Anfängerfrage an die Boxenkabel-Löter (XLR 3 auf 4-Pol)

Lautsprecherbau und -tuning

Anfängerfrage an die Boxenkabel-Löter (XLR 3 auf 4-Pol)

Beitragvon martino » 19.12.2018, 00:32

Liebes Forum,

mein Bruder braucht Kabel, um den symmetrischen 3-Pol-XLR-Ausgang seines Abacus Aroio SU Vorverstärkers mit den symmetrischen 4-Pol-XLR-Eingängen der BM10 V-Fet zu verbinden. Ich würde ihm gerne dabei helfen (mit bisher kaum vorhandener Löt-Erfahrung, aber das lässt sich ja sicher lernen) - brauche dafür aber Euren Rat:

Ich könnte z.B. bei Thomann dieses Cordial CTL 5 FM Lautsprecherkabel umarbeiten, indem ich vorverstärkerseitig den "female" Stecker belasse, und boxenseitig den "male" Stecker durch einen 4-Pol "female" ersetze (z.B. Neutrik NC4 FRX) und den Pol 4 dort einfach unbelegt lasse (eigentlich gedacht für die Schaltspannung, aber die Einschaltautomatik der BM10 funktioniert super und reicht eigentlich völlig aus). Kostet zusammen rund 62 EUR, und ich hätte zwei für mich nutzlose "male" 3-Pol-XLR-Stecker übrig.

Jetzt habe ich aber noch ungenutztes Kabel übrig, das mir ein freundlicher Händler mal für den bei ihm erstandenen Sector VV (4-Pol-XLR Ausgänge mit Schaltspannung auf Pol 4), im Zusammenspiel mit den damaligen Hauptlautsprechern (BM8 mit asymmetrischem 4-Pol-XLR-Eingang, Schaltspannung auf Pol 4), konfektioniert hatte - nämlich...

martino hat geschrieben:Zweimal 5m dreiadrig geschirmtes Kabel mit Neutrik 4-Pol XLR-Steckern, boxenseitig gewinkelt, die Schaltspannung auf Pol 4...

Händler hat geschrieben:Natürlich fertige ich Ihnen ein symmetrisches Kabel an, verschalte aber in Ihrem Fall die Anschlüsse etwas anders, da Ihre BM 8 asymmetrisch sind. Im Falle des Wechsels zu symmetrischen Eingängen am Lautsprecher müßte das Kabel nur umgearbeitet werden.


Das ganze sieht in Bildern folgendermaßen aus...

Boxenseitig (Winkelstecker) sollte vermutlich alles bleiben wie es ist? Oder muss das für symmetrisch anders?
Bild
Bild

Verstärkerseitig müsste man dann einen "female" 3-Pol-XLR-Stecker (z.B. Neutrik NC3 FX Kabelbuchse) statt dem vorhandenen 4-Pol einbauen. Wie wäre denn dann die Pin-Belegung? Was macht man am besten mit dem Schaltspannungs-Kabel? Einfach abkleben/isolieren/stillegen? Oder irgendwie seitlich ausführen und in die mir noch unbekannten grünen 5V Schaltspannungsbuchsen stöpseln? Brauchen die wohl einen speziellen Stecker (in der Abacus Anleitung steht dazu nichts)? Sind 5V Schaltspannung überhaupt genug für die Backes&Müller V-Fets?
Bild


Was würdet Ihr an meiner Stelle machen? Ich tendiere zum Umarbeiten und Weiterverwenden des bestehenden Kabels - mit ca. 12 EUR Materialkosten und etwas "Lötspaß" (man wird sehen wie das klappt - bei Problemen frag ich dann halt wieder den Händler, aber zumindest probiert haben sollte man ja). Wenn mir einer der Spezialisten die Belegung der Pins mit den jeweiligen farbigen Leitern bzw. Schirmung an den beiden Steckern (3-Pol verstärkerseitig, optional mit ausgeführtem Schaltspannungskabel; 4-Pol boxenseitig) bei symmetrischer Beschaltung auflisten könnte, wäre das eine große Hilfe.

