Dirac Live - Raumkorrektur für Win und Mac OS

Mess- und Korrektursysteme
Joerghag
Aktiver Hörer
Beiträge: 673
Registriert: 05.01.2014, 18:20
Wohnort: NRW

Beitrag von Joerghag »

... sehen ja immer toll aus die "errechneten" Kurven von Dirac.
Hat mal jemand echte vorher/nacher Messungen mit einem anderen Programm
wie z.B. REW oder Carma?

Gruss Jörg
Bild
delgesu
Aktiver Hörer
Beiträge: 51
Registriert: 15.02.2014, 10:35

Beitrag von delgesu »

@rainair:
yep, habe dieselbe anfangserfahrung mit DIRAC gemacht wie du. die enttäuschende klanglichkeit der von DIRAC automatisch vorgeschlagenen korrekturkurve hat sich bei mir auch nach einer woche nicht gelegt.
ABER: DIRAC selbst empfiehlt, diese kurve zu verändern. das habe ich getan. aber in einem amerikanischen forum habe ich dann noch einen kurvenvorschlag gefunden. je näher ich mich diesem vorschlag annäherte, desto zufriedener wurde mein klangerlebnis. am ende bin ich bei nachstehender kurve "hängengeblieben". die hört sich einfach sensationell an (rein informativ: bin (fast) reiner klassikhörer):

Bild


viele grüße
matthias
Bild
Joerghag
Aktiver Hörer
Beiträge: 673
Registriert: 05.01.2014, 18:20
Wohnort: NRW

Beitrag von Joerghag »

Hallo Matthias,

wäre es in deinem Fall aufgrund der starken Auslöschungen nicht sinnvoller, die Kurve in gleicher Form
nach unten auf die Nulllinie zu verschieben? Möglicherweise kann Dirac dann besser korrigieren, da die Möglichkeiten der Absenkung größer als die der Anhebung ist. Im Endeffekt bleibt die Hörkurve ja gleich.

Gruss Jörg
delgesu
Aktiver Hörer
Beiträge: 51
Registriert: 15.02.2014, 10:35

Beitrag von delgesu »

hallo jörg,

du kannst damit durchaus recht haben! aber: ich habe jetzt so viel experimerntiert und der klang ist so göttlich, dass ich es jetzt für eine lange zeit mal gut sein lassen will. klar, mit meiner linie fordere ich die dynamik(power-) reserven der genelecs sicherlich heraus ... das dürfte aber keine limitierende wirkung haben, da ich zwar schon über zimmerlautstärke, aber nicht brüllend laut höre; jedenfalls habe ich die warn-LEDs noch nie zum leuchten gebracht; selbst dann nicht, als ich der gaudi halber mal richtig aufgedreht habe.

auf jeden fall empfehle ich für besitzer von genelec LS mit SCHWIERIGEN raumverhältnissen (=heftige auslöschungen): nutzt GLM nur als steuerungssoftware und DIRAC zur raumkorrektur - letzteres kann in dieser disziplin deutlich mehr.

viele grüße
matthias
Bild
Joerghag
Aktiver Hörer
Beiträge: 673
Registriert: 05.01.2014, 18:20
Wohnort: NRW

Beitrag von Joerghag »

... da praktisch nirgends Vorher-/Nachhermessungen mit einem Kontrollprogramm
für die Dirac Korrekturen zu finden sind, habe ich mir die Testversion bestellt und heute mal
getestet.

Das erste Bild zeigt die typische Dirac Darstellung des unkorregierten und mit dem (hier mit der Standart-)
Wunschkurve korregierten Frequenzverlaufes.

Bild

hier dann die Kontrollmessung (gelb ist die original Kurve, gestrichelt Dirac)

Bild

Was man gut erkennen kann, ist, dass Dirac in seiner Darstellung die Ursprungskurve relativ stark
verzerrt und die Korrekturkurve lediglich eine berechnete und maßstäblich falsche Wunschkorrektur wiederspiegelt.

Ich will damit nicht sagen, das die Korrektur von Dirac schlecht ist, aber mit dem Trinnov z.B. kommt sie nicht mit. Ich empfinde sie sehr vergleichbar mit einer Korrektur über den Lyngdorf.

