Aktiver Vinyl-Genuss - für die Unverbesserlichen ...

Klangperlen und künstlerische Leckerbissen

Beitragvon Funky » 01.11.2015, 20:29

Hallo Jochen,

mal losgelöst wer an der Geige den Ton angibt, (bei mir ist es Heifetz und Munch), einfach ein immer wieder hörenswertes Vionlin Konzert. Musste ich jetzt doch einfach auch nochmals rausholen.

Auf die Gefahr hin in die "frueher war eh alles besser" Ecke gestellt zu werden. Aber neben den ganzen neuen Beethoven Einspielungen gibt es Einspielungen, die sind zeitlos. Nun eine derjenigen die man praktisch kaum kennt.

Georg Solti hatte 1959 sowohl die 3te wie auch die 7te eingespielt. Und so wie man erstaunt ist, wenn man Karajans frühe Einspielungen der 1-3 hört (und die sind absolut hörenswert, in keinster Weise vergleichbar mit dem Zuckerguß der späten 70igern) so glaubt man seinen Ohren nicht, was Solti an Vitalität, Wucht und exakter Tempowahl hier geleistet hat. Gerade die 7te hat auch im Vergleich zu seiner eigenen in den 70igern - (und da ähneln sich Solit und Karjan mehr als mir lieb ist) oder der von Kleiber, Leibowitz und Paavo Järvi (die von 2010) eine Frische, die man der Einspielung von 1959 in keinster Weise zutraut.

Und wie so häufig, selbst Vinyl von 1959 stiehlt einer Sony Einspielung von 2010 die Schow, und zwar eklatant. Na, ja die Scheibe kostet inzwischen auch 4 mal so viel wie die Sony Scheibe

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Beitragvon Melomane » 01.11.2015, 20:52

Hallo Rainer,

du machst mir Appetit. Da muss ich mal an meinen Altbestand: Leider habe ich die Beethoven-Symphonien mit Solti nur in der Solti-Edition der 80er Jahre. Und die kommt meiner Erfahrung nach klanglich nicht mit britischen Pressungen mit. Übrigens besagt das Inhaltsblatt der Kassette, dass 1959 die Symphonien 3 und 5 veröffentlicht wurden, die 7 erst 1966.

Nach der Tagesschau soll sich zeigen, was Solti da präsentiert.

Gruß

Jochen
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Beitragvon Melomane » 01.11.2015, 21:59

Bah, war zu befürchten: Klanglich ist das Dingen spaßbefreit. Man ahnt zwar, dass da eine wohlklingende Decca-Aufnahme Vorlage war (solide Basslinie, klangvolle Bläser), aber diese Ausgabe legt einen Schleier davor: strähnige Violinen, kaum Räumlichkeit, keine Luft im Klangbild. Die Interpretation ist ein anderes Thema - in meinen Ohren klingt die so, als habe Solti nicht so recht gewusst, was er mit dem Klassiker Beethoven anfangen soll.

In Sachen Klang jedenfalls war doch die englische SDD 112 (Tschaikowski Ouvertüre 1812), die gestern lief, ein ganz anderes Kaliber. Durchsichtig selbst beim Artilleriebeschuss. ;)

So, nun gibt's von CD Beethovens 5. Klavierkonzert mit Rubinstein und Krips (RCA von 1956). :cheers:
Edit: Klanglich ist diese Aufnahme auch nicht über jeden Zweifel erhaben, aber da wussten offenbar zwei, was zu tun bzw. zu spielen ist.

Gruß

Jochen
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Beitragvon Funky » 01.11.2015, 22:35

Oje Jochen,

keine Ahnung was Du da für eine wie auch immer geartete Version hast - bei mir liegt die originale Decca wide silberband SXL 2121 mit den Wiener Philharmonikern auf dem PS und die Einspielung ist von Nov. 1959.
Ferner habe ich auch noch eine Deutsche Decca - ebenfalls eine SXL2121 - die klingt auch sträniger als die englische Originale, schenkt sich aber nichts mit dem Tempo - das ist durchaus eine Ebene. Ich hatte zunächst die deutsche und fand die schon ausergewöhnlich, also machte ich mich vor über 15 Jahren auf die Suche nach der originalen - das war ohne Internet Zugriff nicht so einfach.

Die orginale Decca ist in der Tat etwas schlanker gehalten, als die sehr volle neuen Einspielung von ihm aus den Jahren 1972 - 1975 (ich habe da auch den kompletten Decca Satz aller 9 Symphonien im small silver Band - mit roten decca label) - aber die 59 ist sehr ausgefeilt in dem wie er die Struktur herausarbeitet. Ich habe von der 7ten ebenfalls die von Carlos Kleiber und die von Leibowitz analog vorliegen und dann halt im digitalen Format die von Järvi (die hatte mir ein Freund vorbeigebracht).