Hier noch das Anfängerwerkzeug, mit dem ich mich in den Weihnachtstagen an die Arbeit machen würde. Oder brauche ich damit garicht erst anzufangen?
Bild

Viele Grüße aus Neukölle, Martin
Bild
martino
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 435
Registriert: 31.01.2010, 22:50
Wohnort: Berlin

Beitragvon Hans-Martin » 19.12.2018, 01:46

martino hat geschrieben:Oder brauche ich damit garicht erst anzufangen?
Bild
Hallo Martin,
mit solchem "Werkzeug" bist du auf dem besten Wege, ein gutes Ergebnis zu verhindern.
Beschaff dir einen temperaturgeregelten Lötkolben mit langlebiger Lötspitze (gibt es schon für unter 30€), dazu ein gutes Radiolot mit Flussmittelseele, dann kannst du ordentliches Löten auch schnell lernen.
Mit dem im Bild gezeigten Schrott kannst du nach dem zweiten Einheizen nur verzweifeln, weil die Korrosion zwischen Lötspitze und Heizpatrone den entscheidenden Wärmeübergang schon verschlechtert, nach 3 Benutzungen ist die Schraube oft schon nicht mehr bewegbar... Wenn das Lötzinn auf der Lötspitze Perlen bildet ist das ein weiteres Indiz für den Holzweg.
Immerhin kann man mit sowas noch Muster in Holzoberflächen brennen, das hat doch auch was :mrgreen:
Grüße
Hans-Martin
Bild
Hans-Martin
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 6071
Registriert: 14.06.2009, 15:45

Beitragvon martino » 19.12.2018, 01:56

Danke für die ehrliche Einschätzung, Hans-Martin.
Bild
martino
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 435
Registriert: 31.01.2010, 22:50
Wohnort: Berlin

Beitragvon Fujak » 19.12.2018, 08:13

Hallo Martin,

ich würde das nicht ganz so radikal sehen. Klar mit einem temperaturgeregelten Kolben und guter Dauerlötspitze ist es einfacher. Aber ich habe mit genau diesem "Schrott" das Löten vor 40 Jahren gelernt - das ist schwerer, aber man bekommt auch damit saubere Ergebnisse zustande.
Bei Deinem Kolben sollte nur die Lötspitze gut verzinnt werden - die bereits montierte ggf. zunächst polieren, da sie erkennbar ohne Erst-Verzinnung bereits in Betrieb war. Lediglich beim Lötzinn stimme ich Hans-Martin zu: Es sollte eines sein mit Flussmittelseele (z.B. von Stannol, für HighEnd eher von Cardas). Nur so lässt sich auch eine Spitze sauber verzinnen. Das Lötfett würde ich gleich entsorgen. Das macht alles eher schlimmer als besser. Für 1-10 Lötstellen pro Jahr reicht das - zumal es sich hier nicht um Feinelektronik handelt.

Grüße
Fujak

P.S.: Bei den Anschlussfragen kann ich Dir mangels Erfahrung leider nicht weiterhelfen. Aber wir haben ja genügend Experten an Bord, die diese 4-poligen XLR in Betrieb haben.
Bild
Fujak
Administrator
 
Beiträge: 6081
Registriert: 05.05.2009, 21:00
Wohnort: Bayern

Beitragvon wgh52 » 19.12.2018, 11:47

Hallo Martin,

martino hat geschrieben:...mein Bruder braucht Kabel, um den symmetrischen 3-Pol-XLR-Ausgang seines Abacus Aroio SU Vorverstärkers mit den symmetrischen 4-Pol-XLR-Eingängen der BM10 V-Fet zu verbinden...
Die Frage nach der Pin Belegung wurde zwar nicht explizit gestelltm aber weil's zum Thema passt poste ich ein Bild dazu:

Bild

Grüße,
Winfried

PS: Die Empfehlung eine ordentliche Lötstation zu nutzen unterstütze ich aus Erfahrung.

4630
Bild
wgh52
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 4681
Registriert: 25.01.2008, 16:17
Wohnort: Schweitenkirchen

