Akustik Heizkörperverkleidung

Mess- und Korrektursysteme

Akustik Heizkörperverkleidung

Beitragvon StreamFidelity » 21.01.2019, 19:48

Hallo zusammen,

vielleicht ist das eine Schnapsidee. :wink:

Unsere Heizkörper stören mich von der Optik schon länger:

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Solche Heizkörper gibt es mit Sicherheit in Tausenden von Wohnungen. Als erstes habe ich mich um die typische Heizkörperverkleidung aus Holz, bzw. MDF bemüht. Billige und minderwertige Qualität gibt es zahlreich, Tischlereiarbeiten dagegen sind sündhaft teuer.

Und so kam ich auf die Idee zwei Fliegen mit einer Klappe zu erschlagen: Akustik Heizkörperverkleidung. Wobei die Optik wichtiger als die Akustikeigenschaft ist. Die Akustik finde ich für einen Wohnraum nämlich ganz ordentlich:

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Aber ein wenig mehr Dämpfung schadet nicht. Genug der Vorrede. Wenn ich mir eine Wand vor die Heizung stelle nehme ich natürlich Heizleistung weg. Macht nichts, unser Kaminofen läuft täglich. Es muss auch noch genug Luft zum zirkulieren bleiben. Aufgrund der Wärmeentwicklung muss ein gewisser Brandschutz gegeben sein.

Abgesehen von Bastellösungen, die ich mangels handwerklichen Geschicks eher ungern in Erwägung ziehe, bin ich auf interessante Lösungen gestoßen. Und zwar auf Schreibtisch Trennwände. Jetzt werden mir manche vermutlich schon einen Vogel zeigen. :mrgreen:

Aber die Dinger sehen recht schick aus, finde ich. Hier sind einige Beispiele:

Tisch-Trennwand Sys 50, 1200x600, grau
Trennwand aus Filz
Schreibtisch Trennwand "Unifarben" 60 cm Höhe
Akustik Schreibtisch Trennwand "Rhomb"

Wie ist eure Meinung dazu?

Grüße Gabriel
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Beitragvon Hornguru » 21.01.2019, 23:44

Hallo Gabriel.

1. Tolle Idee! Bin ich dafür :)

2. Schade, ich hatte bei der Überschrift auf Körperschalldämmung gehofft. Die Radiatoren schwingen nämlich ordentlich und erzeugen so ordentlich Klirr, so um die 300-400Hz je nach Größe. Mal dagegen geklopft? Das zu Dämmen ohne Heizleistung und Optik zu zerstören ist nicht ohne...

3. Was deine Sorgen zur Heizleistung angeht, keine Sorge. Wichtig ist nur dass deine Trennwand oder was es auch wird ein paar cm Abstand (ideal 5-10) zum Radiator und zum Boden hat. Er strahlt garnicht mal so viel auf Objekte. Es geht viel mehr darum dass er von unten kalte Luft vom Boden ansaugen kann und diese erhitzt und nach oben am kalten Fenster entlang zur Decke durch den Raum transportiert. Das macht die Luft schon von allein. Deshalb hängt der Körper auch unterm Fenster.

Gruß
Josh
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Beitragvon Daihedz » 22.01.2019, 08:04

Hallo Gabriel
StreamFidelity hat geschrieben: ...einige Beispiele ...

Mein Favorit:

https://echojazz.com/public/?lang=de
https://kireiusa.com/acoustic-solutions

Gedämmte Grüsse
Simon
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Beitragvon StreamFidelity » 22.01.2019, 12:54

Hallo Josh,

vielen Dank für die Erläuterungen zur Radiator-Technik. Das ermutigt mich.

Hallo Simon,

danke für die weiteren Links. Es gibt schon tolle Sachen.

Grüße Gabriel
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Beitragvon Hans-Martin » 23.01.2019, 02:25

