Netzstecker und -kabel

Player, Streamer, Wandler, Vorverstärker usw.

Beitragvon Hans-Martin » 10.07.2018, 07:14

Hallo Alwin,

Stephans Hinweise kann ich weitgehend bestätigen, u.a. hatte ich schon früher hier ein Netzkabel aus luftisoliertem Satellitenkabel beschrieben, wo um Nulleiter und Phase jeweils die Schutzerde auf dem Schirm läuft, dessen SolidCore Innenleiter aber nach VDE nicht zulässig ist (und das Luftdielektrikum ist beim Knicken ein Problem).

Wenn man Kabel verwendelt, reduziert man die Induktivität und sorgt für einen mechanischen Zusammenhalt gegen Magnetostriktion, die Festigkeit der Wendelung schlägt sich klanglich nieder.

Das Netz liefert HF-Dreck, die Geräte sind über Schutzleiter letztlich ebenso gekoppelt wie über die Kapazitäten zwischen den Gehäusedeckblechen, und natürlich über die Kabelverbindungen. Beim Netzkabel ist die Schutzerde also nicht ohne weiteres zu vernachlässigen.

Das Thema ist extrem komplex, viel facettenreicher und problematischer als LS-Kabel.

Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon Mister Cool » 10.07.2018, 09:33

Hi,

auch wenn ich kein Kabelfreak bin, ist mir die Funktionsweise und Auswirkung von Lautsprecherkabel (z.B. kapazitive oder induktive last für die endstufen) und Verbindunskabel (z.B Einstreuungsunempfindlichkeit bei Cinch- oder Symetrisch/XLR-Kabel) je nach Aufbau nachvollziehbar. Aber da redden wir über eine gewissermassen vollständige abgeschlossene Einheit zwischen komponente A und B.

Aber bei den "Netzkabel" bekomme ich "Bauchschmerzen" :-)

Du schreibst ja selbst von der reduzierten Kapazität und dem HF-Dreck aus dem Netz. Wie sollen die letzten gepimpten 2 Meter einer kilometerlangen Netzleitung (das sind dann nicht mal ein Promil der ganzen Verbindungstrecke) die Kapazität und die Einstreuungsunempfindlichkeit so signifikant verändern, dass wir von einer grossen klanglichhen Auswirkung sprechen können? Was ist mit den X Kilometern des Netzes davor, bis zu der Steckdose?

Ich halte solche Betrachtung für etwas "isoliert". Sie nennt zwar die einzelnen physikalischen Effekte, die relevant wären, aber ob sie hier anwendbar sind, da habe ich meine Zweifel.

Das erinert mich ein Bisschen an die Diskusionen zum Thema Silberlot vs. "Standartware" -> was nutzt das Pimpen von einer einzelnen Lötstelle (z.B. am Cinchkabel) mit Silberlot, wenn das Audiosignal anschliessend hunderte von Lötstellen auf den Platinen von Vorverstärker, DSPs, Wandler, Endstufen,... durchläuft, die mit Standardlot gelötet sind? Verändert diese eine Löstelle so wundersam den Klang?

Ich will hier nicht den Miesepeter spielen, alles in Frage stellen und den anderen den Spaß am Pimpen Versauen. Denn ich mache das auch. Aber ich bin mir dessen bewust, dass ich es wegen des "ich habe gutes Gefühl und Spaß dabei, das Beste für meine Anlage getan zu haben". Aber ich mache mir dabei nichts vor und glaube nicht, dass jede dieser Pimp-Veränderung tatsächlich eine klangliche Verbesserung (oder überhaupt Veränderung) bewirkt. Deshalb muß ich auch nicht unbedingt jede Pimp-Aktion mit physikalischen Efekten/Phänomenen rechtfertigen/erklären/nachweisen. Ich mache es, weil es mir spaß macht, fertig, aus :-)

Audio/Musik ist doch ein wunderbares Hobby und was zählt, ist der SPASS dabei, sich damit zu beschäftigen :-)

Grüsse,
Alwin
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Beitragvon SolidCore » 10.07.2018, 09:51

Hallo Alwin

Ich kann deine Ausführungen durchaus verstehen. Sperrte ich mich doch selbst als gelernter Elektriker
gegen Netzkabelklang. Genau auf deine Weise: Vom Kraftwerk kommt doch Industriekupfer. Sind doch nur 230V usw.