Die Impulsantwort ist nach den Messungen zwar deutlich verbessert, rein vom hören her klingt des aber weniger dynamisch. Generell kann man die Kurven nicht so ganz vergleichen, da Die Dirac Wunschkurve
leicht fallend angelegt ist und die des GLM linear (die leichte Mittenanhebung bei ca 6000Hz habe ich mir
manuell hereingebastelt). Man sieht aber, das Dirac im Gegensatz zum GLM auch relativ stark anhebt.

Insgesamt klingt es wie vermutet etwas voller im Bass aber leider auch weniger dynamisch und eher etwas "topfig" im direkten Vergleich. Frederik hat es auf dem Oktoberfest bei Pirol ganz gut auf den Punkt gebracht,
es hört sich ein bisschen "künstlich" an. Wenn man einen Mac oder PC als Abspieler verwendet, sicherlich eine Möglichkeit dem Raum etwas Herr zu werden. Durch die leichte Veränderbarkeit der Wunschkurven sicher auch mit hohem Spielfaktor, aber für hohe Ansprüche nicht wirklich zu empfehlen.

Gruss Jörg
P.S.: Das spiegelt natürlich nur mein Meinung wieder und ist nicht allgemeinverbindlich zu verstehen.
Bild
Joerghag
Aktiver Hörer
Beiträge: 673
Registriert: 05.01.2014, 18:20
Wohnort: NRW

Beitrag von Joerghag »

... hier noch mal in hoher Auflösung

Bild

Gruss Jörg
Bild
Frederik
Aktiver Hörer
Beiträge: 386
Registriert: 02.06.2013, 21:48
Wohnort: Hamburg

Beitrag von Frederik »

Joerghag hat geschrieben:Frederik hat es auf dem Oktoberfest bei Pirol ganz gut auf den Punkt gebracht,
es hört sich ein bisschen "künstlich" an.
Hi Jörg,

wir haben uns ja beim "Oktoberfest" u.a. auch ein wenig über digitale Raumkorrekturen unterhalten.

Dirac lässt sich halt schön einfach bedienen und funktioniert auch im Alltag einwandfrei, aber am Ende ertappe ich mich doch immer wieder dabei wie ich lieber ohne Korrektur höre.

Schwieriges Thema.

Akustische Problem lassen sich halt nicht einfach elektrisch wegentzerren, und wenn doch, dann ist es mir persönlich bislang mit Dirac nicht so recht gelungen. :o

Am ehesten könnte ich mir noch vorstellen, dass die F-Gang Entzerrung mit Lautsprechern die den Schall ganz stark gerichtet (also quasi vorbei am Raum direkt zum Hörer) abstrahlen funktioniert. (Hörner ?, grooße Waveguides?). Nur bräuchte man dann keine Entzerrung des Frequenzganges mehr, weil nichts durch den Raum verzerrt wird. :lol:

Ich hab Dirac installiert und teste und spiele auch immer wieder damit rum, am Ende versuche ich aber ohne auszukommen. In den Höhen harsch, in den Mitten topfig, im Bass stumpf. So mein persönliches Fazit bislang ... :oops:

Nur nebenbei: das ist keine Frage des Frequenzganges ob linear, loudness oder sonst irgendein vorentzerrter Wunsch-Frequenzgang am Ende fällt irgendwie immer auf, dass da was gemacht wurde. :P

Im Bassbereich ist der Einsatz eines EQs ja für viele Hörer ein Segen, aber auch hier fällt mir die Entzerrung irgendwann störend auf.

Es klingt halt topfig/stumpf/nervig, egal wie man es dreht ...



Nach einer ausgiebiegen Trial/Error Phase mit ständigem Verschieben der Lautsprecher und anschließendem Messen am Hörplatz bin ich mittlerweile auch ohne digitale Hilfe klanglich angekommen.

Generell denke ich, dass man schon viel früher, nämlich bei der Entwicklung des Lautsprechers darauf achten muss, dass der Einfluss des Hörraumes später keine allzu große Rolle spielen wird.

Waveguide, Bassniere, DBA etc. das sind für mich die Stichworte um akustische Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen.

Vielleicht wäre es aber auch interessant für die IST-Situation, würde Dirac wissen wie sich meine Lautsprecher akustisch verhalten um dann gezielter und unter Berücksichtigung des Abstrahlverhaltens der LS exakter korrigieren zu können ... :roll:

Grüße,
Frederik
Bild
alexfra
Aktiver Hörer
Beiträge: 298
Registriert: 13.02.2013, 12:46
Wohnort: Göttingen

Beitrag von alexfra »

Hallo!

