Clock-Upgrade für Dummies

Lautsprecherbau und -tuning
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Erwin-mit-G
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Clock-Upgrade für Dummies

Beitrag von Erwin-mit-G »

Hallo liebe audiophilen Tüftler,

ich möchte einen CF Reader ( https://www.ebay.de/itm/Compact-Flash-C ... 634-2357-0 ) u.a. mit einer besseren Clock upgraden.
Wie mache ich das ganz konkret?

Als Meßgerät ist (nur) ein Multimeter vorhanden. Und ich bin, wie ihr wisst, Elektrodummie 8) , aber mutig ( :mrgreen:) und des Lötens kundig.

Das Datenblatt gibt keinen Aufschluss über eine Polarität der ursprünglichen Clock.
Wo muss ich nun den Clockausgang der, in meinem Fall verwendeten Sellarzclock, anschließen?
Kann ich immer davon ausgehen, dass die Sellarzclock mit ihrer 3,3V Clockausgangsspannung passend ist?

Ist das dann die richtige Vorgehensweise:
Massepunkt auf der Platine suchen (für das Messgerät), die beiden Pads überprüfen, wo der "Pluspol" ist, und dann den Sellarzausgang (Plus) aber auf "Minus" (=Eingang des Clocksignals?) der beiden Pads legen?
Und dann Masse der Sellarz auf den anderen Pad??
Aber hier gibt es ja auch zwei Umstände... :
1. Die neue Clock hat eine komplett eigene Stromversorgung (zB Akku) oder
2. Die neue Clock hat die gleiche (externe) Stromversorgung, mit der auch die Karte gespeist wird (Ausbau der DC-DC Wandler und Ersatz durch extern gespeister Superregulatoren)
Wie verfahre ich hier?

Ihr seht, ich brauche da eure Hilfe.
DANKE!

Wertschätzende Grüße,
Erwin
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Erwin-mit-G hat geschrieben:
16.07.2021, 10:57
Das Datenblatt gibt keinen Aufschluss über eine Polarität der ursprünglichen Clock.
Wo muss ich nun den Clockausgang der, in meinem Fall verwendeten Sellarzclock, anschließen?
Kann ich immer davon ausgehen, dass die Sellarzclock mit ihrer 3,3V Clockausgangsspannung passend ist?
Hallo Erwin,
ich gehe davon aus, dass die Versorgungsspannung bei beiden positiv gegenüber Signalmasse ist, und das 3,3V Clocksignal den Oszillatoreingang somit nicht übersteuert.
Ist das dann die richtige Vorgehensweise:
Massepunkt auf der Platine suchen (für das Messgerät), die beiden Masse der Sellarz auf denüberprüfen, wo der "Pluspol" ist, und dann den Sellarzausgang (Plus) aber auf "Minus" (=Eingang des Clocksignals?) der beiden Pads legen?
Und dann Masse der Sellarz auf den anderen Pad??
Nein
Masse der Sellarz geht auf Masse der Karte
Ausgang der Sellarz auf den Pad der Karte, auf dem der Quarz mit dem Chip direkt verbunden ist (im Bild mit C1):
Bild
zeigt die übliche Standardbeschaltung.
Ein Pad feuert den Quarz über einen strombegrenzenden Widerstand R2 an. Das ist ein Ausgang, kein Eingang!
Die Clock darauf gequetscht, läuft die Schaltung vermutlich auch, ist aber nicht der richtige Weg, könnte zu Schäden führen.
Aber hier gibt es ja auch zwei Umstände... :
1. Die neue Clock hat eine komplett eigene Stromversorgung (zB Akku) oder
2. Die neue Clock hat die gleiche (externe) Stromversorgung, mit der auch die Karte gespeist wird (Ausbau der DC-DC Wandler und Ersatz durch extern gespeister Superregulatoren)
Die Clock verdient die bestmögliche Versorgung, möglichst gut entkoppelt von anderen Schaltungen. Wenn die Schaltung funktioniert, entfernt man R1/R2/C1/C2.
Grüße
Hans-Martin
P.S.
seit 1.7.21 soll unsere Post ab 1 Euro fälliger Einfuhrumsatzsteuer (19% vom Warenwert) diesen Betrag vom Empfänger einziehen, kassiert dazu 6 € Gebühr. Bisher lag die Freigrenze bei 20€.
Die teilweise unglaublich billigen Teile werden faktisch dadurch erheblich verteuert. :(
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Fortepianus
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Beitrag von Fortepianus »

