Fragen zum neu zu gestaltenden Hörraum

Mess- und Korrektursysteme

Beitragvon FST » 07.01.2018, 22:03

Nabend,

die erste Messung mit Acourate ist gemacht. 3 Fragen ergeben sich daraus für mich:

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1.) An die Nachhallzeit unterhalb von 120 Hz muss ich erwartungsgemäß ran. Dazu würde ich in den 4 Raumecken tiefe Absorber aus Steinwolle erstellen und das etwas zu verbessern. Kann mir hierzu jemand Tips geben?
- Ausführung/Maße (Mir schweben 2x 60/40/200cm und 2x 80/60/200cm t/b/h Absorber vor)
- Maßnahme damit ich oberhalb von 120 Hz nicht weiter absorbiere)
2.) Ich habe bei 35 Hz ein Loch, in wie weit verschlimmert sich dieses durch die Maßnahmen unter 1.)?
3.) Ich war eigentlich der Überzeugung, dass mein Raum sowie die Aufstellung sehr symmetrisch ist. Lt. Acourate liegt die Symmetrie in den ersten 10ms unter 80%. Meint Ihr dass dies an der unsymmetrischen Rückwand liegt (Tür außermittig und noch nicht bedämpft)?

Danke und Gruß
Fabian
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Beitragvon Pittiplatsch » 07.01.2018, 22:33

Hallo Fabian,

der Nachhall sieht doch ganz ordentlich aus und der Raum ist eher leicht "trockener" als das EBU Fenster vorgibt (sofern ich das richtig interpretiere).
Dein Problem ist ja eher ab 80 Hz abwaerts. Da macht ein bisschen verschieben einiges aus (Hoerplatz und LS). Bei mir habe ich es endgueltig nur mit zwei subs geklappt. Bei tiefen Frequenzen wird es mit Absorbern schwierig.

Wegen 3) wuerde ich mich erstmal nicht verrueckt machen - das kommt spaeter :).

Viele Gruesse,
Tobias
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Beitragvon FST » 01.07.2018, 18:10

Servus miteinander.

Auch wenn sich seit meinem letzten Beitrag leider baulich nur im Garten aber nichts im Hifikeller getan hat möchte ich ein kleines Update geben.

Neben 3 Furmännern habe ich mir ein Päarchen 901K sichern können und damit wahrscheinlich meine LS-Suche beendet. Von den Geithains bin ich (erwartungsgemäß) begeistert. In Summe habe ich bei mir noch nie so gut gehört. Das liegt aber sicherlich auch an der Raumakustik. Derzeit plane ich meine nächsten Schritte für die sicherlich kommende schlechtere Jahreszeit. Vielleicht hat der ein oder andere vor ähnlichen Fragen gestanden und kann mir seine Erfahrungen mitteilen oder kann mit technischen Erklärungen dienen (aber bitte möglichst laienhaft erklären).

1.) Stromversorgung
Ich habe zwei Möglichkeiten. Zum einen habe ich öfter gelesen/gehört, dass man möglichst von einer zentralen Steckdose sternförmig verteilt. Diese Steckdose würde von einer separaten Zuleitung an einer separaten Sicherung sowie separaten FI gespeist. Je nach Aufstellung meines Racks (siehe Punkt 2) wären die Sternförmigen Zuleitungen nicht gleich lang.
Da ich insgesamt 4 separate Leitungen vom Sicherungskasten in den Hifiraum gezogen habe, könnte ich aber auch jede Komponente (2x LS, PI Connect, MacBook) an eine eigene Steckdose mit eigener Zuleitung und jeweils eigener Sicherung klemmen.
Was würdet Ihr aus welchem Grund favorisieren. Jeder LS und die PI haben auch einen eigenen Furman AC-210.

2.) Rackaufstellung
Bei einer sternförmigen Stromversorgung würde sich die klassische Aufstellung des Racks mittig zwischen den LS anbieten um die Längen der Stromkabel annähernd gleich zu halten. Bei der 2. Variante mit vier Zuleitungen könnte ich das Rack auch mit etwas Abstand zur Seitenwand im hinteren Raumdrittel aufstellen. Ich habe mal einen Artikel gelesen in welchem die Positionierung der Geräte zwischen den LS als nicht optimal angesehen wurde.