Ich glaube, die einzige wirksame Methode, um es verstehen zu können, sind eigene Versuche mit verschiedenen Netzkabeln. Eine Audio-Netzleiste sollte dafür vorhanden sein, ganz gleich welche.

Meist ist der Einfluss an Quellgeräten am größten.Dabei entdeckt man dann erste Differenzen, die man zwar nicht versteht, aber akzeptiert, weil sie nunmal nicht dem Voodoo unterliegen. Vorsicht bei dem gern genannten Ölflex. Es sieht vielleicht besser aus, aber klanglich tut sich da nicht viel. Ideal wären 3 Netzkabeln mit verschiedenem Adernaufbau, statt 3 Kabel mit 3x 2,5 Litze mit anderem Aufdruck. Aber selbst ein Ölflex mit 1,5mm² gegen eins mit 2,5mm² klingt anders, paradoxerweise entgegengesetzt dem Querschnitt.

Heute bin ich der Meinung, je hochwertiger eine Anlage ist, umso mehr gewinnt das Thema Netzversorgung an Bedeutung. Ab einem bestimmten Punkt kommt man ohne diese Maßnahme nicht weiter. Man könnte nun auch theoretische Erklärungen aufführen, sie lassen aber leider nicht auf das zu hörende Resultat ableiten. Genau wie bei Cinch. Mit der Angabe der Leiter wie Silber, Gold, Kupfer usw, weiß man immer noch nicht, wie es im Einsatz klingt.

Gruss
Stephan
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Beitragvon plattenpuck » 10.07.2018, 10:40

Hallo zusammen,

ich kann wirklich jedem empfehlen sich einfach mal die Podcast Folge 71 von The Next Track anzuhören. Andy Doe (Audio Consultant) erzählt ein wenig was über Kabel und wie sie bei Produktionen und Recording Studios eingesetzt werden.

http://www.thenexttrack.com/71

Sehr spannend und, in meinen Augen auch sehr einleuchtend :cheers:
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Beitragvon Mister Cool » 10.07.2018, 11:43

Das war gut :-)

interessant sind 5:40, 9:05, 11:55 aber die wesentliche Aussage kommt ab 25:30

Grüsse,
Alwin
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Beitragvon Hans-Martin » 11.07.2018, 01:14

8) Wow!

[5:40] soviel geballte Kompetenz auf einem Haufen; Klingeldraht eignet sich nicht für Plattenspieler zum Verstärker, bessere Kabel haben die Masseleitung auf einem Schirm.
[6:40] auf LS-Kabel müssen schon spektakuläre StörSignale wirken, um die Membran zu bewegen...
Wer mal früher LS-Kabel parallel zu Netzkabeln in eine Fußleiste gequetscht hatte, versteht vielleicht, warum störende Langwellensender demoduliert aus den Boxen kamen, die Erklärung geht über die Gegenkopplung des Verstärkers, das LS-Kabel als Antenne.
[7:10] Hauptsache, sie sind schön dick (die LS-Kabel)
[9:50] neues StudioEquipment setzt auf bessere Messwerte, was man hören kann man messen, niedrigere Verzerrungen, niedrigerer (??? hat er für meine Ohren jedenfalls gesagt) Störabstand
[11:00] weil man die Unterschiede nicht messen kann, können sie auch nicht hörbar sein
[12:50] wenn Kabel den Klang beeinflussten, wäre das ein seltsamer Einfluss auf das Signal
[25:16] Es gibt keine physikalische Erklärung, wie das den Klang besser machen würde
[25:40] Audioquest DBS, steht wohl für ein dynamisches Etwas - ich verstehe was von BS (BullShit)
[26:20] Honestly I don't have a clue (übersetzt: ich habe keine Ahnung)

Ich habe 12 Minuten übersprungen, wer weiß, was ich dort noch gefunden hätte ...

