Vivaldi - Vier Jahreszeiten (in zwei neuen Bearbeitungen)

Klangperlen und künstlerische Leckerbissen

Vivaldi - Vier Jahreszeiten (in zwei neuen Bearbeitungen)

Beitragvon Melomane » 14.12.2015, 22:31

Hallo,

ich höre gerade in diese zwei neuen Versionen hinein,

1.
Nigel Kennedy mit den New Four Seasons

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http://www.qobuz.com/de-de/album/vivald ... 6443392380

2.
Daniel Hope mit den von Max Richter recomposed Four Seasons

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http://www.qobuz.com/de-de/album/recomp ... 2894793305

Beide Fassungen orientieren sich natürlich an Vivaldi, aber auf unterschiedliche Weise: Kennedy macht ordentlich auf Effekt, insofern der Orchesterpart ergänzt und verfremdet wird. Dabei entstehen teils höchst lyrische Passagen, die konterkariert werden durch den großen Effekt. Kennedy halt.

Hope und Richter gehen einen eher geruhsamen Weg, der offenbar mehr Wert auf quasi Binnenklangeffekte legt.

Beides sehr interessant, natürlich nichts für denjenigen, der auf Partiturtreue Wert legt. Und bestimmt anregend für Diskussionen. Zumal beide - Kennedy und Richter - auch sonst nicht unumstritten sind. Was ja durchaus ein Qualitätsmerkmal sein kann. ;)

Meine Einschätzung noch unter Vorbehalt, da ich in beide Versionen erst vorab mittels mp3-Stream hineingehört habe, aber den Kelch noch nicht geleert habe. ;)

Gruß

Jochen
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Beitragvon music is my escape » 16.12.2015, 01:48

Hallo Jochen,

Als die ReComposed von Richter damals rauskam, war ich völlig von den Socken und auch heute noch gehört dieses Album zu meinen absoluten Favoriten, wie vieles von Max Richter.

In die andere Aufnahme werde ich morgen mal reinhören, danke für den Tipp!

Thomas

:cheers:
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Beitragvon Bernd Peter » 16.12.2015, 08:51

Hallo,

an dem Stück haben sich schon viele probiert.

Eigentlich geht es ja um Wettermeldungen und wie man sich dabei so fühlt bzw. was man da so macht.

Bin mal gespannt, ob der "alte" Kennedy das nun präziser spielt als in seiner Frühphase.

Nichts gegen freie Improvisation, aber bitte nicht schlampig werden.

Gruß

Bernd Peter
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Beitragvon music is my escape » 16.12.2015, 19:48

Hallo,

zum neuen Werk von Nigel Kennedy hat SWR2 folgende Rezension veröffentlicht:


SWR2 hat geschrieben:Nigel Kennedy meldet sich zurück. Nigel Kennedy, der Punkwundergeiger, er war mal ein echtes Wunderkind. Der Vater Cellist, die Mutter Pianistin, im Alter von sechs Jahren gab man ihm eine Geige, mit sieben wurde er an der Londoner Yehudi-Menuhin-Schule aufgenommen und von Menuhin persönlich gefördert, mit 16 wechselte er zur Juilliard School nach New York, wo ihn unter anderem der Jazzgeiger Stéphane Grappelli instruierte. Kennedy ging mit Bach und den Berliner Philharmonikern auf Tournee, er bearbeitete Hits von Jimi Hendrix für Geige, und 1989 veröffentlichte Nigel Kennedy ein Album mit den „Quattro Stagioni“ von Antonio Vivaldi, zu Deutsch: „Vier Jahreszeiten“ – hinter dieser Programmmusik verbergen sich hochvirtuose Violinkonzerte. Die Platte ist – jedenfalls behauptet das die Plattenfirma – bis heute das meistverkaufte Klassik-Album aller Zeiten. Und Kennedy, der Clown, das Enfant Terrible, tanzte der Musikbranche umso fröhlicher auf der Nase herum.

„Man sehe ihn an, diesen Fratz! Als Einzelwesen hat er noch ein wenig zu wachsen, aber als Typus ist er ganz fertig, als Typus des Künstlers. Er hat in sich des Künstlers Hoheit und seine Würdelosigkeit, seine Scharlatanerie und seinen göttlichen Funken, seine Verachtung und seinen heimlichen Rausch.“ So hat einst, zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, Thomas Mann in seiner Wunderkind-Novelle das verbogene Geschöpf Bibi charakterisiert, ein Pianistenwunderkind, und es trifft, denke ich, wörtlich auch zu auf Nigel Kennedy. Dann wurde es stiller um Kennedy. Er zog um nach Polen, er heiratete, er spielte in Bars und auf kleinen Bühnen Klezmermusik.