Vor allem wenn man sich den langsamen 2ten Satz anhört zeigt sich wer was kann.Carlos Kleiber ist da vielleicht noch etwas genauer - aber was aber die Spannung über die Rythmik angeht, da verliert sich nichts - ganz im Gegensatz zu den Einspielungen von ihm aus den 70igern - an sich ist da nur die 9te Outstandig - gerade was auch das Klangpanorama angeht. Aber primär ist mir die Strukturanalyse wichtig. Und da ist diese Platte grosse klasse und kann imho mit eigenem Charakter gegen Kleiber etc. mithalten.

Insofern , very sorry für das was sich da in deinem Fundus befindet - ging wohl was schief in der Übertragung/Mastering . Was hast Du denn da genau - es gilt die anderen hier im Forum vor Ungemach zu schützen

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Beitragvon Melomane » 01.11.2015, 22:45

Hallo Rainer,

meine Ausgabe ist Vol. 6 aus dieser Jubiläumsedition:
http://www.popsike.com/SEALED-Solti-Edi ... 40984.html
Und die krankt genau wie die deutschen Deccas dieser Zeit, die mit dem hellblauen Label, eindeutig an Klangeinbußen im Vergleich mit ihren englischen Geschwistern.

Den Beethoven hätte ich gerne auch als SXL gehört.

Gruß

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Beitragvon Funky » 02.11.2015, 13:41

Nun, ich will das hier jetzt nicht zu einem Info Austausch zwischen Jochen und mir werden lassen,

deshalb nur kurzer Input zu Soltis Beethoven Aufnahmena aus den Jahren 1972 - 76.

Klanglich sicher eine der grossen Einspielungen, nur leider, wie Jochen schon konstatierte: Solti weiss nicht so recht, was er mit Beethoven anfangen soll. Insofern, sehr schade, dass alles ziemlich belanglos daher kommt (seine 9te teilweise ausgenommen).

Ich tummle mich auch gerne auf dem österreichischen Forum http://www.tamino-klassikforum.at
Dort wird munter über alle möglichen Beethoven Einspielungen diskutiert, und es fiel der Satz, es gibt praktisch keinen Dirigenten, der Beethoven nicht wenigstens akzeptabel eingespielt hat.

Das kann ich nur bedingt so stehen lassen. Einige Dirigenten haben die Symphonien mehrfach eingespielt und ähnlich wie bei Solti gibt es da auch sehr unterdurchschnittliches. Also aufgepasst, nicht überall ist Gold drin, wo mit Gold was drauf steht.

Somit bleibt bei Solti, imho die 7te von 59, ein wirklicher Genuss, (die 3te habe ich von ihm aus dieser Zeit nicht vorliegen), alles andere mit grossen ?? (hoffe es hilft Fehlinvestitionen zu vermeiden und der link zu tamino soll dazu dienen noch weitere interessante Einspielungen kennen zu lernen)

Noch etwas zu den deutschen Decca Überspielungen von den englischen Mastern. Bitte auch bei den Haydn Symphonien von Antal Dorati (1972 - 76) die englischen Deccas nehmen (Vinyl) - ich hatte beide, - puuh, was sich auch immer die deutschen dabei gedacht haben - nur hell, nur strähnig, das waren wohl die selben Pfuscher am Werk wie die bei Solti.

Die englischen sind wunderbar, vollmundig, tolles Tempo und gar nicht teuer

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Beitragvon Melomane » 02.11.2015, 19:55

Hallo Rainer,

nur noch einmal kurz zu den Veröffentlichungsdaten: Ich habe keine Erklärung dafür, warum meine Ausgabe auf 1966 kommt - vielleicht gab es da ein Reissue? Jedenfall nennt Stefan Simon in seiner Diskographie für die SXL 2121 auch "dein" Jahr 1959, genauer den November. Und das Jahr sollte sich ja leicht anhand deiner SXL verifizieren lassen.

Gruß

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Beitragvon Funky » 02.11.2015, 21:42

Moin moin Jochen,

wie schon geschrieben, meine ist von 1959, steht drauf, aber das richt man auch :-)

Ist natuerlich schon heftig, wenn eine Überspielung nicht nur klanglich sondern auch vom Tempo / der Rythmik her nicht mehr das wiedergibt was auf dem Master zu hören ist.

Schade drum (kenne ich ansonsten nur von einigen RCAs Dynagrooves - diese superdünnen Flatter LPs - als Reprint von Living Steroes - da ist praktisch auch nichts mehr vom Original erhalten)

Ja, die analoge Welt hat auch ihre Schattenseiten und nicht wenige.

Aber mal wieder was für alle: Helge Lien Trio - Das Album Hello Troll - norwegischer Jazz mit witzigen und wirklich tollen Variationen - man sieht regelrecht Trolle, Elfen und Gnome durch die Bäume flitzen.

Eine auch klanglich gute Aufnahme - habe die LP , denke aber dass das High Res file oder die CD dieser nicht nachstehen wird. Dann mal viel Spass beim Trolle zählen

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Beitragvon Melomane » 02.11.2015, 21:49

Hallo Rainer,

danke für die Bestätigung.

