Barock-Boxen im Vergleich

Klangperlen und künstlerische Leckerbissen

Barock-Boxen im Vergleich

Beitragvon Rudolf » 17.11.2017, 19:40

Liebe Barock-Fans und vor allem diejenigen, die es vielleicht noch werden möchten,

noch nie war die Auswahl an guten Sammelboxen mit hochwertigen Aufnahmen von Werken des Barock so groß wie heute. Einige davon habe ich mir zugelegt und gehört. An meiner Meinung möchte ich euch teilhaben lassen bzw. euch auffordern, eure kundzutun, natürlich gerne auch zu weiteren Boxen, die ich mangels Kenntnis nicht in meine Betrachtung einbezogen habe. Ich habe hier nur weitgehend "lupenreine" Barock-Boxen berücksichtigt, die also keine oder nur wenige Werke aus den angrenzenden Musikepochen der Renaissance bzw. der Klassik beinhalten.

Warum übrigens gerade "Barock-Boxen" und nicht "Klassik-Boxen"? Weil die Barockmusik mit dem von J.S. Bach perfektionierten "Generalbass" unseren modernen Musikstilen (Pop und Jazz) oftmals näher steht als die nachfolgende Klassik bzw. Moderne. Das ist zumindest mein Empfinden, obwohl meist Debussy, Ravel und Satie als klassische Inspiratoren des modernen Jazz genannt werden.

Soviel sei vorab verraten: Die nachstehend vorgestellten Boxen sind allesamt ihr Geld wert. Es handelt sich um durchweg hochwertige Aufnahmen mit bekannten Künstlern zu Schnäppchenpreisen. In der Regel stützen sie sich auf ein oder mehrere Stamminterpreten bzw. Stammensembles, die für das jeweilige Label besonders viele Barockwerke eingespielt haben. Insofern kann man durchaus von gewissen "Labelsounds" sprechen.

Die meisten Alben stammen aus den 80er und 90er Jahren, sind also im Durchschnitt ca. 30 Jahre alt. Sie haben seitdem allerdings kaum an Aktualität verloren, denn sie berücksichtigen bereits durchweg die sog. "historisch informierte Aufführungspraxis", die zum Ziel hat, Musik vergangener Epochen mit authentischem Instrumentarium, historischer Spieltechnik und im Wissen um die künstlerischen Gestaltungsmittel der jeweiligen Zeit wiederzugeben. Gerade in Bezug auf die Musik des Barock erscheint mir dies die richtige Herangehensweise zu sein. Es mag aber auch meine Vorliebe für kleinere Ensembles und die Jazzmusik sein, bei denen Einzelinstrumente und -stimmen stets differenzierbar bleiben (sollten). Im Gegensatz dazu passt für mich der typische "Orchesterklang" eher zu symphonischen Werken der Klassik wie z.B. den Spätwerken von Beethoven. Um es mit einem Beispiel zu erläutern: Vivaldis Vier Jahreszeiten, von Karajan und den Berliner Philharmonikern süffig eingespielt, gehen für mich gar nicht. Wie herrlich "durchhörbar" dagegen die auf den vorgestellten Sammelboxen befindlichen Einspielungen von Trevor Pinnock mit The English Concert oder von Christopher Hogwood mit The Academy of Ancient Music! (Wer die Vier Jahreszeiten übrigens noch moderner/historischer interpretiert hören will, der greife zu der famosen Einspielung der Sonatori de la Gioiosa Marca mit dem Geigenvirtuosen Giuliano Carmignola.)

Bei der Vorstellung der Boxen beabsichtige ich so vorzugehen, dass ich diesen Beitrag peu à peu ergänze und ihr gerne aufgerufen seid, in den Folgebeiträgen auf die vorgestellten Sammlungen und natürlich auf die Barockmusik im Allgemeinen einzugehen. Ich bin gespannt, ob das so klappt. :D

Beginnen möchte ich allerdings mit keiner Box, sondern dem soeben erschienen CD-Sampler Les maîtres du Baroque vom französischen alpha-Label, der die Highlights der gleichlautenden 18CD-Box enthält. Er ist für Neulinge der ideale Prüfstein, ob eine weitere Beschäftigung mit der Barockmusik lohnt. Dieser Sampler bietet eine höchstwertiges, 2-stündiges Potpourri durch die Instrumental- und Vokalmusik der Barockepoche und ist bei Amazon als mp3-Download für € 3,98 erhältlich:

Alpha - Les maîtres du Baroque (2 CD)