Jetzt legt das Label SONY CLASSICAL ein neues Album von Kennedy vor. Es heißt: „The New Four Seasons“. Nigel Kennedy bearbeitet Vivaldi für eine Pop-Combo, bestehend aus Schlagzeug, Hammondorgel, Elektrogeige, Elektronik und einem Vokalquartett, das von Nigel Kennedy verfasste Gedichte in von Nigel Kennedy vertonten Kompositionen vorträgt. Das Album soll den Erfolg des Wunderkinds von einst wiederholen. Ich habe vorab ein sogenanntes Weißmuster zugeschickt bekommen von der SONY, ein Presseexemplar.

Ich habe es aufgelegt, eine halbe Minute oder vielleicht noch kürzer einmal quer durchgezappt. Und dann habe ich die CD aus dem Player genommen und in den Müll geworfen. Da gehört sie hin. Nigel Kennedys Neu-Instrumentierung der „Quattro Stagioni“ von Antonio Vivaldi ist ohne Frage ein sehr bedauerliches Missverständnis.

Quelle: http://www.swr.de/swr2/musik/cd-tipps/m ... index.html

Mmh, ich bin gespannt! :mrgreen:

Grüße,
Thomas
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Beitragvon Melomane » 16.12.2015, 20:18

Hallo,

endlich mal ein ganzer thread zu einer musikalischen Anregung. :D

Hatte nicht jemand eingangs was von Diskussionspotential geraunt. ;)

Die vorstehende "Rezension" sollte sich jedenfalls ganz schnell in Richtung Papierkorb verflüchtigen. Kurz durchgezappt und ein Verdammungsurteil schreiben. So lieben wir das! :cheers:

Gruß

Jochen
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Beitragvon Sire » 16.12.2015, 21:52

Hallo,

nichts ahnend habe ich heute die Aufnahme per Spotify gehört. Zu Beginn war ich zufällig noch im Nebenraum und bekam einen Riesenschreck:

"Oh Gott, meine Anlage ist kaputt." :shock: Dann aber gehört, das muss so sein. :mrgreen:

Ich habe das Album dann komplett durchgehört. Also mir gefällt es, auch oder gerade weil es mit Partiturtreue nun wirklich nichts zu tun hat. Kennedy hat was Altes genommen und etwas inspirierend Neues daraus geschaffen. Dass sich dabei dem ein oder anderen Klassikliebhaber der Magen dreht, nun ja, wer hat gesagt, dass Musik stillstehen soll?

Gruß

Klaus
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Beitragvon music is my escape » 16.12.2015, 21:59

Melomane hat geschrieben:Die vorstehende "Rezension" sollte sich jedenfalls ganz schnell in Richtung Papierkorb verflüchtigen. Kurz durchgezappt und ein Verdammungsurteil schreiben. So lieben wir das! :cheers:

Hallo Jochen,

als ich den letzten Teil des Artikels las, dachte ich ebenso wie Du.

Jetzt im Moment, wo ich das Album zum ersten Mal höre, kann ich die Dame aber durchaus verstehen. Mich überkommt ein tiefes Gefühl der Scham und das, obwohl ich es allein im Raum (!) mit InEars (!!!) "genieße"... :oops:

Dennoch bleibe ich tapfer, vielleicht erschließt sich ja noch etwas. :mrgreen:

Thomas
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Beitragvon Funky » 17.12.2015, 15:53

Tja,

mal nicht was für die Mülltonne sondern das darf auch zu Ende gehört werden.

James Galway - so ätherisch, leicht federnd, die Transkription auf Querflöte -

Vivaldi The Four Seasons (with the Zagreb Soloists) (1977)

Das bringt eine ganz neue Sicht auf die Jahreszeiten. Logisch, dass das auf Vinyl noch besser kommt als auf CD - aber das ist hier absolute Nebensache.

Wenn schon anders, dann so

Funky
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Beitragvon Melomane » 12.01.2016, 20:42

Hallo,

ich habe mir den Richter auf Vinyl besorgt. Das war gut so! Denn der Unterschied zwischen LP und den per beiliegendem Gutschein besorgten mp3-files (die hatte ich auf Qobuz "vorgehört") ist frappant! Das digitale Format ist verglichen mit der LP einfach nur flach, die LP hat Tiefenschärfe, die Solovioline ist eine Violine und nicht nur ein matter Abklatsch und es gibt eine Bühne, die die Instrumentengruppen deutlich differenziert. Ich kann nur hoffen, dass sich die lossless-Formate besser präsentieren. Macht bei der LP richtig Spaß, den Verästelungen nachzuspüren! Aber ich finde auch, dass es sich letztlich um ein Klangfest handelt, ich finde, die Jahreszeitenatmosphäre ist im Vergleich zum Original weniger spürbar. Aber vielleicht muss ich mich auch richtig einhören.