Der Titel "Hi-Fi Snake Oil" lässt schon ahnen, in welche Richtung das Gespräch gehen wird, dass hier mal wieder mit Oberstufe-Schulbuch-Wissen ein Beweis geführt werden soll, vom Pragmatiker, der weiß, wie er eine ordentliche Aufnahme zustande bekommt, der aber nicht weiß, wie empfindlich sein Hörer auf subtile Veränderungen nach Kabeltausch beim Klang reagiert, sobald er es sich in seinem Sessel gemütlich gemacht hat.

Ich finde solche Beiträge eigentlich Zeitverschwendung, Kasperltheater ohne Bild, da fehlt mir noch das Krokodil und der Polizist. Ich suche mir lieber Leute, die Erklärungen liefern, warum der Klang sich ändert, und verzichte auf die, die sinngemäß sagen, dass da ihnen eine für ihr Hirn verständliche Erklärung nicht vorliegt und ihre Messgeräte keinen Unterschied messen können, auch keiner da sei. Geistig ist der Podcast nicht auf der Höhe der Zeit, was Erkenntnisse betrifft. State of the Art sieht für mich anders aus.

Das dumme Gesülze (Hallo, DBS heißt Dielectric Bias System und nicht Dynamic Bull Shit, und mit Erstgenanntem habe ich in den frühen 1990ern experimentiert, Erfahrungen gesammelt, war aber nicht der erste, wie Johannets Veröffentlichungen bereits 5 Jahre früher zeigten, Audioquest kam 10 Jahre später, 5 Jahre nach meinen Mitteilungen per Mail an Bill Low - Gründer Audioquest) zeigt dem erfahrenen Experimentator, dass den Interviewpartnern offenbar so manches fehlt, aber Einbildung ist ja auch eine Form der Bildung. Andy: Honestly I don't have a clue. Das könnte doch alles Gesagte angemessen infragestellen.

Und genau darum geht es: Jeder sollte für sich selbst anhand seiner eigenen (oder des Lebensabschnittsgefährten) Wahrnehmbarkeitsschwellen feststellen, ob Veränderungen an der Anlage (Komponententausch) für ihn klang- oder hörrelevante Unterschiede bringen.

Es sollte jedem klar sein, das Menschen schon lange hören konnten, weit bevor Messgeräte diesbezüglich entwickelt wurden. Die Frage, ob zuerst die Henne oder das Ei zuerst da war, ist in vorgenanntem Aspekt sicherlich widerspruchsfrei geklärt: Messgeräte werden erst nach zuerst wahrgenommenen, dann physikalischen Vorstellungen entwickelt.

Ob es gelingt, eine Skalierung zu hörrelevanten Aspekten zu gestalten, ist eine Frage von vielen Zwischenschritten der Annäherung. Es ist wohl offenbar wenigen heutigen Praktikern geläufig, welchen Schwierigkeiten die Entwickler der 1940-1960 Jahre gegenüberstanden, bis brauchbare Zeigerausschläge zu den Hörerlebnissen passten.

Im Kasperltheater hätte der Polizist nun seinen Schlagstock (war es eine Latte?), um auf den Bösewicht einzuprügeln. TriTraTrulllala!

Hans-Martin

P.S.
Es ist möglich, die vielen verkehrten Ergüsse der Tonmeister durch Invertieren zu korrigieren. Ich nenne da aus meiner Sammlung gewonnene Zahlen von 90% bei Klassik, 40% bei Pop und Jazz. Erschreckend, und zugleich ein ernsthafter Zweifel an der Kompetenz der Masteringingenieure. Die scheinen auf den Ohren zu sitzen oder krude Vorstellungen von dem zu haben, was richtig ist.