Hallo Erwin,

Hans-Martin hat ja schon die übliche Standardbeschaltung gezeigt. Die Schwierigkeit ist oft, dass R2 fehlt und man deshalb nicht weiß, welches der Clockeingang und welches der Ausgang ist. Da hilft nur Ausprobieren. Wenn Du den Ausgang der Sellarzclock an den Ausgang der Schaltung hängst, macht das weder der Clock noch dem CF Reader irgendwas aus, aber es funktioniert halt nicht (meistens zumindest, weil der Ausgang des Chips in der Regel so niederohmig ist, dass die Clock daran verhungert). Nun können allerdings die 3,3V der Clock passen, müssen aber nicht. Ich habe schon Chips gesehen, die 0,8V, 1,0V, 1,2V, 2,5V oder 3,3V wollen. Tipp, wenn Du nur ein Multimeter hast und keinen Oszi: Miss die Gleichspannung an beiden Anschlüssen des Quarzes gegen Masse. Dort findest Du ungefähr die Hälfte der passenden Clockspannung. Sind dort also 1,5 bis 1,6V, passt das Sellarzmodul. Am Eingang ist übrigens meist geringfügig weniger Spannung zu finden als am Ausgang, das wäre ein Indiz für den richtigen Anschluss. Dort würde ich zuerst die Clock ausprobieren. Und dann, wie Hans-Martin schon gesagt hat, R1 und C1 rauslöten, wenn es funktioniert (dann weißt Du auch, welcher C1 ist). Manche Chips hätten gerne weiterhin C2 und R2, wenn es den gibt, die kannst Du unbesorgt drin lassen.

Falls die 3,3V nicht passen sollten, kann ich Dir Tipps geben, wie Du die Sellarz auf die richtige Ausgangsspannung bringen kannst. Und bedenke, das Sellarzmodul will mindestens 5V vor dem Regler. Sind mehr als 10V Versorgungsspannung vorhanden (z. B. 12V), Vorwiderstand mit 330Ohm vor den Plusanschluss.

Viele Grüße
Gert
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Hans-Martin hat geschrieben:
16.07.2021, 12:54
Erwin-mit-G hat geschrieben:
16.07.2021, 10:57

Wo muss ich nun den Clockausgang der, in meinem Fall verwendeten Sellarzclock, anschließen?
Kann ich immer davon ausgehen, dass die Sellarzclock mit ihrer 3,3V Clockausgangsspannung passend ist?
Hallo Erwin,

Ist das dann die richtige Vorgehensweise:
Massepunkt auf der Platine suchen (für das Messgerät), die beiden Masse der Sellarz auf denüberprüfen, wo der "Pluspol" ist, und dann den Sellarzausgang (Plus) aber auf "Minus" (=Eingang des Clocksignals?) der beiden Pads legen?
Und dann Masse der Sellarz auf den anderen Pad??
Nein
Masse der Sellarz geht auf Masse der Karte
Sollte, genauer gesagt, mit möglichst kurzem Draht auf die Masse der Karte gelötet werden, wo C1,C2 nach Masse gelötet sind oder besser noch, auf deren Verbindungsstrecke zum Chip.
Hier Fujaks Ausführung mit "kurz":
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Die Stromversorgungs-Zuleitung zur Clockplatine sollte sekundär sein, ihre Induktivität kann ggf sogar als
Vorteil ausgelegt werden, ein Kondensator am Oszillator sollte puffern.

Quarze sind Biegeschwinger, jegliche Überlagerung mechanischer Schwingungen (Luftschall, Körperschall)* führt in der Hörpraxis zu unschönen Nebeneffekten, wie sie unter Laborbedingungen nicht beeinträchtigen.
Deshalb würde ich als Träger keinen starren Draht, sondern weiche Litze verwenden, die der Sellarz-Platine eine Schwingfrequenz gut unter 1Hz verschafft, entkoppelt von der Karte.
Dabei sollten diese Kabel im Abstand parallel bleiben, damit eine -wenn auch nur sehr sehr geringe- Kapazitätsänderung ausgeschlossen werden kann.
Ich halte diesen* Aspekt für ähnlich wichtig wie die Stabilität der Stromversorgung der Clock (Gert hatte einst eine überzeugende Grafik eingestellt, die dem Zahn der Zeit beim Grafikhoster zum Opfer fiel).
Grüße
Hans-Martin
Erwin-mit-G
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Beitrag von Erwin-mit-G »

Guten Morgen, Gert und Hans-Martin!