Ich kenne Dirac nicht (bin mittlerweile zufriedener Acourate-Nutzer), aber bei allen Screenshots, die ich hier sehe, geht die Zielkurve mitten durch den Frequenzgang. Wie Jörg schon anmerkte, sollte es doch sinnvoller sein, die Zielkurve unter den Frequenzgang zu schieben, da die Software wahrscheinlich problemloser absenken als anheben kann? Hat das mal jemand versucht und einen Unterschied feststellen können?

Ansonsten reizt es mich, Dirac mal im Büro zu testen, wo ich "nur" einen Mac habe und momentan nur über jRiver falten kann. Die restliche Tonausgabe bleibt außen vor.


Grüße
Alex
Bild
delgesu
Aktiver Hörer
Beiträge: 51
Registriert: 15.02.2014, 10:35

Beitrag von delgesu »

Möglicherweise holt Acourate tatsächlich noch mehr raus als Dirac.
Für mich steht nach ausgiebigem Testen allerdings fest, dass Dirac in meinem Raum deutlich besser klingt als GLM. Das liegt vor allem daran, dass Rigipsplatten erhebliche Mengen Oberbass absaugen. Da ist ohne digitale Korrektur nichts zu machen.
Die Formulierung "für hohe Ansprüche nicht wirklich zu empfehlen" halte ich allerdings für polemisch und, sorry, überflüssig. Ich gehe an die Musik und ans Musikhören mit erheblichem Anspruch heran - und Dirac erfüllt diesen zu meiner vollsten Zufriedenheit.
Zugegeben: wenn es Acourate mal für MAC geben sollte, dann werde ich es testen.
Aber auch so: nie wieder ohne Dirac!

Grüße
Matthias
Bild
Frederik
Aktiver Hörer
Beiträge: 386
Registriert: 02.06.2013, 21:48
Wohnort: Hamburg

Beitrag von Frederik »

alexfra hat geschrieben:Hallo!

...aber bei allen Screenshots, die ich hier sehe, geht die Zielkurve mitten durch den Frequenzgang. Wie Jörg schon anmerkte, sollte es doch sinnvoller sein, die Zielkurve unter den Frequenzgang zu schieben, da die Software wahrscheinlich problemloser absenken als anheben kann? Hat das mal jemand versucht und einen Unterschied feststellen können?
Hi Alex,

Das hatte ich mal probiert, die anschließend durchgeführten Kontrollmessungen legten aber den Schluss nahe, dass es egal ist, weil Dirac das automatisch macht.

Benutzerfreundlich eben, da kann man als User nichts kaputt machen. :wink:

Wenn Dirac aktiv ist, klingt es dann bei mir meist auch ein gutes Stück leiser.

Grüße,
Frederik
Bild
Joerghag
Aktiver Hörer
Beiträge: 673
Registriert: 05.01.2014, 18:20
Wohnort: NRW

Beitrag von Joerghag »

delgesu hat geschrieben:...
Die Formulierung "für hohe Ansprüche nicht wirklich zu empfehlen" halte ich allerdings für polemisch und, sorry, überflüssig. Ich gehe an die Musik und ans Musikhören mit erheblichem Anspruch heran - und Dirac erfüllt diesen zu meiner vollsten Zufriedenheit.
...
Hallo Matthias,

das war gar nicht abwertend gemeint. Und polemisch finde ich es auch nicht, da ich bis auf Acourate schon alle wichtigen Systeme miteinander verglichen habe. Ich schrieb ja auch, daß Dirac imho auf dem Niveau eines Lyngdorf spielt, also nicht so schlecht ist.

In deinem Raum, so wie er sich selbst nach der Korrektur darstellt, wirst du sicher eine immense Verbesserung durch das Dirac haben, insbesondere durch die Auffüllung von Frequenz-Löchern, was das GLM halt nicht macht.
Das kann also in der Summe bei dir durchaus besser sein.

Aber:
Bisher haben mich, im direkten Vergleich, weder Lyngdorf noch Dirac noch das Antimode wirklich überzeugen können. Alle Versionen klingen, auch in meinem Raum deutlich besser als LS ohne Korrektur, aber keines kommt klanglich mit dem GLM und schon gar nicht mit dem Trinnov mit. Sie klingen alle im direktenVergleich irgendwie "topfig" und weniger "impulsgenau". Ich habe aber auch nicht so breitbandige Auslöschungen wie du, die mein GLM kitten müsste und stehe eher auf eine schlanke Wiedergabe.

