Großartige Blues-Songs

Klangperlen und künstlerische Leckerbissen

Großartige Blues-Songs

Beitragvon Newton » 08.03.2018, 15:26

"Ain't Nothin' Like Whiskey", by Lightnin' Hopkins and The Blues Summit, Big Joe Williams, Sonny Terry, Brownie McGhee

Zu hören u. a. auf dieser CD:
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Ein gut siebenminütiger, ziemlich lässiger und humorvoller Vokalwettstreit über Frage, wer wann wo wieviel Whiskey getrunken hat. Vor allem Lightnin’ Hopkins (1912–1982) war einfach eine "coole Sau".
Wenn ich richtig recherchiert habe, stammt die Aufnahme aus dem Jahr 1964. Sie klingt fantastisch!

Der Rest der Doppel-CD lohnt übrigens auch.

Beste Grüße
Andreas
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Newton
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Beitragvon Newton » 09.03.2018, 11:59

"'Til My Back Ain't Got No Bone", von Albert King (1923-1992)

Zu finden auf diesem Album:

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Wer ein wenig alten Blues hört, kennt höchstwahrscheinlich das Album Born Under a Bad Sign aus dem Jahre 1967.
Mir hat es aber besonders diese Nummer von 1974 angetan, die ein tolles Feeling hat: Die Story von einem armen Kerl, der sich schlicht und einfach nach seiner Liebsten namens Lucy sehnt und durch eine kalte, regnerische Nacht irrt. Eine atmosphärische Soul-Blues-Nummer, die ganz relaxt beginnt und phonetisch geschickt gesteigert mit einem starken Solo endet.
Wie Hendrix spielte auch King als Linkshänder eine Rechtshändergitarre, ließ die Besaitung aber bestehen. D. h.: Die tiefe E-Saite war bei ihm unten. Gespielt hat er nahezu nur auf den vier oberen Saiten und konnte wie sein "Blues Brother" B. B. King mit nur wenigen Tönen auf seinem Instrument zaubern. Nebenbei war er auch ein fantastischer Bluessänger.

Im Rolling Stone findet man ein ironisches, ziemlich selbstbewusstes Bemerkung des Gitarren-Hünen (1,97 m,120 kg) über seine Begegnung mit Hendrix im Fillmore Auditorium 1967: "I taught [Hendrix] a lesson about the blues. I could have easily played his songs, but he couldn't play mine."

Gibt es bei Qobuz. Der Stream klingt gut, die LP besser. Auf den Nordeutschen Hifitagen hat Einstein-Chef Volker Bohlmeier u. a. diese Nummer gespielt. Bei der Vorführung 2017 klang es so beeindruckend, dass im Hörraum eine Atmosphäre wie auf dem Plattencover zu spüren war. Echt kein Witz!
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Newton
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Beitragvon Schorsch » 09.03.2018, 17:50

Hallo Andreas,

danke für den Tipp, habe es mir gerade bei Tidal angehört.

Viele Grüße
Georg
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Beitragvon Newton » 10.03.2018, 12:40

Gern! :D
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Newton
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Beitragvon Newton » 10.03.2018, 12:57

„Blue Valentine“, von Tom Waits.

Zu hören auf diesem Album:

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Für mich persönlich ein ganz besonderes Stück. Mitte der 80er war der Song meine erste Begegnung mit Waits.
Die Aufnahmen zum gleichnamigen Album begannen am 24. Juli 1978 mit überwiegend neuer Besetzung. Waits war hörbar auf der Suche, wollte schwarze Musiker und versuchte sich erstmals auch an der E-Gitarre. So begleitet er sich allein, spielt sehr schlicht und zurückhaltend vor allem zwei Akkorde ( E9, Dm7 - am Ende kommen noch Am7 und A7 dazu), während er die Geschichte von einem Typen erzählt, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird, der versucht, vor seinen Erinnerungen zu fliehen, den Gewissensbissen und Schuldgefühlen plagen.
Das jazzige, wehmütige Solo spielt der Jazz-Gitarrist Ray Crawford (1924 bis 1997), der u. a. auch auf Aufnahmen von Gill Evans zu hören ist.
Waits hat live im Studio aufgenommen. Was der Aufnahme ihre Authentizität verleiht. Die ganze Album klingt sehr räumlich, ungemein packend und atmosphärisch.
Zum Cover:
Der innere Cover zeigt eine typische US-Tankstelle. Die Frau mit der roten Jacke, die Waits an den Ford Thunderbird presst, ist (angeblich) Rickie Lee Jones.