Beitragvon Hans-Martin » 19.12.2018, 12:14

Hallo Martin, Fujak,
als bekennender Kaffeesatzleser weise ich auf die im Bild des Lötkolbens (Favorit 2000) auf die für mich ausschlaggebend gewesenen Details hin:
Das Preisschild habe ich zuletzt gesehen, demnach 57,95 (gewiss noch DM, also liegt der Kauf mindestens 16 Jahre zurück). Das Lötfett Amasan ("...san" von latein: gesund...) hat heute auf dem Deckel Sicherheitshinweise wie: ätzend, von Kindern fernhalten, bei Berührung mit der Haut sofort mit Wasser abspülen, enthält Zinkchlorid...
Dass der Lötkolben schon oft zum Einsatz kam, lässt sich an den äußerlichen Verfärbungen des Bereichs um die Heizpatrone erkennen(vordere 4 cm), in die die Lötspitze geschraubt ist.
Die bleistiftförmige Lötspitze ist im Durchmesser erkennbar kleiner als die Aufnahme der Heizpatrone, auf der einen Seite drückt die Schraube die Spitze gegen die 30 Watt Heizpatrone, aus der sichtlichen Exzentrizität der Spitze lässt sich schließen, dass hier nur ein periphärer Kontakt zustandekommt, daneben überwiegend Luftspalt. Guter Wärmefluss ist bei geringem Kontakt nicht gewährleistet, kühlt die Spitze durch das kalte Lötgut ab, kommt dort nicht genug Temperatur zustande.
Die Kupferlötspitzen in der Verpackung sind teilweise unbenutzt, wie der silbrige Oberflächenschutz zeigt, die montierte Bleistiftspitze ist schwarzgebrannt, im Spitzenbereich ist von Verzinnung nicht viel zu sehen. Der Salmiakstein scheint noch unberührt zu sein (er dient zur Reinigung der Lötspitze bei hoher Temperatur, aber ich spekuliere, dass diese nicht mehr erreichbar ist).
Wenn die Schraube sich nicht mehr ohne Beschädigung lösen und wieder einschrauben lässt, kann man die Spitzen nicht mehr tauschen.
Ich war froh, als ich einen Ersa Tip 30 mit Dauerlötspitze bekam, und als ein WellerWTCP in mein Leben trat, wollte ich auf einen temperaturgeregelten leistungsstärkeren Lötkolben nicht mehr verzichten. Heute benutze ich eine nichtmagnetische Fernost-Lötstation mit Temperaturanzeige (Soll/Ist, digital).
Die kostet nicht viel mehr als 4 gute XLR-Stecker

Den Begriff "radikal" würde ich in Verbindung mit der Steigerungsmöglichkeit verwenden.

Zu den BM Steckern lässt sich vereinfachend sagen, dass die Pins meist nummeriert sind, und da wir solche Diskussionen über die 3-pol zu 4-pol Verbindung hier schon öfter hatten, blieb mir im Gedächtnis, dass 1-1, 2-2, 3-3 verbunden werden und 4 unbelegt bleibt.

Bild
zeigt bei der Kupplung das blaue Kabel auf 1 mit Schirm, rot auf 2, hingegen ist Pin3 unbelegt (da war blau vorher drauf) und grün auf 4, so würde ich das für den Vorverstärkerausgang mit Fernsteuerung erwarten.
Bild
zeigt doch den boxenseitigen Stecker, oder?
Was mich wundert, ist die spiegelbildlich vertauschte Anordnung (grün auf 1, rot auf 3, blau auf 4), wer das wohl gelötet hat??
Das passt so nicht zusammen...
Grüße
Hans-Martin
bekennender Kaffeesatzleser :wink:

P.S.: Van den Hul hat einst zum Löten seiner versilberten Kabel empfohlen, die saubere Lötspitze über einen Silberlöffel zu reiben, um sie mit Silber anzureichern. Lötzinn mit Silberanteil wäre natürlich besser, aber der Bedarf für Reinheit im Lötbereich ist damit nicht hinfällig.
Nun ist es gelungen, eine gewisse Sensibilität für Kabelfragen in dieses Forum zu bringen, man lässt erstklassige Markenprodukte beim Tuningmeister gertifizieren, um noch ein Quäntchen mehr herauszuholen.
Schließlich schlägt die eingesetzte Sorgfalt sich im Ergebnis nieder.
Da passt schlechtes Werkzeug gar nicht, und man muss auch noch über elementare Zusammenhänge nachdenken, wie Stecker und Kupplung richtig verbunden werden :wink:
Bild
Hans-Martin
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 6071
Registriert: 14.06.2009, 15:45

Beitragvon Fortepianus » 19.12.2018, 14:19

Hallo Hans-Martin,

Hans-Martin hat geschrieben:zeigt doch den boxenseitigen Stecker, oder?Was mich wundert, ist die spiegelbildlich vertauschte Anordnung (grün auf 1, rot auf 3, blau auf 4), wer das wohl gelötet hat??Das passt so nicht zusammen...GrüßeHans-Martinbekennender Kaffeesatzleser

gut aufgepasst, aber ein Detail dabei unbeachtet gelassen: Die alten BM haben kurioserweise eine männliche XLR-Buchse als Eingang, entgegen der Konvention. Deshalb ist der 4pol. XLR-Stecker an der Box weiblich. Das erklärt die umgekehrte Reihenfolge.

Hallo Martin,

ansonsten (wie immer) genau richtig, was Hans-Martin schreibt, 1 ist Masse, 2 Signal+ und 3 Signal- an beiden Kupplungen. 4 am 4pol. XLR ist für die Schaltspannung. Ich denke, 5V reichen aus. Da ist ein MOSFET im Schalteingang (VN10KM), der ab 2,5V am Gate durchschaltet.

