Klingen alle Digitalradio-Empfänger gleich (schlecht)?

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Klingen alle Digitalradio-Empfänger gleich (schlecht)?

Beitragvon Rainair » 28.03.2018, 19:43

Hallo in die Runde,

...ich bin bekennender Radio-Hörer und muss mich, da in unserem Kabelnetz UKW demnächst entfernt wird, nach einer Alternative umsehen.
Also DAB+ oder Internetradio. Denn eine UKW Dachantenne kommt aus versch. Gründen (u. a. Photovoltaik-Anlage, Aussendämmung etc.) leider nicht in Frage.

Ich mir also erst mal einen CocktailAudio X50 zum testen besorgt und war gleich so richtig enttäuscht:
DAB+ klingt ja grauenhaft (flach, müde und eben totkomprimiert). Dann umgeschalten auf Internetradio: Die gleichen Sender wirklich nur minimal besser, so hatte ich mir das nicht vorgestellt! Obwohl die Bitraten etwas höher sind, es klingt einfach nicht. Komisch auch: Einige der Bitrate-Schwächsten Sender (32 kB !)sind ganz annehmbar, andere mit bis zu 320 kB klingen überhaupt nicht.

Ich hör auch zum Frühstück gerne Radio, aber bis es endlich losgeht -booten, suchen, verbinden etc. bin ich mit frühstücken schon fast fertig.

Dann hab ich mir einen billigen Hama DIT1000mbt Radio-Adapter besorgt und siehe da: Über den opt. Digitalausgang klingt das kleine Kästchen haarscharf genauso wie der X50. Nur mit deutlich mehr Bedienungskomfort. Stichwort UNDOK-App. Und schneller beim booten etc. ist er auch.
Natürlich ist mir bewusst, dass der X50 nicht nur ein Radio ist, sondern eine universelle Musikquelle, aber jetzt geht es erst mal nur ums Radio.

Danach einen Onkyo Netzwerkplayer mit IR und DAB+ probiert und wieder das gleiche Ergebnis.

Meine Frage jetzt: Klingen alle Internetradios über die dig. Ausgänge gleich (schlecht) oder gibt es doch klangliche Unterschiede ?

LG, Rainer
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Beitragvon Hans-Martin » 28.03.2018, 19:58

Hallo Rainer,
zumindest in einem Punkt kann man generell was sagen, dass der Quarzoszillator sich von Gerät zu Gerät, von Stromversorgung zu Stromversorgung unterscheiden wird. Damit kann man unterschiedlich verjitterte SPDIF-Daten erwarten. Ich würde erwarten, das hama-Teil hat ein externes Stecker-Schaltnetzteil, das kann man durch ein geregeltes Labornetzteil ersetzen, oder spaßeshalber Batteriebertrieb. Lass das Ding mal gertifizieren... oder schalte einen Mutec reclocker dahinter.
Das ändert nichts an dem grauenhaften Klang mancher Stationen, die Digitale Musik als MP3 gespeichert abrufen, über ein analoges Mischpult gehen, dann Stereobasisbreite aufhübschen, zum Ausgleich etwas Bass hinzumischen, dann über Optimod begrenzen, zum UKW Sender geben und für den anderen Zweig digitalisieren und auf MP4 herunterstutzen.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon wgh52 » 28.03.2018, 20:36

Hallo Rainer,

schade, dass Satellitenradio in Deinem Fall keine Alternative zu sein scheint, die Übertragungsqualität über Sat wäre mEn besser als DAB+ und Internetradio. Aber mit Komprimierung hätte man ja (wie bei den meisten UKW Signalen :wink: ) trotzdem zu tun :cry: .

Genauso wie nicht alle DACs gleich klingen, ist das (natürlich) auch bei Digitalradioempfängern so. Aber basierend auf Hans-Martins Beitrag gilt wohl auch "garbage in - garbage out...".

Wir wissen ja nicht an welchem UKW Tuner Du die Digitalradiowiedergabe mit dem X50 misst, aber u.a. der DAB+ Tuner von Restek könnte eventuell eine Alternative zum hochwertigen UKW Empfänger sein - das müsste man halt testen.

just my 2 cents worth...

Grüße,
Winfried

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Beitragvon Horse Tea » 28.03.2018, 23:36

Hallo Rainer, hallo Winfried,

auch ich bin begeisterter (SAT)-Radiohörer. Auch wenn SAT für Dich nicht in Frage kommen sollte, möchte ich meinen Senf dazugeben. Ich wollte mir was Gutes gönnen und habe den Restek SAT-Tuner (ca. EUR 1.500) gegen meinen uralt Kathrein 702 (< EUR 200) am gleichen hochwertigen (Meitner) DAC probegehört. Ich habe noch nie zwei Komponenten so gleich gehört, wie die beiden Tuner. Da gibt es bei CD-Spielern (genutzt als Laufwerk, d.h. digital out) der gleichen Preisklasse größere Unterschiede und die sind auch nur marginal. Restek hat mir den Tuner ohne viel Federlesen (ohne Sicherheit) geschickt und wieder zurückgenommen. Das war toll. Frag doch gegebenenfalls auch mal an und bilde Dir Deine eigene Meinung, wenn SAT eine Alternative ist. Meine Schlussfolgerung: 1. auf den DAC kommt es an. 2. der Kathrein ist eine Blechkiste, der Restek sieht edel aus und 3. ein Afi(s) macht noch mal mehr draus. Hans-Martins Vorschlag mit einem Reclocking habe ich nicht probiert, vermute aber, das geht in die gleiche Richtung, wie der Afi(s). 4. Die Qualität von SAT-Radio holt bei guten Aufnahmen einer CD gleichwertige Klangqualität aus dem Äther.

Viele Grüße
Horst-Dieter
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Beitragvon Audiophiles-HiFi » 29.03.2018, 10:13

Hans-Martin hat das die technische Seite bereits knackig kurz prägnant zusammengefaßt.

Das moderne Radio ist zu oft totkomprimiert und hat dadurch den Wohlklang verloren.
Jede Minute oder Pfennig darauf zu verwenden, durch DAC o.ä. mehr herauszukitzeln lohnt nicht, da nichts mehr in meister Radiomusik mehr enthalten ist.

Ausnahmen sind z.T. bekannt und bestätigen beim Senderumschalten den Murks, den die anderen Sender verbreiten.

Z.B. WDR3 mit Klassik und Jazz/Welt Musik klingt spitze, auch über DAB+.

Ich nutze DAB+ im Auto und wenn mich anderes Programm nervt, dann können sich die Ohren bei WDR3 erholen.

Wegen der Musikauswahl (und teils politischen Naivität, manchmal sehr erfrischend, auch die freien und divergierenden Meinungen der Telefonanrufer) höre ich oft im Auto Cosmo, das hieß vor kurzem noch WDR Funkhaus Europa, wird aber auch in Hamburg und Berlin, nicht nur NRW, betrieben.
Leider klingt es auch hier oft deutlich komprimiert, manchmal aber weniger, also besser.
merkt man immer daran, ob die Lautstärke runterregeln muß, oder hochfahren darf...

Wenn es im Auto rockiger sein darf, gibts Radio Bop in DAB+, speziell so um 20-21 Uhr moderiert Alice Cooper auf Englisch, mit netter Musikauswahl und plaudert aus dem Nähkästchen der End60er, Früh-Siebziger und seiner Rockerlebnisse , auch über seine Erlebnisse mit anderen Musikerkollegen.
Diese Sendung klingt für Radio Bop (trotz niedriger Datenrate) ziemlich anhörbar.
Auch auf Radio Bop gibt es bez. Kompression Licht und Schatten.

Bez. DAB+ muß man sagen, es hat großes Potential, auch bez. Klang, nur müßten die Sender etwas dafür tun und oft auch mal etwas mehr Datenrate dazugeben.