Herzlichen Dank (!!) für die Unterstützung. Klasse Hintergrundinfos und handfester Plan zur konkreten Umsetzung! Damit kann ich was anfangen... :cheers:

Ich muss mir noch ein paar Teile bestellen (ja, Hans-Martin, das mit den Abgaben ist ärgerlich!), und dann geht es in die Praxis. Ich bin sehr gespannt...

Noch eine Frage, Gert.
Fortepianus hat geschrieben:
16.07.2021, 15:24
Und dann, wie Hans-Martin schon gesagt hat, R1 und C1 rauslöten, wenn es funktioniert (dann weißt Du auch, welcher C1 ist).
Woran erkenne ich das, dass C1 dann auch wirklich C1 ist (mit dem Multimeter)?
Mit der Lupe erkenne ich zwar schemenhaft die Leiterbahnen, aber dummerweise nicht die Anbindung an die Bauteile (Kondensatoren, Widerstände).

Würde mir ein einfaches Oszi hier bei dem Umbau eigentlich einen Vorteil erweisen?
Ein Bekannter hat mir für kleines Geld erst sein altes angeboten. Soll ich zuschlagen?

Dann ein schönes Wochenende... (und ich freue mich auf ein spannendes Projekt...)
Erwin
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Hallo Erwin,
mit einem Ohmmeter kannst du bei spannungsfreier Schaltung über die Widerstände messen, R1 liegt direkt parallel zum Quarz, und >100kOhm groß, R2 (sofern vorhanden) zwischen Ausgang (U1) ist im niedrigem kOhm Bereich, aber nur eine Seite ist mit Pad verbunden. Mit Ohmmeter/Durchgangsprüfer also recht einfach zuzuordnen. Mit den Prüfspitzen musst du etwas in die Lötstellen an den Bauteilen hineinstechen, um sauberen Kontakt zu bekommen.

Im Betrieb kannst du mit einem Multimeter auf Wechselspannung gegenüber Masse an beiden Pads (Quarz installiert) eine Wechselspannung messen, mit Glück unterscheidbar, oft bezogen auf Ausgang U1 etwa 10% geringer am Eingang U1. Der Absolutwert interessiert erst mal wenig, der gesuchte Indikator ist der kleinere Wert für den Anschluss der externen Clock. Nur die Tendenz reicht. Der Frequenzgang des Messgerätes interessiert weniger, weil es sich um ein und dieselbe Frequenz handelt.

Ohne R2: kannst du alternativ mit einem 200 Ohm Widerstand mit zum Hantieren 10cm Anschluss an Masse einmal jede Seite des Quarzes belasten, während die andere gemessen wird.
Der Ausgang verträgt die Last, beim belasteten Eingang bricht das Signal zusammen.

Mit Oszilloskop kannst du ebenso im Normalbetrieb am Ausgang eine geringfügig höhere Wechselspannung messen als am Eingang, ein 2-Kanal Oszi ist zum Vergleich hilfreich, auch das Feature Invertieren.
1MOhm /20pF oder mit 10:1 Tastkopf 10MOhm, nicht außergewöhnlich einerseits und eine gewisse Strahldicke gegenüber 8cm Standard-Schirmhöhe sind für Messgenauigkeit auch nicht im Vorteil gegenüber einem 3 1/2-stelligen Digitalvoltmeter. Ein 10MHz Oszi kann man bei solchen Arbeiten als Spielzeug betrachten, selbst nominell 100MHz reichen gerade hin und man wünscht sich mehr Bandbreite für digitale Signale, um nicht den Eingangsverstärker verdächtigen zu müssen, wenn Flanken verschliffen sind.

Es gibt also viele Möglichkeiten, den Eingang vom Ausgang zu unterscheiden,ein Oszi ist nicht zwingend erforderlich. Vielleicht tut es sogar ein nasser Finger, das habe ich aber noch nicht ausprobiert, will es auch nicht ausschließen.
Grüße
Hans-Martin
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Erwin-mit-G
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Beitrag von Erwin-mit-G »

Hans-Martin hat geschrieben:
17.07.2021, 13:48
Vielleicht tut es sogar ein nasser Finger, das habe ich aber noch nicht ausprobiert, will es auch nicht ausschließen.
:mrgreen:
Ich weiß ja nicht, wie grazile Finger du hast, aber mit meinen dicken Standard Bratzen ist da mit Sicherheit kein audiophiles Land zu gewinnen!