Gruß
Andreas
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Beitragvon Newton » 11.03.2018, 20:36

"Boom Boom", von John Lee Hooker

zu finden u.a. hier:

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Noch eine erste Begegnung – 1980 im Film „Blues Brothers“. Hooker ist in einer Straßenszene zu sehen und singt:

„Boom, boom, boom, boom
I'm gonna shoot you right down… “

Ich fand das damals so cool, leider war das Stück aber nicht auf dem Soundtrack zum Film zu hören.
So landete der Song schließlich erst nach Hookers Platten-Comeback 1989 in meiner Sammlung.

Die US-Ausgabe des Rolling Stone schrieb über das Album von 1992: „Hooker's droning, incantatory single-note style wreathes his threatening, half-muttered stories and laments in an aura of mystery, forcing the listener into rapt attention, hanging on every word..“ Und kam zu dem Schluss: „Hookers unerbittlicher Boogie ist ein ein Grundpfeiler der Rock-Geschichte…“

Der Song entstand viele Jahrzehnte zuvor aus einer wahren Begebenheit in Detroit. "Ich ging eines Abends in eine Kneipe", so Hooker. "Ich trat dort in der Apex Bar auf und war niemals pünktlich. Der Bartender war eine Frau, sie hieß Willow, Ich ging zur Tür rein und sie sagte: 'Boom boom, du bist wieder mal zu spät!' Als würde sie eine Pistole abfeuern, so hielt sie die Finger hoch. 'Boom boom, du bist wieder zu spät!' Und das schnappte ich auf." (Quelle: Bear Familiy Records)

Das Vinyl aus den 90ern klingt richtig schön fett und macht unglaublich Spaß. Der Stream bei Qobuz ist aber auch nicht schlecht.

Gruß
Andreas
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Beitragvon Newton » 13.03.2018, 21:35

„Coming to Town“, Miles Davis und John Lee Hooker

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Der Opener des Soundtracks zu "THE HOT SPOT", stellvertretend für das gesamte Album.
Der Film von Dennis Hopper erzählt die Geschichte eines Kriminellen (Don Johnson „Miami Vice“), den es in ein verschlafenes Kaff in Texas verschlägt und ist eigentlich kaum der Rede wert.

Anders der Soundtrack, für den Arrangeur und Komponist Jack Nitzsche eine „ultimative“ Blues-Band formierte. Wobei er Hooker und Davis weitgehend ihr Ding machen ließ. So summt und murmelt Hooker inbrünstig zum spartanischen Spiel auf der Gitarre, während Davis seiner Trompete entrückte Töne entlockt. Studioprofi Tim Drummond (Bass) und Schlagzeuger Earl Palmer legen dazu bei einigen Stücken ein solides Rhythmusfundament.
Dass mit Taj Mahal und Roy Rogers zwei weitere Hochkaräter im Studio waren, spielt eigentlich keine Rolle. Denn Miles Davis und John Lee Hooker dominieren das gesamte Album mit ihrem unverwechselbaren Sound. Eine atemberaubende Zuammenarbeit zweier großer Musikerpersönlichkeiten.

Meine LP aus den 90ern klingt ausgezeichnet. Weiträumig, knackig und klar. Mittlerweile gibt es aber auch eine audiophile Pressung als Doppel-LP in 45rpm über die US-Vinyl-Papst Michael Fremer schrieb:
"There was no American vinyl issue of this back in 1990. In fact, there wasn’t much vinyl of anything back then and whether or not the original UK vinyl was sourced from analog is in doubt, yet original copies of it go for upwards of $100.00. I’ve got a copy and take my word for it, that this double 45rpm reissue destroys the original. If you dig the Paris, Texas soundtrack album for its moody, desolate vibe and superb sonics, you’ll love this reissue. It’s outta the ballpark great!“

Der Stream bei Qobuz (unter „Hot Spot“) klingt auch nicht schlecht und hat den unschätzbaren Vorteil, dass man 40 Minuten lang ohne Pause in dieser großartigen Musik versinken kann.

Reizvoll ist es, sich danach mal wieder Miles Davis’ Soundtrack zu Louis Malles „Fahrstuhl zu Schafott“ von 1958 anzuhören.