Meine Formulierung "für hohe Ansprüche nicht wirklich zu empfehlen" bezieht sich, wie vieles hier, auf einen extrem hohen Anspruch und da sind wir bei Produkten wie einem Trinnov oder Acourate. Einen Silbersand Lautsprecher würde ich z.B niemals mit Dirac "behandeln". In dieser Preis und Qualitätsklasse gehen imho nur die beiden vorgenannten.

Also was ich sagen wollte war:
1) Dirac ist nicht schlecht und für viele Bereiche absolut ausreichend, aber nicht zu vergleichen mit den wirklich guten Systemen.
2) Die tollen Frequenzkurven, mit denen Dirac wirbt und die immer gezeigt werden, haben mit der gemessenen Realität wenig bis nichts zu tun.

In diesem Sinn, erfreue dich an deinem tollen Klang, und behalte für später mal im Hinterkopf, das er deutliches Verbesserungspotential in Form eines Trinnov oder Acourate-Systems geben könnte. :cheers:

Gruß Jörg
Bild
Frederik
Aktiver Hörer
Beiträge: 386
Registriert: 02.06.2013, 21:48
Wohnort: Hamburg

Beitrag von Frederik »

Hallo Freunde,

So sieht der Frequenzgang meiner Lautsprecher ohne Dirac aus:

Bild

Und so mit Dirac:

Bild



"Worüber reden wir also ? Das muss doch super klingen!" ... könnte man jetzt meinen.



Das ist der Nachhall in meinem Raum ohne Dirac:

Bild

Und das passiert wenn ich den Frequenzgang meiner Lautsprecher via Dirac linearisiere:

Bild

Der unruhige Frequenzgang kommt nunmal nicht von irgendwo her, er ist das Symptom raumakustischer Probleme.

Wenn man nun den Frequenzgang entzerrt, hat man einen schönen Frequenzgang. Aber die raumakustischen Probleme bleiben bestehen, beziehungsweise treten weiter in den Vordergrund.

Daher muss ich mich zurzeit entscheiden was subjektiv besser klingt.

Linearer Frequenzgang mit erhöhtem Nachhall, oder unruhiger Frequenzgang dafür aber mit weniger Nachhall.

Vielleicht bekommen andere Raumkorrekturen einen besseren Kompromiss hin, ich kenne bislang aber nur MultEQ, MultEQ XT, MultEQ XT 32 und Dirac.

Grüße,
Frederik
Bild
Joerghag
Aktiver Hörer
Beiträge: 673
Registriert: 05.01.2014, 18:20
Wohnort: NRW

Beitrag von Joerghag »

... deinen Hörraum hätte ich auch gerne. Die Nachhallzeiten unter 100 Hz sind ja überirdisch...
Aber auch der unkorregierte FG ist schon super :cheers:

Gruss Jörg
1/3 schönt aber trotzen ein bisschen sehr... :D
Bild
Frederik
Aktiver Hörer
Beiträge: 386
Registriert: 02.06.2013, 21:48
Wohnort: Hamburg

Beitrag von Frederik »

Hi Jörg,

Danke, aber ich habe da auch ein gutes Stück Glück.

Denn Decke und Rückwand sind aus Rigips.

Die Konstruktion fängt bei höheren Pegeln an zu schwingen und der Raum hinter der Wand ist mit Stein oder Mineralwolle gefüllt.

Ich habe also vermutlich schon einen sehr großen Absorber "von Haus aus" eingbaut. :D

Grüße,
Frederik
Bild
delgesu
Aktiver Hörer
Beiträge: 51
Registriert: 15.02.2014, 10:35

Beitrag von delgesu »

oh ja, den Raum hätte ich auch gerne!!!
Am liebsten wäre es mir, wenn ich vollkommen ohne Digitalkorrektur auskommen würde.
Eins hat mich dieser Thread gelehrt: sobald ich dazu komme, werde ich mal mit einem anderen Programm nachmessen, was die DIRAC-Korrektur tatsächlich macht. Vielleicht über Weihnachten ...
Wenn dieser beinahe Null- bzw Negativeefekt, den Frderik ermittelt, auch bei mir Realität wäre, dann ... dann weiß ich auch nicht.
Jedenfalls sind die (Hör-)Ergebnisse bei mir exorbitant gut und ich möchte schwören, dass ich nicht einem psychoakustischen Phänomen aufsitze.

Grüße
Matthias
Bild
Antworten