Hallo Hans-Martin,

super, super Infos, vielen Dank!
Das hat die ebenso geniale Beschreibung von Gert wahrscheinlich komplettiert!
(Wobei, in der Praxis tauchen sicherlich noch weitere Fragen auf...)

Wie es hier so ist: meine Musikanlage ist und wird immer mehr zu einem Forumsprojekt...

Die kreative Denk- und Pionierarbeit vieler Teilnehmer wird von mir ganz individuell aufgegriffen und findet - mal mehr, mal weniger erfolgreich, Einzug. Cool!! :cheers:

Grüße,
Erwin
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Erwin-mit-G
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Beitrag von Erwin-mit-G »

Fortepianus hat geschrieben:
16.07.2021, 15:24
Nun können allerdings die 3,3V der Clock passen, müssen aber nicht. Ich habe schon Chips gesehen, die 0,8V, 1,0V, 1,2V, 2,5V oder 3,3V wollen.
Hallo Gert,

die alte Clock hat an einem Pad 0.46V, am anderen 0.84V gegen Masse (DC).
Meine Sellarz hat Vpp 3.6V, also 0.3V höher wie normal....
Damit ist die Spannung ja eindeutig zu hoch.

Dann bräuchte ich besagten Tipp von dir, wie ich die Spannung entsprechend runter bringe... :cheers:

Schönen Gruß,
Erwin
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Erwin-mit-G hat geschrieben:
21.07.2021, 18:29
die alte Clock hat an einem Pad 0.46V, am anderen 0.84V gegen Masse (DC).
Meine Sellarz hat Vpp 3.6V, also 0.3V höher wie normal....
Damit ist die Spannung ja eindeutig zu hoch.
Hallo Erwin,
Vpp heißt Wechselspannung Spitze-Spitze, entsprechend weniger als 1,3V Effektivwert (bei 3,6Vpp Sinus).
Wie hast du die alte Clock gemessen? Ohne Quarz? Warum DC??
Vergleichst du hier Äpfel mit Birnen?
Grüße
Hans-Martin

P.S. ich vergaß einen entkoppelnden 100pF Kondensator in Reihe mit dem AC-Meter zu erwähnen, ist beim Oszi nicht nötig
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Erwin-mit-G
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Beitrag von Erwin-mit-G »

Hallo Hans-Martin,

danke für deine Rückmeldung!
Die Original Clock befindet sich noch immer absolut unangetastet auf der Platine.
Fortepianus hat geschrieben:
16.07.2021, 15:24
Miss die Gleichspannung an beiden Anschlüssen des Quarzes gegen Masse. Dort findest Du ungefähr die Hälfte der passenden Clockspannung.
Das habe ich getan, um einerseits herauszufinden, ob die Sellarzclock mit ihrer output Spannung für den Chip so überhaupt geeignet ist. Und andererseits, um den Einspeisepad zu identifizieren.
Die Ergebnisse habe ich oben gepostet (0.46V und 0.84V).
Heute habe ich nochmal nachgemessen, und dann kam ich auf 0.56V und 0.82V.

Was die Sellarzclock anbetrifft: wenn ich dort die Gleichspannung des outputs gegen Masse messe, werden mir 1.8 V angezeigt.
Ich dachte, dass Vpp dann eigentlich 2xV sein sollten, also 3.6V.
Mache ich hier einen Denkfehler (Äpfel /Birnen)?

Aber so bin ich darauf gekommen, dass die Sellarz Clock in ihrer Output Spannung einfach zu hoch sein muss für den Chip. Wenn man sich die Spannungen von 0.56 und 0.82 anschaut, und wenn das ungefähr die Hälfte der benötigten Spannung sein soll, dann sind das doch wahrscheinlich ~ 1.2 V?
Und dann müsste man die Sellarz im output entsprechend runter bringen

Vielleicht kann Gert noch etwas dazu sagen?

Dein Tipp, um C1 und R1 zu identifizieren, war übrigens Klasse, das habe ich geschafft (C1 aufgrund der Lage und Verbindung zu dem Pad) und R1 aufgrund des Widerstandwertes.

Anfangen zu löten tue ich aber erst, wenn ich mir in allem ganz sicher bin.
Einen 100pF Kondensator, um AC zu messen, habe ich mir, ebenfalls deinem Ratschlag folgend, vorhin bestellt....