Der Grundtonbereich der Instrumente und Stimmen wird durch Laufzeit-/Phasenunterschiede geortet, während das Obertonspektrum durch Pegelunterschiede die gewünschte Abbildungspräzision gewinnt. Dumm nur, dass Solistenmikrofone oder PickUps keine lokalisationsrelevanten Daten liefern, ein PanoramaPotentiometer soll es richten (vergeblich!). FLOW korrigiert das Unvermögen der Masteringingenieure, wobei anzumerken ist, dass David Griesinger (Lexicon) 1987 dazu seinen Vortrag bei der AES gehalten hat. Das Wissen um die Zusammenhänge ist in diesen Kreisen also schon über 30 Jahre alt, aber Klaus Wendt hat mit seiner Dissertation 1962 schon die Weichen gestellt.

Wenn man nun bedenkt, dass seit Einführung der Stereolangspielplatte 60 Jahre vergangen sind, muss man sich fragen, warum die Tontechnik noch immer so weit hinter dem Aspekt der Authenzität hinterherhinkt. 2 Menschengenerationen haben es nicht erreicht, stattdessen vergurkt man mittels Dynamikkompression die Reste von Authentizität, macht alles zur perfekten Wurst ( so sieht die Hüllkurve aus).
Mir wurscht, ich schalte ab (wegen Unerträglichkeit, wegen Mangel an Raumtiefe).
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Beitragvon music is my escape » 11.07.2018, 08:24

Hallo Hans Martin,

Vielen Dank für Deinen Beitrag.

Ohne unser Hobby und die damit verbundenen Phänomene zu sehr mit etwas wirklich Wichtigem gleichsetzen zu wollen: wenn Menschen schon immer dazu geneigt hätten, unregelmäßig und in versch. Abstufungen wahrgenommene Dinge einfach zu ignorieren bzw. sie als weitestgehend eingebildet, sprich nicht real, zu deklarieren oder gar diejenigen mit der geringsten Sensibilität zum Maß zu erklären, würden wir heutzutage vermutlich unter etwas anderen Umständen leben.

Und über die reichlich bequeme Mentalität, dass etwas nicht sein kann, nur weil es nicht sein darf, sollte man auch irgendwann einmal hinweg sein bzw. zumindest diejenigen, die es sich nicht so einfach machen und auf versch. Weisen versuchen, reproduzierbare Ergebnisse und im besten Fall sogar vernünftige und nachvollziehbare Erklärungen zu finden (und dabei sicher auch öfter mal in einer Sackgasse landen), in Ruhe ihr Ding machen lassen und nicht stetig mit Spott überziehen und in irgendeine esoterische Spinnerecke stellen...

Viele Grüße,
Thomas
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Beitragvon chriss0212 » 11.07.2018, 08:50

Hallo Thomas,

music is my escape hat geschrieben:in Ruhe ihr Ding machen lassen und nicht stetig mit Spott überziehen und in irgendeine esoterische Spinnerecke stellen...

du sprichst mir aus der Seele... hat die eigentlich schon jemand nachgewiesen? :cheers:

Viele Grüße

Christian
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Beitragvon SolidCore » 11.07.2018, 09:49

Hallo zusammen

Ich seh das genau wie ihr. Der Podcast klingt wie die Konsens des Hifi-Forums: Kann nicht - braucht nicht - und vor allem: will nicht.

Sobald man absolut vorurteilsfrei und ohne den Drang, es verstehen zu wollen, an Hörversuche geht,
wird man so manches entdecken.

Audio-Saul, ein Hifi-Händler aus Oberhausen, sagte einmal zu mir, nach Fachsimpeln über Theorien und Nennen von Abhandlungen wie den Podcast: Was willst du eigentlich? Denken oder Hören?