StreamFidelity hat geschrieben:vielleicht ist das eine Schnapsidee. :wink:
Unsere Heizkörper stören mich von der Optik schon länger:
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Hallo Gabriel,
mir fällt die Zeit im Studentenwohnheim ein; wenn im EG jemand Zimmerparty feierte, konnten alle Zimmer in den Geschossen direkt darüber per Steigleitung daran teilhaben. Die Kombi-Heizkörper (Konvektion+Strahlungswärme) entziehen offenbar dem Raum Schallenergie und geben sie an andere Heizkörper im selben Heizkreislauf weiter, wo sie dann wieder abgestrahlt wird.
Moderne Heizkörper kombinieren mit der Konvektion auch die Strahlungswärme, die von Menschen als besonders angenehm empfunden wird. Luft ist ein vergleichsweise schlechter Energieübertrager, weshalb man sich nicht allein auf Konvektion verlassen sollte.
Eine Maßnahme, die die Strahlungswärme reduziert, will wohlbedacht werden. Durchgewärmte Steine strahlen gespeicherte Wärme wieder ab, in einem Fertighaus mit Spanplatte und Rigips kann die Situation eine andere sein, aber dafür hat man ja auch bauartbedingt viel mehr akustische Dämpfung.
Bei einer Hörsession mit unterdrückter Strahlungswärme würde ich einen Röhrenverstärker nah dem Hörplatz benutzen, der Röhrenverstärker verbrät einen Großteil der aufgenommenen Leistung, um weniger als 1W an die beiden LS bei zimmerüblichen Lautstärken abzugeben. Wenn auch diese typischerweise noch 99% in Wärme und nur 1% in Schallleistung umsetzen, ist das kaum nennenswert. Eine Zunahme der Raumtemperatur durch den schlechten Wirkungsgrad der Lautsprecher ist bisher nie berichtet worden.

Als konstruktiven Vorschlag in Sinne des Threads fällt mir nur ein, schwarze Lochbleche (Löcher auf den gewünschten FG-Bereich abgestimmt) in gebührendem Abstand (auf den gewünschten FG-Bereich abgestimmt) vom Heizkörper aufzustellen. Aluminium leitet Wärme gut, schwarz absorbiert und strahlt Wärmestrahlung gut ab.
Ein Raum, dem die Behaglichkeit in der Heizperiode des Jahres abhandengekommen ist, verlangt nach anderen Maßnahmen, um als Hörraum zu überzeugen. Wenn ich friere, macht mir das Hören nicht so viel Spaß.
Schöntrinken könnte funktionieren :cheers:
Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon kottan » 23.01.2019, 06:43

Hallo,
wie wäre es mithttps://www.sentimo.de/de/ und darauf dann Absorber nach Wahl anbringen?

Viele Grüße
kottan
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Beitragvon StreamFidelity » 23.01.2019, 10:51

Hallo Hans-Martin,

beim Hören sitze ich ca. 4m vom Kamin entfernt und genieße die Wärme und das schöne Flammenspiel.

Beim schöntrinken besteht die Gefahr, dass ich irgendwann mitgröle und damit versaue ich mir garantiert die Akustik. :mrgreen:

Hallo Kottan,

ein sehr guter Tipp, zumal eine eigene Farbgestaltung möglich ist.

Grüße Gabriel
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Beitragvon StreamFidelity » 03.03.2019, 13:25

Hallo zusammen,

meine schräge Idee habe ich verwirklicht und bekam sogar die Zustimmung meiner Regierung. :D

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Das Konstrukt dient eigentlich zur Schalldämpfung in Büros. In den nächsten Tagen mache ich eine Messung mit Acourate und werde das Ergebnis in meinem Vorstellungsthread veröffentlichen.

Grüße Gabriel
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Beitragvon Unentschlossener » 04.03.2019, 10:45

Hallo Gabriel,

welches Material hast Du nochmal verwendet? Sieht gut aus.

Gruß Ralf
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Beitragvon StreamFidelity » 04.03.2019, 18:31

Hallo Ralf,

hier sind einige Angaben:

Material Stellwand: 50 mm starke Trennwandelemente bestehen aus einer perforierten MDF- Mittelplatte, beidseitig beplankt mit Melaminschaum und Stoffbespannung
Rahmen: aus eloxiertem Aluminium
Gewicht: 13kg

Siehe Tisch-Trennwand Sys 50, 1200x600, grau.

Dazu habe ich die Standfüße SYS 50 ebenfalls aus Alu mitbestellt. Diese sind Höhenverstellbar.

Das ist alles sehr hochwertig verarbeitet. Kostet halt auch was.

Um Höhe zu gewinnen und zum entkoppeln kamen preiswerte stabile Kunststoffuntersätze (4,8 x 4,8 x 1,4 cm) dazu.

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Grüße Gabriel
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Beitragvon tom539 » 05.03.2019, 09:25

Hallo Gabriel,

danke für die Info sowie Bilder - das schaue ich mir mal „genauer“ an... :cheers:

Musikalische Grüße
Tom
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Beitragvon Mister Cool » 05.03.2019, 11:23

Hi,

ich finde die Idee mit der Nutzng der "toten" Fläche vor dem Heizkörper gut. Da fällt mir gleich eine Idee, wie man die Aufstellung/Montage noch "optimieren" könnte.
Als Bastler würde ich die Panele auf dem Heizkörper mittels einer im Abstand verstellbaren Klammer (oben) und eines Abstandshalters (unten) direkt auf den Heizkörper aufhängen.

