Empfehlung Lötzinn

Lautsprecherbau und -tuning

Empfehlung Lötzinn

Beitragvon cantusfirmus » 14.10.2018, 16:23

Werte Forenten,

nachdem mein altes Lötzinn aufgebraucht ist, wollte ich Euch nach euren Empfehlungen fragen. Wichtig ist wohl, dass Flussmittel mit dabei ist. Aber mit Silber oder nicht? Bleifrei wäre mir lieber, aber ist das wirklich die "bessere" Option? Und der Querschnitt? 1mm? 0,8 mm, oder 0,5 mm?

Eine Lötstation habe ich nicht, ein einfacher 30 Watt Ersa-Lötkolben erfüllt mir treue Dienste. SMD löte ich auch nicht, aber an Netzteile traue ich mich, einfache Platinen etc. und auch Kabel wollen konfektioniert werde.

Danke Euch und Grüße!
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Beitragvon Hans-Martin » 14.10.2018, 16:56

Hallo Horst,
wenn du die Frage nach dem Lötzinn im Detail stellst, frage ich mich, warum du an dem alten 30W Ersa festhältst.
Gutes Löten verlangt nach der richtigen Temperatur und einer guten Wärmekapazität im Bereich der Lötspitze, damit die Temperatur nicht allzuschnell abfällt, wenn das Lötgut berührt wird.
Deshalb wäre ein temperaturgeregelter 50-70Watt Lötkolben mit Dauerlötspitze* meine wärmste Empfehlung (*da bist du von dem Ersadur sicher verwöhnt - in Abgrenzung zu dem Kupfernagel, der von einer Seitenschraube gegen die Heizpatrone gedrückt wird, sowas findet man in Billigangeboten auch mit Regelung, Finger weg von sowas - beim 3. Einsatz geht das oft schon nicht mehr).

Ich benutze seit 30 Jahren WBT Silberlot, da gibt es auch die Bleifrei-Version, den RoHS-Vorschriften entsprechend. Ich habe beides, das bleifreie braucht eine höhere Löttemperatur und dein 30W Ersa könnte da schon etwas ungewohnt reagieren.
Eine gute Lötstelle ist auch eine Frage der Erfahrung und des Fingespitzengefühls, den richtigen Moment abzupassen, wann der Lötkolben die Szene am besten verlässt. Da "schießt" man sich auf eine Sorte ein, was erklärt, dass ich das "alte" 1,2mm WBT 840 Silberlot bevorzugt einsetze. Für SMD-Arbeiten ist das dünnere 0,8mm besser, aber da bleibt die Bratpfanne im Schrank und die Lötnadel muss her.

Beim Löten muss man beide zu verbindenden Teile erhitzen und lässt dann das Lot darüberfließen, da finde ich die 1,2mm Variante immer wieder besser, weil die Zuführung schnell genug geschehen kann - schließlich ist beim Anschmelzen das Lot mit dem niedrigen Schmelzpunkt imstande, einen schnelleren Wärmekontakt zur Lötspitze aufzubauen, somit auch zum Lötgut zu vermitteln, darüber auch das Lötgut mit dem Flussmittel zu desoxidieren und für die Legierung aufzubereiten.

Wenn man mit einem stumpfen Messer arbeitet, schneidet man sich eher, mit einem schwachen Lötkolben gibt es Parallelen.
Für 60 Euro kann man ordentliche Lötstationen bekommen, die Rolle WBT Silberlot ist teurer...
Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon marathon2 » 14.10.2018, 17:26

Hallo,

wenn ich mich da mal anhängen darf.
Gibt es eine gute Beschreibung (im Internet ?) mit der auch ein Anfänger die richtige Vorgehensweise beim Löten von Kabeln erlernen kann ?

Grüße
Dietmar
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Beitragvon cantusfirmus » 14.10.2018, 17:57

Danke Hans-Martin,

wenn du die Frage nach dem Lötzinn im Detail stellst, frage ich mich, warum du an dem alten 30W Ersa festhältst.


Ach, ich halte am Ersa gar nicht fest, nur hat er mir bis jetzt gereicht. Und die Frage nach dem Lötzinn stelle ich, weil ich ohne Lötzinn nicht löten kann, mit dem 30W Kolben aber schon.

Aber Spass beiseite: ja ich war schon knapp davor mir eine Lötstation zu kaufen (z.b. Weller), und werde es wahrscheinlich auch tun. Aber wie gesagt, so schlimm finde ich des Ersa nicht. Aber es stimmt sicher: Mehr Power und kürzere Lötzeiten wären sicher nicht schlecht.

Ich freue mich auf mehr Lötzinn Empfehlungen.

Grüße, Horst
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Beitragvon cantusfirmus » 15.10.2018, 13:22

Ich glaube ja nicht, dass alle Heimlöter gerade auf Urlaub sind.
Die stockende Beteiligung lässt aber darauf schliessen, dass hier noch vorwiegend mit Blei gelötet wird.
Ist meine Vermutung richtig?
Grüße, Horst
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Beitragvon Thor_7 » 15.10.2018, 13:28

Ja, verbleites WBT Lot - ob man es hören kann, weiß ich nicht. Aber es gibt ein gutes Gefühl ggü. normalem verbleitem Lot. :mrgreen:
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Beitragvon chriss0212 » 15.10.2018, 14:34

Ist meine Vermutung richtig?