Ich denke, die Umschreibung trifft es schon ganz gut. Ich glaube aber auch, das je mehr ein User unbedingt ein passendes Messergebnis, oder die Erklärung einer Klangdifferenz benötigen, umso weniger seinen eigenen Ohren oder Empfindung vertraut. Er benötigt den Beweis, um Unsicherheit auszuschliessen. Um sich bloss nicht zu verrennen. Man sollte dabei nur bedenken, das mittlerweile schon so viele an Selbstsicherheit gewonnen haben, das bei solchen Artikeln eher der Gedanke von "Einsteiger" entsteht, der wahrlich keinerlei Abwertung hervorruft, nur den Status seiner Entwicklung aufzeigt.

Gruss
Stephan
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Beitragvon Hans-Martin » 11.07.2018, 22:15

SolidCore hat geschrieben:Was willst du eigentlich? Denken oder Hören?

Hallo Stephan,
ich will hören, aber dann auch den Zusammenhang, die Kausalität von Ursache und Wirkung verstehen.

Ich glaube aber auch, das je mehr ein User unbedingt ein passendes Messergebnis, oder die Erklärung einer Klangdifferenz benötigen, umso weniger seinen eigenen Ohren oder Empfindung vertraut. Er benötigt den Beweis, um Unsicherheit auszuschliessen. Um sich bloss nicht zu verrennen.

Wie war das noch mit dem Eisengehalt von Spinat? Ein Kommafehler in der Doktorarbeit...
Ich kenne ein konkretes Beispiel, wo mOhm anstelle von MOhm stand, die Tipse hat da nicht perfekt gearbeitet, Unterschied nur 1 Milliarde...
Dann doch lieber genau beobachten bzw. hinhören.
Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon SolidCore » 11.07.2018, 23:22

Hallo Hans Martin

Ich wundere mich vielleicht einfach nur, wieso grade solche Themen, wie Stromversorgung, unbedingt verstanden werden wollen. Obwohl bei anderen Berichten, wie beispielsweise ein Lampizator einen XY überflügelt, niemand fragt, wie das kann, und auch nicht weiss. Oder Vorstufe YX gegen eine andere.
Oder ein CD-Spieler im Vergleich zu einem anderem. Findet man da die Antworten für die technische Grundlage der erhörten Qualität?
Dann könnte man seine Geräte nach Bildern mit offenem Deckel aussuchen.
Das Grundprinzip dieser Beispiele ist jedoch wie bei Kabeln. Ein durchdachtes zieht an einem vorbei, das nur VDE erfüllt, oder eben weniger durchdacht wurde.
Manchmal ist es auch nur Geschmacksfrage, wie oft bei Lautsprechern.
Von daher hat Audio-Saul mit seinem Focus aufs Hören schon nicht Unrecht. Eigentlich egal, um was es da bei Hifi geht.

Gruss
Stephan
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Beitragvon Hans-Martin » 12.07.2018, 00:25

Hallo Stephan, das Thema Stromversorgungskabel will gerade deshalb verstanden werden, weil es bei weitem nicht so einfach ist wie AudioInterconnect oder passives LS-Kabel. Selbst Digitalkabel lassen sich leichter verstehen, gerade wegen der definierten 75 Ohm, aber mit der Schwierigkeit, dass die meisten Geräte für SPDIF Steckverbinder benutzen, die fern von den vorgeschriebenen 75 Ohm sind, und auch AES/EBU über XLR könnte daran scheitern, dass nicht einmal Neutrik zu einer Aussage über den Wellenwiderstand seiner Steckverbinder imstande ist.

Die Schwierigkeit beim Netzkabel sehe ich in der fehlenden Klarheit über die Bedingungen, die auf jeweils beiden Seiten des Kabels herrschen.