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Damit würde ich mir die klobigen Beine ersparren und für die Bodenfreiheit unter dem Heizkörper sorgen (gut zum Putzen/Staubsagen und für die Optik). Das ganze kann natürlich leicht vibrationsentkoppelt gebaut werden.

Besonders "unbegabte" Bastler greifen zu fertigen Klammern z.B. zum Aufhängen von Blumenkasten auf dem Balkon :-)


Hard-Core Bastler bauen sich die ganzen Panele selbst (Holzrahmen befüllt mit einer Basotect Platte und bezogen mit Stoff (von hinten angetackert). Vorteil:
- massgeschneidert -> freie Wahl der Grösse passend zum Heizkörper (und Dicke je nach benutzte Basotect Platte)
- günstig
- freie Wahl des Bezugsstoffes

@Gabriel

hast Du auch eine Messung mit einem aktivierten Acourate Filter (Acourate Korrekturfile eingebunden als WAV File in den LogSweep Recorder)?

Hintergrund meiner Frage ist der gemessene FG Deiner Lautsprecher. Sie sind nicht gerade die "schmächtigsten", aber wenn man den Frequnzgang rein "optisch" bewertet, sieht es nach einem relativ frühen Abfall des FG unter 60Hz. Möglicherweise das ungeglättete Bild täuscht, oder ist es gewollt und so eingestellt?

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Grüsse,
Alwin
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Beitragvon StreamFidelity » 05.03.2019, 14:09

Hallo Alwin,

die Sonus Faber Amati Futura haben theoretisch folgende Frequency range: 25Hz–30kHz. Das ist mit meiner Aufstellung so nicht zu realisieren. Ich bräuchte eine Rückwand, die nur angedeutet (Raumecke) bei der linken Box (rot) vorhanden ist.

Daher ist für mich die elektronische Raumkorrektur ein Segen. So habe ich einen funktionierenden Bass ab 32Hz. Da es darunter nichts zu tun gibt habe ich einen Subsonic Filter eingebaut. Ich habe ein LowShelf bei 200Hz mit +2dB und ein PeakNDip bei 60Hz ebenfalls +2dB gesetzt. Auslöschungen sind bekanntlich schwer zu korrigieren und so schwächelt die rechte Box im Bassbereich. Glücklicherweise können Bässe nicht geortet werden. Ein Subwoofer wäre eine Option oder eine andere Aufstellung oder oder oder. Mir gefällt es aber so. :D

Ansonsten habe ich noch einen BBC Dip und einen HF Roll-Off in die Zielkurve eingebaut.

Mit der Test Convolution sieht der Nachhall mit der neuen Heizkörperverkleidung dann so aus:
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Hier noch die geglättete Amplitude:
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Grüße Gabriel
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Beitragvon Mister Cool » 05.03.2019, 14:52

Danke!

Das sieht schon anders aus :-)
Ja, das mit dem asymetrischen Bass kenne ich auch (trotz der perfekten Symetrie des Raums). Es ist mir echt ein Rätsel, woher es kommt. Aber man merkt es nicht so sehr, also kann ich damit leben.

Ich hätte noch folgende Fragen:

In welchem Gerät/an welcher Stelle setzt Du den LowShelf und PeakNDip ein?

Bis zu welcher Frequenz korrigierst du den FG (Angaben in Makro3)?

Wenn Du den FG schon vorher mittels LowShelf und PeakNDup etwas entzerrt hast, wieviel dB "kostet" Dich die anschliessende Anpassung an die Target Curve per Acourate (Ergebnis-Meldung in Makro3)?

Grüsse,
Alwin
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Beitragvon StreamFidelity » 05.03.2019, 15:08

Hallo Alwin,

die Faltungsfilter sind in Roon DSP Engine eingebaut. Der Roon Server läuft auf einem dezidierten Audio PC. Per USB (SOtM USBHub) geht es zum DAC, derer ich zwei habe.

Das ganze kostet mich 5,7 dB. Ich hatte schon weniger dB Verlust, dafür aber auch weniger Bass.

Grüße Gabriel

Nachtrag: Ich nehme das maximale bis 24 kHz. Höre ich zwar nicht, schadet aber auch nicht.
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