Jepp ;)

Grüße

Christian
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Beitragvon Lauscher » 15.10.2018, 16:52

Hallo,

ich verwende gerne von Stannol das Sn95Ag4Cu1

Viele Grüße
Jens
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Beitragvon SolidCore » 16.10.2018, 11:09

Hallo zusammen

Meine absolute Empfehlung für sowohl technische, als auch klanglich beste Ergebnisse ist das Cardas Quad Eutectic. Leider Bleihaltig, darauf muss ich hinweisen.
Ein niedriger Schmelzpunkt von 180 Grad, mit allerbesten Fließeigenschaften. Nach dem abkühlen erhält man eine spiegelglatte, sehr gut haftende Verbindung.
Mit bleifreiem Lot sehen die Lötstellen zum einem aus wie Mondkrater, zum anderen muss man sehr penibel löten, damit sich die Lötstelle nicht nach einem festen Zug löst.
Der größte "Einsteigerfehler" beim Löten ist, als Beispiel mal Cinchstecker genannt, den Lötkolben direkt auf den Draht zu halten, an dem das Lötzinn auch schnell zerflisst. Der Kontaktpunkt darunter hat jedoch noch nicht die passende Temperatur erreicht, so das die Verbindung nicht fest ist. Ideal wäre, beides gleichzeitig zu erhitzen.
Das normale, 4% Silber- WBT Lötzinn kam mir persönlich, subjektiv, ein wenig mittenlastiger vor. Dies als akribisch betrachtet ansehen.
Das Cardas gibt es auch bleifrei, dazu habe ich keine Erfahrungswerte. Legt man auf Bleifrei wert, käme auch das Oyaide und Furutech, beide mit Silberanteil, ins Rennen.
Spielt Geld keine Rolle, würde ich zum WBT Supreme Silber-Gold tendieren. Was bei selbstgebauten Kabeln mit versilbertem Kupferdraht nach "MiL" eher "Perlen vor die Säue" darstellt.

Gruss
Stephan
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Beitragvon Hans-Martin » 16.10.2018, 11:33

Hallo,
van den Hul hat einst zum Löten seiner versilberten Kabeln empfohlen, die Lötspitze vor dem Löten über einen Silberbesteck oder anderes Silber zu reiben, um die Lötqualität zu verbessern.
Ich hatte auch schon mal Wondersolder (mit 10% Silbergehalt), das war schwer zu beschaffen aber sehr gut (als bleifrei nicht diskutiert wurde).
Ein Hörvergleich von silberhaltigem Lot verschiedener Hersteller zeigte bei ansonsten identischen Cinchsteckern und Kabeln (Audioverbindung) zum Teil deutliche Unterschiede, da gab es bulligen Bass und auch stumpfe Höhen, mich bestärkte es, das WBT weiter zu benutzen. Ich will hier nicht die Werbetrommel rühren, sondern betonen und zugleich Stephans Aussage bestätigen, dass es hörbare Klangunterschiede beim Lötzinn gibt, die man in das Kabelkonzept miteinbeziehen kann oder sollte.
Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon SolidCore » 16.10.2018, 15:38

Hallo zusammen
@Hans-Martin
Das Wondersolder als 0,8mm habe ich noch eine dicke Rolle hier. Hatte es mal bei Ebay von Privat für kleines Geld ersteigert. Normalerweise kostet eine kleine Rolle >70,- Euro.
Löten lässt es sich toll. Es ist merklich mehr Flussmittel enthalten als in anderen. Ich komme nur nicht so ganz damit klar. 2 von mir "vernünftig" erstellte Lötstellen mit einem Kabel an einem Stecker liessen sich mit etwas Kraft einfach abreissen, die Lötstelle sah so aus, als ob man ein Stück aus einem Motorblock herausbricht.
Mit dem Cardas kam das nie vor. Von daher benutze ich es nur noch für Bananenstecker usw.
Wer 1-2m davon zum Testen haben will, kein Problem.

Gruss
Stephan
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Beitragvon Lauscher » 16.10.2018, 22:31

Hallo Stephan,

Meinst Du 1 - 2 Meter von dem Cardas ? Oder dem Wondersolder ?

Viele Grüße
Jens
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Beitragvon SolidCore » 19.10.2018, 23:38

Hallo Jens

eigentlich meinte ich das Wondersolder. Das Cardas ist ja noch bezahlbar, und einfach zu bekommen.
Das wondersolder schon bedeutend teurer, und ich habe bestimmt was davon über.

Gruss
Stephan
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Beitragvon Lauscher » 20.10.2018, 11:16

Hallo Stefan,

Vielen Dank - wenn es Dir recht ist komme ich später gerne nochmal auf Dein Angebot zurück.

Mein Interesse ist sehr groß ABER zur Zeit habe ich einfach zu viele Themen gleichzeitig am Wickel - wenn ich nun mit dem Vergleich von Lötzinn anfange werde ich noch verrückt :D Ich gehe das Kabel- und Lötzinnthema nochmal an sobald ich den "Rest" einigermaßen im Griff habe -- Oder es mich :wink:

Viele Grüße
Jens
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Beitragvon Sigi M. » 02.11.2018, 11:47

Lauscher hat geschrieben:Hallo,

ich verwende gerne von Stannol das Sn95Ag4Cu1

Viele Grüße
Jens


Hallo Jens
genau das benutze ich auch, verläuft wirklich gut, klanglich habe ich es nicht verglichen mit anderem Silberlot, ist aber klanglich deutlich besser als ein bleihaltiges Zinnlot.
Viele Grüße
Sigi
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