Schönen Gruß!!
Erwin
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Fortepianus
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Beitrag von Fortepianus »

Hallo Erwin,

ich würde Vpp=1V oder 1,1V probieren. Die Sellarz kriegst Du so auf 1V: R4, C9 und C10 rauslöten. R4 10 Ohm, anstelle C10 100 Ohm und C9 weglassen. Dann noch 47 Ohm vom Ausgangspin nach Masse, am besten direkt unten am Stecker. Alle R in Größe 0805. Für Vpp=1,1V könntest Du R4 drin lassen (50 Ohm), C9 raus und anstelle C10 47 Ohm. Parallel zum Ausgang wieder 47 Ohm. Die Ausgangsbuchse habe ich übrigens immer rausgelötet bei den Sellarz (inzwischen verwende ich eine selbst entwickelte Clock) und die Platine direkt über den Einspeispunkt gesetzt mit einem ganz kurzen direkten Draht (1-2cm), genauso die Masse direkt daneben.

Hallo Hans-Martin,
Hans-Martin hat geschrieben:
21.07.2021, 20:05
Wie hast du die alte Clock gemessen? Ohne Quarz? Warum DC??
Vergleichst du hier Äpfel mit Birnen?
der Tipp war von mir. Da er keine Möglichkeit hat, die 25MHz zu messen, geht das provisorisch auch mit einem Multimeter. Aber das kann natürlich keine 25MHz. 25MHz zur Masse symmetrisch ergeben an einem Multimeter AC und DC Null Volt. Aber bei einem Chip mit Clockein- und ausgang ist das nicht symmetrisch zur Masse, sondern ungefähr symmetrisch zur halben Versorgungsspannung. Misst man also am Quarz im Betrieb die DC-Spannung, sieht man ungefähr die Hälfte von Vpp, sofern der untere Peak ungefähr bis Null runtergeht.

Viele Grüße
Gert
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Hans-Martin
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Beitrag von Hans-Martin »

Fortepianus hat geschrieben:
22.07.2021, 16:48
der Tipp war von mir. Da er keine Möglichkeit hat, die 25MHz zu messen, geht das provisorisch auch mit einem Multimeter. Aber das kann natürlich keine 25MHz. 25MHz zur Masse symmetrisch ergeben an einem Multimeter AC und DC Null Volt. Aber bei einem Chip mit Clockein- und ausgang ist das nicht symmetrisch zur Masse, sondern ungefähr symmetrisch zur halben Versorgungsspannung. Misst man also am Quarz im Betrieb die DC-Spannung, sieht man ungefähr die Hälfte von Vpp, sofern der untere Peak ungefähr bis Null runtergeht.
Hallo Gert, Erwin,
wer Erfahrungen mit der Sellarz-Clock hat, ist natürlich klar im Vorteil.
Damit meine Hinweise nicht nur aus dem Gedächtnis kamen, hatte ich beim NAD 502 CD-Player meiner Tochter (wegen Schubladenriemen gerade offen) am 33MHz Oszillator gemessen (R1 =4,7k, C1 wie C2=5pF).
Mit Tektronix Scope waren am Quarz 4,2Vpp~ gegen 2,2Vpp~ zu messen, DC-Offset 1,7V resp. 1,2V (Ausgang jeweils zuerst genannt).
Multimeter DC: 2,34V gegen 2,36V (Oszillator geht auf 11MHz runter, Amplitude bleibt dabei weitgehend stabil, kontrolliert am Oszi)
Dasselbe Multimeter AC: 0,020V~ gegen 0,020V~, also keine verwertbare Aussage.

Dasselbe Spiel mit einem alten Harman Kardon HD800 (Ausgang jeweils zuerst genannt): Oszi-gemessen 4,8 gegen 4,2Vpp mit 8,4672MHz, DC-Offset 2,4 gegen 2,2V=, hingegen Digitalvoltmeter: 2,39 gegen 2,44V=, also Widerspruch.

Dasselbe Spiel mit einem alten Marantz CD40 (Ausgang jeweils zuerst genannt): Oszi-gemessen 4,0 gegen 3,8Vpp mit 11,2896MHz, DC-Offset 2V gegen 2V=, hingegen Digitalvoltmeter: 2,03 gegen 1,95V=, also Unterschied.

Dasselbe Spiel mit einem alten Technics SL-PG340 (Ausgang jeweils zuerst genannt): Oszi-gemessen 3,4 gegen 2,8Vpp mit 33MHz, DC-Offset 2,3 gegen 2,3V=, hingegen Digitalvoltmeter: 2,27 gegen 2,29V=, also Widerspruch.