Wenn Du die 5V Schaltspannung aus dem Vorverstärker nutzen möchtest, würde ich so vorgehen:

Rot für Signal+, Blau für Signal-, grün für die Schaltspannung. Und dann Pin1 mit dem Gehäusepin verbinden und dort den Schirm auflegen. So gewinnst Du eine Ader, denn Du brauchst vier, und Pin1 mit Schirm verbinden ist eh meist genau richtig, weil dann sowohl der Vorverstärker wie die Box direkt am Stecker geerdet wird und Störungen, die der Kabelschirm einfängt, auf Erde abgeleitet werden. Zudem werden so die Gerätegehäuse niederohmig verbunden.

Am 4pol. female XLR sehe ich allerdings keinen Gehäusekontakt - oder ist der unter dem gelben Isolierband bei "blau" versteckt? Du müsstest den Schirm unter dem Schrumpfschlauch kontaktieren (vorsichtig mit Cutter aufschneiden und anlöten) und vom Schirm auf Pin 1 mit einem kurzen Käbelchen gehen, am besten auch gleich zum Gehäusekontakt, falls vorhanden. Rot bleibt auf Pin 2, grün auf Pin 4, und blau müsste rüber auf den jetzt unbelegten Pin 3. Dann ist die Boxenseite fertig.

Am 3pol. female XLR für den Vorverstärker ist rot auf Pin3, das war schon immer falsch verdrahtet an diesem Stecker, was eine Invertierung des Signals zur Folge hatte. Gespielt hat es natürlich trotzdem. Hier also den Schirm lassen, wie er ist, blau auf die Drei, das ist da, wo jetzt rot ist, und rot nach links auf die Zwei, dort, wo jetzt grün ist. Grün mit einem Käbelchen verlängern (Lötstelle anschließend isolieren, am bestem mit kleinem Schrumpfschlauch, zur Not mit Isolierband) und nach außen führen. Das geht dann an die 5V-Buchse. Masse musst Du für diesen Stecker wahrscheinlich nicht mitführen, weil intern höchstwahrscheinlich die Signalmasse und die Masse des 5V-Schaltsignals verbunden sind. Spekulation: Schaltbuchse ist eine 3,5mm Klinkenbuchse (das nehme zumindest ich immer gerne dafür), und Du musst grün mit der Spitze des 3,5mm-Klinkensteckers verbinden, dort ist in den allermeisten Fällen bei Schaltbuchsen Plus. Im Zweifel musst Du Hanno von Abacus fragen. Ich würde das aber einfach mal so probieren. Wenn falsch, schaltet die Box halt nicht ein.

Viele Erfolg und viele Grüße
Gert
Bild
Fortepianus
Aktiver Hersteller
 
Beiträge: 3732
Registriert: 17.12.2008, 13:41
Wohnort: Stuttgart

Beitragvon martino » 19.12.2018, 18:41

Vielen Dank Fujak, Gert, Wilfried, und Hans-Martin! Das hilft erheblich weiter.

Hanno Sonder hat auch schon wie immer vorbildlich schnell geantwortet, und die Schaltspannungs-Buchse am Aroio SU folgendermaßen erklärt:

Hanno Sonder hat geschrieben:es handelt sich dabei um dieses System: https://wittko.eu/table-ptr-serie-akz95 ... iftleisten

Dort ist ein Stecker mit 2 Pins fest im Gerät und eine Art Lüsterklemme wird dort hineingesteckt. Die ist beim Gerät dabei. So kann man mit offenen Kabelenden einfach selbst ein Kabel konfektionieren und dann einfach hineinstecken.


Martin
Bild
martino
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 435
Registriert: 31.01.2010, 22:50
Wohnort: Berlin

Beitragvon Fortepianus » 19.12.2018, 21:44

Hallo Martin,

martino hat geschrieben:Hanno Sonder hat auch schon wie immer vorbildlich schnell geantwortet, und die Schaltspannungs-Buchse am Aroio SU folgendermaßen erklärt:

Hanno Sonder hat geschrieben:es handelt sich dabei um dieses System: https://wittko.eu/table-ptr-serie-akz95 ... iftleisten

Dort ist ein Stecker mit 2 Pins fest im Gerät und eine Art Lüsterklemme wird dort hineingesteckt. Die ist beim Gerät dabei. So kann man mit offenen Kabelenden einfach selbst ein Kabel konfektionieren und dann einfach hineinstecken.

na perfekt, grünes Kabel in den Kontakt mit 5V und fertig.

Viele Grüße
Gert
Bild
Fortepianus
Aktiver Hersteller
 
Beiträge: 3732
Registriert: 17.12.2008, 13:41
Wohnort: Stuttgart


Zurück zu Aktives Bauhaus

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast