Nicht geschirmte, symmetrische Kabel

Player, Streamer, Wandler, Vorverstärker usw.

Beitragvon Fortepianus » 17.07.2018, 23:32

Hallo Hans-Martin,

eben war ich im Hörraum und bin ziemlich begeistert. Das H-Kabel kommt jetzt erst richtig aus den Puschen! Meine üblichen Teststücke angespielt und das war ziemlich eindeutig. Ich kann jetzt zwar nicht mehr umschalten auf H-Kabel ohne Vorspannung, aber nach wie vor kann ich fernbedient vom H-Kabel auf meine Standard-Verkabelung samt Umschaltanlage umschalten. Diesen Unterschied kenne ich gut, und der ist ganz deutlich größer geworden, auch eindeutig größer als mit den 9V Vorspannung bei Version 1.0. Besonders bei einem Stück bin ich hängen geblieben und habe es zweimal komplett durchgehört:

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7. Stück "Karmosin". Das Album habe ich in einer hervorragenden 24/96er-Fassung. Wow, die AGM haut mir die Trommelschläge zu Beginn so unvermittelt in die Magengrube, dass ich erschrecke. Ich schalte um auf Standardkabel. Jesus, ist das lahm im Vergleich. Und die Becken-Tupfer genauso. Die bleiben mit dem vorgespannten H-Kabel unglaublich lange im Raum stehen, bis sie verklungen sind. Nach Ende des Stück spiele ich nochmal kurz den Anfang, dann die gleiche Sequenz mit anderer Polung. Also, groß ist der Unterschied nicht. Ich höre ein paar Mal hin und her und entscheide mich für + an der Quelle, - am Masseleiter. Erklärung dafür, warum das Teflon-Dielektrikum unterschiedlich klingen soll, wenn anders rum vorgespannt, habe ich allerdings keine parat. Egal, ich geh jetzt das ganze Album "Being There" vom Tord Gustavsen Trio anhören. Mit 27V Vorspannung und Minus am Masseleiter.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon Hans-Martin » 18.07.2018, 10:04

Hallo Gert,

ich sehe mich grundsätzlich bei allen Komponenten nach Alternativen der Betriebsweise um, versuche, das Gegenteil meiner Überzeugung gründlich als Alternative zu prüfen. Oder vorbehaltsfrei z.B. beide Netzsteckerpositionen anzuhören, um ein jedem vertrautes Prinzip zu nennen. Wenn man einen Unterschied wahrnimmt, kann man ihn vielleicht qualitativ und quantitativ einordnen, sich für das bessere entscheiden. Der große Vorteil liegt darin, das sonst unbetrachtete Nebeneffekte miteinbezogen werden, einen überraschen und zum Denken zwingen, so habe ich schon manchen Aha-Effekt erlebt.

Ausgehend vom geschirmten Kabel mit mehreren Inneleitern habe ich einen für Signal nicht genutzten zentralen Leiter gegenüber dem Schirm vorgeladen und dabei beim Umpolen einen wahrnehmbaren Unterschied festgestellt, der sich mit der vereinfachenden Betrachtung, es sei dasselbe Dielektrikum, dem Kondensator müsse die Polung egal sein, nicht erklären lässt.

Elektronen sind negativ, koaxiale Anordnungen sind nicht symmetrisch, der Schirm hat erheblich mehr Oberfläche als der zentrale Leiter, kann also mehr Ladung aufnehmen. Ich vermute, wenn es um Schirmwirkung geht, hat eine mit Elektronen gesättigte Fläche mehr Chancen, während ein Medium mit weniger freien Elektronen eine geringere Leitfähigkeit hat. Zu dieser eher bildhaften Vorstellung kommen die Erfahrungen mit an die Signalmasse / Funktionserde angeschlossene Kupfer- oder Silberblöcke, über die wir hier in den letzten 12 Monaten diskutiert haben (Juergen).

Ein Kupferblechstreifen, am Ende so zusammengerollt, dass er auf die dem Eingang benachbarte Cinchbuchse passt, oder ein fettes Kabelbüschel bei der Passivbox an den Minuspol parallel geklemmt, oder die Masseverbindung mit 6 qmm beim H-Kabel sind Varianten desselben Themas, wo hingegen die dünneren Signalleiter sich für die Übertragung im Brillanzbereich bewährt haben.