Satradio ist jedenfalls im Hausbereich sehr gut, wegen seines mp2 Verfahrens mit hohen Datenraten.
(MP2 kann generell besser sein als mp3...)
DAB+ (auf mp4-Niveau) hätte alle Möglichkeiten sehr sehr gut zu klingen, nur mit mickrigen Bitraten ist da nichts, Sender wie WDR3 zeigen mit besserer Bitrate was möglich ist!

Und zuhause höre ich eher bewußt, also CD, DVD (Audio/Video), Blu-Ray, Vinyl, vieles vom flac-server, LMS, über Wlan zur Anlage verteilt.


Zur Ausgangsfrage,
Es gibt wohl nur wenige Hersteller von DAB+ Chips/Dekodern, ich meine sogar nur 2-3.
Welcher im Gerät vorhanden ist, wird der produzent kaum offenbaren.
Wegen der wahrscheinlich nur 2 alternativen Chips ist es dann auch kein Wunder, daß DAB+ Radio in verschiedenen Geräten sehr gleich klingt.
Und dann das besprochene problem, daß die meisten Sender so wenig "Gehalt" senden, daß da auch keine Details mehr zu hören sind zum Differenzieren...
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Beitragvon RitterRudolf » 01.04.2018, 14:08

Hallo Rainer
Ich höre jetzt schon lange per PC Internetradio.
Ist nicht unbedingt eine Lösung für Deine Ansprüche ,aber eine Überlegung wert.
Immer wenn ich neue Sender finde habe ich diese in eine XMind Software eingebaut.
Von 128 bis 2000 kbps von Rock bis Classic alles kostenfrei und gut klingend.
Nachdem XMind läuft kann ich mit einem Klick über Foobar den Sender hören.
Auch die Webseite des Senders mit dem Programm ist anwählbar.
Bei diesem Angebot ist die Auswahl das eigentliche Problem.
Was ich immer noch nicht gefunden habe ist „Essensmusik“(Hintergrund-Nahrungsaufnahme²)
Schöne Ostern
Rudi ..
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Beitragvon SolidCore » 01.04.2018, 14:17

Hallo Rainer

Was du noch versuchen könntest, wäre ein Jitterkiller.
Falls das Signal tatsächlich vom Sender oder Chip versaut wurde,
könnte es besser wären.
Ich nutze einen zwischen einer Popcorn Hour und Lexicon Surroundvorstufe.
DTS und AC3 Filmtöne wurden dadurch räumlicher, sauberer, klarer.

https://ifi-audio.com/portfolio-view/ac ... ipurifier/

Gruss
Stephan
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Beitragvon Radiohörer » 22.05.2018, 23:07

Audiophiles-HiFi hat geschrieben:Das moderne Radio ist zu oft totkomprimiert und hat dadurch den Wohlklang verloren.
Jede Minute oder Pfennig darauf zu verwenden, durch DAC o.ä. mehr herauszukitzeln lohnt nicht, da nichts mehr in meister Radiomusik mehr enthalten ist.


Als langjähriger Radioliebhaber muss ich diese Aussage relativieren.
Es mag sein, dass Datenreduktion, Einsatz von Optimod und Dynamikkompression und anderes Sounddesign in vielen Sendern aggressiv benutzt wird und dadurch einige Sender gar nicht, andere nur zum Teil über eine neutrale und gute Anlage genießbar sind.
Dennoch gibt es ganz viele Sender, vor allem fast alle Kultursender der ARD, weiterhin DLF und DLF Kultur, die größtenteils, zumindest aber zu den Haupt-Abend-Sendezeiten und nachts teilweise sogar unkomprimiert senden. Das ist dann über eine entsprechende Wiedergabe (1. ausgereizte UKW mit hochwertigem Tuner, top abgeglichen und mit großer Richtantenne in guter Empfangslage oder 2. DVB-S mit ebenso hochwertiger Technik und DAC) durchaus genießbar.