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Performance: ●●●●●
Repertoire-Wert: ●●●●●
Klangqualität: ●●●●●
Booklet: ●●●

Tracklist:
CD 1
01. Bach - Cello Suite No. 1 in G Major, BWV 1007: I. Prélude
02. Vivaldi - Gloria in D Major, RV 589: I. Gloria in excelsis Deo
03. Bach - Brandenburg Concerto No. 1 in F Major, BWV 1046: III. Allegro
04. Charpentier - Te Deum, H. 146: Prélude-Te Deum laudamus
05. Bull - Bull's Goodnight, MB 143
06. Purcell - Dido & Aeneas, Act III, Z. 626: "Thy Hand, Belinda" / Dido's Lament
07. Monteverdi - L'incoronazione di Poppea, SV 308, Act I Scene 4: Speranza, tu mi vai
08. Rameau - Les tendres plaintes (Rondeau)
09. Pergolesi - Stabat Mater, Manuscript from "Les Menus-Plaisirs du Roy": Quando corpus morietur
10. Albinoni - Sinfonie a cinque per due violini, alto, tenore, violoncello e basso, Op. 2, Sonata No. 2 in C Major: I. Largo
11. Lully - Te Deum, LWV 55: Salvum fac populum tuum, Domine
12. Kuhnau - Der Gerechte Kommt Um (Motet) [Arrangement par Johann Sebastian Bach]
13. Vivaldi - Violin Concerto in G Minor, "Summer", Op. 8 No. 2, RV 315: III. Presto

CD 2
01. Vivaldi - Violin Concerto in E Major, "Spring", Op. 8 No. 1, RV 269: I. Allegro
02. Bach - Missa Brevis in G Minor, BWV 235: Qui tollis peccata mundi
03. Couperin - Troisième Livre De Pièces De Clavecin, Ordre XVII: La Superbe Ou La Forqueray
04. Bach - Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen in G Minor, BWV 12: II. Coro "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen"
05. Lully - Le bourgeois gentilhomme, LWV 43: Marche pour la cérémonie des Turcs
06. Pergolesi - Stabat Mater, Manuscript from "Les Menus-Plaisirs du Roy": Stabat Mater dolorosa
07. Bach - Brandenburg Concerto No. 3 in G Major, BWV 1048: I. Allegro-Adagio
08. Vivaldi - Magnificat In G Minor, RV 610a: VIII. Sicut Locutus
09. Rameau - Le rappel des oiseaux
10. Monteverdi - VIII Libro Dei Madrigali: "Ardo E Scoprir Ahi Lasso", Sv 158
11. Bach - Goldberg Variations (Aria mit Verschiedenen Veränderungen), BWV 988: Aria
12. Purcell - Dido & Aeneas, Act III, Z. 626: Chorus "With Drooping Wings"
13. Vivaldi - Violin Concerto in F Minor, "Winter", Op. 8 No. 4, RV 297: II. Largo

Was hier geboten wird, ist sowohl hinsichtlich der Auswahl der Kompositionen als auch der Interpreten herausragend. Und die Klangqualität ist bei Alpha sowieso auf höchstem Niveau. Der anschließende Kauf der großen Box ist eigentlich unumgänglich. :wink: Vielleicht hört ihr mal rein und schreibt etwas dazu?

Viele Grüße
Rudolf
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Rudolf
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Beitragvon Lefreck » 21.11.2017, 00:33

Hallo,
Das Album kann man sich auch bei Qobuz in CD-Qualität anhören resp. kaufen. Besten Dank für den Tip, Rudolf :cheers:

LG
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Beitragvon Thomas K. » 21.11.2017, 12:13

Rudolf hat geschrieben:Die meisten Alben stammen aus den 80er und 90er Jahren, sind also im Durchschnitt ca. 30 Jahre alt. Sie haben seitdem allerdings kaum an Aktualität verloren, denn sie berücksichtigen bereits durchweg die sog. "historisch informierte Aufführungspraxis", die zum Ziel hat, Musik vergangener Epochen mit authentischem Instrumentarium, historischer Spieltechnik und im Wissen um die künstlerischen Gestaltungsmittel der jeweiligen Zeit wiederzugeben. Gerade in Bezug auf die Musik des Barock erscheint mir dies die richtige Herangehensweise zu sein. Es mag aber auch meine Vorliebe für kleinere Ensembles und die Jazzmusik sein, bei denen Einzelinstrumente und -stimmen stets differenzierbar bleiben (sollten). Im Gegensatz dazu passt für mich der typische "Orchesterklang" eher zu symphonischen Werken der Klassik wie z.B. den Spätwerken von Beethoven. Um es mit einem Beispiel zu erläutern: Vivaldis Vier Jahreszeiten, von Karajan und den Berliner Philharmonikern süffig eingespielt, gehen für mich gar nicht. Wie herrlich "durchhörbar" dagegen die auf den vorgestellten Sammelboxen befindlichen Einspielungen von Trevor Pinnock mit The English Concert oder von Christopher Hogwood mit The Academy of Ancient Music! (Wer die Vier Jahreszeiten übrigens noch moderner/historischer interpretiert hören will, der greife zu der famosen Einspielung der Sonatori de la Gioiosa Marca mit dem Geigenvirtuosen Giuliano Carmignola.)