3.) Bassabsorber bei 901K
Bassabsorber sind in den Raumecken am wirkungsvollsten. Hier sind, wenn ich es richtig im Kopf habe, Absorber in den Raumecken hintern den LS als noch wirkungsvoller anzusehen als die gegenüberliegenden Raumecken. Ändert sich das durch die Bassnierentechnologie?

4.) CDs als Diffusor vor Bassabsorber
Ich würde gern mein CD-Regal als Diffusor umbauen - ähnlich diesen hier. https://browneakustik.de/produkt/bro...stik-diffusor/
Leidet die Wirkung meines geplanten TT-Absorbers aus Steinwolle, wenn ich den CD-Absorber vor den TT-Absorber stelle? Primär will ich an den Bereich unter 120 Hz ran. "Merken" die tieferen Frequenzen mit Ihrer größeren Wellenlängen den CD-Diffusor überhaupt?

Danke für eure Antworten
Fabian
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Beitragvon Daihedz » 04.07.2018, 21:35

Hallo Fabian

Schön, dass Du einen Hörraum von Null an nach vorwiegend akustischen Kriterien einrichten und gestalten kannst!

Kennst Du das Paper der Research Division der BBC zum Thema
"Controlled Image Design - The management of stereophonic image Quality" (aus dem Jahr 1994/95)?

http://downloads.bbc.co.uk/rd/pubs/reports/1995-04.pdf

In dieser Abhandlung werden anhand von damals und wohl heute noch gültigen Kriterien für bestmöglichstes Stereohören bauliche Massnahmen für ein Studio abgeleitet, dieses prototypisch aufgebaut, und dann die Resultate messtechnisch und hörsubjektiv überprüft.

Das Vorgehen geht von der Idee aus, eine erweiterte Hörzone zunächst mittels reflektierenden Flächen von frühen (möglichst bis 20ms - das wirst Du aber bei Dir bei Deinen Raumdimensionen nicht erreichen können) Echos freizuhalten, dann den Pegel der verbleibenden Echos möglichst <-20dB unterhalb des Pegels des Direktschalls zu halten und zuletzt die Nachhallzeit des Raums mittels Standard-Absorbern auf ca. 0.3ms … 0.5ms einzustellen. D.h. im Prinzip zuerst wegreflektieren, dann selektiv, und dann unselektiv dämpfen.

Die dabei als Resultat der Bemühungen gemessenen und publizierten ETC's sind schlichtweg spektakulär, Atem-, resp. Frühreflektionsberaubend.

Ich gehe davon aus, dass sich Deine Raumgeomentrie eignen könnte, sowas wie es die BBC in dieser Abhandlung präsentiert "in Klein" und relativ einfach und günstig nachzubauen; schnödes, billiges MDF wird's für die Reflektoren schon mal richten. Und kann kannst Du immer noch additiv zwischenzeitlich neu entwickelte Prinzipien wie z.B. selektive Gegenbässe implementieren, falls dies denn Sinn machen würde.

BBCphile Grüsse
Simon
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Beitragvon FST » 16.12.2018, 12:41

Hallo,

Weihnachtszeit ist Bastelzeit und so habe ich mich wieder meinem Hörraum gewidmet. Vielleicht interessieren meine Ergebnisse den ein oder anderen.

Stelle hier mal 3 Messungen (FG und T60) ein.
1.) Messung 181215_02 Ausgangssituation mit raumhohen Basoteckeilen (45/45cm) in allen 4 Raumecken
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2.) Messung 181215_03 wie 1.), jedoch mit je 47/62,5/100cm Sonorock anstelle der Basoteckeile
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3.) Messung 181215_09 wie 1.), jedoch mit je 47/62,5/200cm Sonorock anstelle der Basoteckeile
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Der Effekt ist wie geplant. Grundsätzlich könnte die Nachhallzeit mMn so bleiben. Jetzt gilt es den Frequenzgang von 200Hz abwärts zu glätten. Wie würdet Ihr als nächstes weiter vorgehen?

