der Bass war entweder etwas schwach auf der Brust oder einfach zu breiig, was sich auf die räumliche Abbildung übertragen hat. Die Klangbühne war relativ schmal und zugespitzt. Die Stimmen waren leicht scharf und aggressiv.

60-120C
Der Wechsel zum Bi Amping Modus mit zwei ABACUS electronics 60-120C brachte deutliche Besserung. Nicht nur wegen der jetzt volleren und kontrollierten Bässe. Die Klangbühne wurde deutlich voluminöser. Es kam richtig Spaß auf, die ein oder andere CD noch mal zu hören. Kaum zu glauben, aber das war die preiswerteste Kombination und schlägt den 100 EUR teureren Opera Consonance doch recht deutlich.

60-120D
Beim Wechsel auf die zwei 60-120D (wieder im Bi Amping Modus) war meine Erwartungshaltung nicht mehr ganz so groß. Einmal klang die Manger ja seit dem Einsatz der beiden 60-120C schon richtig gut und wirklich vermisst habe ich eigentlich auch nichts. Neue MOSFETs und XLR Eingänge hin oder her: es ist und bleibt eine ABACUS Schaltung. Was soll man auch bei einem Aufpreis von rund 200 EUR pro Verstärker groß erwarten? Aber auch beim Wechsel auf die 60-120D war der Unterschied deutlich hörbar. Das Klangbild bekommt noch mal mehr Volumen, besonders Stimmen und Streichinstrumenten verlieh der neue Verstärker ein Stück mehr Atmosphäre. Außerdem waren für mich einige Details im Klangbild einfacher wahrzunehmen. Zuhören macht doch noch mal mehr Spaß. Der Aufpreis lohnt sich also alle male, ich habe schon mehr Geld für wesentlich weniger Klangfortschritt bezahlt, von den XLR Eingängen mal ganz abgesehen ...

60-120D Aufbau
Jetzt mal ein Blick ins Innere:

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Links neben dem zentralen Ringkerntrafo sind die zwei getrennten Netzteile für die Signalverarbeitung und die Steuerung angeordnet. Die Mikrocontrollersteuerung übernimmt die Ein- Ausschaltautomatik, die Temperatursicherung für Endstufen und Trafo sowie den Schutz der Endstufen vor Überlastung, ein Festkörperrelais im Netzteil sorgt für ein geräuschloses Ein- und Ausschalten.

Die interessanteste Neuerung (und nebenbei bemerkt der Grund weswegen ich den Beitrag im Unterforum "aktives Bauhaus" schreibe) ist die kleine, unscheinbare Platine oben rechts:

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Unterstützung für analoge Frequenzweichenfilter und Pegelanpassungen
In die vier waagerechten Sockel kann man jeweils für den rechten und linken Kanal zwei Frequenzfiltermodule einsetzen. Auf den rechten beiden senkrechten Sockeln kann man Module für eine analoge Pegelangleichung der beiden Kanäle einsetzen. Im Falle meiner geplanten Manger Aktivierung sehen die Module so aus:

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Damit kann man dann z.B. über den linken Ausgangskanal die Bass Chassis und über den rechten Ausgangskanal den Manger Schallwandler antreiben. So sieht dann die bestückte Modulplatine aus:

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Die Module werden je nach Kundenwunsch von ABACUS bestückt und ermöglichen mit rund 17 EUR für ein Filtermodul und 15 EUR für ein Widerstandsmodul eine preiswerte, aber dennoch passgenaue Unterstützung von Lautsprecheraktivierungen oder anderen DIY Projekten. Wenn auch etwas komplizierter zu berechnen, können solche Module auch für die ABACUS typische Bassentzerrung oder als Allpass zur Verzögerung genutzt werden.

DSP Erweiterungsboard
Optional für 150 EUR kann ein DSP Board eingesetzt werden, das so ähnlich sehr erfolgreich nicht nur in der A-Box Elektronik, sondern auch bei vielen Lautsprecheraktivierungen eingesetzt wird:

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Für die Programmierung des DSPs benötigt man für ca. 80 Dollar das Evaluation Board von Analog Devices, das auf Wunsch auch direkt bei ABACUS erhältlich ist:

http://www.analog.com/en/evaluation/EVA ... BZ/eb.html

Die zugehörige Windows Software Sigma Studio bekommt man dann als kostenlosen Download.

ABACUS liefert mit dem DSP Board eine Basissoftware, auf der man mit seinen eigenen Signalverarbeitungen aufbauen kann.