Mehrere Geräte spielen zusammen, darunter reine Analog, aber auch Digitalgeräte, sowie HF-orientierte Geräte (z.B. UKW/MW-Tuner). Die Kombination solcher Geräte ist benutzerspezifisch, also nicht generalisierbar, außer der Einigung auf einen Mix mit seiner Undefiniertheit.
Im Versorgungsknotenpunkt (z.B. Mehrfachsteckdose) kommen die Schutzerden zusammen, aber auch jeweils die Leiter für Phase (L) und Null (MP).
Störeinflüsse kommen aus dem Netz, von einzelnen Geräten und von außen (HF von verschiedensten Quellen, wie von geeigneten Empfängern genutzt und demodulierbar bis hin zu Sonnenaktivitäten).
Das Netzkabel beeinflusst die Interaktion zwischen den Geräten, es ist nicht frei von Induktivität, stellt also eine Phasendrehung und Tiefpass (auf hoher Frequenz) dar.
Da Trafos und Gleichrichter mit nachfolgendem Siebelko allgemeine Praxis zur Versorgung der Geräte sind, können schon die Schaltvorgänge der Gleichrichterstrecken ins Netz zurückwirken, und bei Schaltnetzteilen wird eine rückwirkende Klangbeeinträchtigung immer wieder berichtet, trotz vorgeschriebener Netzfilter bei SNTs.
Laut HMStrassner bilden die SchukoLeiter mit ihrer Induktivität zusammen mit der Kapazität zwischen den Gehäuseoberflächen einen Parallelschwingkreis, dessen Resonanzfrequenz von extern angeregt werden kann. Mir ist es nicht gelungen, mit dem Leader GridDipper das nachzumessen, aber der Gedanke hat überzeugende Aspekte.
Auf der anderen Seite möchte man eine Zuleitung mit möglichst geringen Innenwiderständen, damit der Trafo sein volles Potenzial (ohne in die Sättigung zu geraten) entfalten kann zur Ladung der fetten Elkos über möglichst schnell schaltende Gleichrichter.
Die Schutzerde muss einen wenigstens gleich geringen, wenn nicht geringeren Innenwiderstand haben als das eigentliche Leiterpaar zur Stromversorgung, sonst wäre der Schutz nicht gewährleistet.

Netzseitig gibt es dann noch Sicherungsautomaten mit ihrem komplexen Aufbau, einem Mix von mehr als 6 unterschiedlichen Materialien bzw. Strukturen. Eine alternativ eingesetzte Schmelzsicherung kann da viel geradliniger und induktionsärmer die Geräte ans Netz koppeln, was bedeutet, dass der Automat HF -wenn auch nur geringfügig- HF weniger durchlässt, aber das gilt für beide Richtungen. Folglich werden hier auch Reflexionen zu erwarten sein, die Störungen aus Geräten zu anderen Geräten reflektieren.

In dieser Gemengelage von Einflussgrößen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit in meinem Beitrag) ist es schon erstaunlich, dass es Netzkabel gibt, die allgemein häufiger überzeugen.

Jedes Ausgangssignal eines Gerätes hat seinen Ursprung aus der Stromversorgung, nur seine Modulation wird von einem Quellsignal mitbestimmt. So kann man leichter verstehen, warum die Ladung des Netzteils letztlich vom Netzkabel abhängigt ist, die Erdung/Abschirmwirksamkeit des Gerätes ebenso.