Gruß
Fabian
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Beitragvon Jupiter » 24.02.2019, 16:19

Hallo Fabian,
Das sieht bereits sehr sehr gut aus.

Hast du bereits mit den Ortsanpassungsfilter der 901k gespielt?
In Kombination mit Acouratefilter gerade unter 200 Hz bin ich bei mir auch weitergekommen.

Gruß Harald
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Beitragvon FST » 24.02.2019, 18:29

Hallo Harald,

nein, die Ortsanpassungfilter habe ich noch nicht genutzt, da ich primär mit Auslöschungen zu tun habe wo mich die Filter meiner Meinung nach aktuell nur bedingt weiter bringen. Außerdem will ich erstmal weiter durch akustische Maßnahmen weiter kommen. In den jeweiligen Zwischenständen arbeite ich dann mit jeweils angepassten Acouratefiltern. Hier mein aktueller Stand und meine Erfahrungen mit meinen ersten Diffusoren im Raum (abgesehen vom CD-Regal an der Rückwand).

Ich habe mir Diffusoren aus EPS gekauft (Vicoustic Trap Fuser). Die Haptik ist besser als ich gedacht habe. Die Diffusoren wirken sehr stabil und wertig. Einzig bei einem ist eine Delle im Diffusor.

Die Diffusor kamen gut Verpackt in 2 Paketen á 12 Stck 30x60cm:

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Ich habe einige verschiedene Aufstellvarianten ausprobiert und habe für die vorläufig letzte Variante einen neuen Filter mit Acourate erstellt. Den Filter habe ich dann in Roon eingelesen und dann das Ergebnis mit Filter nochmal gemessen. Was soll ich sagen, ich bin zufrieden. Als nächstes möchte ich an die Deckenreflektion ran. Gemessen habe ich mit Carma in Double-Mono.

Auspacken:

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Ausgangssituation:

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24 Vicousticelemente hinter dem Hörplatz:

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12 Vicousticelemente hinter dem Hörplatz vor der Tür:

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ohne Vicousticelemente nur mit 10cm Basotec vor der Tür:

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3x4 Vicousticelemente vor den Eckdiffusoren hinter dem Hörplatz, je 2x3 Vicousticelemente an den 1. Spiegelpunkten der Seitenwand sowie Basotec vor der Tür:

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Wie vor nur mit Acouratefilter - also der aktuelle Stand:

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Liebe Grüße
Fabian
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Beitragvon h0e » 24.02.2019, 18:58

Hallo Fabian,

Du musst das Rockwool aus der Folie rausmachen, damit es seine volle Wirksamkeit entfalten kann.

Grüsse Jürgen
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Beitragvon Jupiter » 24.02.2019, 20:15

Hallo Fabian,

Jürgen war schneller.
Rochwool auspacken- mit Gartenflies vom Hornbach ( nicht die Bioware, ist sehr dünn und reißt gerne ) umwickeln, in ein Holzgestell stellen und mit Akustikstoff einkleiden, dann sieht es optisch ansprechend aus.
Ausreichend Abstand von der Außenwand damit es nicht schimmelt.
Du kannst auch zwischen die Platten 25 mm Leerrohr stecken damit Luft zirkulieren kann.

Gruß Harald
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Beitragvon FST » 24.02.2019, 20:29

Danke für die Hinweise. Die Rockwoolpakete sind bewusst in Folie, damit nicht zu viel Hochton geschluckt wird. Dem Tiefton, wofür sie gedacht sind, ist die Folie meines Erachtens nach ziemlich egal. Zumal sowieso die Diffusoren davor stehen.

Du (Harald) hast natürlich recht. Die Elemente sollen später auch noch verkleidet werden. Jedoch will ich erstmal den Raum final stehen haben und mich dann um die Optik kümmern. Solange wird es "unansehnlich" bleiben.
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