Schöner Nebeneffekt:
die Grundsatzdiskussion um das Thema Auflösungsverlust bei digitaler Lautstärkeregelung geht komplett am 60-120D vorbei, weil sie rein analog vor dem DSP erfolgt.

Hier hat ABACUS wirklich an alles gedacht:
Man kann nicht nur die DSP Boards von zwei 60-120D mittels Flachbandkabel verbinden, um „on the fly“ seine DSP Programme zur zwei Wege Aktivierung zu testen. Zum guten Schluss kann man das erstellte Programm auch noch auf die EEPROMs brennen, damit es beim nächsten Einschalten automatisch geladen wird.

Anhänger der rein analogen Signalverarbeitung können die mit dem DSP Board ermittelten Filter dann mit den entsprechend berechneten analogen Modulen implementieren.

Hier noch ein Bild mit den beiden verbundenen DSP-Boards inkl. dem Evaluation Board von Analog Devices:

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Die nächsten Tage geht es dann mal an die Aktivierung der 103/3 da bin ich echt gespannt ...
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LordHelmchen
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Beitragvon Raumantwort » 30.08.2014, 16:34

Hi Markus,

also mir ist der Abacus Laden echt sympatisch:

LordHelmchen hat geschrieben:Die Module werden je nach Kundenwunsch von ABACUS bestückt und ermöglichen mit rund 17 EUR für ein Filtermodul und 15 EUR für ein Widerstandsmodul eine preiswerte, aber dennoch passgenaue Unterstützung von Lautsprecheraktivierungen oder anderen DIY Projekten.

Ist doch irre, für das Geld ein individualisiertes Produkt in D fertigen zu können, und das auch noch im HiFi Segment.

Bei mir werkeln ja schon die ersten 2x 60-120C vor sich hin, aber ich könnte wegen der XLR Eingänge schon schwach werden... Damit bekommt man die Endstufen recht einfach näher an die Box ohne mit langen unsymetrischen Verbindungen anderso Kompromisse eingehen zu müssen.

schöne Grüße
Andreas
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Beitragvon Zwodoppelvier » 30.08.2014, 18:03

Hallo Markus,

ich schaue zwar regelmäßig auf der Abacus-Seite vorbei, freue mich aber dennoch über Deine ausführliche Darstellung der neuesten Revision.
In den letzten Jahren habe ich mit 2-3 Varianten der 60-120 zu tun gehabt, die jeweils zuverlässig und im positiven Sinn (klanglich) unauffällig ihren Dienst verrichtet haben. Bei der letzten Begegnung konnte ich die "-C PE" an großen Klipsch Standboxen genießen, die sie äußerst spielfreudig befeuerte und dabei absolut cool blieb.

Die Möglichkeit, nunmehr so einfach eine Aktivweiche implementieren zu können, hätte ich mir damals gewünscht, als ich die Zerobox 109 im Bass aktiviert hatte. Dank der guten Platzverhältnisse ließ sich das immerhin "zu Fuß" (auf Lochrasterplatte) lösen...

Was mir btw. noch auffällt, ist eine Temperaturüberwachung des Kühlkörpers - und eine etwas stimmigere Gestaltung der Front: die beiden Knöpfe liegen nun auf gleicher Höhe, die Frontplatte ist an den Ecken handfreundlich gerundet...Gefällt! :cheers:

Viele Grüße
Eberhard
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Beitragvon LordHelmchen » 15.10.2014, 15:42

endlich...

...bin ich dazu gekommen meine zwei Seriengeräte des 60-120D auszupacken, aufzuschrauben und mit den Prototypen zu vergleichen.

Die Seriengeräte haben schon wertigere Gehäuse als die bisherigen Modelle, der deutlich verkleinerte jetzt eher dezent wirkende ABACUS Schriftzug und die fehlende Typenbezeichnung tragen ihren Teil zum positiven Gesamteindruck bei:

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Von hinten erkennt man sofort die neuen Kühlkörper mit den schön angefasten Ecken und Kanten. Die Packung mit den Pflastern kann also getrost in der Schublade bleiben. Auch die Beschriftung ist 1a gelungen, so kann man auch von oben beim Umkabeln alles gut lesen. Ich glaube beim Prototypen ist mir gar nicht aufgefallen, das der Schwellwert für die Ein- Ausschaltautomatik regelbar ist. Feine Sache...
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Im Inneren ist nichts Neues zu erkennen:

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Wer die analogen Filtermodule bestellt, bekommt ein Messprotokoll mitgeliefert:

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Nachdem das Studio wieder eingeräumt und der ganze Messestress vorbei ist, habe ich mir eine Belohnung verordnet: jetzt wird erst mal in Ruhe Musik gehört... aber diesmal ganz ohne den kleinen, schwarzen optimierungssüchtigen Teufel als Spielverderber im Ohr. :roll:

HTPC mit JRiver, Acourate, Goldnote DAC-7 (der klingt besser als die RME Soundkarte, scheint aber hier im Forum eher ein Exot zu sein), XLR Linecleaner mit zwei 10-120D im BiAmp auf die beiden Manger 103/3. :cheers:
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Beitragvon micheli » 20.10.2014, 16:59

Hallo Zusammen
Gibt es denn einen workaround um mit 3 dieser endstufen 2 Dreiwegeboxen zu aktivieren?
Mit DSP oder Analogweiche? Oder ist das nur theoretisch möglich und ein Gebastel?

Grüsse

Michael
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Beitragvon LordHelmchen » 20.10.2014, 21:27

Hallo Michael,

um eine drei Wege Box zu aktivieren brauchst Du drei 120Ds bevorzugt mit DSP Board und y-Kabel.

Verstärker1: Rechte Box Tiefton+rechte Box Mittelton (Biamp-Betrieb)
Verstärker2: Linke Box Tiefton+linke Box Mittelton (Biamp-Betrieb)
Verstärker3: Rechte Box Hochton+linke Box Hochton (Stereo-Betrieb)

Die Verbindung erfolgt jeweils mit Y-Kabeln.
Die beiden TT-MT-Verstärker bekommen das selbe DSP Programm,
der HT-Verstärker natürlich ein anderes.

Das ist nicht nur praktisch möglich sondern genau so vorgesehen :wink:

Um welche 3Wege Box würde es denn gehen?

Viele Grüße

Markus
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Beitragvon micheli » 21.10.2014, 23:23

Um welche 3Wege Box würde es denn gehen?

eine diy lautsprecher mit bg neo 10 und bg neo 3 als dipol
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Beitragvon aasgard77 » 22.10.2014, 13:52

Wie die hier etwa?
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Beitragvon micheli » 23.10.2014, 09:17

Moin

Nene - ich kenne den Thread - leider endet er ohne Grande Finale. Ich habe eine proraum pro 20d gebraucht gekauft. Diese konnte ich einmal entzerrt bei mir hören und weiß dass noch etwas Luft nach oben ist. Gerade der erwähnte Thread bringt mich davon ab die Verstärker selbst zu basteln. Zusammenstecken nach Bauplan - ja - Fehlersuche wegen Brummen - nein. Die Abacus Endstufen scheinen da ein guter pick zu sein, die im Vergleich mit den Mitberwerben (Endstufen mit dsp) noch die Vorteile: Abacus verstärkerschaltung, manuelle Weiche möglich haben, etc.
Deswegen hab ich gefragt ...
Grüsse
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Beitragvon LordHelmchen » 06.01.2015, 23:58

Eine Woche im neuen Jahr ist noch nicht ganz um,
daher an Stelle eines Hallo noch ein frohes neues Jahr :cheers:

Wer außerhalb des Forums etwas über ABACUS, speziell dem 60-120D lesen möchte,
wird hier fündig: http://www.fairaudio.de/test/endstufe/2 ... est-1.html

Ein gut gemachter und informativer Bericht. Man liest ja selten genug etwas über ABACUS. Um so besser, wenn sich das Lesen dann lohnt und dazu noch Spaß macht. Vielleicht bestelle ich mir die ein oder andere der beschriebenen CDs aus der Klangbeschreibung doch mal...

Interessant finde ich den Vergleich mit dem hauseigenen Flaggschiff Ampollo und dem Jawil Audio Asgard.

Prima, dass der Autor für die technischen Details der ABACUS Verstärkerschaltung auf die -umfangreich vorhandenen- Infos der ABACUS Homepage verweist und sich lieber ausführlich mit der Beschreibung der klanglichen Eigenschaften auseinander setzt.

Schade, dass die DIY Fähigkeiten mit dem DSP Board und den Filtermodulen etwas knapp beschrieben sind, aber das ist ja eher etwas für Leute die gerne selbst Hand anlegen und für die gibt es ja unser Forum :cheers:

Viele Grüße aus Mönchengladbach

Markus
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