Ich habe hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Aspekte, aber es dürfte jedem klar sein, dass alle anderen Kabel der Kette weniger Vielfalt der Aspekte aufweisen.
Netzkabel sind die Königsklasse bei den Kabeln, besonders bei schlecht gemachten Netzteilen natürlich...
Grüße
Hans-Martin
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Beitragvon SolidCore » 12.07.2018, 09:09

Hallo Hans Martin

Dabei ist es nichtmal schwer, ein gutes Netzkabel zu bauen. Da finde ich die bisherigen, genannten Ausführungen schwieriger zu verstehen, obwohl es dabei noch nichtmal um das Kabel selbst geht.
Auch die ganzen Abhandlungen über Störungen im 230V Netz verwirren. Ganz Europa hängt an einem großem Ringnetz, was die dollsten Arten von elektrischem Schmutz beeinhaltet. Nun sollte man aber auch mal bedenken, ob und welches Hifigerät sich überhaupt davon beeinflussen lässt. Viele reagieren nämlich in keinster Weise klanglich darauf. Wohl aber oft auf dessen Stromkabel. Schaltnetzteile in direkter Nähe können wirklich Störgrößen einbringen. Es ist aber Unsinn, der ganzen Kette einen großen Netzfilter vorzusetzen, der gleiche nur am Gerät, das wirklich einen braucht, klappt nochmals besser. Oder die Variante, wo man nur die störenden Schaltnetzteile mit einem Filter versieht, damit sie nicht zurückstreuen können- Man verbindet auch nicht den ganzen Körper, wenn man sich in den Finger geschnitten hat.

Gruss
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Beitragvon KSTR » 12.07.2018, 10:36

Einfach richtig viel Common-Mode-Impedanz in die Netzzuleitungen machen (alle drei Leitungen, also incl Schutzerde), und die Geräteverbindung (der Massen) im Gegensatz dazu möglichst niederohmig/-induktiv und alles wird gut, alle Netzkabelphänomene verschwinden. Zusätzliche Differential-Mode-Filterung ist immer hilfreich, aber Common-Mode ist viel wichtiger und noch wichtiger ist dass allgemein Filter verlustend sein sollen, also die Energie verheizen statt zu reflektieren.

Je höher die Common-Mode-Impedanz umso mehr hängt das Gerät in der Luft, d.h. verhält sich fast so als ob es an einem batteriebetriebenen guten Generator hinge. Machen das alle Geräte, verschwinden höherfrequente Ausgleichströme zwischen Geräten und zT auch im Gerät selbst.

Leider wird meist genau das Gegenteil gemacht, die Signalmassen-Verbindung ist halbgar und wird nicht mit den möglichen Mitteln verbessert, aber die Netzverbindung der Geräte untereinander wird möglichst kurz, kompakt und niederinduktiv gemacht, also sowohl minimale Common-Mode-Impedanz wie auch kaum Diff-Mode, und wenn Filter (die zudem selten PE filtern) dann global vor die Leiste wo sie nichts bringen. Das kann nicht klappen und tut es auch nicht, deswegen die scheinbare Empfindlichkeit der Geräte auf die Netzverkabelung.

Aber nie vergessen, der gemeine Audiophile sucht ja nicht die technisch richtige Variante, sondern die welche besser klingt. Meist ist das nicht identisch, ein bischen dynamische mit der Musik modulierte Störungen werden oft als besser, frischer klingend empfunden. Klassiker zB richtig gute Netzfilter bzw Trenntrafos (bei denen immer nur ein Gerät pro Trafo verwenden), da wird oft berichtet dass es damit müder klingt, als ob es den Verstärker (oder was auch immer) bremsen würde... was natürlich totaler Unfug ist, weil tatsächlich (also gemessen) sind nur die Störungen weg oder deutlich weniger.
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Beitragvon chriss0212 » 12.07.2018, 11:05

Hallo Klaus,

ein sehr schöner Satz, der sicherlich viel Wahrheit beinhaltet, ohne wertend zu werden:

Aber nie vergessen, der gemeine Audiophile sucht ja nicht die technisch richtige Variante, sondern die welche besser klingt. Meist ist das nicht identisch, ein bischen dynamische mit der Musik modulierte Störungen werden oft als besser, frischer klingend empfunden.


Einzig das "Meist" würde ich gegen gegebenenfalls tauschen ;)

Vielen Dank dafür.

Christian
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