Das erstmal nur zum Klang, was aber bei weitem nicht das entscheidende bei Radiohören ist.

Hier geht es vielmehr um Inhalte, die anderswo nicht verfügbar sind. Es geht um
-Features mit Wortbeiträgen,
-um Infos, Porträts, Vorstellungen, Berichte
-es geht um aktuelles Kulturleben mit neuen Künstlern, die teilweise nicht oder noch nicht auf Tonträger verfügbar sind
-um aktuelle oder auch historische Liveaufnahmen oder Rundfunkaufnahmen, die teilweise ebenfalls nicht auf Tonträger greifbar sind.

Das ist, was zumindest für sehr neugierige Musikliebhaber mit Interesse an dem aktuellen Musikleben und auch jenseits des Tonträger-Markts, das Radio so hoch spannend und eigentlich unverzichtbar macht. Hier geht es aber v.a. um klassische bzw. E-Musik, mit deutlicher Einschränkung auch Jazz, Weltmusik, etc. Alles andere ist sicher nicht wirklich gut, und im Pop, Rock Bereich geht es fast nur um Infos und nicht um Klang.


So, die Frage war aber nach Technik. Derzeit ernstzunehmende Digital-Radio-Technik ist leider weiterhin nur DVB-S, alles weitere kommt qualitativ immer noch nicht daran. Und der Aufwand ist doch wirklich überschaubar, kleiner Schüssel irgendwo in nicht prominenter Lage reicht auch...

Viel Spaß beim Entdecken der Musikwelt jenseits der Grenzen, die die Tonträger und Streaming und Download setzen, denn da gibt es noch viel spannendes...

Grüße
Balázs
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Beitragvon Audiophiles-HiFi » 23.05.2018, 10:46

Hallo Balazs, Radiohörer,

Du hast natürlich nur einen kleinen Teil meines Beitrags zitiert, ich schrieb ja die "meisten" Radios sind totkomprimiert, welche sich dann über eine gute Anlage entlarvend dünn anhören.

Die von Dir erwähnten Ausnahmen, wie ARD Kultursender, DLF, sind mir bekannt, hatte ich evtl. auch erwähnt, da ich selbst gern WDR3 zu jazz und weltmusikzeiten abends im Auto über DAB+ höre, sehr wertwoll.

Und natürlich die besonderen Inhalte von Radio.

Also, ich kann DAB+ im mobilen bereich wie Auto und Boot via Autoradios, die zusätzlich natürlich auch noch UKW analog bieten, wirklich empfehlen, falls man für Auto o.ä. Neuanschaffungen tätigt.

Für zuhause, demnächst auch zusätzlich in meinem Auto für Musik von Festplatte, empfehle ich jedoch tatsächlich einen guten DAC, ggf. mit Internetstreaming, klein, stromsparend, via Raspberry Pi und Hifiberry DAC+ Pro.
Natürlich klingt damit gutes Internetradio wie WDR3, DLF, gut, das sogenannte Dudelfunkradio jedoch flach......

Daß Satradio sehr gut klingen kann, auch darin stimmen wir überein, ich begründete es zuvor bereits technisch.

Der Fragesteller in dieser Diskussion wollte vor allem wissen, ob es unterschiedlich gut klingende Digitalradios gibt, also technische Produktlösungen, weniger, daß es natürlich gute und weniger gut klingende Sender gibt oder gute Radioinhalte.
Das mit den guten Radioinhalten vieler - auch Dudelsender! - ist ja das Problem, man würde gern z.B. ein rockiges Radio Bop oder ein weltpopmusikalisches WDR Cosmoradio genießen, hat jedoch zu vielen Sendezeiten bei den erwähnten Sendern eine mäßige Klangqualität, die den Hörgenuß unnötig schmälert.
Beide Sender zeigen in bestimmten Programmen, daß auch sie klingen können...


Grüße
Georg
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