Ich denke, vereinfachende Modelle treffen die Realität nicht mehr hinreichend. Mehr Masse erscheint hilfreich, mehr Masse hat mehr Elektronen, mehr Elektronenreservoirs andocken hilft (und das Oberstufenphysikwissen reicht zum Verständnis nicht mehr aus, weil die Frage nach dem geschlossenen Stromkreis von der mechanischen Existenz in die Zeitebene verlegt wird).

Deshalb meine ich, dass eine Alufolie unter dem Teppich und eine dort positive Vorspannung gegenüber der Anlage-Signalmasse durchaus kein Aprilscherz sein muss, auch wenn es auf den ersten Blick danach aussehen könnte.

Wenn ich hier nicht soviel schreiben würde, könnte ich glatt mehr Zeit in Experimente stecken ... :wink: Es freut mich, dass du dir noch Zeit zum Schreiben nimmst :cheers:

Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon Fortepianus » 20.07.2018, 07:37

Hallo Hans-Martin,

Hans-Martin hat geschrieben:Deshalb meine ich, dass eine Alufolie unter dem Teppich und eine dort positive Vorspannung gegenüber der Anlage-Signalmasse durchaus kein Aprilscherz sein muss, auch wenn es auf den ersten Blick danach aussehen könnte.

ehrlich gesagt bin ich da doch skeptisch, ob man durch eine solche Maßnahme einen Klanggewinn erzielen kann. Bei meinem Hörraum ist der Erwartungswert umso niedriger, als der Teppich nur die Fläche zwischen Lautsprechern und Hörsofa abdeckt und da keinen Anlagenteile oder Kabel drauf oder drunter sind. Wäre das bei Dir anders?

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon SolidCore » 22.07.2018, 08:54

Hallo zusammen

Interessiert habe ich mitgelesen. Irgendwie fiel mir dazu auch Audioquest ein, die mittlerweile bei einigen Produktreihen ihre Batterie einsetzen. Und kann mich erinnern, das sie irgendwann auch mal die Voltzahl erhöhten, ich glaube aktuell 72V. Gerds Versuch, 27V statt 9V zu nehmen, bestätigt diese Theorie.

Eins fiel mir dazu passend noch ein, was mir unklar ist, aber bestimmt Bedeutung verdient. Im H-Kabel waren die Leiter Pin 2+3 locker im Zopf mit Masse verflochten. Dadurch variiert die Entfernung Masse zu Signal. Wäre es für die Vorspannung nicht vielleicht besser, wenn sie einen definierten, engen Abstand zu Ader 2+3 hätte? Vielleicht sogar nebenbeinander, Signal außen, Masse mittig?

Alles nur Theorien, die mich als Kabelfreak immer zu Denkprozessen verleiten. :) Der Schuss kann natürlich auch nach hinten losgehen, was man leider immer erst erfährt, wenn man es ausprobiert. Interessant finde ich bereits jetzt, was derlei Maßnahmen bewirken können. Und wie man mit relativ bezahlbaren Mitteln zu guten Ergebnissen kommt. Dachten doch vor 1-2 Jahren viele User hier im Forum, das wäre alles Voodoo, scheint nun ein Umdenken stattzufinden. Jupiters unermüdliche Werbeaktion scheint da maßgeblich Wirkung zu zeigen.

Gruss
Stephan
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Beitragvon Hans-Martin » 22.07.2018, 11:13

Hallo Stephan,
ich habe Bill Low (audioquest) 1998 in einer E-Mail meine Erfahrungen mit Batterievorspannung geschildert, 5 Jahre später kam das DBS heraus. Dr. Pierre Johannet hatte aber schon in den 1980er Jahren - (5 Jahre vor meinen Experimenten (1992/93)) ein Kabelkonzept mit Batterievorspannung vorgestellt, wie ich viele Jahre später nach einem Hinweis von Thorsten Loesch feststellen musste.
https://www.aktives-hoeren.de/viewtopic.php?p=43798#p43798
Wenn man einen isolierten Leiter einem vergleichbaren Leiter mit Luftabstand gegenüberstellt, könnte man das mit den Regeln für die Berechnung von Kapazitäten erschließen. Eine höhere Vorspannung ist in solchen Fällen bestimmt hilfreich.
Ich habe nur mit Kabeln experimentiert, die abgeschirmt waren und die angelegte Spannung einen Innenleiter gegenüber dem Schirm vorspannte. Da war nicht viel Luft im Spiel.
Dieses spezielle Thema (DBS) ist vermutlich einen eigenen Thread wert.
Grüße Hans-Martin
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Hans-Martin
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