Hier nimmt derweil das Schicksal einen unverhofften Verlauf: Wenn wir nämlich die Solti-Jubiläumsbox schon aus dem Regal gezerrt haben, dann nutzen wir die Gelegenheit, um daraus Solti am Klavier und Georg Kulenkampff an der Violine mit Beethovens Kreutzer-Sonate zu hören. Und wundern uns über das angegebene Veröffentlichungsdatum 1964 und Stereo-Angabe auf dem Label. Nun ja, die Aufnahme wurde m.W. 1947 gemacht. Immerhin hat man offenbar die Finger von Stereophonisierungsmaßnahmen gelassen. Also lassen wir es gut sein mit der Buchhalterei und wundern uns weiter. Nämlich über den guten Klang vor allem der Violine, die sehr schön voll und klangvoll spielt. Da kommt mir wieder Menuhin in den Sinn und seine Ansicht, dass frühere Aufnahmen aus der Vor-HiFi-Zeit einen wesentlich schöneren, wärmeren Violinenton produziert hätten. Hören wir also auf uns zu wundern und genießen die Musik.

Gruß

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Beitragvon Melomane » 02.11.2015, 22:32

Noch ein wenig buchhalterische Kaffeesatzleserei: Ich vermute, dass die Violinsonate ursprünglich auf Schellack veröffentlicht wurde und dann 1964 erstmal auf LP erschien. Es gibt da nämlich eine Ace of Clubs-Ausgabe, die könnte zeitlich passen.

Gruß

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Beitragvon Melomane » 05.11.2015, 00:10

Hallo,

die nächste LP in der Solti-Box enthält 3 Violinsonaten von Brahms, ebenfalls mit Kulenkampff mono eingespielt. Auch wenn zeitbedingte Störgeräusche nicht zu leugnen sind[1], dennoch wieder eine sehr schön klingende Aufnahme insbesondere des Streichinstruments. Erstaunlich auch angesichts der langen Spielzeiten von > 30 Min. pro Seite. Gefällt mir sehr!

Und das Hobby fordert seinen Tribut - von dieser und der oben erwähnten Beethoven-LP mit Kulenkampff sind britische Pressungen im Zulauf. Ich bin gespannt, ob sich auch bei diesen alten Einspielungen Klangunterschiede zwischen den Pressungen feststellen lassen.

[1] Offenbar wurde noch nicht auf Tonband aufgenommen.

Gruß

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Beitragvon Funky » 05.11.2015, 00:37

Grüß Dich Jochen,

habe mich jetzt erst mal über Youtube mit Kulenkampff eingehört - dort ist sein Violinkonzert wohl über eine Schellackplatte - digitalisiert :-) , hochgeladen . Gut es rauscht doch vernehmlich, aber es ist immer noch die Möglichkeit festzustellen, was der Herr so drauf hat - es scheint sich in der Tat zu lohnen, sich mit diesem Herrn näher zu befassen.

Ich werde mal in den englischen Gefilden via discogs rumstöbern und lasse Dich wissen, was ich da so gefunden haben werde. :-)

Danke Dir für den Tipp

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Beitragvon Melomane » 09.11.2015, 18:40

Hallo,

wie war das doch gleich? Karl Münchinger ist ein altbackener, völlig überholter Langweiler? Hm, das gilt wohl kaum für diese Einspielung:

http://www.discogs.com/Schubert-Rosamun ... se/7202035

Schubert - Rosamunde
Wiener Philharmoniker, K. Münchinger
Rohangiz Yachmi


Nun ja, vielleicht haben die Wiener die Einspielung auf Trab gebracht - jedenfalls wird flott und mit Decca-typischer Klangpracht musiziert. Sehr schöne Einspielung.

Auch wenn mir vom Dirigat her Maags alte Tournabout-Aufnahme:

http://www.discogs.com/Schubert-Philhar ... se/4381579

noch besser gefällt, weil Maag noch "märchenhafter"-romantischer die Partitur ausleuchtet. Na ja, meine Ohren. Leider ist die die Decca halt klanglich besser.

Hört ruhig mal rein - Schubert hat da wieder einmal wundervolle Musik zu Papier gebracht.

Gruß

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Beitragvon Melomane » 09.11.2015, 20:34

Melomane hat geschrieben:Maags alte Tournabout-Aufnahme:

http://www.discogs.com/Schubert-Philhar ... se/4381579


- und die läuft jetzt. Mögen die Wiener das bessere Orchester sein, mag die Decca-Technik klangvoller sein - Maag mag ich einfach lieber. Münchinger schlägt die Partitur auf, bei Maag geht der Vorhang zu einem Märchen auf.

Gruß

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Beitragvon Melomane » 09.11.2015, 23:57

Hallo,

noch eine Anmerkung/Warnung zu Maag: Die Magie seiner Einspielung zündet bei mir nur bei LP-Wiedergabe, die CD, die ich auch habe, bringt es im Vergleich dazu nicht. Die klingt mir zu ausgezehrt gegenüber der vollmundigeren und räumlicher anmutenden Platte bzw. ihrer Digitalisierung, die ich gerade in Konkurrenz zur gerippten CD vergleiche.

Gruß

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