Gar nicht so einfach, wenn man ohne Messgerätepark wissen will, woran man ist.

Auf ein Vielfachmessgerät kann ich mich nach diesen Beobachtungen nicht mehr verlassen. Das Oszilloskop schien da doch noch am zuverlässigsten. Bei den Quarzoszillatoren, wo die Grundwelle mit einem relativ kleinen R1 unterdückt wurde, um der dreifachen Frequenz Raum zu lassen, führte bereits die Belastung mit dem Voltmeter zur Grundwellenschwingung zurück, in einem Fall überraschend höheren Amplitude am Ausgang.
Alle Messungen wurden parallel/kreuzweise mit 100MHz Tektronix Oszi als Gegenprobe/Überwachung begleitet.

Der Versuch, mit 100pF Auskopplung im AC-Bereich ein Ergebnis zu erzielen, welches sich (wegen des FG des Messinstruments) nur als relative Messgröße auf beiden Polen des Quarzes darstellte, ließ sich nicht reproduzieren.
In allen oben konkretisierten Beispielen hätte sich eine hinreichende Übereinstellung der Tendenz einstellen müssen, die blieb jedoch aus. Grund genug, einen ursprünglich gut gemeinten Rat noch einmal zu überdenken/ -prüfen.
Grüße
Hans-Martin
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Erwin-mit-G
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Beitrag von Erwin-mit-G »

Hallo Gert und Hans-Martin,

nachdem ich deinen Beitrag, Hans-Martin (schon fast eine Forschungsreihe, danke dafür!) gelesen hatte, habe ich mir gedacht: "ok, ran an den Speck, einfach ausprobieren!".
Wie Gert weiter oben beschrieb hatte, sollte ja eigentlich auch nichts kaputt gehen können.

Und dann war es tatsächlich auch so, dass an dem Pad, an dem ich die geringere (Gleichspannung) gegen Masse gemessen hatte, die Clock NICHT funktionierte - dafür aber an dem anderen.
Hans-Martin hatte also mit seiner These, dass man sich nicht darauf verlassen kann, offensichtlich recht.
Gert aber eben auch darin, dass man es ausprobieren kann und die Clock / der Chip nicht darunter leiden.
Und so lief es letzten Endes, die CF Karte wurde erfolgreich erkannt und ich konnte Euphony von Karte in feinster Sellarztaktung in den RAM laden. FREUDE !!

Die Sellarz Clock hatte ich zuvor gemäß deiner Angaben, Gert, auf 1.1V umgebaut (Danke!).
Auf der CF Karte C1 und R1 durch Messung und Lage identifiziert und entfernt.
Die Masse der Sellarz Clock recht nah an einem Kondensator angeschlossen.
Das sah dann so aus:
Bild

Fazit:
Auch wenn es hier letzten Endes funktioniert hat, ist doch ein ganz schönes Restrisiko dabei.
Bei so einer CF-Karte https://www.amazon.de/dp/B002623890/ref ... UTF8&psc=1
mit 15,- Euro aber sicherlich überschaubar.
Also: Clockupgrade für Dummies?
Ja, aber Risikobereitschaft (open end) definitiv vorausgesetzt! :mrgreen:

Wie gut die Karte bzw vielmehr die Clock nun tatsächlich funktioniert, kann ich ohne Oszilloskop allerdings nicht sagen.
Ein (letztendlich entscheidender) Hörtest steht noch aus (gerade aus anderen Gründen nicht durchführbar).

Die Spannungsversorgung wird am Ende übrigens durch 3 Lt3045 statt der ursprünglichen DropDown Regler erfolgen (vom Zerozone S11 NT mit aktivem Gleichrichter und Netzfilter gespeist), und die Clock wird mit Akku versorgt (Zeitrelais gesteuert (! :D), damit die Akkus länger halten - die CF Karte wird ja nur zum "Upload in den RAM" benötigt).
Soweit erstmal.

Vielen Dank für Eure Hilfe, Gert und Hans-Martin :cheers: !!
Das war ein wirklich spannendes (und bestimmt auch lohnendes) Projekt!

Grüße,
Erwin
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Sigi M.
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Beitrag von Sigi M. »

cooles Projekt! Danke für's Teilen und
Danke für die komprimierten Infos!
Sigi M.
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