Hallo Rudolf,

dieser Abschnitt spricht mir aus der Seele. Deshalb freue ich mich über Deine Empfehlung. Die von Dir erwähnten Sonatori de la Gioiosa Marca mit Guiliano Carmignola, haben mit den Vier Jahreszeiten meine persönliche Referenz eingespielt.

Viele Grüße
Thomas
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Beitragvon Hironimus_23 » 21.11.2017, 20:29

Hallo Rudolf,

vielen Dank für Deinen Tipp, den ich in Spotify gleich durchgehört habe. Auch wenn ich die Werke lieber vollständig höre, so hat der von Dir genannte Sampler mir Freude bereitet. Aber so wolltest Du es ja auch verstanden wissen, zum Anfüttern für Neulinge und bei Gefallen der Zugriff auf die Gesamtbox.

Und gelernt habe ich dadurch auch wieder etwas, dass Monteverdi bereits zum Barock (Frühbarock) zählt.

Als Fan der Barockmusik favorisiere ich auch durchhörbare Musik, also kleinere Besetzungen bis hin zu Kammerensembles.

Wenn Du also über weitere spannende Barockalben/-boxen berichten wirst, ich bin jetzt schon gespannt :D .

Viele Grüße,
Hironimus
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Beitragvon Rudolf » 21.11.2017, 22:44

Deutsche Grammophon / Archiv Produktion - Die Barock-Box (50 CD)

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Performance: ●●●●●
Repertoire-Wert: ●●●●●
Klangqualität: ●●●●
Booklet: ●●

Bis heute veröffentlicht die Deutsche Grammophon unter dem Label "Archiv Produktion" Werke der sog. "Alten Musik". Aus dem Katalog dieses Labels stammt denn auch der größte Teil der Aufnahmen. Den Schwerpunkt bilden (14) CDs mit Werken von Bach*, mit einigem Abstand gefolgt von weiteren wichtigen Vertretern der Barockmusik wie Händel, Monterverdi, Vivaldi, Rameau und Purcell. Die Ensembles bilden das "Who-is-who" der Deutschen Grammophon aus den 90er Jahren: Gardiner mit den English Baroque Soloists, Pinnock mit dem English Concert, McCreesh mit dem Gabrieli Consort & Players, Goebel mit seinem Musica Antiqua Köln. Hier sind fast ausschließlich populäre Aufnahmen versammelt und keine mit dem Stempel "einzigartig" aufgewerteten Ladenhüter.

*) Schade allein, dass die von mir so geschätzten Bach'schen Cembalo- und Violinkonzerte keine Berücksichtigung finden; bei den anderen Boxen übrigens (fast) auch nicht. Dafür gibt es die Suiten für Violoncello in der famosen Einspielung von Pierre Fournier.

Die Klangqualität ist sehr ordentlich und durchweg besser als bei vielen Aufnahmen des "normalen" DG Klassik-Labels. Das Booklet enthält nur Titel- und Interpretenangaben, Aufnahmeort und -zeitpunkt werden verschwiegen. Ein wenig schade finde ich auch, dass man zugunsten eines einheitlichen Erscheinungsbildes auf die Originalcover verzichtet hat. Mit derzeit € 100,00 € liegt diese Box am oberen Ende der Skala. Trotzdem erhält sie von mir vor allem wegen der durchweg hohen künstlerischen Qualität eine dicke Kaufempfehlung.

Alben:
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Der Vollständigkeit halber erwähnt werden sollen noch zwei weitere aktuell erhältliche Barock-Boxen aus dem Fundus der "Archiv-Produktion":

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Hierbei handelt es sich eher um Sammlungen für Liebhaber und Spezialisten. Für Einsteiger scheint mir die vorgestellte "Barock-Box" insgesamt lohnenswerter und vollständiger.

Viele Grüße
Rudolf
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