Gruß

Jochen
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Beitragvon Funky » 30.01.2016, 20:55

Hallo Jochen,

habe jetzt zwar nicht die Einspielung mit Richter, aber Neville Marriner - sozusagen ganz klassisch. Nachdem ich hier zuerst die gerippte CD von einem Freund bekam, machte das Lust auf das Original als LP.
Keine Ahnung warum Überspielungen von analogem Material in die digitale Welt in der Klassik fast immer wesentlich flacher daherkommen (das ist im Pop nicht so krass) aber, es ist schon auffällig bei Klassik (sofern man nicht eine wie auch immer überarbeitete Neuauflage auf Vinyl erwirbt - da wurde meist auch schon verschlimmbessert).

Nun, also Neville Marriner und seine St. Martins, kann man nichts falsch machen, sozusagen der Klassiker unter den Klassikern. Wer nicht auf grosse Experimente steht, ist damit wirklich gut bedient. Locker, leichter Ton, wenn auch manchmal,für meinen Geschmack, etwas (zu) zaghaft.

Funky
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Beitragvon treble trouble » 01.07.2018, 12:33

Hallo,

ich höre normalerweise nicht viel Klassik bisher. Aber ich bin zufällig über die Vier Jahreszeiten von Max Richter gestolpert und fand die sehr witzig und interessant. (Die gibt es momentan bei qobuz im Angebot für noch 3 Tage). Vermutlich kommt mir zugute, dass ich das Original nicht so ganz genau kenne bis auf die Stellen, die man halt so kennt. Ich würde jetzt aber gerne den "Remix" mit dem Original genauer vergleichen.

Kann mir jemand eine gute "Original"-Version, die es bei qobuz gibt, empfehlen, die also gut aufgenommen ist? Inwieweit und in welchen Punkten sich die gefühlt hunderten Interpretationen unterschieden, kann ich auch nicht einschätzen. Vermutlich gibt es schwungvollere, "poppigere" Varianten und etwas getragenere auf der anderen Seite und ganz viele dazwischen? Womit sollte ich also anfangen? (Das ist mitunter ein Grund, warum ich den Einstieg in den Klassik-Bereich so schwierig finde.)

Schöne Grüße
Gert
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Beitragvon B. Albert » 02.07.2018, 16:17

Hallo Gert,

ich könnte dir eine gute Aufnahme empfehlen, weiss aber nicht, ob sie bei Quboz angeboten wird, nämlich die mit Trevor Pinnock und Simon Standage (Violine)

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amazon:https://www.amazon.de/Vivaldi-Seasons-Concerto-Violin-Violins/dp/B004SKH092/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1530476637&sr=8-3&keywords=vivaldi+vier+jahreszeiten+cd

Meines Erachtens immer noch eine der schönsten Aufnahmen.

Von den neueren finde ich die von Carmignola sehr gut:

Bild
amazon: https://www.amazon.de/Vivaldi-Four-Seasons-Jahreszeiten-Konzerte/dp/B00004T2PT/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1530540906&sr=8-1&keywords=vivaldi+vier+jahreszeiten+cd+carmignola

VG Bernd
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Beitragvon treble trouble » 02.07.2018, 16:53

Hallo Bernd,

Danke für die Tipps. Die werde ich mir bei nächster (ruhiger) Gelegenheit anhören.

Die Trevor Pinnock und Simon Standage Version gibt es bei qobuz:
https://www.qobuz.com/de-de/album/vival ... 2894746162

Die Carmignola Version gibt es mehrfach. Wäre ja auch zu einfach gewesen ;)
https://www.qobuz.com/de-de/album/vival ... 6443123182
https://www.qobuz.com/de-de/album/vival ... 9705135228
https://www.qobuz.com/de-de/album/vival ... 4645135229

Schöne Grüße
Gert
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Beitragvon Marbello » 04.07.2018, 10:03

Eine klangschöne Aufnahme, die eher das feinsinnige und weniger das motorische Element hervorhebt
ist die Einspielung von Janine Jansen. Ungefähr das Gegenteil zu der fetzigen ersten Aufnahme von Nigel Kennedy, mit der er berühmt wurde, die du aber vielleicht auch mal anhören solltest.

Gruß Fritz
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Beitragvon treble trouble » 04.07.2018, 10:26

Hallo Fritz,

Danke auch Dir. Ich habe das Album nun ebenfalls für's Reinhören als Favorit "getäggt".
https://www.qobuz.com/de-de/album/vival ... 2894784646

Von Nigel Kennedy gibt es dann wieder diverse Aufnahmen:
https://www.qobuz.com/de-de/search_v2?q ... i=boutique
Ich werde mir mal eine rauspicken.

Dann habe ich jetzt aber auch mehr als genug Anspieltipps. Ich weiß gar nicht, wann ich das alles anhören werden kann. Einmal hören reicht mir nämlich nicht, um eine Aufnahme einigermaßen kennenzulernen, so dass ich sie vergleichen kann. Ich werde wohl erst einmal nur einen "Satz"(?) (heißen die Einzelteile so? Also bspw. "Sommer 1") vergleichen.

Gruß
Gert
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