Gruß
Andreas
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Beitragvon tovow » 15.03.2018, 03:32

Hallo Andreas,

schön das du auch so Blues Affin bist und einige Empfehlungen sind TOP.
Und John Lee Hooker kann ich bis zum Abwinken hören. In di "THE HOT SPOT" habe ich
gleich mal Reingehört. Gefällt mir sehr gut.
Ich habe Heute die CD gehört.
James Cotton: Deep In The Blues

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Ist auch so eine Minimal Besetzung aber trotzdem Mitnehmend und Involvierend.
Auf dem Cover steht zwar Gitanes Jazz Produktions, aber mir kommt es vor, als ob James Cotton
2 Päckchen Gitanes (die Blauen) geraucht hätte und mit viel Southern oder Jackie gespült hätte. :wink:

Beste Grüße
Theo
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Beitragvon Newton » 15.03.2018, 20:09

Danke für den Tipp, Theo. Schönes, erdiges Blues-Album, trotz der luxuriösen Besetzung.

Besten Gruß
Andreas
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Beitragvon hkampen » 15.03.2018, 21:34

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Mein Blues-Favorit. Toller Groove, toller Sound, teilweise rockig, dann wieder intim, und der eigene Rhythmus von John Lee Hooker kommt auf dem Album sehr gut zum Tragen. Alter Blues elektrisch.

Grüße
Harald
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Beitragvon Newton » 15.03.2018, 21:53

Ja! Das Titelstück mit seinem schleppenden Groove hatte ich auch auf meiner Liste. Wobei mir das Duett mit Van Morrison auf „Chill out“ fast noch besser gefällt. :cheers:
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Beitragvon hkampen » 15.03.2018, 22:20

In der Dokumentation RUMBLE: The Indians Who Rocked The World wird ja die These aufgestellt, dass Indianer starken Einfluss auf den frühen Blues hatten. Vor allem Frauen sollen aus Indianerstämmen versklavt worden sein, während die Männer wohl zu schwer zu kontrollieren waren. Charley Patton, Link Wray , Tina Turner und Jimi Hendrix hatten bzw, haben indianische Vorfahren, um nur ein paar rauszugreifen. Bei anderen ist das nicht bekannt, aber durchaus möglich. Indianisch klingt für mich zum Beispiel auch Ma von Rare Earth, geschrieben von Norman Whitfield. Ob der allerdings indianische Vorfahren hatte, hab ich nicht rausbekommen.

Grüße Harald
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Beitragvon Horse Tea » 15.03.2018, 22:36

Newton hat geschrieben:Ja! Das Titelstück mit seinem schleppenden Groove hatte ich auch auf meiner Liste. Wobei mir das Duett mit Van Morrison auf „Chill out“ fast noch besser gefällt. :cheers:


In meiner Jugend war das meine favorisierte Interpretation:

https://m.youtube.com/watch?v=ypZBJ4URoIQ

Viele Grüße
Horst-Dieter
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Horse Tea
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Beitragvon hkampen » 16.03.2018, 01:53

Newton hat geschrieben:Ja! Das Titelstück mit seinem schleppenden Groove hatte ich auch auf meiner Liste. Wobei mir das Duett mit Van Morrison auf „Chill out“ fast noch besser gefällt. :cheers:


Van Mirroson ist unbestritten gut, aber seine Stimme mag ich nicht so sehr. Auf It Serves You Right To Suffer sind mehrere gute Stücke, da hab ich meine Schwierigkeiten, mich zu entscheiden. Es hängt von der Stimmung ab. "Shake It Baby" vielleicht.

Müsste ich noch mal drüber nachdenken … Think It Over – von B. B. King, erstmalig erschienen 1958 (soweit ich weiß): Youtube / Qobuz

Grüße
Harald
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Beitragvon Newton » 18.03.2018, 22:11

Hallo Harald,
mir geht’s gar nicht so sehr um das vermeintlich beste Stück auf einer Scheibe, sondern um Songs, die ich (man) persönlich ganz besonders – sprich: großartig – finde(t). Aus welchen Gründen auch immer. (Text, Sound, Atmo, Feeling etc.) So erlaube ich mir hier eine subjektive, hoffentlich im Einzelnen ausreichen begründete Auswahl, und hoffe auf Tipps anderer bluesaffiner Mit-Foristen, wie Dir oder Theo.

Nette Grüße
Andreas
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